Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 625 (20.10.1920)
- Date
- 1920-10-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Pinsk 2× ep/1045440
- Minsk 1× ep/1000754
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SiSe4 _ _ wit, wwSrtige«, sagte der Gesandte, haß Oesterreich in jnaircher Beziehung tu -eine« wirtschaftlichen Leben jnrf den Export aus der Tsck>echv^Slvwakei angewiesen ^k. Es braucht in erster Reihe Kohle und Zucker. Andererseits müsse aber die Lfchecho-Slvwaksi mit Oesterreich als Absatzgebiet für ihre industriellen Erzeugnisse rechnen. Die Statistik stes tschechv-slowakkschen Exports in der ersten Hälfte 1919 zeigte, daß über 50 Prozent nach Oesterreich gegangen sind. Dos wird sich mit der Rückkehr her tvrmalen Verhältnisse gewiß ändern. Immerhin wird Uber Oesterreich für uns als nächster Konsument eine zroße Bedeutung haben. Dft relative Größe des Exports kach Oesterreich erweckt die Meinung- Laß Oesterreich üs Ilmladeplatz der tschecho-slvwakischen Erzeugnisse Mische« der Tschecho-Slowakei'und dem Ausland fun« Ziert. Man muß aber in Betracht ziehen, daß die elten H anderswo ge jetzt nach dein F rieten Sschln ß wieder -u i hrer alte n Geltung gelangen. Eine große Reihe von Geschäften mit den SukzessionSstvaten wird über Men oder in Wien abgeschlossen. Alte Verbindungen, der großstädtische Komfort, alles daS führt dazu, daß die Interessenten lieber «ach Wien als nach Prag reisen und tu Wien ihre Geschäft« abschließen werden. Was die Krage-der Tschecho-Slowaftn in Oesterreich' betrifft, j& steht das Problem der Reemigrativn nach »er Slowakei im. Vordergrund. Soweit ein offizieller Einfluß zur Geltung kommen darf und kann, Wutz diese Krage inr Rahmon des großen WirtschastKplanes der tschecho-jlowakischen Republik gelöst werdet». Die Wirtschaftslage derer, die in Oesterreich bleiben wollen oder müssen, muß gestärkt werden, und soweit K zulässig ist, muß der wirtschaftliche Nftkehr der Lschecho-Slowaket mit Oesterreich in die Hand dieser tschechoslowakischen Kolonie kommen. Telegramme. Die Tate« der BalachowitschsSöldnec in Pinsk. , Warschau, 18. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgentzeitun^.) Im Verbände der polnische» Armee hat auch, eine Gruppe russischer antibolschewikischer Truppen, ausgestellt von dem in Warschau bestehenden „Politischen russisches Komitee", an dessen Spitze Sylvin kow steht, unter der Anführung des Generals Balachswitsch gegen die Rote Armee operiert. Die Kriegstätigkeit dieser Gruppe war für die Juden einiger Städte des befreite« Gebietes sehr verhängnisvoll,' unter anderem in Kamisn-Kuschyrsk, wo 83 Juden, meist Greise und Kinder, erschlagen hmr&eir. Besonders in Pinsk gab es blutige Exzesse gegen die Juden, verbunden mit Raub, Plünderung und Schändung. Aus einer Interpellation des jüdischen Deputierten Hirschhorn an den Kriegsminister N-erden traurige Details über die Geschehnisse in Pinsk bekannt. Die Truppen Balacho witsch' kamen am 26. September nach Pinsk und verübten schreckliche Exzesse, die bei dem am 29. September erfolgten Einzug der polnischen Truppen wrch andanerten. Die Stadt befindet sich in einem entsetzlichen Zustand. Die Wohnungen der Juden sind geplündert. Man zählt etwa 15 ermordete und SO vergewaltigte Frauen, darunter eine Rabbirrerswitwe. Die polnischen Truppen gaben sich alle Mühe, die Ordnung in der Stadt wieder herzustelleu. Die Geschäfte wurden wieder geöffnet. Sie sind jedoch leer. Denn was die Balachowitsch-Söldner nicht mitznehmen konnten, haben sie vernichtet. Die Exzesse haben erst am 2. Oktober ein End« gefunden. EL» Zentrum für — antisemitische 2veltpropaganSa