Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 612 (7.10.1920)
- Date
- 1920-10-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mm, DonnnskSs' V.SßoirTmS Catfr; Politlsche^rundschau. Mlssn Hege« die Judenverfolgungen itt Polen Pakts, 4* Oktober. DaS Komitee der Jüdischen Dele. gationen ket det Friedenskonferenz hat dem Präsidenten des provisorischen Komitees des. amerikanischen Kongresses Äkk. Mokkis R oichenbertz, welcher längere ZekkiN Eukokä weilte-, Suchsntische Dokumente über die schreckliche Krise übermittelt, welche die Inden in Polen Mßnwättig Sükchledsm Rk. Rothenberg sandte »nt & ©epleirtNt das folgende Mchrnmrk, «äch Äckeriku: Ich hikbß aüS sichWk« MM« er» ■ schköckettde Mchrichtö« ekhaltö« über die Art, wie die Inden in Polen behandelt werden. Die Soldaten plündern und mißhandeln die Huden und reißen ihnen die. Bärte aus. Es ist tatsächliche sük toi Juden unnroglich geworden, sich auf der Maße FÜ zeige« oder die Eisenbahn zu benützen. Zahlreiche unschuldige Inden sind unter dem falschen Vorwände des Bolschewismus erschossen worden. Die Hüde« haben sich freiwillig zur Verteidigung des Vater» larweS in die polnische Armee gemeldet, aber die Militär, behörden haben sie degradiert und ihnen die niedrigsten Arbeite« üuserlLgt. In Feindesuähe wurde« die Jllden lt, Dictssen »US Städten untz Dörfern vektrieben, während die christliche DevölkeruUg in ihren Wohnsitzen verbleiben durfte. Mehrere tausend jüdische Soldaten strw in dem Ko«-- zentrationslager von I ablo n na iNtekttiett worden, wo sie wie Verbrecher behandelt wurden. Die jüdische« Abgeordneten haben zu wiederholten Malen bei der Negierung intervMetl, welche auch versprach, dciS ihrige zur Behebung dies-r ZustänSr zu tun, aber bis jetzt wurde keinerlei Maßregel evgWe« unib die Situation hcit sich Uöch Verschlimmert. Auf Grund dieses Telegramms hat Rabbiner Stephr« Wise in seiner Eigenschaft als Präsident des Komitees für biß Oftjuden dem Präs idente« Wilspn hie Lage der Juden in Polen schriftlich auseinandergesetzt. Aus oiese EinxMs erhielt Mr. Wise unterm tv. Zeptembec die folgenoe AMWöft MlsonS: MÄ« Mer RE Wise! Ich bön tief ergriffe« durch Ihre« mir übersandten Bericht über die Prüfungen und Leiden, dsnStt Ihre Brüder gegenwärtig in ganz Osteuropa ausgesetzt sind. Jeder Amerikaner ohne Unterschied der Rasse Und der Religwn empfindet dis tiefste Sympathie für die Juden 6ükl Osteuropa, welche nicht bloß die Last des Krieges weitertragen, sondern auch de« Leiden ausgesetzt sind, welche durch eine ungeklärte und «gerechte Behandlung tzon feile« der Regierung und der Völker verursacht sind. Ich hoffe, daß die Nationen, zu welche« unser eigenes LanK politische Beziehungen unterhält, alles in ihrer Macht Stehende tun werden, Nicht nur um die gegen die jüdische Bevölkerung gerichteten Ausnahmsgesetze .abzu schaffe« im Ein- - klänge mit den sich auf die Rechte der nationalen Minüntaten beziehenden Vertragspunkten, sondern auch daß sie allen Ungerechtigkeiten und Unbilligkeiten gegenüber de« Jude« ein Ende sehen, werden. Wir i« unserem Lande, wo die Juden auf der Grundlage det absoluten Gleichheit lebe«, wissen, mit welcher Loyalität und Treue sie. die Aspirationen rmd M>sale unseres eigenen Volkes unterstützen und fordern. Ich werde mich sehr freuen, von Ihnen zu hören, daß txivi Besserung in der Lage der Juden von Osteuropa eingetreten ist. Di« Regierung dieses Landes wünscht auftkchtigst, daß di- VerfÄgungeu gegen di« Juden in allen Ländern schleunigst cmfhüren. Mit herzlichsten und aufrichtigsten Grüßen gez. Woodrow Wilson. Die Kommission für politische Rechte beim jüdischamerikanischrn Kongreß hat ein aus Vertretern aller großen jüdischen Organisationen zusammengesetztes Spezialkünntee eingesetzt, das einen offiziellen und genaue« Bericht über die Verfolgungen der Juden in Pole« ausarbeiten wird, welcher dem Staaisdepßrtement in Washington vorgelegt werden soll. Das Komitee wird alle notwendige« Schritte unternehme«, um int Interesse der polnischen Judenheit eine unmittelbare Intervention der Regierung der Bereinigten Staaten durchzusetzen. Düs internationale Arbettsbirveau des Völkerbundes. Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Genf: Der Derwaltungsrat des internationalen Aröeitsbureaus des Bölkerburidetz hat gestern ^'eine Beratungen begonnen. Den Vorsitz führte der Franzose Tarne. Die Diskussion über den vom Direktor deS Arbeitsamtes, Albert Thomas, erstatteten Geschäftsbericht führte zu lebhafter Debatte. Etz wurde ausgesprochen, in allen Ländern den Fortschrittsinn zu fördern. In diesem Sinne waren auch Vertreter der Negierung der Meinung, daß die Washingtoner Konvention ildtzk den Achtstunden-Arbeitstag unbedingt aufrecht» erhalten und das Arbeitsamt dafür sorgen müsse, daß die Regierungen, die die Konvention bisher nicht ratifizierten, sie sich zu eigen machen. Auch ein am letzten internationalen Berga rbeiterkongresi gestellter Antrag zük .Errichtung eines internationalen KohlenamteS wurde auf die Tagesordnung gestellt. Schließ»' lich beantragte der Direktor des Arbeitsamtes, daß Äe» richte über Beratungen auch in. deutscher Sprüche gedruckt werden« FLr eine dentsch-ckschechische Annäherung. Prag» 6. Oktober. (Privat.) Der heutige „LaS" bespricht die Tatsache, daß die Tschechen» welche mit beispiellofer Eintracht sich ihre« Staat erkämpft haben, mit keiner ihrer Negierungen zufrieden seirn. Da wsder ei« bürLerl.iÄrr Black o,uä Tschechen und Slowaken nach /Wiener MörgenMniig ein soz'alistischer aus den sozialistischen Reihen ausreicht, muß man darauf gefaßt sein, daß sehr oft eine Negierung auch mit den Deutschen gebildet werde« wird: vielleicht öfters mit ihnen als ohne sie. Ättlnal müssen wiv in den Apfel der tschech'sch-dcutsch'n Annäherung beißen; wer ihr die Wege zu ebnen vermag, dem sollte e'er llnftk Dank zuteil werden. Obwohl heute ein ähnliches Projekt der Regierung mit den Deutschen vorzeitig wäre, zögsrn wir nicht, daraus aufmerksam zu machen, baß «die geeignetste Gelegenheit dazu ftnte Aützenbktck ist» wetist Irgrttdektt Äeamterckabinekt gebildet oder tSMM-* siert werde. Denn ein Deutscher, dek üls BearttiLr i« die Regieöllug einkAtt, wird nicht eine Krise in detz Form unerfüllbarer itati-'nater Forderungen irMheiner politischen Partei heraufbeschwören, sondern er wird bloß ein Beamter ble'ben, der allerdings einen Einfluß nur im Nahmen der bestehenden Verfassung htben wird. Ist aber der Anfang einmal gemacht, können wir, wenn di« VörhältNijse sonst günstig find, hoffen, daß sich die Mitarbeit mit den Deutsche« langsam eMurackt Mb daß' kW der Anfang anch anderer gnrrr Dinge sein wird. Inland. Dill Mvrgenzeitung" und Herr Reich. Die „Arbeiter-Zeitung" veröffentlichte gestern einen vom 18. November 1919 datierten, streng vertraulichen Gericht öes Pressechefs Reich an den Sektionsches Eckhardt in Budapest über die Wiener Presse. J-I diesem Blicht firtdet sich folgende Stelle: ».Wiener Morgen eitung". Zionistifche Zeitung. Bester ist die Jüdische Zeitungs- und Derlagsgese'lschüft. Befolgte bisher eine stark antiungarische Tendenz, doch ist es Mir gelungen, Mit Chefredakteur Stricker gewisse Beziehungen an zu bah ne«, die mit der Zeit er- * folgreich sein könnten. Um einer Le-.enke.Uildung vorzutzeugen» erkläre«, wir