Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 623 (18.10.1920)
- Date
- 1920-10-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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. DMA , Wen, Montag E Die Wahlresultate in der Provinz. HX. Wahlkreis (Viertel unter dem Wiener- . «ald, Wiener-Neustadt). Mgegeb«e Stimmen: Sozialdemokraten 130.839, Christlich« l -pale 84.746, Großdrutsch- Ll.754. KomnmnlsttttülLS, Christlich"' nationale Einheitspartei 507, Bauernpartei 777, Rational«. sozialistische linier 1550,^_ Bürgerliche AiSeitSpartei 1618, Mifchnatronale Partei 866? Tscheche» 935. Gewählt wurden: 7 Sozialdemokraten (Dr. Karl Renner, Joses Tsmschik, Johann Smrtka, Paul Richter, Dr. Robert Danvrberg. Felix Stika. Julie' Rauscha), 4° ChriMrchsozialr lRvdolf Gmber, Josef Sollmanu, Franz Parrer, August Segur^ Inch 1 Mitzstied der Großdeutschru Bollspartei (Dr. HanS Schürst).DieSozialdrmokraten verlieren 1 Mandat an die EhriAichsaziakri. H. Wahlkreis (Viertel unterm Mannhartsderg, Kornsnburg). Gewühlt 1 Sozialdemokrat, 6 Christlichfoziale, 1 Groß« deutscher. Die S o z i a l d e m o k r a t en v e r l i et c» ri« Mo « dat a» die Christlich s ozeale». . > XNI. Wahlkreis (Linz und Umgebung). Gewählt wurden 3 Sozialdemokraten, 1 Chiistlichsozialer «d 1 Großdeutscher. UV. Wahlkreis (Znnviertel, Ried). Abgegebene Stimm«: ChriWchsoziüle 35.200, Sozial« <e»vkralm 9620, Großdeutsche 14L43, Kommunisten 157. Gewählt: 3 Christlichsoziale, f Großdeuischer. Du Groß« deutschen verlieren ein Mandat an die Christlichsozial«. XV. Wahlkreis (tz ansrnekviertel, Welch. Gewählt wurden 8 Christlrchfozmle, 1 Großdeulscher und 1 Sozialdemokrat. , XVL Wahlkreis (Trannvlertel, Steyr). Abgegebene Stimm«: Christlichsosiale 49.553, Sozialdemokrat« 84.205, Großdeutsche 18.805. Kommrmist« 739, Gewählt: 3 Christlichsoziale, 2 Sozialdemokraten. Die Großdeutschen verlieren ihr Mandat an die Christlichsoziale». XVH. Wahlkreis (Mühlviertel, Freistadt). Gewählt wurden 4 Cbrlstlschloziale. Die Großdeutschen verlier«, chr Mandat au die Christ! i ch' sozialen. XXV2. Wahlkreis (Vorarlberg) Gewählt 1 Sozialdemokrat und 8 Shristsichsoztale. Linz, 17. Oktober. In Oberosterreich «utfaüen auf die Sozialdemokrat« 5 Mandate (5), auf dir Christlich sozialen 14 Mandate (11) und auf die Großdcutsch« 3 Mandate (6). Unter d« Gewühlt« befinden sich Prüstd«t Dmghofer, Landeshauvtmauu und Präsident Hauier, die Nationalräte Aigner, Födermayer »nd der Sozialdemokrat Landeshauptmann' stellvertreter Gruber. Die Wahl ist ohne jegliche Slänrng verlauf«. Bis heute 10 Ahr vormittags stad insgesamt73Christlichsoztale,80Sozial-> demokraten und 21 Großdeutsche gewählt worden. Man rechnet damtt» daß die Sozialdemokraten 9 Mandate verliere«. PolitischeRundschan. Die gegenwärttge zionistische Situation in Amerika. Die Londoner Jahreskonferenz war im Zeichen unserer amerikanischen Delegation begonnen worden. Unsere Delegation ist nun Zurückgekehrt und wir müssen es offen lagen, nicht als Siegerin. Die Erwartungen, ^welche wir amerikanischen Zionisten und auch die Zionisten der ganzen Wlt an die Jahreskonferenz geknüpft haben, sind nur in geringem Maße erfüllt worden. Und es fehlt bei uns nicht an Stimmen, welche dieses Versagen der Konferenz, besonders auf. dem Gebiete der Bereitstellung der finanziellen und' Wirtschastsmittel für den Aufbau von Erez Israel, gerade unserer Delegation, ihrer Zusammensetzung und ihrem Verhalten auf der Konferenz zuschrerben. Man weist bei uns vielfach darauf hin, daß Justice Brandeis, welcher sozusagen», der Star unserer