in Polen. Bonbon, 19. Oktober. (Jewish C-orr. Bur.) Ans ernstzu nehmenden journalistischen Kreisen erfährt unser Pariser Berichterstatter, daß sich in Polen in der letzte« 'Zeit ei» Zentrum für eine antisemitische Weltpropaganda gebildet hat. Bon dort aus wird direkt und. indirekt versucht, antisemitische Artikel und Notizen in verschiedene Zeitungen Westeuropas zu lanciere«. Besonderes Augenmerk wird der franzö s i scheu Presse zu gewendet, da man in Frankreich günstigen Boden für derartige Propaganda zu finden hofft. Das in der letzten Zeit besonders auffällige Anwachsen der antisemitische« Propaganda in der französischen Presse wird auf diese Einflüsse zurückgeführt. Es scheint, daß für die Organisation dieser Propaganda und für die Gewinnung geeigneter Preßorgane aus. polnische« Quellen große Summe« fließen. RÄEritt Saprehaö? Krakau, 19. Oktober. Dem „Czas" wird aus Warschau berichtet, daß der Außenminister Sapieha wegen der Wilnaer Frage zu demissionieren beabsichtige. Wie das Blatt weiters meldet, verlangt die ^polnische Regierung in Zentvallitauen ein Plebiszit iunter Kontrolle des Völkerbundes. Die politische» Streiks in Warschau. Äa'-schau, 19. Oktober. (Tel.-Komp.) Nach dem soeben beendeten mehrtägigen Streik der Eisenbahn^ hat 'gestern bet feit längerer Zeit befürchtete Sirrit der polnischen Arbeiterberufsverbänbe, in denen der größt« -Teil der Warschauer Arbeiterschaft org?.n'si^rt ist, bs- Ißosnen- Dieser Streik wendet lick aeaen das im Ent- «pvAeWv»»- liW.»*., -- -- . —*■ MitteÜMlM Ws dem PMilnr». Lucrucr Veelodts V^ien, im OLiober 1920. 37« n&LANVfiN, Perlaa, Gold, Silber, Platlnn. Uhren kauft uud verkauf* 776 ETTER Rotentwnautr. 23, Marlehilferitr. Y8 Brillantem, perle», piatin. uh™, so», Silber und Juwelen (auch versetzt) kauft Juwelier FORST IJ„ fiiwntnM* Samslag gnoMeia»« *5W Tefe?*on 20787 Parterre, TBr (t »■I!■■■■ .um— SrBt»r kytSsstat Käufer Sa Wlon fBr mmmmbm Bri8l«i Perl. »Juwel* Juwelier RabindwÜsoh I., IKaximilianntrassQ S Telephon 8S4I «is-L-rt» 4«r Oper, KlRktaeratrasM 26*9 llir Stepfuusiestrasse 3, a«r Sr. s, im eipaea Beate Telephon 4&I4Q, Freitag von 4 Uhr nachm, bis Afootax frflh geschlossen ’4|SIk &2£&ztöc4(a<ißm,etJ3ü>MineM&?^'<Z tvurf der polnischen Verfassung vorgesehene Zweikamntersysbem. Die Zeitungen erschienen nicht, sämtliche Geschäfts lüde» sind geschlossen. Heftige russisch-polnische Kümpfe. Minsk wieder in rnsfischen Händen. Moskau, IS. Oktober. (Funkspruch.) Frvntberrch: vom 18. Oktober: Im Gebiet von Pvlozk ziehen wir. uns an di« Reichsgrenze zurück. Die Stadt Minsk wurde von de n Polen ger äumt und von uns wieder besetzt. Oestlich von Sluzk dauern hartnäckige Kämpft an, ivobri wir unter dem Druck des Feindes auf neue Stellungen zurückgegangen sind. IN, der P ole sie Nachhntgeftchte mit -em vorrückenderr Feind. Bei Sarni wurde der Feind nach hartnäckigen Kämpfen zurückgeworfen. Nordöstlich von Nowograd-WoÜMsk besetzten wir einige Ortschaften. Bei Srhelowka rückt der Aeind an einer Front von 66 Werst Breite von Rogatschew bis Ostropol vor. Ein hartnäckiger Kampf dauert an. Bei Letischew Kämpft mit wechseldem Erfolg. Im Gebiet von Nowouschitza wird um die Stadt Bar heftig gekämpft. Wir haben die Stadt 'und die Eisenbahnstation M y d ki besetzt. Air der Süd front wurden ftindliche Angrifft im Gebiet der Eiftubahnlinie Aftxandrowsk—Sinielkoivo erivlgreich znrüchgeschlä^rn.