Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 608 (3.10.1920)
- Date
- 1920-10-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit? * ■ Wien. Sönnwg WlMe^MsrgeHMmA Letzte Nachrichten. Frankreich und Dentfchland. Paris, 2. »Oktober. (Havas.) Der deutsche Voschaster Dr. Mayer stattete heute zum ersten Male in amtlicher Weise den: Ministerpräsidenten Leygues einen Besuch ab. Der Botschafter betonte wiederholt mit Nachdruck, daß die deutsche Regierung entschlossen sei, dm Friedensvertrag von Versailles bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit unverändert durchznführen. Der Ministerpräsident erwiderte, wenn die französische Oeffentlichkeät in die Lage versetzt würde, die vollständige Loyalität und den guten Willen Deutschlands zur Durchführung der Bestimmungen des Vertrages festZustellen, werbe sich die franBsische Regierung, die alles tun werde, um die Aufgabe der deutschen Regierung zu euleickstern, wenn diese alle ihre Verpflichtungen gewissenhaft erfülle, ihrerseits dafür emsetzen,. daß die Wiederhersiellung normaler Beziehungen Zwischen beiden Ländern gesichert werde. Unter diesen Umständen würden die Wiederaufnahme und die' Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zum gemeinsamen Vorteil dei-ar Länder sehr erleichtert werden. Der deutsche Botschafter erklärte hierauf, die Wiederberstellung der wirtschaftlichen Bande zwischen Deutschland und Frankreich sei ein besonderer Wunsch der deutschen Negierung. Die Unterredung trug beiderseits den Charakter vollständiger.Aufrichtigkeit und gestaltet einen berechtigten Schluß auf die Umstände, unter welchen die weiteren Besprechungen von statten-gehen werden. Tschechische Meldunge» über arrtijübische .Exzesse irr der Slowakei. Prag. 2. Oktober. (Privat.) „Narodni- Demokratie" schreibt: In letzter Zeit ist es in verschiedenen Gegenden der Slowakei zu antijüdischen Ausschreitungen gekommen, * die im Arvaer Komitat zu Pogromen ausarteten, welchen ein Jude zum Opfer fiel. Die Ursachen der Bewegung sind politischer und wirtschaftlicher Kkatur'. Die Regierung hat schon Maßnahmen getroffen, um weitere Ausschreitungen zu unterdrücken. Zusammentritt -er Prager Nationalversammlung. Prag. 2. Oktober. (Privat.) Wie die Abendblätter Melden, tritt die Nationalversammlung am 26. Oktober zusammen. Die Regierung wird die Programmerklärung wiederholen, über welche die Debatte eröffnet werden wird. Eine der ersten Aufgaben des Parlaments wird die Erledigung des Staatsvoranschlages st'ir daS Jahr i9-Jl fein. * Aufhebung der rumänische« -Grenzsperre? AuS Budapest wird gemeldet: Wie verlautet, beabsichtigt die rumänische. Regierung die G,rc u? s p e r r e an der ungarische« Grenze aufzuhebrn. Gleichzeitig wurde auch die Bahnverbindung wieder ausgenommen werden. * Petrolenmabgabe. Vom 3. bis 30. d. M. wird gegen Abtrennnng der Abschnitte 2 und 3 der Petrolenmbezugskinte Petroleum abgegeben. Für 14 Tage: 1< für Heimarbeiter 1 L>trr, L für Geschälte 7«. LUer, 3. skr Wohnungen mit Petroleumbeleuchtung und für Haus- und Stiegenbeleuchtung V, Liter, 4. für Untermieter und Waichtt'rche V« Liter. 