Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 621 (16.10.1920)
- Date
- 1920-10-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wdischuationalen Kämpfen: ÄSreuer M»pge«zerWht- Wie«, Samstag für die Versöhnung der Völker, für Le« nationalen nnd sozialen Frieden, für die Freiheit der Menschen, für das Siecht jeder ehrlichen Arbeit, für die Gleichberechtigung der Anden, Nr die Befreiung des Mischen Volkes. Wer dieses Mel erreichen will, der wähle morgen mit ♦ ♦ ♦ 16. Oktober IM Sette»- K ■ ■'? ‘ > ri- ■ Nicht aassclmeicieii, da gngfilttgl Stimmzettel tut Wahl ln die Nattonalversammfong am 17. Oktober 1920. Jüdischnationale Partei: Stricker, Anitta Müller und Genossen. und Genossen fcteten wollen. - So .sieht eS auch mit der sachlichen Berech« cktzung sMerl KrmdiLatur aus.. Durch alle diese sozialdemolkratischen und /' deutschnational-denwkratlschen Wahlmärchen Lars und'wiM sich die jüdische Wählerschaft nicht «mschüch. rlsrn lassen. Sie'mutz wissen: Geschützt sind die Juden Vür durch: sich'.siel bst, sonst durch niemanden. Tie müssen ssir 'diesen Schutz sorgen und ehrlich jüdisch u , wählen. Hieraus führte rn' großmrgelegter, überaus beifällig iaerfgensmmensr, Hebe Gemernderat Dr. Ehrlich folgendes «MS: Anher dem : Abgeordneten Stricker sind im Parlament «ich noch? arrdere Juden geseffen, und zwar Angehörige der sozialdLmolratischen Partei. Sie waren jedoch keine jüdischen Vertreter; wed?r? waren sie als Vertreter jüdischer Interessen gewählt,, noch auch betrachteten sie es als ihre Auf- Habe, jüdische Interessen zu vertreten. Und wenn man ihnen zuyemutet hätte,- sich der jüdischen Interessen anzulie-hmen, so Hätten sie dies entschieden zurückgewiesen. Denn der größte Schimpf, den man in diesem Staate den Sozialdemokraten «der anderen -'PrrrMen antun kann, ist, daß man vonihnen sagt, siesmen Jrchenknechte. Unsere' Vertreter aber wollet: /Nichts anderes sein als Juden knech te! Sie werden dazu tzewäM, um D.iener des jüdischen Volkes zu fein und betrachten. dies als Ehrentitel. Das ist der Unterschied zwischen uns.und den jüdischen Abgeordneten in anderen Parteien, Und wenn nun ein Dr. Schwarz-Hiller eine aussichtslose Kandidatur ansstellt, für die alle abgegebenen Stimmen nuHI.oS sind, so vermirürert das nur unsere Stimmenzahl. Wir aber brauchen möglichst viele Stimmen, damit nicht bloß Stricker wieder ins Parlament kommt, sondern bei, der; Roststimmenzählung noch soviel Stimmen, pöchanden sind, | b.amtt Frau Anitta Müller gewählt wird, deren Wahl 'ins - Parlament unbestreitbar von größter Bedeutung rst. -Dazst müssen die jüdischen Wähler alle Kräfte anspamren. Daß wir Juden jüdische Vertreter im Parlarnent brauchen, wird, schorr dadurch bewiesen, daß die Sozialdemokraten, die viele jüdische Führer haben, mit Rücksicht auf Ähre großeantisemitische Anhängerschaft sich hüten müssen, sich in der JichenfraM zu stark zu exponieren. Wenn äuch die unmittelbare Gefahr nicht-groß ist, daß Ausnahmsgesetze gegen die. Juden, .beschlossen werden, so muß doch eine im Jntercksse der Juden tätige Kontrolle 'da sein, um wiIlk ü r l i ch e Ainvcndmrg. der bestehenden Gesetze gegen die Juden, wie sic von der reaktionär-Msiisemibischen Beamtenschaft vielfach.versucht wird, zu verhindern. Dazu genügt auch eine steine, aber energische Vertretung, die unbehindert von .ankeren Parteiinteressen nur für die Juden tätig...ist. Und in den heutigen Zeiten, welche für die Juden sehr,schwer sind, ist die jüdische Vertretung doppelt notwendig. Die antisemitische Strömung ist in der ganzen Welt im