Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 614 (9.10.1920)
- Date
- 1920-10-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sire 5.«* Monat» ch^^^ra««- 8+» Für da» übriqe Suslan!»': vierttliitlirlich Krone« M&«* Skedaktton «.Administration Wte»,S.Bez«,Tabosstr.l--iii SeleHbone: Admintstratio» 440*8, Stedattion 43310, ab O tttzr abend* Sir. 1030L VaWbaxMtütmi* MM Nr. 614 Wien, Samstag, den s. Oktober 1926 2. Jahrgang Zarenrutzland in Wien. Die unglücklichen Opfer des „sozialdemokratkfchen" Landeshauptmannes Sever und seiner „demokratischen" Ratgeber Dr. Schwarztziller, Fleischer und Genossen. ' Unter dem Vorwände, Wien, von Wucherern, Schiebern, Schleichhändlern .und sonstigen Parasiten zu hefre^en, wütet die Landesregierung unter dem Kommando des Herrn Sever gegen die Ostjuden. Herr Sever rühmt'sich, Wien von dieser „Plage" zu befreien. 'Bantm Hcrr Sever, der altgediente Sozialdemokrat. das.tut, ist eigentlich unerklärlich. Er kann doch nicht s» naiv sein, zu-glauben, daß er dadurch den Antisemiten wohlgefällig werden Wrd>'Für'sie'bleibt er ve c rote Juden sozi!. Er belädt nur sich, seine Partei, vor allem aber Wien mit unauslöschlichrr Schmach und dem niederschmetternden Urteildes gesitteten Europa. Nachstehend, seien, einige Fälle' der Severschen Arbeit eines Tages herausgegrrffen: . < - . Josef Ze li.u ker, 2. Bez., Obermüftuerstmße 5, ivvr'Bäckermeister in dem. nun.zerstörten Rohatyn in OstgalizieNi Er ist mit seiner Familie) im. Jahre 1914 ü!<f Befehl - der österreichischen Regierungnach Wien geflüchtet. Sein Gewerbe konnte der Mann hier nicht ausüben, weil'man ihm den.Gewsrbescheiw.vrrweig-erte. In: den sechs Jahren-des 5kriegs.elends ist .er alt und krank geworden und fürchterliches Unglück -ist über ihn . gekommen. Drei Söhne,.ech lgcrl 1zisch e Drückederger, sind im Kriege g-efallen. Die. Frau nVd die älteste' Tochter sind schwer, ho ftnungslos lungense-idend^ geworden.-Die .erste liegt-im Spital, die-Tochter - iiiiNWj's da,> M- -Mtep- Mn 7. his^ 24 Jahren. ■ Zwei sind -Handelsangesie 'tx\ ..under«ähren>Hmnlerlich die Familie. A.le acht Personen bewohnen zwei Kabinett e. Alle ■ sindunter Strafandrohung abgeschafft und die „Wohnung" ist angefordert. Am 20. Oktober werden Herr Sever und seine Freunde im Rathaus die Unglücklichen aufs -Master werfen lassen. Michral Tabak, 'einarmiger: Invalide, 2: Bez., Große S!adtgutgasse 12, selbst nervenkrank, seine Frau liegt Nervenleidenim Rosenhügel-Spital. < Die Heinratstadt ist zerstört. Herr Sever hat beide „Parasiten" «^'geschafft. ' ' . Hani Schar r, 2. Bez., Röte Kveuzgasse 5. vlleinftehcudü Kriegswaise ans 'dem -in der 'Kriegszone liegenden, zerstörten, Pogromierten Zborow, hat beide Ellern im Krieg verloren. 'Ein 'blinder Mann, österreichischer Staatsbürger, hat das Mädchen als Pfleigecin und Wirtschafterin zu -sich /genommen. Herr S e v e r hat diese „freche Parasittn^, welche der Wiener Bevölkerung Brot und Wohnung?, nimmt, abgeschafft. Zwangswei-ser. Abtransport 'stLhtffbevor. Wohin? Aber noch besser: Umganz sicher zul-gehen, hat der Magistrat bei dein Mädchen, welches ü b e r h a u p t keine W o h ir n n g! b e s i tzt,.' -sondern, bei seinem Bro therrn ein - altes, kleines S o. fa >chLwohn6f, die Wohnung am g e fördert!-Den. blinden Herrn versetzen die beständigen Besuche der Polizeiboten .in. wahnsinnige Aufregung.und das Mädchen fleht weinend um Hilfe. - -. Herr S e.v e rwird '.seit, Jgho. und ' Dag von den rerschielensten-Seiten zux .Rede gestellt und er, gibt'zu!tziuer Neckits-ertigung an, daß i;ichtnur Antisemiten, son-dern' auch t^ibirnC^v «.'