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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-07 · Heft 642 (7.11.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 642 (7.11.1920)
Date
1920-11-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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I „L. ÄHftn, ^Sonntag - Wiener MssgenzeiLuttg Der Streik der SüdbatzttünMstrlltckn. Wie die „Arbeitftr'ZeÜuE berichtet, ist dn Streit Nkgett den Willen der Elketthühttevgewerkschaft ausgebrochen- Die Wroner gewerkschaftlichen Bertranensmüntter haben einstimmig eine Erklärung , beschlossen, in der es heißt; Die Art nnd Weift/wie die Wftner-Neustädter' Eisenbahner bei &«' Streikerkkärnng vorgegangen sind, ist ein schwerer gewerkschaftlicher D i s z i.p l i n bruch. Die Versa nmktL'tz fordert die streikenden Eisenbahner aus, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. - ' Gestern, morgens war auf dem Südßahnhös'/eine^ tzArsammlurig ker W'^ierMirstMer Äerttauestsleute. in der einstimmig beschlossen wurde, auf der Forderung einer Zulage von -2000 Krönest für den Männ, 1000, Kronen für die Frau und 500 Kronen für jedes Kind. sowie auf. den übrigen Forderungen zu bestehen. Bisher haben sich den Streikenden nur die Eisenbahner von. Donawitz (an der Ergberg st recke) und Ebreichsdorf angeschlossen. _____ Ein äktnestetz Äuch. / Jüngst fiel mir ein Buch itt die Hände, das wich dnrch seinen aktuellen Inhalt sofort gefangen nahm. Ein katholischer Geistlicher nimmt darin von seinem naturgemäß streng ultranlosttanen Gesichtspunkt Stellung zu den Wettereignissen und den aus ihnen resultierenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Er beklagt die soziale Umschichtung in drastischen Worten: „Die Knechte reiten und die Herren gehen zu Fuß!" Besonders peinlich empfindet er den sinkenden Anwert, den die geistige Arbeit bei jung uüd alt' WdiA.-HM'Vergöbustg von Aemtern ist nicht mehrdispersönliche Tüchtigkeit der Petenten maßgebend, sondern eine beillose Protektions- Wirtschaft ist eingerisscn. Die beispiellose Verwahrlosung der Jugend erschreckt den Seelenhirten und er hält ihr eine Predigt'über Moral und Anstand Kräftig rückt er der Schundliteratur au den Leib und kann. es" nicht verwinden, daß auch die Erwachsenen in der. Lektüre „erfundener Abenteurergeschichten" billigen Nervenkitzel suchen. Gewisse Bücher sollte man wenigstens den jungen Mädchen fernhalten. Selbstverständlich macht; * der fromme Verfasser für alle Nebel seiner Zeit daS Sinken der Religiosität verantwortlich, und zur Eindämmung de's Unglaubens ist ihm'kein Mittel zu scharf. Mer siche der Mann, der alle „Ketzer" am, liebsten auf dem Scheiterhaufen sähe, macht einen feinen Unterschied zwischen den Renegaten des Christentums und, denJudern T lese durfen ' wicht: als Abtrü itnige vom r-öchten Glauben verfolgt werdest, da'sie 'ja niemals der. kathöilschen Krrchs üngehört Wtest, föndern bielmehr ihren eigenen Glauben besäßen, der als solcher. allen Anspruch aüf Duldung habe. Hier stockte Ich schon! Diese eigenartige' Stellungnahme eines katholischen Klerikers zur Jndenfrage wirkte auf wich, den Angehörigen des. zwanzigsten. Jahrhunderts, so perblüffend, daß meine Illusion von der Aktualität des Buches, rettungslos zerstört war. Und ernüchtert erinnerte ich mich, daß das