Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 608 (3.10.1920)
- Date
- 1920-10-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sekte 4 fbttn, Sonntag 3Bfcncr MorgenzeitnnF 3 Oktober LS« ftr. 60T ürffen. Ich kann Ihnen schon jetzt erklären, datz auch meine Parteitzenossen, die für das Bertreterkollegium in Aussicht genommen waren, ebensowenig wie ich eine Stelle annebrnrn werden. Wir wissen, welche schweren Aufgaben dieser Gemeinde bevorstehen; wir werden wohl arbeiten, aber die Verantwortung werden Sie. allein zu tragen haben!" (Lebhafter Beifall bei den Zionisten.) Hierauf wurde von der Majorität Herr Siegmuud KauderS zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Schließlich fanden die Wahlen in das Vertreterkollegium statt, welches nachdem Abgeockmeter Stricker im eigenen Namen und in: Dtarnen der Herren Dr. Plafchkes und RegiernrHsro:' Taussig erklärt hatte, daß die Zionisten die Wahl nicht annehmen, aus Mtgliedern der Majorität zuscrmmengeseyt wurde. Die Wahl in die Kommissionen wurden verschoben. ES wird sich sehr bald erweisen, daß der Gewcrltstreich der Majorität keine guten Früchte zeitigen wird. Die Assiruilantenpartei hat gezeigt, daß sie von ihrer Majorität hemmungslos Gebrauch zu machen versteht; sie wird nunmehr aber auch allein die Vecantworttniy für das Schicksal der Gemeinde zu tragen haben. - TelegrKMMe. Der Dölkerbrrird ürrd die Jude« irr Ps!e»?. Paris, 1. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Zufolge hex sich immer ärger gestaltenden Lage der Jnd-en in Polen sah sich das Komitee der jüdischen Delegationen bemüßigt, sich darüber beim Völkerbund zu beschweren. Die Exekutive des Völkerbundes hat hierauf bei der polnischen -Regierung telegraphische Erkm diattugen eingezogen und zunächst die Auflassung des jüdischen Juterniertenlagers in Jablonna bewirkt. D-v polnische F-ontbencht. Warschau, 1. Oktober. (Poln. Tel.-Agent.) Im Aordosten von Gvoduv erreichten unsere Truppen die Linie des Nl-erflusses. Die V-crfolgckng der bei Lida geschlagenen Sorvjetbivisionen entwickelt sich günstig. Am J0. September drang die Gruppe des Obersten Bernacki in Nvwo-Grodek ein. Die Beute der Zweiten Armer in den Kämpfen vom 20. bis 30. September beträgt 25.000 Gefangene und 100 Kanonen. Bel Varanowice eroberten die Pofener Trupp-rn 16 Maschinengewehre -und machten 1000 Gefangene. Im Süden vom Pripjet ist die Lage unverändert. In den Abschnitten SuwaM rund Serny wurde in gegeuseitigLM Einörrnebmenr jede Aktion eingestellt. Der Lttsstsche Froniberichi. MsSkeu, 2. Oktober. (Funkspruch.) Fwutbericht dorn 1. Okwber. Nach den letzten Meldungen haben wir im Gebiete von Jida bei btt Ortschaft Lebeda 200 Gefangne gemacht . . . {öerpmttielt) .. t 'Bavanorvistchi . . . Im Elebirte. von Pin sk würden die Angriffe des Feindes auf 'unsere Brückenköpfe des Flusses Jaßjolda zurückgeschlagen. Bei Rohatiewhaben wir den Feind auf das linke Ufer des Flusses Slutsch zurückgemorsen. In der Krim hartnäckige Kämpft an der Front Mxattdrottrsk—Dtariuvol. Ekua Berr-ogung in t&xbWi&t %Utiet&zm, 2. Okwöec. iW-olfs.) Laut dein ,,Nieuwe Rotwröamschr Courant" meldet der „Wochenbericht des d rttischen KrietzsAiiristeMms" aüs Sibitöü: Die bölschewikischen Divisionen scheinen die Ostfront verlassen zu haben. Der BvlschewrsmttS verliert in SwirM M Bode!.. Antiöolschewikische Streitkräfte sind in Dötlisk, in Nowo-Nikolajewfk und in anderen Ortest allfgetveftm Die üolschewikenftindliche MiveguNg brsiw sich rurch Irkutsk aus. Ein Teil des HcLres der Regierung Von We-chne-Udiusk hat sich gegen die Bolschetvikeit erklärt und ist desertiert. Proze-ß geZeu Oberst Rainieüi. Warschau, 2. Oktober. (Tel.