Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 623 (18.10.1920)
- Date
- 1920-10-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979701--05536-2991399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/ /: ■/;te K fl.SO hrüMMiwatloM^vctfii M«*t 8» OWai ta Mt M-», fte*Mr,*«*w» 1 feil S, «Mr -tat Haar schlet-IfeS« Mraßtz, . . Nrone» Nerteljahrltch „ 00.—* Ut VoßMrsimd fft?Oiai «ch Ocstenitch! -irnmtNch .. ttrsne» 80.- Nchechp-Siowaketr KfmtatUA .. Qrortai 18.— tlertellÄrltch * 89.- »#te<tyi>fbtoarifiJ>araM6rnttf Antttm Pmranich . . Krone» ftO.- ßterteltahrlich 00^, t» «nfitrifcbev Sähnm»; Sngostewtt»-. NonatUch »4 Ornat Nerteltährlt» » 18.- Nr. 623 / , Wien» Montag, den 18. Oktober 1920 iftrete K L.»a Pvannmerattonspreiie: Oolem 1 Mo»«Mich .. Mart 80»— vierteltaferltch „ 00^ te feeliritdter Safetmtg . _ Deutschland: Momytlich . . Mart, 10— _ ssrankreich: Monatlich. . .Frames 0»^ , Italien: , Monatlich . . . . Lire S — Schweiz: Monatlich . . . Francs 3,— Für da« iibriae Ausland: vierteljährlich Krone» 18 — Skedattio« «. Admltttltratton Wte».S.V«»^raborNrU-S Telephon«- Administration 440»»«. Redaktion 4»81», ai, 0 Uhr adead» Nr. IS»«« Voftst»arkest«Honto UQjm 2. Jahrgang Der Lohn des Verrats. —7. W i e'ri. 18. Oktober. Es ist erreicht: Das jüdische Mandat in der Leopoldsladt ist den Christlichsozialen in die Hände sefallen. Schwarz-Hiller und seine Kumpanei haben restlich gearbeitet. Die Stimmenanzahl der Jüdischrationalen ist im Wahlkreis Nordost vön 6600.im Vorjahre auf 10.000 gestiegen. Den zür Aufbringung »er ^'Wahlziffer nötigen Rest hat die Kandidatur Lchwarz-Hiller,. gemeinsam mit den jüdischen Kommuristen dem Judentum entrissen und seinen Todfeinden Mgetrieben. Kunschak mag dankend den Hut ziehen. Hm künftigen Dolkshaus wird er ungestört und im muten Verein mit Jerzabek seine giftgeschwollenen Reben gegen die Juden halten können. Die künftige parlamentsmajorüät wird ihren jüdischen Helfern das khrenbürgerrecht und die Salvatormedaille verleihen lärmen. Sie haben es verdient. Wir find nicht sentimental und in langen politischen Kämpfen dazu erzogen worden, den Wellenschlag des politischen Lebens zu beachten. .Wir find diesmal ins Hintertreffen gedrängt worden. Nicht von den jüdischbewußten Wählern, deren Opferfreudigkeit, Treue und Disziplin sich gestern ungeschmälert erwiesen haben. Schon von allem Anfang an waren vir als kleine Partei mit allen Nachteilen des christlichsozial-sozialdemokratischen 'Wahlkartells belastet. Wir fanden uns einer geschloffenen antijüdischen. Einheüsfront gegenüber, die bei allen prinzipiellen MMchjedey,WD^- Wßhnrmg- . aller Mischen Einsprüche geeint'war. Mer das Werk des^ SUederlMppelns der jüdischen Vertretung konnte nut von Juden vollendet werden, die sich dazu hergaben, der jüdischen Sache das Messer, in den Rücken zu stoßen. Wir haben die Wahlschlacht nach hartem -Kampf verloren.. Die politische Einsichtslosigkeit und Kurzsichtigkeit weiter jüdischer Kreise war eben stärker und wir erkennen daraus, wieviel an Aufklärungsarbeit wir noch zu leisten haben. An 80.000 jüdische Stimmen sind im Wahkreis