-' Im Gebiet von Ehersatt befttzien wir kmnvftnd d're Stadt Aleschki. Er« weitzrushenischsr Nationarkongretz I« Nordamerika. .Lkn'anne, 19. Oktober. (Privat.) Das Nationalftmitee b«c weißruthenischen Kolonie in Nordamerika hat die Borarbeiten^ur Einberufung des werßrirthenrschen Nationalkongresses in New-Bork beeudet. Au dein Konareß wird ein vfsizielle-r Vertreter der wejßrntbonischen Reiterung keilnehmen. Ei« neües litauisch es Kabinett/ PyM, 19. Oktober. (Funkspruch.) Nach Meldung gen aus Ko w n v ist das Kabinett G ri m i us gefallen, weil es in. der Wilna-Frage zu rvenig Energie .gezeigt habe. Als neuer Chef der Aftgicrung wird O legow i e z genannt, der als polenftindlich gilt. > Ein tschechischer Nationalausfchtttz für die Slowakei. Krschsu, 19. Oktober. (Tschecho-slow. Pveßburi) Gestern fand hier eine Beratung der Delegierten der tschecho-sbowakischeir politischen Parteien, des Legionävverbandes usw. statt, in der beschlossen wurde, am 21. d. M. mitten Natioualausschuß zu gründen,' der ans den VrrLcctern sämtlicher lokalen Körperschaften und politischen Parteien bestehen wird. Aufgabe des Nationalausschusfts wird die R o i n i g u n g des ö f fen tlichen Lebens sein. (!) * / ©er Stampf um den Auckernreis in der Tfchechv-Slowakei. Prag, 19. Ob obre. Die Kolnmission zur Prüfung der Zuckutzräs« hielt heute eine Sitzung ab. Bei, der Abstimmung Wrtk der Antrag, die Kommission möge im Ständigen Ausschuß einen Bericht mit dem Gutachten Vvrlegeu, daß. soweit ihr das Material ir: Busiigung gestellt wurde, sie die Kalkulation mit der Endztsjer von K. 707.55 Basis Großbrote für angMeisen erachte, mit drei gegen zwei Stimmen abgelehnt und dem-Präsidenten der Kommission, Senator Soukuv, den Auftrag erteilt, jrn Släudigkn Ausschuß einen Bericht mit dem Gutachten zu erstatten. das; die Kommission diese KMüation auch nach den vorgeuomnunm Herabsetzungen nicht für abgemessen eriichte», könne. Ei« 8-14-N,e<riute i« Zttgoskawie«. LMach, 19. Oktober. (Privat.) Wir die hiesige« Blätwr melden, will d'e Rrgi^rnng aus Grundlage des ErmächiiguugLgefttzeZ, obwohl dieses parlamentarisch noch nicht erledigt ist» dennoch Verfügungen gegen die .Yaiduken. gegen die Deiurung. gegen die Ausftänd'r von Urbeit.N'u u.ud ge<;en die 'kommrmistifche Propaganda und aeaen die Mhftrar in der Arme« erlassrn. fwi OMaaariagBr tits: vxs Tagesbericht. Die Schande. ' Dar Lag «ach den Wahlen in den deutschSflaroeiWscheu Nationatvat war ein Tvauertag für weite jüdisch« Kreise der Stadt Wien. -s Durch den Verlust des jüdischen Mandats wird Nie jüdische Bevölkerung Deutschösterreichs der Vertretung ihrer Interessen im Parkament beraubt. Die Antisemiten werden nunmehr im AbgeorLnepenhaus gegen die Jude«' Gift spritzen können, ohne daß ihnen dort jemand dve gebührende Zurückweisung erteilt. Aber zu dieser Trauer, gesellt sich Nach die unerträgliche Schande, daß unwürdige Söhn« des jüdischen Volkes zu diesem unglücklichen Ausgang der Wahlschlacht beigetragen haben. Angehörige jener scheinheiligen Orthodoxie, die bei den verflossenen Kultuswahlen ihre Tvennungstaktik geübt) haben auch jetzt, ihrer „löblichen" Traditio« gemäß) tüchtig mitgetan imd für den christlichsoziale« Händig Eitert und gegen den jüdischen eifrig agitiert. Wer damals ■ über das Wesen dieser Frömmler noch im. unklares war, denr sind jetzt die Augen aufgegangen. Aber unsere verächtlichen- Gegner hoberc gar fetiteu; Grund zum Frohlocken. Der ehrliche und tapfer Robert^ Stricker bleibt der verdienstvolle, -von so . vielen tausenden Volksgenossen verehrte und geliebte jüdisch; Führer, wenn ihm auch durch die für uns nachteilige Bestimmung des Wahlgesetzes und durch den Verrat einiger Ghett-o-Mauschels die Möglichkeit genommen ist, im deutschösterveichischen Parlament die antisemitischen Angriffe gegen die Juden abzutvrh ren. Die jüdischnationalen Führer werden sich vorläufig auch von jenen' Tribünen aus Gehör werschafftn, die außerhalb des Parlaments liege«. Der jetzige Mißerfolg soll mtch nicht über das tatsächliche Kräfteverhältnis der jüdischnationalen Partei hmwegtäuschen. Wie das Wiachsen der Stimmenzahl der Jüdischnatronälen zeigt, gewinnt der jüdisch nationale Gedanke immer größere Teile der pbr schen Massen. ' Allerdings fthlt noch viel an AnfktärNntzsarßekt.