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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-06 · Heft 641 (6.11.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 641 (6.11.1920)
Date
1920-11-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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St 04! ' Men. Samstag sind, in Fühlung zu treten. Diese Konferenz soll vor attem dam dienen, den betreffenden Persönlichkeiten wichtige Aufschlüsse ü'er den Föderativ plan des .Ex-Kaisers zu geben. .. .! Der Wiener Berichterstatter des „B'erl. Tageblatt" macht ähnliche Mitteilungen. Nach. ihm wird auch in Paris in der gleichen Richtung gearbeitet^; wobei der . Hauptgedanke der ist, daß nur eine Föderation das ChaoS in Mitteleuropa beseitigen und daß nur die Dyynastie Habsburg Len Anschluß Deutichösterrcichs an Deutschland verhindern und ein Gegengewicht gegen die deutsche „R vanchcpoii ik" bieten könne. In diesem Sinne arbeitet heimlich selbst, dje! Pariser Gesandtschaft, der Republik Oesterreich, an deren Spitze der Sektions, chef Eich ho ff steht. Er ist ein Parteigänger deci Christlich sozialen und gehörte zur engeren Umgebung des Kaisers Karl. ' Kunschak sagt den KÄnkurs des Staates an. " In einer christlich so Fialen Wählerversanimlnng in Hietzing führte Abgeordneter Kunschak aus: Wir Christlichsozialen werden durchaus nicht eine Politik betreiben, die das, was in zweiter Linie in Betracht kpmmt. um jeden. Preis in die erste Linie schieben will. Wir wissen sehr genau, daß die kulturellen Fragen unse.es Volkes eine Lösung finden müssen, . weil die gegenwärtigen Zustände, gemessen an den Grundsätzen der christnchiozialen Partei, unerträglich sind, wir wissen aber auch, daß es nichts Dringenderes gibt, als unser Volk und unseren Staat am Leben zu erhalten. Die erste Vorausse'zung wirklicb kulturcler Arbeit ist, den Staat-in Ordnung zu bringen und dem Volke L-bensmöglichkeiten zu er- ..schließen. Es ergibt sich also von selbst, daß unsere Poliitk in erster Linie und'unler Einsetzung all unserer Kraft eine W i r t' s ch a f t s p o I i 11 k wird sein müssen. Daß es für die Entfaltung einer WirtschastSpoli'.ik NotwenbigÄlen und Möglichkeit^ in Fstlse gibt, braucht von.mir nicht mehr eingehend begründet zu werden. Es freut mich/sagen zu können, daß unsere Mehl- und Pro tversorgung, wenn nicht alle Anzeichen trügen, bis zu dein Augenblick gesichert ist, in welchem wir wieder überseeische Mohilicserungen erwarten können. Es ist gelungen, einen großen Dampfer mit mandschurischem Welzkn anzukaufen, und wenn diese 7009 Tonnen auch nicht -allzu-' viel ledeuten, so sind sie fstr einen Staat wie Oesterreich: natürlich besser als nichts.' Es ist uns ferner gelungen, auch in Ungarn Entgegenkommen zu finden. E.s wäre üersrüht, wenn ich den Umfang festlegen wollte, in welche n sich dieses En'gcgenkommen ausd ürkt, so viel nbcr steht fest, daß . wir mit der ungarischen Hilfe rinige Zeit unseren Mrhlbedarf werden decken können. Vor allem aber ist uns eines gelungen: Wir haben oie Bauern und das Gewissen der Bauern mobil gemacht. Die von uns eingeleitete Aktion nimmt nach den uns vo liegenden Berichten einen günstigen Verlauf. Die von uns benötigten 10.000 Waggons tönnen n'cht nur, sondern werden auch, wie ich hoffe, don den Dauern abgeliefert werden. Aus em.eluen Orten wurde schon gemeldet, daß das ganze vorgeschrjelene Konti» grnt bereits abgeliefert worden ist, wiy sich überhaupt bei den Dauern eine bedeutend gesteigerte AbliefernngLlust bcmerkfar macht. Allerdings stehen wirke ei s wie'e vor einer anderen Katastrophe: Es wird itt dieser und vielleicht auch in der nächsten Woche kein Rindfleisch ausgegeden. Das Gefrierfleisch, womit die Fleisch arte bis jetzt honoriert