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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-03 · Heft 638 (3.11.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 638 (3.11.1920)
Date
1920-11-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 638_ Wien. Mittwoch Die Forderungen der SLaatsangestellten. Unter Vorsitz des Abgeordneten Tomfchik fand eine Sitzung der Exekutive der paritätischen Lohnkom- Mission statt, an der als Vertreter der Regierung die Staatssekretäre Dr. Reisch und Dr. Pesta teilnahmen. Reisch teilte als Ergebnis der Beratungen des Hauptausschusses über die Forderungen der Staatsbeamten mit, datz die Negierung bereit sei, eine Angleichung an die letzte Besoldungsreform der Wiener Gemeindeangestelltcn vorzunehmen. Dieser Vorschlag der Regierung wurde nach mehrstündigen Beratungen a b g e l e h n t und folgende Minimalforderung aufgestellt, deren Bewilligung bis heute Mittwoch erwartet wird: Auf die von der Regierung mit Wirksamkeit vom 1. Oktober d. I. zugestandene Angleichung an die Besoldungsreform der Wiener Gemeindeangestellten ist sämtlichen Bediensteten einschließlich der Hilfsbediensteten und Arbeitern ein einmaliger Dorschuß im Betrage von 210 0 Kronen zu gewähren uNd sofort flüssig zu machen. _ Die »»Informationen* der Wiener Sensationspresse von der R parationskommifsion. D»e Prrß-ZkNlrale meldet: Der sichecho-llawakische Vertreter der östeneichlschm Selten der ReparationSlommission Minister Zahradnik ermächtigte dir Wiener Be,urtrt der Prager Tagr-dlätter. m rrklarm, daß die Nachricht, die N parat on§-> lommisüon hatte sich m ihren lertrn zwei Civungen mit den Mißgriffen in Lundrnburg beichäfiigt, unwahr ist. Der größte Teil aller Nachrichten über de Rwarateonskommliston, die durch die Wiener Seasatlontp. esse verträtet werden, entspricht nicht den Tatsache». . Telegramme. Die sratisizierrmg -des ungarischen Friedensoertra^es. yudapest. S. November. Das Ungarische Telegraphen- Korrcspondmz-Bvreall melde»: Der answärt ge Ausschuß der Nationalversammlung hat unter dem Vorsitz deß Grifcn JulruS Andrasiy heute nachmittags den FriedenSv^rtrag von T r » a n o n m Verhandlung pewgen. Auf eme Anfrage deS Graten Sigray eUlärte der Min sirr dcS Aeußern, Graf C f a k y. daß' dir Entente tot'Lchlich den 1b. d. M. als fixe« Trimm!Lr die 3!atifiz»nunangefedt «nd eme /Erklärung hmzugefügt habe, die auf den Ernst der Aufforderung der Entente schließen laste. Das Vattb befinde» sich heute in einer Zwangslage. Du selben Beweggründe» die seinerzeit d e frühere Regierung dam veranlaßt ». der Unterzeichnung des FrierenSvcrtrages zuwsiimmen. testehen auch heute, «vd eine Berwcige.ung der N.Nlsizierung würde bicfciibcn Ge" fahren zur Folge haben, wre sie die Verweigerung der Unterzeichnvng gehabt Härte. Unter solchen Umständen könnte die Regierung dre Verantwortung für dre Folg.« ncht tragen und sehe sich grzwunse«. den Ge'ctzentwmf Über dre Ratifizierung der National» r'ammlung zu unterbre-ten. Graf Albert Appovyr empfi hlt den Gefehertwurf z»r Annahme. denn fo fchmerchast die Rat firreiung auch fein möge, habe sie doch keine Übermäßige Bedeutung, sonder» sei bloß mehr tiue Formalität. Nachdem sich Alexander E-nst und Graf Stepban Dethlen für die Ratifizierung ausgesprochen . hatten, dob Vorsitz nder Graf Julius And: aff» ebenfalls du Wichtigkeit brr inneren LrechtSordnung hervor. In ihrem Bestreben, diese Rechtsordnung zu «ah,rn. könne die Regierung jederzeit auf die Unterstützung heS Parlaments rechprn. •’ Sodann wurde die Vorlage im allgemeinen und in de« Dt'a ls angenommen. »> hervorgegangen ist, erhellt