1 Liter Petroleum kostet X Ly. * * Kohlenausgabe litt Oktober. Im Oktober werden sni einen ganzen Küchenbrand wöchentlich 7 dg Steinkohle (Koks), beziehungsweise 10 kg Braunkohle, auf et«cn ganzen Gewerbebetriebsbrand monatlich 100 kg Stein-, beziehungsweise 125 kg Brannkohle aus gegebne. Auf Grund der Bezugscheine wird die für Betrieb unter 8 festgesetzte Monatsmenge abgegeben. Ein Zimmerbrand sowie ei« Heizbrand für Gewerbe, Industrie und Anstalten wird im Oktober - nicht ansgegeben. Es wird darauf iwsmettsam gemacht, daß die Zimmerbrandkatten bei dm zustaudigrn Brstkormnfistonen sofort zu beheben sind unddaß sich die Verbraucher längstens 6. d. M. in die Kundenlisie einer Abgabestelle eintragen lasten, da sonst bei allsalliger Festsetzung eineS Zimmerbrandes keine Belieferung stattfinden könnte. * 150.000 Kronen Belohnung. Am 25. v. M. fuhr die in Hietzing, Trappclgafse 6, wohnhafte Frau Valerie von Szirmay mit dem nachmittags ab geh enden Personeuzng von Wrrn nach Graz im vordersten Coup« erster Klale ans-dar Semmering. Sie vergast im Wagen eine Schachtel, die einen Br.'llantanhänger im Werte von erner Million Krone« enthielt. Für hie Zustandebrmgung dis Juwels ist von der Eigentiimerin erv: Belohmnrg von K 150.000 auögesetzt. * Der Mörder de« Johann Urs« ermittelt. .Das Sich erheüsbur rau hat fest gestellt, daß den Raubmord an dem Bntounlernehmer Ursu der Vertreter Alois Schresel begangen hat. Lr wohute HI., Marokkanergasse 8, Tür 14, und ist seit dem 80. v. M. unter dem Vorwand einer Ruse aus Wren verschwunden. Schresel ist mittelgroß, schlank, hat etwas ovales Ge» sicht, blondes, spärliches Haar, kleinen, englisch gestutzten blonden Schnurrbart, eine Operatlvnsnarbe nach einer Mritelohrentzündunq hinter einem der Ohren. Am Ringfinger fehlen ihm die zwer oberen Glieder. Bei seinem Verschwinden war Schresel bekleidet mit neuem schwanen Ueberziehcr, neuem dunkelblauen Anzug, neuem blaugrauen Belourhut, neuen braunen Schuhen. Er trug neuen Regenschirm. * Stipendien. Für das Wintersemester gelangen acht Stipendien ä K 2C0 für Hochschüler zur Ausschreibung. Wirklich mittellose Petenten senden ibre von der Fachvereinipnng befii» worieten. Gesuche an: Davis E r d i r a ch r. Wie,:, IX., Schulz- Slraßnitzkl-Gasie 13/20, ein. Ferner irits Förderung emeS ksgendllcheu Talentes für 8- bis löjährigen Schüler (Schülerrn) «n monallichcs Stpendmm ousgeschrreberi. f « BortragsaLademie. Das . Bereinigte Brigittenauer Hilfskomitee für Chaluzim und Emigranten veranstaktet DeenStag den 18. d. M. im Sophiensaal eine Bortragsakademie mit anf äeßendem Tanzkränzchen unter Mitwirkung von Rudolf Bandler, nzerlmeister Zimbler «sw. In Anbetracht der großen Notlage dxr.ück .unsere Em'Errten.hefindrn,. ist ks Pflicht ledes rin» Tn,«territoriale Uerlag$an$,alt ..A,eSerged«r>" (Wien r— Berlin — Loudou — New-Uork — Warschau) Davis Erdtracht, Wien, IX«, Gchrrlz-Straßnitzkigaste 13/80. _ Die J.-V.-W.-Anstalt hat für die Mitarbeit bedeutend« Schriftsteller, Politiker und Sozivlogen iu verschiedene,: Ländern gewonnen und wird ihre Pumikattonen auf den, Gebiet der allgemeinen sozialen Probleme, der jüdischen Volkswirtschaft, Geschichte und Literatur vorläufig in englischer, deutscher und polnischer Sprache fortsctz-en. Durch Heranziehung vieler nichtjüdischer Persönlichkeiten will die J.-V^W.-Anstalt für die anderSnattonale um» jüdische Verständigung arbeiten und Aufklärung über die jüdischen Probleme st, der Oesfentlichkeit verbreiten. - Die J.-V.-W.-Anstcckt übernimmt sämtliche Vertretungen der Verlage stn Ausland, auch sämtliche Schriften in Druck. Die J.-B.-W.-Anstatt will auch junge schriftstellerisch« Dalente fördern.' Bereits erschiene«: Die TrsgAfle der Affstuvatstm. Bon Dst. Max Nord au. L. Auflage. > - / - 7 - — PMsttua, das Land der jüdischen Kegeuwmck Und Roftmft Bon Dr. Ruppin, I. Oett'iuger. Prof. Dalkob und andevau. 