Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 619 (14.10.1920)
- Date
- 1920-10-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979697--05496-2991355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Vilnius 2× ep/1000947
- Minsk 1× ep/1000754
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Nt. 619 Men, DvnnerstLS _ Telegramme. ' Der GeneralfskreLär der Zionistischen Organisation bsivr fUZvsiarvrsche» Minister des Aeutzern. Belgrad, \0. Qttsber. (Privat.)' Der Miiüsirrn deS Aevßern Dr. Trumbic empfing am 3. d. M. Herrn 8 a nd m a n *»,' Generalsekretär der Zionistischen Organisation in London, der in besonderer Mission mit dem Ziel reist, deu nach Palästina «nigrierendm Juden die Durchreise z« erlüchlem. Der größte Teil der Auswaudeler kommt aus Polen. Os^.alizini, Ungarn usw- und in gewissen Fällen führt sie dir Weg durch Jugoslawien. Der MiMrr versvrach. daß er Mort alle nötigen Schritte ritt Entserruing dev eventuellen Hindernisse unternehmen wird. Die Wirtschafts^onferevz 1« gotttatt. Lorrds», 18. Oktober. (Reuter.) Die heute wiederauf-' grnomrAnen Verhandlungen der von der Ant-bungerliga emberufmew Wirtschastskonferenz wurden vom Vorsitzende» Sir William Brverrdgemit einer Rede etöffuet, in der er das Problem der Kohlentran-porte und der Rohmaterialien erörterte.. Es sei eme beklagenswerte Unterlassung des Frieden-Vertrages gewesen, Grenzen auszurichtcn, ohne für Kohlmlieferunge« zu sorgen. Er gab feiner Ansicht Ausdruck, daß man den Schwimgkelten der Kohlenversorgung nur durch Zuweisung einer Mindestmenge an jedes einzelne Land begegnen könne, j London, 13. Oktober. (Reuter.) Bei den BerLtuntzien der wirtschaftlichen Konferenz der Antihungerliga führte der österreichische Delegierte Hofrat Dr. Hertz aus, daß di« Geringfügigkeit der österreichischen Produktion dem Koylenmangel zuzuschreiben sei, da das Land nur 40 Prozent der erforderlichen Kohkenmengen erhalten könne. Es sei ein großes Projekt zur Ausbeutung dev Wasserkräfte in Ausarbeitung begriffen, welches jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Es wird wsitergekampst! Warschau, 12. Oktober. Jrontbericht vom 11. Oktober: ' Auf dem nördlichen Flügel haben unsere Ableckungen N o w oswireianh erreicht. O e st l r ch v o n M i« s k am 11. d. M. b l u t i g e Kampfes« Kojdanow. Die feindlichen Dlvlsionen wurden vollständig geschlagen. Am 11. d. M. haben wir L ack b e s e tz t. Ans der Westfront ist dir Lage unverändert. Moskau, 18. Oktober. (Frmsspruch.) Frontbericht vom 12. Oktober. Westlich von Minsk im Gebiete von Rakorv-Kojdan, Kampfe mit wechseldem Erfolge. Südwestlich von Sluck beichten. wir. .kämpfend,, einige Ortschaften. Im Gebiete - -von S ch i t o «t i r eroberten wir die Ortschaft Pult« zurück. Im Gebiete von P r o s k u r o w wurden die wiederholte« heftigen Angriffe de- Feindes bei Starokonstantinow zmiickgeschlageni Unser Bormarsch gegen Nowouzica entwickelt sich günstig; wir besetzten Samcchvw und Wcrbowiee. Die Rigaer Verhandlungen. Warschau, 13. Oktober. Die Blätter berichten aus Riga: Die polnischen Delegierten verlangten, daß Polen als Anteil am russischen Goldschatz 200 Mil? lionen Rubel in Gold züertannt werden. Die > rufsi-- schen Delegierten boten 50 Millionen Rubel au, den Rest in Rohstoffen. .Die endgültige Bestimmung der an Polen auszubezahlenden Geldsumme wird erst im Friedensvertrag erfolgen. Die Fortsetzung der Verhandlungen erfolgt in zwei Wochen, ein Teil der polnischen Delegierten reist heute nach Warschau ab. Der Zwischenfall von Wilna. Eine Note, der Entente an Polen. London, 13. Oktober. (Funkjpruch.) Die englische