Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 622 (17.10.1920)
- Date
- 1920-10-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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fette 4 Wie«, Sorultag Wiener MotDehßeMDF 17. Skwvtt Mt- M'M t?? ft Die Jüdischnationalen Kämpfen: für die Versöhnung der Völker, für den nationalen und soziale« Frieden» für die Freiheit der Mensche«, für das Recht jeder ehrliche« Arbeft» für die Gleichberechtigung der Inden, für die Befreiung des jüdischen Volkes. Wer dieses Ziel erreichen will, der wähle heute mit 1 * ♦ 4 Nicht atf «schrietden» 4»ttog&lHg! Stimmzettel tat Wahl in dieNaMonnlretwammltm^ am \7. Oktober 1920* Jüdischnationale Partei: Stricker, Anitta Möller und Genossen. Ende des Eisenbahnerstreiks in Polen. ► \ Warschau. 15. Oktober. Wolfs.^ £>v Aufstand $et Eisenbahnarbeirec ist heute veenchüt woroeu. Die Derharrdlungen, die di' g.tu;e Na.cht-'au.pmicrte«. haiteu günstiges Ergebniö. : Der rassische Frontberickt. Masklur, 16. Oktober. i-Funkrpruch.- Frourbericht dom 15. Oktober. J.n Gebiete v>>u Mptvdstichno bot der Feind die Ortschaften Soscn.kr un.d-Dolgit-o besetzt. Westlich und südwestlich von Minsk >viro nii den Flüssen Wacza und Ratomka hartnäckig:-.7geKWfpft..-5Wi.r s sind teilweise zum Gegenangriff übergrgangan. Bei. L-luzk bauern hartnäckige Kämpfe an. An'bei: Südweftfrörlt -rücken wir im Gebiete von Nowögrad-Wolynsl vor. Bei Starakonftantmow Käinpfc zwischen Ötiit Du feste und der Eisenbahnlinie bei Prosturoiv. . Dr. Benesch übsr die KLeitt^ Entente. Paris, 16. Oktober. (Korr.-Änr.) Gegenüber einem Vertreter der „Chicago Tribüne" erklärte der' Ischccho-sloVakische Minister des Aeuhern Dr. Benesch, die kleine Entente -fei nötig gewesen, da der Völkerbund noch nicht volle Sicherheit bieten könne. -In Zentraleuropcl ber-rsche noch immer ein ChaoL und'noch immer drohe wr mehreren Fronten' -.üer Krieg. T ie Tscheche-Slowakei und Rümäüien seien ewig darin, dätz die Rückkebr der Habsburger aus den ungarischen Dhron den Friedensoertrag verletze und dir UrsaM eines Ärieges sein könne. Ungarn denke Nock' immer daran, seine ialten Grenzen wiederher^näeäen, aber -AranlreiK werde niemals eine derartige Politik unterstützen.-'Ein Krieg wäre 'der größte Wahnsinn. Ungarn werde dies früher odtr später >ansehen mästen: ■ Der Parteitag der Anabhängigen. Halle «. d. Z.,' 16. Okiober. sWölssJ Lssowsky ^vies in keiner Rede die Behauptung zurück, daß bi.' Nüssen die Gewerl-chauen 'p-'lten - wollten. Hieraus sprach der Franzose. L o n g n ' t. Er gab 'einer Freude -Mit einem Male erschien ein Dekret, dkiß alle Ware in den Geschäften und Fabriken zu Kriegszwecken be- - schlagnahmt wird und rach Rußend abgesührt werden soll. Eines Nachts wurr c - mehr al^ hundert Juden aus allen Bevötkern.ng^'chich.en ir.-etiett. Der Abt cmspvrt -der beschlagnahmten Vau'ilchwnrde mit großer Energie H^onnen. Dann erlitt die Rote Armee die große Niederlage vor Warschau und 'die litauische Regierung ver- >bangte kategori-ch die Räumung Wilnas bis zum 25. September. Es war ein Vecgni'cheir, anzu-chen, Wie die Helden, Schreier und WeÜbcfre'cc von gestern .«aus Wilna davonzulaufen begaUnrn wie angeschoilene Rehe. Nun sind si', Gott sei Dank, sdrt. Sie haben' es sich nicht verdrießen lassen, noch vor ihrem Abzug -eine Menge Waren systematisch zu 'rauben und fort* zuführen. So sind wir unseren zweiten „Befreier" los* tzeivorden, und in tut* wohnt nur ein Wunsch: 'Mart möge schon anfhören, uns zu he freist. Auch Mrapfen bekommt man übersatt. Mit der litauischrtt Herrschaft find wir recht zufrieden: Die Litauer wollen wirklich allen Bewohnern Wilnas -ohne Unterschied Ruhe Und Freiheit bringen. Die früheren -„Befreier" jedoch