Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 609 (4.10.1920)
- Date
- 1920-10-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 2 ' Wien. Momag »>» . .... 2öteusi? MsrZsrrzeteurrg 4. Oktober 1920 Nr, 609 betreffenden Landes gewährten Kr-edüe Verwendung finden. Sie würden, und zwar Kapital und, Zinsen, in der Währung des.Landes des Exporteurs oder auch in jeder anderen Währung zahlbar sein, über welche sich die Exporteure oder Importeure etwa einigen würden. Ein- und dieselbe Obligation würde nicht auf die Währung verschiedener Länder lauten dürfen, aber man würde Polle Freiheit haben, um die Anweisungen auf die Währung eines ganz beliebigen Landes lauten zu lassen, vorausgesetzt, daß das betreffende Land den Entwurf angenommen hat. Im Verlause der Nachmittagssitzling ergab die von den verschiedenen Seiten geführte Diskussion die grundsätzliche Zustimmung zu diesem Projekt. Auch der französische Delegierte Avernol sprach sich sür dieses Projekt aus. _ Arrswrisurrg eines Kommumsten KNs Preszburg. PrSi?, 4. Oktober. (Privat.) „Ceskä Slovo* meldet aus Prcßbrrrg: Gestern wurde der Schriftleiter des diesigen Kommunistischen Organs, Pfifferling, aus oer Slowakei ausgewiesen. Eine Deputation der ungarischen Sozialdemokraten verlangte vom Minister MiLura die Widerrufung dieser Vorkehrung. Die Deputation drohte mit einem Generalstreik. Die Regierungsorgane sind entschlossen, die Ordnung aufrecht zu erhalten. _ Der türkische Thronfolger verübt einen Selbstmordversuch. Konstantin opel, 2. Oktober. (Havar.) Der präsumtive Thronfolger. Abdul Medschid hat einen Selbstmordversuch h^angen, indem er Gift nahm. * Abdul Medschid dürste die Tat infolge der traurigen Lage seines Vaterlandes begangen haben. Erst vor kurzer Zeit unternahm er einen erfolglosen Fluchtversuch ans Konstanttnopel, wurde jedoch von der Entente unter Be» Waldung gestellt. PolMsche^NMÄschM. Das jüdische Schukroesen in Dalastma. Jerusalem, 27. September. (Jewish Corr. Birr.) Die Zionistische Organisation hat im Budget für daS Ichulbildungswesen in Palästina bedeutende Verkürzungen vorgenommen, die es unmöglich »rachen, das vorgezeichnete Arbeitsprogramm zu abiolvieren und daher bei den Lehrern im^Londe den schärfsten Protest auslösten. Üm das Unternchtswesen im Lande auf der erforderlichen Höhe zu halten, haben die hebräischen Lehrer auf ihrer letzten Tagung beschlossen, aus eigenen Mitteln 1000 Pfund.Sterling monatlich, und r.war in Form von unentgeltlichen Uebcrstrmden, fiir die Ausgestaltung des Lehrbetriebes zu spenden. Diese Ueberstunden sotten insbesonders den neuzugewapderten Arbeitern zugute kommen, damit sie raschestens die debräische Sprache erlernen und die Möglichkeit haben, sich in das neue kulturell« Leben ln Palästina einzufügen. __ eugNschs Presse Wer olmam ln Anyar« London, 1. Moder, LJewffh ssorr, Bur.) Die eng. liichr Presse bespricht dis sich auL dem Numerus esausus in Ungarn für dis .dortigen Juden ergebenden nachteiligen Folgen und weist daxauf hin, daß dies« Gesetze in schärfstem W idkrspruch zu den Artikeln E>6, 67 unh Ä des von der ungarischen Regierung Unterzeichneten Vertrages von Trianon stehen. Was die Absicht der Regierung betrifft, die Juden Ungarns rn die Arme des Zionismus zü treiben, erhellt di« Uursahrhaftigkeit dieser offiziellen ungarischen Behauptung schon daraus, daß die Zionistische Organisation in Ungam sozusagen illegal wirken muß, da deren Organisationsstatut von keiner uuganschen Regierung bisher genehmigt wurde. Die Lage der Jude« von Tunis. Anttssw.trtcrNAs rer französischen KolonialvrrrvatLnug. Mau schreibt uns aus Karls: Dis Vertreter bet Juoen von Tunis haben dem Komitee der jüdischen Delegation bei der Friedenskonferenz in Paris etn Memorandum überreicht, in-welchem ihre Lage beleuchtet