Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 604 (29.9.1920)
- Date
- 1920-09-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wemra NMn, vEwoöy' Zentren, und zwar L-guvien, Neapel, Turin. jKaüsnö und Florenz, ihre Stimmen bereits abgegeben haben, «erden die noch ausständigen Ergebnisse an der für das Bor» gchen de» Komitees günstigen Entscheidung nrchtS Lndern können. Daher fordert das Komitee die Settionen avf, Maßnahmen zu treffen, damit die Arbeiter die Fabriken don Montag an verlassen, nachdem sie die LSerksiättrn in gehörige Ordnung gebracht haben. Die Arbeiter weiden die normale Wie-eraüfn ahme der Arbeit /SwmÄen, die spätestens am 4. Oktober erfolgen soll. Die Arbekterau-schüsse worden die Fabriken den Industriellen wieder übergeben/ mit denen sie sich über die normale Wiederaufnahme der Arbeit ins Einvernehmen fetzen werden. — Den Blättern zufdlge sind zahlreiche Fabriken bereits geräumt worden. Sozialistische Landarbeiter besetzen die größte Domäne des italienische« Königs. N MÄla«Ä, 28. September. (Schweizer. Depeschen- Agentur.) Ein Zug von Mitgliedern des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften von Santa Maria und Umgebung in einer Stärke von 2000 Mann, die 7rir Gewehren bewaffnet waren, besetzte unter Boransagung von roten Fahnen die königliche Domäne Zkarditftto, bk größte Domäne des Königshauses. Blutige Unruhen ftt Irland. Bstotom, 28. September. (Funkspruch). In Belfast kam es gestern zu neuerlichen Kämpfen zwischen Sertretern der beiden Glaubensbekenntnisse, wobei ein Polizist getötet, ein Polizist und zwei Zivilisten verwundet wurden. Bei Nacht griffen Bewaffnete die Jvlizerhauptbaracke au, wobei es zu einem lebhaften Heuergefecht kam. Samstag wurden in BeueonSfield fünf Polizisten angegriffen, von denen einer erschossen, ein zweiter sehr schwer verwundet wurde. Gelegentlich der in Dublin gestern vorgenommenen Streifungen wurde die Gräfin Ma r k i e w i e z, Mitglied des Sinn feine rparlaments, verhaftet. Der Bürgermeister vo« Cork. / ' Wn&wt, 27. September. Der Bürgermeister vvn -Vvrr wurde aus dem Krauknhans ins Gefängnis Dberführt. „Daily Expreß" meldet: Die Ueberführung des Bürgermeisters vvn Cork erfolgte auf Befehl des englischen Ministers des Innern. Mit Ausnahme der-Ge- 'Mgnisärzte und Krankenwärter wird niemand zu ihm Gin tschechisch-polnisches Abkommen. Krakau, 2L. September. Gestern wurde in Krakau dar Midchch-^tschechrfche Abkommen geschlossen. Die Tschechen bet» ^Pflichten sich, den Polen monatlich 37.600 Tonnen Kohle zum MoeHe von je 400 tschechischen Kronen und 45.000 Tonnen Koks 'tfaai Preise von je 750 tschechischen Kronen zu liefern. AlS gleichwertige Gegenleistung verpflichtet sich Polen, den Tschechen Monatlich 7083 Tonnen Rohöl zum Preise von je 1000 p Ämfchen Mark zu liefern. Der christliche Kurs ht Ungarn zieht nicht mehr. Budapest, 28. September. Bei der Ersatzwahl in Ärmse warte der Parteilose Gallagegen vier tmn Mitglied« der Nationalversammlung gewählt. Tagesbericht. Die nächsten Wählerverfammlnngen. »tmit (Mittwoch): I. Bezirk!! '/-8 Uhr «demdr, Hotel Post, Eingang Drachengaffe. Referenten r Abgeordneter Stricker, Anttta Müll er.