-Äomp.) Dis polnische Hauptstadt erlebt täglich Sensationeir, Zu den Friedensbedingungen und dem polnisch-litauischen Streit gesellt sich jetzt der Prozeß gegen den in Warschau gut bekannten Eisenbahnkommaudanten Oberst R a i n i c k i. Gestern wurde irr diesem Prozeß vor dem Kriegsgericht das Urteil gefallt. Oberst Nainicki wurde wegen Vernachlässigung seiner Dienstpflicht zu drei Monaten Gefängnis und Ausschluß aus der Armee verurteilt. Die Strenge des Ueteils erregt allgemeines Aufsehen. Beschaffe des ^rv.trchan DaftWerrkpKZveffeS. Vraunschweig, 2. Oktober. (Aörr.-Bnr.) Der neunte deutsche Pazifistenkongreß hat eine Entschließung äugenommen, in der es heißt: Der Pazifistettkongreß-ist sich einig in der Hoffnung auf dett Sieg des VölkerbUndgedankens. Er lehnt die Patiser Satzung trotz ihrer erheblichen Mängsl nicht grundsätzlich ab, betont aber die Notwendigkeit, auch die Satzung selbst zu einer Wirksamen Waffe der internationalen Nschtsgemöinschaft auch gegenüber den mit diesen Ideen schlechterdings unvereinbaren Fneöensverträgen umzuwandeln und auszugestalten. Ter Kongreß fordert die Erweiterung der Pariser Völkerbundakte durch einen Weltschiedsvertrag, durch einen ständigen internationalen Gerichtshof, durch einen unparteiischen obersten Vetmittlungsrat und durch ein allen Staaten culfzuerlegendes Verbot der Wehrpflicht und der Herstellung von Kriegswerkzeugen. Der Völkerbund darf in keiner Form der organisierten Tötung Vorschub leisten. Der Kongreß hofft zuversichtlich, daß die Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund derart sein werden, daß die .Einladung zum Eintritt unter internationalen und nationalen Gesichtspunkten angenommen werden kann, Die Kc'.nl 11**. Wir Haiden in mehreren Artikeln die Geschichte der aussichtslosen Drntzkmckidatur Dr. Schwarz-HAerS in der LeopoldfMdt besprochen und durch Anführung konkreter Daten LÄviesen, daß diese Kandidatur in liberalen Kreisen - selbst schroffe Mlohnung erfahren hat. Nun ünterninrmt eS der „Morgen", .wohl tmtet dem sanften Druck '-Dr. Schwarz- Hitlers, Tatsache abzuleugnen und in der' Weise. zu «berich- 1 tigsn", daß er die schärfsten Anklagen einfach totschweigt. Diese Taktik nötigt u-nS, nochmals die gravierendsten Monrenre ZUsammLnzufaffen und Dr. Echwurz'Hiller, welcher eine Berichtigung in unserem Blatte bisher wohlweislich nicht verlangt h«t, aufzufordern, das Wahlschutzgesetz gegen uns in Anspruch zu nehmen. Dr.. S<hwarz-Hiller ist von seinen engsten Parteifveunden, irwöesandere aber von Dr. Ofner, des Verrates gegen daZ demolratifche Parwiprögrannn beschuldigt worden und' mußte seinerzeit arr s d iesem Grunde die Partei verlassen.' Dr. Schwarz-Hiller, welcher heute gegen die Jüdisch« nationalen kämpft, hat sich bei den letzten Gemeinderats» nxrhlcn bereit erklärt, auf der jüdifchnationalen Liste zn kandidieren, er mit der Listettfilhvrmg betraut würde. Dr. Schwarz-Hlllec hat unter Hinweis auf die völlige Aussichtslosigkeit seiner Kandidatur in der Leopold st ad t-Brigittenau von der bürgerlichen Acoertspartei die Aufstellung als Listsnsichver der bürgerlichen NeichÄiste verlangt. Er hat wiederholt erklärt, daß eine