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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-09 · Heft 614 (9.10.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 614 (9.10.1920)
Date
1920-10-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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~ Sette 2 Wien. Tomstag w»* ■ * ■>■<>■*»■>*«■"■■■«.-....- ■ .' ■ «■■■■-■— Uvage einverstanden erklärt hat, und diese Verständigung dürfte auch dazu geführt Huben, daß die Kluft -wischen den Katholiken und Protestanten in Ungarn eine immer größere und immer sichtbarere wird. Die Jude»-stehen auch in t^iefon sorgenschweren Aetten ohne Führung da.. Die Assimilanten haben jetzt nichts Dringenderes zu tun. als Paul Sandor für seine ungualiftzterbaren Aeußsrunge» über den Zionismus und jüdischen Nationalismus ostentativ zn ehre» un& zum Anhenken an diese rühmlose, herostratische Tat im „Egyenlöseg" für einen Paul Sandor« Fonds zu sammeln. Vergehens werden ihre Anbiede« »nngen mi< Sch'mps VNd Hohn zurückgewiesen. Wirkungslos bleibt es, daß selbst die' gestern noch liberal schillernden magyarischen Politiker ihre Anschauung über bas Judentum und die Judenfrage revidiert haben. Sie bleiben sich immer treu und üben nach wie vor Treulosigkeit am gesamten Judentum. Was. muß noch über f;e kommen, Haß sie endlich auf den richtigen Weg gebracht werden! Die getauften Großkapitalisten lasse'» sich durch solch kleinl che Tinge in ihrem Pergnügtzst nicht stüreg. Sie und ihr Geld, sie und ihre Millionenfinde» den Weg zur tzexkWchre» ungarischen WstokrlM. die ja nur den kleinen gelb- und jchutzwsen Juden verfolgt. So berichtet dio ungarische lgtzitalistische Presse yon einem „glänzenden Gesell,chaftsbild". zu welchem die Jnflerstsiotek Pfarrkirche vor e'njgen Tagen den Rahmen Hot, Jn.di-ejak Kirche HHM »griftich der Artillerieoherlöutngflt d. P. Par SN Georg v. Ulkmann, Sohn hes Maguatenhgüsmitgli-edeK Baron Adolf v. Ullmann, Fräulein Elisabeth v. Oetl-Palffy zum Traualtar. Daß die FestgW? aus den vornehmsten Kreisen jüdischer F'.nanciexs und adeliger Geldnehmer bestanden, ist selbstverständlich, Dieser Paron Mlmann ist einer her zweihundert, hie in den ersten Schreckenstagrn des Wißen Terrors sich mit einigen Millionen von den -Kastrierungen und vom Judentum. los kauften. Er gehört zu.denen,>hie von Seiner Eminenz Mm Fürst--' Primas Cjernoch die Taufe und den Tauspaß als UkKristen erhalten hahen. Es war e'n Glück für ihn, Mm sonst hätte ex Fräulein Elisabeth tz. O:tl-Palssy nicht in der JnnexstLSLex Pfarrkirche heiraten können. VoLitischb^Mdschm. Wdeyhetze itt Prag- ' Der nationalistisch-cmLisgmitischen Hetze in Böhmen hat .die Radikalisierung der Sozialdemokratie und das Hsrvortreten' der Kommunisten das Signal zu erhöhter Tätigkeit gegeben. Dis agrarischen und ihre geMnimgs» berlvandten Blätter gefallen sich seit einiger Zeit in einer TMgxt, M shggx m verhvlljW Pogromdrohnngen aus' klingt und kn einer der letzten Sitzungen des Prager (Nemetndekollegkums hielt der nationaldemokratische Stadtverordnete Dr. Duschek eine Brandrede gegen die fremden Juden in Prag, wozu er natürlich, wie es überall geschieht, die Wohnungsnot als Deckmantel benützte, In einer Anfrage an den Bürgermeister Tr. V a x a wies Tuschek darauf hin, daß sich unter den vielen Aus» lanhern in Prag insbesondere polnische, ungarische, russische und türkische Inden befinden, welche die Stadt zn einem Tummelplatz bolschewikischer Umtriebe machen. Im sozialdemokratischen Volkshause würden ihnen Zerti» fikaie ausgestellt, mit denen sie gewissermaßen das Asyl» recht in Prag erhielten. Man dürfe nicht dulden, daß jüdische Slndenten