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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-10 · Heft 645 (10.11.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 645 (10.11.1920)
Date
1920-11-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Morgen »rtrmg 10. November 1920 rtmw Parks, 9. November» In der 'gestrigen Sitzung 1 des sozialistischen Rationalkomitees erstattete Iou hau; Bericht über seinen Aufenthalt im Nuhrgebiet und über das in Berlin getroffene Einvernehmen mit dem deutschen! Gewerkschaftsverband. Ser „Humcmitee" zufolge teilte . Jüuhaux mit, daß die Lage in den zerstörten Gebieten ' eingehend besprochen.worden sei und daß.die deutschen [ ■ Vertreter erklärt hatten, daß sie die Wiederherstellung dieser Äeblete als eine der wichtigsten Pflichten betrachten. Sie hatten ihr Anerbieten erneuert, beim Wiederaufbau ' mitzuarbeiten, wobei jeder Gewinn kapitalistischer Kreise, - weicher Staatszugehörigkeit immer, ausgeschloffen sein solle. Die Vertreter der Arbeiterschaft Frankreichs und Deutschlands hätten in diesen Punkten volles Einver» nehmen festgestellt. V ^Am Schluß der Sitzung wurde eine Erklärung beschlossen, die in der f ra n z ö s i s ch e n Und deutschen nnsmzsEQaj agesbertcht. und Senatoren dem Völkerbund überveichteDenkschrift mit einem umfangreichen Elaborat, geantwortet. worin sie den Nachweis zu erbringen versucht, daß die Verfassung nicht besser sein könne und auch nicht besser geworden wäre, wenn die Deutschen daran mitgearbeitet hätten.; Prager Senat. Prag, 9. November. In der heutigen Sitzung des Senats sprach der Sozialdemokrat Heller über die Stellung der Deutschen zum tschecho-slowakischen Staate und erklärte: Die dreieinhalb Millionen Deutschen können Sie nicht zu Tschecho-Slowaken machen. Sie bleiben, was sie sind und haben auch nicht die geringste Absicht, etwas anderes zu werden. In Besprechung der Leplitzer Kaiser Josef-Denkmal-Frage sagte Redner: Hier handelt es sich, nicht um Kaiser Josef, obzwar es -doch einigermaßen sonderbar ist, daß die Negierung die Denkmäler jenes Mannes abtragen lasse, dem die Tschechen so viel zu danken haben. Ich kann mir ganz gut denken, daß auch in einem sozialdemokratischen Staate künstlerische Monumente von Monarchen stehen können. Es handelt sich leider wieder um eine nationale Frage. Wir verlangen, daß. Sie die nationalen Verhältnisse anerkennen und jedem daS gleiche Recht im Staate gewähren. Was heißt es, daß Sie sich immer auf Wien berufen? Sie sind ja in Wien auch in der Regierung gewesen und wenn Sie dieselben Zustände wollen wie im alten Oesterreich, dann werden Sie auch dasselbe Ende haben wie da8 alte Oesterreich. Ich richte den dringenden Appell an Sie, Uns die aktive Mitarbeit möglich zu machen durch eine Politik, die sich abkehrt von der Politik der tschechischen Chauvinisten und der tschechischnationalen Parteien, denn mit dieser Politik werden Sie diesen Staat nicht in Ordnung bringen. Als Senator Heller eine Verfügung der Regie' rung über die Ausweisung des Redakteurs Franke eine Schande und eine Dummheit nannte, erhielt er den Ordnungsruf/ Stürmische Vorgänge km PragerAbgevvdireLMhause. Peag. 9. Novkmh'r. Im Abgtordnelenhausr gab abrnds Min stelpräsident Cernv eine Erllcnmik über die Ereignisse in Tcpl tz ab. wobei er durch Rute deS Widerspruchs seitens der deutschen Abgeordneten unterbrochen würde. Präsident Tomasek crttl'e den Abgeordneten Knirsch und Jung, den Oldnungsrui, was diese mit Schlagen ans die Pnltdccktt beantworteten. Der Vorsitzende schloß beide Abgeordnete für lim' Sitzungen von den Berdandlungrn deS HruseS aus. wo, auf sich die Deutschen von den Banken erhobt« und die „W a ch t a m R h e i n" anüimmten. Der Präsident unterbrach schließlich d:e Setzung üm VtU Uhr nachtS. Presse verlautbart werben soll. Diese Erklärung macht zunächst von d'tzm in Berlin getrossenttt Einvernehmen . 