folgendes: Herr Minisbertaltat Reich hat im Herbst des Jahres 1919, als die LlrMel der „Wiener Margen-.eitung" Über bis Innenpolitik Ungarns seiner Negierung unangenehm wurden, die Nebaktion durch einen Mittelsmann um eine Ausspra che» ersuchen lassen. Ei: hat daraus überhaupt keine Antwort erhalten. Das sind die „gewissen" Bestehungen. Mit dem Abgeordneten Stricker hat dieser Mann nicht gesprochen, wie denn überhaupt zwischen Herrn Stricker und Ministerialrat Reich keine Beziehungen bestanden noch bestehen. Unsere Lefer..'wissen, haß die. ,.Wiener. Moxgeuzei«tnz7.'..ihre. Haltung und Meinung gegenüber dem.ungarfschen.MordvLgime. in keiner Weise^ geändert Hab - ' . - Abgeordneter ricker hat. an Hs. „Arbeiter- Zeitung" das folgende Schreiben, gerichietr-. .. An die vereheliche,Rodaktiön der „Arbeiter- Zeitung!" In Nr. 276 Ihres Blattes vom 9. Oktober veröffentlichen Sie einen Bericht des ungarischen Pressechefs Reich an die Büdapestor Negierung, itt welchem dieser behauptet, bis' Mökgenzeitüng"' beMb "bisher.eine stark ükttiungarische TSttbeuz, doch fti es ihm gelungen, „mit Chefredakteur Stricker gewisse Bezieh 1l ttgen ä Nzubaynen, die mit der Zeit ersolKteich sein könnten^ Letztere Behauptung Reichs ist Natürlich erlöge«. Ich kenne den Pressechef Reich Nicht, habe weder schriftlich «öch mündlich,'weder direkt Noch indirekt jemals mi't diesem Manne verkehrt. Die „Wi nec Morgenzektung" brandmarkt, wie sich jeder Leser täglich ÜberMgen kann, die Greuel in Horthy-Ungarn aufs schärfste und ist in Ungarn verböten. Daß Herr Pressechef Reich unter solchen Umständen seiner Regierung übdr „erfolgversprechende Beziehungen" zu mir berichtet, ist wohl ein starkes Stück, diplomatischer Verdrehungskunst. Ich bitte Sie um Veröffentlichung dieser.Zeilen und hoffe, daß Sie die Berechtigung dieser Wunsches anerkennen werden. - Hrchachtettd ..Abgeordneter Robert Stricker. Der Lnterüaridna«tz GrenMAulkeeMflsautzschab für m Sstevreichrsch-jttllsrrawrsche Grenze. WM, 6. Oktober. Dia Bertrewr b6Z Iilternstlonalen. Grenzvogulierungsausschussetz sür die osterMchisch.jugoslawische'Grenze, Präsident Colonel Graden (England), Kommandant Ioeard (Frankreich), Oberst Iamagvuishi und Major RügLMvchi (Japan), wurden heut« vom Leiter der Sdaatskanzlci Dr. Äayr empfangen. In seiner BegrüßungZansprache führte der Staatssskretär unter anderem aus: Die österrelchische Regierung hofft, daß der Ausschuß seine bedeutsame Ausgabe im Geiste der Menschlichkeit und Billigkeit lösen und die Ltzbensinteressen unseres Landes fdwie dis gerechten und bescheidenen Nünschs der Grenz» bswohnsr, die sich auf zwiügSnde wirtschaftliche Gr- Wägungen stützen» berücksichtigen wird. Colonel Grave« bankte für den freundÜcheu Empfang und versichSvle, daß der Ausschuß stets Volle Objektivitä: gewahrt Hab« und tü diesem Ginne auch weiterhin sein Amt verwalten werde. Die Mitglieder des GrcnzvegulteruNtzSausschusseS erschienen im Lauft des Tages auch bei den Staatssekretären D.r. Renner und Breifkp Är. mf Telegramme. Der rnsftsche Fronttzerlchs. MoSkM, 6. Oktober. (Wikkspruch.) IvontbÄrichh vorn 6. Oktober. Bei Molodetschno «ahme« wir neuü Stellungen eiM Am 3. Oktober standen längs Vers Flüsse Njcmeü und Ussa hartnäckige Kämpfe statt. Beb Nowvgrab-Wothnsk rlirkn wir erfolgreich gegen den! ->ruß Tkvtfch Vor. Wir besetzten LltMw ünd die! Ortschaft DerMn'a UNd kämpfen 80 Werst südwestW davon. An der Südfront.hatzd« wir bei Bvthtziaiv di«, feindlich' Vorhut geschlagen. Unsere vorgeschobenen! Truppen^ besetzten Mariupolt j' Die bolschewikrsche Front östlich Schmerink« durchbrochen. SL-nislan, 5. Oktober. (Ukr. Pressedienst.) An der Rördfront der ukrainisch.'