Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 649 (14.11.1920)
- Date
- 1920-11-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 649 - . Wien, Sonntag . Wiener MorgeuzeiLitng klargestellt werden^ ob in unseren Beziehungen zu Pet-- Wpa,. P-lMyjvicz^ und WranMl sticht eine - Wieder belebungt ^jenor.».^föderativen^ "MtiWrt Weckt,?. welche iuns bereits LinjflLl'an die Mauer« der goldenen Stadt 'gebracht hat.J.' . . Auf Len Protest "I o f f e s hat'die polnische Friedensdelegation erklärt, , daß er' nicht begrtttrdet fei, da er sich auf keinen Punkt des Präliminarfriedens stützen Hme. Im PrWminarfrieden sei .fiir hie Regelung der lstauifch-polnischeu Grenzfrage ausdrücklich die N i ch t-- e'^nmis ch ung 'Rußlands vereinbart worden. Bis zur Ratifikation des Friedens habe Polen keinerlei Drr-» pKichtung gehabt/die Operationen. Balachowicz' irr Weißrtzßland irgendwie, zu stören. In Warschauer politischen Kreisen rechnet, man da- »fit, daß gleich' in .'der ersten Sitzung der Friedenskonferenz in Riga Joffe die Frage wegen der Abünlungen Bal^chowiez' und Petljuras. aufwersen wird. Hardiug Aber die Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Nach dsm -„Echo de Paris" hielt H a r d i n g am Fahrestage des Abschlusses des Waffenstillstandes die in ganz Amerika mit lebhaftem Interesse erwartete Rede. Er betonte, Amerika habe während des Krieges der ganzen Menschheit einen Beweis von Selbstlosigkeit gegeben. Es habe mit den Alliierten zusammen gekämpft und zum SiW beigetragen, doch habe es niemals irgendeinen Bündnisvertrag abgeschlossen. Amerika habe nicht ans dem Grunde gekämpft, um das friedliche Bestehen, der Demokratie zu sichern, denn bereits lange vor Eintritt Amerikas in den Krieg sei die Demokratie bedryht gewesen. Die Vereinigten Staaten hätten sich dem Kampf angeschlossen im Interesse der Freiheit Amerikas, das stark bleiben müsse auch im Frieden und das in der Industrie und Landwirtschaft einen ersten Platz einnehmen müsse. Ein Amerika, das eine hervorragende Stellung aus der See behaupte, werde stets gut geschützt und im Ausland einflußreich sein. Harding betonte schließlich, daß sich Amerika eicht hinter eine völlige Isolierung verschanzen oder seiner Verpflichtung gegenüber befreundeten Staaten entziehen wollet Die Vereinigten Staaten wünschen den Frieden und werden ihm zu dienen wissen, aber es sei auch ihr fester Wille, die Freiheit zu bewahren. Homerule für Irland. Aus London wird gemeldet: Die bei der dritten Lesung der Homerule-Bill für Irland gehaltenen Reden waren sehr gemäßigt. Asquith trat dafür ein, daß eine wirkliche Grundlage für die Regelung gesunden werde. L l o y d G e o r g e hob nachdrücklich hervor, daß die fundamentalen Bedingungen für die Gewährung der'Homerule die Auftechterhaltung der Integrität und die Verbürgung der strategischen. Sicherheit des Vereinigten Königreiches seien. Unter Hmweis auf die angebliche Verschwörung zwischen den Sinnseinern und den Deutschen im Jahre 19f8 betonte er die Notwendigkeit völliger Kontrolle der irischen Hase n. Auf eine Anfrage bezüglich der vier Millionen Rubel, die in Rußland für die Sinnfeiner gezeichnet worden seien, .erklärte Lloyd George, daß sich diese Nachricht nicht bestätige, doch werde die Regierung die Angelegenheit im Äuge behalten. Bezüglich der Verhaftung des Unterhausmitgliedes Malone in Dublin wurde seitens der Regierung erklärt, daß die Verhaftung auf Befehl des Gerichtes und unter gesetzlichen Formen erfolgt sei. Neue jüdische Uebersetzungslyrik. Eine wahre Bereicherung des Schatzes jüdischer Lyrik muß die allmähliche Erschließung