wurde, liegt in den Kühlhäusern und kann nicht auSgelöst werden, weil dir Fleisch äntrale es'unlerlassen hat, sich die notwendige amerikanische Valuta zu verschaffen. Wir,stehen also jetzt, bevor wir noch die Negierung übernommen haben, nicht nur vor der leeren-Mehlkiste, sondern auch vor den fleischlosen Fleischbänken. Vielleicht wi d irgendein Sozialdeui-krat auch jetzt wieder, entdecken,, daß hissür d e Christlichsozialen verantwortlich zu machen sind, denn daß der hohler fin dem Versäumnis der rechtzeitigen Valutabeschaffung liegt, wird von den Sozialdemokratän natürlich nicht zugegeben werden. Unser Finanzminister hat. sich dieser. Tage sehr deutlich über die Leere in den Staatskassen geäußert. Cr hat erklärt) daß er über gar kein^ Geld verfügt., und daß die nahezu zwei Milliarden, welche zur Befriedigung der Wünsche der Staatsangestellten er- . forderlich sind, wiederum nur durch die Vankno'enpresse zur Stelle gebracht werden können. Der Staat befindet sich also auch in finanzieller Hinsicht in einer geradezu trostlosen Lage, die umso trostloser ist, als aile S.euerciuellen bereits ausgenützt erscheinen. Ein Pcivatum.in, der.in einer solchen Situation wate, müßte,zum Handelsgericht gehen und den Konkurs an melden, um sich nicht des Verbrechens lssichdsinniger Kri:a schuldig zu machen. Auch unsere Staatsverwaltung befindet sich bereits im Status des Konkurses; wie lange es noch bis zu'r wirklichen Krida dauert, kann Heute niemand Voraussagen. Auch der jetzige finanzielle Zustand soll uns nicht ab sch recken, nach allen Mitteln und Wegen zu suchen, die Hilfe versprechen. Selbstverständlich darf das Volk darüber hinaus nicht weiß Gott was für Wunder von uns verlangen, denn wenn wir den Staat überhaupt vor dein Aergsten, vor dem Zu« sauimrnb uch. zu wuen vermögen, so haben wir bereits damit ein Wunderwerk vollbracht. Wiener Morgenzelt««-_ Eine gemeinsame Beratung d§L tschechischen und deutschen . Ssz'mMemokratie.. ■, Die Aktsu« zm SicherfteMmg der EMAhrrrnF. Prag, 5. November. Gestern fand im Abgeordnetenhaus, eine Sitzung statt, an der.die Vertreter der tschechischen und. her deutschen GeweMschaftey, der tschechischen und der deutschen Sozialdemokratie und der tschechischen SchiüldöMokratie (Linke) 'teilnähmen. Die Darlegungen aller Redner gipfelten in der vollen Ueberrinftimmung darin, baß nunmehr gemeinsame Aktionen zur Sicherstellung der Ernährung notwendig sind. Nach einer eingehenden Erörterung'wurden folgende Beschlüsse einmütig gefaßt: . 1. Die tschechischest unh , hie deutschen Mitglieder des Ernährungsausschüsses des Abgeordnetenhauses schließen sich zui einer Arbeitsgemeinschaft zusammen- 2. Die tsch chischsn und die deutschen sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses, und die Vertreter der Parteien^ Gewerkschaften und Genossenschaften Tbitberi einen ständigen Ausschuß zur Beratung und' Beschlußfassung über alle Aktionen in der Ernührungsfrage. 3. Die Abgeordnetenklubs,der tschechischen, und .der. deutschen sozialdemokratischen Parteien werden in eln«r-' gemeinsamen Vorsprache vom Miyisterpräsidenten und vom Ernährungsminiftex die soforW Ernennung einer entsprechenden. Vertretung der deutschen Ärbeiterschaft fstr alle staatlichen Einrichtungen ustd Anstalten des Ernährungsdienstes, zu denen die Kontröll-e über die fftt*' gierun^smaßnahmen zählt und in denen bereits die tschechische Arbeiterschaft vertreten ist, verlangen: - Cz ermak ersuchte namens des Parteivorstandes der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei die Vertreter' der tsch.'chlschen sozialdemokratischen Parte'eu und des tschechischen ZentralgewerkschaftsrateS um ihre Aeußerung über den Beschluß deS Karlsbader Parteitages auf Schaffung eines Proletarierkongresses zur