Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 617 (12.10.1920)
- Date
- 1920-10-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 4 Mm» Dienstag Die Iudenexzeffe der Armee Valachowiez. . Warfchmr, 10. Oktober. (Iewish Corr. Bur.) In fer jüngst staLtgefrlndenen Sitzung der Heereskomttifsi.on im polnischen Sejm wies der jüdische De-» stierte Grün b äum aus die Verfolgungen und GevalttätigkeitLn, die sich das im polnischen Heevssver- Lande fechtende russische Frcüvilligenkorps desGenerals Zalachotvicz gegen die Juden zuschulden konnneu läßt. Abgeordnete? Grünbaum Zählt eine Reihe von Ex-- ressen auf, denen bisher einige h u n d er t Menschen zum Opfer fielen, und richtete an den Kriegsrrtnister die Anfrage, was er zu nuternehnren beab- -Lchtrge, um die jüdische Bevölkerung im Operationsgebiet der 'Armee Balachotviez zu schützen. . wieder ein zionistisches Lagdlatt in Polen eingestellt. Warschwir, 5. Oktober. (Tel. der ,Miener Morgensoitung", verspätet eingelangt.) Das zionistische Tagilatt „Der Tag" wurde „zum Schutze der öffentlichen Ordnung und wegen Aufhetzung eines Teiles .der jüdischen Bevölkerung gegen.den anderen" vom Warschauer Regierungkommissariat eingestellt und die Rrdak- 'ion behördlich gesperrt. Auch die Druckerei, wo Zeitung hergestrllt wurde, bekam amtliche Siegel. Lieber Inter ventton des. Abgeordneten Grün bäum wurde die Druckerei am nächsten Tage geöffnet. Statt r-es. „Tag" erscheint jetzt das TagblatL „Unser Hajnt". (Da die Artikel, derentwegen die Einstellung erfolgte, zum Teil gegen die orthodoxe Zeitung „Der Zude" gerichtet waren, liegt die Schlußfolgerung nahe, )aß diesmal die behördlichen Repressalien durch di» rrthodvxen Juden hervorgerufen wurden. Anm. der M.) Das Zweikammevsystem in Pole». Warschau, 10. Oktober. (Poln. Stimmen.) In der setzten Sitzung des Sejm wurde die Diskussion über?>en Berfassungsentwurf fortgesetzt. Der Vorschlag, be- 'reffs Bildung einer zweiten Kammer (Senat) stieß -auf den allerheftigsten Widerspruch der Linksparteien. Aus pen Aeußerungen der nreisten Redner der Linken' geht hervor, daß diese mehr gegen ein Vorurteil als gegen die Sache kämpfen würden. Die Redner erklärten vielfach, zwei Kammern seien undemokratisch und überholt, ohne dies weiter zu motivieren. Italienische Sozialisten gegen Moskau. Reggio <neU* Emil -a. 10. Oktober. (Stefani.) .An der Tagung der sozialistischen Konzentration nehmen über 800 Delegierte teil, darunter 25 Abgeordnete. Der Vorsitz nde, Bürgermeister von Mailand, legte die Zille der Tagung dar. Turati betonte, die nach ss^lßland entsandten Delegierten hätten kein Mandat gehabt, die Partei auf die Moskauer Bedingungen - zu verpflichten. Der Bolschewismus, sagte Redner, ist ein Irrtum und eine Gefahr, selbst wenn er in Rußland experimentiert. Wir müssen die Wahrheit sagen und den wahren Sozialismus verkünden. - Der Sekre är des Alle'tsverbandes Daragona, der aus Rußland zurückgekehrt ist, griff die Parteileitung an, indem er sie beschuldigte, das Proletariat zug'unde zu richten, denn eine Revolution in Italien wäre eine Katastrophe für die Arbeiterklasse, die verhru.gcrn und ohne Arbeit dastehen würde. Balde si erklärt, man müsse den Moskauer Bedingungen da) wahre sozialistische Programm entgegensetzt. Blutige Vorfälle bei einer slowakische» Wählern erfammlung. Tote und Verletzte. Preßbrrrg. '11. Oktober. Gestern kam es in Rameszte im Arvaer Komitat zu ein.'m, bedauerlichen Zwischen all. In einer öf'entlichm Versammlung der Volks',-arte i sprachen Abg. Hlinka und Senator' Klim ko. Beide sprachen gegen die Tschechen und gegen die Lehrerschaft. Einige Soldaien, die nicht weit von ihnen standen, protestierten dagegen. Mg. Doktor Labav rief ihnen zu: Schweigt, Rakusaci (Oesterreich :r)! Die unbewaffne'.en Soldaten wurden gleich da "auf von der Volksmenge überfallen und mit Handbeilen mißhandelt. Sieben S-ba'en wurden verwundet, darunter zwei tödlich. Die herbeigeru'ewe, von ein"m Offizier ge.