Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-10-07 · Heft 612 (7.10.1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 612 (7.10.1920)
Date
1920-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979690--05429-2991281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hfc'612". Wien, Donnerstag SECHS Bausteine für das Dritte jüdischa Reicli spendeten in drei Wochen «a» _»»» . die 500 Juden von IVVCCfflltjl das sind 120>000 Kronen!!! Hättet Ihr SSS.VTS WISSSS ebenso Eure Pflicht erfüllt, so hätte der Jüdische MationaJfomds für seine dringenden Lamdkäpfe in Palästina bereits weit über 3000 Bati®teiife 60 Millionen Ein Baustein für das Dritte Jüdische Reich kostet 20.000 Krönen Spenden nimmt der Jüdische fiaLttonalffoncI?, VVien, II., Zirkusgasse tz3, eLtzegyn ber-en ErfMung das neutrale BerhalM gegenüber dem nckw: MAett. abhängig gemM wird. Die Hlknka. PM^ vexlangh die Autonomie in den Weise, daß der Ministerfür die Slowakei van Prag unabhängig sei. Rehen ihm sogen ein siebengliedriger Ausschuß und Vertreter der politischen Parteien die Administrative fsthren. Sodann werden Detqiforderungen antonomistischeu Charakters vorgÄ» rächt und unter anderem ein Ausfuhrverbot für hei Slowakei verlangt. Gin Putsch der Legionäre in Tabor W-g, 6. Oktober. (Tel.-Äomp.) In Tabor versuchten, wie das »Ceske Slovo" meldet, Legionäre, die der Nationalen Drutzina (Vevhand der nagon.algesinnten Legionäre) angehören,, ein Umsturz. Sie besetzten am 3. Oktober gogsn Isbend das Postgebäude und das Rathaus. Da sie jedM bafd ein« sehen mutzten, dah ihr Borgehen einen unhaltbaren Zustand geschaffen habe, sprach eine Abordnung von ihnen schließlich beim Bözirkshaüptmcmn vor und bat ihn um Verzeihung. Dis Legionäre zogen hierauf von der Post und dem Rathaus wieder ab. Vor einer Emiauyg arrf yem KaMhadsp sozialistischen Kongretz. Karlsbad, 6. Oktober. Der Parteitag her deutfchrn Sozialdemokraten befaßte sich heule mit der wirtschaftlichen Lage. Sämtliche Redner wiesen aps die großen Gefahren hin, die infolge des Nahruirgsmittslinangels im Kommenden Winter zu befürchten seien. Seit dem frühen ALorgrn evwarfen dis Delegierten mit gMte-^, Spannung das Ergsbriis der GiMungsversuche zwrschtzy den Sozialisten und den Kommunisten, llt» halb 5 Ähr nachmittags traf dis Meldung ein, daß keine Einigung zu er-, Zieken fei. Um halb 6 Uhr nachmittags wurde der Parteitag bis halb 8 Uhr abends unterbrochen, da neuerliche Versuche zu einer Einigung unternommen wurden. Karlsbad, 6. Oktober. Nach nahezu zwanzigstündige». wicherho.lt uutcrbroch enen Perh rudsungen zwischen dtzy Pertretern der Sozialdemokraten, genräßigter Richtung und der Reichenberg-Moskauer Richtung wurde schließlich um 10 Uhr nachts folgende Linie für ein weiteres, gemeinschaftliches Zusammenarbeiten der gesamten deutschen Sozialdemokratie in der Tfchecho- Skgwakei gefunden. Bezüglich dpr Diktatur des Proletariats eistigte man sich dghin, daß diese dann ep-. richtet werden kann, wenn gegnerische Gewalten <t»f* treten.