des weiten Bereiches der alterest eigentlich sogenannten „neuhebräischen" Dichtung, bedeuten: von den Schöpfungen eines Jehuda Halevy. oder Salomo ibn Gabirol bis zu dem inbrünstigen Gebet , irgendeines obskuren Frommen. Manche dieser. Dichtungen wurden bereits seit vielen Jahrzehnten übersetzt, teils in liturgischer, teils irr rein poetischer? Absicht, zumeist allerdings von rabbimschen Gelehrten und nur selten mit poetischer Nachgestaltungskraft. Eine solche läßt sich' erfreulicherweise den. vor kurzem in 'prächtiger Aufmachung erschienenen liebertrag ungen Jehuda H a l e v y s von Emil Bernhard i-achrühmen. namentlich was Flüssigkeit der Sprache, Echtheft, Wärme.und Schwung des Empfind»,igsaus-- drucks betrifft. Von vielen dieser Uebertragungen erscheint die peinliche Spur der Uobersetzerarbeit gänzlich geschwunden und manchmal in ein völlig neues Gewand die Innigkeit des Originals herübergenommen. »Dies betrifft vor allem die rein religiös gestimmten Ächtungen oder mindestens manche Stellen derselben. So in den Anfangsworten eines Gedichtes: Du Seele willst ins Vaterhaus, Im Dvmme schwingst du dich Zur Höhe, Hvin Traum nimmt dir dein, tiefes Wehe, Dem Hsirmvch aus der Brust heraus. Oder in folgenden Versen: ...Zu dir, dvr alles MM, All diese Welten tragt Und keinen Arm doch' rühret ' fe|n§ Aand bewegt, Die Ratifikation des Friedensvertrages in Ungarn. Die Vorlage angenommen. Budapest, 13. November. (Ung. Tel.°Korr.°BurH Der Gesetzentwurf über die Bodenbesitzreform würde in dritter Lesung angenommen. Es folgte die Verhandlung des Fried e,n svertcag es von Trianon. Karl Huszar verliest folgende Deklaration: Indem die Nationalversammlung die Inartikulier ung des Friedensverträges von Trianon beschließt und ihre Zustimmung zu seiner Ratifizier u n g erteilt, erklärt sie, daß. sie dieses Friedensdokument für ungerecht und gegen die gemein» samen Interessen der Menschheit verstoßend erachtet. Die Nationalversammlung stimmt nur, dem. unwiderstehlichen Zwange nachgöbend, der Ratifizierung zu und will mit dieser Tatsache jenen Gebieten, die in? der Nationalversammlung nicht vertreten sind, kerne Verpflichtung auferlegen. Nach den Reden des Referenten, des staatsrechtlichen Ausschusses Abgeordneten Aladar Valla, des Referenten des .volkswirtschaftlichen Ausschusses..Abgeordneten Josef Jarrny, des Abgeordneten Stephan F r i e drr i ch (christlichnational), des Prinzen W i nd i s ch gst ä tz, der Abgeordneten D v o x zak (Slowake), Lingauer (Westungarn), Ku'tkafalvi (Rutheue) und K l e b e l s b e r g (Oedenburg) legte Ministerprasident Graf T e l e k i die Gründe dar, lvelche es notwendig nrachen, daß die Nationalversammlung die Vorlage votiere. Zum Schluß erklärte er, daß er die gesamte Berantwor in n g überneh m e und deshalb selbst beantrage, ihn in den Anklagezustand z« versetzen, damit die Verantwortlichkeit klargestellt werde. (Große Bewegung.) \ ' Justizminister T o m c s a n y i erklärte daraus, daß sämtliche Mitglieder des "Kabinetts die Verantwortung des Ministerpräsidenten zu teilen wünschen. Präsident Rakovszky legte dem Hause die Frage vor, ob das Haus die Gesetzesvorlage über die Ratifikation des Friedensverträges annehme: Ja oder Nein? Es folgte lautlose Stille. Weder ein Ja noch ein Nein wurden vernommen und der Präsident erklärte die Vorlage für angenommen, womit gleichzeitig hie Adressen der Munizipien wegen Verweigerung der Ratifizierung als all gelehnt zu betrachten seien. Pettjüra ttttd Pawlenko. Aus westukrainischen Kreisen wird uns geschrieben: Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß zwischen dem