unter anderem aus einer Einsicht ln die sozialkonomrsche Lage der Juden. Die zionistische Auffassung, daß die wirtschaftlich« Lage eine durchaus labile, nicht stabile, ist, hat sich als zutreffend erwiesen, weil letzten Endes weniger wirtschaftliche als politische Tatsachen die Verhältnisse der Juden bestimmend beeinflussen, wie sich dies im -alten Rußland, in Galizien und Rumänien zeigte. Dem Elend der östlichen Massen steht gegenüber die relativ günstige Lage der Juden des Westens, die sich umsomehr besserte, je geringer ihre relative Zahl war. Als besondere Eigentümlichkeiten des ökonomischen Lebens kommen bann noch in Betracht die Konzentrierung in bet^ Großstädten, welche die Widerstandskraft gegen die Assimilation stützte, die Wanderurrgstendrnzen, die dann in ihrem Verlauf zu einer größeren Konzentration und einer gewissen „Wieder- Nationalisierung" führten, »md schließlich die Bestrebungen zur Brrussumschichtung. Auf zwei Quellen, die zwei' verschiedene Konzeptionen der Bewegung verursachten, führte Böhm den Zionismus zurück. Erstens, die Erkenntnis, daß „die Lösung der Judenfrage als Problem der reibungslosen Eingliederung der Juden in die nichtjüdischen Nationen durch Assimilation nicht möglich Ist", zweitens, „daS im Volke stets lebendig ober doch wenigstens latent gebliebene Bewußtsein des hohen Wertes deS Judentums, und der eigenen Art, die bei restloser Assimilation zum Verschwinden verurteilt sein würde". Nach beiden Richtungen vertritt die Assimilation eine geradezu diametrale entgegengesetzte Aussassung, indem sie die Wichtigkeit jener Erkenntnis bestreitet unv nach einer immer', weiter fortschreitenden Zerstörung deS jüdischen Bewußtseininhalts tendiert. Daher die großen Widerstände, mit denen der Zionismus zu kämpfen hatte. Uno mit besonderer Schärfe kann man den Trennungsstrich zwischen Assimilation» und Zionismus in der Frage des Verhältnisses zu Palästina ziehen, das allen mit dem historischen Judentum' in innerer Berbinduua Gebliebenen ein unHeraanalicher Wert ist, weil Wiener ,5Dto*?,enseitmtft MittcilMMN nttö dem Publikum. Meier Lauterbach und Frau. danken heimlichst auf diesem Wege allen Hochzeitsgästen und Gratulanten *853 miANTEN. Perlen.GoM,Silbe-,Platina Uhren kauft und verkauft 778 SETTER X£otentanns*r. 23, Harlahllferatr. 08 Amsterdam Antwerven Schöne Brillanten, Perlen, Jntveken, Raulen. Uhren n. s. w. lauft von Jmveli ren. Händl-rn, Privaten zu tznk» reizlosen Phantisiepi eisen Erster Käufer ■;in Wien Znw l er Rabinowitsch. I.. Mririmilinnstraf?e 5. Telephon 8511, vis-k-vs der Drtr (Kä nlne flraöc'. und II.. Stephaniesira^re 3, um 8. m eigenen Haus', Teiepi'vn 45146. tm Freitag von 4 Uhr vachnntiagS bis Montag früh geschlossen. 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D.e Truppen Wrangels eriitten staile Dcrluste. Moskau. 2. November. (Funkfpruch.) Frontbericht vom 30. Okio'.er. Ost- und Lüdostfront leine Deränderunge». Süd» front: Jin Gebiete von BereSlawl zwingen unsere Truppen den Feind auf- Reue, sich in südlicher R cktung -nrück uzrehen, wobei einige hundert Gefangene m unseren Händen blieben. Bei N > k v p o l dauern heftige KLmp'e an. Bei O r ch e j o w und R o g a i s! dauern die Kämpfe an. Die lve'chrussische« Gardisten in Pole«. Moskau» 3. November. lFunlspruch.) 