- Es ist eine Reihe von Fällen angegeben, di,x es ermöglichen, sie bei jMx gtgjj^n Gegenströmung in Anwendung zu bringen. Dies ist' ein Zugeständnis, datz hen Anhängern dex kommunistischen Richtüng gemacht wurde, Dagegen haf die gemäßigte Richtung eS abgelehnt, sich dev'Dritten Internationale anzuschließen; diese Frage wurde bis auf weiteres offen ^gMsse». ' .1' , - In VexMnMrWN ßasty jed^ Sgzialdegwkrat seine Ansicht frei vextvehen, HM dsirfep keine eigenen Organisationen in dev allgemeinen Organisation gebildet werden und es dürfen weder in den Bevsamm»« lWgen pych in der Presfy beider Richtungen persön^ UM Angriffe tzMgep. Einer MMpSYßgieMg kapn nur dayn beigetreten werden,'wenn dies vom gesamten Prykebsttiat beschlossan wird. Der proletarische Kongreß wird mit der Ausarheitung der Richtlinien für die Avheitevrätg betraut. Es wird gsmkmschaftsich ppn beiden Parteien weiter gearbeitet. Dbzwar von einem großen. Teil Herr Delegierten die sostzrtige Abstimmung verlangt wurde, wurde sie auf morgen verschob«», um noch zwei Berichte zu hören. WW glaubt, daß diese neuen Vereinbarungen mit großer. Mehrheit angenommen werden dürften. Wiener MorgenzeMmgs 7. Oktober 1920 Sette $ Die mahlen zur Bälisnalmsammlmg. Jede jüdische Stimme mutz in d en Dienst der bedrohten jüdischen G^Msinfcha-ft gestellt werden.i Jtzhe jstdischs Stimme muß fy verwendet werden, daß sie zum Schutze -er gefährdeten jüdischen Existenz beiträgt! Es sind das keine zu Wahlzwecken frischgeprägten Schlagworte, das ist der Inhalt des Programms, für welches dH JüdischNatiönale Organisation in Oesterdeich mehr als Wer Jahrzehnte.gthMA. Die unter unsäglichen Schwierigkeiten begonnene,, anfangs von Hohn, Spott und Verdächtigung begleitete Arbeit hat Mietzlich Früchte' getragen.' Dex Ausgang der letzten Parlaments? unh^GeWMdewahlen hat bewiesen, daß sich Lje Erkennt» l nis vom Werfe siidischer Polksarbest durchgerungon hat. -Die jüdische Wählerschaft hat überall dort, wo die ungerechte Wahlkreissintellung die Bildung geschlossener jüdischer Kahlgruppen ermöglicht die juhischnationalen Kandidaten gewMt und unzweideutig öokumentert, daß^ sie nicht länger Mische'Stimmen beut orgenen Volke rauben und in -yr Dienst fremder Parteien und Klubs stellen will/ „ Das, , - jüdischnatronale Programm lautet in seinen Hauptpunkten: Schutz der politischen Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürgerrücksichtslose Bekämpfung aller antisotnitifchen Uchergriffs, welche geeignet find, dis Existenz des'Mischen Anörviduums oder die Ehre des jüdischen Voffes zu Leeintrsichtigen. Berstandignm mit heu nichtjüdische» Bürgern durch offene, ehrliche Aussprache. Gesundung ^und Kräftigung der jüdischen Gemein-, schast d.urch nationale Erziehung unserer Jugendlichen zu überzeugungstreuen Juden und arbeitsfähigen Men-? schm. Berufliche Umschichtung des jüdischen Volkes durch Ileberführung möglichst vieler Individuen zu produktiver Arbeit. . * Forderung einer Außenpolitik, welche die Ver. sohuung und einen freundschaftlichen politische» und Wirtschaftlichen Verkehr mit den Nachbarstaaten, insbe. sondere Nkit den Sukzessionsstaaten, ehrlich anftrebt und ihre Hauptaufgabe in der Ermöglichung des schleunigen Eintrittes Oesterreichs in de» Völkerbund erblickt. Strengste Neutralität, keine Schutz? und Trutzbundpolitik, sondern Bölkervundpokitik! Gerechte Steuerpolitik, welche alle Vevölkßrungsklassm nach Maßgabe ihrer' 'Leistungsfähigkeit erfaßt.' Freier Verkehr