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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-16 · Heft 650 (16.11.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 650 (16.11.1920)
Date
1920-11-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk 650 Men. Dlmsra- SBfettee «rorgskz^UmA 167Novemb« 1VLS Serie N Die Vorgänge in Eger. Konflikte zwischen den Legionären und der Bevölkerung. Prag, 15. Novembsr. Zu den Ereignissen in Eger bpiugt die „Prager Abendzeitung" folgenden V-richt: Gegen 1 Uhr nachts zogen von der Kaserne etwa 150 bewasfnLte Legionäre auf den Marktplatz und sperrten die Straßen ab. Hierauf wurde die Statue Kaiser Josefs vom. Sockel gehoben und besudelt, Die Bevßlberung wurde von der Ankunft der Legionäre durch zweistündiges Läuten sämtlicher Glocken der Stadt, durch Trommelwirbel, Horniignäle und die Rufe: „Heraus aus den Betten!" ausgeschreckt, doch kam sie bereits zu spät. Beim Abzug gaben die Legionäre Schüsse ab, ohne jemanden zu verletzen. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine große Erregung. Sie zog, mit Leuchtern ausgerüstet und die „Wacht am Rhein" singend, durch die Straßen der Stadt, riß von sämtlichen Gebäuden und vcrn Bahnhof die doppelsprachigen Ä ufsch rt fte n herunter und ve rnich tete sie. Die wiederaufgerichtete Statue ist den ganzen Tag über von einer vielhuntertköpfigen Menschenmenge umlarrt. Wie uns gemeldet wird, soll es in Eger zu Unruhen gekommen sein. Gerüchtweise verlautet, daß der Versuch wiederholt worden sei, das Denkmal zu stürzen. Prag. 15. November. (Tsch cho-slow. Preßbureau.) Oberst Gibisch, der zur Untersuchung der Vorfälle nach Eger entsendet worden ist, meldet: Samstag kehrten die Truppen wie g-wöhnlich vom Uebungsplatz unter Mus'.kb.g eituug in die Kaserüe zurück. Auf dem Stadtplatz war Zivilbevölkerung angesammelt, die in Leüensmittelangelege ü.ei.-en Nemedur anstrebte. Der Oberst des Rrgimeuts wußte nichts von dieser Demonstvalion. sonst hätte, er einen anderen Diez in die Kaserne gewählt. »Als^ die Truppen auf den Platz kamen, begann die versammelte Bürgerschaft den -Soldaten „Pfui!" entgegenzurufen, sie zu bespucken, zu stoßen und ihnen sogar?die: Gewehre von der Schulter zu reißen. Das Regiment marschierte in die Kaserne ab. Bis zum Abend geschah nichts Besonderes, obwohl die Stimmung der Mann,chaft s.hr erregt war. Erst, in der Rächt, verließen drei Abteilungen Soldaten durch - einen Nebeuausgang die Kaserne, > nahmen auf dem Stadtplatz Aufstellung und r'ssen die Josefs Statue herab. Hierauf kehrten die Abteilungen in die Kaserne zurück. Schon auf dem Heimweg wurden die Soldaten von der deutschen Bevölkerung angefallem wobei einige Soldaten und Zivilisten versetzt wurden. An einer anderen Stelle'wurden züiei Offiziere oes Ft e^-rkorps mißhanielt, >so daß sie Quetschungen am Kopf erlitten. Die Bürgerschaft st-llte hierauf die Statue wieder auf. Sonntag bewahrten die Truppen Ruhe und befolgten alle Bef hle ihrer Offiziere. Montag vormittags blieb ein Teil der Mannschaft in der Kaserne, während der Rest sich zu einer reglementmüßigen Ilebung auf den lichurrgsplatz begab. _ r\ , ■ . . . Telegramme. Aus der tzorthy-BersamMlung. ^orthy hat die Demisfion der Regierung nicht angenommen. Budapest, 15. November. (Ung. Tel.