9 o i f e, der Vorsitzende der ru sischrn Furdensadvidnung. bat an D o m d S k i, den Vorsitzenden der polniichcn Frredmsabordnung eine Protestnote «:gen der Konzenir erung gegenrevolutionarer Truppen auf politischem G:biete gerichtet, die dem Vertrage von Riga wi"elsvirchrn. eS „alles Schöpferische und Starke des Judentums" geboren hat, und weil mit ihm die Zukunftsverheißungen des jüdischen Volkes verknüpft sind. Eick flüchtiger Blick <mf die jüdische Diasporagesähichte von Jochanan ben Sakkai bis zur Emanzipationsepoche zeigt, obwohl der Autor sich hier mit ganz großen Strichen begnügt, einleuchtend die zentrale Stellung Palästinas im jüdischen Bewußtsein. Im 19. Jahrhundert ist der „Zionsgedanke" in den verschiedensten Schichten der Judenheit wie auch in christlichen Kreisen in dm mannigfaltigsten Formen gepflegt worden. Diese „Vorläufer des Zionismus" haben zum Teil ganz sporadisch gewirkt, zum Teil das bewußte, oft auch latente Streben nach Konzentrierung der Juden in fruchtbare Bahnen gebaut, die auch , in der Folge Wirkungen zeitigten. Es braucht nur an. Namen wie dm Anierikaner M. I. Noah, den Gründer der Siedlung Ararat in Buffalo (1825), an Lord Beaoonsfield, an Georg E kl io t, Lord Sh.aftesbury, Colonel Georg Cawlsr, Colonel C.>R. Conb er, Sir Laurenee Oliphant, Ernst Laharonn, Henri Dunant, Moses Montefiore, Adolphe C re mieux. Charles Netter, Hirsch Kali scher usw. erinnert , zu werden, um-zu begreifen, daß die Tendenz nach Aktivierung des zionistischen Ideals ununtetbrochen wirksam . gewesen, wenngleich sie noch keine Volksbewegung anSzulösen imstande war. Mit Moses Heß erwächst der Zionsidee ein Theoretiker. großen Stils, der aber auch nur ein einsamer Prophet ■ blieb. Tiefere Wurzeln, die . sich langsam zu einer Bewegung verdichten, schlägt der Zionsgedanke erst im Ostjudentum. Die Haskalah mündet in die Bewegung der Aribat Zion., Die Vorkämpfer der Aufklärung, Smolenskin, Lilienblum und andere bereiten den Boden für die Chowewe Zion oder treten selbst als ihre Führer auf. Die Veo° hältnisse der Ostjudenheit, insbesondere in Nußland, spitzen sich immer mehr zu und fördern die Intensität der nationalen Stimmuna und Bcweauna. Diü wcileoe Entwicklung von dem - 8. November lb2S 'Sette 5 —-—-- — — ■ 1 ■■■ r ..^ Ein Blutbad in Armenien. London. 1. Novkinbrr. (Rmker.) In armenischen KrekfeE lsi ein Telegramm aus Maisivan vom 27. Oktober eiugelang^ welches meldet, daß dir Stadt Hadschi gefallen ist. 10.001 Armenier, die den türkischen Nationalisten seit Äärz 1920 Widev stand gclristet habrn, wurdenniedergemetzelt. Die Forderungen der französischen Dergä arbeiter. Paris, S. November. sHavas.) Der Nationalrat da fran östfchen Derglcuir ist vormittagzusammmgrtreten, um üb« die Lohnsage zu verhandeln. Die fravzösischrn Bergarbeiter vrv» langm für alle Arbeitergruppen rmen fünffach höheren Lohn» alt er 1913 be ablt wmde. Die tieibende Kraft bei der Bewtgnnß bilden dre Bergleute drS Bezirks St. M enne. Sie verlange^ daß die F,age dis zum 12. November geregelt werde. D'n Grubrnbesitzer haben e.ne Antwort erteilt, die i« große» und ganzen ablehnend hütet. Kongretz der Post-,Telephon- und Telegraphem angestellte«. Mniksn>» 2. November. (Tel.-Komy.) Der inte» nationale Kongretz der Post-, Telephon- und Tele» graphenangeftellten wurde unter dem Vorsitz der belgischen Delegierten Fraidure eröffnet. In ein« Resolution wurde gegen die Hinrichtung des Generalsekretärs des ungarischen Post-, Telegraphen- und Telephonpersonals Oskar L ö w y Einspruch erhoben. . Parkeitkg der deutschen Kommunisten. Berl'n 2. November. Heute wurde hier die erste öffentliche Sitzung des Kommunistischen Parteitages eröffnet, nachdem in einer gestern abgehaltenen nichts öffentlichen Sitzung die Bedingungen für die Verschmelzung mit dem linken Flügel der Unabhängige« vereinbart worden waren. Die heutige Sitzung wurde mit einer längeren Rede des Vorsitzenden Pirck