Delegation war, es nicht verstanden hat, in der Konferenz eine einheitliche, wirklich programmatische Politik zu treiben. Auf einer Spezialsitzung der Exekutive der Zionistischen Organisation wurden kürzlich alle Fragen der inneren und äußeren Politik der Zionistischen Organisation Amerikas behandelt. Dabei wurde von fast allen Mitgliedern der Exekutive die Haltung der amerikamschen Delegation auf der Londoner Konferenz scharf kritisiert. Dieser Sitzung war die. Demission des Rabbi Dr. Wise als Mitglied der Exekutive voran- »egangen. Doch haben die Tagungen der Exekutive an« scheinend zu formaler Uebereinstimmupg geführt. Rabbi SÜI&.&K Jrftfe seiner DemMoL M den Aitzmrgen Wiener Morgenzemmg anwesend war, wurde zum Vorsitzenden der Kommission für die Palästina-Arbeit gewählt, hat also seine Rucktrittsabsicht nicht auSgeführt. B'ranb.eis, dessen Rücktntt als Ehrenpräsident der amerikartischey Zionisten- . organisation von manchen Seiten gefordert wurde, ' bleibt weiter in feinem Amte. In den beschlossenen Resolutionen heißt es zunächst: Der Zionismus tritt jetzt, i«. das Stadium der.soustrick-. tiven Arbeit und . hie Meiste .-Eü^gtzt>' der' Zionisten nmß auf die Palästina-Arbeit svsrwÄid^t werden. Ferner wird -er Wunsch der amerikanischen Zionisten betont, die Integrität - der Zionistischen Weltorganisation zu^ wahren, doch heißt e§ dann: Das Ausmaß der Hilfe der amerikanischen Organisation an die Weltorganisation ist von der Zionistischen Organisation Amerikas - oder ihrer Exekutive zu bestimmen. Danlit scheint ausgedrückt zu sein, daß die amerikanische Zionistenorganisation, die bisher vdn der Leitung in London cmgesprochenen Beiträge und.Leistungen > nunmehr aus eigenM'Ermessen bestimmen wird', was entschieden eine Weüdüng gegen die Londoner Leitring bedeutet und auch anderen Landesorganisationen Anlaß geben kann, dieses Beispiel nachzuahmen. Es soll damit wohl zum Ausdruck gebracht werden, daß die Londoner. Leitung in der Form, wie sie heute besteht, nicht das bolle Vertrauen der amerikanischen Zionisten genießt. Dies kommt daher, weil in der amerikanischen Zionisteuschast eine starke und berechtigte demokratische Strömung herrscht, welche sich gegen alle, nicht dem. Prinzip voller Demokratie entsprungenen Zustande in der Zionistischen Organisation Amerikas sowohl als auch der Welt, wendet. Dieser demokratischen Strömung haben die letzten Sitzungen der Exekutive, dadurch Rechnung getragen, daß eine Reorganisationskommission mit Louis Lrpski und Morris Rothenberg an der Spitze eingesetzt wurde, welche die Reorganisation des amerikanischen Zionistenverbandes durchfuhren fall. Es handelt sich dabei um die Anpassung an den Grundgedanken, daß alle Arbeitsenergre der Zionistischen Organisation Amerikas auf Palästina gerichtet werde. Lipski und Rothenberg waren es, welche diese Forderung in der Exekutive besonders stark vertraten und insbesondere größte Oekonornie' in der Verwaltung fordern. Die siebengliedrige Kommission, der sie angehören, hat innerhalb dreißig Tagen' der Kommission über die grundlegenden Methoden der Reorganisationsarbeit Bericht zu erstatten. Eine Frage, welche bei den Sitzungen der Exekutive bisher'nicht gelöst wurde, ist die der Sammlung für den Keren - Hajes so d. Ein Teil der amerikairischen Zionisten, welcher auch auf der..Jahreskonferenz den Standpunkt verfocht, daß der Keren-Hajessod nicht das geeignete Mittel zur Wfbringung der für den Aufbau Palästinas nötigen. Kapitalien sei, will dem Beschluß der Jahreskonferenz keine Folge leisten. Es , scheint, daß auch