-Korri-Bur.) Der FriedensveLtvag wird in brütet: Lesung a n gen o m M e n. - Min'st""präsident Gra' Aeleki teilt fodarm mit, daß die Regierung, entsprechend ihrem während der Ratifiba 'o.lZe alte präzijierten S a ldpunkt, dem Reichsvtzrweser ihre Demission angeb oten habe, diese jedoch nicht angenommen Worten.sei, da der Ne'chiverweier der Ansicht se', daß die Ra.ifiziernng keinen Anla; zur Entleli üng der'Regierung biete und daß die He st'llnng der Ordnung eine derart wichtige?7u^abe 'sei, daß eine Regierungskrise, selbst wenn sie nur eine halste Stunde dauern würde, unbedingt zu berwei' en sei. (£e'r<if'e Zustimmung.) Abgeordneter S o mogy i rich et an den Ministerpräsite.. ten eine dringliche Interpolation über die Suspendierung d e's Verein s d e r Erwachenden Magyaren sowie ül.e.' die Vorgänge während der S'uderüng der Ehma:tt--Kdlonje. Redner nimmt! den Verein de. Erwachen'e, Magyaren in Schutz. Während der Jede des Abgeordneten Somogyi kommt es zu einer lebhaften Kontroverse zwischen dem Abgeordneten' Däner und dem Abgeordneten H u s z a r, der die Behauptung des Abgeordne.en Dauer, daß zwischen der Rode, die Huszär anläßlich des Poliziste.nnordes gehalten habe, und den Vorgängen in der Chmann'Kolonie ein Zusam.ne'nhang bestehe, zurückweist. Di- Reg erung ha'e in zwölfter S.unde gewissen finsteren, im Hintergrund arbei.enoen Mächten - das Handwerk gelegt. Hätte sich die Mgierung hiezu nicht beizeiten entschlossen, so könnte die Nationalversammlnng heute hier viel.e'cht nicht mehr arbeiten. Er berufe sich auf die Erklärungen eines Führers der Erwach nden Magyaren, des Dr. Tibor Harkay, der gesagt haben soll, es gebe nur zehn ehrliche Ab-gevrdnet.e, alle Übrigen verdienten gehenkt zu werden und das werde auch bald geschehen. (Lebha te Bewegung.) Rach em noch d e Abgeordneten Zarka ry. So-- moghi und Din.ch in per,önlicher Sache bas Wort er" ^xif;Cii t;at cn, erklär e Ministerprä,i.enl G as Teleki, rr müsse, festn-eslen, daß seine Veriügnngeu. betveMnd. . üordostsibirien und stanittclMa einem StoÄho l m, 15. November. (Wolff.) Der amerikanische Finanzmann Washington E. Vanderlip, der sich einige Monate in Moskau aufgelwlLen hatte, um mit der russischen Regierung zu verhandeln, und der gestern abends über Reval in Stockholm eingetroffen ist, hat der Nordisk Brest Centrale über die Ergebnisse seiner Verhandlungen mitgeteilt, dast ein endgültiges Abkommen zwischen dev Sowjetreoierung und einem ans drn C h e f s einer Anzahl führender amerikanische rFinanzin ft itute bestehenden Syndikat abgeschlossen wurde. Das Syndikat hat für einen Zeitraum von 60 Zähren das ganze nordöstliche Sibirien östlich des HO. Längengrades, einschließlich der Halbinsel Kamtschatkas mit einer Gesamtfläche von 4Y0»0YV Llnadrat-, meilen gepachtet. - Das Sy n d,f* hat, das das Alleim^ recht zur Bewertung der Kohlen- und SelvorrSte sowie der Fischerei erhieitwird das Gebiet im Frühjahr 1921 in Bearbeitung nehmen und seine Tätigkeit aufnehmen. Die Gerüchte über Ausstände und Stratzenkampfp in Moskau find, erklärte Vanderlip, vollständig unbegründet. /. die Ma)'abmen we-en de.' dtym 'n Kolonie,- 'in selben Stunde r,c rossen wo.den seien, als Mgcord. Ller Huszar in der Nato a versamml ng se'ne M'.e gehalteii habe. Aus diese : Umstand ge"e klar he.vor, daß zwischen der Rede des Abgeo d eiea Huszar and', bru V'rgängen in Le' C'i).;a n Kolonie, nich: der geringste Zurammenhang bestehe. Be üblich Lel Vereines ter.Erwachen en Magha.en mü,se der Min sterpräsihent auf seine bereits ^chrachten Erjl arungen verweisen, Laß die Untersuchung gegen den Verein mit vollkommener Parteilosigkeit ge.tthrt werde. Die Budapest er Mörderzentrale. Budapest,lö.Novcmbkr. (Ung. Tel.'Korr.