Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 617 (12.10.1920)
- Date
- 1920-10-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rc 617 Wien. Dtknstag Wiener Mo egenzerruus lL'HMer MS kannten ArmeefMe. wgxen die anfinnlitarjstWy MM. icmolipatcn, um den «iiper^i ParLeien zuvoxWkommcn, .jn'i’ii? axisfisch, der jüdisch,rationale ..Reaktionär" vertrat, den antt« mfitanstischen Htqu-punkt. Auch in der A-nschlußfvage mar ne Anschauung deS iüdischcn Vertreters (und den Einschlag jüdischen Verstandes kann das österreichische Parlament nanchmal doch brauchen) richtig. Das voreilige Betreten »cs Anschlusses, por dem er warnte, hat. dqs Anschlutzverbot jervorgerufen. Wir Juden sind aber auch genötigt, -eine Korrektur her Täfigteit der Sozialdemokraten im Parlancnt in der Weise yorzunehmen, dgß wir darauf beharren missen, die jüdischen Interessen durch jüdische Vertreter vertreten zu lassen. Wohl sind die Sozialdemo-!ratrn keine ' Antisemiten, Aber üns ist nicht mit Wohlvollender Passivität gedient, sondern wir brauchen 'auch interessierte Aktivität.' Die ' heutige antisemitische Strömung darf nicht leicht genommen werden. Sie ist nicht, vie die Liberalen sagen, eine Erscheinung, die bet den tjn. ^bildeten Massen zu Hause ist und durch den Fortschritt übervunden wird. Heute grassiert der Antisemitismus in seiner »estialischeften Form in der „Blüte" der deutschen Nation. Daß „ungebildete Volk" fit in diesem Punkt viel bester als >ie Gebildeten. Die llniverptätskrawalle in Wien, bei denen üe jüdische Mensa zerstört wurde, die Hetze gegen Einstein bk 1 Bestialitäten der deutschen JntelligenAhuli-ganS;egen Magnus Hirschfeld' sind deutliche - Zeugnisse: Parum ößcit wir JMschnationalen: Wir ent-iehen uns feine? frei,- seitlichen Aufgabe, aber.das Recht, uns selbst zu schützen, icmn uns niemand, nehmen. Wenn die Sozialdemokraten erklären, sie könnten keine Judenschühtruppe sein, so dürfen uns nicht verbieten, uns unsere Juden sch utzirüpps selber zu halten. Und die jüdische Wähler!- ichaft must sich wohl ansehen, wen sie sich zu ihrem Schutze vhhlt. Pqnn wild fie nicht den durch „Preßorgane" äuge- »rksenen, in weiteren Kreisen unbekannten „Vertretern" r fa Professop.Hoffmeister auf den Leim gehen, sondern mssen, welche.Vertreter sie zu ihrem Schutze braucht. Abgeordneter Stricker wurde von den Znhörerir'bejubelt. Mit einem kurzen Schlußtvort des Gemeinderates Dr. P o l l a ck schloß die nnpofante Versammlung. Wählerversammlunge« i« Horn und Krems. In Horn sprach vorgestern Herr D'. Nebenan hl vor der dortigen Iud^nichaft Wer die Notwendigkeit einer eigenen jüdischen Politik. Nach semer Rede, welche ülH-auZ.bsrfäPg Hufgeuomntm wurde, erklärte sich Herx M N n d l sen. mit den Ausführungen völlig einverstanden, bis auf den Umstand, haß unsere Partei durch ras De^irptms zum jüdischen NafioN'gDmnZ einen neyen politischen Begriff schaffe, ßer ehentMil Ler Iudenichast nachteilig fein könnte. Herr NebenzaU. klciWdie mi^vL-st5ndttchen Auffassuugeu unseres. .PpvgryiMrns. durch Herrn Mandl auf, indem er besonders dqxauf hsnwios, daß unfeve Partei niemals eigen Zwangst-. tatastek verlangt habe, sondern das frei Willi gs Peken.ntuis zur