Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 610 (5.10.1920)
- Date
- 1920-10-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Pinsk 1× ep/1045440
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'lSeÜe L Wien, DienstäK Politische MNKdschM;. Die s5gerrannte „Petrfura'^lxmeL-". Eine mit Len Verhältnissen im Osten wohlvertrante Persönlichkeit, welche vor einigen Tagen in Wien ein» 'gelangt ist, gibt uns die folgende Darstellung über den wobren Charakter der Petljura-Horöen, deren Kriegstaten von gewissen Preßagenturen unentwegt in die Wett hirmusposaimt werden. I Fortwährend häufen sich die erschütternden Nach»' Achten über die teuflischen Greuel, die die ukrainischen ».Truppen" Petljuras an der jüdischen Bevölkerung verüben. Kein Feind hat während des ganzen Weltkrieges, auch in der verhetztesten Zeit, wo es galt: „Nie. wanden gefangen nehmen, alles nisdermackiml" solche unmenschliche Greuel verübt, wie die Heldentrupven Mtljuras gegenüber der unschuldigen, wehrlosen jitM- Mn Bevölkerung. Und wie diese ukrainische „Armee" ausschantl Ich, der ich diese ukrainische „Armee" kenne, bemitleide die Zeitungsleser, die ft» naiv sind, -die Berichte des ukrainischen PreßbureauL über die „Opera- Lionen" der ukrainischen „Armee" ernst zu nehmen. Es ist traurig genug, daß sich Leute finden, die es für menschenwürdig batten, überhaupt „Berichte über Ope- Nationen" dieser Bande zu verfassen und zur Deröffentlichung zu bringen. Diese sogenannte ukrainische „Armee"' Petljuras hat noch vor der bolschewikischon Offensive im Juni dieses Jahres, also damals, als ihre Bestände komplett waren, höchstens zweitausend, „Frontkämpfer" gezählt. Sie ist eine Armee, noch kämpft^ diese „Armee" für Petljrrrci. Sie ist eigentlich nicht einmal eine 9?aiifcer»,,t>anbe" denn unter Räuberbande verstehen wir eine Bande, Lie auf Raub aus', 'geht, die einzelnen Rärioer müssen aber die Autorität des Rönberhöupttings anerkennen rmd sich der Räuberdisziplin unterordnen. Die „Armee" Petljuras besteht zu 95 Prozent aus professionellen Räubern und Mördern, die einzeln und sogar in kleinen Gruppen zu feig find, um Städte zu überfallen, die sich aber beim „Stab" melden, weil sie in größeren Gruppen sich mehr unter .sich fühlen und weil sie bei den „Operationen" rauben und morden und reich werden können. Diese ukrainischen Horden würden ruhigen Blutes auch ukrainische Dörfer plündern und berauben, wenn sie nicht den Widerstand der Bauern fürchteten. Sie wissen aber gut, haß die Bauern ihr Hab und Gut mit dem Leben verteidigen' werden und für solche Fälle sind sie nicht da. Gie sind nur dort „Helden", wo sie genau wissen, daß sie widerstandslos rauben und morden können, und das können sie ja nur unter der armen jüdischen Bewölkepung. welche an Widerstand nicht denken kann. Dieses 'Gesindel, welches aus den Wäldern und Svelunken erst bann aus Tageslicht Fentinh wenn der Feind auf dem Rückzüge ist, kennt natürlich keine Disziplin, unterwirst sich niemandem. Keiner ihrer „Offiziere" hat die Macht über seine „Kosaken", jeder verläßt ohne weiteres feine Formation, wenn er feine Taschen voll hat, um skirüge Monate in irgendeiner Spelunke bei einem Faß -„Wodka" wonnig ruhen 31t können. Ist der geraubte Schmuck und das geraubt Geld versoffen und ist . Gelegenhert" da, dann meldet er sich wieder beim „Stab". Es ist eine Tatsache und ich kann es durch deutsche, gegenwärtig in Wien lueitende Offiziere bezeugen, daß sogenannte „Offiziere" der berüchtigten Grnvpe Tiirtjunyk, die Tausende von Juden auf dem Gewissen hat. geraubte Schmuckgegeustände. wie goldene Uhren, Ringe und Ketten als Werbeatraktion dorgezeigt haben, um Neulinge zum Eintritt in ihre Gruppe zu