ans Polen und Ungarn in Prag staatsfeindliche Propaganda treiben. Redner ersucht im cheitepen Verkaufe seiner Ausführungen die anwesenden Vertreter der jüdischen Bevölkerung, jene ihrer hier weilenden ausländischen Volksgenossen, welche staats» feindliche Agitation betreiben, selbst zn warnen. Es fönyte sonst geschehen, daß durch das Benehmen dieser Leiste auch die anderen Juden zu Schaden kommen. Wenn die Behörden nicht . ihre Pflicht tun und diese' ausländische» Juden aus Prag ausweisen, damit die von ihnen benützten Wohnungen anderen Leuten zur Verfügung gestellt werden, dann werden wir selbst Sorge tragen, daß dies geschieht." Zum Schlüsse richtete Dr. Tuschek qn den Bürgermeister Dr. Barg die Anfrage, was ex zu tun ge» denke, diese lästigen Ausländer sofort gus Prgg auszu» weisen. Dr. Barn erwiderte dem Redner, daß AuswejsimgS» befehle nicht in seine Kompetenz fallen, er werde gher bei dex Polizeidirektion sowie beim Ministerium des Innern in dieser Angelegenheit intervenieren. Im Anschluß daran nahm .der Stadtverordnete Dr. Singer (jüdischnational) das Wort. In seiner Polemik gegen Dr. Duschet hob er hervor, niemand könne behaupten, daß gerade die jüdischen Elemente Memento des llmsturzes sickd. In Prag leben auch srrgo» slawische, rumänische und andersnationale Studenten. Die Zahl der hier weilenden jüdischen Studenten ist ganz unbedeutend. Insgesamt sind ihrer 180 hier und alle diese haben bereits mehrere Studionsomester. Dieser Studenten wegen habe Redner.seinerzeit bei der Re» gierung interveniert. Wir sind weit davon entkernt, staatsfeindliche Elemente, ob es mm Inden oder Nnge» hörige anderer Rationen find, in Schütz zn nehmen, jedoch erfordert es die E' a st f r e u n d f ch a f t der Stadt Prag, daß rnhige Elemente, Me sich keiner Agitation schuldig machen, hier ausgenommen werden, gleichviel weicher Nation und Konfession sie angeboren. Wiener Morgenzeitüng Generalstreik der englischen Eisenbahner. 1 London, & Oktober. (Tel.-Komp.) Die Eisenbahnanqeftellten d«*s aarizen Landes sind infolge Nichterfüllung ihrer Lvi)«- forderuiigen in den A u s st a n d getreten. Die Verhandlungen in Riga. Warschau, 8. Oktober, (W. P. G.) Wie aus Riga gemeldetwird, find nunmehr die Arbeiten in den einzelnen ^Immissionen in vollem Zuge. I» der letzten S'stm.g dcsi Hanpiansschnsses wurde die Wahl der Vorsitzenden der einzelnen Kommsision-n bestätigt. Den Vorsitz in der Rrchtskommission führen Kicrnik (von Polnischer Seite),. M a n u i l s k i (von russischer Seite). In der wirtschnftlick-sirrgllmellen Kommission ist polnischer Vorsitzender Mieezkowski, russischer Ob o l e n s k y, in der Territor'flkommissio« führt polni, scherseits Grabski den Vorsitz. Furchtbares Elsenbahnunglück bei Venedig. Pisber 23 Tote. SB c n e b t n, 8. Oktober. (Slefmtt) Hkutk yachtS ist der Eiseubahnzug Venedig-r-Bologna ans her Lagunen, brücke in einen nach Mailand fahrenden Zug, der wegen Sitzes Gebrechend der Bremsvorrichtung Halt gemacht hatte, von rückwärts aüfgefahre«. Zwei Wagen dritter Klaffe des letzteren Zuges und die Lokg» motive sowie die Gepäcks» und Postwagen des rrsteren Zuges wurden beschädigt« Die Zahl der getöteten Per so ne» b'trägt, soweit bisher festgestellt wurde, 23. Es, wird jedoch be» furchtet, daß die Zahl sich noch erhöhen wird, da melirer* Verletzte zwischen Tod und Leben schweben. Der Zugs« verkehr ist wieder ausgenommen worden. Die Verletzte» wurden in die Spitäler von Venedig und Mestre überführt. Die Ausweisung solcher ruhigen Elemente wäre ein Vorstoß gegen das Asylrecht, Pr. Hing?? richtet z»m Schluß an den Bürgermeister die Frage, ob er dahin wirken wolle, daß diese