7 Mitteilung und erhebt Einspruch gegen die wieder», holten Drohungen einer m i l i t ä r i s ch e n B e s e tz u n g 4 des Ruhrgebietes, die, wenn sie tatsächlich erfolgte,/,.), unvermeidlich zu emer Katastrophe führen müsse,. Die ‘ Arbeiter des Ruhrgebietes täten ihr Möglichstes, um die Durchführung der Vereinbarungen / dott Opa über bife Kohlenlieferungen sicherzustellen. j 4 Die Erklärung stellt fest, daß durch die Notlage kyr p Nuhrgebiet die Heranwachsende Generation zu Krcinkheit . und Tod verurteilt sei, verlangt ausreichende Ernährung / und betont schließlich, daß ein freiwilliges Zusammenwirken der Arbeiter beider Länder notwendig sei, um > die verwüsteten Gebiete wieder aufzubauen, die VolM» Wirtschaft zu beleben Und in allen Ländern Europas die . / durch den Krieg zerstörten Werte wiederherzustelleu. scher Weise befassen. ES gibt nämllch überhaupt sÄhe wenig Juden, die sich dem Volksschuüehrerberuf widmen. ES wird in der nächsten Zeit sowohl für die bereits bestehende als auch für die etwa noch zu gründenden jüM», schrn Volksschulen (insbesondere in der Leopoldstabt) eirl«, Anzahl jüdischer VolksschMehrer notig sem. AuS diesen Cr«' Wägungen wurde zugleich mit der Volksschule auch em Vor» bereitungskurS für jüdische VoltsschuHehver gegründet, der feinen Teilnehmern ermöglichen soll, am Ende dieses Schulz jahres ay einem staatlichen Lehrerseminar die Lehvbefähi»' gung zu erlangen. Der AurS ist in Anbetracht seiner kurzes Dauer nur für solche Teilnehmer bestimmt, die. eine ge-i nügende allgemeine Vorbildung besitzen, um am Ende dieses Schuljahres sich der Reifeprüfung an ei,rem staatliche«' Lehrerseminar unterziehen zu können. ES kommen daher in>! erster Reihe Absolventen eines Gymnasiums (Realschule) i Betracht, die nur aus Pädagogik, Methodik, Harmonie!, und Handfertigkeiten geprüft werden müssen. Der Kurs steht unter der bewährten Leitung t*Hj Fräulein Hedda Kraus. Der Unterricht ist unentgeltlich und findet in den Räumen der Zionistischen Sektion, Wien,! 9. Bezirk, Liechtrnsteinstratze '11, statt. Die Hörer besuche« des öfteren unter Führung der Leiterin moderne Schulend wo sie. sich mit ihrem künftigen Beruf praktisch vertrau^ machen. Auch für die Aus-, beziehungsweise Fortbildung iifr der hebräischen Sprache ist gesorgt. ES besteht die Siche« heit, daß schon in diesem Jahre eine Anzahl moderner, tüchi tiger Und für ihren Beruf begeisterter jüdischer Volksschul«! lehver und -Lehrerinnen ausgebildet wird, die für daS ind Aufbau begiffene Schulwesen in Oesterreich und zweöfelloq auch im Auslande benötigt werden. i Neue (insbesondere, männliche) AusnahmSwerber, doch denen eine geringe Anzahl n^h zugelaffen werden karu^. wollen an Montagen (Feiertage ausgenommen). vor halb ober nach halb 7 Uhr nachmittags,, wie auch an Feiertag« vor 12 und nach 1 Uhr in der Zionistischen Sektion, 9. Bezir LiöchLensteinstratze 11, bei Fräulein Hedda KvauS sprechen. Der Jüdische Schülverein, der das Jüdisch^ Realgymnasium, die Jüdische Volksschule und den erwähntes Lehrerkurs finanziert, ist das Organ, das berufen ist, dach Werk des jüdischen Schulwesens auSzübauen und seinen Dch stand zu sichern. ES ist daher heiligste Pflicht einejedertz bewußten Juden, dem die jüdische Erziehung unserer Jugench Herzenssache ist . und der an diesem Werk mithelfen smZ4: zunächst dem Jüdischen Schulverein selbst als Mitglied bei« zutreten (Mitgliedsbeijrag 60 Kronen jährlich), ferner mst allen Kräften neue Mitglieder zu werben, ihm größere.Gelbe Zuwendungen zu verschaffen und für sein Wirken in jedez Weise Propaganda zu machen. ,s Das Sekretariat des SchuldeveineS befirtdet sich, MeN^ 2. Bezirk, Tabotstratze 20 a, wohin Anfragen gerichtet, Bei« trittserklanmgen «ingesendet und. Schecks für den Geldevlag auf das Konto des Jüdischen Schülveremein der Ländern bank angefordert werden können. 