Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 615 (10.10.1920)
- Date
- 1920-10-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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,, Gerte 4 ^Men, SWta-_ poTIt*« ihn begleiten, aber der Vater ließ es nicht zu »nd meinte begütigend: „Sorgt euch nicht. Kinder. Bott, der mir bisher geholfen hat, wird mir auch weiter veistehe« Geht nirgends hin, bittet niemanden meinetjtvegen. Gott mit euch!" Und er ging. Das Maren feine letzten Worte, bas andere haben die Mörder besorgt. Meine Geschwister, Böses ahnend, fuhren sofort dem Wagen nach, nach Nyiregshaza,rannten zum Gericht, wo ihnen eben der Staatsanwalt entgegenkam, der über das Gehörte außerordentlich erstaunt war.' Er erklärte, von nichts zu wirsen, es sei gegen den Alten nicht einmal eine Klage überreicht worden.. So der Staatsanwalt. Meine Geschwister liefen dann in Begleitung beZ Staatsanwaltes von einer Stelle Zur anderen, Verwandte, gute Freunde und Bekannte rannten : :m Kaie ne zu Kaserne, von einem Gendarmerieposten imin die Aemter und zu, den Gerichten, bis % ihn endlich im Gerichtshof vorfanden ~ tot, das Gesicht m'.t seinem Hute bedeckt. ' Meine zwei Vettern, Dr. Ernst Lefkowih, Advokat, und Amrar Schalter, Kaufmann, wollten den Hut vom Gesichte n'hmen, um die Leiche zu besichtigen, wurden idoch von zwei Soldaten mit dem Säbel abgewchrt: ..Erboten!" Meine Mutter und meine Geschwister weinte«, baten, schlugen Lärm, bis ihnen endlich geftüH:!: wurde, den Toten zu sehen. Und da sahen sie Furchtbare, Schreckliche und Grauenhafte, wie sie sagen, das Unbeschreibliche, woran sie nicht zu denken vermögen. Daß solche Bestien noch in der Welt unter Menschen leben können! Er war ein alter, gebrochener, kränklicher Mann von 68 Jahren, .hund.rtprozent'ger Magyare, der nicht einmal übers Herz brachte, ein Kind zu beleidigen, weder im Hause n ch im Amte, der in seiner Bescheidenheit so weit ging, daß man vor ihm nicht einmal den Hut lüften durfte, der niemals politisiere, ausgenommen in jenem Fall vor 26 Jahren, als er dem aus Amerika heimgekehrten Bela Mezössy, von dem auch Ihr Blatt erwähnt. z« einem Mandat für die Kossuth-Partei v'rhalf. Un>er Vater war ein frommer, aufrichtiger, religiöser Mann, der in feittor freien Zeit sich am liebsten mit den Psalmen und mit seiner Geige beschäftigte. Landsleute! Meine lieben ungarischen Kornpatnotcn!' 45 Jahre lasten auf meinen Schultern. In meinem. Leben habe ich mich noch mit niemandem gelchlagen und auch jetzt kann ich vor Erregung und Erbitterung kaum die Feder führen. Aber d-.'mwch fühle ich mich stark genug/auch selbst mit Euch zur Waffe zu greifen und jmit Euch' zusammen zu kämpfen, „um das Böse und Gemeine ans meinem Geburtslands auszurotten. Warten wir nicht lauge, denn dann wird es zu spät. Ich werde 'auch dafür sorgen, daß man auch hier im Washingtoner Weiße« Haus erfahre — wenn es dort wirklich noch nicht bekannt sein sollte — was in jenem blutigen Lande vorgcht, wo das Leben des Menschen keinen Augenblick sicher ist. * Auf, also, Landsleute, zum Kampf! Tut etwas! Zeiget doch der Weit, daß es auch noch wahre Magyaren tzibt kmnd daß nicht ganz Ungarn aus lauter Räuberbanden besteht! Organisieren wir