wird. , Um die Juden von Tunis, welche stch ungefähr auf 100.000 belaufen dürften, hat sich die französische Proiektoratsregierung nie gekümmert, ihre Politik beschränkte sich darauf, den Inden Hindernisse in den Weg yt legen. Sie werden als „Fremde" behandelt und dies in einem Lande, das sie vermutlich schon vor der Eroberung durch die Römer bewohnt haben. Sie müssen ihren Unterricht auf eigene Kosten besorgen und sind von allen Demtern im administrativen Dienst ausgefchlofsrn; sie sind einer Justiz ansgeliefert, die leviglichj ein Instrument in der Hand der Regierung bildet, ganz zu schweigen von den Hindernissen, die ihrer Auswan erung und Natur'.lisat'o.l in den W g £*Ie yt werden. Die wiederbolten der tunesischen Juden gegen die ihnen si-indlicken <-«'-iü.g-.rngen der Dchörden und Hegen die Verw-eigerung jvglicher Organisatton sind stets UDMrt W^MeMn M M passive RegierungSnntiseuütisuulS zu einem aktiven gestaltet und der Krieg hat zum Borwand für zahlreiche Uebergriffe gegen die Juden gedient. Als im August 1917 Unruhen in Tunis ausbrachen, haben von Franzosen aufgestachelte Soldaten Plünderungen und Morde verübt und der Tag des Waffenstillstandes, - der 12. November 1918, brachte eine wahre Jagd auf die Juden, die von angesehenen Mitgliedern der französbscheu Kolonie veranstaltet war. Die Juden erhielten für alle diese Ausschreitungen keinerlei Genugtuung. Im Gegenteil, die Administrativbehörde beeilte sich, dir Lüge vorzubringen, daß diese Vorfälle auf den alten Rassengegensatz und auf die durch jüdische Spekulanten verursachte Teuerung zurückzusühven seien. Die Juden von Tunis verlangen für sich die Anerkennung als ethnische Minderheit und die gleichen Rechte wie die anderen Eingeboren. Diese Anerkennung würbe ihnen die Schaffung von wirtschaftlichen und sozialen Organisationen erleichtern und die. Verteidigung ihrer Interessen ermöglichen. Ferner fordern sie eine ihrer Zahl und Bedeutung angemessene Vertretung in allen Körperschaften, welche durch WM erfolgen soll, und die Freiheit, die Staatsbürgerschaft des Landes beim Verlassen desselben mit einer anderen zu vertauschen, ein Recht, das infolge der Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina nötig, werden wird. Schließlich wird gefordert, daß der Staat oder die Gemeinden den Unterricht der jüdischen Kinder übernehmen sollen, das heißt also, daß die Schulen der französisch-assimilw' torischen Alliance Jsraelite Universelle unterdrückt werden und an deren Stelle eine Staatsschule trete, in welcher für den Unterricht in jüdischer Geschicks und hebräischer Sprache gesorgt und die jüdischen Bräuche beobachtet werden sollen. Der ewige Pogrom. . Der jüdische Jammer in der Ukraine. Der Berichterstatter des „D a i l y H e r a l d" sendet seinem Blatte grauenvolle Bilver aus der ukrainischen Hölle, wo die entmenschten Bestie» DenikinS, dem Petljura folgte, in der entsetzlichsten Weise gewütet haben und noch wüten. Wenn man diese Gerichte liest, muß man an allem Menschentum verzweifeln und an einer Welt irre werden, die sich die zivilisierte nennt und solchen Jammer ruhig zu dulden vermag. Der Berichterstatter entwirft ein Bild der Vorgänge in Fa stow, wo die Denikinschen Unholde in bestialischer Weise gewütet und zahllo.se Menschen hingemordet haben. Die ganze Stadt, die vorher 8000 Juden beherbergte, von denen 2000' übriggeblieben sind, ist ein Trümmerhaufen. In einem Tempel wurde eine ganze jüdische Versammlung bei lebendigem Leibe verbrannt. 