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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-29 · Heft 634 (29.10.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 634 (29.10.1920)
Date
1920-10-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 634 Dien. Freitag neue Kabinett aus F a ch m 8 n n < r n gebildet werden wird. Der parlamentarische Einschlag der neuen Regierung wird jedenfalls davon abhängen, inwieweit die an der Regierungsbildung beteiligten Parteien auch die Verantwortung für die politische Führung übernehmen wollen. Die NestftimmenmandaLo. Die Hauptwahlbehörde wird morgen und DienStag Sitzungen abhalten, die Wahlergebnisse überprüfen und die Berechnung der restlichen Stimmen durchführen. Die Verlautbarung über die Verteilung der Reststimmen- Mandate dürfte somit am 3. November erfolgen. Noch den vorläufigen Stimmzcihlungen entfallen von den 16 Reststimmenmandaten 7 auf die Grotzdeutfche Volkspartei.. 4 auf die sozialdemokratische, 3 auf die christlichloziale Partei und 1 auf die Deutsche Bauernpartei. Der Rücktritt Dr. tzartmanns. Der Leiter des Staatsamtes für Aeußeres, Staatssekretär Dr. May r, -hat das Demissionsgesuch des Gesandten in Berlin Prof. Dr. H a r t m a n n angenommen. Unter einem wmde bis zur Ernennung eines Nachfolgers Legationsrat P o ft mit der Führung der Geschäfte der Berliner Gesandtschaft htaut. Weiskirchners Mission in Budapest. Budapest, 28. Oktober. Abgeordneter Dr. Weiskirchner erklärte dem Vertreter des Wiener Telegraphen-Korrespondenz-Bureaus über den Zweck seiner Vudapester Reise, er sei von seiner Partei beauftragt worden, inoffizielle Erhebungen über die Ernährungslage in Ungarn und über die Möglichkeit eines Exports von Lebensmittelüberschüssen nach Oesterreich-zu pflegen. Er sei mit keinerlei politischer Mission beauftragt und seine Reise habe keinerlei politischen Hintergrund. Morgen kehre er nach Wien zurück, wo er seiner Parte! über das Ergebnis seiner Reise Bericht erstatten werde. Die Prager Zuckerverhandlsrngen. Prag, 28. Oktober. Die österreichisch-tschecho-siowakischen Zuckerverhandlungen haben vorderhand bezüglich des aus der Kampagne 1920-21 an Oesterreich zu liefernden Zuckers zu einer Einigung geführt, doch steht die tschechoslowakische Regierung auf dem Standpunkt, daß mit der Lieferung erst begonnen werden kann, bis ein Uebereinkommen bezüglich der Begleichung der alten Kronenschulden erzielt ist. Ueber. finanzpolitische Fragen meritorisch zu verhandeln, waren die Unterhändler .nicht bevollmächtigt. Somit hängt es von den demnächst wieder aufzunehmenden Besprechungen zwischen den beiden Finanzministern ab, ob die Zuckerlieferungen des alten wie des neuen Ertrages durchgesührt werden. Die Detailberatungen des neuen Zuckervertrages ist auf morgen anberaumt. Telegramme. Der Kampf nm die Präsidentschaft in Amerika« Washington, 28. Oktober. (Tel.-Komp.) Die demokratischen Kreise zeigen neuerdings einen großen Optimismus für die Entscheidung des Kampfes für die Präsidentschaftsftello. Der Kandidat Cox erklärte, den Republikanern ist eine große Ueberraschung Vorbehalten. Besonders bemerkt wird die Stellungnahme Hearsts, der, während er drei Monate Cox angegriffen hatte, plötzlich sich auf Seite der Demo traten stellt. Die Demokraten veröffentlichen einen Aufruf, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß es zu einer vollständigen Loslösnng von der Politik des gegenwärtigen Präsidenten Wilson kommen wird. Ende deö 'englischen Bor^arbsiterftreiüs. ' London. 