Wachsen. Und das Beispiel der ungarischen Juden zeigt uns, -wie furchtbar eine Jud-rnschaft, die nicht gerüstet ist, von den Geschehnissen, übervascht wird. Die ungarischen Juden l ständen der Hochflut des Antisemitismus gegenüber vollständig wehrlos da, weil sie, die früher Hyper- Magyarisch waren, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl' als Juden völlig. verloren hatten. Wir' aber betonrn gerade im Einblick auf die Gefahren, die ringsum sind, die. \ Zusammengehörigkeit aller Juden der ganzen Welt.!D« Judensvage ist . nicht die Angelegenheit eines Landes, sondern sie ist eine einheitliche Frage und kann nur durch Zusajuniensassung aller jüdischen Kräfte gelost Werber:. Deshalb verlassen wir uns nicht auf Sozialdemokraten ßrnd Liberale, sondern auf unsere eigene- Kraft und auf das ZusamrinengehörigkeitSgefühl der Juden der garten Welt. Wir sibd überall ciitc Milwrität, auch in diesem Staate. Aber dieser kleine Staat kann über un§ nicht hinweggehen, wenn . wir eine O r g a n i s a t t o n schaffen, welche alle jüdischen Kräfte zusa-mmenfatzi. Wir brauchen diese Zusammenfassung nicht um Macht zu gewinnen, sondern -rur. 8a'LLLk^ Mm LsLtk» Aas jtt 'mm Selbsthilfe durch eigene Kraft. Wenn die jüdische Wählerschaft am 17. Oktober zeigen wird, daß sie diesen Gedanken richtig erfaßt hat, .dann wird dieser Tag ein Ehrentag für die Juden Oesterreichs sein. Unter lauten Beifallskundgebungen für Genier rckerat Dr. Ehrlich schloß die Vorsaurmlung. Jüdischnationale Wählerversammlung in Linz. Montag -den 11. d. M. fand in Linz ei»ie jüdischnationale Wählerversammlnng statt, zu ivelcher die gesamte Judenschaft von Linz herbeiströmte, un:. den Abgeordneten Stricker sprachen zu hören. Als die. Versammlung eröffnet wurde, kam die Meldung, daß Abgeordneter Stricker erst verspätet eintressen werde, da sein Auto in St. Pölten eine Panne erlitten habe. Es sprach daher als erster Redner Herr Phil ipp aus Wien, nach ihm Dr. Menzel. Da Abgeordneter-Stricker noch immer nicht eingetroffen war, bemächtigte sich der Versammlung lebhafte Unruhe. .Inzwischen war die telephonWe^Mitteil:mg..eülgLtrosserr, daß-das Auto mit dem Abgeordneten:' Stricker bereits Amstetten passiart habe. Die Versammlung harrte aü§, 'bis Stricker eintraf. Seine Rede bedeutete einen Triumph für die jiidifchnationa-lc Sache, gegen die, nachdem es in-Linz zur AufsteUimtz der jüdischnationalei: Liste gekomlnen. war, durch mrterirdische Agitation, persönliche Verunglimpfungen und Verleumdungen aller Art gearbeitet worden war. Nicht eudenwollender Beifall durchbraufte den Saal, nachdem Abgeordneter Stricker feine Rede beendet hatte, und als er um 12 Uhr nachts das Auto, welches ihn hergebracht hatte, bestieg, um die Rückreise nach Wien anzutreten, bereiteten ihm die Linzer Juderr begeisterte Ovationen. Die Rede. des Abgeordnete,» Stricker in Linz hat der jüdischen Sache dort vollen Erfolg gebracht. Nicht lässig sein und folgendes beachten: Mahlzeit von 7 Ahr früh bis s Ahr abends. Den jüdischnationalen Stimmzettel auf» bewahren! Er wurde jedem jüdischen Wähler und jeder jüdischen Wählerin zugestellt. — Hatte ein Wähler ihn verloren oder durchBersehen keinen bekommen, so kann er. in jedem jüdischnationalen Agitativnslokal oder bei jedem jüdischnationalen Agitator Stimmzettel erhalten. Der Wähler wird von der Wahl nicht verständigt. Er muß in das Wahllokal gehen, das durch Anschlag im Flur des Hanfes, in welche« er wohnt, angegeben ist. Der oder die Wahlberechtigte muh ins Wahllokal mitnehmea: 1. Den jüdischnationalen Stimmzettel, 