bewegen. : Es wird hie und da von nationalen Bauernauf. standen in der Ukraine gemeldet. Das ist Lug und Trug. Die ukrainischen Bauern stehen solchen Aufständen gattferne und kein anständiger, nationalgesinnter ukrainischer Bauer schließt sich -er „Armee" Petljuras an. P e t lj u ra selbst ist in der ganzen Ukraine direkt verhaßt «nd wird als Plage für die Ukraine bezeichnet, l ES ist nicht meine Meinung, sondern die des größten Teiles der ukrainischen Bevölkerung, daß Petljura die Ukraine mit der Waffe in der Hand erobern müßte, wenn das Land nicht von äußeren Mächten besetzt wäre. Dieser Anschauung über die „Armee" Petljuras ist jeder, der die Berbättniste kennt. Und solch eine „Armee" soll frei umherziehen und überall, wo Juden in Massen wohnen, unsägliches ltn* heil anstisten dürfen! Die Duldung dieser Horden ist ein Verbrechen wider die Menschheit. Das Bündnis Petljuras mit den Polen hat diesen Feiglingen Mut gegeben, ihre Räubereien und Morde ohne Gefahr für sich ausführen zu können. Es hätte schon genügt, wenn fünfhundert junge, bewußte Juden bewaffnet worden waren, um diesen Helden den Mut zu ihren Heldentaten zu nehmen, aber daran ist angesichts der politischen Verhältnisse nicht zu denken. , Die Lage der Juden in Oftgalizien unüberhaupt 'in Osteuropa ist hoffnungslos. Tausende und Abertausende sind hingemordet, noch mehr Familien sind an den Bettelstab gebracht worden. Ist es dann ein Wunder, wenn in der ganzen Ukraine, im ganzen Osten hunderttausende Juden den Wanderstab ergreifen wollen? Es ist unbedingte Pflicht der Juden anderer Länder und Weltteile, diesen Unglücklichsten aller Unglücklichen zur Auswanderung zu verhelfen und ihnen; wo immer möglich, bsizustehen. Wenn auch das Jpdentum politisch noch vielfach zerWckelt.ist, muß doch dieses schrecklichste natio.- Wietter MvrgenMrmrg nale Unglück, welches je das jüdische Volk getroffen hat, jeden Hader aufheben und alle Kräfte zugemeirrstmrer Aktion vereinigen. ' : Die.Aördsrungrm der crrglischsn B§.rgavl'L?ter- .Hollandsch NlsuwS Bureau" meldet au? London: Di: Krise in der englischen Stelukohlenindnstrie scheint iiLer- •. wur-.dm Zn ):tjt. In einer Versammlung imtu* dem Vorsitz des ArbeitsministerS formulierte der Vertreter der Grubenarbeiter Zusammen mit der Abordnung der Bergtverksbesiher die Punkte, über welche jetzt die Abstinnnnng der Gewerkschaften stattsinben soll. Man ist allgemein der Ansicht» baß die Vorschläge der Dergwerksbesitzer nach den. jüngsten Abänderungen sofort von den Arbeitern genehmigt werden. DaS letzte Zugeständnis besteht darin, daß die Lohnerhöhung um einen Schilling bereits zur Auszahlung kommen wird, sobald eine Erzeugung von 240 Millionen Tonnen erreicht ist. Früher war eine Erzeugung von 243 Millionen Tonnen festgestellt worben. Da die Grundlage von 240 Millionen Tonnen bereits erreicht ist,, wird die Lohnerhöhung schon vom 1. Oktober ab zur Auszahlung gelangen. Män glaubt, 1 daß der Vollzugsrat den Arbeitern den Rat erteile!: wird, i di:stn Vorschlag Balsours anzunehmen. ZnlMtd. Die Wahlvewsgung. Fast alle Abgeordneten und auch die meisten Mitglieder der Regierung befinden sich in ihren Wablbezirken, um an der Wahlbewegung teilzunehmen. Der Leiter des Kabinetts, Professor Dr. Mayr, hat sich Ende der Vorwoche - nach Innsbruck begeben, um in seinen Wahlbezirken Versammlungen abzuhaltcn. Präsident Seitz unternimmt eine AgitationSreise durch die Länder. Er spricht heute in Graz, fährt dann nach Salzburg, Linz und Innsbruck. Wie verlautet, besteht die Absicht, anläßlich der Wahlen am 16., 17. und 18. Oktober ein Alkobolv erbot zu erlassen. Es besteht auch angeblich die Absicht, am Sonntag die BergnügungserablisienlentS zu 'perren. Die