haben ein schwere?' Erbe hinterlassen.' Die Stadt sieht AUS wist nach einer Epidemie, vorläufig gibt es keinen Erwerb, der Handel stockt. Alles ist hier viel billiger geworden, aber man müßte dienötigen Mittel haben, um zu kaufen. Wir hegen jedoch die sichere Hoffnung, daß es bald besser werden wird. Heute fühbm wir uns wirklich frei, doch haben wir nicht Mehr die Kraft, Unsere Freiheit zu geniesten, umsomehr als Angst herrscht, die Lage könnte sich wieder ändern, so daß wir -ü einer «neuen argen „Befreiung" kämen: ÄDer Bedingungen ist das Leben schwer, dünn jeder Schatten, |*tf WMmH flößt Angst ein, . Ansdruck, daß zum e r sts n.'M'a l e nach d ein Krieg ein französischer Sozialist in Deutschland dem brutschen Proletariat die Grüße des französischen Werbringen' - könne. Seiner Partei liege die Erhaltung der Einheit als Erbschaft von Jaures am Herzen. Er frage Sinöwjew, ob seine Bereitwilligkeit zu Verhandlungen ehrlich .sei und fordere eine Revision der M-öSkaüer Bedütguuaen. Ein Antrag D' ö u m i g - S t o e cke r, wonach drr - Parteitag die Bedingungen für den Eintritt in die Dritte Internanoyale anerkennt, wurde mit 237 gegen -156 Stimmen angenommen. Zwei Delrsgierte hatten an der Abstimmungiricht teilgerrvmmeir. lieber Aufforderung C r i sp ic ns verließ der rechte. Flügel den Saal. ... Ruhe in Eger. Prag, 16. Oktober. Eine Mitteilung des Pressedepartements des Ministeriums für Landesverteidigung besagt: In Eg er herrscht vollkommene Ruhe. Die letzten Rekrntentmnsporte sind üm 15. b. M. nur 40^ ljhr . abends in völliger Ordnung abgegangem Die Assistenzabteilungen sind , wieder in ihre Garnisonen, zurnckbe.'rd^rt worden. Tagesbericht.! Ans einer Rede an verjagte Flüchtlinge. Flüchtlinge, Verjagte, Heimatlose, Verprügelte, ich verstehe Euren Schmerz. Auch ich habe einen Grabhügel, Samstag ward er geschaufelt, und man legte in dieses Grab die süßeste Mutter auf Gottes Erdboden; die. Schande, die erhaltenen Kolbenschläge . hatten sie getötet- und es ist. nicht möglich — denn die Bajonette verlegen.sogar ineiinr Seel» den Weg — es ist nicht möglich, sage ich Euch, mich mit kindlichem Herzen über das frischgeschaufeite Grab i zu neigen. Ich fühle also Euren Schmerz mit, die Tiefe Eurer Qualen. Vor uqö die Roheit, vor uns > die Gewalt, sie legen den Körper in Ketten, zwingeil j das Individuum cm diese Stelle; doch den: Weg. der Pietät,, der Empfindung, der- Seele, vermögen Bajo- - nette, Prügel, Stücke, Schlechtig^iten nicht zu verstellen. ' Diese Worte hätm'cht ein aus Polen oder der Ukraine vertriebener jüdischer Flüchtling an seine Leidensgenossen gerichtet. Sie wurden auch nicht in eitter Versammlung von nngarischdit Juden, die vor den Schrecknissen des Weißen Tecrörs in die Heimatlosigkeit flüchten mußten, gesprochen. Kein'anderer sprach-diese herzbewegenden, markburchdtingenden KlLgeworte-/ als der ungarische Feldbischöf' Püter- Stephan Zad rave c z am 6. Ok* töber, dem Gedenktäg der Ärades Märtyrer, in.Gegenwart der ans Arad vertriebenen ungarischen Ern^ grancen. Das ist derselbe Patev Zadravetz, der in einem schaurigen Blutvertrag jedes Mitglied der jveißen , Offiziersarmee itnd jeden Mann dieses Heeres der Rache beschwor-' keinen In de n 'zu sch o ntzn, nicht weich zü werdett/ bis nicht der letzte Jude aus Ungarn ausgero t t e t ist. Das ist derselbe Patev Zadravrcz, > der mit ähnlichen-flammenden Worten seine Armee'zum' Judeitmo rd aufnmllterte und ihr für jedes. aM Judentum begangene Verbrechen die Msolution zu- ' sicherte, . . Wir möchten diesem blutrünstigen Feldbischof Pater Zadravecz seine eigenen Worte zurufen: Wir verstehen deinen Schmerz, Pater Zadraveez, der du, wie du sagst, deine Mutter als Opfer nationalen Haffes