Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 624 (19.10.1920)
- Date
- 1920-10-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- Minsk 2× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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Wie», »tmsiaz Ipgitlmib.,' Da» Wahlergebnis. r Vas Resultat bcr allgemeinen Wahlen liegt nun* Mehr im großen ganzen vor. Die Christlich sozialen iveÄden voraussichtlich 84 Mandate besetzen, die Sozialdemokraten 69. Die Großdeutschen erhalten wahrscheinlich 20 Sitze. Die Jüdischnationalen haben ihr Mandat im Wahlkreis Nordost an die Christlichs-zialen verloren. Die Gründe hiefür kennen unsere Leser. Unsere jListe hat erhalten: im 1. Wahlkreis 1809, im 2. Wähl»- kreis 1607, im 3. Wahlkreis 2849, im 4. Wahlkreis 0725, im 5. Wahlkreis 762, im 6. Wahlkreis 58L Und im 7. Wahlkreis 1072 Stimmen. Ferner erhielten wir: Im Viertel oberm Menerwald (St. Pölten) 188, im Viertel unterm Wienerwald (Wiener-Neustadt) 366, im Viertel oberm Mannhartsberg 180, im Viertel unterm Mannhartsberg 64 Stimmen. Wir verzeichne,» noch: Tulln mit 48, Waidhofen a. d. Ybbs mit 3, Hietzing (Umgebung) 47, Wiener-Neustadt (Stadt) 1O0, Gloggnitz 2, Pottenstein 1, Purkersdorf 2, Klosterneuburg 48, Horn 36, Ottenschlag 49, Kirchberg am Wagram f!80 (?), Floridsdorf (Umgebung) 64, Korneusiürg 4, Sraz 401 Stimmen. ... . Die Spannung zwischen der christlichsozialen und der sozialdemokratisch::: Mandatszahl ist diesmal um ein Erkleckliches größer als im akktzn Hause. Im Bundesrat verschiebt sich dieses Verhältnis noch mehr zum Vorteil der Chrisüichfvzialen. ' Die nächsten Tage und Wochen werden mit der Konstituierung der parlamentarischen Klubs und den Vorobereitungen für die Wahl der Präsidenten des Nationalrates, des B u n d e s r a t e s (unserer neuen zweiten Kammer, die aus Ernannten der Landtage besteht) und des Bundespräsidenten den neugewählten Parlamentariern ausreichende Betätigung bieten. Es wird sich da bald die Notwendigkeit von interparteilichen Besprechungen ergeben. ' Anfang November soll der Nationalrat seine erste Sitzung abhalten. Drei Wochen später wird sich der Dundesrat konstituieren und eine'weitere Woche später muß nach: dem Gesetz der Präsident der Republik in einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser gewählt werden. ES sind alo über eine ganze. Reihe von Personenfragen Zunächst Vreinbarungen der Parteien erforderliche Im Laufe dieser Verhandlungen dürfte sich vielfach die Gelegenheit ergeben, auch die Frage der .Mehrheits- und Regierungsbildung zu erörtern. Ja parlamentarischen Kreisen ist man.der Anschauung. daß es eine der ersten Aufgaben des neu- 'gewählten Bundesprasideuten sein werde, die Kabinettsbildung in die Wege zu leiten, indem er leitende Parlamontaner damit betraut, Vorschläge zur Regierungsbildung zu machen. ' Da der Bundespräsident erst anfangs Dezember gewählt wird, ist damit zu rechnen, daß das gegenwärtig im Amte befindliche Proporzkabinett erst knapp vor Weihnachten von der neuen Bundesregierung ab gelöst werden wird. Wer Bundespräsident, wer ' Präsident des Nationalrates und des Bundesrates und wer Chef der künftigen Bundesregierung sein wird, darüber werden die Verhandlungen der Parteien in den nächsten Wochen' die Entscheidung bringen. Weitere Wahlresultate. XXIII. WahltreiS (Oberster«», Leoben). Nach der bisherige Ermittlung des Stimmenverhältnisses verteile» sich die Mandate folgendermaßen: 4 Sozialdemokraten (Franz Domes, Dr. Arnold EiSler, Johann Zwanzger, Rudolf Schlager),. 