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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-07 · Heft 642 (7.11.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 642 (7.11.1920)
Date
1920-11-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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r«r,f»i— w. wg amen, gotmttgp Men«, «testioeifcmf Man-. Oesterreich «nd der Völkerbund. Zürich, 6. November. (Del. der ,Mr. Morgenztg.".) Me aus Genf gemeldet wird, ging von neutraler Seite - der Antrag aus, daß Oesterreich zum Völkerbund zngelassen werde. Dieser Antrag ist, wie verlautet, günstig ausgenommen worden und soll bei den nächsten Beratungen zur Sprache kommen. Die KabineLtsbUdung. Die Verhandlungen mit dem Polizeipräsidenten Schober, die am Freitag begonnen haben, sind prinzipiell bereits zum Abschluß gelangt, und es zeigt sich, daß die von dem designierten Bundeskanzler geforderten sachlichen VoraussetzungenMcht erfüllbar sein werden. Man kann sonach damit rechnen, daß Polizeipräsident 'Schober der Chef des neuen Kabine tts sein wird. Allerdings besteht bisher noch keine Gewißheit darüber, in welcher Weife das Kabinett zusammengesetzt sein wird. Die christlich sozialen und grvßbeutschen Führer haben vorgestern abends in einer längeren Konferenz ihre Anschauungen über die nächste politische- Zukunft auseinandergejetzt. Die beiden Parteien we.den Dienstag ihren Klubs Bericht erstatten. Dort erst werden die weiteren Entscheidungen fallen. Der tyciie t Gang oct Verhandlungen wird' also folgender sein: Die Christ - , lichs oziale n als die stärkste Partei werden mit den anderen Parteien in Fühlung zu treten haben, um sie zur parlamentarischen Mitarbeit aufzufordern. Bezüglich der Grvßdeutschen und der mit ihnen liierten Bauernpartei ist eine Mitarbeit unter gewissen Bedingungen nicht zweifelhaft, während die sozialdemokratische Partei von den Beschlüssen des Parteitages abhängt, der sich wohl in ablehnendem Sinne äußern mied. Dann kommt die Auseinandersetzung der Frage: gemischtes Beauitenkablllett oder reines Be.im eukabinett und weiter die Frage: Haben die Parteien.die Fachmänner vorzusch lagen oder hat der. designierte Bundeskanzler die Vorschläge zu erstatten? Vorläufig empfehlen die GroßdeuLsch-n nach wie vor im Falle des Schiterns des Kcnzentrat.onskabim'tts esu reines Fachmänne rminister ium, während die Christlich,oziaen das gemischte System empfehlen, das ab.'r bei Aufcechterhaltung der großdeutschen Bedingungen doch' einem reinen Fachmännerkabine.t weichen dürfte. In dieser Richtung wird Dienstag . das Plenum der christlichsozialen Vereinigung das letzte Wort spvrchrn. Die Gobelins für e'me Anleihe. Die Reparationskommifston hat keine Lust. Amtlich wird mitgeteilt: - Die österreichische Sektion der Reparaiionskommssion hat sich in ihrer vorletzten Sitzlmg mit einem Ansuchen der österreichischen Negierung, betreffend eine allfüllige Verpfändung -er Gobelins für eine An« leihe, beschäftigt, die für die Beschaffung von Nahrungsmitteln bestimmt wäre. Die Sektion tziar der Ansicht und hat hiervon die österreichische Negierung verständigt, daß man andere Mittel suchen sollte. Um sich Geld zu verschaffen; und daß in dem Falle, als man die Verpfändung nicht vermeiden könnte', die Sektion von der österreichischen Negierung, Und zwar bevor sie ihre Zustimmung erteile, alle Aufklärungen bezüglich der B e d i n g u n g e n. unter denen die Verpfändung der Gobelins vorgcschlügen wird, zü erhalten hätte. - ' . , , Daher sind die in