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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-29 · Heft 604 (29.9.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 604 (29.9.1920)
Date
1920-09-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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-k. 604 Wien, Mittwoch . Wiener Morgenzeirnng 29. September 1920 . Seite 8 Inland. Eine »verteufelte« Geschichte. Ms es klar wurde, daß Deuischösterreich auf Deutsch'-' böhmen werde verzichten müssen/trösteten sich einsichts* bolle Leute damit, daß wir mit dem gesegneten Lande auch' einige nichts weniger als gesegnete Politiker Loswürden. Leider hat. sich selbst diese Hoffnung als trügerisch erwiesen. Das Land ist verloren, aber seine politischen" Vertreter haben wir behalten, was sichs als eine ganz unqnalifizierbare und selbst von unseren unerbittlichsten Feinden nicht beabsichtigte Verschärfung des Saint-Germakner Friedensvertrages barstem. Diese». trifft bloß die Schuld daran, daß das völkische Selbstbestimmuirgsrecht zum Teufel gegangen, ist. Daß jedoch; der Teufel zu uns gekommen ist, dafür ist nicht einmal die Grausamkeit des Herrn Clenrenceau verantwortlich, zu machen. Herr Teufel, der seinerzeit als Netter des mährischen Deutschtums ins österreichische Aögeordnetenhaus gewählt wurde, zieht es heute, da bas Deutschtum in Mähren wirklich gefährdet ist, vor, den deutschen Charakter von Deutschösterreich gegen imaginäre Feinde zu schützen. Statt sich in seiner Heimat die Märtyverkrone zu erwerben, verschwendet er eine erklecklich« Summe von Kronen unbekannter Mährung auf die Jnserierung bes^ beutfchösterreichischen Märtyrertums. Das Schicksal der deutschen Schulen in den Sudetenländern läßt diesen Patentdeutschen kalt, dagegen' erfüllt ihn" der Anblick jedes Ostjuden in Men mit panischem Achtecken und mit den düstersten. Ahnungen, betreffend die Zukunft der deutschen Alpenlänber , . . Herr Teufel erschien einst als „arischer Gurkenhändser" auf der Bildfläche des. öffentlichen Lebens, Später hat er die Gurken als den unrentableren Teil seines/Geschäftes aufgegebtzn itnb frnktifiziert jetzt nur nwhr sein Arrertum. Das haben vor ihm schon andere getan, vielleicht sogar mit mehr Glück, aber sicher nicht mit demselben Mute kaufmännischer Konsequenz. Ihm blieb es Vorbehalten, die Anpreisung seines Artikels an jener Stelle zu wagen, wo auch die anderen Handelsobjekte die Kauflust des Publikums zu wecken suchen: im Inseratenteil der Dagespvesse. Er annonciert „im Namen vieler Tausender Deutsch5sterveicher". Die vielen Tausender glaubt man ihm aufs Wort, Über ihre deutsch österreichische Herkunft sind indes Zweifel aufgetaucht, lind im Zusammenhang mit diesen Zweifeln ist der Verdacht aufgetaucht, daß Herr Teufel seine Gesinnung verkauft habe. Hat er aus einem Artikel Gewinn gezogen, den er nie besessen hat? Herr Teufet wird also unreellen Schiebertums beschuldigt,^wie es sonst angeblich nur unter heu ostjübischen Stammgästen des „Cafö Schleich" üblich ist. Wir glauben, 'vast, damit/ dem deutschen./Manne schweres Unrecht geschieht. Sein Ariertum ist unzweifelhaft vorhanden. Wenn er davon lebt, ist es also ein! durchaus reelles Geschäft. Und da dieses Geschäft seinen Mann offenbar nährt, hat er es nicht notwendig, den guten Ruf feiner Fimna durch Luftgeschäfte zu kompromittieren . . . __ Dr. H. Sp. Die Serke der Berichtigungen. ' Nachdem der ungarische Gesarrdte die Tatsache eines seinerzeit abgeschlossenen SubventiiorlsabkommenS zwischen Grdös und der ungarischen Gesandtschaft zugegeben hat, stellt sich die Elbemühl-Berwaltung, die sich ,-erst heute mit dem früheren GenevaMrektor der Elbemühl Herrn Ernst Prinzhorn, infolge Erkrankung des genannten Herrn, in Verbindung setzen konnte", mit einer Erklärung ein, welche die ganze Schuld dem inzwischen verstorbenen Erd öS aufbürdet,, der aus eigener Machtvollkommenheit gchaudett habe.» „D«e Genevaldirekbor hat nach Kenntnisnahme dev