1 Die Leute, die der Gewalt entkommen sindkönnen nickt ohne Schluchzen von diesen unbeschreiblichen Gransamkeilen berichten. I» einem Hause versuchten Denikinsche Kosaken, bi« Eltern dazu zu bringen, ihre eigenen Kinder zu erwürgen, und töteten sie unter Qualen, weil sie sich dagegen wehrten. Die Leichen liegen unöeerdigt in den Straßen. Mehrere Mochetz nach dem Pogrom fand man viele Leichen in einem Keller, die dann erst verbrannt wurden. Viele Juden wurden von den Kosaken gezwungen, ihre Häuser anzuzünden, und wurden .dann alle in die Flammen gestoßen. Kinder starben vor Hunger, weil sie nicht Nahrung suchen konnten. Ein Kind, das hie Hand nach Brot ausstreckte, starb vor Erschöpfung in hem Augenblick, da es ein Stückchen Bwt erhielt. In einem verlassenen Spital lagen verweste Körper neben noch lebenden. An den jüdischen Feiertagen Übersielen die Kosaken junge Mädchen in den Syynagogen und viele stürzten sich au- Verzweiflung don den Galerien herab. Einzelne Bilder, die der Berichs schildert, sind so kraß, daß man sie gar nicht wiederzugeben vermag. Das jüdische Spital wurde von den Deuikin-Soldaten niedergerissen. Drei Tage später kam ein Offizier mit sechs Mann mit dem Auftrag, die Verwundeten aus Fastow, die im allgemeinen Spital ’ behandelt wurden, zu töten. Sie wurden alle kalten Blutes mit dem Bajonett niedergemacht. Mer Fa stow ist nur ein Keine- Beispiel für zahllose Orte, in denen Aehntiches geschehen ist. Petljura hat stch inzwischen als ein treuer Schüler DenikinS erwiese». Auch gegen dir Pole« «hebt der Bericht schwere Beschuldigungen. Nach der Schilderung der furchtbaren Vorgänge fordert der Berichterstatter die englische Regierung auf, eine Untersuchungskommission hinzusenden, um den Pogromen Einhalt zu tun. (Denikin hat sich nach seiner Niederlage bekanntlich nach. England in Sicherheit gebracht.) ._ Tagesbericht. Dte GkywM-errrrrgsverordrrimg für Palästina Bezüglich dev Sinwanderungsverokdnung wurde folgende ossizielle Note, die vom Foreign Office genehmigt wurde, herausgegeben, die in Bälde publiziert werden wird: Die Einwandernngsverordnung ist erlassen worden zu dem Zweck, um den Grundsätzen der Jmmigrationspolitik, die von dem Oberkommiffär auf den Versammlungen in Jerusalem und Haifa skizziert worden sind, Wirkung zu verleihen. Der Eintritt in M KM jjt jopM |ß Pm $%» M öfl Herr KlmM« grenzen streng zu kontrollieren, wie die Bedingungen und die Bedürfnisse des Landes es erforderlich machep, Gin Jmmigrationstzirektyr ist ernannt worden, der Jmmigrationsbeamte an den hauptsächlichsten Eingangsplätzen des Landes unter sich haben wird. Niemandem — mit Ausnahme gewisser Beamtenklassen wird es möglich sein, in Palästina Einlaß zu finden, wenn er nicht im Besitz eines Passes oder eines ähnlichen Erlaubnisscheineist, der durch das britische Konsulat am Abreiseplatz vidiert sein muß. Außer mit einem Paß muß jeder Einlaßbegehrende sich darüber auSweisen, daß er die nötigen Existenzmittel besitzt oder imstande sein wird, sie zu erlangen, sowohl fiir sich als auch für seine eventuell mit ihm einwandernden Angehörigen. Er wird sich ar^ch einer ärztlichen Untersuchung unterziehen müssen. ES wird ein Grund sein, ihn zurückznweisen, wenn er an einer Krankheit leidet, die, von den medizinischen Autoritäten nachgewiesen. ihn als unerwünschten Einwanderer erscheinen läßt oder wenn er geistig als minderwertig befunden wird. Es werden Anordnungen getroffen werden, daß alle Personen im Hafen oder an der Grenze untersucht und in zweifelhaften Fällen zurückgehalten werden. Bei endgültiger Verweigerung der Eintrittserlaubnis wird der Immigrant durch Order des JmmigrationsdirektorS in jenes Land zurückgeschickt, aus dem er gekommen ist. Jede Person, die die Erlaubnis zum Eintritt erlangt hat und die sich in Palästtna aufhalten will, muß auf dem Polizeibureau desjenigen Distrikts, in dem Aufenthalt genommen wird, Mnzelheiten üb« Nationalität, FamMe, Zweck des Aufenthalteim „ Lande usw. angeben. Die Registrierung muß innerhalb zwei Wochen nach der Ankunft in da- Land gemacht werden. Die Unterlassung