27. Oktober. (Wolfs.) „Manchester Guardian" meldet: Der Streik der Bergleute, ist beigrlegt. Die Bergleutewerden die Arbeit am 1. November wieder aufnehmen. Die Regierung gewährte eine sofortige Loh ne r h öh un g von zwei Schilling. Das Exekutivkomitee der Bergleute'erklärte sich bereit, die Verantwortung für die Steigerung der Kohlenförderung aus sich zu nehmen. ' Ein* NA-prrahrrrsmahnahrrrengefetz in Grnland. London, 28. Oktober. (Reuter.) Das Gesetz, betreffend die Ausnahmsmaßiuchmen ist im Unterhause mit 238 gegen 58 Stimmest angenommen worden. Oer Goldschatz der irischen RepnbM; beschlagnahmt. Loydorr, 28. Oktober. (Funlspruch) In Dublin wurde der G o ldschatz der inschm Republik gelcgcnrl'.ch ei,nr Hane* durchsnchMg entdeck und beschlagnahmt. Moskauer KamyfkeeichL. Moskau, 38. Oktober. (Funkspruch.) Frou.lc^ch: vom 87. Oktober: (Anfang verstümmelt.) — Be'.Nikolsk übersetzten wir den Dnjepr und drängen den Feind gegen Süden. Im Gebiete von Pologa besetzten wir die Ortschaft Rasdorv und rücken weiter vor. AN«««« Morgenzeikimg /29. Oltoirt 1920’ Der Wiederaufbau Palästinas. London, 28. Oktober. (Funkspruch.) Der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten hat Erklärungen über die Fortschritte in Palästina gemacht, seitdem daß Land von Sir Herbert Samuel als Oberkommissär verwaltet wird. Er hob besonders hervor, daß auch die Eingeborenen zur Verwaltung herangezogen werden, daß die Bekämpfung der Malaria gute Fortschritte mache, daß Ordnung und Gleichmäßigkeit in das früher sehr mannigfache Münz- und Gewichtswesen gebracht wurden und daß die Zahl der einwandernden Juden ständig znnehme. Die PalWenas. London, 26. Oktober. (Jewifh Corr. Bür.) Die „Times" besprechen heute in einem ausführlichen Artikel die Notwendigkeit günstiger wirtschaftlicher Grenzen für Palästina und glaub.m zu wissen, daß die langersehnte Regelung der nördlichen Gren-e in Bälde erfolgen wird. Entgegen manchen französischen Stimmen, daß die Schaffung eines Mischen Pa'ästina, U iehmrgsw^ise einer jüdischen Staatsnation, ein britisches Politikum sei, betont das Blatt, daß die Verdächtigung nicht zutrifft, da man es hier mit einem internationalen Experiment zu tun habe. Es gibt bloß Meinungsverschiedenheiten über die Art und Weise, wie das Ideal der Wiederau Dichtung Palästinas als die Heimstätte einer neuerstandenen jiwijchen Nation zu verwirklichen, niemand zweifelt jedoch daran, daß der Zweck ein überaus edler und vornehmer ist und daß dessen Gelingen der Welt großen Segen bringen wird. Es wird daher bei der Festlegung der G reu en der Unterschied zwischen einem Palästina als historischem Kuriosum rnrd dem beabsichtigten zukünftigen Palästina als einem wirklichen Staatswesen und einer zum Wohle des gesamten Ostens errichteten realen Macht gemacht werden müssen. Frankreich und Wrangel. Warschau, 28. Oktober. (Privat.) Nach Pariser Meldungen hat die französische Regierung dem Dertretcr des Generals Wrangel, Peter Struwe, folgende Bedingungen für eine finanzielle und militärische Unterstützung mitgeteilt: 1. Einstellung der monarchistischen Agitation, 2. Entfernung der reaktionären Minister aus der Regierung, 3. Anerkennung der Rechte der nationalen Minderheiten, 4. Einberufung der Konstituante. Frankreich für ein Manisches Wilna. Kowno, 27. Oktober. (Lit. Tel.