Bränders, welcher sich^ ansonsten der demokratischen Strömung im amerikanischen Zionismus wenigstens einigermaßen anpaßt, bezüglich des Keren-Hajessod keinen völlig positiven Standpunkt einmimmt, da er in einem Memorandum, welches er der Exekutive der amerikanischen Zionistenorganisation unterbreitet hat, ziemlich verschleiert davon spricht, daß die Zionistische Weltorganisation in erster Linie für die Aufbringung von Mitteln für die palästinensische Staatsanleihe, die Kolonialbank und.die Anglo Palestine Company zu sorgen hat, jedoch in seinen Plänen für die Umgestaltung. der finanziellen Instrumente der Zionistischen Weltorganisation den Keren-Hajessod nicht erwähnt. Die Exekutive der. amerikanischen Zionisten hat die Frage des Keren- Hajessod vorläufig vertagt, bis detaillierte Weisungen von der Leitung kommen und das ganze Material einer eigenen Kommission zum Studium übergeben. Die Schlußresolution der Exekutive drückt dann in bemerkenswerter Weise aus, daß, obwohl die Arbeit für Erez Israel die wichtigste ist, doch btc jüdischen Interessen in der Galuth nicht verlassen werden dürfen. Damit ist gegenüber der Haltung der amerikanischen Delegation auf der Londoner' Konferenz ein entschiedener Fortschritt er-" zielt, insbesondere was die Stellung der amerikanischen Zionisten zur Kulturarbeit in der Gckluth anlangt. Zu dem Problem, welches Brandeis' Memorandum aufrollt, daß; die Zionistische Weltorganisation allen Juden die Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas ermögliche, hat die Exekutiv^ der amerikanischen Zionisten bisher keine Stellung genommen. Jedenfalls ist es für ' die Erstarkung der zronisPchen Kräfte Amerikas, mit welchen so viele bisher nur zum Teile erfüllte Hoffnungen der Zionisten der ganzen Welt rechnen, stützen, von großer Wichtigkeit, daß sich geräbejetzt unter den amerikanischen Zionisten stärkere Ansätze zur Demokratisierung ihrer Organisation und sozusagen ihrer ganzen Anschauungen bemerkbar Machen. Bisher hat der Zionismus in Amerikas gerade 3mS national-ideologische Element innerhalb der Bewegung nicht völlig erfaßt. In Amerika besteht unter dem Zionismus nur geringes Verständnis - für die Wichtigkeit der Chaluzim- Bewegung, welche letzten Endes doch einen bedeutenden Faktor in der Wiederbesiedlung'. des Landes darstellt, da es mit denr jüdischen Geld allein nicht möglich ist, ein jüdisches Palästina zu schaffen, wenn nicht der jüdische Arbeitswille gefördert wird. Die einzigen, welche bisher in Amerika einiges Interesse an den Chaluzim nehmen, sind die Poale-Zion. In der breiten Masse der sogenannten bürgerlichen Zionisten Amerikas ,wjxh im dÄr .Chalumn fcjb* SM& lemmtmett. Auch Vnrooer ins»_ Mitteilungen' ans dem Publikum, l BRILLANTEN, Perlen, Gold, Sirber.lplattnTi. TThrsn; kauft nnd verkauft, ETTER Rotontarmstr. 23, Mariabllferttr, M Erstklassig« Preis« für Brillanten» Perlen« Juwelen etc. I« Hexlmlllenr nur. x ah It Telephon S(4I, vis-i-vis dor'Oper, Kirntneratraaae II strass« Nr» 9 II., Stsphanlestrasaa 3, nur Nr. 3 Im eigenen Haute ’ \ ■ Samttag geschlossen Telephon Nr. 45148 F43* hier wird hoffentlich " der demokratische Zug, welcher in die dortige Bewegung zu kommen scheint, das bisher fehlende Verständnis Wecken. - Es ist zu Höffen und iin Interesse des großen Aufbauwerkes, an welchent die amerikanische Judenheit so großen Anteil haben muß, zu wünschen, daß dev amerikanische Zionismus seinen, völligen inneren Anschluß an 'die altere Zionistische Bewegung Eitropas finde, welche die Entwicklungssihasen bereits, überwunden hat, mit denen man