1: Rr. 645 tzvim. Mittwoch Der GenevalsekretLv,des Völkerbundes beim Genfer Oberrabbiner. Gc«f, 6. November. (Jewish Corr. Bur.) Der Generaldirektor des Sekretariats des Völkerbundes, Sir ErieDrummond, stattete nach seiner Ankunf tin Genf in Begleitung seiner Sekretäre tsm dortigen Oberrabbiner einen Besuch ah. i In seiner Erwiderung auf die Begrüßüägsansprache des OberrabbiU.rs sagte Sir Erie Drummond, daß'der Völkerbund seinen Grundsätzen treu bleiben und die auf sich genommenen Verpflichtungen gegenüber .den Ju^eu. Erfüllen wird. Die Juden dürfen vom Völkerbund Gerechtigkeit erwarten. Polnische Agrargesetze. ■fy' (Warschau. 9. November. (>,P> ln. Stimmen":) Der polnische Ministerrat hat dri'i Gesetzentwürfe beschlossenbetreffend. die Erwerbung von Grund und Boden, darunter ein Gesetz über die Verleihung von Boden an polnische Frontkämpfer. Die politische Einteilung Galiziens. ' Marsch-«, 8. November. (Poln. Del.-Agentur.) Der TerwaltllNgsausschuß des Landtages hgt den Negierungsentwurf angenommen, wonach Kleinpolen (das ehemalige Galizien) in vier Woiwodschaften mit den Sitzen in Lemberg, Krakau, Tarnopol und StaniSlau eingeteilt werden soll. Die Warschauer Verhandlungen. War schm, 9. November. Gestern nachmittagfanden Besprechungen der Präsidien der - sechs Rechtsparteien statt. ES trat die Tendenz zutage, betreffs des Wahlcharakters aller Mitglieder des Senats nach Art der frattzösischrn Verfassung ein Kompromiß zu schließen. Der konstitutionelle Arbeitsklub wurde beauftragt, mit dem Zentrum und der Link« in Verhandlungen zu treten. Der rusfische Frontbericht. PkoSka«. S. November. (Funsspruch.) Frontbrricht dom 8. November: Im Gebiete von Mosyr wurde bet-Vormarsch der Truppen des Generals B.ilachowiez 45 Werst westlich von der Stadt aufgehalten und die Trpppcn wurden z u r ü ck g e d r ä n g t. Im Gebote von Litin und am Dnjestr erfolglose Angriffe der Truppen Pctljuras auf uuftre Stellungen. Ander Südfront rege Aufklärungstätigkeit. Ker jüdische Deputierte Nomberg legt sein Mandat i ieder. Warscha«. 8. November. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung";) Der „Naje Hajnt" gibt eine Meldung des Berliner „Ostiuden" wieder, wonach der bekannte Schrlfssteller D. H. N o m b e r g. welcher der Jüdischen Volkspartei angehört und Deputierten im polnischen Sejm ist, aus Berlin, wo er seit einiger Zeit weilt, nach Warschau die Nachricht gelangen ließ, daß er sein Deputiertenmandat niederlege.'Nomberg wird in Kürze nach Warschau kommen, um die für die Mandatsniederlegullg nö igen Formalitäten heim Präsidium d-'s Sejm durchzuführen. Er grdenkt angeblich, seinen Wohnsitz gänzlcch nach Berlin zu verlegen. Amerikanische Kundsebuneen für Irland. Wash'n ston, 9. November. (Funkspruch.) Eine mächtige Trauerkundgcbuug für den verstorb.nen Bürgermeister von Cork hat in Washington stattgrfundcn. Ein Zug von vielen Tausenden passierte unter Borantragung Von Fahnen in tiesstem Schweigen das Weiße Haus. Verkehr.seinsteÜung in Ungarn. Budapest. S. November. (Üng. Tel.«Korr.