9 Christlichsoziale (Michael Schoiswohl, Anton Dirchrgger) und 1 Mitglied de- Bauernbundes (Anton Lenner). XXV. «»hlkrei» (Rordtirol, Innobruck). BorlSufige- Ergebnis: Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen 129.401. Hievon entfallen aus die Sozialdemokraten 27.241, auf di« Kommunisten 806, auf die Christlichsozialen 80.662, auf die Großdeutsche« 19.104, Deutschösterreichische Bauernpartei 335, Nationalsozialisten 1253. Gewählt wurden: 8 Christlichsoziale (Dr. Michael Mayr» AloiS Hauer-, Karl Nirdrist, Han- Steinegger. Peter Unterkircher), 2 Sozialdemokraten (Simon Abram, Wilhelm Scherbein) und 1 Großdeutscher (Dr. Sepp Straffner). XXVII. Wahlkreis (Vorarlberg). Abgegebene Stimmen: Christlichsoziale 38.172, Sozial« tiaiüfrafen 11.671, Großdeutsche BolkSpartei 7887, Dentschöstxrir.chische Bauernpartei 5876. Gewählt sind: Jodok Fmk, Dr. Emil Schneider und Michael Jutz (alle drei chriftlichsvzial) sowie der Sozialdemokrat Hermann Hermann. Die Wahle» in Steiermark. Graz, 18. Oktober. Im Wahlkreis Obersteier entfielen auf du Sozialdemokraten 69.039, die Christlichsoziale» 32.931, die Großdeutschr« 11.975, den Bauernbund 14.727, die Nationalsozialisten 3878, die nationalsozialistische Einheit-Patter 1937 uvd die Kommunisten 861 Stimmen. Im ganzen erscheinen im Land S t e i e r « a r k gewählt: st-, die Nationalversammlung 13 Chrrstlrch« sezidle, 8 Sozialdemokraten, 2 BauernbLndler und 1 Groß» demscher, in de« 8 a « d t a g 30 Christlichsoziale. 23 Sozial« demolraten, 8 Großdeutsche und 6 BauernbLndler. i Mandate jfa den Landtag «erdm i« zweiten ErmittlungSverjapre» besetzt. 19. Oktober. Ü20 Seite S, Telegramme. Minsk Don den Russen geräumt. Moskau, 18. Oktober. (Funkspruch.)' Frontbericht vom 16. Oktober. Bei Spask und Molodetschno ziehen sich unsere Truppen auf neue Stellungen zurück. Nach mehrtägigen Kämpfen harben wir am 16. Oktober die Stadt Minsk geräumt. Oestlich von Sluzk dauern hartnäckige Kämpfe an. Bei Nowousgica wiederholte feindliche Reiterangriffe. An der Südfront sirrd wir bei Benstaw zu einer Gegenoffensive vorgegcmgen, hüben den Feind zurück« geworfen und 5 Tanks, einen Hanzerkraftwagen und 15 Maschinengewehre erbeutet. , > Odessa von den Rottrnppen geräumt? Bukarest,. 18. Oktober. (Funkspruch.) In B « h a r a b i e n sind Aufstande gegen die Sowjetregierung ausgedrochen; Odessa soll von den Bolschewiken geräumt werden. Demission des polnische» Finauzmi«isters? Krakau, 18. Oktober. Wie aus Warschau gemeldet wird» hat der Ministerrat den Finanzplan des Finanzminisies Dr. Hrabski ab gelehnt. In parlamentarischen Kreisen hält man den Rücktritt Grabskis für unvermeidlich. Proteststreik gegen die zweite Kammer i» Polen. Kmlau. .18. Oktober. (Privat.) Auf Beschluß der sozialdemokratischen Parteileitung in Polen hat heute ein z w ö l f st ü n b i ß e t Streik der Arbeiterschaft stattgesun^en. Der Streik richtete sich gegen den Plan der Errichtung einer zweiten Kammer in Polen. Bon 7 Uhr früh bis 7 Uhr abends ruhte in ganz Polen die Arbeit. Nur die Eisenbahnen und.die auZ sozialen Gründen notwendigen Betriebe blieben vom Streik verschont. - . .. i4.;; . _ Petljrrra protestiert. Warschau, 16. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzig.".) Wie „Der Moment" meldet, hat der Vertreter Petljuratz in Riga dem Vorsitzenden der polnischen Friedensdelegation Dombski einer: Protest überreicht, daß die polnische Regierung faktisch die Sowsetukraine anerkannt habe. Diese Anerkennung sieht Petljuras Regie- ■ rung darin, daß Polen Verhandlungen mit der russischukrai-nischen Delegation geführt habe. In der Note wird weiter gesagt, daß die llkrame gegen Sowsttn-'ü>nid den Kampf weiterführen wird. Republik Mittellitauen. London, 18. Oltobvr. sFimksPmch,).' General i^eNgowski hat' die selbständiIL Republik Mittellitauen ausrufen lassen. Paris, 18. Oktober. (Funksprnch.) Paderewski ist nach Warschau abgrreist, um auf der R'änrnnng von Wilna zu bestehen. Blutige Auruhe» in Irland. London, 18. Oktober. (Fmrkspruch.) Aus Belfast und dr-vi anderen irischen Städten werden Schießereien zwischen Sinnfeinern und Polizei berichtet. In Belfast gab es zwei Tote und sieben Schlvervorwundebe. Die Ordnung konnte evst nach Eingreifen von Militär und Pcmzerkrasiwagen hcrgestellt :verden.,^n den anderen Städten wurden insgesamt drei Personen getötet. König Alexankers letzte Stunden. Paris, 18. Oktober. (Funkspruch.) Nach einer vorübergehenden Besserung ist im Befinden des griechischen Königs A l e x a n d e r em schwerer Rückfall eingetreten; in Athen ist man auf däs Ableben des Königs gefaßt., Athen» 18. Oktober. (Wolfs.) Nach den letzte» Meldungen ist der Zustand des Königs von Griechenland so ernst geworden, daß sich der König fast de« ganzen Tag über in bewußtlosem Zustand befindet. Der Hungerstreik in Cork. Fitzgerwld gestorben. Paris, 18. Oktober. (Wolff.) Nach einer Meldung des .Journal* aus London ist Fitz gerald» der seit dem 1. August die Nahrungsaufnahme verweigerte, im Gefängnis von Cork gestorben. Abgeordneter Seliger gestorben. Teptttz, 18. Oktober. Der Parteivorftend der deutschen sozialdemokratischen Partei teilt mit, daß heute um 7 Ahr abends der Vorsitzende der Partei, AbgeordneterJosef Seliger, nach kurzem schweren Lewen verschieden ist. Siurwjerv und Losomski ans Dentfchlautz ansgemiesen. Berlin, 18. Oktober. (Wolff.)' Dem Vorsitzenden deS Exekutivkomitees der Dritten JntWnationale Sinowjew und dem Präsidenten der allrussischen Gewerkschaften Los o w s k i ist gestern der Ausweisungsbefehl zugestellt Word«». Besprechungen der dentsche« Parteiführer. Berlin, 18. Oktober. Heute waren die Führer aller Reichstagsparteien mit Ausnahme der Unabhängigen beim Reichskanzler Fehrenbach zu einer Besprechung eingeladen, um bas Programm der morgen beginnenden Reichstagssession zu erörtern. Freitag wird dLL ReMtznM ch« LVLxuNMgttM AtLkrMA» erklarung ahgeben.. Untyr den größeren.Vorlagen befinden sich die Sozialisierung der AohleM bergwerke pnd das Arbeitsnachweisgesetz. Klein« Rachrichten. ' 2lo«, 13. Oktober., »Mtssaggrro* meldet, daß die Rcgi« rung infelge der jüngsten Zusammenstöße alle öffentliche» Versammluugen und Umzüge verboten hat. - K»», 18. Oktober. Da ein Eisenbahner zu einn» Jahr Zuchthaus verurteilt worden war, weil' er einen Zug mit Pole« psteu ander Abfahrt verhindert hatte, hat das Personal des Bahnhöfevon Reggio «Emilia den Proteststreik verkündet, dev eß zu verlängern droht, wenn die Strafe nicht erlaßen wird. . I N»«, 13. Oktober. Der Sekretär der Metallarbeiterver-. kinignng O r c e l i ist in Palermo von einem Unbekannten durch eine» Dolchstich ermordet worden. Gr»f, 18. Oktober. Während der BLlkerbundversannnlunwird ein SpeziabLnfidienst eingerichtet werden. Für de» Betrieb der Lnftlinle Genf—Parihat sich bereits eine Gesellschaft gebildet. __ ' Tagesbericht. Der Erfolg eines jüdischen Gelehrte» in Horthy-Ungarn. In der mathematischen und naturwissenschaftliches Sektion der ungarischen Akademie der Wissenschaften berichtete, wie u ngarische Blätter melden^, das Llkabemirs-, Mitglied Unidersitätsproftssor Fröhlich über einÄ optische Entdeckung des 22jährigen- Mediziners Elemer Schwarz. Der Bericht kommt zu - dem Schluß, daßj «Schwarz ein Nahrrgesetz entdeckt, hat, welches in dev wissenschaftlichen Literatur bisher völlig.unbekannt bliell.1 Schwarz