jüdischen Nqtion. Die lebhafte Wechselnde ergab, daß die Ausführungen des Herrn Aebenzahl die jüdische Bürgerschaft pon Horn völlig überzeugt haben; er ist zu erwarten, haß sih geschlysftn iür hie Liste Stricker, Anitta Müller und Genos pn stinnnen wird. ' ' Ueher das gleiche Thema sprach Herr Ns.hHnza h b in Krems vor eineln großen Kreise 'Mischer Wähler, unter denen sich auch jüdische SoztaldeyW-' h'afru befanden. Die Anwesenden, auch die <§ozialdeywkrqten, wurden von der Notwendigkeit einer eigenen jüdischen Politik überzeugt und brachten in der Debatte zum Ansdruck, daß sie den Wert des jüdischen Seihst-? schutzes gegen antisemitische Angriffe voll und ganz anerkennen. Zum Schluß erklärten alle Anwesenden, auch die anwesenden Sozialdemokraten, daß sie für die jüdisch nationale Liste stimmen werden. Die nächsten Wählerversammlungen. Heute, yß Uhr abends. Hotel Post, I., Fleisch, markt (Eingang Drachengasse 1). Referenten: Anitta Müller, Erna Palast. Heute, 1/<ß Uhr abends, Speisehalle, 17., Haidgaste 3. Referenten: .Gemeinderat Dr. Z. Ehrli ch, Dr. Kurt Rosenfeld. Heute, 7 Uhr abends, Cafö Iiigerhof, IX,, Pvrzellangaste 22. Referenten: Abgeordneter Stricher, Gemeinderat Dr. Pollack - Parnau, Doktor Schalit. . Mittwoch den 13. d.' M., VJ Uhr abends, Massenmeeting, II., Untere Augartenstraße 36. Re-, serenten: Gemeinderäte Dr. I. Ehrlich, Anitta Müller. Mittwoch den 13. d, M., y>ß Uhr abends, Restaurant Wittmaup,. IX.. Pprzellirngaste 50. Referenten: Dr. I. S ch a l i t, Dt. Georg Weiner, Armenrat Joses B e e r undEmaP at ak. Mittwoch den 18. h. M., 1(ß Uhr abends, H viel Po st, l, Fleischmarstt (Eingang Drachengaste 1). Referenten: Anitta Müller, Gemeinderat Dr. Po 1 lack Parnau, Dr.Kmt R o senseld. Mittwoch den 19. d. M.» Va8 Uhr abends, Restaurant Leopold Hahn, II.. Taborstraßr 24». Referenten: Dr. Michael Ringel, Armemat Schwertsinger. Mittwoch dm 13. d. M, tyg8 Uhr abends, CafS Kaiser Joses, N, Kaiser Iojesftraße 25. Pfund Sterling opferten die to’al verarmten 100.000 Juden Palästinas für die Errichtung des . . Dritten jüdischen Reiches ........ 10.000 Pfund das sind 10 Million«» Kronen sollen dis 300.000 Juden Oesterreichs bis Jahresende für das jüdische Palästina dem JiiiisGiien Nationalfonds für . dringende Landkäufe spenden 3£8 Ein Baustein für das Dritte jüdische Reich kostet 25.000 Kronen. — Spenden empfängt das Bureau des J. N.-F., Wien, II., Zirkusgasse 83 Referenten: Gemeinderat Dr, I. Ehrlich, Dosttor D. Friedmann. , M it.tw pch den 19. d. M., 7 Uhr abends, Restta nr/a nt Winzin g, X., Favoritenstraße.' Referenten: Anitta Müller, Dr. L. P l a f ch k e s, M i t t w o ch den 13, d., M, ys Uhr abends, C tr f 6 S ch w a r c z, XX., Mathildenplaß 11. Referenten: Abgeordneter S t r'i ck e r, Dr. Kurt Rosen seid. Mittwoch den 13. d. M., 1/28 Uhr abends, R e ft a u r a n t K o h n. XX., Heinzelmanngaste 1—3. Referenten: Abgeordneter Stricker, Dx. I. W a l dmann. M ittw och den 13. d. M., V28 Uhr abends, „Exste Hilfe", XX., PauerlegaffeL4. Referenten: Dr. Desider Fried mann, D. Rebenzahl. Jüdische Dolksbibliothek Zion, II., GSockenv.