amtliche Verlautbarung der Parterenliste wird am 10. Oktober erfogen. CS steh-n in W'en neun Parteien im Wahlkampf. Die Christlichsozialen haben die bisherigen Abgeordneten Golde m und und Frau Burjan aus der Liste gestrichen, die deutschen Bauern haben sich mit den antisemitischen Militärgagisten verbunden, die Tschechen kandidieren statt des Herrn Dyorschak den Zeitnngsodministrator Vävroüichek> Durch die Abnahme der Wählerzahl und durch die Schwäche der Wahlagitation, die sich bei allen großen Parteien zeigt, ist mit einer Senkung der Wahlziffer zu rechnen. . Der brasilianische Gesandte in Mir«. Der Gesandte Brasiliens, M. Oskar de Teste von Hvonhöltz, hat am 3. b. M. dem Präsidenten der Nationalversammlung sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Teuenmgszulirge für Jntzalide. Im heutigen Staatsgesetzblatt gelangt eine Vollzugsantvrisung des Staatsamtes für soziale Verwaltung zur Ver> lautbamng, womit die Weitergewährung von Teuernngszulagen zu den auf Grund des JnvalidcncntschädigungSgesetzeS gebührenden Renten für die Zeit vom 1. November bis zum 31. Dezember .1920 verfügt wird. Sie Klagen nicht. Budapest, 4. Oktober. Das Ungar. Telegrapheu-Korresponidenz.Bureau meldet: Der Leiter der Presseabteilung der königl. ungar. Gesandtschaft in Wien, Ministerialrat Arpad Reich, hat seiner Vorgesetzten Behörde, dem Ministerium des Ae-ußern, auf amtlichem Wege die Bitte unterbreitet, gegen Friedrich Austerlitz, Chefredakteur der „Arbeiter-Zeitung", wogen seiner am 1. Oktober kn der „Arbeiter-Zeitung" erschienenen und mit der Unterschrift Austerlitz' versehenen Erklärung, den Prozeß wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung anstrengen zu dürfen. Das Ministerium des Aeußern hat diese Bitte fite nicht erfüllbar gefunden und dem Minjstettalra-t Reich die Einleitung deS Prozesses verboten. Die königl. Ungar. Gesandtschaft in Wien hat bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen der in der „Arbeiter- Zeitung" erschienenen gefälschten Dokumente am 27. Septemiber und wegen der im „Billagossag" erschienenen ebenfalls gefälschten Dokumente am 1. Oktober bereits die Strafanzeige erstattet, wodurch dem Chefredakteur Austerlitz Gelegenheit geboten wird, die in seiner erwähnten Erklärung angedotenen Beweise über die Echtheit der von ihm mitgeteilten Doku» mente cm der dazu berufenen Stelle vor dem österreichischen Gericht Unterbreiten zu können. Die königl. Ungar. Regierung, die größtes Gewicht darauf legt, daß die ganz unzweifelhafte Tatsache der Fälschung bewiesen werde» kann nicht gestatten, daß die Angelegenheit aus ein Nedengeleise geschoben. werde, und konnte audiesem Grunde ihre Zustimmung zur Einleitung des EhrenbeleidigungSprozeffeS nicht erteilen. Ministerialrat.Reich hat zum Zwecke der Klarstellung seines Verhaltens die Einleitung des D i Sj ziplinarverfahrens gegen sich vom Ministerium deS j Mutzern .herlangt, Pas. dieser Mtte. Auch zugejtirnmt tzat. Kür. '5, Öttoflet 1920 ÄIW die Dauer der DiSziplinarvntersuchung wurde MinisteriaH rat R^ch beurlaubt. Die ungarische Regierung steht ein, daß Vorsicht der bessere Teil der Lnpftrteit ist. Sie weicht dem Gerichtssaal aus und seht die stolze Miene auf, sie wolle kein Nebengel eise. Ja, wie will sie denn böweisen, daß die Dokmmlite gefälscht waren, von denen heute schon die Echtheit der nn+:* tieften durch den Herrn Reich selbst zu gestanden worden Immerhin, schickt Horcht) seinen allzu ungesthiüicu Pressechef auf Urlaub. Herr Reich, dessen Gesundheit sich'c gelitten haben muß, wird sich freuen. Sein Nachfolger wird entweder Mandl oder Holossh. TeleHMmme. ■ ■. Der VAkksrbrmdrKt. Essen, '4. Oktober. (Tel.