im arnerikamschen Zionismus ' vielfach noch ringt. - . TelegMmme. Pogrome -er Petljura-Trupyen. Kischiuetv, 16. Oktober. (Damian.) Die Truppe^ Petljuras setzen die Pogrome fort. In Kamenetz-Podolsh wurden 360 Juden getötet. Die SLVslawerr müssen Kärnten räumen. Paris, 16. Oktober. * Die .Botschafterkonferertz hat in ihrer heutigen Sitzung beschlosien, von der jvgo-! slawischen Regierung mit allem Ernste die sofortige! Näumung des Kärntner AbstimmyygS^ gebietes zu v erlangen. Hievon hat der französische Botschafter Camb o den österreichischen Gesandtem Elchhoff in Beantwortung seines Protestes verständigt, mit dem Beifüge«^ daß die Vertreter der Hauptmächte in Belgrad Beöuw tragt worden sind, in demselben Sinne energisch bei der jugoslawischen Regierung zu! intervenieren. Wegen Uebernahme der üster-j reichischen Verwaltung hat sich die Plebiszitkommis! in Klagenfurt mit der österreichische Regierung ins Einvernehmen zu setzen. Die Pariser Blätter verurteilen einstimmig die 8 setzung der Kärntner Zone A. durch jugoslawische Truppe Der „Temps" bezeichnet diese Besetzung als eine sehp unangenehmeUeberraschung. Manmüffehoffen^ daß die Belgrader Regierung sich Rechenschaft von oe« ernsten Folgen geben werde, die ein solcher Mißgriff nach! sich ziehen könnte. Der Oberste Rat Mein sei zur Prüfung! der Frage berufe«, ob die Volksabstimmung entsprechen« den Bestimmungen des Vertrages von St. Germein erfolgt! sei. Eine vollendete Tatsache könne unter keiner Bedingung das Recht ändern oder das Recht unterdrücken, das unve äußerlich bleibe. Achtung vor den Verträgen sei die Pflicht jedes Volkes gegen sich selbst und gegen die andere Wenn die Völker sich nicht dieser Wahrheit beugen, siche Europa, das bis in die Grundfesten erschüttert sei, vot neuen schweren Prüfungen. Die tschechische Republik gegen die Wieder-, kehr der Habsburger. Brünn, 17. Oktober. (Tschechoslowakisches Pre« bureau.)Dem gewöhnlich g'utunterrichtetell „stidove Rovinh*- zufolge, hätte Minister des Aeußern Dr. Bene sch magyarischen Regierung zur Kenntnis gebracht, daß di tschechoslowakische Republik n i e m a l s und unter kl' Umständen zulassen werde, daß es zu einer Resta» rierung der Habsburger in Ungarn k»mmt.'i Eine Revolte in dem slowakische« Stai gefängnis. Pretzbnrg, 17. Oktober. (Tschrchv-siow. Preßbur.) Jllava wird amtlich gemeldet: daß gestern 74- Sttäflmge gebrochen find. Bon dm Geflüchteten wurden 63 wieder ringe bracht, 8 von der Wache angeschofsen, darunter 8 schwer verle 1 Sträfling ist gestorben. Alles deullt darauf hm, daß die Flur schon lange vvm magyarischen Oberlentnaut Bela Drobnicz, wegen Spionage sestgenonnnm wurde, vorbereitet l Als die Sträflinge nachmittags die Arbeit anlret« sollt«-' ntf Dkvbnic; auö: „Was wird jetzt fein!", worauf die Sträfling» mit Hurrarufen sich auf die Wächter stürzten, sie: entwaffnet« und die Flucht ergriffen, Der geuüunte Oberleutnant befindet stchj unter den Eingebrachten. Die Untersuchung ist emgeleitrt. Eine Konferenz der europäischen RegiernngSo chess. ' . Lqndo«, 17. Oktober. (Reuter.) „Eurning Standard* erfährt, . daß eine Konferenz aller Regierungschefs, derienigeri Deutschlands, Oesterreichs und Bulgariens inbegpffen, in LWl stattsinden wird. Der finnisch-rttssifche Vertrag. Paris, 17. Oktober. tFunkspruch.) In der Einleitung des zwischen Finnland und Sowirlrußland geschloffenen Friedens-? vertrageheißt es. daß Rußland die Unabhängigkeit und di«' Souveränität Finnlandsinnerhalb der all« Grenz« anedkvnt.! Der Vertrag bestimmt, daß tzch^Wr. dö Ostkre betreib« werdeü. ~ 519951