und freies Gewerbe, unbeschadet der Sicherung der wichtigsten Lebenmittel und. der Artikel für die Bevölkerung, Schutz vor Ausbeutung durch gewissenlose Spekulation. Ansere Wühlerversammlungen Das Bild unserer Wählerversmmnlungen ist, je näW der Wahltermin heranrückt, ein stets erfreulicheres. Die allgemein herrschende Wahlmüdigkeit ist in unseren VersaMstnMLn picht zu spüren. De»» die jüdischen Wähler wissen, daß ihnen dort nicht beere Bersprechune gen gemacht werden und kein Schmutz an Korruption vorgebracht wird, sondern, daß das klare, eindeutige Ziel' unserer Beteiligung a» den Wahlen von, unseren Kandidaten klar und eindeutig dargelegt wich. Die. Zahl dev Versammlungen nimmt zu, aber die Frequenz ist überall gleich stark. Im Eafö Zeisl drängen sich Leopoldstädtev jüdische Wähler ebenso wie in der Klaus' M-achsike- Hadaß und eine Versammlung im sechsten Bezirkfüllte den großen Saal der Restauration „zur Schäferin" voll-? ständig. Die Reden unserer Kandidaten übten überall starke Wirkung. Die jüdischen Wähler wissen, daß es um ihr Wohl »nd Whe geht, wenn Abgeordneter Stricker darauf hi »weist, daß, solange bi« Aude» sich nicht als einheitliche Gruppe fühlen, alle schweren sozialen Kämpfe, welche dieftn Staat und die ganze Welt hejmsuchen, auf dem Rücken der Juden werden ausgefochten werden und daß wir daher selbst für uns politisch sorgen müssen. Die jüdische! Wählerschaft begreift heute bereits, was ihr Gemeinderat Dr. Ehrlich sagte, daß wohl zu'erwarten ist, daß die Sozialdemokraten keine Ausnahmsgesetze gegen die Juhen beschließe» würden, daß aber die Juden s.elbst dazuschauen msisfen, daß die bestehenden Gesetze nicht gegen sie angewendet werde». Und wen» Gemeintzerat Dp. PlaschkeS es knapp markant formuliert: Die Sozialdemokraten können keine Judenschntztruppe sein, auch wenn sie es wollten, so ist damit betont, Paß die Jnheflschast Oesterreichs, die gewiß im Kager des Fortschrittes, und der Freiheit zu finden - sein muß« doch auf der Hut sein muß, haß sie uM, wie schpy so oft, zu ihrem eigenen Schaden anderen Partei»» und Gruppen ihren Schutz blind anvertpanen kann, sondern durch eigene Pertreter die Sicherung haben muß, haß dieser Schutz stets wirksam sei. Darum ist. wa8 Herr Rebe »zahl betonte, von befondexßp.. Dichtigkeit: Dgß die jüdische Kyliiik bestrebt sein imifc sich gegenüber allen anheren politischen Parteien. M nerrtralisiereu, das heißt, ist hfe Parteikämpft der anderen Gruppen nicht einzugreifen, wie es so! oft schon zum Schaden h>ßr JMn in.Hylan,. in Upw- und auch hier geschah, schwern Mr eigene/ j üdi s che P a l i t i k zrc machen.. Me diese Argumente sind heute dem jüdische» Wähler einleuchtend tmf> klär. Der Mische Wähler weiß, daß ihm HeM wie Frau AniM Mümjf - in einer ausgezsichnetsn Rede sqgte, kein- Par'M'M- - goldenen Berge, SteNernachlässe und dergleichen/ /d^e'l sie verspricht, erfüllen kan». Wir kommen nicht -mW' diesen leeren Versprechpng-?n. Wir wosien, wie Abgs° vrdneter Stricker aüsführte, für reale politische For- , deoungen, Kr ge rechte Stenörvertsilun^ M'/ eine, allen Bürgern dieses. Staates vorteilhafte Jnpe»^' inw Außenpolitik eintreten. Das ist unser vsterreichisches Bekenntnis, unser Bekenntnis zu diesern Staate, den 'wir stützen