-Komp.) Die, „Rheinischwestfälische Zeitung" meldet ans Paris: Der Rat des Völkerbundes wird am 14. Oktober sich in Brüssel untetHdem Vorsitz des belgischen Minister Hymcms versammeln. De« russische FronILerichl. Moskau, 4. Oktober. (Fuukspruch.) Fvontberichd vom 3. Oktober. Bei Nvwogrodek und Nesw'sch Kämpfe östlich der Flüsse Nsemen und Stara. Im Gebiete'von Pinsk Kämpfe westlich und südlich von Lnninez. Wiv rücken längs der Eisenbahnlinie Korosten—Rowogtad—- Wolinski vor. Feindliche Angriffe auf Notvokonstantinowsk wurden zurückgeschlag.'n. Südlich von Deraschnjn Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Der Waffenstillstand zwischen Polen «nd Litauen abgeschlossen. PnrjS, 4L Oktober. (Funkspruch.) Aus Warschau wird gemeldet, daß der Waffenstillstand zwischen Polen und Litauen abgeschlossen worden ist. Neuerliche Kampfe zwischen Polen und Litauen. Stonmo, 4 Oktober. (Litauische Tel.-Ag.) Die Posen überfielen mit einigen Divisionen Kavallerie und Artillerie die Litauer bei Oranh und besctzten nach h.-siiaem Widerstand den Babnhosi Aut beiden Seiten gab eS große Verluste. Die Polen fetzten die Angriffe auch an anderen Orlen fort. General Wehgand an die Wrangelfche Frank abgegangsn? Moskau, 4. Oktober. (Funkspruch.) Eine französische Militärmission mit dem General Weygand an der Spitze ist an die Wrangelsche Front abgegangen. Aus Konstantinopel wird berichtet, daß die zur Unterstützung Wrangels bestimmten algerischen Schützen angekommen seien. Konskription russischer Untertanen in der Türket. KonstcmtiNopel, 30. September. (Jewish Vorr. Bur.) Der Dcrtrrtec Wrangels bei der Interalliierten §kommission in Konstantuvopel erließ einen Befehl, daß alle in Konstantinopel und Umgebung lebenden russte schen Untertanen sich zu Militärzwecken registrieren lassen müssen. Dawiderhantelnde werden verhaftet und nach der Ukraine abgeschoben werden, wo sie den Militärgerichten eingeliefert werden sollen. Türkische Truppen in Armenien einmarschiett. Amsterdam, 4. Oktober. Die „Times" «fahren ans Konstantinovel. es bestätige sich, daß Kia'sim Karahekir Pascha mN 15.000 biö 80.000 Mann regulärer Truppen die armenische Grenze überlchntten und Olty genommen habe. Ja Aimenien herrsche große Erregung. Dre Regierung könne de« Eindringlingen kaum die Halste Truppen entgrgenstellen, um di« Nord-» Ost- und Südostgrenze nicht zu entblößen. Anrnhen in Andren. LoindvN, '4. Oktober. (Reuter.) Den „Times" wird unter dem 1. d. M. aus Bombay gemeldet: Die Arbeiter der Gasanstalt haben ihre Arbeitsstätte verlassen. Die Stadt liegt im Dunkeln. Sehr ernste Unruhen sind im Distrikt von L a k h i n t u r in der Provinz Assam ausgebroche-,l, wo die eingeborenen Beamten der Teehandlungm in den Streik getreten, sind. Die dortselbst ausgebrochenen Unruhen breiten sich weiter aus. Ausbreitung der Anruhe« in Irland. London, 4. Oktober. (Reuter.) In der Nacht zum 3. ist es in Eo t k wiederholt zu Angriffen auf Pvlizeipatrouilten ge-, bommen, wobei ein Polizetbcamter getötet und vier verletzt würden. Aehnliche Nachrichten kommen aus Dublirt «nd French. In French wird eine Polizeikascrne von den Blttttfeinern belagert. In der Grafschaft Cork wurde «in Zug angehalten und das Militärmaterial aus ihm geraubt. Das Leichenbegüngnis Jakob Schiffs. New«Vorr, 80. Septembtt. (Jewish Eotv. Bur.) Das Leichenbegängnis des jüdischen Philanthropen Jakob Schiff fand Dienstag unter Beteiligrlng eimr ungeheuren MenschenmenKr statt. Während des LeichLttzu-^Z haben alle Gerichte ihre Tätigbeit eingestellt. Präsident Wilson richtete an die Hinterbliebenen ' Verschiedenen ein Kondelenztelegramin. Die U S. P. G Berlin, '4. Oktober. Bei den gestern '<15-.' ftcri.gesurrt bene«. Urwahten für den Parteitag der, & A, wurde«