uns! Schlägen wir Lärm! Zeigen wir doch der Welt, daß wir alles sehen und von allem Kenntnis haben, daß man vor uns n'chts verbergen und nichts vertuschen kann. Dieses ist mein Wunsch, meine Bitte.. Mit vorzüglicher Hochachtung Josef I. Halt mann." schuidigung, daß er das Ganze nicht nach der Ursprache komponiert, sondern nach einer französischen Uebersehung der -Usbertragnng ins Italienische. Auf diesem komplizierten Wege mögen die unübersetzbaren Banalitäten des Originals glücklicherweise verloren gegangen sein. Wie finden wir nun unseren Puccini der „ToSca", »Butterfly" und „Boheme* wieder? Ec hat sich mit Haut und Haaren dem Dreivierteltakt verschrieben. Freilich nicht 'dem lebhaft pulsierenden Rhythmus der Äraußschen Tänze, sondern einem Wrenertum aus zweiter Hand, dem franzoiflsierenden, getragenen Lehar-Walzer. Wir erleben einen seit- .samen Kreislauf. Der Komponist, dem die neuere Operette alles. Opernmäßige abgcguckt hat, ist zu seinen eigenen Jüngern m die Sclsule gegangen. Das Tempo dl Dalse beherrscht die Höhepunkte der Handlung, woraus man ersehen mag, daß Puccini die ethisch leicht zu nehmMden Konflikte dieses Stoffes auch seinerseits nicht schwer empfunden hat. Was die ^Erfindung dieser Walzer anlangt, so kann man ruhig sagen, -daß wir weitaus bessere der sentimentalen wie der tanz-! mäßigen Gattung in Fülle besitzen. Aber die Art, wie Puccini diese Melodien einführt, wie er sie aufblühen laßt und den Dialog zart damit verwebt, zeigt den Meister seiner ''Kunst in jedem Takt. Auch in den sonstigen geschlosseneren > Abschnitten überwiegt eine Rhythmik von seltener Simplizität. -Ihr entspricht eine ebenso leicht eingängliche harmonische 'Grundlage, wobei die «Puccini-Ouinten" nur gelegentlich .koloristische Verwendung finden. Das Andantinolied Pruniers > ist dafür typisches Beispiel. Im ersten Akk wirkt. Wohl am Erfrischendsten die Ducttszcne Lisettc-Prunier, obwohl ihr nur eitle halbe Melodie zugrunde liegt, durch ganz exquisite Behandlung des Dialogs. Aeußcrsi lebendig seht der zweite Akt > ein, mit einem Massentr»nben, wie im Mittelakt der Boheme.! Hier funkelt der kostbare Glanz des Pllccinischen Orchesters j in voller Pracht. Das Lied Rogers von den „Mädchen von! Hzrsümba»" siH iug Gedächtnis, wohin es vom Wiener Morge«zerrmis Mitltiliingcn ans dem Publikum. Staft Jpder besonderen Anzeige. Rerrä Schemnn Wien II. Verlobte Hm «MAg Wien IX Wien, im Oktober 1020. »ni Möbel n. Innen- J.SPIRft ’n grösster Auswahl. Nur gediegene Q(l., Sl8ll8!!S!fifnj)i 1 D. 2 619 Erzeugnisse. (Ecke Karl Schweighofergasse). M ‘Ttfeiiäftwi Vl.m&IAHllFERSTRASSEm Grösstes, hostsortfertes Lager Wiens in Tet*t>ich«ö| Docken. Vorhängen, Ueher würlen, Laufteppichen, Störes, Doppeldecken otc. Billigste j-’reise. 8540 B BILL6INTEN, Perlen, Qotfi.Sllbar,Platin u,Uhren kauft and rerksa ft 77« ETTESF8 Botentiwms'r. 23, ÄI&rlaMlferstr. 5 8 ErsihEassigs PpsiEs^ Brlllankn. Perlen. ftKftf. IIMLEH Telephon 854 <, vis-ä*vl8 der Oper, Kärntnerstrasro II., Stephaniastraste 3, nur Kr. 3 in eigenen Hause — Telephon Kr. 45-48 Samstag pesoWotsen , g.y BRILLANTEN, Perlen, Platin. Uhreo, 6o!4^ffl| d&fc. 