General Pa w l enko und der ukrainischen Oeffeirt-> lichkeit einerseits und dem Oberataman Petljnra andererseits seit geraumer Zeit sehr ernste Differenzen bestehen. Sie erreichten den Gipfelpunkt, als kürzlich auf Betreiben des Oberatmans Petljura der Gesetzentwurf, betreffend die Verfassung der ukrainischen Republik, der seine Machtbefugnisse einschränken sollte, von den ihm ergebenen Ministern zn^Fall gebracht wurde. Infolgedessen hat der Volkswirtschastsminister A r ch ft penko, die markanteste Persönlichkeit in der Regierung P.tljuras, die Demission gegeben. Die kürzlich von der „Chicago Tribüne" gebrachte Nachricht vom Sturst des Oberatamans Petljnra ist also nicht so unwahrscheinlich, wie von stinen Wiener Freunden verbreitet wird. Petljura wird den Weg der Denikin und Jndenitsch gehen. Du, dessen Wu.nderwKlL'Ln Die Höh' und Liefe hält Und heiliger Gestalten Geheimnisvolle Well. Besonders vollendet in dieser Beziehung ist die Uebertragung des Klageliedes: „Joncch tekonett" („Eine Taube schluchzt vom Zweige") und das bekenntnisstarke „Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft". Freilich wird der Flüssigkeit und Unmittelbarkeit des Ausdrucks häufig nicht nur das Detail des hebräischen Originals, sondern auch die Rhythmik desselben, ja noch mehr, die innere Seelenrhythmik, zum Opfer gebracht, die beim großen Dichter hinter der ebenso klaren als künstlichen Form manchmal recht verborgen liegt. Und so enthält die Sammlung auch Uebertragungen der berühmtesten und schönsten Dichtungen (zum. Beispiel der Zionide: „Zion Halo tisch'ali" oder des „Seesturm"), die bei allem Schwung an äußerer und innerer rTreue, nicht nur hinter dem Original, sondern auch hinter bisherigen Übersetzungen Zurückbleiben. (Man vergleiche hiezu die beide» erwähnten Gedichte in der B e r n h a r d scheu Uebertragung mit den Uebertragungen K r i st e l l e r s und Hellers. Namentlich der „Seesturm" erscheint stellenweise an Morris Rose n f e l d orientiert, obgleich wieder das fäufte Stück eine Perle völlig freier Nachdichtung bildet.)! Nun freilich wird es auch der besten Nachdichtung i nicht leicht, in den gerade in einer gewissen Inkongruenz von Form und Wesen demheutigen Leser etwas entrückten Geist jener Dichtung einzusühren. Und da ist die ausführliche f/ersönliche Würdigung des Dichters am Schlüsse des Buches als Einleitung sehr emp- - fehlenswert. Ob es wahr ist, daß die religiöse Innigkeit dieser i, Dichtungen kr. AnregunL des arabischen MMkers. 14. November 1926 Seite 3 --' r.-T ,-«r. »- --- Pelzhaus | Bemann & Landesmann T&boratr&sse Nr. 1,1. Stock . :i empfiehlt sein reiches Lager in allen Arten Pelzmänteln, Stadtpelzen, Füchsen und Verbrämungen i tt feins ter A a s { ii Ii r u n g : Eine englische Denkschrift zur Völker- . -nndfrage. ■! In der von Äorb Selbo rne, LmÄ Grey''und'' Minister Baru-rs verössentlichttn Deulschrist Mer die Aufnahme der'-rhemaligen seindlichen Länder rn d:»- Völkerbund heißt «K, diese Frage fei von höchster WiE Ligkeit u»ch müsse auf der bevorstehenden Völkerbund-. Versammlung in Genf besprochen werden.'Den Weltfriede könne' anr besten durch die Aufnahme aller Bött-rc in den Bund gesichert werde». Je länger die ehemaligen Feinde ans dem Brmve ausgeschlossen blieben, «mso schwieriger würde es für de» Völkerllund sein, seine Aufgabe» durchzusührou. Die Brüsseler AmMzkonserLnä wäre ein Fehlschlag gewesen, wen» die Delegierten der ehemals feirldlichen Länder nicht daran' teilgenornmen hätten. Dasselbe gelte auch für die Erörterung der europäischen politischen Frage». , ■ Für eine polnisch-litanischeFö-erattott. Aus Warschau wird »Ns gemeldet: „Moment" gibt ein Interview des Korresponheute» des „Daily Telegraph" mit JDW P u rizk i §, drur litamschen Minister des Reußerü/ wieder, in dieser'über die künftigen Beziehungen zwische.