-XX. Bezirk: Walle«. «er«.SLle, Betriebsküche Frotz.BMng, TOL$ TVallenfteinstraße 72. Referenten: Abgeordneter Stricker, Gemeinderat Doktor «lafchkes. \ Morgen (Donnerstag): n. Bezirk: Mestanrant Bayer, ll., Venedigerav 4. Re. fererrten: Abgeordneter Stricker, Anitta Müller. — XVI. und XVII Bezirk. V*8 Ahr abe«ds, im Saale des Tnr ns er ein es, XVL RöHergaffe 9/11. Referenten r Leopold Sitzmann, Dr. Martin Förster, Dr. Fritz Spitzer. _ Der jüdische ttnb der «ichtjüdische Bankbeamte. > der letztrn Zeit wird in der ungarischen Presse und «ach ra der Nationalversammlung und in politischen Verßammümgen bid darüber gefaselt, weshalb die. Juden mit Lorttebe die kaufmännische und die BanDeamtenlaufbahn wählen. Aus diesem Anlass« frischt „Egyenlöseg" eine Anekdote auf, die. von dom verstorbenen ungarisch-Mischen Financier Baron Siegmund Kornfeld erzählt wird. .Sie lautet: Wahrend eines Gespräches, das der alle Markyvaf Pallavürni mit Baron Kornfeld in dessen Arbeitszimmer hatte, frug der Markgraf, weshalb der fyxt Genevaldirektor prit Bovliebe jüdische Beamte anstelle, obgleich er'doch so Viole pepräsentattvs junge Leute ans der ungarischen Gentry haben könnte. Baron Kornfeld antwortete lächelnd: ^Wenn Sie wirklich so neugierig sind, so können Sie die Antwort sogleich. Jwu -KN Betreffenden selbst haben."' Barpn Kornfeld klingelt Mörgenzerrnns . 29. Veptemver ibzö Nr. COf MÜteilurigru aus bent Publikum. effcmt ist, daß auch wir das Pveßburgep einigen Tagen erhalten höben! Vien. X. Wien, VI. empfehlen sich fcts Verlobte. B Wien, im September 19SO no RILLANTEN, Perlen, Gold, Silber, Platt» «.Uhren _ kanft und verkauft 77S ETTER Rotentnrastr. SS, Mariahilfer« tr. 96 Danksagung. MOZES BODNAR, Altbürgenneister, Regierungskommiisir und KultusprSses der Gemeinde Nadworna, spricht hiemit auf diesem Wege Seiner Wohlgeboren Herrn Max RndolfMeisels und seiner edlen Gattin, Wien, I, Grand Hotel im Namen der israelitischen Kultusgemeinde Nadworna nnd der beteiiten Armen den öffentlichen Dank für sein pMlantropisches Wirken und die namhaften Spenden zugunsten der armen jüdischen Bevölkerung Nadwomas aus. Der genannte Wohltäter spendete durch Herrn Abner Zwiebel K 20.000.—, ferner durch den Gefertigten K 10.000.— und weiters K 50.000.—. Die beiden ersten Spenden wurden bereits verteilt von letzterem Betrage erhielt der einbeinige Rubin Hirsch K 8000.—, K 80.000.— wurden für die Aermsten aller Armen verteilt und K 25.000 — zum Wiederaufbau der verbrannten grossen Synagoge verwendet. Ffir die israelitische KuWüsgeinelnde Ntdw^mt Der PrSses: Regierungskommissär Mozee Bodnar. den Diener herein. »Ich lasse den Chef der DevifenalbteAung Herrn Kokormm Veegh zu mir bitten." Nach wenigen ©fthtn» den erscheint ein elegant geWe-Letor Herr. «Dassen Sie mir L00.000 Mark nach Hamburg auf die Firma Bast, und Herz hevauSschreiben, ich bitte Sie aber, sofortl" Nach fünf Miruttrn liegt der Scheck auf dem Tische des GenerrMrettors, welcher eLermails llLngeü. „Der PrakWkant der Devisenabteilung Abvccham KardoS (Kohn) soll sofort zu mir kommen/ Dieser erscheint nach einigen Sekunden. „Schreiben Sie Mir 200.000 Mark auf die Firma Baß und Herz in Hamburg heraus." Worauf KardoS (Kohn) sich nicht entfernt, sondern verwundert antwortet: „Verzeihen, Herr Generaldirektor, Sie bÄiebrn sich zu irren, die Firma Baß und Herz ist in Frankfurt a. M. und hat in Hamburg keine Filiaken" »In Ordnung." Der Baron Kornfeld lächelt und meint, zu seinem Gaste gewendet: «Exzellenz, ist Ihre Neugierde nmr befriedigt? Da hoben Sie die gewünschte Auskunft auf Ihre Frage! " Korrfererrz der PalLstirm-Aemter. Die prvviforische Tagesordnung der Konferenz der Palästina-Aemter, welche am 14. und 15. Oktober in Mährisch-Ostrau stattfinden wird, lautet, wie folgt: 1. Eröffnungsrede von Herrn Generalsekretär S. Landrntm. 2. Berichterstattung der einzelnen Palästina-Aemter (Wien, Warschau, Bemberg, Krakau, Pvng. Konstantinopel, Triest, Dänzig, Riga ufw.). 3. Debatte über die Berichte. 