gemeinsamen Aktion der Arbeiter aller Nationen in der tschechp-slowakischen Republik. Tayerle ' (tsch;chischer Zentralgewerkschaftsrat), N emec (tschecho-flowakischer Sozialdemokrat) und Merta (tschechischer Sozialdemokrat, Linke) erklärten namens der von ihnen vertretenen Körperschaften, daß sie grundsätzlich der Bildung eines Proletaricrkongresses zu st i m me n. Sodann wurde beschlossen, in der nächsten Sitzung des gemeinsamen Ausschusses über die Vorarbei en zur Einberufung des. cpteUlriketfweiter zu verhandeln. / /."V'.;'; .". ..; Andreas LewleKrj aus seiner Partei auspestdtzett. Die „Westnkrälnische Korrespondenz^ meldet: In Konsequenz des Beschlusses des Zentralkomitees der ukrainischen sozialdemokratischen Partei vom 23) September d. I., wonach die Mitglieder der Partei in die - Petljttra-Negierung nicht eintreten dürfe, wurde der Ministerpräsident der Petliura-Regierung, Andreas Lewirkij. aus der Ukrainischen sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen. . > ZeleMrMme. Ger Berfaitter Mlkeibtrnd ist R-ew-Nork, ö. November. (Tel.-Komp.) Senator H.arding hielt gestern iv Marion vor einer ihn beglückwünschenden Volksmenge seine erste össrntlichr Ansprache nach der Präsidentenwahl. Er sagte: Der VersaillerVö l.kerbund sei to t: Amerikawüi:schrei ,e« weisen Und ger-echten Anteil an her Völkerbundvereinigung zu nehmen, werde sich aber keiner fremden Oberherrschaft unterwerfen. Die amerikanischen Wähler hätien cntschieden, daß Amerika frei und unb'.astet Europa gegenüber dastehen müsse. -,, Für die Rehabittlierrmq Deutschrands. New-D-r'k, 5. Novechbcr.^^ (Tel.-KomPDie „Times"'!erfahren von hrstllnierrichtete'r Seite,. Llshd George und die Vereinigten Staaten würden in d^'r Völketbündkonferenz darauf bestehen, daß Frankreich einer Rehabllitierung Deutschlands zustimme. Dies soll nach Festsetzung einer unverkürzbaren Mindestentschädigung geschehen. Aus Washington wird hiezu jgemeldet, daß auch dte Vereinigten Staaten darauf b.'stüud'-'n, daß Frankreich seine CutschädigungsfoLderungen ermäßige. Das Ende des englischen BergarbettsrstrMs. London, 4. November. (Reuter.) Alle infolge deS Streiks notwendig geivorde»wn Einschrärckungen des Kohlenvervrauches sind aufgehoben worden. Die Bergarbeiter von 8)orkshire und Northumberland haben die Arbeit wieder ausgenommen. Man hofft, daß Montag der Betrieb wieder überall im Gange ist. . Die Deutschen lm polnischen Landtag und die ■ Senatsfrage. Warschau, 4. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") „Robotnik" meldet: Im Aligenblick des Herannahcns der Bolfcheiviken nach Warschau hat eine gpoße Anzahl von Deutschen aus Posen und Pommern ^zwecks Vermeidung der Ajjeutierung gemäß dem Der- V. November W 'CfW9 sailler Vertrag für das Deutschs Reich optiert. MS dlj' Gefahr vorüber war, wollten die Deutschen, die durch" i.hre Interessen mit Posen und Pommern eng verbunden sind, ihre Option rückgängig machen. Die polnische nationaldemokratische Partei bat nün den Dentschenk ‘ versprochen, die Ungültigkeitserklärung ihrer Optionk^ dürchzusetzen, aber nur unter der Bedingung, daß siq für den polNifchen Senat stimmen werden. Sot' kam die Majorität zustande. - Der Friede von Riga. iLiban, 5. November. (Privat.) Um 6 Uh°e naW mittags hat im Stadtralsfaal der Austausch der Natift< katio ns urkunden des Nigaer Präliminär- und Waffen^ stillstandsverträges'stattgefunden. ■; Gegen die Deutschen ftt Posen. /. Warschau, 5. November. (Privat.) Zehn deutsch'^ Bereinigungen, die zum Landesverband der Deutschen! in Polen gehörten, wurden behördlich aufgelöst. Elf, ., hervorragende deutsche Politiker wurden verhaftet.. Dsplomatische Grobheiten. v | Warschau, ö. November. (Privat.) Auf die Protef^ ^note der Sowjetregierung, in welcher