ühr e Militärpairoui le gab Wamungsschüsse in die Luft ab. Das. Publikum wollte sich eben zerstreuen, e) kam jedoch zu einer neuen Ansammlung, als dis Militärpatrouille einen neuerlich a^^ea lenen Solda'en befreien wollte. Se war gezwungen, wiederum in die Luft zu schießen. Zwei "erfönen aus dem Publikum wurden durch Rev olverfchüsse getötet. Da feftgestültt wurde, daß die Patrouille nicht in die Mengte geschossen hat, wird untersucht, durch wen die Schüsse in das Publikum' abgegeben wurden. Das Land der Stockprügel. Budapest. 11. Oktober. Den Blättern zufolge fand gestern eine Konferenz der Staatsanwaltschaft statt, in welcher Oberstaatsanwalt Vary mittellte, daß bei Bestrafung von nach dem 29. September begangenen Verbrechen die.Stockstrafe zu . beantragen sei, und zwar gegen Diebe. Hehler, Wucherer und Poeistrrlbrr sowiegegen alle diejenigen, welche unter Vorschützung eines amtlichen oder mllitürischen Charakters einen Betrug oder Raub v i^Uv-u., Wiener Morgenzeitnng HS Oktober ISA Me. 617" Mitteilungen aus dem Publikum. RILLANf 6N, Perlen, Gold, Silber, Platinu/Uhren kauft und verkauft 77« ETTER Rotentnmstr. SS, Stariahilferatr. 98 Erstklassige Preise für B r 111 a n I e n, Perlen, Juwe<en etc. I. Maximilian, rahlt nur Strasse Nr. S Teteption 53« I, vi3-ä*vis der Oper, Kärntnerstraste N., 6teph£«t08tras«e 3, nur Kr. 3 im «Igsiiso Haute — Telephon Kr. 45! 46 Samstag gesoMoesen I^S B RILLANTEN, Perlen, Platin. Uhren, Gold, Silber und iuwelon (auch versetzt) kauft Juwelier FORST \t Rlsenirstse Sarost&g pesohlosjen SMO Telephon 20787 10 Parterre, Tür 19 Tel. 104)96 S 0 H I C K 4 0 o. S.m.d. H., 1. Kohimarkt 3, Mezzanin Konkurrenzlos! Konkurrenzlos! Neu eröffnet! A. 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Tagesbericht, Der rettende Feind. Unter" dm vielen Wahlplakaten, die sich dem Auge des^Straßenpassanten aufdrängen, befindet sich auch ein ziemlich' unscheinbares mit dem klassischen Text: „Wählet die Liste der nationalsozialistischen Partes 8ie (!i) Bekämpserin des Ostjudentums!" Deutsche. Grammatik war nie die Stärke, der Deutschnationalen und so ist baS hier gebofette Arrnststück, einen Text von elf Worten durch einen groben Sprachschnitzer zu „beleben", nur im Sinne alter, „heil"-iger Traditionen. .Was ist aber von den. sonstigen „Belangen" übriggeblieben, von denen das deutschnationale Programm dereinst wimmelte? .Ist daS deutsche Kreisgericht in Trauten au errichtet und - die vielzitierte ' slawische Gefahr für das Deutschtum , endgültig überwunden? Der Einwanb, das; dies» Fragen gegenwärtig erst jenseits der österreichischen Grenzpfähle akut sind, kann angesichts der Tatsache nicht anerkannt werden, baß alle die heiligen George, die dereinst gegen den slawischen Drachen aüszogen, auch jetzt stoch'innerhalb^ der österreichischen Grenzen ihre Zelte aufgefchlagen habe«, waS aber zum großen Verdrusse des Wohnungsamtes nur bildlich, gemeint. ist. Männer, welche jahrzehntelang, die . Mgeordneten-. Mandate von Trautenan, Asch, Znaim und anderen fudetendeutsche» Städten besaßen, haben die ihnen vön ihren damaligen Wählern bezeugte Treue sehr schlecht vergolten, indem sie sie gerade in dem Moment wirklicher Gefahr für ihre Muttersprache