verloren hast. Du. glaubst ja an die vergeltende GerÄhtigkeit! Verfolgt dich nicht^das - Wcheln der vielen jüdischen Frauen und Mädchen, di^eschändet, bis in den Lad mißhandelt wurden; gellt dir das Wehgeschrei ' taa Dielen Ludvttinde» nicht m de» Ohren, dir im deinen Offizieren iir ,Kecskemet, Fülöpszallas, Lajosinizse, auf dein Wege nach Orgovanh zusehen mußten, wie ihr.2. Eltern und Brüher zutvde geprügelt wurden? Glaiche doch,: Pater Zadravecz, daß der Schmerz den. Juden kindern noch tiefer liegt als. dein Schmerz, denn er ist ein Jahrtausendealter Schmerz, den zu versch'edenen Zeiten.und a» verschiedenen Orten irgendfein Pater Zädravecz.grundlos aufgewühlt hat. .:i Wir-wollen als'-Juben und ins Lüdischö übersetzt/ dä-selbe ten, tvas Pater Zadravecz am Schlüsse seiner Rede den Versammelten zurief: ' Unsere Sesle. Drsenke sich in jene heiligen Gräber , und sauge« wir uns aus jener Asche, aus jenen Gebeinen.' aus dem Blute der dreizehn Araber; Märtyrer vyll! Ihre KieL.c,. ihre Schwärmerei, ihr Blut nehmen wir in uns aus, und wofstr sie zu sterben gewußt, trachten wir verwaiste, beschimpftegeprügelte, Heimatlose Ungarn dafür zu lGcn! .. . . : . Ä- Kr? StLdtebanaufteltttng i« Jerusalem. ri Jerusalem, 1.1. Oktober. (Jewish Corr.'Bnr,) Professor Patrick Geddes, der bekanntlich int verzange neu Muter in Jerusalem über Auftrag der Zionistischen: Organisation die.--. Pläne - für den Bau der hebräischen Universität, auf-dem Skopusberg entworfen ., hat, verbrachte deir Sommer wiederum in Palästina, und hat jetzt in Jerusalem eine Städtebauausstellung - zusanunengestellt. Die Ausstellung ist in dem großen Gebäude der Knabenschule untergebracht worden und wurde am 24. September .durch den High Eommissiouer Sir Herbert Samuel feierlich eröffnet. Die Eröffnungsfeier gab Anlaß zu einigen bedeutungsvollen Kundgebungen. Sir Herbert Samuel wies in seiner Eröfpmngsansprache darauf hin, daß der Ruf nach gesünderen und schöneren Wohnhäusern immer stärker wird. . „Wir erwarten eine starke Einwanderung nach Palästina", sagte - Samuel. „Die Städte .werhen wachsen. ES wird. eine , zentrale S-tädtebaukommissivn von der Regierungeingesetzt werden, ferner werden in. den größeren Städten — Jerusalem, Jaffa, Haifa, Liberias — Lokalkomiiees gemeinsam mit den Munizipalbehörden die Entwicklung der Städte beaufsichtigen. Heute ist Jerusalem das typische Beispiel einer schlechten Stadtanlage. Die neuen Stadtteile, sind.planlos und zufällig entstanden.. Das mutz anders werden^ Palästina muß in. einem Geist erneuert werden, der würdig seiner-großen Vergangenheit ist. Nicht ein fremder Stil darf nach Palästina eingeschleppt werben, denn auch die besten und erfolgreichsten Baustile Europas sind nicht wert, nach dem Heiligen Lande verpflanzt zu werden. Der Geist des Landes wird einen palästine'nsischsn Stil schaffen. ■ Nach dem High-Comimssioner sprach der Bürgermeister von Jerusalem akätzisch über daS Zusammenwirken von Ost und West beim Neuaufbau Jerusalems. I David Z) ellin übersetzte die Worte des Bürgermeisters ins Hebräische und dankte, fortsahrend, namens der jüdischen Gemeinde von Jerusalem Sir Herbert Samuel filt sein Interesse am Aufbau Jerusalems, um den alle Juden täglich beten. Zum Schlüsse sprach Ussischk i n namens der Zionistischen Organisation. Er betonte, daß; die Berufung Prosessor Geddes' nach Jerusalem der Initiative der Zionistischen Organisation zu verdanket: sei. Me Ausstellung bleibt 14 Tage geöffnet. (Bin Brief Gorkis an Lest« > Die Pariser Mctdirk" veröffentticht. ettM Mkf! de« Maxim Gvrki^üttdieses Jahtes an L«nm gerichtet hat und^woritr^Tr gegen die Verhaftimgan zahlreicher JntellektuLÜer, Universitätsprvftssvren und SckrLLrLx ÜvoMöxL. «Mt Gorki