4. Einsetzung von drei Kommissionen: a) Organisation der Palästina-Aemter aus Basis von Beschlüssen der Londvner Jahreskonserenz, b) Regulierung der Emigration, c) Fürsorge und Transport. Die Anträge der Kommissionen'werden dem Plenum zu Diskussionen und eventueller Beschlußfassung vorgelegt werden. Eine Kommission zwecks Borbevtttung der Konferenz in Mährisch-Ostrau wurde von Herrn Land man bereits in Wien zusammen gestellt, und zwar besteht dieselbe aus folgenden Vertretern der verschiedeneuFörberatironM: Dr. Egon Zweig. Dr. Israel Waldmann, Weser Kaplan, Rubaschow, Mereminski, Dr. Katzenelsvn (aus Konftantinopel), weiters ein Vertreter der MiSrachi, dessen Name noch nicht bekannt ist. Nöttgenfalls kann diese vorbereitende Kommission weitere Persönlichkeiten hinzuziehen. Den Vorsitz der Kommission hat S> Lanbman inne. Einstein für England. , -The Athenaeum", die sAHreM wrfsrnschaMch. literarische Wochenschriß Englands, verlangt die Berufung Md steirns an eine «ngvische Untbet^tttÜ i, einem Artikel, überschrieben: „Ein« Prestige-Frage". „Prestige hat. den Feuerfressern zum Trotz, ta Wirklichkeit mit den stärkeren Bataillonen nicht zu tun 8a man könnte mit Recht behaupten, daß das Deutsche Reich, das die stärksten Bataillone hatte, nie über welches verfügt und daß Frankreich durch seine Niederlage von 1870 keines singebüßt hat. Denn Prestige ist ganz wesentlich eine geistige Erobenrng. Es wird nicht dadurch erworben, daß may Kanonenboote irgendwohin schickt, wo sie niemand wünscht, oder mit Armeen politische Abmachungen erzwingt, die zusammenbrechen, sobald die Armeen zurückgezogen werden. Diese Dinge bedeuten nichts. Eine Ration, die einen großen Künstler oder Gelchrten hervorbringen oder eine edle und uneigennützige Lat vollbringen kann, erlangt Prestige. , Nichts hat mehr dazu beigetragen, das Prestige Deutschlands wieder herzustellen als Einsteins Entdeckung der RelaüvttAStheprie. Dvs Kunde von dem, wa^ als die vielleicht größte Einzelleistung menschlichen Geistes bezeichnet werden kann, ist weit über^die Reihen Lerer, gedrungen, die sie zu würdigen oder zu verstehm fähig sind. Der Mann auf der Straße hat von Einstein eine schwache Vorstellung als von einem Hexenkünstlec und' nachdem er sich einen Augenblick lang baß verwundert hat, daß ein Deutscher überhaupt etwas sollte entdecken können, hat er die Tatsache hingenommen mit Resignation und mit einer Art von sportlicher Genugtuung darüber, daß es eine Nation, die so völlig untergekriegt worden ist, fertiggebracht hat, wieder auf die Beine zu kommen und solch einen unverständlichen Gegenschlag wie die Emsteinsche Theorie zu verabfolgen. Die höhere Mathematik ist zwar vielleicht ein wenig gegen die faire Boxerregel, aber immerhin... Nun sollte man nattirlich annehmen, Laß die Deutschen sich in ttefer Dankesschuld dem Manne derpflichtet fühlen, der in einem solchen Zettpunkt ihre Ueberlegenheit in den Künsten des Friedens dargetan hat. Aber der Mensch ist ein unnatürliches Tier, und aus einem unbegreiflichen Grunde können die Deutschen die Tatsache nicht verdauen, daß Einstein I u d e ist. Das ist zwar heutzutage nWs Außergewöhnliches; aber dem deutschen Nationalgefühl von heute ist es offenbar unerträglich, daß der größte mathematische Physiker seit Newton, außer daß er Deutscher ist. auch Jude sein soll. Deshalb schreiben rein-arische deutsche Wisienschaftler patriotische Artikel, in denen sie seine.umwälzenden Gedankengänge angreifen, und rein-arische Studenten demonstrieren in seinen Vorlesungen, bis die Lage so unleidlich geworden ist, daß sich Einstein zu der Erklärung genötigt sieht, er