-Dur.) Die infolge der Urnuhm vom voriDe Sonntag verhasteten Führer des V rnnis. der E wachkndcnUlngarn soüten auf Bescheid des Untersuchungsrchttts enthailet wrrden. Die Stausanwallschatt bak jedoch gcaen d escn Bescheid Berufung eingelegt, so daß bis an deren Erledigung btc Verhafteten nrcht sreigelassen Weeden. ' Der angebliche Baron Babarezy, der verdächiigl wurde, ein Bütannia-Tetachement besrhl ge zu haben, wu»de in Abony mN drei MNschuidigen verhaftet und nach Budapest gewacht. Die Machinationen der Petljura-Leute in BHrlin« Be litt, 15. November. sTel.-Komp) Großes Aufsehen erregte vor einiger Zeit die Untersuchung der Staa ca wal'scha't in .Aygele^n'eit der „Ukrainischen Einkaufs Missionen", die größere Posten von .^ee esinate^al in Deutschland wie erholt zu erwerben ^-unternommen haben. Die Personen, die in diesem Zusamm'n'iang,genannt worden sind, ^berschlra'den aufsälli j sch eil vo.r der Be li *: Bi df ache. Die Staa^Anwaltschaft st llitc' fest, daß d'e me'sten M'itglir..sr der d'plon:a' ii,chen.-iPett!u"L Pe.'t.etung m Deutschland zu diesen Personen gehörten. «Aus mehrfache-: Gründen ist'es politisch Nicht 'uninteressant, daß der de eits bei versch'e'.enen Gelegenheiten genannte Bankmann Leo Sch i f f rua n n — da alstätig in .der „Eriassungsste.le des.Reichischatzministeriums" — in der. oben gerenn aichnete Angelegenheit von gewisser Seite den Betrag von 40 Miil'onen Mark aus das Bankhaus Markiewitz in Ber.in überschrieberl erhalten haben soll, umhals „Einkäufer^ auft.-e.en zu können. . Marschafl Pktfltdskr. Warschau. 15. November. (Pnüat) Gestern fand die feierl che Uebagobe des Mmschallst.ibeZ an P i l s u d s k i statt. Die polnischen Nechrspalteien, besonders'die Nationaldemokratm, drePIftidskr bekänrpfen, erklärt?^ die^eier sei eine rein militärische .und trage feinen offiziellen ChcnMcr. Sie forderten, daß die Reg'erung und der Reichstag ack der Ferer vjstziell mcht teilnehmen. komiiees und die Interessen der Partei gehandelt hat, hat daß Zentwlto:nirce beschlossen, dem Dr. Schipper das Sejmmandat a b z u n e h m e n und ihn seiner Rechte als Parteigenossen Hst zum nächsten Parteitag zu entkleiden. Der russische Frontbericht. ^Moskau, 15. November.. (Funkspruch.) An deK- Nordfront ist die Lage unverändert. \ An der W e st f r out haben unsere Truppen bei' I^osyp die Angriffe des Feindes mit Erfolg zurück?.' gewiesen. y An der S ü d w e st f r o n t wurden die Llngrifft Petljuras bei Lischny abgewiesen. Unsere Offensive iM, der^ Richtung aus Prosknrow schreitet erfolgreich fotiL Im Dnjestrgebiirt! leistet der Feind bei Nowo-Uschitz« hartnäckigen Widerstand. Am 11. d. M. haben unsere Truppen Mohilowypodolsk besetzt und sind bis an den Fluß Karetz vorgerückt, wobei sie ein.Geschütz, und sie^i zehn Maschinengewehre erbeutet haben. . - Die Wahlen w Griecheuland. Athen» 15. November. Anläßlich der heute siattfindende« } Wahlen hat die Regierung umfangreiche Maßnahmen zur Währung ' der Ordnung getroffen. Achtzehn Vertreter der OppostrionS^-' Parteien, die eine Wahlagitation in Thrazien unternehmen wollten/ .. waren Gegenstand serndbMr Demonstrationen. . Parks. 