Wörk. in dem ich blätherte/. nlchL aus diesem, sondern aus dem — dreizehnten Jahrhundert stammt. Es wär nämlich . der „Wälsche Gast" "des Thomasin v. Z i rklär re, verfaßt in den Jahren 12.15 und 1216 ... . ' M H. SP. Reichskonferenz des Iudifcken Nationalfonds für Oesterreich. ©öit n t a s d e n 14. und M o n t a g d en 15. d. M. (Fcitrtag) ftnbct in Wie n die ll. Ae i ch.sf o n f e ren z de S st Ü d i s ch e n a 11 p n alt o n M für O r st e.rreich statt. Der Ort der Tagung wird, rkchlzeitlg bekannt* grgrben werdest, . n . Alle z ontstische« Vereine, Ortsgruppen 'stnd BeüikSlektiolien werden aufaefokdert, n n v e'r zütz k ich die Namen ihrer teilm nahmSberechtigtk« R a tiona l f o n d S f ommi f f a r i welche zur Vertretung brt dirftr Konftrciiz brsttmml sind, dem Zentralbureau deS Jüdischen NitioNalsondS. W en. ll.; ZitknS« gaste S3. bekannt'«geben. Vei treker auS der Provinz mögen angeben, ob für ste Quattter vorbereitet werden soll. ' Außer den mit Legitimation versehenen NationalsondSkommhären sind nur die mil auf Namen lautender Lcgitimanon bctciltcn “ Vertrauensleute bei der Konferenz stimmbarcht'gt- Dcleglertenkartrn sind gegen Vorweiiung der entsprechenden Aus« welSpaviere im 8etUralbuteau ju bcljcbcti. / Gastlarten zum Presse t»on K 50 (als Svefenbeitrag) sind in der Buchhandlung Löwin, in der „W i e n e r M o r g e nr e i t u n fl" und in der Zentrale d 4 s Iüdi f ch rn Nationalfonds erbälilich. Die Tagung beginnt Sonntag um S Uhr votm'ttasS. Tagesordnung: ll. Sitzung: EiLffming, Wähl des BurcauS, RechenfchaftS- Bericht der Zentrale. - / . N. Sitzung: Generawcbatte.ErtcilmtgdegAbsolutoriums. Ul. Sitzung: PalöstinchDebattkt " ' IV. Sitzung : Reorganisation d'S Jüdischen NütionalfvndS üt Oesterreich, Wahlen der neuen Reich-tetlttng und der Landes* komuitjsion tür Oesterreich. ' V. Sitzung : Budget füt 1920, Debatte über Ausbringung tz« njttdnbchw Gelder, EvcutuaUa (Nachsihung).! Mittrilimgen «ins dem PMjkmn. Heia Rechter Heinrich Haber Stryj Wien empfehlen »lob als Vorlobte. Wien, im pTovombef 1020. ms 1 ü. Imin grösster Aitswalil. Nur gediegene UH,, . st. 8 — ' (Ecke Karl Schweignofergasse). CIO ‘Erzeugnltse. Vl,MARIÄHILF ERSIRASSE105. Gt8*äte*rteBtaOTtlerte8 t,nger Wlene-in -Teppichen, Dechen. Vorhängen, Ueber würfen, Lanftepptcfieu, Stores, Doppoldecken ete. Billigste Preise. 8549 maschinen — BÄ“ Billigste Preise 15? Leopold Steinhart Wien, I., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/Vlll B &8LLAHTSN, Perlen, GolO,Silber,Platlno. Uhren tauft und Terfeftn.ft 773 ETTEH Hotentfrms'x. 23, MarlahlHor.tr. 93 Iffiw Erster grösster Käufer*»! . für Brillanten, Perleneren n. Juwelen ' JumwIiep FOBST \ Sep. Spreohraum |¥ i g\ Tel. 8NVHV :k,^”““IÄ,Ä’S3[slrasselÖ AMSTSÄDÄEt Erster AHT^WSIIPE» grösster Kfiuforla Wlinflr Brill ante», Perlen, Juwelen ete. Jsiivelisc S7a‘)ino'JV(tsch I., BaxImHianstrass» «r. 5 Telephas-Rr. 85U ' vie ü-yle der Oper (KStlamtrasat). 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Do^ / wie immer es sei — wer vorüberging und das Stückchens Platz auf einer der belebtesten Judengassen leer gähnen' sah^ dessen Herz zog sich ^vor Kränkung zusammen und er schmte!»A. dete Pläne, wie er zu dem Stückchen Platz kommen konnd^ Aber das *iju loinmcn" war nicht möglich. Wie immer sei, niemand wußte, warum, aber der Platz wurde nicht der« s baut. Er statid eben leer. -Leerstehen^ ist leicht gesagt,? j so mir nichts dir nichts «leer gestanden" ist der Platz nichtz' i Der. Alteisenhändler von gegenüber hat dorläüsig eine^ EM» seines „Warenlagers" dort aufgestapelt. DiS' man kommt ihn eS abzuführen heißt, wird er es schon abführen. 