Kanbßxttur int Wahlkreis Lsopo'ld städt-B rigittena u gegen die Liste Strick er-Anitta Mül lertMstäMg vergÄLch sei, und wollte die Sicherung in der Nrichslistc, als Entgelt für die Fühmmg dieses nutzlosen Kampfts. Dr. Schwarz-Hiller hat von der Arbeitspartei, die Äösägung seines engen Parteifreundes Dr. Ofner, auf dessen Unterstützung er sich heute bemst, verlangt und die Antwort erhalten, er möge dieses wenig ehrenvolle Geschäft selber besorgen. Er hat dann auch selbst die Abfttzurtg Dr. OfnerZ von der Reichöliste gefordert und durchgesstzt. - In derletzten entscheidenden Ätzung hüben die Der^ tveter der Avbertsparbei unter Hinweis auf die ÜttzuverlässigleLt Dr. Cchwarz-Hillers es äbgelehnt, ihn auf einer gemein» samrn Liste zu kandidieren. Sie . halben auch von eiüer selbmt iMsilsiverramrMllg. Heute, Sonntag den 3. d. M., VslO Uhr vormittags, Keopoldstädter Kino, II., Taborstraße 75. Referenten: Abgeordneter Stricker, D. R e b e n- 3 a hl. sichtslose Kandidatur höchstens boroirkt, wehren könne, daß dav jüdische ManSat verloren gehen und dafür der tschechische oder gLotzdeütsch-antisenritische Kandidat gewählt würde. Äiü Herren Dr. Granitsch und. ChefvÄakteur Schreier twm »Morgen" hüben diesem Vorhalt Rechnuttg getragen Und Baron Hock hat erklärt, dasei gleichgAtig. Dr? Schv)wrz- Hiller möge auch angesichts dieser Gefahr ckMtdwieren. Äüeft Haltung ist allerdttigZ bei einem Menschen wie Hock,^ dtzr selbst Judenstäm-mling ist und s^>n hochstperftnüch Juden als Taufpate zur Kirche geführt Hatz iüchr verwuttderlich, Dw. Ofner ist in dieser Sitzusig nicht für die Karrdidatur Dr. Schwarz-Hi Ilers eingetreten. Zusammenfasienb erklären wir: Dr. Schwarz-Hiller ist von seinen eigenen Parteifreund Len als unve-rläßlich gekennzeichnet worden. Er selbst hat seine Kandidatur für völlig aussichtslos, erklärt, Seins Geiroffen haben davor gewarnt, durch diese aussichtslose Kandidatur ein jüdisches Mmrdat Ul gefährden mch es evrntuell den Tschechen oder deutschradikalen Antisemiten zuzuschangen. Daher ist die Kandidatur de» politisch unzuverlässigen Dr. Schwarz-Hil^ ler selbst nach dem Urteil seiner liberalen Gesinnungsgenossen zwecklos und Verrat am Judentum, ein frivoles, persönliches R a ch e m a n ö v e r. Der Vorhalt des „Morgen", daß uttser Kampf gegert Dr. Schwarz-Hiller persönliche Färbung hat, trifft zu. Man kaum aber eben einen Menschen, der kein Programm hat oder, besser gesagt, sein Programm stündlich wechselt, dessen ganze Politik eine rein persönliche ist, nicht programmatisch bekämpfen. Diese Känldidaiur Dr. Schwärz»HillerS ist und bleibt eine durch persönliche Strcbevei und Nachsucht heraufbeschworene Gefahr fürs österreichische- Judentum und Wir werden alles daranfttzen, die jüdische Wählerschaft vor dieser .Gefahr zu warnen. Die heutigen Wiihlerversamm- Lungen. H e u t e, S 0 n n t a g dett 3. d. M., Vs10 Uhr oörmitlags, Restaurant Goldstein, ll., ZirLusgasse 3. Referenten: Abgeordneter Stricket, Anitta M ü l l e t, Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s. Heute, Sonntag den 3. d. M., V2IO Uhr vormittags, Augartenkino, ll.. Untere Augartenstraße 28. Referenten: Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s, Erna Pata L, Dr. Desider Friedmann. H e u t e, S 0 n n t a g den 3. d. M., Vs10 Uhr vormittags. Eafü zu den lustigen Finken, ll., Zirkusgasse 60. Referenten: Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s. Anitta Müller. Gemeinderal Dr. E b r l i ch. is Wahlagitation!