-;. gafsp 9V, Sämtliche Mitglieder des Vereines werden ersucht, heute um 7 Uhr im Vereinslokql zu einer Versammlung zu erscheinen. Tagesordnung: Die Wichtigkeit der Arbeit bei den Wahlen. Mitglieder! Erscheinen Pflicht! , Wichtig für die Wahlagitation! Die j ü d i s ch n a t i 0 n a l e H a u p t Wählleitung befindet sich:!!., Taborstrasie 20 a. * Auskunftslvkale im H. Bezirks. Cafä Weber, Obere Donaustraste 37, 6 bis 8 Uhr; Eafä Durst, Untere Augartenstraße 1a, 6 bis 8 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr; Cufs Feiß^ Große Sperlgaste 35, 6 bis 8 Uhr, Sonntag V2II bis 12 Uhr; Äesiauration Baron, Große Schiffgaste 19, 7 bis 8 Uhr; Eafö R e i f, Stephaniestraße; Cafä Jglauer, Taborstraße 49, 6 bis 7 Uhr, Sonntag 9 bis 11 Uhr; Eafö Blau, Rotensterngaffe 19» 6 bis 8 Uhr; M ü l l e x, H., Mayergaste 7/7; Praterstraße 17, 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends; Cafs Küffner, Stuwerstraße 13, 4 bis 7 Uhr; Caf6 Schwarz, 'Leopoldsgasse 25, 7 bis 8 Uhr abends. , w. Achtmlg! Zionisten «ns Ungarn! Zionisten aus Anaarn treffen sich zuverlässig Mittwoch den 13. d. M.» 8 Ahr abends im Eafö City, I.» Werdertorgaffe, behufs Besprechung dev Beteiligung, an den bevorstehenden Wahlen in den Nationalrak. Czernin als Kaudidat. , Wir haben in unserer gestrigen Nummer die Zuschrift eines Wählers aus der Inneren Stadt über die Kandidatur Czernin veröffentlicht, irr welcher dieser der Politik des ehemaligen Außenministers der einstigen Asonarchie bis zu Brest-Litpwsk Anerkennung zollt und Zugesteht. daß ein Mann wie. Czernin unserer Republik große Dienste leisten könnte, aber gleichzeitig die Ge- Heute halb 8 Uhr abends Hotel Post» i.Flelschmarbt (Eingang Drachen-. 1) Frauenversammluna rächte verzeichnet, laut denen Ezernin sine politische Ber« hindüng mit den auf einen Nsbanchekrisg hinavbMnden preußischen Gewaltpolitikern und antisemisischen^ Hakenkr'euzschwävmern erngegangm sei, - svelchsfilr > i Oesterreich und nicht zuletzt fiir die Juden katastrophal - werben könnte. . * Darauf erhalten wir von Herrn Ottokar Cz ernin-r die folgende Erwiderung, auf welche wir noch eingehend zurückkommen werden: Auf die Angriffe des Einsenders in der gestrigezr Ausgabe der „Wiener Morgenzeituns^ eri laube ich mir folgendes zu erwidern: .. . 1. Ich bin der entschiedenste Gegner eines Bistaevr. krieges und daher auch des Versuches gewaltsamer Vev? änderungen, da diese den Bürgerkrieg bringen würden^ 2. M stand weder noch stehe ich in irgendemer Ver«'' bindung mit Männern», welche angeblich rn Deutsch, and ähnliches bezwecken und in dem erwähnten Blatte als „blutrünstige antisemitische Hakenfreuzler" bezeichn. Etet werden, 3. Der Einsender verstrickt sich in einen Widerspruch» venn er meine Tätigkeit als Gesandter ht Bukarest obend hervorhebt und mir im selben Atemzugs Mist» rauen bezeigt. Ich habe in Bukarest zu einer Zeit, alsch an keine Wähler^ dachte, spontan und gegen die zrößten Widerstände den Juden die Gleichberechtigung durchgesetzt, wohl ein Beweis, daß ich jetzt nicht ander? denke als ich spreche. Telegramme. Das Abenteuer des Generals Zeligywski. Warschau. 