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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-21 · Heft 626 (21.10.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 626 (21.10.1920)
Date
1920-10-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 62$ Wien, Donnerstag Elektrisitäts- und Gasiv-erk werden notdürftig im Betrieb gehalten. Diesen Streik hat b\f sozialdemokratische Parteileitung an geordnet, um dem Protest der Arbeiterschaft gegen die von der hechten beabsichtigte Einführung des Zweikarnin ersy stem s in Polen Abdruck zu geben. Die Rechtsparteien Haberl nutt im Sejm einest Dringlichkeitsantrag eity gebracht, in welchen, gefordert wird, daß die Regierung diesem Streik entgegenwirten möge. Der Deputierte Rotermunb begründete in der Freitagsitzuttg den Antrag damit, daß die Zulassung eines solchen Streiks Terror gegen die gesetzgeberische Anschauung des Sejm bedeute. Die Dringlichkeit des Antrages wurde jedoch mit 77 gegen 06 Stimmen abgelehnt. Damit hat der Sejm gewissermaßen einen Streik gutgeheißen, welcher oaranf berechnet wyr, seine Entschließungen zu beeinflussen. Wie weit dies wirklich der Fall ist, wird in den nächsten Sejmsitzungen, auf deren Tagesordnung die Senatsfrage steht und auch zur Abstimmung gelangen soll, zu merken sein. Die Rechtsparteien machen gtoße Anstrengungen, um das Seuatsprosekt durchzubringen. Hier ist eine Abstimmung zu erwarten, bei welcher der ernste Wille der polnischen Parteien zur Demokratie die Probe bestehen wird. Franzgsische Kredite für Pole«. Wa schau, 21. Oktober. (Eig. Drahtbericht.) In gut informierten finunzketlen Kreisen verlautet, daß Finanzminister Gradski in allernächster Zeit nach Paris abreisen wird, um uni der französischen Regierung endgültige Abmachungen betreffs. Lieferung von 60.000 Tonnen Zucker und etwa 15.000 Zisternen, Naphtha an Frankreich zu treffen. In den dem Finanzministerium nahestehenden Kreisen wird behauptet, daß die neuerliche Abreise des polnischen Finanzministers nacb ^aris im Zusammenhang mit nejten Vorschlägen der fianrä,'Lichen ReaikrunaKreditaiewäbruno an Polen steht. Der glatte Verlaus der bisherigen Friedensverhandlungen in Riga und die seit einigem Tagen tatsächlich bestehende Waffenruhe an der polnisch-russischen Front Halen die französischen Finanzgruppen für die Bewerbung . der polnischen Regierung um eine größere Anleihe in Frankreich günstiger gestimmt. Ein großes französisches Bankkonzern hat sich bereit, erklärt, gegen gewisse Sicherstellungen und Konzessionen in Polen der polnischen Regierung einen Kr.-dit in der.höhe von ungefähr ein bis zwei Milliarden' Francs zu gewähren. Finanzminister Grabski wird während seines Aufenthaltes in Paris mit den Vertretern dieses Dankkönprns in Verhandlungen treten. Waffenruhe auf der polnischen Front. Warschau» 20. Oktodcr. (Polo. Tel.