eröffnet, der ein läng res Schreiben Sinowjews verlas. Hierauf sprach als erster Referent Talheimer über die politisch« Lage, wobei er hauptsächlich die aus der allgemeine» Wirtschaftskrise in Europa für das Proletariat sich ergebenden Schlußfolgerungen darlegte. Eine elnheitliche Organisation der Indenschaft in Karpathorntzla id. Prag, 2. November. (Tschecho-slow. Pretz-Bur.) Ans Ungvar wird gemeldet: Auf Anregung und unter Beteiligung von Vertretern des Jüdischen Nationalrates in Prag hat sich für alle bevorstehenden Wahlen eine Organisation der Vereinigten jüdischen Parteien in Karpathorutzland gebildet. Da an der Bildung dieser Organisation auch die in Karpathorutzland maßgebenden Faktoren der orthodoxen Juden teilgenommen haben, so bedeutet diese neue Organisation auch eine Vereinigung der gesamten Judenschaft in Karpathorutzland. Jüdische Mastenflucht von Wrangels Territorien. Konstautiuspel, 30. Oktober. (Jewifh Corr. Bur.^ Viele tausende Juden, die aus Sowjetrußland und von den Wränget,'chon Territorien geflohen sind, befinden sich in Baku. Datum, Tiflis und Wladikowka in einem tröste losen Zustande, da die betrefffnden jüdischen Gemeinden außerstande sind, diesem Massenelend irgendwie abzuhelfen. Der größte Teil dieser Flüchtlinge strebt bi€! Weiterreise zu ihren Verwandten in Amerika an und ist entschlossen, den weiten Weg über China und Japan zu unternehmen. Die übrigen, meistenteils Chalüzim, die-landwirtschaftlich ausgebildet sind, wollen die nach Palästina antreten. Auftreten Dr. Pinskers angesangen, die Kattowitzer Konferenz, dieersten Versuche praktischer Betätigung §* Palqstina, Achad Haams Stellung, die denbvürdigeEpoche der B'nei Mosche, die Ansätze im Westen, das Wirke» Nathan Birnbaums ist in den Hauptstrichen mehr oder minder weiteren Kreisen bekannt. Dev Verfasser hat hi« nur wenig Neues geboten; es wäre lohnend, diesen Teil deöl Buches unter Ausnützung der vorhandenen, meist hebräische«^ Quellen ausführlicher zu gestalten und etliches zu berichtige«. Weit souveräner beherrscht Böhm das Material für de«, nächsten Abschnitt, der vom Kongr«ß-ZionismuE handelt. Hier kommt nicht nur der Schriftsteller zu Wort, sondern auch der Mann, der die Bewegmig unter der Führung Theodor Herzls miterlebt und mitschaffen geholfen hat.. Daß dabei bisweilen sein subjektiver Standpunkt zum Ausdruck kornmt, kann nicht als Vorwurf gelten, für eine Arbeit,^ die keineswegs auf den Rang eines objektiven QüellenwerkeH prätendiert, sondern als die lebendige Aenßerung eines aktiven Mitgliedes der Bewegung gewertet sein will. In gewissem" Sinne gewinnt die Darstellung durch diese teilweiser Subjektivität nur an Anschaulichkeit und Einheitlichkeit. Auchdas,-was wir von dem Autor über das -Auftreten Herzls, ff den „Judenstaat", den Kamps für die Durchsetzung der Be< wegnng, den. Verlauf der Kongresse, und ihre .Ersolge,. die, btplomalischen. Unterhandlungen,. den 11 gand-akonflikt, die, innere Entw'ck ung der Bewegung, die zioni/.ischen Jns.ilulior^ unddas-tragische Ende Herzls ersahren, ist nicht gerade durch das neue Material wichtig, sondern durch .die intev«-l cssante und sehr belehrende Zusammenfassung, die dem Unein-k geweihten ein nahezu lückenloses Bild der für die Kenntnis und Beurtrilung des Zionisrnns wichtigen Tatsachon gibt. Mit einer Würdigung der Persönlichkeit Theodor Herzls schließt- Böhm s ine Schrist, deren baldige Fortsetzung man wüsrschen. muß. Sie wird jedenfalls, solcuige wir die umfassende Geschichte des Zionismus nicht besitzen, eine empsiudlichr Lücke; auslülleru.

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