und nationale Kultur verließen. Herr Karl Hermann Wolf sitzt ruhig an der schönen blauen Donau und hat feine kampflustige Feder gegen angemessene Entschädigung aus der Hand gelegt, sich still des Glückes freuend, daß. sein Schweigen von. feinen eigenen Parteifreunde^ höher geschätzt wird als sein Reden: Der „edle" StranSky bereichert .Wahlaufrufe der Wiener Großdeutschen mit seiner werten Unterschrift, statt .sich um die geistige und leibliche Not fünes alten StcmrmWrj^s. Asch zu küchrstern, vvn ll>er die Zeitungen von Zeit zu Zeit so Schreckliches melden. Herr Teufel, der Gurkenfachmrnn, sucht die Sauregurkenzsit vom Inseratenteil deutschösterceichischer Blätter aus geistig zu würzeir. Tr. Wichtl, einstmals, ebenfalls ein Wortführer Deutschböhmens, gastiert.jetzt beim Wiener „BolkSfturm", mit Herrn Drei/ zusammen das .glücklichliebende Paar kari> kariend,.das bekanntlich Raum hat in der kleinsten Hütte . . . Wv sind die himmelstürmenben Pläne von einst? Ist wirklich der . Furor Deutonicus so ganz verraucht, , seitdem er sich nicht mehr ungestraft im Schuhe der Henker austoben darf? Nein! Gottlob, das kleine Pia-kat der National-' sozialisten wirkt in dieser' Beziehung sehr beruhigend. Noch wallt wohlig wUd wogendes Blut in reinrassigen Necken. Man harf nur rricht so dumm fein,' den in FrisdenSzeiterr qanr, rentabel geiweftnsn Kampf gegen solche Feirtde fortzuführen, die inzwischen ihre Fechterposition bedeutend verlX'sserr« uwd s),-:.rr 'l^gr^ssiv ivr-rden komi-tet». Wozu 'denn auch? ES gibt ja gottlob noch Gegner, die auch heute nicht gurückschlagen kSnnrn. ES lebe das L-ftjudentmn! Das. heißt aus der geschästlicheu Kalkulation in die pokittschs Phraseologie übertragen: Man schlage eS tot!. Den« matt, kann als „nationale" und „soziale" Partei ganz gut auS» schließlich davon kebtn . . , 1 Dr. H'. Sp- Audienz Sokoloivs beim Präsidenten Milleranb. i Paris, 10. Oktober. (Jewish Corr. Bvr.) Prasi^ dent Millerand hat den Vorsitzenden der jüdischen; Delegationen, Nahum So ko low, in längerer. Audienz empfangen. Präsident Millerand hatte mit Herrn Sokolow eine eingehende Besprechung über' z i o n i st i s ch e und allgemein jüdische Frag«?/ Bausteine für das Dritte jüdische Reich. Den fünfundzwanzigsten Baustein für dass Dritte'Mische Reich zeichnete dev Großgrundbesitzer Nve S.o k o l o w j ki, Wien, S.. Bezirk, Meynertgasse 6, aus seinen Nainen und den seiner Frau Klara. Herr Sokolowski ist ein^ alter Zionist, der bereits unter den Chowewej Zion eine führetlde Stelle hatte und Delegierter am Charkowerf Kongreß war. i j Dtt sechs u nb z w an zig ste B au stein wurde von' .Herrn Wold Engelberg, Wien, 3. Bezirk, Obere Donaustraße 91, durch Vermittlung des Herrn Israel V e r l st e i n gezeichnet. Damit hat die Aktion des Herrn Perlstrin die neunte Bausteinzeichnung erbracht. I . DÄr siebenundzwanzigsten Baustein spendettz Herr M. Ro ha tyu, Bankier, 1. Bezirk, Maria Theresien^ straßr. '. '] Djche 27 Bausteinzeichnungen haben in weniger wir,' fünf Wochen 646.000 Kronen dem Jüdischen National-.' forrds für Lanbkänse in Palästina zur Verfügung gestellt'.' So gering auch diese Summe, in AEtracht-der ungeheuren^ Summeir ist, die wir in Palästina brauchen, so bedeutend! ist sie, wenn man bedenkt, daß im ganzeff Jahve 1919 auS- Oesterreich weniger als zwei Drittel dessen einliesen, was durch die Bausteinaktion allein, in. einem Monat ge^ sammelt^ wurde. __; 1 Der evlogene Selbstmord des Adolf Landau. Budapest, 11. Oktober. Die Lokalkorrespondenz Magyav Hrrado meldet: Im Zusamimnhrmg mit dem in dev vorigst Woche