stellte.nämlich fest, daß.hei.einer Bewegung sowohl der Sammelals auch der Streulinse der Licht-!. Punkt eine hyperbolische ungerade.Linie beschreibe. B-rr! der Streulinse wird diese hyperbolische Ungerade kein? reelles, sondern ein virtuelles Mch jim. Dieser L«hr»4 satz bildet eine wertvolle Ergänzung der optischen Thevri« der Linsen. Ueber Antrag des .Berichterstatters hat di« Sektion beschlossen, die Arbeit des Elemer Schwarz nichu nur in dem Organ der Sektion, soridern ausnahmsweise auch in dem „Anzeiger der Akademie" zu verösfentlichenu Am Schlüsse der Sitzung wurden dem anwesenden jungen! Gelehrten Sympathiekundgebungen bereitet. D-ev ' 22jährige Elemer Schwarz ist Jude und/steht inr achten Semester der medizinischen Fakultät an der Bndapester Universität. Die Bndapester Zeitungsmeldung, welche diese Tatsache besonders hervorhebt, fügt die Bemerkung! hinzu, daß zu hoffen sei, Elemer Schwarz werde nun^ .mehr nach seinem großen Erfolg in .der Akademie de« Wissenschaften vielleicht doch wieder in die Universität! ausgenommen werden, pbztvar er Jude ist und obgleich? der Numerus clausus dir Juden von der Urnversität^ ausschließt. Denn jüdische Arbeit lassen sich auch dia> .Horthysten gerne gefallen. Für die Internationale der Wissenschaft. Wie die Blätter aus London berichten, haben; zahlreiche Proftssoren und Doktoren der Universität) Oxford an die Gelehrten und ProsessEN Deutsch-, l a nd s und-Österreich s e'.ue MuhgÄung gerichtet,? in der dem B e dauern darüber Ausdruck gegeben! wird, daß der Krieg die Beziehungen aufrichtiger Freund-' schaft zwischen den Professormr Englands und de» Gelehrten Denischlands und Oesterreichs zerrissen häbe^ Die Professoren der Oxforder Universität hätten best Wrrnsch, die Gegensätze, die unter dem Einfluß deSj Patriotismus während des Krieges entstanden seinj mögen, zu vergessen und wieder den gemeinsamen Bod-euz wissenschaftlichen Forschens und geistiger Ideale zu«! suchen. Während politische Meinungsverschiedenheiten diel Einigung der großen europäischen Staaten zu zerstöre^ ' drohen, seien die Professoren der Universität Oxfords? gewült, an einem freimdschaftlichen Bunde tätig mitj zuwirsien. — Ob die englischen ^Gelehrten jene'» Typuff von Wissenschaftlern im Auge haben,, wie er an zahlreich cu Hochschulen Deutschlands hermnspukt und in Wien in immer unangenehmere Erscheinung tritt, darfbillig bezweifelt werden. Herrn Schwind e tutti quantr haben sie jedenfalls, kaum gemeint! Dle ntsfische Presse von heute lleler den derzeitigen Stand der Journalisten im bvlschc». wikische Rußland bringt der „Petit Pcrrisien" interessant^ Mitteilungen. Die verbveiteiste Z-eitur,g ist danach die -Bie«>. dnota" (»DaS Elerid"), die im vorigen April 600.000 Exemplars herausgegeben,hat und dazu bestimmt war, besonders auf denr Lande Artikel und Zeichnungen zu verbreiten, die in de« Köpfen der Lcmdleute die Grundsätze und die äußere Erscheinung der Diktatoren festhalten sollten. Die großen Männer des Bolschewismus, Lenin, Trotzki und andere, arbeiten an. der »Jswestja" (Nachrichten") mit, der offiziellen Zeitung deitz panvufsischen ExsfutiivkomiteeS der Sowjets, die eine Auf^ läge von 278.699 Exemplaren hat. Der H^uptschriftleiter dieser; Zeitung heißt Stecklow; er verdankt seiner unleugbaren politi«, scheu Geschicklichkeit und seinem Diensteifer den hervorragende» Posten, den er einnimmt. Die „Prawda* („Wahrheit"), daß Organ der Moskauer Kommune, Auflage 250.000, und btej andere »Prawda", das Organ der Petersburger Arbeiter, predig gen beide das kommunistische Evangelium. An der letztgenanw^ i» «SsA SM St«$ ttässs taäkm