-Ag.) Der französische Ministerpräsident hat dem litauischen Minister des Aeußern mitgeteilt, daß die französische Regierung die polnische Politik mißbillge. Die französische Regierung spreche sich für ein unabhängiges Litauen mit Wilna und Memel aus. gierig owW unterhandelt selbst. Warschau» 28. / Oktober. (Privat.) General Fi e l i g o w s k i hat an die litauische Regierung in Kowno eine Note gerichtet, in der er sie zur Einleitung von Friedmsvechcmdlungen einlädt. Ans dem polnischen Budget. Warschau, 28. Oktober. (Privat.) In der Kammer teilte der F i n a n z m i n i st e r aus dem Inhalt des Budgets unter anderem folgende Ziffern mit : Militär 4 Milliarden Mark monatlich, BeamLengehälter 1 Milliarde Mark monatlich. Das Defizit im Eisenbahnbetrieb für die Monate Juli, August und September betragt 2Vs Milliarden Mark. Das Gesetz über Me polnische Zryangsimleihe angsnvMMerr. Warschau, LS. Oktober. (Poln. Tel-Ag ) Der polnische Landtag hat in der heutigen Sitzung das Gesetz über die Zwangsanleihe angenommen. Frier der Gründung der tschecho-sloSvakifchen NepubUK. Prag, 28. Oktober. Anläßlich des zweiten Jahrestages der Gründung der tschechoslowakischen Mpublik sind die Häuser beflaggt. Gestern veranstaltete das Tschechische Natibual-- theater eine Festvorstellung. Morgen findet im Deutschen Theater eine F-estvorstellnng statt. Sämtliche tschechischen Blätter veröffentlichen dem Festtage gewidmete Aetiwl. Die Arbeiterparteien, darunter auch die tichrchischeu Kommunisten, veranstalteten Volksversammlungen, die sämtlich ruhig und würdig verliefen. In Prag fanden aus der Burg vormittags Empfänge durch den Präsidenten Masaryk statt. /eSTf; . ®fij Eine Zentralst-Le für falsche. ungarische Nachrichten. Budapest» 2L. Olw-wr. Dem ,.lli Nem'.rdci" zufolge hat der Mtt'.uicrra: in rwr 2 ihw.g bie Organisierung riw; B r t ü? r»? o r i», a t i o n s k o m n, , s s t o n ' eschiassnr. heean-ät sich unr «in: kousnb.ü-.ve E'.r.riöümlg. »Icke dis Hrimnyrr, na-'b Bin Anlwnrb könnrn.' Die neuen Maßnahmen treten am 1. November in Kraft, die europäische Presse eine Warnung vor allen kommenden offiziellen Meldungen.) Was geht i« München »a* V München, 28. Oktober. In der heutigen Sitzung deH bayrischen Landtages wurde folgender Dringlichkeit antrag der sozialistischen Fraktion des Landtages' verlesen: Die Sozialdemokraten verlangen die Einsetzung eineU Untersuchungsausschusses. Gegen Organe der Pol i< zeidirektion München wird der Vorwurf erhoben/ daß sie eine Organisation gebildet haben, die sich zu« Aufgabe gestellt hat, Menschen gewaltsam.-« beseitigen. Veweismaterial und Zeugen stehen zmj Verfügung. Da Gefahr im Verzüge ist, beantragen wir/' der Landtag wolle beschließen, daß der Haushaltungs-j ausschuß aufgefordert werde, die Angelegenheit rn seiner heutigen Sitzung zu untersuchen. Das ganze HauS erklärte sich mit der sofortigen Behandlung des Antrages im Ausschuß einverstanden/ Tagesbericht, r A»forder««g der FMchtN«gs-- wohnungen in Mte«. Die ,Hekämpfer der Ostjuden" von links' Md. reW sind ins Parlament eingezogen und da sie vorläufi nicht wissen, lvo sie die goldenen Berge hernehmr». sollen, die den verehrten Wählern zugesagt wurden/ ziehen sie gegen die Flüchtlinge loS. Es war nicht anders zu erwarten. Es gibt eine Hetz und die Straße ist hti friedigt. Ob unglückliche Menschen ihres letzten HaldrS'1 ihrer armseligen Existenz beraubt werden, ist den Dem«? agogen roter und schwarzer Couleur ganz einerlei. Mensch« lichkeit muß nran in der Bergläuderrepublik, die rni der