werde Berlin für immer verlassen. Hier ist nun eine gute Gelegenheit für uns, selbst ein wenig mehr Prestige zu erwerben. Wir Magen vor, eine englische Universität solle Einstein eine Professur. anbieten auf so lange Zeit, bis die Deutschen einsehen, daß sie sich ihm gegenüber ebenso albern wie undankbar benommen haben. Wir haben keineswegs den Wunsch, die Deutschen ihres , großen Männer zu berauben, aber es wäre doch sehr hübsch, ihnen zu zeigmdaß wir ihn besser zu behandeln wissen, als sie; daß wir mtt einem Wort, eine höhere Kultur besitzen als sie und uns daher mtt Recht eines gewissen PresttgeS erfreuen. Sehr wahrscheinlich würde es Einstein gar nicht einfallen, diese Einladung anzunehmen, aber ob er min annimmt oder ablehnt, die Geste wäre erfolgt. Sie würbe noch jahrzehntelang auf unser moralisches PluS-Konto gesetzt werden. Sie könnte sogar die Deutschen Überzeugen, daß sie nicht durch bessere Mstungen, sonder« durch eine bessere Idee besiegt worden sind. Und in einem Augenblick, da die feiner empfindende Menschheit in der ganzen Welt nach einer Geste der Großmut verlangt/ erfordert es unser nationaler Stolz, daß England das erste Land ist, diese Geste zu machen? Keren Aajessod. Das zianistifche LavdeSkvmitre für Oesterreich hat zur Eiuleitung und Durchführung der.ErstenArtiOnfürdrn KerenHajessodinOestrrreich-ein Komitee eingesetzt, dessen B o s i tz Obrrrabbiner Dr. Z. P. C h a j r S übernommen hat. Außerdem gehören diesem Komitee die Henrn Direktor Sigmund Epler, Dr. Drftder Friedman»,; Felix Lederer, Dr. Moritz Pacht«»«», Dr. Brrmo PoNack-Parnav, Oskar R o r « e r und Dr. Jfidor S ch a l i t an. ____ Eine verspätete Meldung. Die MShrisch-Osbrauer „Movgsnzeüwng" bericbi-?>" vor eimgen Tagen, daß in der Slowakei ein „Bolksv-...! '? bsr Juden" ^gründet wurde. Nun besteht bekanntlich 'dieser Verband seit mchr als einem Jahr und hat seich« sehr Erhebsiche-S für die OrganisiLvung der flowattfchen Juden geleistet. Wer die PreßLurger Post hat die am 1. August ISIS an die Presse verschickte Mitteilung des DolkSverlbandeS Übe« seine Begründung zwar am 2. August 1919 abgestempelt, dann aber der Zensurvehövde Mergekben; und diese hat zum Studium der drei Seiten und zur Anbringung des Stempels »CensurovanL" dreizehn Monate gebraucht. Inter- Zahlung der Geschlechtskranke« in Oesterreich. UnterstaaissekretLr Prof. Dr. Tandler empfing Mister« die Vertreter der Presse, um ihnen nähere Mitteilungen über die bevorstehende, vom Volksgejundheiisamt veranstaltete/ Zählung der Geschlechtskranken zu machen. Prof. Dr. Tandler sagte unter anderem: Daß durch die Sänge des Krieges und durch den unglücklichen Kriegsausgang die Geschlechtskrankheiten eine starke Zunahme erfahr« konnten, ist einleuchtend. Es waveu wohl ganz genaue Vorberettungen getroffen, um bei der Demobilisierung alle geschlechtskrankeu Militärpersonen vor der Mckkehr in ihre Heimat in Spitälern zurückzuhalten, um sie der Hetlwrg zuzuführeu. Doch konnten diese genau erwogenen Maßwgeür -lge des Umsturzes am Kriegsende weder bei uns «och in, ' Schlund Lurchgeführt werden. Ziffernmäßig steht fest, daß sich bet den im Hinter« fand befindlichen Ersatz körpern der ehemaligen österveichischungarischen Armee der. Zugang an geschlechtSkrauleu Mann* ' schaftspersoneu im Laufe des Krieges gegenüber dem Frieden, durchschnittlich verdoppelt hat. Im Laufs der letzten Zeit wurde von den Fachärzten insbesondere auf die erschreckerrds Zunahme der Geschlechtserkranlungcn unter der Jugend wiederholt hingewieftsl. Alir Zweckdienlichsten wäre im-Änterefse.her BestinchfunL der. fite- 1 96