«Bur.) Einer Mitteilung der Staatseifenbahndircktion zufolge wird am 10. und 11. d. M. infolge des katastrophalen Aohlenmangels der E'.senbahnverkchr vollständig eingestellt sein. Der Losalverkehr wird auf die notwendigsten Beamten- und Arbeiterzüge,besch.'äükt bleiben. Der Luxus,chue.lzug Budapest—Wien wird verkehren. Die Wahlen ln den annektierten Gebieten der ' Tschecho-Slowakei. Prag, 9. November. Im Budgetausschuß des Ubgeordne.euhausez erklärte bei der Bera.unz des Budgets des M.nisteoiums des Jnn:rn der NegierungÄvertreter in Erwiderung auf die Ausführungen verschiedener Redner, daß die Regierung heute dem Abgeordnetenhaus einen Ee,e>utwurf unlerbreiie, wodurch die Durchführung der Wahlen in die Nationaler-, sammlung in Wcitra, Feldsberg, Hultschin, Teschcn, Arva und Zips angeordnet werden soll. Die Wahlen in jenen Gebieten werden gleichzeitig mit jenen in Karpathotußkanb spätestens im Lauf« dos Monats Februar komnrenden Jahres stattfinden. Verstaatlichung dev Pslizcl Ui Äsr ElsmakL).! Prag, 9. November. (Tel.-Komp.) In der herüigm Sitzung des Budgetausschusses stellte der Referent den Antrag, die gesamte Polizei in bm slorvatischen Gebienten zu verstaatlichen. i Die Deutschen in der Tschechs-Si rmd dev Völkervunv. . Prag. 9. November. (Korr. Bur.) Mi« dl->.s„Preger -Tagblatt" erfährt, hat die jsch.cho-slon-atii'ch-.: 's'egi-.- «UNÜ aus die von den deulickl'licaerlichou Nt'0r.orow'leu Z«r Hrranbildung jüdischer Volksfchullehrer. Ään fchveM uns: Abseits dom Hader der Parteien, fiuld in Wien die Anfänge eines umfassenden jüdischen SchuL« Wesens entstanden. Nach dem im vorigen Jahre gegründeten Jüdischen Realgymnasium, das jetzt 250 Schüler bet ersten zwei Massen zählt und da» sich während feines Bestandes sowohl die Anerkennung der Behörden (Verleihung des CeffcntlichleitsrechteS) als wsbesonder« die Anhängkich« keit der Schüler und die Dankbarkeit der Eltem eavorbrn ly.ii, wurde in diesem Jahve die Jüdische Volksschule (zunächst die erste Müsse), 20. Bezirk. Denisgaffe 86, eröffnet. Eine andere Gründung des Jüdischen UntevrichtSamteS und deö Ji'chisttM SchulvereineS, weiche im Rahmen düs ist den . Anfängen stehenden jüdischen Schulwesens ei^en fchr wichtigen Platz cinninunt und für den Ernst, mit dem der Schulde rein ln seiner Arbeit vorgeht, ein beredtes Zeugnis ablegt, ist der Kurs zur Heranbildung jüdischer Volks« f ch u l l e h r e r. Schon während der Vorarbeiten für die Jüdische Volks« sthole mutzte man sich mit der Frage des Lehrerpersonals in ouiu besonder«, für, d» iüdilcken Verhältnisse charÄteristi" DvM Re-lstzmvüsiÜVr. (Elternabend. — Ein Vortrag deS Direktors. —-- Die Ans« gaben deS Elternrates.) Anläßlich eines Elternabends, ' der am jüngstew Samstag stattfand, erstattete Herr Direktor Kellner, ein eingehendes Referat über das Erztehungswrrk iw. hieser neuen jüdischen Anstalt, über die Beobachtungen des Lehrkörpers an den Zöglingen und über die Notwendigkeit zielbewußter Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. Die Lehrer seien bestrebt, die .Kinder von zu mit* gehenden egoistischen Gefühlen zu besrri.ru iut& ihnesi das Streben einzutmpfen, sich in den Dienst der mensch^-. lichen Gesellschaft, vor allem aber der jüdischen Ge» meinfchaft zu. stellen. Es werde von den Schülern beim , Unterricht viel verlangt, aber ihr körperliches und sittliches, Gedeihen liege den Lehrrrn vor allem am Herzen. Der Schularzt, Herr Dr. Sanel Beer, Lern der Direktor für seine hingebende Wirksamkeit den Dank auSsprrcht, überwacht den gesundheitlichen Zustand der Kinder und verständigt die Eltern brieflich von seinen Beobachtungen. Auf rörperl'che Reinlichund Ocd'-! nungssinn (nicht Pedanten^) wird der größte Werk

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