^ Die j ü d i f ch n a t i 0 n a 1 e H a u p t w a h!- lei L11 it g befindet sich: II., Taborftraße 20a. A'uokrr:r?tSZsst.LLe sm LX. - Bezirk. Cafö We'ber. Obere Donaustraße '37, 6 bis S Ahrs bis 12 Uhr; Restauration Baron, Große Schiffgäffe 19, 7 bis 8 Uhr; Cafü Reif, Step^aniestraße-; Cafe Z g l a u e r. Tabvrstraße 49, 6 bis 7 Uhr, Sonn- Lag 6 bis 11 Uhr:' Caf6 B Kau, Rotenstrrngasft 19, ö bis 8 Uhr; Lafö Bürger, Prctterftraße 11; $ x a t e vf ft r a G c 17, 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends ', Cafü Kü ffn er, Stuwerstraße 13, 4 bis 7 Uhr»' Eafö Schwa!'Lennnldsaasfe 25, 7 bis 8'Ulif abends. Unser ArtZkrmftsLucecm für den ^Bezirk ist: Karl Weiß lstraße 6, Tür 1,' für*den!. B e z i r k> Cafä C i L y, l, Wechertörgajfe 3 (Ecke Börsegasse 10), Telephon 18.? 16, täglich von 12 bis 2 und 5 bis 7 Uhr. ' für den UL Bez i t K: U n t e r c \951 a b n k tg a f f e i 3, von 6 bis 7 Uhr abends f ' für bell. 1X. ~ B e z t r k : 2 i ech t i n st 11 nstraß e 11, Tür 13. , ' . Für den lV. und V. B e z i r kläglich von 9 bis 4 Uhr nachmittags, IV., Favvritenstraße 31, Telephon 53.426; von 4 bis 8 Uhr abends, IV., Favoritenstraße 42, 1. Stock (Max Strauß), Tel. 58.699, VI b4b Vlll: Mskl^rste ft; WaWmftleMhöiten;^! , MerWtzstmßd' 19^ tzWW ' täglich, von 9 bis 2 Uhr nachmittags. * n-; Das zronistifche Buxeatt, X.,Fav orifettft r a ß e 180. erteilt Auskünfte in AZ a h la n g i I e g e tt h e i t e n täglich von 3 bis 6; Uhr Für die Bezirke XN, XIV uwd XV: XV* Herkloßgasfe 21, I. Stock, täglich von 3 bis 6 Uhr.' Für die Bezirke XVl und XVI!: Rötzetl 9 bis 11, Turnverein, täglich von 3 bis 6 Uhr ^sovrrrtz. Die Aspit ati 0nsleitung für di e gef a m t e Provinz befindet sich in unsereiu Blfteau,: Ä., Zirkusgasse 33 (Telephon 45325). Die Gesinnungsgenossen aus der Provinz werden ersuchte sich in allen Fällen an das Bureau zu wenden. ' AgiLationsleitungen für die Provinzwahlkreife. Viertel o ber dem Wienern ald: Wozasek. Amstetten, Telephon Nr. 14. Drertel unter dem Wienerwald: Mödling. Enzersdorfersteaße 6, Telephon 223/VI, interurb.an 209/VlII; für die Bezirke Wiener- Neustadt und N e u n k i r ch e n Dr. Leopold Bauer, Wiener-Neustadt, Hauptstraße 30, Telephon Nr. 343. Viertel ober dem Mannhartsberg: Kultusgemeindesprengel Krems bei Karl Rephahn, Krems. Telephon Nr. 40, Kultusgemeindesprengel Waidhofen an der Thaya bei Karl Löwy, Gmünd, Niederösterreich. Viertel unter dem Mannhartsberq: Für Stockerau Dr. Erwin Groß. Stockerau; für Korueuburq. Fritz Lederer» Korneubmg. Telephon Nr. 21; für Großenzersdorf und Umgebung: Julius Fleischmann, Großenzersdorf. Linz, Paul Stein, Franz Josess-Platz 26. Graz, Jüdischer 'Nationalverband, Graz, Griesplatz 11. , Jüdische WahlorgLtttsaLiort für den N. Bezirk. Alle jugendlichen Genossen werden aufgefocdert, zwecks der Wahlagitation sich im Casö K ü f f n e r, II., Stuwerstraße 13, täglich zwischen 4 und 6 Uhr nachmittags zur Mitarbeit zu melden. Obnränn: Isidor Wechsler. « Dienstag, V2S Uhr abends, im R e ft « n r a n! Baron, II., Große Schiffgasse 19, wichtige B es p r e ch u n g der Gesinnungsgenossen folgender Straßen: Schiffamtsgasse (gerade Nummern), Obere Donaustraße (57 bis 81), Stephaniestraße (ungerade i Nummern), Große Schiffgasse, Hoch-Edlingerstraße (17 bis 26). Herminengasse, Nickelgasse, Floßgasse, Krumml baumaasse, Im Werd. '•i