verschiedenen Zeitungen über diese Frage enthaltenen HnfoWaLionen unrichtig. . .. Die Zitgeftättdniffo an die StaaLßangestelltett. Eine ÄbörLnung des Bundes 8er öffentlichen Angestellten sprach gestern im Stnatsamt für Kinänzen wegen ehester Flüssigmachung der aus der Ungleichung an das Schema der Wiener Gemeindeangestellten sich ergebenden Nachzahlungen und wegen Feststellung eines einheitlichen Vorganges für die Anforderung der Ergä nzun g s.v o rschü sse' vor. Der Abordnung wurde mitgeteilt, daß dcch Staatsnwt fiir.die rascheste Durch* sührung Vorsorge getroffen, habe und daß der diesbczüg. ltche Erlaß anfangs der kommenden Woche an alle Dienst« stellen hinausgehe. Für die Erganznng8vorschüsse werde von der Einbringung von Einzelgesuchen Abstand ge« nommen werden. ' Oefterreichifche Ehristlichsoziale in Budapeft. Budapest, 6. November. (Tel.;Komp.) Mehrere Vertreter der österreichischen christlichsozialen Partei sind heute in Budapest eingetroffen, um die von Dr. Weiskirchner begonnenen Verhandlungen sortzusetzen. .Die österreichischen Delegierten haben heutp vormittags im Abgeordnetenhause mit den Ministern Haller und Bleyer verhandelt und wurden um halb 1 Uhr vom ,ErnährungSminilter VaSz enipfangen. Telegramms. Die Zweite Internationale Hegen Moskau. London, 6. November. (Funkspruch.) Die Exekutive der Zweiten Internationale beschuldigt in einem Manifest die Führer der Dritten Internationale, die Arbeiter zu d e m o r a l tj i e r e n, eine bewaffnete Diktatur nicht des Proletariats, sondern eines Komitees geschaffen, die Lohnsklaverei abgeschafft, aber an ihre Stelle, die staatliche Sklaverei eingeführt Und Not und Elend in Rußland verbreitet zu haben. Das Manifest ist von Henderson und Ramsay Macdonald (Großbritannien), Hnysmans und Vandervelde (Belgien). T roelstra (Holland), Otto Wels (Deutschland) und - Engberg (Schweden) gezeichnet. ' . . Die französische« Sozialisten und dis Dritte Anter«atiouale. Paris, 6. November. D,e von der soualisiischen Partei zum Stud um der 21 Bedingungen des Eintrit'cS in die Dritte Internationale eingesttzte Kommission spricht sich i» ihrem Beschlnßantrag nur unter zahlreichen Vorbehalten für den Anschluß an die Dritte Internationale aus. Die Parte! wolle die Verbindung n mtt allen syzialißischm Organisationen ankrechterhalten, welche die Zweue Internat onale verlaßen haben, um ehestens die Einheit deS W e l ts o s t a l iß nt n 8 im Schoße einer Dutte Internationale zu erreichen. Dieser zweite Bo, schlag stellt sich dem schon früher gemeldeten Vorschlag einedock, haltlosen Anschlußes an die Dritte Internationale entgegen. Der gemäß ste Vorschlag betont mehr die gemertichaftliche Grundlage der angestrebtcn neue« Ordnung Kr Dinge. Die WaffrüstMstaubsverhandlungen im Jahre 1918^ Parks, s. November. In der „Illustration* gibt Türdreu «ine Darstellung der Verhandlungen über den Wafsiustillsiand im Jahre 1918. Bei der eniichetdenden Sitzung der militärischen Führer der Entente habe volle Ernigkeit darüber geherrscht, daß ras Ansuchen um den W a s f e n st i l l st a n d nicht a b z n l e h n e n sei. Nur über einzelne Bedingungen leien die Meinungen geteilt gewesen. Haig wüwchte mäßige Bedingungen. Petam verlangte btt vollständige Entwaffnung der den schm Armeen, wo,auf Per'hing der Ansicht H.