erfolgten Ableben Pes Weinhäudlers Adolf Lanbaü waren. die, verschiedensten Gerüchte verbreitet. Landau war nämlich in eine SträfcntgÄegenheit verwickelt und von best Behörden in Präventivhaft.genommen worden. Slls er starb, gab seine Familie dem Verdacht Ausdruck, daß er keines natürlichenTodes 'gestorben sei. Der Untersuchungs^' richter ordnete, deshalb über Antrag der Staatsanwaltschaft, die Obduktion der Leiche zur Feststellung dev Todesursache! an. Bei der Obduktion wurde an der Leiche keinerlei Spureiner nüßeren' GrtolütantvendMg. wahrgenvnnnen und .fest- ^gestellt^' dirß der 'Tod durch Selbstmord infolge..ErhenkenSfeingetvet«: ist.' . , ■; , ' Die Unverschämtheit, mit wÄchex /die. Horthy-Kvrrle^' spondens den gewaltsamen Tod des Adolf Landau atö. einen Selbstmord hinzusthllen versucht, wird nach all den Erfahrmigen, welche bisher mit ‘ solchen Obduktionsbefunden! bei best Opfepn. dex Hejjas- und Pronah-Banden..gemacht: wurden,- auf keinen vernünftigen Wuschen mehr eitzp andere Wirkung'als diejenige des Abscheus üben köimen. Man weiß, es v'dn"srühereir Fällen her, baß es heute in Ungarn Leinen' Arzt gibt, der —- wenn ihm sein eigenes Leben teuer ist -~ eö wagen würbe, wirklich den Befund auSznstellen, der auch! tatsächlich vorliegt. Setzen doch sogar die nächsten Ver-; wandten von Errnordeten ihr Lebst: attfs Spiel, wenn sie 'bei eitzer komödienhaften Einverirahme nicht ein Protokoll unterschreiben, das -ihnen vovgelegt 'wird. Erst wenn es einem solchen Berwmckrten gelingt, aus Ungarn zu ent-, kommen, erfährt dis Außenwelt von den: wahrheitsgetreuen Hergang der Ermordung irgendeines unschuldig gen O'pfers des Weißen Terrors. Die Bluttat in der Billa Schoer. Aus Weimar wird berichtet: Zur Mordtat in des Billa Scheer wird, :wch berichtet, daß Frau Scheep bereits auf dem Transport stach dem Krankenhaus ihren; Verletzungen erlegen ist. Die Tochter deS Admirals hofft ' man/ trotz ihrer schtvercn BeÄetzrnrgen am Leben erhalte^ zu könnein Nach den Ergebnis sei: der Untersuchung schein^ nunmehr festzustehen, daß der Mörder . Büchner ursprünglich doch eüien'Riakriv geplant hatte. Büchner, der sich durch eine Erschütterung im Kriege ein-schtvereS Nervenleiden zugezögen hatte, war vollkommen mittellos und ist wahrscheinlich dadurch »zum Diebstahl 'veranlaßt worden.' Er hatte sich in den Kstlerraum eingeschlichen! und'.war dort auf das Dienstmädchen . gestoßen,, das er nieberschoß. Ms Frau Scheer, der das Ausbleiben des Dienstmädchens aussiel,. sich ebenfalls in den Keller begab, wurde sie von dem Einbrecher gleichfalls niedergeschossen; ebenso erging er der Tochter, als diese' nach ihrer Mütter sehen wollte. Bvr kurzem hatte sich Büchner den Syndikalisten tun* geschlossen, wodurch vielfach hie Vermutung aüfgetirücht ist, es. könnte sich um eür politisches Verbrechen handeln. Diese Auffassung wird fchoch von der Polizei nicht geteilt. * Die zweite ordentliche Reichsko«fe«nz deS Mifchei NattsnalfiLnds für Ocstrrveich. Im Anschluß an dm zionisti schen Parteitag, der am 91. d. M. und 1. Novrmba stattfinden . wird, wird in besonders feierlicher Form di zweite, ordentliche Reichskonferenz des Jüdischen National fonds für Oesterreich stattsinden. Dieser Konferenz wird bi Beschlußfassung über das Budget des nächsten Jahre- und eingehende Kritik der Arbeiten sowohl der österreicht scheu -Zentrale alö auch drS HmchibureauS des Jüdischei NationalsondS im Haag und dessen Kolonisationsarbeiicn h Palästina ztrstehen. Die.^rrferenz wird in breiter Oesstutlichke! nbtvlchlten w-echey ün'o.es werbe« diesmal auch, eine An;ah 2768591^7948