3. Mflage. Theodor Herz! und 6« Judenftaat. Bon Vr. Max N 0 r d a tt, Prof. Otto Darbur g nnd I. Zangwill. S. und '4. Auflage. _, DechnSchst erscheinen: 1. Sozialismus und Mofaismus.? r> : 2. Programm des WeltsoMiSmuS. S. Polnifch-jNifche SX'rhomdlu'iyen (zur LSstmg der Menfrage in Polen). In englischer und deutscher Sprache. Mle drei Schriften von Dr. Mfred Nossig, Berlin. L. Das «rmeriklmische Judentum. Wirtschaftliche, politische und kulstrrÄle Lage, die Hiffstättgkeit, die Organisationen »sw. Von MrrriS Ro thenver g rmd Baruch iZuckermann, Präsidenten der amerikanischen Hilfsaktion in New-Aork. S. The Mirage of ith« Jrwish State. Von I. iZangwill. Me auch unbekannte Schriften über das« Judentum und den iZionismus von Berta v. Suttner" Traf I. Tollloi, I. Franko, Anatols France, Prof. Masaryk, Gräfin - Wielopolfka. Demnächst erscheint im Buchhandel: Die Juden im Weltkrieg. Don Davis Erbt:acht. In sämtlichen Buchhandlungen wie auch im. Verlag erhältlich. Bei Bestellungen sämtlicher Schriften Ermäßigung im Preise. Eug^n Ein neües Palästina Buch. Hoeflich: Feuer im Osten. Preis broschiert K SO.—, gebunden K 40.—. Zu beziehen durch: E. P. Tal & Cie. Verlag, Wien, VII., Lindongasse 4 und durch, alle Buchhandlungen. g588 I R. Löwtt-Verisg, Wie«—Berlin § Die Genesung. Ei« Bersbuch von Otto Abeles. Preis gebunden 9 Mark. ~ Im ^Nowh Dziennik* schreibtDr.M. K ans er m einem Feuilleton über dieses Buch: Medrr der erpresfionistische ^Urquell* «och der futuristische Skamander wird sich wohl zur idealen Berwandtschast mit Otto AbelrS bekennen, denn diese Poesie ist schlicht, aufrichtig, mtmameri«t und geht ndnn nahe... Die Gedichte von Otto Abeles spiegeln das Werbm der iüdischen Autarkie wieder: sie find er» Dokument dc§ jüdischen Schmerzes in der Phase seiner Reihe.. . .. . Dieser stille Dichter, den die Liebe überwältigt, wird Mm fahrenden Sänger von Ahnungen uud grenzenlosem Erleben? » /_....__ _ | Durch alle Buchhandlungen zrr beziehen. zelnen Inden, diele Veranstalrnng dvrch Abnahme von Karten sowie Geldspenden für den Zweck obigen Vereines zu fördern. Kartenverkauf sowie Auskünfte erteilt Herr M. S a b 0 r ö k y, XX., Brigittenauerlände 46. * Die Sensattonspremiero im Kabarett „Nixe", welches bereits trotz seines kurze» Bestandes zu deu populärsten vnd beliebtesten Kabaretts zahlt, hatte eine» durchschlagenden Erfolg. Der Direktion gelang es, die hervorragende Diieuse Trude Voigt in dem neue» Programm weiterhin zu verpflichteu und de» berühmten Violinvirtuose» Arpad C z e g l 4 d y zu veranlassen, nnr m der .Nixe" aufauticten. Vom reichhaltigen Programm werden noch erwähnt: Walter Huber vom Burgtheatrr, Robert Nüstelbe rg er vom Theater an der Wien. Ernst Arnold vom Carl-Theater und der Komiker Karl 8 i b a l. welche außer dm übrigen hier nicht genannten Künstlern daS Publikum zu stürmischem Applaus hinrechm. Das Kabarett »Nixe- und seiue Dircknon haben mit ihrem Programmwechsel wieder vrrblM und dafür wohlverdienten und reichlichen Beifall geerntet. __ * »Metall«« Gold- — (mit dem Regenbogen) die gutbewährte Taschmlampmbatterie. * Auch Sie solle» für dm Herbst Ihre EinkLnfe in Resten hochfeiner Herren» uud Damenstvssr, Seide, Barchenten, Weiß- und Futterware» schon jetzt besorgen, da wir bei noch gutem Stand der Krone vorgekanft und daher infolge kleiner Regien konkurrenzlos billig find. KannLFried, Wien, V!., Lmke Wimzetle 40, im Hofe. * Sie bestelle« sofort bei A. 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Diese» Speiseöl wird in Wien m der Woche vom 4. bis »um 10. M. an Stelle von Pflanzenfett und Margarine auf die Fettkatt« adgegebm werdm. Die Quote wurde — wie Üblich — mit 12 gramm per Kopf festgesetzt, der Kl«inverkays-pr«iS beträgt K 1$« Der Kilogramm, steht daher beträchtlich unter dem derzetti«« Weltmarktpreise. DaS zur Ausgabe gelangende O«l ist daS gleich«, das auch schon im Borjahre auf die Fettkart« abgegeben ward« und bei der Bevölkerung gute Aufnahme gefunden hat. Kinvermilchtrinkhallen des Joint. Am 18» September wurde im XV. Bezirk, Herklotzaaffe 21, eine ««n« Kmbmollchtrinkhalle des laiul Vittnhutton Lomwittvv eröffnet» woselbst auch Neuanmeldtmgen von Kinder« erfolgen können. Die ältliche Unterf»chung der Kinder findet am Mittwoch den 0. d. M.' im Lokale, XV., Herklotzgafie 21. statt. Konsumverein von Donka»gestellten in Mir«. 