mrd die französische Regierung sind über t^n Text der an Polen wegen des Wilnaer Zwischenfalls zu richtenden Note einig geworden. Die Kommission des Völkerbundes ist bereits in Wilna und leitet Erhebungen, di« zur Regelung der Frage führen sollen. Eine litauische Ab- - ordttung ist in London eingetrofsen, um England um Vermittlung in der Wilnaer Frage zu ersuchen. Die „Times" meinen: Wenu auch kluge Leute in der polnischen Regierung sitzen, so kann doch nur ein entschiedenes Borgehen von ihrer Seite gegen General Zeligowski den Verdacht der Mitwissenschaft zerstreuen. Die Zukunft Polens hängt von der Masse der Selbstbeherrschung ab, die es jetzt zeigt. Sowohl England als Frankreich werden gegen die Besetzung Wilnas Vorstellungen erheben und man erwartet von der polnischen Regierung etwas mehr als mißbilligende Worte. Die sibirische Gegenregiernng. Miailani-, 13. Oktober. (Tel.-Komp.) Wie der War-- schauer Korrespondent des „C-orri-ere della Sera" meldet, setzt sich di« in Nischnij Nowgorod gebildete ■ auti&olfdj** wikische Regierung aus den sozialrevolntionäran Führern Markow, Ketrow und Tschernvw zusammen. Letzterer war Minister im Kabinett Kerenslii. Vor einem Rücktritt GioLitLis MailMd, 13. Oktober. (Wolfs.) „Secolo"' spricht von der Möglichkeit eines baldigen Austrittes Gwlittis aus der Regierung. Giolitti wird wabr-cheinlich durch den Kammerpräsidenten de Nicola erseht werden, den Giotitti an der Spitze der Regierung wünscht. 2Pf tuet Eine Generalaktiou der ameri konischen Audenheit für die Inden in Polen. N c w - Z) o r ir 10. Oktober. (Jewifh Corr. Bur.) Auf einer ausserordentlichen Sitzung der Exekutive des Kongresses der amerikanischen Juden wurde die nuverzügliche Einberufung einer Konferenz aus den Delegierten aller Staaten beschlossen behufs Beratung von Schritten, die zugunsten der Jud eit in Polen zu unternehme» seieu. Gleichzeitig wurde der politischadministrative Ausschuß beauftragt, ungesäumt eine Abordnung nach Washington zu entsenden, um der Regierung der Vereinigten Staaten Las Tatsachenmaterial zu rmterLreiten und rasche Abhilfe zu verlange«. Kein franzöfisch-mrgarische» Abkommen. Gin Demerrti der Wiener französischen GesandLschE. Wien, 13. Oktober. (Korr.-Bur.) Die französische Gesandtschaft teilt mit: Einige Wiener Blätter haben Meldungen über rin am 14. September zwischen Frankreich und Ungarn abgeschlossenes Abkommen veröffentlicht. Diese Meldungen sich vollkommen unrichtig. Die Abkommeir, über die übrigens noch gegenwärtig verhandelt wird, sind rein privater und wirtschaftlicher Natur und können natürlich kerne militari schenBe stimm ungen enthalten, die eine Vermehrung der ungarischen Armee über die in den Berträgen festgesetzte Ziffer hinauf vorsehen. Im übrigen ist niemals von einem diesbezüglichen Uebereinkommen mit Ungarn die Rede gewesen. Die französische Negierung lässt tatsächlich nur die strenge Beobachtung der Verträge zu und hat nicht ermangelt, dies zur Geltung zu bringen, indem sie bei der nngari. schen Regierung einvcrnehmlich mit den anderen alliierten Mächten, auf eine rasche Ratifiziernng des Vertrages von Triauon drangt. Die italienischen Sozialisten für Sorvjetrntzland NU MH , 13. Oktober. (Wolfs.) Die soMkistifche Partei Hai für den 14. d. M. Kundgebungen in allen Städten Italiens angekündigi. Die Kundgebungener* iolgen zum Zweck der Befreiung aller politischen Geiangenen und der Anerkennung der Sowjetregierung; durch die italienische Regierung. In allen Städten werben nachmittags große Kundgebungen Und Verrammlungen. abLehalten werden. ~ l Der Parteitag der MshrheitsfoziaUsten. Berl'n, 