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Dazu die zarten Finten sentimentaler Ecinnerungskolöristik, wie' sie Puccini liebt. Den Sängern ist alles zu Dank geschrieben. Die vier Hauptstimrnen finden Gelegenheit, all ihr Können in warmer, gefühlsceicher Melodik zu exponieren und besonders den Glanz der hohen Stimmregionen aufsverführerischeste zu entfaltsn. Taten sie es auch? Mit der Wiener Besetzung konnte Puccini wohl zufrieden; sein. Michele Fleta gab ein-rn Provinzler cmnme il saut mit bestrickend schönen Schwell, tönen. Frau D e b i c k a, zu Starehren vorgerückt, sang mit ihrem Partner italienisch uttd schien ihm so manchen Stagione. effekt abgelauscht zu haben. Mit vorgefchriebener Munterkeit und auffallender Leichtigkeit der Höhe stattete Frl. Wagschal die dralle Lisette aus und fand in Herrn Hagen (Prunier) einen Partner von wdhllaütenden Barltonmitteln. Herr MarkowSky verkörperte mit Anstand das Unsympathische eines reichen Mannes. Ob Kapellmeister S t e r m i ch nicht manches in Tempo und Dynamik vergriff, darüber wäre der' Komponist zu befragen. Die ausgeprägte Scritimeniälität der Melodik schien nicht immer gewahrt. Das Publikum feierte Puccini wehr als sein Werk. DaS war der geeignetste Ausweg in diesem Falle. Denn so sehr es auch die teuren Züge eines großen Meisters tragt, seinen unsterblichen Schöpfungrn ist es keinesfalls zuzurechnen.' ' Dr. Konrad M o r i l. 10 Ottos« 1920 rJlt eis; Ein netter Mord im ^chrrfMchen"Un-arn. „Becs! Magyar ttjfarj" berichtet liber einen neuen Fall von Bestialität im „chrisilichen" HorthyNlngarnt Der Budäpester Weirigroßhändler Adolf Landau schickte einige Agenten nach Kecskemet und ist: die Umgebung, um größere Mengen Wnn znsammenzn., kaufen. Der Vater des bekannten Mordbnben H e j j a K wollte auch den Wein der diesjährigen Weinlöse, abex zu einem bedeutend billigeren Preis, erstehen. Er ließ nun^ einfach durch die ihm befreundeten Offiziere dfe Agenten des Landau a u s r a u b e n, v e r str ü g e.l n und schickte sie nach, Budapest zurück. Als Landau dre . Anzeige erstattete.. Ließen die Ofiiziere des BronaD Detachements Landau verhaften und ihn in,die Kaserne von Kelenföld überführen. Dort wurde er , tagtäglich Torturen unterworfen und genötigt, , feiner. Familie zu berichten, daß er gegen Bezahlung von^ zweieinhalb Millionen Kronen in F r e i h e i 1 g eHe tz t/. prsAd eM^Mö tzry t e. LSeine Familie, obwohl sehr vermögend,' verfügte jedoch momentan nicht über diese Summen nnd nachdem daS Geld nicht erlegt wurde, dauerte die Mißhandlung des Landau weiter fort. Die Familie wendete sich an Abgeordneten Nuppert, welcher, als er beim Justiz« minister intervenierte, von diesem die folgende Antwort erhielt: „Das sind alltägliche Dinge, ich kann überhaupt keine Abhilfe schaffen? Alle Bemühungen waren vergeblich, bis-eines Tages gemeldet wurde- Hatz Landau in dem Gefängnis der Kelenfölder Kaserne einen Selbstmord begangen hat. Daran ist kein Hoxt wahr; der Kaufmann wurde so lange geschlagen' u n d mißhandelt, bis er den entsetzlichen Beschädigungen und Wunden erlegen ist. Sein^ einundzwanzigjähriger Sohn, der im Ausland studierte, fuhr auf die Nachricht der Verhaflung seines Vaters nach Budapest und besuchte ihn, wurde aber, als er das Gefängnis nach dem Besuch verlassen wollte, unter dem Vorwand, daß er die.natianale Armee des chi mp f t Hab e, v erha ft et und mit seinem^ Vater in dieselbe Zelle emgesverrt. Er mutzte die Mißhandlung und schließlich die Ermordung seines Vaters ^m it an sehen'und befindet sich derzeit in einem anderen Gefängnis. Ein Freund des ermordeten Landau, ein amerikanischer Staatsbürger, der vor zehn Monaten ans New- Bork.zurückgekehrL ist,- hat sich von der Wahrbeit dieser Darstellung überzeugt und bemühtsich,-irr.