ganzen Welt um Nachsicht und Hilfe herumschnorrÜ schon mit der Laterne suchen. Die regierenden Partei«^ sind einem wüsten Chauvinismus verfallen, der an dÄ finstersten Zeiten erinnert und unsere'sogenannten Sozi» listen sind um kein Jota besser als die von ihnen 6ä kämpften Reaktionäre. Wodurch zum Beispiel untevscheidet sich wohl der sozialdemokratische Landeshaupk« mann Sever von einem Kunschak oder Orel? NW wesentlich, scheint uns. Die sozialdemokratische Partei,, für die bei den Nationalratswählen 80.00V jüdisch^'.' Stimmen abgegeben wurden, Stimmen, die mik der Drohung ergattert wurden, es würbe sonst Pogrome geben, veranstaltet jetzt einen Pogrom gegen , die Existenz jüdischer Proletarier. Herr Sever, der sich bei den Antisemiten einen glänzenden Namen gemacht hat und dessen Sozialismus schon recht angeschimmelk ist, hat für alles schön vorgesorgt und das Staats amt für soziale Verwaltung (der Name wirkt in diesem! Falle wie Hohn) ist besorgt, die Seversche Mtion könnte ins Stocken geraten sein. Die „Staatskorrespoudenz" bringt nachstehende amtliche Verlautbarung, die den Geist unserer Bergländerregierung ins, rechte. Lich.t rückt: - j r\'3§ „Eine der Haupturfachen her WohnunstK not in Wien besteht darin, daß zahlreiche, während des Krie.es zugelvander.e Flüchtlingssämilier^ unter denen sich viele unerwünschte Elemente 4 und nach der niederösterreichischen Kundmachung vom 9. September 1919 zur Abreise verpslichtete Personen befinden, ihre Wohnungen in Wien noch immer, beibrhnlten. - -i Um der Wohnungsnot der bodenständigen völkerung einigermaßen abzuhelfen, hat die Landes j regieruna mit Kundmachung vom '10. Juni 1920, LGBl. Nr. 355, die Wohnungen derjenigen Personen« - welche sich unberech.ig verweise in einer niederösterreichijschen Gemeinde aufhalten, für an so rder b g.r erklärt.' Für ein.'.elne Orte, zu denen auch Wie n gehört, gilk. noch überdies die Brrschärfung, daß solche Wohnunge^ 1914 wegen Preistreiberei oder einer aus Gewinnsucht, begangenen strafbaren Handlung rechtskräftig verUrteiU begangenen strafbarer! Handlung rechtskräftig verurteilt) oder bestraft wurden, als angefordert zrr gelten haben.- Das Staatsamt für soziale Verwaltung hat nun-, mehr, da diese Bestimmungen bereits über drei Monates' in Kraft stehen, vom Wohnungs- und Siedlungsamts der Stadt Wien einen Bericht darüber -abverlangt,! welche Ergebnisse mit dieser Verschärfung des? Wohnungsan'o"derungSrechtes erzielt wurden." t ( Wenn die Herren glauben, daß sie ihre reaktionären Instinkte auf dem Rücken armer jüdischer Menschew ungestört austoben dürfen,- wird man sie eines besseren! belehren- Die jüdischen Führer, bee sich ihrer Pflicht gegenüber den verfolgten Brüdern bewußt sind, werden , den horthysierenden Neigungen politischer Geschäftsleute i die um die Gunst der Straße buhlen, einen Damm fetzen. Die „unerwünschten Elenrente" sitzen ganz wo anders als in den dumpfen Massenguartieren jüdischer Flückt-' linqe... ,___ Also sprach Ostermatzer. Gestern fand im Festsaal der Hochschule für Bol.enkultur die Inauguration des für das Studienjahr! .1920/21 wtedergewählten Rektors Prof. Dr. Adols Ostermayer statt, aus welchem Anlaß dieser eine?! Rete schwang, die wir an anderer Stelle gebührend' ff'nu'.-r'chueu. Brsagler Herr führte unter andere-n ausr A u asad-nni^cheur Bode:l hat auch in drn Zeiten whr^ t-..ür dir Gcr •: chtigkeir noch eine Fe«i-

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