Gastfreundschaft und das Asylrecht der Stadt Prag gewahrt werden. Bürgermeister Dr. Baxa entaegnets hierauf, daß^ die Antwort, die er dem Dr. Duschet ert??rf habe stw nur auf staatsfeindliche Elemente bezogen habe. Die Bn2s*oi?aNften in her ZMechnsS^olvukei. Wie „Rüde Provo" mitteilt, haben sich gestern hie kinkssozialistifchen Abgeordneten, 18 an der Zahl, als selbständige Gruppe konstituiert und den Abgeordneten Teska zum Vorsitzenden gewählt. Das Blatt veröffentlicht an leitender Stelle einen Aufruf der linkssozialistischen Parlamentarier an die - Arbeiterschaft -worin neuerlich festgestellt wird, daß die Unterzeichneten den kürzlich abgehaltenen Kongreß als rechtmäßigen Parteitag anerkennen, sich der Autorität; des vom Kongreß gewählten Poll'.ngsaiisschttsses unter» : werfen und im Sinns der KongreßbefchWy im Parla- ' megt in die Opposition gehen, werden, um den unver»; söhnlichen' Standpunkt des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie ruhig und in würhiger Form zu vertreten und daraus zu bestehen, daß zumindest der Großgrund» besitz, die größten Jndustriennternehmnngen sowie die Großbanken in absehbarer Zeit ohne Entschädigung ent» eignet werden. Der Aufruf schließt mit der Forderung, daß die tschecho.slowakische Republik eine sozialistische Republik sein müsse. _______ Ztarrenjsch? Sozialisten ge^en dgs Symjetshstsm. Aus Rom wird berichtet: Bezüglich der.Frage der Ausschließung der gemäßigten Elemente ans der foz'a't'tischen Parte> wie 0 die Moskauer Bedingungen besä-en, sch-e htder so?iLli'tiich^ Abgeordnete Pram* po l.ini' Es handelt sich um hie Diktatur de) Proletariats, nicht des gan-en Proltz'aviats, wie sie auf dem Kongreß von Bologna definiert wurde, sondern einer kleinen Minorität die sich durch' polie Gewalt der Mehrheit änfdrängt: P-^mpolini fügt hinzu? Augen* blick-ich Haben diese Dtk'ato-en nicht dir Polizei her roten Garden und müssen sich am die Ausschlirßung der Disii en yn beschränken. Mnn sie aber morgen zur Macht kämen, würden sie ihr. Werk vollenden, indem sie hie Preß-/ Bersammlungs- und BrreinSfreiheit anfhelsn und 'ene, die für gefährlich oder wi.dsr'spenstig erachtet würden, zu Hunderten und Tausenden tnS Gefängnis oder auf den Galgen bringen würden. Wenn in Italien, fährt Prampokini fort, die Dik.'a'u« errichtet wür^es wie lange würde 'sie dauern? Wie viel Z?it würden die Mafien brauchen, um sich zu überzeugen, baß die nach rusiisch'r Art verstandene und göbandhabte Titk'.a'Ur des Proletariats. in Wirklichkeit nur eine neu;!Tyrannei ist? Man.kann nicht auf Basonette gestützt regieren. Sektiererische und präpoten'.e Unduldsamkeit, ob rot^ oder schwarz oder von welcher Farbe immer, kann Nur von servilen Geistern ertragen werden und tvenn die Volksmassen 'S. Oktober 1926 61/ ... '* 1 ..— ■■■■— .. .. ... .,1 keinen Stnn. für Freiheit, Gleichheit und Menschen^ würde haben. „Tempo" erfährt, daß der Sekretär der soflal stischen Partei'eitung G e n n a r i und der Herausgeber des „Avanti", Serrati, die Einladung, zur Teilnahme an der Tagung von Reggio Emilia. die von Turati, Tveves und aiteren Anhänger» der soz.'alistisch.