ügs beilrat. Auch Fach billigte sie und unterbrertete hieraus Clenieucean dev gefaßten Beschluß. A »vuherr itt Athen. Paris, 6. November. Dsr- „Mätkst" meldet aus A t h e n: Hier kam es zu Kundgebungen für ■ Venizelos und für den Ex-König. Vor dem Finanzministerium schritten einige Offiziere ein. um die Ordnung wieder herzustellen. Es wurden Nevolverschüsse abgegeben, wodurch drei Personen verletzt worden sind. Die Negierung ergriff sofort Maßnahmen, um die Ruhe ausrechtzuerhalten. , Der Irland. Dublin, 6. November, (Reuter.) Ein Leutnant, der auf einem Motorrad nach Templemore fuhr, wurde ist der Umgehung von Nenagh beschossen. Soldaten verhafteten in Nenagh zwei Männer und schossen sie nieder. Sie steckten dann eine Druckerei und mehrere Schenken in Brand. -Die Bevölkerung ergriff die Flucht. Die ganze Nacht hindurch dauerten die Schießerei und Explosionen von Bombm an. Die AhftiMMMq in Wilna. > Kowno/3. November. (Jewish Corr. Bur.) Die Titanische Regierung hat' die Entscheidung des Völkerbundes, bezüglich eines Plebiszits in Wilna, angenommen, perlängt jedoch die loyale Durchführung deswlben und die Ersetzung der Zieligowskischen Truppen durch neutrale. Das Ergebnis des Plebiszits hängt im großen Maße von der jüdischen Bevölkerung ab. die über 48 Prozent der Einwohner Wilnas ausmacht.. Hohe polnische FrmKtlon^re — mttitLrische VsrE"r. Paris, 4. November. (Jewish Corr. Bur.) Es Wurde bewiesen, daß der Chef des polnischen militärischen Nachrichtendepartements, Boryzinski, zusammen' mit feinem Gehilfen'Orsza zu den Bolschewiken übergegangen sind, denen sie wichtige Dokumente und militärische Geheimnisse des polnischen, Generalstabs anslieferten. De polnische Presse/die unablässig die Inden als Verräter denunziert, erwähnt mit keinem Sterbenswörtchen diese Affäre. Mit ‘ Paris, 4. November. (Jewifh Corr. Pur.) Der berüchtigte rnfsifche^ Journalist Boris Soworin, der unter dem Regime Generals Denikin der Anführer der anti-, semitischen Propaganda war, begibt sich nach Europa, um Stimmung für Hrangel 51t machen. ParisMn der mÄhrksch-fchleftschen Zwmfte«. Brünn, 6. Novernber. (Jewifh Corr. Bur.) Der Diftriktstag der Mhrisch-schlesischen Zionisten hat einstimmig die Resolution angenommen, im Sinne des Beschlusses der Londoner Fahreskoferenz den Zionisten eine zehnprozentige Vermögenssteuer oder durch fünf Jahre eine zehnprozentige Einkommensteuer für j den Kerm Haressod aufzuerlegen.; 7. November 1920 Seite 5 L JSGARETTEMPAP1ERE ZlOAHETTENHQtSEN STe Dbeptpefferi*eeTbst tiiw höcbston EpwartujtQao dos Rauch««*** Tagesbericht. v ' ~ ». ttnfer neuer Roman beginnt heute/ Wir beginnen hellte mit dem Abdruck des bä rühmten Romanes von Israel Zangwill: ^De« König der Schnorrer". Schon der Name des Autors und der Ruf des Weckes, das zu den b« deutendsten Schöpfungen der Gegenwart gehört, ve« sprechen unseren Lesern eine interessante Lektüre. Mil liebendem Äuge sieht der Dichter die jüdische Well' durchsonnt von dem Lichte seines lebendigen Humors^ Wir geben unseren Leiem hier ein Glanzstück der Erzählungskunst, das ihnen sicher sehr willkommen! sein wird. / - - Dle Sozialdemokraten und die I«de«hetze. i.' Für die öftervejchischen Sozialdemokraten gibt «8[ keine Judenfrage. Dieser Anschauung getreu schweigen sie und Verhalten sich durchaus Passiv, wenn Jlwen inihrer Ehre und in ihren Rechten bedroht werden. Dtr Grundsatz, daß es für sie keine Juden frage geben dars/^ ist ihnen unendlich heiliger als alle in ihrem Programrst^' enthaltenen Grundsätze von der Heiligkeit der Mrnschrik«> rechte und der Gleichheit aller Bürger. Wenn sie h» und da doch zum jüdischen Problem Stellung nehmen,» so geschieht es immer zuungunsten der Indem In de« Ostjudenfrage haben sich die Führer der