2. eines der nachstehend angeführten Dokumente: Geburtsschein, Trauungsschem. Heimatschein, Staatsbürgerschastsurkunden, Anstellungsdekrete, Pässe jeder Art, amtliche Legitimationen, das alte Arbeitsbuch oder die neue Ausweiskarte des Arbeiters, das alte Dienstbotenbuch oder die neue Dienstkarte der Hausgehilfin, Eisen- und Straßenbahn-Permanenzkartm, Gewerbeschein, Lizenzen, Diplome, Immatrikulationsschein, Meldungsbuch einer Hochschule, Schulzeugnisse, militärische Dokumente und dergleichen. Der Wähler tritt vor die Kommission nnd legitimiert sich mit dem Dokument. Sodann erhält er von der Kommission ein Wahl» knvert. Er geht in die Wahlzelle, legt den jüdischnationalen Stimmzettel in das Wahlkuvert, verläßt die Wahlzelle und überreicht das Wahlkuvert mit dem jüdischnationalen Stirirm;ettel der KommilLLo». Die Wahl ist geheim! Niemand erfährt, wie ein Wähler ge-' stimmt hat. Laßt euch k«inen fr«mdkw Stimmzettel unterschiebe». Achtet auf unsere Stimmzettel! Wichtig für die Wahlagitation! Di« jgdischuationale $a«»<feM$ttei*Mi8 W finde« fich n., Taborftraße 20a. Anskunstslokale im n. Bezirk. Restaurant Saur e r, Obere Donaustraße 39,! 6 bis 8 Uhr; Cass D u r st. Untere Avgmtenstraße Ich 6 bis 8 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr; Caf6 ZeißlZ Große Sperlgaffe 35, 6 bis 8 Uhr, Sonntag bis 12 Uhr; Restauration Baron, Große SchM gaffe 19, 7 bis 8 Uhr; Cafe Reif. Stephaniesttaßed Caft I gl au er, Taborstraße 49, 6 bis 7 Uhr, Sonnj tag 9 bw 11 Uhr; Easi Blau. Rotenftemgasse 17^ 6 bis 8 Uhr; Müller. II., Mayergaffe 7/7 d Praterstraße 17, 8 Uhr früh bis 6 Ahr abends3 Cafö £Öffner, Stuwerstraße 18, 4 bis 7 Uhrjj Cajs Schwarz, Leopoldsgasse 25, 7 bis 8 Uhri abends: ll, Prater. Kleine Zufahrtsstraße 160, C a s & zur Sennerin, Telephon 41.640, täglich voni 6 bis 8 Uhr abends. Wählerversammlungen. Heule, Samstag, 16. d. M., 4 Uhr nachmittag«^ U., U n t e r e A u g a r t e n st r a ß e 36, Massenmeeting Referenten: .Abgeordneter Stricker, Anitta M ü l l e r, Gemeinderat Dr. Leopold P i a sch de m Dr. Solomon Wallach. Heute, Samstag. 16. d. M., 7 Uhr abends Swobodas Phönix - P a l a st, Prater. Referenten: Abgeordneter Stricker, Anttta Müller,! Gemeinderat Dr. Leopold P l a sch k e s, Dr. Salomou! Wallach. Heute» S a m s t a g, 16. d. Uhr abends, rmi Saale des Nrederösterrerchischen Gewerbevereines,!., Eschenbachgaffe 11. Referenten: Gemernderäte Dr. I. Ehrlich mV Dr. Plaschkes, Dr. Defider Friedmann. Heute» S a m s t a g, 16. d. M., Vj8 Uhr abends. G schwandners Saallokalitäten, XVH., Hernalser Hauptstraße 41, Referenten: Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Destder Friedman n, Dr. Fritz L ö h n e r. Die Vorstände sämtlicher jüdischer Bethansvereine des dritten Bezirkes richten an alle Juden und Jüdinnen die dringliche Aufforderung, bei den morgigen Wahlen geschloffen füc die jüdischnationale Liste Robert Stricker, Anitta Müller und Genoffen einzutreten, und all ihre Bekannten zur Stimmmobgabe in gleichem Sinne zu beelnslußm. Sie betrachten es als heilige Pflicht aller jüdischen Wähler, geschlossen bei der Urne zu erscheinen und sind überzeugt daß die Wahnmg der jüdischen Intereffen nur den jüdischnationalen Mandataren anvertraut werdm kann. Die Vorstände der Bethausvereüie Deth - Hakneffet, Schomer - Israel, Erdberg und Osse-Tow. Berem Erez Israel Wie«. .-Heurc ' -^6 Uhr abends im neuen Bereinslvkale (Klublokal des Cafa Winkler, II^ Stuwerstraße 1) T. ordeufücke Generalversammlung. bei welcher mul) bio Fnukuonen dev Mitgliedern für die morgigen uviHmüit werdeZ,