15. Novembern „Exchange Telegraph* meldet ans.' Athen, daß in den ersten zwei Bezirken von Athen bei den Käckmerwablcn die Anhänger van Venizeloß mit Zwerdritteh.» meyrhert gesiegt Härten. / Die sächsischem Latt-Lagswahleny Dresden, 15. November. (Wylff.) Nach' den -biK' 2 Uhr nachn it'ags vo . liegenden Ma7,le7gebnissen ergibk sich folgede Verteilung der MandeUe für dsn sächsischew Lün-. tag: Deutschnaiionale 20, Deutsche Voltspa.'tei 18,-' Te^o?raten .8, Unabhängigd (.echrsl 13,- Unabhängig^' (links) 3y Kominnnisten 6, Zentrum 1, Sozialdemo^)' Graten 27. Die Rechtsparteien haben 21-Sitze ge^' Wonnen,, die Demokratien 14 und die sozialistischen Partien 8 .Sitze verloren.,- Das Arteil im Drozetz „Pravo Lid«" gegen ^Rude Pravo". f’ Prag, 15. November. (Tel. Komp? Hercke vormittags wurde das Urteil indem Prozeß „Pravo Lidu* gegen „Rudt - Pravo" auf fchriitllchem Wege bekanntgegeben. Das Urteil, daß,/, zugunsten d e s »R u d e P r a v o* lautet, besagt, daß-, die angeklagten M tglieder des Betriebsrates beauftragt werdeni - den Klägenr Wort ihr gesamtes Eigentum wieder auszufolgm sowie die Räumlichkeiten, wo früher das «Pravo Lidu" erschien, da§ rst Redaktion, Adminrstrauon und Expedition, zu räume» und mrt dem gesamten Inventar dm rechtmäßigen Besitzern wiedys) Mückrustellm. __ ' . . ,'y Der Sejw^epvtierie Dr. Schipper kekA^ pvaie-zioniftischer Abgeordneter. Warschau» 12. Nov mber. (PrivM Der »Moment* östentlrcht iolgendeS Commnuiquä des Zentralkomitees der jüd tozialdeniokratischm Arbeiterpartei Poale-Zion: In Anbetracht dessen, daß die bisherige fast zweijährige Tätigkeit deS poalezionistrschen EejmdevutiMkn Dr. Jlzchok Schipper den sozialistischen Prinz,pren und der Taktik der Partei Nicht entspricht, daß Dr. Schipper oft gegen die Beschlüsse des Zcntmlgioniftische Sektion Wieden-Margareten. DrettsLag den 16;. November ^1S2V, tzräzi e yß Ahr adends, itp Tsrraffen- Neftaurant, V., Margaretenplatz Berfümmluns Mr den Jüdischen Nntionalfonds Ta'esordnnn^: 1. Bortrai ül»?r persönliche Eindrücke in Palasirna, ge- - halten von Herrn Wilhelm Alp er. 2. Vortrag des Herrn Dr. Israel Waldmann über We^en und Zweck deS Jüdischen Nationalsonds (Keren Kajemeth LeLisroel «.KerenHajeffod), Tagesbericht. O : Der rote Schmock. Es ist den Herren von^ der „Tlrbeitür-Zeituug" zuy . lieben Gewohnheit' geworden^ ihren Angriffen ge^«r:r di^ christliche. Reaktion und den christlichen Klerus .durchs gleichzeitigen Hinweis auftÄie „jüdische Reaktion"!einen' objektiven C'harakter zu verleihen. Sje glauben, dirM Manöver ihrer nicht «bzuleugnenden jüdischen Herkunft schuldig zu sein.» Bei dem krankhaften Bemühen,-immer, jüdische Gegenstücke zu lieftrü, kommt natürlich oft blühender Unsinn heraus. So schreiben sie in der letztest Sonntagnumnrer in einem Artikel über die Verbrechen der ChristlichsozialLn: „Sie (die Christlichfozmlen) verioasserten die Sßtz* mögensäbgabe, sie schonten die stärkste Steuerqurlle im Staate, den Landbesitz, sie ließen den Reichtum der ' Kirchen. Klöster, Stifte und Synagogen (l) unangetastet ..." . Mit Stanaen haben wir nunmehr erfahren, hast es jüdische Kircheugüter gibt. Aber wo liegen denn diestz Reichtümer des jüdischen Klerus? Wir Haben bisher, nur gewußt, daß die Wiener Kultusgemeinde bis über die Ohren verschuldet ist, ihren abgebrannt.'» Tempel n!cht aufbauen und ihre Beamten nicht anständig » bezahlen kann. D'e Kunde van jüdischen Kirch.'ygüterm welche uns der .rote Schmock übermittelt, ist wirklich drollig.

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