österreichischen? Sozialdemokraten und vor allem die /Arbeiters Zsltung" die Niedrigsten Bosheiten geleistet und der Vergewaltigung unglücklicher, arbeitender Mensches welche in Not und Elend, in Pogrom- und SeucheW gebiete gejagt werden sollen, in jeder Meise Vorschub geleistet. Vorgestern sind in Wien.die Plakate des Anti« se'mitenbnndes an geheftet worden, in welchen unter ' Pogromdrvhnngen die Veriagung der Ostjuden gesorderß ' wird, und sofort fühlt sich die „Arbeiter-Zeitung^ vex-l pflichtet, Assistenz zu leisten. Um die heutige Pogrom«« Versammlung, für welche sie natürlich kein Wort des Tadels findet, wirksamer zu gestalten, läßt sie sich gestern von „informiertes Seide melden, daß die pol« Nische Negierung kernen Protest gegen die Mißhandlung^ chrer Staatsbürger erhebt, also dis. Verfügung ung«^ stört vor sich gehen kann. Vorrre blutrünstige Indens Hetzer und hinten nachschiebende Sozialdemokraten! Ei« herrliches Bild sozialdemokratischer Gesinnungstüchtig«^ keitl Vorderhand glauben die Sozialdemokraten, sich diese Politik leisten zu dürfen. Achtzig Prozent de« Juden haben am 17. Oktober sozialdemokratisch gewählt! und die Partei vor einer katastrophalen Niederlage Wien gerettet. Durch skrupellose Agitation und wenig! verhüllte Pogromdrohungeu wurde ' dieses Resultat den Juden ab gepreßt und die Sozialdemokraten bauen fest! darauf, daß diese Mittel immer wirksam bleiben werden^ paß jüdische Dummheit und Feigheit nicht aNssterbE' können. Die Zukunft wird sie eines Besseren belehren^ l Der .Tag wird kommen, an dem sie nicht allein den Juden gegenüber, sondern vor dem Forum der.gesitte'irn!. Welt ihre niedrige Bosheit, ihren Prinztpienverrat den verantworten müssen. Klnderhilfswpche i« Merr. ' Das Ausland appelliert an die reichen Wiener. V Die Engl i s ch -amerikanische HilfS Mission^ der Freunde veranstaltet zugunsten der notleidenden Wiener Kinder in der Woche vom v. bis 16. d. M. großd Sa m m l u n g e n in ganz Wien. Theater und Musikvereine ' geben Sondervorstellungen oder spenden den Ertrag, respek-> tive einen Teil des Ertrages einer gewöhnlichen Vorstellung^ In allen Kaffeehäusern, Restaurants und Hotels wird von Studeyten der Universität gesammelt werden, die Bezirks» Vorsteher organisieren Sammlungen von Haus zu Haus, in den Bahnhöfen und im Prater werden die Pfadfinder mit ihren Büchsen zu sehen sein. Auch in den Kirchen, Klubs und» voraussichtlich auch in den Privatfchulen werdest Sammlungen veranstaltet, von der protestantischen Kirche ist -ein5 bestimmte Summe versprochen worden, die' jüdische Kul ru $»;. gemeinde wird ihren Entschluß später bdkanntgebeu. Det? Direktorenverband der Lichtspielbühnen Wiens, der Berba»fd der Industriellen, das Gremium der Kaufmannschaft, der Geä Werkschaftsverein und zahlreiche ändere Organisationen werden über die Höhe ihrer Beiträge noch Entschlüße faßen. Di« Englisch-amerikanische Hilfsmisston der Freunde verfolgt mit dieser Sammelwoche einen doppelten Zweck. Im Ausland ist nämlich a u f g e f a l l e n, daß von seiten der w d h l, habenden Bevölkerung Wiens'zu wenig für die notleidenden Kinder geschieht, während m England, Amerika und anderen Ländern selbst die A r m e y unter Entbehrungen ihr Scherflein zur Unterstützung deE Wiecker Kinder beitragen. Die Hilfsmission will nun den Wienern Gelegenheit geben, ihre Opferwilligke\{ zu zeigen, und dann einen detaillierten Bericht darüber ast , das Ausland ergehen laßen, was Wien für seine Mf.kbedücjti^

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