Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-10-04 · Heft 609 (4.10.1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 609 (4.10.1920)
Date
1920-10-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979687--05406-2991255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

#r COfr her 59iähnße Ärix Nottmann haben vor einiger Zeit unter dem hochtrabenden Titel „Mitropa", eine HandelS-- gcftllschasl m. h: H„ für Wort und Import im 7. Be-? zirft, Siebensterugasse 29 gegründet. Auf die Anzeige der Privaten Elsa Laza'rÄS-Abrahaitt aus Szambor hin, wurden die drei jungen Leute verhaftet, weil sie sich zahlloser Betrisgereien schuldig gemacht hatten. Sie besaßen auch einen Kompagnon in Agram, namens Nikolaus Szende, mit dem sie in Verbindung standen, und dieser war es, der Frau Lazastzs als erster zweihunderttaufend Kronen für den angeblichen Verkauf von Kokain entlockte. Es wurde alsbald festgestellt, daß das als Kokain bezeichnet Mittel gewöhnliche geschlemmte Kreide war. Frau Lazarus ließ Nikolaus Szende noch in Agram verhaften. Die drei Wisner Schwindler hatten Frau Lazarus u,m Teppiche im Werte von einer Viertel- Million Kronen und uni 15.600 Dinars, die für ein angebliches Automobilgeschäft bestimmt waren, gebracht. Eine mysteriöse Schiebergeschichte. Am 28. v. M., 10 Uhr abends, kam der Kauft mann Jry Citron in die Wohnung des Kriminalbeamten Stefan Hanke und braihte den Nnstmcheraehilsen Max Schmergel und dessen Halbbruder, den Malergehilfen Emaunel Seidel mit, und erzählte dem Hanke, daß er am 28. v. M. dem Max Schmergel vor einem Kaffeehausr ht der Taborstraße einen Betrag von 866.606 Kronen zu dem Zwecke übergeben habe, daß er das Geld in ungarische Valuta, umwechfle. Citron fügte hinzu, daß Schmergel nun behaupte, er sei noch am selben Abend'auf dem Mathildenplatz von einem angeblichen Kriminalbeamten angehalten und bis in die lsiähe des PolizeikommissariatS Brigittenau geführt worden; dort habe ihn der „Kriminalbeamte" die 300.000Kronen abgenom« men und sei mit dem Gelde verschwunden. Kriminalbeamter Hanke führte nun die Gesellschaft zum Polizeikommift sanat Brigittenau, wo sich bald ergab, daß rein wirklicher Kriminalbeamter daS Geld beschlagnahmt hat. Es tauchte aber zugleich der Verdacht ans, daß Schmergel selbst das Geld veruntreut habe. Unter dem dringenden Verdachte, an.der Gäunerkomödie teilgenommen zu haben, wurde außer Max Schmerze! und Emanuel Seide! auch der Schneidergehilft Julius Schmergel und der Friseurgehilfe Abraham Gründling er in Verwahrungshast genommen. Am 30. v. M. trat eine überraschende Wendung ein. Am Nachmittag erschien der Rechtsvertreter der Beschuldigten im Amte des Kommissariats Brigittenau und teilte im Namen des Geschädigten Kaufmannes Citron mit, daß am 30. v. M. ein Dienstmann am Nachmittag dem Citron ein Paket mit. 250.000 Kronen und einem nicht unterschriebenen Brief gebracht habe, in dem der anonyme Täter erklärt, er bereue seine Tat, bereue, daß seinetwegen „vier Unschuldige" in Haft genommen seien und schicke den Teilbetrag zurück, werde aber auch die restlichen 50.00 Kronen auf dem nämlichen Wege einsenden. Das Kommissariat forschte den Diensimann in der Person des Hirsch Na dl aus. Der Dienstmann gab beim Verhöre an, das Paket mit der Viertelmillion und dem Briese habe ihm vor dem Kaffee Buchsbaum in der Tabor straße ein etwa 35 jähriger elegant gekleideter Mann mit englischem Schnurrbart übergeben. Die Erhebungen zur restlosen Aufklärung des verworrenen Falles werden fortgesetzt. Der Rmrbrrwrd an dem Holzhändler Urftr. Verhaftung des Mörders. Wie berichtet, ist der Agent Alois Schrefel, der