-Ag.) Bericht dtS pol- «ischm Gevrralstabes vom 20. d. M.: Am 13. Oktober um Mitternacht wurden die Kriegshc.ndlungm aus der ganzen Front eingestellt. Die Waffenstillstandslinie verläuft somit durch Gluck— Vrabovo—Kapcewicze—Clewsk—Zwjabel und Dereznrja. welche Orte in unserer Hand blieben. Die Affäre Lauda«. r Budapest, '20. Oktober. Im Abgeordnetenhaus inter-- psllierte heute der Abgeordnete Rnvpertm der Affäre La nd au. Er sagte, ec hätte nicht interpelliert, aber, er wu'^avon einem Organ beschuldigt, bestochen zu fein. Sodann gab Ar eine detaillierte Schilderung der Affäre. Er stellte vor allem fest, daß es. sich keinesfalls'um einen Uebergriff des Militärs handle, im Gegenteil, die Pronay-Division war ihm behilflich, die Sache, klarzustellen, und die. Pronay-Division wollte Landau befreien. Sie war aber nrachtws gegen die Maffia von Gendarmen ans derUmgebung von Kecskemet und einem vielfach vorbestraften Jndividirtm namens trrdinand Do be, der mit d?m Weinhändler Landau in efchäftsverbindung gestanden, .batte :u,d von ihm niehrer: Die PUceini-PreMiere. '(»D er Mantel", Text von Giuseppe A d a m i; «Schwester Angeliea", Text von Giotiucchinv Forzano; «Gianni Schiechi", Text vo-n Giovaechino Jrozano; Musik von Gincomo P u c c i n i. — Erstaufführung an der StaatSoper am 20. Oktober.) Wenn man Puccini bei seiner „Rondiue" auf Volkstümlichen Abwegen antraf, so versprach die Aufführung der drei neuen Einakter an der Staatsoper einen Blick auf den Fortschritt der Entwicklung dieses Komponisten zu gewähren, der augenblicklich das Interesse des gesamten musikalischen Wien auf sich lenkt. Es war zu untersuchen, ob hier ein Airs- oder Absteigen zu registrieren wäre, ob seine leichtquellende Melodik ihren Reichtum nicht eingebüßft die sichere Theaterbegabüng des erfahrenen Praktikers mit gleicher Genialität. chie sonst ihren Gegenstand erfaßt hätte. Die Dreiteilung des Abends mutzte das einheitliche Urteil erschweren. Kein verbindender Gedanke eint diese Schöpfungen von wesensverschiedener Anlage. Zwischen) dem proletarischen Ehebruchsdrama, der Nonuenlegende und dem altitalienischen Schwank besteht kein Zusammenhang geistiger Art. Auch im Musikalischen wechselt naturgemäß der Ausdruck, so sehr, daß beim „Gianni Schicchi" — zeigte sich an einigen kantablen Stellen nicht die Klaue des Löwen — die Vaterschaft auch eines anderen Jungitalimers recht wohl glaublich erschiene. , Ganz im Puccinischen Fahrwasser segelt aber jener erste Einakter, der sein Kolorit dem . Schifferleben au; der Seine entnimmt. Es ist nicht das schreckliche und doch so herrliche Pariser Leben der „Boheme". Die soziale Frage meldet sich mit dumpfen Unterklängeu zu Wort. Der leuchtende Sonnenuntergangsprospekt, gegen den sich die Silhouette des Lastenkahns Meister Marcels abhebt, spiegylt sein Rot auch in der'Gesinnung der schwerarbeitenden Männer, die sich da tagsüber mühen und abends betrinken. Aber feine Sorge! Autz sozialen Gegensätzen entwächst kein Overnionslikt, das Arnü" leutthema wird nur m. einem musikalisch wohlgera- ,-Wienrr MorgenzeMnA Millionen ervrc-sen wolttr'.- Ihre gemeinsamen Geschäft- Mächten sie mit der Wi'ner Firma Donauwarte, doch ließ sich Dobe verschiedenftrasbare Hcnd'.imgen zuschulden kommen, so daß er von Landau und.mehreren anderen Interessenten angezeigt und erst nach mehrmonatiger Haft freigelassen worden ist. Nach seiner Freilassung organisierte er eine Bande von Gendarmen aus der Nähe des berühmten Ortes O rgavan und führte dir Folterung und Ermordung Landaus durch. Während der Rede Rnpperts machte Friedrich fortwährend Zwischenrufe: „Dies ist noch gar nichts, ich weiß noch viel größere, Ueberigriffe. Ich kenne die Sache noch genauer." Die Schilderungen der Torturen und der- Folterungen machten einen schrecklichen (Siiy druck. Ruppert