-Wien ditzverschieöenen E n t e n t e m i s s i o n e n, vor allem -die amerikanische diplomatische Vertretung, zu einem Eingreifen zuannsten des Sohnes des Landau zu be7 wegen und seine Freisetzung sowie die Bestrafungder dem Namen nach bekannten Offiziere dnrchznfetzen. . Als Lau darr fern Solm im Gefängnis besuchte, wurde er verhaftet und genötigt, die Mißhandlnng und Ermordung des eigenen Vaters mit e i g e' ne n Augen a n z n s e h e n, und er sitzt noch heute im Gefängnis. Die Wiener Ententemissionen sind im Besitz des gesamten Aktemnaterials. Nun bleibt abzuloartm, was sie unternehmen werden nnd ob spe^.i-ll der französische Gesandte in Budapest auch diese Schandtat des magyarischen „Christentums" decken wird. Eine Zolnt-Konferen? in Parks. Abba« der Htlfstätigüeitr — Beginn der bonstrukttve» Arbeit. In Paris haben in den letzten Tagen unter Borsitz des Generaldirektors des Joint für Europa, Dr. Julius Goldman, Beratungen der leitenden FnnktionSre siastge'unden, an welchen teifnahmen die Direktoren für Polen Boris Bogen, für Rußland F"ank M. Rosenblatt, für die Tichecho-Slowakei nnd Oesterre'ch Leon Wechsler, ferner Fräulein Hetty Goldman, die über Rumänien berichtete, und Herr James Bäcker, der über Litauen und Lettland refer!e»te. Den Besprechungen wohnte auch der Präsident de? Jeint Herr Felix R. Warburg chei. Die Konfer-enz zog d'.e allgemeinen, allen Ländern gemeinsamen Fragen des Flüchtlingswesens und der Dervolsständigung der Organisation des Joint in Beratung. Im Laufe der Besprechung trat zutage, baß der polnisch-russische Krieg die jüdischen Massen im Osten neue d!ngZ iit Bewegung gesetzt hat. Die Austraude.u.'.g le'ls nach Ame.ila, tei's nach Palästina ha! wieder ^wße Dimensionen anfjeivommen unb an die vhnsischcn und materiellen Kräfte des Joint neuerdings starke Ansprüche gestellt. Die Konferenz mußt« o,''^er der notifendiLen ersten Hils« auch die Heimbeförderung der Flüchtlinge, km. geeigneten Au^nblick und die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten für sie erwägen. y Der Joint steht auf dem Standpunkt, daß et die Hilfsarbeit nur in dem unbedingt nötigsten Ausma^e fortführen kann. Es mutz an den. Abbau des HilfSwerkeS und an die Durchführung der konstruktiven Tätigkeit geschritten werden. Demgemäß muß der Joint die Bcrussumschlchlung nnd V.wilfs- Umschulung, die Angesegcnh.'i en der sauiläcen Hilst und der Versorgung der Maisenkiiid-'r in Angriff nehmen. H ebet muß er an den Grundlinien, wie sst sich im Lau fe einer sechs'äh eigen so noltzn Tätigkeit he ansg.elil'et ha^en, sestlialten und di.' in dieser Zeij gewonnene'.! p'.'algscheu Er-a'rungen venverreu. Die anö den einzelnen Läu^e.'n v^r^iegengen Bö richle, welche durch die münd ich.'n Anssützrunge» bei Di.ekloren ergänzt wurden, ga-'Ln ein Biü