verdächtig erschien, den Autonnternehmer Ursa in einen Wald gelockt und dort an ihm einen Raubmord verübt zu haben, vor einigen Tagen aus seiner Wohnung verschwunden. , Sonntag stsih, Uly 4- Mft wurde Schrefel, als er in. seine Wohüilng zürückkehren wollte verhaftete- Bei den ersten Einvernahmen leugnete er entrüstet, mit der Tat irgendwie in VerdinHM 'zü stehen;''schließlich aber legte eruntep Zeichen tiefer Uei« ein umfassenhes Geständnis ab. Ex gab zu, dqß er es gewesen, den allein den Urs« getötet hat. Seine Bluttat suchte er zu entschuldigen mit seiner bitteren Notlage: er sei ohne Erwerb gewesen ft-Md habe ferne MbgMkert gehabt, seiner Fräu"die enlsprechenden Milte! füt den Lebensunterhalt zu bieten. 2m Cafe ^Heumarkt" .fei er mit Nrsn bekannt gewvrde», habe mit ihm öfters gespielt und dabei . MhrMMfnen- Da sei -näH und''nacks' der Entschluß'gerömmeu, den Ursu ztt^etmor'den ützd'-zu üerauhrn. Zur AuSsührung der Tat"-borgte er -sich von einem Bekannten eineg k l e im e n H a m tu e r gutz. Die Gegend, in die er das unglückliche Opfer zu führen gedachte. konnte er von fnA)erm Gesuchen sehr gut. '' Als i sie an eine einsame Stelle im We.Id/r k^n'-n, habe er den Ursuplötzlich von hinten mit dem Hammer überfallen und'ihm ungezählte Hiebe Über den Kops beigebracht.. Ohne Gegenwehr stürzte Nchl hei den ersten Hieben bewußtlos zusammen. Der Raubmörder tzlüt zu, seinem Opfer einen Barbelrag von 47.000 Kronen abgenommcn zu haben. Nach verübtem Verluecheu ftiM. Okhresel nach Wien zurück und erzählte seiner Frau sreudcstraylend von dem „einträglichen Holzgeschäft", das 20.000 Kronen erbracht habe. Er zahlte drückende Schulden an Verwandte und trat als Lebemann au?. So veest'iefte er am T::p 8000 Kronen. Ansehnliche Summen gab er auch in leicht fertiger Gesellschaft aus. MteilMWn mrS dm Publikum. uai fiJkantt 773 f£¥Tf£f$ gtz, Kariaiiilferrty. 68 Gespräch mit ekrrem Harth Sr lge«. Itt der leckm Leipsigrr Wbchenscbrift ,.Drr Mcabe", die sktzt gnmu ihiM rrsim GelmptStm ft'-rt, finden wir diese dem Leben abgelquMrte Skizze, an der nur der Dialekt leipzigisch ist: „Guten Abend!" « „Nahmd." „Ni? Noch unterwegs so „Hamm Ses denn ooch grlähs» „Was?" „Na. da muß eö je beese hährgegang sinn!" „Wo?" »Hjahijah, da isses widdr mah beese hährgegang!" „Wo denn?" „Da genn mir «nsern Hiürgodd danggn, daß mr «ich drbei warn!" „Was war denn?" „Die Hamm je rrischd ze fcixn gehabh!" „Was ist denn ckgmtlkch?" „Freilich» da Hamm Se rachtzk Mr iss heidzrdaache närjens mehr seines Lähms sichr!" „Wovon reden Sitz denn »Awwr das Ham die alles ärschd in Griejc gfiärvd, «n nuh genn seS nich laffn!" „Was iü denn bloß geschehen?" „Dr Mensch iss ähmd a GewohnheidSdier." „Wieso?" „In dr Zeidung schdehds. A langkr Ardiggl, auSfiehrlich geschildrd. draurich, io waS..." ' „Wenn ich nur wüßte, wovon Sie reden!" „Nich wahr, das gähm Sie iälwrzu? Daß.solche Dinge iwwrhaubd noch merjlich sinnt Mr häldjeK nich st dänggbar!" „Ich verstehe kein Wort." „Uffgehangtd missdn die währn! Diese Schwähskbcrndf, diese goddloft!" „Ich habe keine Ahnung, was Sie meinen." „Nee, nee. das gabs frieher nich. DeMänschn sind vnrohd- Sogar Gindr warn drbei!" „Wobei denn?" „Awwr erreichd Hamm se drodzdähm nischd, ä Gligg!" „Solo." „Was saachn S i e denn nuh reindlich drzu?" „Ja, da ckuß eS böse hergegrngen sein." „Wa?" „Böse muß es da hergegangen sein!" „Wa??" „Da muß es bös hrrgcgangen sein!" „Ach so. Ijah. Ich ooch. Nnn nuh wills awwr machn. daffj weidrgomme. Leichsenrings ward» schon ufs mich middn Schgaad. Guddn Ahmd!" „Nahmd!" H. R. Brrsslßafte» der Nedaktio«. Arrf viel« Zuschriften. Wir sind nicht in der Lage, auf zahlreiche an uns genchiete Anfragen briesiich zu antworten. Für diesen djweck wurde der „Briefkasten" eingerichtet. — Student. Da Sie Ausländer sind, wird das schwer gehen. Versuchen Sie eS mit einer Inskription als außerord'iiklicher Hörer- Alles nadere erfuhren Sie an der Universität. — Agitutov II. i. Zirka 1*2 000. 