'Dom 4. bis 9. d. M. Verkaufszeit von 7,8 bis 1 NHr «nd von S bis S Uhr, SmnStag von 8 bis 2 Uhr, L, Rockhgaffe 2: Mortadella, Primsen, Livtauer, Rosinen, Datteln, schntttstfir Marmelade, ReiS, Kakao, Schokolade usw. — I» Schotteubastei 10: Montag Gruvve 1, Dimstag Gruppe S, Mittwoch Gruppe 9/ Donnerstag Gruppe 4, Freitag Grupp« 5, GamStag gescklöffM. Mahlprodutte nach Zuweisung, Weißzucker für August sÄrst),' Zusatzzucker für Kranke «nd Kinder »sw. An die bei unS mit dem Kartoffelbemg rahonierten Mitglieder werden wir voraussichtlich die ganze, für den Winter 1920/81 -ustebende Meng» von tim’ 60 Kilogramm Kartoffeln für dm Kopf auf Wunsch brreitS kr Oktober oder November -«weisen können. Näheres im VerßanfSlokal,Schottenbastei. Bühne und Kunst. Wiener Stadttheater. (Zum ersten Male: «Lifekott vo« de« Hfartz", AeHv spiel in drei Mten von RndrÄf Pretzber »ich D» WaMtz Stein.)' Bei den Operettm a la „DreimädetthavA* 8ekcM man doch wenigstens Schubett-Weisen, mrverMschte Schubert-Lieder z« hören. Wb« bei diefm trostlosvr dramatischen Verwertungen berühmter Memoiren- «nb Briefschreiberrnnen a la „Frau Reiths und der um nichts besseren „Liselott von der Pfalr" ist auch nicht ein Zipfelchen des Wesens jener Frau zu sehen, die avtz Ueberschrift am Programmzettel prankt. Und wen« «in! Zitat aus den Briefen Liselottens ammrtig «nd fimtig in den Dialog geflochten wird, dann merkt man'S erst recht, daß die Dame, die dies gesagt oder geschrieben hat, gar nicht im Hause ist, trotzdem sie ununterbrochen vier Akte lang angeblich dort oben auf den Brettern agiert. Die Neuheit, die wir vorgestem im Gtadttheater zu hören bekamen, ist süßliches, fadeS Zeug, daS de« Geschmack , der Vorstadt verdirbt rmd über .dar. wir. weiter kein Wort verlieren. i Bedauerlicher aber als die Aufführung seW find die Verirrungen der Frau Haust Niese, bet: man endlich sagen muß, daß ste einfach künstlerisch zugrunde gehen wird, wenn sie fernerhin Rollen wie die Fra« Rai oder die Liselotte spielt. Geht's ihr nicht schon über die Hutschnur, vorschriftsmäßig riegelfam, treuherzig, grobschlächtig zu sein, einen „losen Schnabel" zu haben, gelegentlich das goldene Herz aus der rauhen Schale zu wickeln uttd dabei den ödesten Text zu plappern? Jetzt hat fie gar von Zeit zu Zeit Kraftworte für die (vorgestern sichtlich präparierte) Galerie hinauszustoßen, die eine Gerienaufführung bewirken sollen und etwa so lauten: „Wenn auch aus der Liselotte eine Madame von Orleans geworden ist, bleibt sie doch eine deutsche Frau vom Scheitel bis zur Sohle." (kosender Beifall rechts oben auf der Galerie.) Oder: „Mtt Männern aus der deutschen Pfalz Krieg führen, das ist was anderes, als ein Pariser Ballettchor dirigieren." (Frenetische Zustinunung ebendort.) Preisfrage: Wer findet den Unterschied zwischen. Frau Hansi Rieses Frau Rat und ihrer Liselotte? Frau Niese sollte sich doch besinnen, daß sie vor nicht langer Zeit noch in „Stützen der Gesellschaft", im „Biberpelz", in den „Lustigen Werbern" ihr Publikum hinriß, anstatt nach einer jetzt schon ganz erstarrten Schablone sich an wertlosen Librettis zu vergeuden, in denen sie nicht einmal ein Couplet zu singen kriegt. 0. A- -K;.