11. OktEer. (W, P. G.)' Der Besicht der ÄrmeeksmMandanten General Sikorskr bezeichnet VorMe von Wilna als eine Milifiirifche Revolte und / verlangt genaue JnstruMnen bezüglich des > weiteren Vorgehens. Die Presse verurteilt einstimmig die hier vor,, liegende militärische Insubordination, weist aber darauf hin, daß die litanisch-meitzrnthenische Division eben aus Soldaten besteht, die in der Umgebung von Wilna und Grchno zu Hanse sind. Ueber den Einzug her Polen in Wilma meldet ein amtlicher Bericht: Um 3 Uhr standen tzre Truppen Zeligowskis zwischen Waka und Wilna, das sie nach Rieder, xingung eitzeß schchachssn Wjherstaydes litauischer Abteilungen bei Jaszuny eroberten. In Wilna zogen sie um S Uyr ein. Dort wurde General Zeligowski vom frnnzö. sischeu Gouverneur empfangen» der ihm vorschlng, Wilna als freie Stadl zn organisieren. General Zell.' gowfki lehnte diesen Vorschlag ab. Weitere DeiailS fehlen bi8 zur Stunde. Die jugoslawischitalienischen Verhandlungen. Belgrad, 11. 0!fc$er. (SüdsKrw. Prehbur.) ElüeM Beschlntz hes Ministerrates zufolge werden Mnistek der Äeußern Dr, Tpnmbie und Handeksminister Doktor jiincic sich nach San Paolo begeben, wo sie mit den'ita. lienifchen Frichensdelegierten zufammentreffen. Minister. Präsident Giolitti wird an den Verhandlungen nicht teil, nehmen, weshalb auch Ministerpräsident Dr. B es nie nichk nach San Paolo reisen wird. Die jugoslawische Friebensbelegativn stellt folgende Minimalforderungen aus: F r n m e mri Hafen kommt unter bas Protektorat des Völkerbundes. In I st r i e n bildet dle sogenannte Wilson-Linie die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien. Dalmatien wird mit allen Inseln zur Gänze Jugoslawien einverleibt. Jngoslawi,en fordert Skutrri, weil Italien das Neberemkommen betreffs Albaniens verletzt hat. G EntfchLdigung der Pagromopfev in Jerusalems JettchcktM, 8. Oktober. (Jewish Cyrr. Bur.) Dis Regierung hat begonnen, die Eirjschädigungen »n. hi-? bei den Osteransschreilnngen in Jerusalem geschädigten Familien ausANzahlen. Für Liefen- 'Zweck ,smd 26.000 Pfund bestimmt, worden. Dis Hohe her Schaden'' ersatzfummen ist von der Aipmst Commission festgefetzk und'pon der UuterfuchungsfommWon der Mgierästg für richtig befunden worden. ' , i . - . Eine ChaluzimKonserenz in Paläftiua. Jentsalem, 6. Oktober. (Jewisij Corx. Bur.) An Anwesenheit von 51 Delegierten wurde auf dem Karmel eine Chaluzimkonferenz eröffnet. Hanptgegenstand' bet Verhandlungen war zunächst die Frage-der Bereinigung der verschiedenen Arbsiterorganisati«nen. Die Vertreter der P o ale-Zio n verlangten - Jiddisch als offizielle Verhandlungssprache; als dies ah gelehnt vmche, ließen sie die Konferenz. " ' ''' Der russische Frontbericht. Moskau, 11'. Oktober. (Funkspruch.) Fwntberichj vom 10. Oktober: Bei Molodetschuo und Sluzk Aust klarungstätigkeii. In der Richtung -Sarny Kämpfe vov örtlicher Bedeutung mit wechselnde?» Erfolg. Im <$#.: biete von Nowograd-Wolynsk entwickelt sich unser Bo« marsch gegen den Fluß Slncz günstig-. Bei ProskUvs«> Geschützkampf. Bei Nows-Usch-za besetzten wir die Orbschaft Samechoje und rückten darüber hinaus vor. A» der Süd front erreichten wir eine Linie 85 Werst östlich von Stare-Konstantinow. Im Gebiet von. Wrbjrvsj schreitet unser Aingriss Aiinstig fort^ Referenten: Anitta Müller, Erna Patak