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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-03 · Heft 638 (3.11.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 638 (3.11.1920)
Date
1920-11-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 638 _Men. Mittwoch Sicherung der jüdischen Arbeit auf sozial gerechter Grund« läge zu gewährleisten. Dre Weiterentwicklung de- Jüdischen IrasioncckfondS in jeder Hinsicht ist eine der wichtigsten und drvnglichsten. Aufgaben auch des Judentums in Oesterreich. TS ist 'nötig, die Aufklärung über Ziele und Erfolge des JLdrschsn Nationalfonds durch großzügige Presse« Propaganda der breitesten Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, und hat insbesondere die jüdische Presse dem Jüd.- schen Nationalfonds größtes Entgegenkommen zu bewerfen. Der großzügrge Ausbau der Sam.me l a rbeit für den Jüdischen NationalfondS in Oesterreich erscheint notwendig und werden im vorhinein alle diesbezüglichen Beschlüsse der für den 14. und 15. d. M. einzuberufenden ReiLSkonferenz des Jüdischen NationalfondS als für die Zionisten in Oesterreich bindend erklärt. DaS neue zu wählende zionistische LandeSkomitee soll den zukünftigen Präsidenten der NeichSlcitung de» Jüdisck)en NotionalsondS kooptieren, um ixrdurch cnrch äuf^rlich die Einheitlichkeit beider Körperschaften zum Ausdruck, zu bringen. Ave Ziomsten in Oesterreich werden verpflichtet, ihr möglichstes zu tun, um bis Jahresende die vorn Hauptbureau deS Jüdischen Nationalfonds verlangten Kontingente. von 15 Millionen Kronen aufzubringen. Beschlüsse des Keren Hajessod. 1. In Anerkennung der hohen und entscheidenden t^edeutung, die der Aktion für den Keren Hajessod auch in Oesterreich zukommt, hat es als Pflicht jedes Zionisten zu gelten, a'lr in dieser Aktion ihm vom Landeskomi ee oder des,en B amtragten zugewi.'seuen A. bellen ohne Weigerung zu übernehmen und mit aller Kraft unter Hintan sepung seiner persönlichen Interessen du ch-u'ühren. Inl-besindeve da s berufliche Ueücrlastung woh si ui einer Zionisten niemals als Entschuldigung angeführt werden. 2. Das Landeskomitee Hai das Recht und die - Pflicht, jene Zionisten, welche ihrer Pflicht für den Keren Ha'essod, sei es hinsichtlich ihrer eignen Leistung, sei es hin,ichilich ihnen übertragener Arbeiten nicht erfüllen, ans dem Landesverband auszuschließen und ihre Namen zu vcrlantbaren. D.r. Löwen Herz legt namens der politischen Kommiffio» die folgenden Antrags vvr, welche zur einstimmigen Annahme gelang en: L Der Parteitag anerkennt die innerpolitische Betätigung als wesentlichen Bestandteil der zionistischen Arbeit. Er billigt vollständig die bisherige. Landes-. Politik drs LandeskomiteeS, spricht ihm die Anerkennung aus, und ertelt ihm Decharge. Gleichzeitig bcaüf. tragt der Parteitag die neue Parteileitung, dl« LandeSpolivk im Sinne der bisher befolgten Prinzipien weitcrzuführen. 3. Der Parteitag erhebt schärfsten P r o t e st gegen die rechtswrdrige, den Prrnzipirn deS FriodenSvertrages und der Staatsgrundgesetze hohnfprechend« Behandlung der in Oesterreich ansässigen Puden, gegen die kulturrvidrige Aussperrung jüdischer Hörer aus den Hochschulen und fordert die Parteileitung auf, mit aller Entschiedenheit den Kampf dagegen wufzunehmen. 8. Der Parteitag erhebt schärfsten Protest gegen die Bestimmungen des Wahlgesetzes in die gesetzgebenden Körperschaften Oesterreichs, insbesondere gegen die WahlkreiSgeometrie, da durch diese Bestimmungen die Inden Oesterreichs deS Rechtes auf eigene Vertretung planmäßig beraubt wurden. 