- Die wird aber nicht ansbleiben nnb die Zeit wird nichch lange guf sieh warten lassen, wo die jüdischuationalei Partei zu stark sein wird, um vou widerlichen Gheti^kll Individuen geschädigt werden zu können. _tz. Fried man n. Es »st ihnen „gelnagest". Gin Leser schreibt uns: «Am Tag der Natiomrlratswahe trat ich um ö Uhx nachmittags in das Agitationslokal bet Schwarz-Hiller-Leute ein und erkundigte mich bei einer Gruppe von Komiteeherren um den voraussichtliche« Ausgang der Wahl. Die Herren erklärten mir, daß die jüdische Liste. Stricker-Anitta Müller viel mehr Stimmen erhalft« habe als die Liste Dr. Schwarz-Hiller, daß von einer Wahl' des letztere keine Rede sei, daß eS ihnen aber «gelungen"! sei. den Jüdischnatronälen so viele Stimmen zu nehmen, decht diese auch nicht gewählt würden! Und das s^ne Merck ist de« Dr. Schwarz-Hiller und seinem AqrtationSleiter, dem Sekretär! der Israelitischen Union, wirllrch »gelungen". Stattl Stricker ist aus der Leopoldstadt ein chrlstlichsozialem Antisemit ins Parlament eingezogen. Dr. Schwär-»! Hi Her und Fletschen haben zur Bekämpfung Stricker« einige Millronen von den Großbanken bekommen, also VE! denselben Bankdirektoren, welche den Christlichsozialen Li« Wahl bezahlt haben. . Nun zeigt es sich, daß dieses v«v »Israeliten" gezahlte Geld eigenlttch auch nur'für christlich»! soziale Zwecke ausgegeben wurde. DeNe die beiden Juden, döv politische VerwandlungSkünstler Dr. Schwatz-Hiller der politische Provrfronsagent Fleischer, habe» glänzende^ Arbeit für die christlichsozialen Antisemiten geleistet. Vs i^j] ihnen „gelungen". Die österreichische Judenschaft wrd sich dte Name« dieser beiden Menschen merken. Jedesmal, wenn i»i neuen Parlament die Juden bedroht und besudelt werdE ohne daß jemand für ihren Schutz und ihre Ehre seine (Stirn«« erhebt, weil den Sitz ÄrickerS ein Antisemit eimrimmt, Wirstdie schmerzliche Erinnerung an die beiden Schuldigen, a»i Schwarz-Hiller-und Fleischer, aufs neue «nrf»; flammen. M. GL Lehrerftreik im Israelitischen Taubstummem' . instiLrrt. \ Seft einer Woche bereits steht-die gesamte Ärhrevschuft des Israelitischen Taubstuumteuinstituls, 3. Bezirk, Rudolfsgasft 22, im Streik. Den Lehrern, welche seit Jahren einen bisher vergeblichen Kamps uw die nackte Lebensexistenz führen, ein Kampf, welcher immer an der mangelnden sozialen Einsicht des Kuratoriums! mit Herrn Dr. Artur Kuranda an der Spitze! scheiterte, blieb nichts anderes übrig, als zu diesem Wfttr Mittel zu greift», um auf öieftm Mge ihren gevrchtem Förderungen nach Gleichstellung mit den kommunaftn Taubstumme nlehvern in bezug auf Aktivitäts- und Pensionsbezüge Geltung zu ve-cschasftn. Es ist nicht die Schnld der Lehrer, von denen die Mehrzahl seit mehr als dreißig Jahren einen schweren und aufreibende» Dienst versieht, ohne ihre primitivsten Ansprüche befriedigt zu sehen, daß die bedauernswerten.Pflegling« des Instituts unschuldigerweift für dft Sünden ander« büßen müssen. . Für die Wirschaft an diesem Institut ’ ist es kennzeichnend, daß der dienstälteste Lehrer, der auf sin« WirksamLsit von 36 Jach r en zurückblickeu kann, igj einem Monatsb-ezug von ganzen 22SV Kranen stehlt tvovon noch die Steuern, in Abzug gebracht werben. Dis Bezüge, der Lehrer ogite* ftdock Lloß als.