sagte unter anderem, es wurden jene mu glühenden Eisen in den Unterleib gestochen. Tnsar in Berlin. Berlin, 20. Oktober. Der ehemalige tschecho-slowcüische Ministerpräsident T u s a r weilte gestern in Berlin und hatte eine mehrstündige Unterredung mit dem sozialdemokratrschen Abge» ordneten Hennann Müller. Ein Aufstand in Panama. Paris, 20. Oktober. (Wolfs.) Der ,TemPS* berichtet über einen Aufstand in Panama, woran der ehemalige. Diktator Castro beteiligt sein soll. Die Stadt V'kw'.ia sei bereits in den Händen der Aufständischen. Tagesbericht. Der Lehrerstreik; im Jüdischen Taubstummeninstitnt. Die Tatsache, baß die Lehrer des Jüdischen Taubstummeninstituts behufs Erzwingung einer menschenwürdigen Entlohnung zum Streik greifen ntußten, ist ein Skandal, der unter allen Umständet! hätte vermieden werden müssen und auch vermieden werben konnte. Das Kuratorium des Taubstummeninstituts besteht ans Männern, die den sogenannten „bodenständigen" reichen jüdischen Kreisen angehören, die ja ' immer vorgeben, für die bestehenden jüdischen Wohlfahrtseinrichtnngen weiß Gott was zu leisten. Der Direktor des Taubstmnmeninstituts, Herr (kais.) Rat Dr. S. Kren ber ger, dessen verdammte Pflicht und Schuldigkeit es wäre, an der Seite des Lehrpersonals für die Erreichung menschlicher Löhne zu kämpftn und vor allem-bei der Kultusgemeinde eine ausgiebige Subventionierung durchzusetzen, hat für derlei Kleinigkeiten weder Sinn noch Zeit. Seine Ambition geht,viel höher. Ihm gilt es vor allem, möglichst viel Ehrenstellen auf sich zu vereinigen, selbst wenn es auf Kosten des Instituts, dessen Leiter er ist, und zum Nachteil der chm unterstehenden Lehrpersonen geht. Besonders kraß tritt dies in seinem Verhältnis zur Kultus gemeinde hervor. Das Wahlstatut der Kultusgemeinde raubt nicht nur den Angestellten der Kultusgemeinde, sondern auch den Angestellten der von der Kultusgemeinde subvontiau'.crten jüdischen Anstalten das passive Wahlrecht. ' ' Als das Wahlstatut zur Beratung stand, hat sich Dr.. K.r e n b e r g e r in seiner Eigenschaft als Experte nicht für die" Gewährung des passiven Wahlrechtes an die Gerneindearigestellten, wohl 'aber dafür eingesetzt, daß die Angestellten der jüdischen Anstalten die Wählbarkeit erhalten. Als ihn» dies für die subventionierten Institute nicht gelang, hat der Direktor Dr. Krenwwi<wwif,'g.lli.yy1 mmmm»— teilen Stoßseufzer des Löschers Henri abgehandelt, dann sind wir wieder zu Hause beim alten, wohlbekannten Sujet des rächenden Ehemannes, der den Liebhaber tötet) Tie neue Wendung liegt nur darin, daß der betrögeny Marcel jenen Henri nach der Beförderung ins Jenseits in seinem Mantel (von erstaunlicher Kapazität) birgt, um'der ahnungslosen Ehebrecherin das unheimliche Corpus delicti vor die Füße zu werfen, was die Neigung der Seineschiffer zu barocken Einfällen in bezeichnendem Licht erscheinen läßt. Wir wollen aber mit Giuseppe Adami nicht rechten, der im ganzen ein zwar unbeholfenesaber stimmungsreiches Buch geschrieben hat? schprr üm der Figur der sündigen Georgette willen, ini--ex -.mcm bis Ier itz a sehen durfte. (Es war allerdings leben die Jeritza, vielleicht wäre sonst diese Georgette' so belanglos wie hundert ähnliche Figuren. Her' d f e ’jpriUjtc- Leben, Sinnlichkeit, Kraft und Schönwarft diei einzige' Erscheinung des großen