13. Oktober. Auf dem Reichsparteitag der Mehrheitssozialiste» in Kussel brachten die preußischen Delegierten eine Erklärung ein, in der sie die Gr<- klärung der Vertreter Bayerns, daß diese Lueu zum Reiche stehen wollen, begrüßen Und betonen, daß sie sich mit den bayrischen Genossen eins fühlen in der Bekämpfung jedes separatistischen Gedankens. Sie verurteilen alle Treibereien reaktionärer Kreise, die einen Gegensatz zwischen Bayern und Preußen Hervorrufen wollen. Kassel, 18. Oktober. Der Antrag des Pavteioorstandes und des Ausschusses zur R e g Le r uit gs bildung wurde einstimmig angenommen. Gleichzeitig gelangte ein Ansatzantrag zur Annahme, worin erklärt wird, daß die Zusammenarbeit mit einer Partei, die nicht grundsätzlich aus dem Boden der repuMkainschen Staatsform steht, rächt in Frage komme» könne. \ . Hildebrand erstattete den pavkttnentarischen Bericht und üemängÄte die Haltung der II. S. P. D. Bei der Sozialisierung, müßten, «Märte der Berichterstatter, unüberlegte Experimente vermieden werden. Die Partei müsse sich für die Sozialisierung des Kohlenbergbaues entscheiden. Eine Kommumstendebatts beim Parteitag der rtnabhSngigerr. Halle, IS. Oktober. Der Parteitag der U.S.P.D'. hat heul die Debatte über den Geschäftsbericht zu Ende geführt. Crispien ergriff sodann das Wort zum Referat über die konununistische Internationale. Gleich zu Beginn feiner Rede erhob sich wüster Lärm. Crispien wandte sich von vornherein gegen die Kvmnmnisten und machte ihnen den Vorwurf, daß sie durch ihre Haltung und durch ihr Vorgehen der Arbeiterklasse schwersten Schaden zugefügt hätten, da sie in diesem Kämpfenden Todfeind der Arbeiterklasse, brn Kapitalismus, vergaßen. Bon fremden Gästen sind in Halle eingetroffenr Lang Mt, Marte w von den linken Menschewiken, Lofowski, der Führer der russischen Gewerkschaftskommiss wn, und Sinowjew. Bncharin, der erwartet wurde, ist nicht eingetrofsen. Streik in einem russische« Gefangenenlager. Berlin. 13. Oktober. (Wolfs.) Zu der von der „Roten Fahne" gebrachten Nachricht über die Besetzung des Lagers von Sielow be^. Kottbus-durch ReichSwehr- /It. VSWSck lSSV truppen wird mitgeteilt, daß die Besetzung durch eiuch kleine Meuterei veranlaßt wurde. In der vorigen Woche waren einige gefangene Nussur über den Zapfenstreich' ausgeblieben und sollten dafür mit drei Tagen Arrest bestraft werden. Die Lageriusassen traten in einen Sym^ püthiestreik und verhinderten die' Abführung der Berurtsilten. Etwa 1.500 Insassen streiken noch. Das. Lager ist zurzeit von einem Z,ugr Reichswehr besaßt. Die Dnti$chrratrouttlen fmb i&zxvM gleich. PvLg, . 13.. /Oktober. (Priv.-Tel.) Heute friih br^ setzten deutschvölkische Ptud-entsn den Zugang zur" Quästnr der deutschen Universität, um so die In-, skription der Hörer aus der Slowakei zu vereiM«.. Nach kurzer Zeit wurden die Zugänge zu dem Anitsraum dss ReZborats fveigtzmacht und hie SLudsnttzn -t&fr. fernten sich unter Zurücklassung einer KontvolÜväche,s nachdem bekannt wurde, daß Vertreter der deutschvöNschen und der Studenten aus der'Slowakei zu einer Beratung über die Anskription zusammen gekommen seien. Tschechische Arbeiter verhindern die AnKfnbr von Getreide nach Oesterreich. ' Prag, 13. Oktober. (Tel.