4. Der-^Parteitag erhebt schärfsten Protest gegen dientsetzlichen, aller Menschlichkeit hohnsprechenden, unter Duldung der Behörden sich abspielenden Jttdenschlächtereie« im Osten Europas und in Ungar« und ruft die ganze gesittete Menschheit zum Kampfe gegen diese Barbarei auf» welche die blutige Ausrottung eines großen VolkSteileö zum Ziele hat. Der Parteitag erklärt sich solidarisch mit drn in den Ländern blutiger Verfolgung um die bürgerlichen, nationalen und kulturellen Rechte heldenhaft kämpfenden Massen und versichert sie der tatkräftigen brüderlichen Unterstützung. 5. Der Parteitag spricht dem Komitee der jüdischen Delegotron bei der Friedenskonferenz für feine im Interesse der gesamten Judenheit entfaltete Tätigkeit den Dank auS und erwartet, daß es bis zum Zusammentritt deS Waad Haarazoch seine Arbeiten fortsehen werde. 6. Der Parteitag begrüßt den Beschluß deö Komitees der jüdischru Delegationen bei der Friedenskonferenz auf Einsetzung des Waad Haarazoth als der rechtmäßigen interterritorialen Vertretung des jüdischen Volkes beim Völkerbund Mld ermächtigt die Parteileitung, im geeigneten Zeitpunkt die notwendigen Maßnahmen für die Beschickung des Waad Haarazoth durch die Judenschast in Oesterreich zu ergreifen. ' Die von Dr. Ma rgulieS vertretenen Beschlüsse betonen die Notwendrgkrit einer intensiven Kulturarbeit, und fordern, baß die in London beschlossene Kulturzentrale für Europa in W i e n errichtet werde. Jedem Zionisten wird die intensive Pflege des Hebräischen zur Pflicht gemacht. Hieraus wurde die De batte eröffnet, welche sich zum Teile sehr lebhaft gestaltete. Herr Filtp erklärt, der Mißerfolg müsse ein« Lehre sein, die Jugend ser unS entglitten und müsse wieder gewonnen werden. Die Arheit ist zu viel au? Wahlarbeit zusammengeschrumpst. Wir müssen die konstante zionistische Arbeit in weitem Rahmen wieder ausnehmen die T'sl.cbuj-.r/.n zur tl.>lkL-drldu>:g «tSLarrru. SdrÄkpp MsgL. die. LMsirrnL eiM Judeni-rgeS Wiener Morgenzeitung /3. November 1920 Wlit'U Mitteilungen Des englischen AnlerstaalsseLreMrs für Ans« wärtiges im Unterhaus. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Ormsby Gore über die Fortschritte in Palästina erstattete der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Cecil Harmsworth folgenden Bericht: Alle, neueren Berichte aus Palästina legen ein Zeugnis dafür ab, daß der freundliche. Empfang, der Sir Herbert S a m u el bei seiner Ankunft in Palästina Ende Juni zuteil geworden war, eine Periode der Ruhe eingeleitet hat, welche weder durch innere Störungen noch durch Angriffe von außen unterbrocl)en worden.ist. Die Beziehungen der verschiedenen Bevölkernngsklassen zueinander haben sich gebessert. Die Bevölkerung hat sich völlig beruhigt und sieht tzer Entwicklung entgegen, welche Sir Herbert Samuel in seiner Antrittsrede in Aussicht gestellt, hat. Die Zensur wurde aufgehoben, die Derwaltungseinrichtungen werden allmählich verbessert und vervollkommnet. Die Distrikte wurden xf organisiert, wobei an Stelle eines Teiles der britische« Beamten palästinensische Beamte zur Derwaltungs« arbeit herangezogen wurden. Ein ans zehn Beamten, und zwar aus vier Moslems, drei Christen und drei Juden, bestehender Deamtenbeirat wurde eingesetzt. Die Verwaltung beschäftigt sich gegenwärtig mit der Ansarbeitung eines PlaneS zur Ausgestaltung des Erziehungswesens und Sir Herbert Samuel hat bereits verschiedene Kommissionen eingesetzt, denen unter dem Vorsitz eines Derwaltungsboamten die Vertreter der verschiedenen Vevölkerungsschichten angehören. Diesen Kommissionen wurde das Studium der folgenden Fragen übertragen, und zwar: 1. Die Errichtung einer oder mehrerer Bankinstitute zur Schaffung von langfristigen Darlehen an die Landwirtschaft? Aeberdies wurde mit gleicher