Theaterabends, die nicht Theater war und darum bestes Theater.) Und deshalb, weil es Puccini Gelegenheit gab, Großstadtzauber zu entfalten, falschen Zauber allerlängs — wir hören die Stimmen der Stadt wohl schon anders,, als diese noch um) Impressionismus befangenen Klänge'öS vermitteln,, aber wir hören sie immer gerne, die fernen Sirenenriife auf dem Flusse, das Retraitesignal, den Kanzonenverkäufer und die schmachtenden Liebespaare ijn Mondschein. Auch den Werkelmann (vollen, wir nicht vergessen, mit dem entzückend verstimmten Leierkasten. Und das Rauschen der Seine? — Doch, das.vergessen )vir lieber, sie rauscht gar zu chromatisch zu der C-Moll-Arie Marcel-Wiedemanus, so schön er sie auch sang, schöner, als.,sie es verdiente. Gedenken wir noch de? prachtvollen „Frettchens", das Frau i Kittel in grotesker Selbstverleugnung auf die Bühne stellte, und des Liebhabers im Apachengewände, Piccaver, so haben wir den) Hauptdarstellern Genüge getan. Puccini selbst sei gedankt fiir das über verschwinuuLnden O narten wogende Hauptthema, die wild-! pc-chi'nde' Dämmt'::' der ehebrecherischen LicbeSszenen, die ' tebendige Leidenschaft Geoi geltes und die männliche /2!i Obkober 1920' ~ n)? 3 Berget einfach mit Hintansetzung der Jnter-essem des Anstalt, dessen bestbezahlter Angestellter er ist, das' T-äubstümmeninstitut lieber in eine Krise geraten lassen, als die Subvention bei der Kultusgemeinde anzustreben, wodurch er allerdings nicht hätte in den Kultusvorstand gewählt werden •. Man begreift unter solchen Umständen die Erbitterung wer jüdischen Taubstummenlehrer. die tvegen der unsozialen Denkungsart eines-über.-! satten Kuratoriums und wegen des krankhaften Ehr-' geizeS ihres Direktors Not leiden und zur Selbsthilfe greisen müssen, _ Wie man Antiseptika antvenden soll. Professor Charles R i ch e t, der berühmte französisch; Gelehrte, beschäftigt sich in letzter Zeit mit Forschungen über den Gebrauch antiseptischer Mittel, ein Gebiet, das weiteste' Kreise interessiert; denn jeder kommt in die Lage, Antiseptika zur Auswaschung von Wunden oder zur Hautdesinsektion zu gebrauchen; ja, sie werden sogar täglich bei der Toiletteangewandt. Richet hat die seltsame Entdeckung , gemacht, daß sich die Mikroben, die man töten will, nach und nach an ein antijeptisches' Mittel gewöhnen imd daß sie nach einigen Generationen (die Mikroben vermehren sich mit großer Schnelligkeit) dem Mittel völligen Widerstand entgegensetzen. Es ist dem berühmten Physiologen gelungen, gewisse Rassen von Mikroben herzustellen, die gegen ein bestimmtes Mittel widerstandsfähig sind. Eine Wunde, in der Streptokokken leben — eine der häufigsten Mikrobenarten — wird, wenn man sie zum Beispiel mit einer Lösung von Phenol answäscht, am ersten Tage fast vollständig sterilisiert sein, ohne daß man jedoch alle Mikroben und ihre Spuren zerstöre» konnte. Wenn man nun mit der gleichen Dosis fortfährt, fr stellt sich nach einigen Tagen heraus, daß die Wunde nich! mehr sterilisiert ist und daß die Streptokokken umherwimmeln, als ob nichts geschehen sei. Und man kann die Dosis nicht vermehren, denn das würde dem Zellgewebe schaden. Aus dieser Tatsache und aus anderen ähnlichen schloß Professor Richet, daß man das Antisepttkum, mit dem man arbeitet, off wechseln mutz, damit den Generationen von Mikroben keine Zeit