gegen di« polnischq < Unterstützung der Armeen Zieligowski, Balachowiez unb! Petljura Einspruch erhoben wich, antwortete die Pol-'" Nische Regierung, daß nach dem Präliminarfriedm vom, Riga der Sowjetregierung kein Recht zustehe, sir^' in den litauisch-polnischen Streit einzumengen. Blutige Anruhev in Verona. MroNa, 4. November. (Stefan:.) Eine Gruppe vot^ Patrioten, die zum Rathaus zog, um die auf demselben! aus Anlaß des Wahlsieges der Sozialdemokraten beij den Gemeinderatswahlen gehißte rote Fahne zu «nt^j fernen, wurde seitens der im Rathaus befindlichen! Sozialisten mit Schüssen empfangen^. Es kam hierauf imi Jnlleen des Rathauses zu einem Zusammenstoß, wobei > eine Handgranate, die der sozialistische Deputierte Scarabello in der Tasche hatte, explodierte, wodurch Seara^ le lo ge öl-t titti)eine An-ählPerson n verwund-, wuri.«n. Die rote Fahne wurde schließlich hsrabgeholt und dM Rathaus von Organen der öffentlichen Gewalt besetzt Die Ordnung ist wieder hergestellt. Beginn der ttattenrsch-jügoslamkschen Vev Handlungen. Belgrad, 6. November. Die südslawische Delegation zu den Verhandlungen mit Italien, bestehend aus dem? Ministerpräsidenten, dem Minister des Aeüßern, dem; Finanzministeri und. einem Generah ist. heute nachi Rapallo abgereist. , Krasfin bleibt in London. Lcittdon, S. November. (Nosta.). Was' das' Gerücht betrifft, daß Ära,,in aus London abberusen wor^'- den sei, um nach Berlin zu gehen, erklärt die russische? Handelst eieMtion, daß hier in London über, dieses Ge-i rücht n'.ch.s bekannt sei. «" : . *' Amerika und Sowjetrutzland. London, S. November. (Nosta.) StaatSsekre'tAö Cvlby erklärt im Zusammenhang mit der. Mitleilüng^ daß Unterseeboote der Sowjetregierung an der Küste Estlands gesehen worden seien: Das Verteidigungs*! deparlement der Marine hat dev Flotte in der Ostsea Inftruk.ioaeu er eilt, daß, da sich die Vereinigten Staaten mit Sovietrußland nicht im'Kriegszustand besindsn, die Unterseeboote nicht als feindliche Pchisf« behandelt werden dürfen. , Angarn ratifiziert den Friedensvertrag, , Budapest, 6. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bnr.) Ded außenpolitische Ausschuß der Nationalversammlung har heute die Gesetzesvorlage über di« Ratifikation des! Friedensvertrages nach einer längeren Red« des Mim-! sters deS Aeußern Grafen Csaky, in der dieser diel« Gründe darlegde, die die.Regierung , zur Einbringung der, ^Vorlage bewogen haben, mit den vom Ausschuß vo^ i geschlagenen Modifikationen angenommen. Dr. Venesch fährt nach Genf. Prag, b, November. (Preß-Zentrale? „NLrodni Politika^ meldet, daß der Mincher der auswärtigen Angelegenheiten Doktm Bentsch sich am 14. d. M. m Bevleitung drS Paujer Gesandt« i Dr. O usti nach Gens zur Versammlung der Liga der Natsomn begeben und dort bis zum 82. d. M. verbleiben wird. Ein «etter Fall Landa«. ,Mcfi Magyar Ujsag" tritt folgende aufsehen^, erregestdr Affäre mit, die an den erst kürzlich geiurldebenl Fall Landau erinnert. Das Detachement des Grafen! - JankovitS, daS gegenwärtig unter dem Kommando dÄ.^ Oberleutnants Lengyel in Waitzen stationiert ist, enb-f sandte 14 Soldäten nach Nogradveröcz« (2 Stunden^ von Budapest) in die Wohnung des ÜOjähpigen reiche«, Kaufmannes Cmanuel L ü v i und ließ ihn., verhaften.; Vergebens beteuerte Lövi seine Unschuld; die Soldaten. fesselten ihn und brachten ihn auf einem Wagen nachf Waitzen, wo ihm gegen Erlag von 150.000 Krmren dis Enthaftung versprochen wurde. Lövi beteuerte neuerlichs seine Unschuld und erklärte, er würde sich, wenn man ihn nicht freilasse, schon sein Recht zu verschaffen wissen- Der bctr-fstnde Ossizi.'r übergab Lövi daraufhin den Feldwebel Burle, der Lövi stundenlang mit einem!

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