« Armee, im Räume, wo! ftch diese an die polnischen.Truppen anschließt, im Gebiet von Staro-Konstantynow bis Letytschew sind! hartnäckige Kämpfe mit neueingefetzten bolschewikischen Divisionen im Gangs. Südlich davon, zwischen Schmcrinka und Braila, hat t>ie ukrainische 6. Division die bvlschewikifche/Fwnt durchbrochen. Die ukrainische Kavallerie operiert bereits, im Rücken des auf Winica flüchtenden Feindes. Bitz, zur Stunde sind 3000 Gefangene, 40 Mafchitzengeweyre, 8 Geschütze erbeutet worden. Konferenz der jüdischen Kutturinftttutionen in Rttsilttud. Reval. 2. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Aus Moskau wird berichtet: Mitte September fand hier eine Vertreterkottfecenz der jüdisch-sozattstischen KulturinstitutloNen Rußlands und der Itkra'me statt. Die Konferenz war.von 160 Delegierten der kommunistischen, bnndistischen und Poale-Zion-Partei beschickt. Auch Vertreter des Kommissariats für jüdische Angelegenheiten und der vereinigten kommunistischen jüdischen Jugend haben der Konferenz beigewohnt. Die Konferenz befciszte sich mit den Fragen der Kulturarbeit unter den jüdischen Massen Soivjetrnßlands. Ein Antrag der Poale Zion, die jüdische Kulturarbeit in Rußland ausschließlich durch die jüdischen Arbeiterräte zu leisten, blieb in der Minorrtat. chs wurde der Antrag der Kommunisten angenommm, die jüdische Kulturarbeit durch allgemeine jüdische Komitees für Volkserziehung unter der Aufsicht der jüdischen Arbeiterräte zu leisten. Die Behandlung, der jüdischen Flüchtlinge in Oberschlesien. Paris, 6. Oktober. (Jewish Corr. Dur.) Der Präsident der Jüdischen Delegationen, Rahum So ko low, konferierte mit dem Chef der französischen Mission im Plebiszitgebiete von Oberschlesien wegen der Ausweis u n g der nach Schlesien aus dem Osten flüchtenden Juden, unter denen sich.auch Palästina-Wanderer befinden. Herr Lerond versprach, in Hinkunft ähnliche Vorkommnisse zu vermeiden. Grubeuarbeilevstrelst in Pol^n. Warschau, 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Wie bereits gemeldet, nimmt der Grubenarbeiterstreik in Sosnowicz bedeftklichen Umfang an, da sich der Aufstand auf das ganze Kohlenrevier von Dombrowa ausgedehnt hat. Die eingeleiteten Verhündlungen sind bisher ergebrnslos geblieben. PkLstdentenwahl in Amerika. GashM^tt, 6. Oktober. (Funkspruch.) Die Präsidenienwa^l wurde sür den 2. November sestscsetzt. Die meisten Aussichten hat der republikanische Kan« bidm Hard ing. ’ Die Cortes aufgelöst. 'Rom, <3. Oktober. (Funkspruch.) Nach Muldiiugett aus Madrid wurden die Cortes durch königliche Verordnung aufgelöst. Die Neuwahlen sind für den 3l. Dezember ausgeschrieben. ' Die Unruhen in Irland. * ßöttbdtt, 0. Oktober. (Fnnkspruch.) Ans Notzconnnon (JkküNd) werden Repressalien der anglo-irischen Polizei gemeldet, wobei mehrere Häuser zerstört wurden. Die Polizeifchulsicition bei Skibbereen wurde gestern von bewaffneten Banden überfallen, die Waffen fortgetragen und datz Gebäude in Brand gesteckt. — Polizei hat das Sinufeiner-Kreisgericht von Northmeath während einer Sitzung ansgehoben, die Richter verhaftet und das Aktenmaterial beschlagnahmt. Graf Karokht ltt Pm^. chras. b. Oktober. (Tel.-Komp.) Gras Michäck tt.woUy wohnt zurzeit 6H Dr. S m era l. Cknberufung der Prager Nationalversammlung. Pr«S» 8. Ostobtt. kLschrchn-ckow. P'etz-Blw.) Pmibn-k Mosaik Hot dir Euderusüntz %ti Natwnalvtrsümmlnng für best 29. d. M. angeordnet. HieAutonontieforb^nngen dev MnhürP artet. Prag, in Oktober» (Korr.-Bilr.) Ein magyarisches Kaschauer Blatt Nleldch daß die'„HNnka-Paltel" der > Negierung schtiftlich ihre Forderungen ubemidji har, von