2. 60.000. 3. Läßt sich momentan nicht ermitteln. 4. Gewiß! — SR. K. Insektenpulver. — Abonnent. 16. Julr Nv'en K 3.«5, 26. Jul, K 3.83. 27. Juli K 3.81. - Handelsschüler. Diese Zeugnisse genügen für ihren Zweck völlig- Redigiert von Dr. Ganel Deee. Elr-fKes über hM KreLslsi'rett. Im letzten Artikel wurde'auf dis starke Zunahme der Krebserkrankungen und die Wichtigkeit der möglichst frühzeitigen Erkennung des tückischen Leidens hinge» wiesen, da bei rechtzeitigem operativen Eingriff die Aussichten auf Dauerheilung am günstigsten sind. Leider kommen die meisten Fälle viel zu spät in die ärztliche Behandlung, woraus die große Zahl der Mißerfolge %u* rückzirsühren ist. Darum ist eine entsprechende Aufklärung deS Publikums notlvendig und gerade die zunehmende Kenntnis der Symptome des an und für sich so häufigen Leidens wird den Schrecken bannen, der diejenigen befällt, die an einem Kvedsübel zu leiden glauben. . Ueber dis Ursachen des Krebsleidens sind die verschiedenen Aerztekapazitäten noch nicht einig. Während bis sinen eine bestimmte angeborene Anlage und Disposition annehmen und damit gewissermaßen ein unabändertiches gsauenhastes Fatirm anerkennen, leugnen andere jede hereditäre Veranlagung und bekennen sich zu Anhängern der parasitären Infektionstheorie, hie in Parasiten oder bestimmtLN Hefezellen den Erreger des . Krebses erblicken.' Für ^letztere Auffassung spricht doS ' nicht so seltene Auftreten des Krebsleidens hei zwei in enger GeNieinschaft zusammenlebenden Personen. Nichtig ist, daß besonders solche Organe erkranken, die stark in Unspruch genommen oder der Sitz längerer entzünö'icher Gewebsveränderungen waren. Zu diesen ttberoustren-.lU'N Organen gehören die Gebärmutter, die Brustdrüse bei - Frauen, der Mögen und der Masido-'rn. I»n allaoiuoinen \ bevorzugt der Krebs das höhere Alter, die meisten Er- I iiüuiui^cjt ftuöen udj d‘iHia)eu den; ül). uub 60. LebenS' 4. Oktober 1YM Gelte § fahre, doch bisweilen wird auch ein jugendliches Individuum von einem Brust- oder Mastdarmkrebs befallen. Was den ersteren betrifft, so erscheint jede in der -Brustdrüse 'austretenbe nWentzündliche, selbst nur haselnußgroße Geschwulst verdächtig und soll unbedingt aus Gründen der Vorsicht operativ entfernt werden. Der Mastdarmkrebs kommt gewöhnlich viel zu spät in hie ärztliche Behandlung, weil die anfänglich geringen Beschwerden meist aus einen harmlosen Dickdarmkatarth oder ans blutende Hämorrhoiden bezogen werden und zudem sich viele Patienten der notwendigen peinlichen Untersuchung entziehen. Ebenso steht es mit dem Gebärmutterkrebs. Die Meisten älteren Frauen finden an den Unregelmäßigkeiten der blutigen und schleimigen Ausscheidungen nichts Besonderes, wollen die kleine Unbequemlichkeit der inneren Untersuchung nicht als dringliches Erfordernis ansehen und schieben sie so laN^e hinaus, bis der spät durchgeführte Eingriff dann erfolglos bleibt. Die Magenkranken führt das Erbrechen, die meist bestehenden Beschwerden früher zum Arzte. Selbstverständlich können fast alle Otgaue krebsig entarten doch die besprochenen Körperstellen bilden den häufigsteir Sitz des Krebsübels. Der sich selbst überlassene, nicht behandelte Krebs bildet die ungünstigsten Aussichten, während die Resultate der operierten und mit Röntgen oder Radium nachbehandelten 