ivollen, gerade dadurch, daß wir unser Bekenntnis, als Juden oblegen. Und da fordern wir unser staatlich gesichertes Recht. Die MischM Wähler wissen, was wir wollen. Und der Wsthldr^, wird für sie, nach den Worten der Frau Anitta Müller/ ein Tag der E n t s ch e i d u n g sein. Die geradezu enthu-. siastische AufuahW, ' .. welche sie. unseM Kandidaten/ bereitet, beweist, daß unsere Politik Vertrauen genießt/ imd läßt hoffen, daß die Entscheidung der Judenschaft Oesterreichs im Sinne ihres jüdischen Willens und ihres staatsbürgerlichen Rechtes ^ür uns fallen wird/ Die nächsten Wöhlerversammlungen. Heute, Donnerstag, 1/i8 Ahr abends« Hotel P o st, l., Fleischmarkt, Eingang Drachengafse 1/ Referenten: Abgeordneter Stricker, Dr. I. Wal-7 mann. ' ///' Heute, Donnerstag, V28 Ahr abends, Cajv I 9 l g u e r, N., Taborstraße 47. Referenten: Dememdergt Dr. Plafchke s, D. Neb enz ah tl Heute, Donnerstag. V38 Ahr abendsj Restaurant G ch m i d t, Ik., Prater 181. Referenten: Abgeordneter Stricker, Dr. E. K r a ß n y. V- Heu^e, Donnerstag, V28 Uhr abends, (Safe Schwendechof, XIV., Mariahilferstraße 189. Referenten: Dr. Destder Fr red mann, Doktor Sonderling. ' Samstag, den 9. h. M., V28 Uhr abends Restaurant Strobl, II., Obere Donaustraße 46 (Ecke Mießbachgasfe). Referenten: Mgeordnrter Stricker, Dr. I. W a l d m a n n. Samstag, den 9. d. M., 7 Uhr abenhs, Soobodas Phönixpalast, tt., Prater. Referenten: Abgeordneter Stricher, Anitta Mülles Ge« meinderat Dr. E h x l i ch. / Samstag» den 9. d. M.» Vr6 Ahr abends, Restaurant L i t t m a n n, N!,, Radetzkyfttaße 2l- Referenten: Anitta Müller, Gemeinderat Doktoi Ehrlich. Samstag, den 9. d. M., 7 Uhr abends, XVI:? Lindauergafse S. Referenten: Dr. Warün Forstes Leopold Sitzmann, S. Strauß. . Zionistische «ezirkssektton XII, XIV, XV.' ^.o •*0ß1*-* *-••»» r «-».«— M| Heute den 7.d.M., Vs8Ahr abends, imEafs Schmenderhof, XlV,r Mariahilferstraße 189 WiihlerVersamMlmg Referenten r Dr. D. Friedman«, Dr. Sonderling e. e. Mödlistg und UWgehUNg. E» S>eute, Donnerstag, V38 Uhr abends im Saale des Hotels Stadt Mödlins Elisabethftraße 1 (!. Stock) WSHlervepsamml«ng Sprechen,werden unter anderen Frau Anitta Mülle, Prö Zatzob Weiner vyM^Kü^s^m^an^M^ > Der weiß« Terror in Budapest. Das Caf6 Klub demoliert. ApS 8Ipdapest wird vom 6. d. M. hecichtet: Gestern ngchts ereigneten sich im Kaffes Klub, welches schon vor einigen Wochen der Schauplatz wüster Szenen und zweier Mordtaten war, wieder große Ansschreitungen. Etwa fünfzehn Personen nahmen im Lokal als harmlose Gäste Platz, um auf ein gegebenes Zeichen über die Einrichtungen im Kaffeehanse herzufgsten und V e r- Wüstungen anzurichten. Das PubuLum. WKete nach allen Richtungen, Frr einigen M'muten waren SphigH.. Marmortische, Schaufenster kurz u N d k l e i n "tz schlagen. Diesmal kam es -yicht, M WästMM Puhliküms, nur ein Kellney, der eipe^ dyx MWWl.. festnehmen wollte, erhielt einen Stockhieb Und wurde veyj wunhet. Hg sich hie Zsptraw heim Telephon des Hauses UM der umlwgepden Wohnuggou und Lokale ern/ nach einer Viertelstunde meldete, konnte die rechtzsitig verständigt tyer&qt und keinen RadauNwM -jsstnehmov^ Eine GchKnsuislerm, welche Zeugin der Wv!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.