-Mlchi tmll Litauen folgendermaßen äußert: (- 1. % ' „Für bi« Sicherheit' »uv -en 'Mohlstaüd '. vou^ Litauen und Polen ist M Bstnd n-is oder eine'. Föderaiion beider Länder unbedingt inptwchlbig'. 'Das beweist schon ihre'^ Vereinigung in der Vergangenheit. - Ueberbies sind Polen und Litauen kulturell eng.verbnnde». Die polnische Kultur ist in gewisse Schichten der litauischen PMlkenmg, eingedrungon, «MrerseW wieder sind einige 'her größten polnischen Dichker,: Schriftsteller und Künstler Manischer' ALstymnrüNg.! Natürlich ttrnn. /pon einer .poLmsch-litauischen Födeta-! Lio» nur die Mdö sein, wenn dis polmschv^ RegierlMg! anerkennt,' daß jeber ber' Leiden Teile seine, ä.ij.f t t PoLitische Nna'b h on^jgkerb bewahrt/' s' . }\\ > Der Minister wies. dem Berkvetex 6eg!. ,,/TMy i Telegraph" auch die Notwendigkeit.eirxer Unabhängigkeit Litauens in zt e'l ’ tauen hat f cn n e innere», oder aüsivMige» W't a a t sschn lden und der Wert seines Exports istz dreimal so hoch' als der seines Imports. Deshalb--steht au'chl die litauische .Balnt-a viermal so hoch imMevt wie .Hjp polnische. Es ist sreilich möglich', daß!'sich' dreK->/ä.jchert.' Eine Wirtschaf tliche Föderativst' ist. nicht -so sehr iür die Gegenwart als kür die Zukunft wichtig. Litämu als reiysr Agrarstaat kann die rmtnrliche Ergänzung für das mehr iytzustrielle . Koler^ '.bW^.'^sttwali'Her Austausch der Produkte leicht ist."- (Hiezu'ist uoch zu bemerken, daß auch-ln englischen' diplomatischen Kreisen vielfach auf die Notwendigkeit eines Bündnisses oder, eurer Föderativst. zwischerr-.Mlest und Litauen histgchviesa» wird.) Ghozzoli bedurfte, wie der Ueborsetzer behauptet, oder nicht, jedenfalls liegt hier ein Moment vor,, das altorientalische Gottversunkenheit in gewissem Sinne mit der auch-in der christlichen Mystik oft sich findenden Stimmung persönlichster Göttesliebe vereinigt und auch in dem glühenden Ausdruck nationaler Sehnsucht seine Reflexe wirft, die ja. wieder, wie dies das Lebensende des Dichters beweist, bei ihm rein persönlich und zu'- gleich religiös durchpulst ist. Gerade in bezug auf dre Motivierung des' entscheidenden - Lebensabschlusses des Dichters in einer Tragik seines ganzen Lebens ist die biographische Skizze sehr instruktiv. - - Etwas fremdartig für unser Empfinden' ist das Anschwärmen der Freunde und namentlich der „Mäzene" in seiner tteberschwänglichkeit. Seltsam nimmt fick zum Beispiel das Gedicht an dm ägyptischen Gönner Ä h r o n b e n Z i.ö n A l a m a m i aus, das bei etwas symbolischer Anfsössung ebensogut aus Gott bezogen werden könnte, /namentlich mit den übschließendeir Worten: - Zürn' Er', rächt, daß oll mein Simren Sich in Ihm erschöpft und endet. - ' Die wenigen, hie und da in Bild und' ernsthaftem Spiel nncrrejchbarcn Liebesgedichte zeigen freilich mitnnter auch einen arabischer Ritterlichkeit wohlnachgebildeten romantisch schablonisiortcn Zug; so, wenn rinwer wieder die Geliebte über die SonNe gestellt wird oder die Liebeswunden mit Waffenwttnden vergliche» werden. Unwillkürlich wird man dann und nicht bloß in den LiebcsdichLlrngen, sondern auch sonst in der verstandesmäßigen Pöintiernng des Lyrischen, was gewiß kein Zufall ist — cm Heine erinnert, ein Eindruck, den die speziell« Form der Uebertragung verstärkt. Aller gerade in den ernsLeften religiösen Dichtungen ist es oft dieselbe Nuance -er äherrajchepdesi aeistreichen Mn-