Zusammensetzung eine ständige Landkommission zur Sicherstellung des für eine geschloffene Siedlung notwendigen und verfügbaren Bodens eingesetzt, welcher die Aufgabe zu-!' fällt, Kolonisationsplöne unter besonderer Bedacht-' nähme auf die Interessen der bereits bestehenden aktiven Kolonien zu entwerfen und über die Ausdehnung und die entsprechende Verwaltung der der Regierung ge* ' hörenden Vodenflächen Bericht zu erstatten. Die Bahnlinie von Jaffa bis zum Anschluß i« Lhdba ist erweitert worden. Die Hafenfrage m Haifa be^ schästigt die Verwaltung gleichfalls, provisorische Verbesserungen bis zur Errichtung einer entsprechenden : Hafenanlage werden durchgeführt. Ein weitgehendes j Programm für Straßenanlagen und Verbesserungen ' der bestehenden Verkehrswege ist in Durchführung begriffen. \ Auch behufs Durchführung der Deklaration der englischen Negierung vom 2. November 1917 wurden bereits die ersten Schritte unternommen,; . so zum Beispiel die r ' , ,• Regelung der Einwanderung '' im Sinne der erlassenen Ernwanderungsverordnung. Juden, deren Ansuchen durch die Zionistische Organisation unterstützt werden, erhalten bis zur zulässigen Zahl von den britischen Konsularämtern der ganzen- Welt die Paßvisa für die Einreise nach Palästina, wobei die Zionistische Organisation die Verantwortung für das; i Verhalten der Einwanderer, im Falle diese keine Arbeit' finden, übernimmt. Es kommen monatlich einiges j hundert Einwanderer in Palästina an, welche beim Straßenbau, bei der Dodenvermessnng und in den ke> stehenden jüdischen Kolonien Arbeit finden. Die und Industrie, 2. die Einführung einer besonderen Wert Zuwachs steuern auf den Sandboden. 3. die Vereinheitlichung des Maß- und Gewichtswesens, 4. Durchführung der erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Malaria, 6. Anlage von Plänen für die Schaffung neuer Stadtteile in den wichtigsten Städten des Landes. hebräische Sprache wurde in allen Städten und Distrikten mit bEu.i2w>^ derer jüdischer Bevölkerung sowie in allen zsntralen- Negierungsamtern als eine mit der arabischen und englischen Sprache gleichgestellte Amtssprache anerkannt. Auf den zweiten Teil der Anfrage, ob die englische. gier urig zur Deckung der Krsten für die Viscubahnbauten- und andere öffrntl'.ch: Arbeit»:» eine Regierungsanlsrh« aufzunchmen gedcnke, antworte.e Harmsworth bejahend. mit wirtschaftlicher Tendenz vor. Bei einer intensiven Aufklärungsarbeit werden wir einer eigentlichen Wahlarbeit nicht mehr bedürfen. Dr. Ka bisch-weist auf die Notwendigkeit hin, mit den Arabern einen Modus vivendi zu finden, und bespricht die Fragen einer gesunden Bodenpolitik in Palästina. Auch in der Galuth müsse zwischen Sozialismus und Marxismus strenge geschieden werden. In der Jugenderziehung müssen wir zu klaren Begriffen zu gelangen suchen Und unsere Landes- Politik brauche ein ausgearbcUcicS Wirtschaft-Programm. Herr Sendrovtcz legt einen ausgearbeiteten Propagandaplan vgr. Strecker erklärt, «ine Wiederwahl nur von einer ausgesprochenen Mehrheit des Parteitages annehmen zu können. Es wird 'also beschlossen, die Debatte zu unterbrechen und die Wahlvorschläge des Pcrmanenzausschufses e'rtgegcnzmrchmen, welche dessen Referent, Herr S i tz m a n n, dem Parteitag unterbreitet. Nach einer lebhaften und eingehenden Debatte werden die Wahlen in die engere Parteileitung vorgeirommen, über deren Ergebnis'wir bereits gestern berichtet haben. Nachdem noch mehrere Redner zum Worte gekommen waren, wurde der Beschluß gefaßt, in nächster Zeit die nicht zu Ende geführte Aussprache fortzusetzen. In das erweiterte Lau-rSwmtt« wu den gewählt: Wilbelm Alper, Dr. Samuel Auerbach, i'nUvig