-.n Konzentration auf der Grundlage dex alten Pa^te'lehve rinberuseir wurde, aisgenommen haben. Auf her Tagung wivd'auch über die Lage iw Rußland herqtsn wtzrde». Au^löfunq der syankfchen Kammer, Aus Madrid wird gemeldet: Auf Grund eines königlichen Dek e s wurde die Kanliner aufge oft. Ueler die Bo.geschich e dieser Kammerauslösung wird nachstehendes bekannt: Ende September hatte die latente K ise aku'-e Formen «"genommen, da dis Linke bsichsofsen hatte, da) Mtni'e ium unter a l"n Umständen zu stürzen. Die von der Regierung vorgeschlagene Eisenbahntariferhöhung, welche von der Linken alS' nicht gerechtferftgt bezeichnet wurde und nach ihrer Meinung als einschneidende Maßnahme nicht durch eine Be^^dnüng, sonder» nur durch Kammerbeschluß zustande, kommen., durfte, diente-zum äußere» AnlaI. Es hieß, daß die Links Heu Marquis.Ulbueemüs zum Miuisterpxc si''önte» au sexsehen Höhe. Die im ganzen Lgnde ausgebrochenen Unruhen scheinen aber die Linke davon angebracht zu haben, hi- Verantwortlichkeit für die Reg'.erungsposttik zu übernehmen. Eine Löiuyg der Regierungskrste ist vorläufig nicht erkennbar. Telegramme. Die zioniftische Exekutive in Amerika. Ncw-Do k» 8- Oktober. (Jewish Corv.-Vur.) Auf einer & <t ialiitzu.rg der Exelu ivr der zionistischen Or-. ganisa'ion Amerikas stand zur Diskussion die Haltung der amerika.iischen Delegier en auf der zionistischen Jahreskon erenz in London. Mit Ausnahme der Herren Jakob de Haas, Professor Frankfurter und Kalen, die die Taktik Louis B r a n de i s' auk dev zionistis^sn JahresKouferenz verteidigten, kritisierten alle Mi^kis^er der Exekutive die amerikanische Delegation in London. Besonders scharf wa.en die Erklärungen Captain Tu lins, G. Schweitzers und' Rabbi Silvers. B ändels selbst war n'cht zugegen. Dagegen war Rabbi Dr. Wise trotz seiner ursprünglie sn Entscheidung, sich von der Exekutive zurückzuziehen, anwesend. Er wurde auch zum Vorsitzenden dev Resolutionskommission gewählt. In die Resolution wurde dl» Feststel'ung linverl'ibt, daß der Zionismus von der Erziehungsperiode in die Aera euer definitiven Aufbauarbeit für Palästina übergegangen" .sek. Eine wei'e'e Resolution drückt den aufrichtigen Wunsch der amerikanischen Zionisten aus, die Integrität der zionistischen Weltorganisativn zu wahren. Die amerikanischen Zionisten und der Keren Hajefsod. New-Dork, 6. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Auf einer besonderen Sitzung der Exekutive her Zionist-Fsde a ion Anw i'as wur'e dir Ernennung eine) Komitees beschlossen, das die unmittelbar in Pa äst'na a iszynehmente» Achei en fortsetzen und sich mit alle» Feaae», betreffend dx? Ausbringung desf 8ö Millionen Pfund G e-liugMWds für den Wieder-. ausbqu Palästinas befasse» soll, E'my mm Misch?amßrrk-Mche verteilst,rgs« orgamsatlon für Europa.! Rrw-Aerk, 6. Oktober. (Jewish Corr. Bur.)i DaS A me r i c a n Joint D i stri b u t i o n C o nv? mittee hat beschlossen, eine ne»e Körperschaft nach Europa zu entsenden, die die Hilfe für die jüdischen Kriegs- und Pogromleiienden organi.iecen so l. Diese Körvevschaft wird aus 20 Mitgliedern unter Vorsitz Captain Whasingers brstrhen und am 9. Oktober New-^ork verlassen. Sir Hrrbert Samuels Tour durch Palästina. Leechon, 7. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Einer Reu'e--i?,eitnng zu'olge kelrte S'r Heclect Samuel soeben von seiner Tour durch Palästina zurück, auf der er sieben wichtigste Städte und 24 arabische und christliche Dörfer und jüdische Kolonien besuchle. Er wu de überall sehr warm begrüßt. Da) Land ist ruhig und es» vorzüglicher Geist herrscht in allen Bevölkerungsklasse». Die BermSchtniffe Jakob Schiffs. Now-Norl, 6. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Unter den Vermächtnissen des verstorbenen iüdischen W'anh.ot-en Jakob Schiff befindet Lich eine Million Dollar für verschiedene iü.isch! Institutionen und 2 5.0 0 0 Dollar für ein Wissenschaftsinsttlut in Frankfurt am Main. Reue rumlluische Gesandte. Bustnest, st. Oktober. (Damian.) Nikolaus Ean« tarnzino ist;ü'n bevollmächiigten Minister in Wien und Koustattin Ngnu zum bevollmächtigten Minister in Berlin etaaiutt worden.

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