gelassen wird, sich dem ersten Mittel anzupassen. Die Chirurgen, die, ohne jemals dämit zu wechseln, stets ein und dasselbe Antiseptikum anwenden, erhalten durch diese Feststellung einen nützlichen Fmgerzeig. Das gilt sowohl für die in der Medizin angewandten antiseptischen Mittel wie für die, die man zur täglichen Toilette gebraucht, wir znm Beispiel Zahnwasser. In jebe-fh Falle wird es vorteilhaft sein, nicht immer dasselbe Antiseptikum anzuwenden. Die aus gebliebenen Postflugzeuge. , Gestern nachmittags um 4 Uhr* hätten auf dem Flugfeld Aspern zum ersten Male die drei Flugzeuge des Luftpostdienstes München—Wien landen sollen. Eine große Anzahl offizieller Persönlichkeiten hatte sich zum Empfang eingefunden; doch die Flugzeuge kamen nich t an. Man war besorgt um ihr Schicksal und erst der Abend brachte die Aufklärung. Die Flugz-ruge sind vollkommen intakt, die Flieger heil. Die Maschinen sind durchwegs auf österreichischem Boden. Sie hatten aber mit einem ganz ungewöhnlichen Gegenwinde zu kämpfen und deshalb war auch der Benzinverbrauch derart, daß die Vo.räte in,den Reservoirs während der Fahrt zu Ende gingen. So war denn der berühmte reichsdeutsch Z Innigkeit Marcels, es ist ihm trotz mancher Leere ein guter Wurf gelungen. Glockenklänge läuten das Bild der zweiten Oper ein. Wir sind im friedlichen Bezirk eines italienischen Klosters, wo Nonnen nicht sträflicher sündigen, als daß sie Rosen heimlich in ihrem Aermel bergen. Doch ja, eine ist da, die einmal schwereren Fehl auf sich lud, Schwester Angelica, so sehr sie sich auch im Glauben abmüht, um Vergangenes zu vergessen. Wenn die glücklichen Nonnen über Sonnenstrahlen im Garten sich freuen oder über das vollbepackte Eselchen, das reiche Gaben bringt, so hat sie Böseres zu erwarten. Die Vergangenheit meldet sich in Gestalt ihrer Muhme Fürstin, die ihr das vorklösterliche Leben ins Gedächtnis zurück- . ruft. Ein Kind hat es sogar gegeben, es starb, Angelica muß es erfahren upd bricht darüber zusammen. Die Sünde, die Frucht ihrer Sünde so zu lieben, treibt sie zu neuer Sünde. Sie braut sich ein Gift, nimmt \iö. das Leben, aber in der Todesvision erscheint ihr ein Marienwunder. Das Kind schreitet der Mutter entgegen, die, so befriedigt, vom Leben scheidet. Ein recht verbrauchtes Requisit, dieser Engelshinrmel in der Staatsoper', aber er'wird noch fiir lange Zeit seine Wirkung tun. Puccinis Religiosität ist nicht allzu ernst zu nehmen, sie behilft sich mit ganz.weltlichen Tönen, die des sinnlichen Parfü'ms. nich!: entbehren. Die heitere'Stimmung des Klosterhofes malt er ebensogut als die dramatischen Akzente schmerzerfüllter Mutterliebe, aber , er vermag eine gelinde Langeweile beim Hörer nicht/zu bannen. Auch will die richtige Tiefe der Empfindung sich durö> aus nicht einstellen. Diese Angelica entflieht mit süßlicher GlättS aus opernhasten Schmerzen, züm Himmel. Frl. Lehm a n n gelang hier die Wandlung zur Heroine mit durchschlagendem, überraschenden Erfolg. Kraftvoll stand auch die Fürstin da, in Maske und Haltung ein Meisterwerk der Kittel. Zum Abschluß die Burleske. Ein ganz reizendes Lustspiel von.slorentinischer Sonnigkeit, das an mufi- 1 kalischer Durchbildung sich schon dem späten Verdi! näbert. Dieier Gianni Schicchi ist ein bäur'n'cke,- Fftou.

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