Dato, Karl B l u m e, Dr. Max Bernhard, Rudolf Eben, Cemeindcrat Tr. J.ikob Ehrlich, Tr7 Arnold F r i e d m a n n. Jttdor G e w i t s ch, Oskar Goldschmied, Jul it§ Grüner (Gmzl. David Holpern, Dr. Simon H o l d e n fl r n b e v,. Dr. H. K a d i s ch (Bösl u. HanS Kandel, Lotte K e m p l e r. Bcklor Knie. Arch. Otto K o l i f ch. Moses L i s s i a n s k i, Max M a r k n S. An tta M ü l l e r. Em 1 R i m () 8 u f e r, Jny. Samuel N u ßbau m. Tr. Moritz P a ch t m a n n. S. Picker. Gcmc:nde,at Dr. Leopold P l a j ch k e S. 05 . mc mb n et Dr. Bruno P o l l a k - P a r n a u. De^.rkSrat Norbert N a p p a p o r t, Lcopold S t tz m a n n. Dr. Lcorold S o f e r, Dr. Mar Spreche r. Paul Stein (V:nt0* Dr. S t e i n b e r g. Dr. Adolf T a a l l ch t, Naih.m T a r t a I o w e r, Löbcl Taubes. Nekchrungsrat .Rudolf T a u k f i p, Tr. Teichm a n n, E ük T o r c z i n e r H.rm mn T r o v p. I. H Ä a l t u ch. Beniksrat Dr. Georg Weiner, Z^ntra mspcktm Tr. Ladwig Werner. Der Par'cuag bckcklod unter l Vhastcm Beifall die Abfenbung vvn Negrii.uuzsteleglami'.'.cn an S \ r Herbert S a nr u p l wid w r \r. jüdischr K ü « l : ‘ r.?nr •Ov Ueber das sraffenproble«. Bon J.-A.«Dr. Ignaz Kurt Rofrnfeld. ES soll der Besuch zur Erläuterung des! Rasse-/ begrif'rz im Lichte der neuen anthropologischerr Fov-. schunden unlemommen werben. Vorausgesch.ckt mutz-' werken, daß die wissenschastl!ch:n Bestrebung» uiÄ' vergle'chendsn Sludi^n eiufe'ner Völkerschrsten erst «t die Zeit de? aufgeklärten Aüfolutismus reichen und" die Auskunftsmittel aus der Methode, die in der! Zoologie beobachtet wurde, herübergeholt wurden, dtz ' erst h'er Difsercnziecungen durch diverse beobachtete, Kreuzungen nach Ort und Rasse auftratcn und zu. weile.en Anregungen sich vervollkommneten. > Der wissenschaftliche V-rsuch, auch Menschen und Völker «nler gemeinsame Sammelbegriffe zu gruppieren, besondere Kcnn'eichen aufzuzeigen, die fyrt< gre bt werden und als dauerndes Spezifikum erhalten. bleiben, fä.lt in da? 17. Jahrhundert und ist ein Verdienst de? Franzosen Vernier. ES ist begreiflich, daß seinem Cinteilungsversuche, wie auch der folgenden Klaisisikalion des Gevffroy-Saint-Äilaire und schließ-: sich des Friedrich Müller in Wien kern voller und unbe-; strittener Erfolg beschießen sein konnte, da keinem Volks!- ' stamme infolge der Wanderungen und Mischungen! reine Eigenart erhalten blieb, und dieser Erscheinung; s erst in der allerjüugstrn Zeit durch Fritsch und Stratz Geltung und Würdigung verschafft wurde. So ist aus riesen Beme ku'igen schon zu entnehmen, baß sowohl über die Einteilungsprinzipe als .auch über Rassenbegriffs unter den Naturforschern keine! Einigung besteht. linier Nasse werden gewöhnlich alle jene Gruppe^ des Meiriche-g fchl:ch'S verstanden, die besondere typische Eigenichaf.en anfw.is:n, welch: sich zum Beispiel auf die Haar- oder Hautfarbe oder Gesichtsform beziehen. Die Rassemne.kmale wiederum entstanden au§^ den Komponenten dev Vererbung und Variabilität,., wobei die e.stere im Laufe der Jahrtausende ein Uebergewicht gewann. Da? kultu e l: Ancinanberangewiesen^ sein i.r der Döl erst.'ömun.^ hat ein le'.lweise) Aufgeben, des schwäche cn Rassenmomcn.s mit sich gebracht, seine in'.ipiduel.'e Beiouung veuoischt, so daß nach neuester Ausfassung der Naturwissenschaft (Deniker Lampertt wir heute nirgends mehr reine Rassen vorsinden. DA ' heule noch aufsal.'ende Dissereu.'.ierung mancher Volk-» stamme ist nur auf hie frühere.strenge Zfolierung bar Nasse zurück.,usühren. Tc.? Prinzip, das bei der Rasseneürpriluug von. i''"1 '.'lnihwpolog-rn beobachtet wurde, iß errLsPrecheud

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