'Fälle dank der immer fortschreitenden Technik von Jahr zu Jahr sich bessern. .Aus alldem ist zu sehen, wie unbegründet die Beftirchtungen der Unheilbarkeit beß' Krebsleiöens beim Publikum sind. Ist doch dieser tückischen Krankheit durch die Operation viel leichter beizukommen als etwa einer schleichend oder galoppierend verlaufenden Tuberkulose. AechMche Winke. Schädlichkeiten nach Zireumzision. Die rituelle Beschneidung ist ein operativer Eingriff und muß-demgemäß nach den Prinzipien der modernen Chirurgie durchgeführt werden. Oft genug hat der Arzt Gelegenheit, schädliche Folgen dieses rituellen Eingriffes zu sehen. Dies kommt daher, daß der Operateur die entsprechende Reinigung der Hände, der Instrumente oder des Operationsfeldes unterläßt oder gar, wie es bei den Orthodoxen bisweilen noch üblich ist, die ftifche Wunde durch den tuberkulösen öder syphilitischen Beschneider' abgeleckt wird. Um also Eiterungen, Rotlauf und dergleichen zu vermeiden, empfiehlt es sich, diesem wichtigen Akt nur durch einen medizinisch Geschulten, durchführen zu lassen, am besten durch einen Arzt. Schnupfen und Eiterpusteln. Bisweilen beobachtet man bei Kindern der ärmeren Kreise! nach Schnupfen das Auftreten zahlreicher Eiter- Pusteln. Die Kinder verschmieren sich den eitrigen Ausfluß aus der Nase über die Haut des Körpers und so entstehen an den Händen und besonders im Gesicht die erwähnten Pusteln. Man muß also bei bestehendem Schnupfen der kleinen Kinder durch häufiges Entfernen der schleimigen Absonderungen aus der Nase und Reinhalten der Hände die unangenehme, tzas Wohl deL Kindes beeinträchtigende Hauterkrankung zu vermeiden suchen. AorZtlicher Fsc-^ckraftLn. Fra« R. K. Empfehle gegen Schrunden der Brustdrüse die Mammelinsalbe, die jedoch vor jeder Verwendung der Brust mit in Alkohol befeucheter Watte entfernt werden, mutz. — Herzeleid. Gegen Haarausfall: Abends einreiben tfti| lOprozentiger Schwefelsalbe, morgens mit Lprozentigem Resorzm-SalizhlspirituS. Behandlung langdauernd. Außerdem Arsen und Eisen innerlich. Arzt befragen, -7- Mmmeü. Achten Sie auf gründliche Darmentleerung! Innerlich Axsen und Eisen. Lokal eine Schälkur versuchen. — Heiß. Me Neurasthenie ist heilbar. Ueber die Dauer der Kur kann nur genaue Untersuchung Aufschluß geben. Namen von Aerzten nennen wir prinzipiell nicht. — Lina Klang. Beim „Wegbleiben" der K'nder handelt es üch uni eine Atmungsstorung, die hei Keuchhusten, Stottern, Krupp vorkommt. Behandlung der Goundkrankheit notwendig. Pi« Fußhallmersterschaft. Das schöne Herdsiwetter lockte gestern grsßr Aftschmre.kMssÄ-, auf die Svoriplätze. die im allgemeinen mteresjante Kämpft M sehen bekamen. Den' starlsten Besuch wreS der Douchücher Sporiplatz auf, wo dem Haloah --- Sportlludspielc,. zirka 7000 Znlchouer beiwohnten. Der Verlauf der Spicke entsprach säst durchmeaZ den gehegten Erwartungen In der MeisttrschpstKfadellr gab es mehrere Verschiebungen. Der W. A. F. rüchlr auf den ersten, die Amateure ans den zwrjtcn Platz vor. Dir Dienyq errang ihren ersten Punkt, ohne aber dadurch von der letzte» Stelle ftrtzukomn'.en. lleder die genaue Placierung silb.t nach-, stehende Tabelle Aufschluß: Verein Spiele Siege Uncntsch. Brrl. Tore für gegen Punkte W. A. F.. .4 8 1 -7-" 6 1 7 Amateure . . 4 3 — 1 8 6 Floridsdorf . 9 s 1 -- * y 9 ft Rudolfshügel 4 9 1 t <r 8 5 Hakoah. . .3 — 1 7 S 4 Wacker ... 4 1 9 1 6 7 4 Rapid . . . 4 1 2 I 10 10 ' 4 Adnüra... 4 1 1 2 s 11 « Simmering . 9 1 — s s 8 S Hertha . . .3 —- 2 4 8 s W. Ä. C. . 4 — ■0 2 4 8 2 SponNub . 8 —. 1 s 5 9 1 Vienna. . .3 *-» 1 « 3 8 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.