--5lvmp.) Wis der „Verer" erfährt/ traf gestern in Prag die Meldung ein, daßi . in Gmünd durch die Arbeiterschaft ein Zug mit. 35 Waggon Getreide, das. für Oe-sterrei'ch als Kom-;,. pensationslieferrtng bestimmt war, angehalten wurbd/ ' Die Arbeiterschaft verweigerte, trotz ergangenen Befehls, ans Prag de» Weitertransport des Zuges, welcher rwchs. immer in Gmünd znrückgchalien wird. < Der Terror an der Vndvpeftsr AnitzeWät. Budapest, 13. Oktober. (Privat.)' Auf der Universität^ herrscht unausgesetzt große Erregung. Nach, den Schiägeveien an den zwei letzten Tagen ist es heute elwaß ruhiger geworden, doch sind die Einschreibungen s i sti e r t. Die Frage ist nun, ob der Unterrichtsrninister Haller seine Drohung bevioirMchen wird, die Universität überhaupt zu sperren. Der Rektor ist dagegen und meint, ^,die Vorlefruigen können fortgesetzt werden, denn die chriMche Jugend ist npnurche so wert beruhigt, daß die Vorlesungen mW der Besuch Der Türwersttät durch die Zügellosen (!) Juden.nicht gestarr. werden". KorruPLiottsaffären in Budapest. . - Budapest, 13. Oktober. (Privat.)' Mehrere Abgeovdpetr' ' Leabstchtigen, die Frage der Zensur in Form von Interpellatiönen in der Skatiomdlversammiuag zur Sprache . zps > bringen. Ebenso wird eine Interpellation Wer die Ge- - fschäste der „Ergon" verbreitet, weiche Gesellschaft^-- .. wie.man sagt — im Besitze der Familie Eckhart ist miS' ’ welche sich nicht nur mit HeeveÄi>eferuLigen, sondern auch mit Nachrichtrridienst (Tolegraphen-Komjnignie) beschäftigt. Me. diese Dinge werden nicht nur eine gründliche Umgruppierung der Partei gur Folge haben, sondern zweifellos eine.'Re-- gierrrngskrife schaffen. Tagesbericht. Gin Asrregat. Ein als Jude geborenes Subjekt, für dessen hero« , stratische Beschniutzung des jüdischen Namens man nur . pathologische Veranlagung als Milderungsgrund gelten lassen mag, unternimmt es seit einiger Zeit, der antisemitischen Welt Material für ihre Hetze zu liefern. Herr Artur T r e b r t f ch hat vor einiger Zeit ein antisemitisches Machwerk schlimmster Sorte in Buchform erscheinen lassen, das von den gemsinsten Jnvektiven gegen das Judentum strotzt, er drängt sich in öffentliche Diskussionen, um mit antisemitisch-pöbelhasten . Schimpfreden die Berechtigung eines gewissen Antisemitismus an seiner eigenen Person zu beweisen und. ist durch diese seine schmierige Betätigung „würdig" ge- .worden, zum DLiLarbeiter des „Deutschen Volksblatt" aufzurücken, wo er die berüchtigten Geheimlehren der'' „Weisen von Zion", dieses Machwerk allertrübster Htt« kunst, vor einer andächtig lauschenden Gemeinde bmt‘ Judenfressern zu popularisieren sucht. In besorgten.' Worten malt Artur T r e b i t f ch, der neueste Retter des' deutschen Volkes, ja der gesamten Zivilisation, die fahr, welche dieser von dem Anprall des altjüdischen „Schwindelgeistes" droht, der „mit allen' aus Urväterzeiten her übernommenen Gaunereien, Schlichen und' Pfiffigkeiten im Blute" darauf aus ist, die ganze Erde zu unterjochen, und die Vergeltungsgelüste für fahr-, tansendlang erlittene — das saubere Snbjekt setzt unter' Ausrufungszeichen hinzu: wohlverdiente — Verachtung und Unterdrückung,' die von der Religion geheiligt werden in die Tat umzusetzen. Dieser Sieg des Judentums über alle Völler —r so erzählt der jüdische Schrnierfin.k seinen „Gesinnungs-' genossen" — steht unmittelbar bevor, ja, er ist geradzu schon vorhanden. Alle Völker der Erde liegen schon in den Schlingen der „zionistischen Weltchawrüsse" und es gibt keinerlei politische Aktion, die nicht wenigstens unter genauer Bewachung und Kontrolle, wenn nicht von „Organen des AionisÜschen Geheimbundes. (Freimaurern)" ausgeführt wird. Für die ganze zivilisierte Welt gibt es heute nur eine Gefahr, „die heranrückenden bolschewikischen? will sagen, Monistischen Truppen"! Und Artur Trebitsch empfindet die heilige Pflicht, die' Grösste Auswahl. ^icnu. LEOPOLD STEINHART }.. Bifcri sfj a$scTrlpnHn 4073'"VUl Billigste Bezugs^ quelle für Bureassmiisei