der Registrierung innerhalt der angegebenen Zeit ist ein Vergehen gegen die Verordnung, die die Person der Ausweisung oder anderen Strafen aussetzt. Personen, die durch das konsularische Visum als Touristen oder in Transit nach einem anderen Lande, ' zum Beispiel Damaskus, bezeichnet worden sind, sind von dem Registrierungsobligo entbunden, insofern ihr Ausenthalt in Palästtna drei Monate nicht libersteigt. Wenn sie diese Periode überschreiten, müssen sie registriert werden und von dem Jmmigrationsdirektor die Aufenthaltserlaubnis erlangen. Der Oberkommiffär hat die Befugnis, einen Ausweisungsbefehl gegen jede Person zu erlassen, die innerhalb fünf Jahren nach dem Eintritt in das Land nicht palästtnensischer Bürger geworden ist, wenn sie zu einer einen Monat übersteigenden Gefängnisstrafe infolge Vergehens gegen die Einwanderungs- Verordnung oder für irgendein anderes Vergehen verurteilt worden ist oder wenn es im öffentlichen Interesse, gelegen ist, daß sie das Land verlasse. Der Oberkommisiär hat ferner die Befugnis, irgendein Individuum oder eine Klaffe von Personen entweder gänzlich oder teilweise von^ den Bestimmungen dieser Verordnung zu befreien. Diplomattsche Personen und Konsuln, Mitglieder deS britischen Militärs, der britischen Marine und Aviattk oder deS palästinensischen Zivildienstes, die zur Ausübung ihrer Pflichten in das Land kommen, sowie jeder Seemann, der im Laufe einer Reise in Palästtna landet, sind von den Bestimmungen befreit. Ebenso können spezielle Abmachungen für Wallfahrtsteilnehmer getroffen werden. Alle Verfügungen — mit Airsnahme eines Paffes — beziehen sich nicht auf jene Personen, die seit der britischen Okkupation ständig i n P a l 8 ft i n a gelebt haben und die jetzt in daS Lantz zurückkehren, nachdem sie eS ans geschäftlichen oder privaten Gründen berlaffen hätten, ebenso nicht auf jene Personen, die ein Jahr lang vor AnSbruch detz Kriegeständig in Palästina gelebt haben. Der tzistveitzer Dr. Markus Vran« geftorbeu. I« Alt« von 71 Jahren starb in Breslau der Historiker Professor Dr. Markus Braun, Dozent und Biblis thekar sm dortigen Jüdisch-Thtologlschrri Seminar. Als Sohn despäteren Schnridemühler Rabbiners Sal. Brann in Rawitfch grbore«, stobürte er in Bre-lau, promovierte dort 1873 mit emer lateinischen Abhandlung über die Söhne des HerodrS, die später ln erwriterter Form als Buch erschien, war dann alS Radbiner in Dresla« und Pteß, vorübergehend auch als Direktor des Auerbach lchen WaifeahavstS m Berlin tätig nud wurde 1891 als Nachfolger ft»«rs Lehrer- Heinrich G r a e tz ats Dozrut sür jüdische Geschichte und Läeralur an da- Nabbinerlemlnar in Brrsta« berufe«. Hier entfaltete er alS Lehrer und Forscher «in« uugemr« fruchtbare und auSgcb'eitete Tätigkeit. Seine schickte der Jude« und ihrer Läeratur" erschien 1893 bis 1613 in drei.Püvde«, fern »Lehrhuch der jüdischen Geschichte" (4 Bände) 1804 bis 1910; beide Werke wurden wiederholt aulgelrgt. Bon serne» sonstigs« Publikutivnm sn^ lmwen: „Geschichte der Juden in Schlesien* (5 Bäubc, bis 19iG); „Ein hiqtf Gang durch dr« jüdische Geschichte und Literatur" (2. Auslage, 1907) i „ZacharraS Frankel* (1901); „Geschichte des Jüdrsch-Tbrologrschw Seminars i» Breslau^ (1904). Seit Jahren gab er die angesehene und einstußrttche „Monat »schrift für £1» Wisse« schast d « - Judentums* heraus; di« Herausgabe der Germania Judaica lag gleichfalls in seine» Händen. AtS Autorikät in seinem Fach anerkannt, genotz ec ins In- und Auslande gleich hohes Ansehen. In den letzten Iahrer widnrte er sich eifrig der Gründung einer jüdischen Lolkshoch« schule in BrrSla». _ V* Betrüver an der Arbeit. Die Schwindler von der »Mitropa". Drei junge Leute, der 25jährigeAlexander Kleirh der abjolvinte Exporlakademiker Thomas G e r g e l P unt