Nordost der anti- . jüdischen Sozialdemokratie zugefallen, viele Juden haben für Czrrnin. viele aber, auch — wozu diese Schande verschweigen? — für die Christlichsozialen gestimckt. Das Judentum Oesterreichs wird dank diesen zusammenspielenden Momenten in. der Nationalversammlung unoertreten sein, deren erste Aufgabe jetzt der Ausbau des Verfassungswerkes sein wird. Es kommt zur Beratung der Grund- und Freihritsrechte der Bürger. Bei dieser Beratung wird an Strickers Stelle ein Christlichsözialer stehen... Und der Schutzengel der jüdischen Kinder,- Frau Müller, deren Namen Tausende jüdischer Familien in Ergriffenheit segnen, wird nicht auf der Tribüne des österreichischen Abgeordnetenhauses erscheinen.. Wir haben unsere Pflicht gegenüber dem jüdischen Volk getan und werden auch in Hinkunft von unserer politischen Linie nicht weichen. Wir sind daran gewöhnt, unsere Hoffnungen nicht gleich und nicht im vollen Ausmaß reifen zu sehen. Deshalb können uns Fehlschläge wie der gestrige nicht irremachen und nicht enttäuschen. Die Wähler, die gestern für unsere Liste im Wien und in ganz Oesterreich optiert -haben, sollen nebst unserem Dank noch unsere . Versicherung nehmen, daß wir weiter die jüdische Partei bleiben, die nicht um der Mandate willen ihre schwere Pflicht auf sich genommen hat. Es wird die Zeit kommen, wo wir von der schlecht unterrichteten an die besser unterrichtete Wählerschaft avpellieren werden. «► Ansonsten entspricht das Resultat des gestrigen Tages ganz dem Verlauf dieser einen Stelle. Die Reaktion hat überall gesiegt. Die künftige Kammer wird eine sehr starke schwarz-blaue Mehrheit und eine kleine fortschrittliche Minderheit haben. Wir werden bald wieder Wählen in a lle Vertretungskörper haben. Die Stimmenabgabe nt Wien. Jüdischnationalen . . . . . . . 18.063 Sozialdemokraten . . . ... . 435.042 Christlichsozialen . . . . . . . .278.816 Demokraten .......... 39,933 Gryßdeutschen.. , , . 88.000 Kommunisten ..... . . . 14.804 Tschechen. ...37.814 3 Die Christlichsozialen gewinnen bisher 7, die Sozialdemokraten verlieren 5, die Grotzdeutschen verlieren 4. Keine großen Verschiebungen des Kräfteverhältnisses. Zn Wien Wurden 48 Mandate besetzt. Davon erhielten: Die Sozialdemokraten 28 M andate (Verlust 4 Mandate). Die Christlichsozialen 16 (Gewinn 5 Mandate). l Die Grotzdeutschen 3 (Gewinn 1 Mandat). Bürgerliche Arbeitspartei 1 Mandat. . ' I. Wahlkreis (1., s., 4. Bezirk). , .. . . T Eän%''dtTe.'7^ (Bisher : 2 Christlichsoziale, 3 Sozialdemokraten 1 Deutschnationaler, 1 Bürgerlicher Demokrat). (Jetzt: 3 Christlichsoziale, 2 Sozialdemokraten, 1 Großdeutscher, l Bürgerliche Arbeitspartei). Gestern gewählt: Dr. Weiskirchner (Christlichsozialer) Dr. Ignaz Seipel (Christlichsözialer) Richard Schmitz (Christlichsözialer) Dr. Otto Dauer (Sozialdemokrat) Rudolf Müller (Sozialdemokrat) Ottokar Czernin (Bürgerliche Arbeitspartei) Dr. Friedrich Waneck (Großdeutscher) ll. Wahlkreis (6., 7., 8. Bezirk.) 5 Mandate. (Bisher :. 