• bei ihm „erscheinen .imo if/muni Aöfch-assung der Oftjuden lntwn. Herr Sever lügt nicht. ,Es. .gibt tatsächlich er-" bärmliche jüdische Menschen, 'welche die Ostjuden, den niriisemitischen Bestien zum Fräße hinwerfen wollen und sich, -dadurch?zu schützenglauben. :Der / famose poetische P 'ovijivnsa^ent S tegfried . F l e i sch e r, Sekretär der „Israelitischen Union"/ hat' schon vor langer Zeit, in den Wen-ev.Zeitungen'-'d^'Ostjüd^n) als verbrecherisck)S Gesellschaft dechünziert.' Ueber Antrag seines lieben Freundes. Dr. Schwarz-H'illrr wurden die Ostjuden vom Wahlrecht zur jüdischen Gemeinde ausgeschlossen. Unter Berufung auf den „Juden" Doktor SchwarzHiller hat. bann die antisemitische Studentenschaft die AuSschtießung der Juden von der Universität geordert. Kurz, auf S'gnal dieser beiden hat die Hetze begonnen. Unter der Parole „O st j u d e n hinaus" hat F le i '.cb -t die lebten Wablen in die Kultusr.:-.: b-.-- ->;' und unter d.:m gleichen Schlagwort MO^I.;:r i.ech, nlft u-eMN g.t'.ro Bezsblun'i. dem D.okt0L 1 finanzielle Hilfe für Oesterreich. Der Sanierungsplan vor der Botschasterkonferenz. Paris, 8. Oktober. (Privat.) Bei der Brüsseler Finanzkonferenz wurde der vom österreichischen Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch ausgearbeitete Plan zur finanziellen Sanierung Oesterreichs einer Bsgutachtung unterzogen, ohne aber zu einem praktischen Entschlüsse zu kommen. 'Da die Pariser Regierungskreise mit den Ergebnissen der Brüsseler Konferenz nicht zufrieden find, wird jetzt der Plan erwogen, die Finanzhilfe für Oesterreich auf raschere Art zur Erledigung zu bringen. Die Botschafterkonferenz hat bereits in dieser Richtung Beschlüsse gesetzt und man erwartet jetzt nur die Vorschläge der Wiener Sektion der Reparations- Kommission, um diese Beschlüsse zu realisieren. Die aus Wien hier eingelaufenen Informationen desa?ext, datz rascheste Hilfe notwendig sei. Berlin, 8. Oktober. (Korr.-Bur.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Brüssel: Der offizielle Bericht deb ersten Kommission über die Staatsfinanzen umfaßt jene Grundsätze, die bereits nach und mach bekannt und schon..gemeldet -wordey .sind. Ueber die Ausländsanleihen sagt der Bericht:' „Die Konferenz ist der Ansicht, daß es im allgemeinen Interesse der Gläubigerländer liegen würde, den Schuldnerlandern alle'möglichen Erleichterungen zu gewähren, um es ihnen zu ermöglichen/innerhalb kürzester-Frist ihre Schulden zu konsolidieren." Der Bericht der vierten Kommission über internationales K red i tw e s e n besagt: „Zu den wesentlichsten Voraussetzungen für ein Kreditverfahren gehören die Ordnung in den Staatsfinanzen, die B e s e i t i g u n g d e r I n f l a t i o n und die Freiheit im Handelsverkehr. Eine Unterstützung mit Kredit soll nur denjenigen Ländern gewährt werden, die in bezug auf nachbarliche wechselseitige Hilfe ihren guten Willen zum Ausdruck, bringen und sich bemühen, innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen ein aufrichtiges Zusammenarbeiten zwischen allen Gruppen ihrer Staatsangehörigen zustandebringen. Der Komissionsbericht geht sodann zu den Forme«.' der grundsätzlichen Kreditgewährung über. Er befatzh sich.zunächst mit einem der Haupthindernisse für di« Erreichung von Krediten, mit dem Mangel an Garantien' für die Rückzahlung. Schließlich empfiehlt die Kam-' Mission, eine Zentralstelle zu schaffen, die entscheiden^ solle, welche Mittel dazu geeignet wären, die Kredit-' Operationen zu erleichtern. Schwa rz-Ht Het die' Wahl in fest- LeopMstadt, demselben Dr. Schwarz-Hi-lsr, der sich seinerzeit als „Gönners der galizischen Flüchtlinge adeln und mit Orden behängen ließ, nun aber,-da die Stimmung gegen seine „Schützlinge" gerichtet ist, gegen sie arbeitet. Herr Sever kann sich wohl mit Mcht auf düse „anstättdigett. Juden" berufen, aber vor dem Urteil gesitteter Menschen wird ihm diese Berufung nichts nützen l __ Budapester Brief. Die Konsolidierung der Pogrompolitik. — Passive Resistenz der Protestanten. — Der ungarische Kultnrpalast — ungarische Kulturschande. — Pogrome um die Wrtte. Versöhnung Horthvs mit Friedrich? — Paul Sandor, der Held der Assimilation. — „Ein glänzendes Gesellschafts- Md." ■ Die ungarische Regierung ist krampfhaft bemüht, .die Außenwelt glauben zu machen, daß die Konsolidierung der inneren Verhältnisse Ungarns, fortschreite und die vielbegehrte Rechtsordnung nunmehr wirklich die Herrschaft angetveten habe. Die Wahrheit aber ist, daß sich bloß der christliche Kurs konsolidiert; so sehr, daß