'Delh'! irische Bäcker, welcher auch in her.Nachbarschaft bcS ‘^0^^ i wohnt, hat dort einen Taubenschlag aufgestellt, in-dem D'-. seine Tauben hält. Die Kinder des ganzen' Mertelfpielech kauf dem Platz Ball. Und da der Ball' nicht viel Dewegüngs^,! fterheit hat/ schlägt et* jedes Mal gegen das Fenster >eine^ arideren Juden in der Nachbarschaft, schlägt eine Scheibe aus^ wirft Eßtöpft herab, welche Mf den Fensterbrettern stehen^! und die Nachbarn ringsum verwünschen daS leere Stückchen Platz und wünschen ihm einen raschen Tod dadurch/ daß' einer kömmt und es verdwut, damit es schon nicht mehr dft Tauben des irischen Moj und die gefährlichen Dalle der' jüdk' schen Straßenbengel beherberge. , ' ' Vor ein paar Jahren hat ein kleines Jüdl aus Odessa - von irgendwem eine Pachtlizenz auf den Platz herausgLkriegt C und dort einen „GefroveneS-Salon" errichtet. Eine' kleinjtz' Bude, grüngestrichen, mit ein paar Wumen topfen geziert wie es für einen GefroreneS-Salün paßt. Ein Schilf wurde angebracht mit der Aufschrift: „Sommerparadies". Mumeu«! \ topfe vor einem Geftorrnes-Salon waren eine Neuigkeit in der Judengasse und die Holzbude mit der' Aufschrift ^Sorn^ Merparadtes" ivuide berühmtem der ganzen Umgebung.'Aus. - dem ganzen Viertel kamen „Boys", und „Girls" ins ^Som« merparadies" frische Luft schöpfen und EiS essen,' so. dötz das „Sommerparadics" bald in diesem Viertel dem „Coneh^ j Island"*) erfolgreiche Konkurrenz bot. Oft sagte ein Judtz'- seiner Frau: Wozu sollen wir uns erst mit dem Omnibus nach „Coneh-Jslanü" schleppen,. wir gehen ins., »Sommer* § Paradies". Und obwohl von den Blumentöpfen längst? nicht: einmal mehr die Erinnerung geblieben war -rdie Blatte» | hat der Schmutz urü> der Staub aufgefressen -und aus der^ , Näpfen starrten bloß noch schmutzige Stengel, von denen, me«; manweih,, wozu sie dienen — so hat doch das »Sommex« Paradies" einen so festen Ruf im ganzen Viertel, daß von weit und breit Besucher zur „Erholung" kommen. Weil es eben rm Freien steht-, wurde es so berühmt.,Viele Juden versuchten dem „SommerpüradieS" Konkurrenz zu machen/ dochj., sie konnten eS nicht; denn keiner konnte ein Stückchen freien Platzes in dem ganzen Viertel ftnden» wo er ein zweites «Sommerparadies hätte aufstellm können. Im Sommer ist das „SommerparadreS" eine EiS- und. Äbdawafferhalle. Wenn aber Sukkoth-Zeit. komnü, so ver<^ wandelt sich daS Som merparadies m eine LaUbhüttL ZUM ersten Male geschah dies folgendermaßen f . AIS die Vereinigung „Ansche-Emetz" in Professor- Landaus Tanzsaal ihr Bethaus eröffnete, wo ihre ^itgliepeL an jedem Freitagabend und Sabbatmorgen ihre Andacht ocz« richteten, da suchte sie eine Laubhütte für ihre Mitgliedes' wo sie am Morgen an den Sukkoth-Tagen Ktddusch mich-rp * .könnten. Der Tanzsaal besaß'keinen Balkon und in dey ganzen Gegend ringsum gab es keinen leeren Platz, um dort' ' eme Laubhütte aufzustellen. Da kam der Schammes auf rintz 1 .* Ein Par! in New-Aork- 9585

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