2 Christlichsoziale, 3 Sozialdemokraten). (Jetzt: 2 Ehristsoziale, 2 Sozialdemokraten, 1 Großdeutscher). Gestern gewählt: Staatssekretär Eduard Heini (Christlichsozialer) Friedrich Schönfteiner (Christlichsozialer) Karl Leuthner (Sozialdemokrat) Therese Schlesinger (Sozialdemokratin) Dr. Felix Frank (Großdeutscher) - HI. Wahlkreis (9., 18., IS. Bezirk). 6 Mandate. Bisher: 2 Christlichsoziale, 3 Sozialdemokraten, 1 Deutschnationaler). (Jetzt : 2 Christlichsoziale. 8 Sozialdemokraten, 1 Großdeutscher). ' ' Gestern g^wählt: . j Matthias Partik (Christlichsözialer) , j Dr. Franz Odehual (Christlichsozialer) , UnterstaatssekretLr Glöckel. (Sozialdemokrat) - , Gabriele Prost (Sozialdemokratin) teinrich Ällina (Sozialdemokrat) r. Leopold Waber (Großdeutscher) .Wahlkreis. (2., 20./21. Beziek).^ . .. ) 8 Mandate. (Bisher: 1 Christlichsözialer. 6 Sozialdemokraten, 1 Jüdisch- - nationaler). - (Jetzt: >2 Christüchsoziale, 6 Sozialdemokraten.)' Gestern gewählt: Dr^ Mataja (Christlichsozialer) Otto Dolker (Christlichsözialer) Präsident Karl Seih (Sozialdemokrat) si Staatssekretär Dr. Ellenbogen (Sozialdemokrat) l Matthias Etderick LSoziademokrat) Vmmy Freundlich (Sozialdemokratin) Karl Pick (Sozialdemokrat) Josef Geßl (Sozialdemokrat) V. Wahlkreis (5., 10., 11. Bezirk). . .7 Mandate. (Bisher: 1 Christlichsozialer, 6 Sozialdemokraten). . (Jetzt: 2 Chnstlichsoziale, 5 Sozialdemokraten.) Gestern gewählt: Franz Spalowsktz (Christlichsozialer) Dr. Anton Jerzabek (Christlichsozialer) Dr. Friedrich Adler (Sozialdemokrat) . Laurenz Widholz (Sozialdemokrat) ' / ] Anton Hueber (Sozialdemokrat) Amalie Seidel (Do^ialdemokrattn) Anton tzölzel (Sozialdemokrat) VI. Wahlkreis (12., 13., 15. SJejltJt). 6 Mandate. (Bisher: 2 Christlichsoziale, 4 Sozialdemokraten.) , (Jetzt: 2 Christlichsozirle, 4 Sozialdemokraten.) Gestern gewählt: Leopold Kunschak (Christlichsozialer) Karl Baugoin (Christlichsözialer), August Forstner (Sozialdemokrat) Staatssekretär Dr. Deutsch (Sozialdemokrat) Wilhelm Schiegl (Sozialdemokrat) Anna Boschek (Sozialdemokratin) VII. Wahlkreis <14., 16., 17. Bezirk). 9 Mandate. (Bisher: 1 Christlichsozialer, 7 Sozialdemokraten, 1 Tscheche.. (Jetzt: 3 Christlichsoziale, 6 Sozialdemokraten). ' * Gestern gewählt: Unterstaatssekretär Dr. Resch (Chrisllichjözialer) Josef Heigl (Christlichsozialer) - Franz Haider (Christlichsozialer) Landeshauptmann Seoer (Sozialdemokrat) Ferdinand Skaret (Sozialdemokrat) Adelheid Popp (Sozialdemokratin) Josef Wiedenhofer (Sozialdemokrat) Karl Dolkert (Sozialdemokrat) Friedrich Austerlitz (Sozialdemokrat) Die Zahl der abgegebene« Stimmen. Z» Wien. Gegenüber den Februarwahlen 1918 stellen sich die Stimmet Verhältnisse wie folgt: Sozialdemokraten (1619.823.286 (1320).... . .435.377 , daher.— 87,859 Chnstlichsoziale (1919) . ... . .210600 (1920).... . . 278.770 daher. . . . . + 68.170 Tschechen 1919).61.540 (1920) ....... . . 37.720 . daher ^. . . . .... . — 26,820 Rückgang der tschechische» Stimme«. Wie das gestrige Wahlergebnis in Wien zeigt; find die Stimmen der tschechischen Parteien um zirke 45% zurückgegangen. Dies erklärt sich aus der starken Abwanderung aus Wien und weiters aus der Tat. fache, daß viele Tschechen diesmal sozialdemokratischwählten. 01186116