er überhaupt auf nichts mehr.Rücksicht nimmt und sich immer mehrals katholischer Kurs etabliert, der nunmehr den Kampf auch gegen die protestantische Kirche mit aller Rücksichtslosigkeit führt. Die Protestanten sind jedoch nicht gewillt, die Vergewaltigungen der von den Ultraveaktionären geführten Negierung zu dulden, und treiben zunächst passive R-esistem, indem sie tu ihrer jüngsten Synodalkonferenz den Beschluß faßten, die Hällerschen Schulerlässe, welche ahne vorheriges Einvernehmen mit der protestautischen Kirche herausgegeben wurden und durch welche sämtliche Schulen, auch diejenigen der Protestanten,'unter der Hand unter katholische Botmäßigkeit -gestellt - werden, soweit es sich uttt ' protestantische Schulen han^lt, einfach nicht durchzuführen. Das . gespannte Verhältnis zwischen der Mgierung und den Protestanten trat auch in einem anderem Falle in Erscheinung. Pie reformierte Kirche hat auf dem Kalvinplatz einen herrlicken Grund und beabsichtigt, auf demselben einen ungarischen Kulturpalast zu errichten. Die Aktiengesellschaft chit -fünf Millionen Kronen eingezahltem Kapital' ist bereits gegründet, die Direktion und der Verwaltungstat — lauter waschechte Christen — sind bereits gewählt und von der Regierung gutgehrißen, die Pläne sind bereits ansgearbe.itet jr^ HMr: nur nock von der städtischen r BaukonMission genehmigt werden müssen, lvorauj inan mit dem Bäu des der ungarischen Kultur gewE-s weten Prachtbaues hätte beginnen können. Da began«> die Affäre zu stocken. Die Baukommission, die eigens sich nur die Pläne und nichts anderes zu überprüfenji hat, interessierte .sich jedoch weniger für die Plän» selbst als für deren Autor,, der allerdings bei dems heutigen christlichen Kurs einen sehr bedenklichen Schön^ heitsfehler aufwies, denn der Verfasser der.PlÜnef. ist ein Jude und führt den Namen Braun. Die. Bankommission ging daraufhin gar nicht auf die nähe«! Prüfung der Pläne ein unerklärte klipp und ftar*) daß die Tatsache, daß ein Jude die Pläne entworfen hat, die Befürchtung rechtfertige, daß der ungarisch^! Kulturpalast nicht -en christlichen Ideen dienen, sondern ein „Jndennes^ sein werde. Die Pläne wurden, zurückgewiesen und die gut christliche Aktiengesellschasi aufgefordert, neue Pläne zu überreichen. Die edange-, lisch« Kirchenbehörde erblickt in dieser unbefugtenÜeber-j schreitung der Machtbefugnisse der Baukommission eine^ schwere Beleidigung und eine Verletzung der Freiheit und denkt vorläufig'nicht daran, neue Pläne zu unterbreiten, denn die Pläne des Mischen Architekten Brau«, haben in der Preiskonkurrenz den Sieg davongetragen. So wird auch die Frage des ungarischen Kulturpalast«^ zu einem echt ungarischen Kulturskandal. -? Inzwischen erleben die Juden schreckliche Ta.g e. Bald sind es die „Erwachenden Ungarn", baÄ die noch raikaleren anttsemitischrn „Erwachsen Ungarn",- die auf eigene Faust und in eigener Regie blutige U e b e r f ä l le auf Juden' und von Juden besuchte öffentliche Lokale veranstalten. Jeder dieser Pogromtrupps stützt sich 'auf irgendein Offiziersdetachement, dessen Agents provocateürs die „Erwachenden-^ und' „Erwachten" sind. .Und nun geht in Budapest ein Gerücht um, das unter anderen Umständen freudig hätte begrüßt werden können, unter den gegebenens Verhältnissen aber für die ungarischen Juden das!, furchtbarstebedeutet. Es heißt allgemein: HörthN und F r t e d r ich haben' sich versöhnt. Auf die Juden angewendet, bedeutet dies nichts anderes, als daß wsth» rend bisher diese beiden Gruppen getrennt marschiert' sind und die Juden getrennt geschlagen haben, wobei die eine Gruppe für die andere immerhin eine ftleine. Hemmung bedeutete, die beiden großen Rivalen sich nun im Judenhaß geeinigt haben und nunmehr diö Juden vere'mt schlagen, morden und Plündern werd««.- Auf diese Versöhnung Harthys mit Friedrich werde« auch die pogromartigen Ueberfälle auf die Juden i« Budapest in den letzten Tagen zurückgeführt. Dieser Verständigung wird es auch zngeschrieben, daß Frieb-- rzch sich, mit oe. W-vuiufiften. .AussKaftung be.c. Königs-