Details, wonach es sich nicht nur um die Einschaltung eines Inserates, sondern unter dem Deckmantel einer Reklame für ungarische Bäder. eigMtlich um eine politische Beeinflussung der Elbemühl-Älätter handle, das Anbot strikte urbgelehnt.. Nach dieser Haltung des GeneravdirektorK Prinzhorn ist . ein Übereinkommen mit der Gkbemühl niemals zustande gekommen und die Elbemühl hat auch niemals unter irgendeinem Titel irgendeinen Betrag seitens der ungarischen Regierungerhalten, was jederzeit aus den Büchern der Gesellschaft evsichtlich ist," Nach den Erklärungen des ungarischen Gesandten Dr. Gratz war er es, welcher die erste Gelegenheit benützte, um dieses Abkommen zu lösen! Inzwischen geht bas Rededuell zwischen ^Arbeiter- Zeitung" und dem ungarischen Gesandten lustig weiter. Es liegt im Interesse der österreichischen Oeffentlichleit, endlich einmal in diesem Widerstreit zur jstuhe zu kommen und itber den wahren Sachverhalt Klarheit zu gewinnen. _ Mandl. Pra§, 28. September. (Privat.) „Pvavo Libu" meldet: Am 5. August, nach der Verhaftung des Spitzels Bavricsa in Pveßlbuvg, meldete sich in der ungarischen Gesandtschaft bei Herrn Mesichovich Herr Mandl und bekam 160.0V0 Kronen : Mandl hat bisher nicht gesagt, wofür mW zu welchem Zweck er dieses Geld bekam. —- Hoffentlich wird jetzt M»M seme»r ^Idealismus" zu den Slowaken aufstäven. Pronay-Spitzeln in Wien. Wie »Beesi Moghar Ujsag" meldet, verhaftete die Wiener AMtzj m ssinam Wener Vorstadthotel einen Offizier deH Die Wahlen rum naüonalrai. Die jüdischnattonale Liste. Die jüdischnattonale Liste für alle Wiener Bezirke und die österreichischenWahlk t e i s e, g l e i ch z e i t i g R e i ch s l i st e, lautet: Abgeordneter Robert Stricker, Staatsbahnrat^ Anitta Müller, Private, ' Adolf B vh m, Fabrikant, Gemeinderat Dr. L. Plaschkes, Rechtsanwalt, Erna PataK, Private, Barl B l u m e, OSrvarm des Verbandes Wischer Handels an gestellter, Emanuel Kaufmann, Baum elfter, ' Gemeinderat Dr. Jakob Ehrlich, Rechts^ anwalt. ( Unsere Wahlagitation. 1 Wien. ’ Die jüdischnationale Hauptmastll e i t u n g befindet sich : I!., Taborstraße 20 a. ^lnskunstslokale im N. Bezirk. Cafs Weber, Obere Donaustraßr 87, 6 bis 8 Uhr; Cafö Durst, Untere Augartenstraße 1a, 6 bis 8 Uhr, Sonntag von 10 bis 13 Uhr; CafS Zeißl, Große Sperlgaffe 35, 6 bis 8 Uhr, Sonntag Val 1 bis 12 Uhr; Restauration Baron, Große Schiffgasse 19, 7 bis 8 Uhr; Cafö Reif, Stephaniestraße; Cafö Iglauer» Taborstraße 49, 6 bis 7Uhr, Sonntag 9 bis 11 Uhr; Cafö Blau, Rotensterngaffe 19, 6 bis 8 Uhr; Caf6 Bürge r, Praterftraße 11; Praterftraße 17, 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends; Caf6 Küffner, Stumerftraße 13, 4 ms 7 Uhr; Lafö Schwarz, Leopoldsgasse 25, 7 bis 8 Uhr abends. Unser Auskunftsbureau für den XX. Bezirk ist: Karl Meitzlstraße 8, Tür 1; für den IU. Bezirk: Untere Viaduktgas s e 13, von 5 bis 7 Uhr abends; für den IX. Bezirk: Liechte nfteinstraße 11, TÜc 13.! Für den IV. bis V. Bezirk täglich von 9 bis 4 Uhr nachmittags, IV., Favoritenstraße 21, Telephon 53.426; von 4 bis 8 Uhr abends, IV^ Favoritenstraße 42, I. Stock (Max Strauß), Tel. 68.699. Für die B ez i r k e VI 61 $ VIII: Auskünfte in Wahlangelegenheiten, VI., Amerlingsttaße 19, HossÜege täglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. Das zionistische Bureau, X.,Favoritenstraße 130, erteilt Auskünfte in Wahlangelegenheiten täglich von 8 dis 6 Uhr nachmittags.; Für die Bezirke XVI und XVll AnskÜnste täglich zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags, XVI* Brunnengasse 41, Provinz. Die Agitationsleitvng für dir gesamte Provinz befindet sich in unserem Bureau, II., Zirkusgaffe 33 (Telephon 45325). Die Gesinnungsgenoffen aus der Provinz werden,. sich in allen Fällen an das Bureau zu wenden. Die Lifte Robert Stricker, ArrtEtm Müller und Genossen wurde iW folgenden ProvinzwahlKreisen t\m gereicht:? J 1. Rieder'österreich, Viertel ober dem Wienerwald, Vorort St. Pölten (umfaßt; dÜ Stadt Waidhofen an der Mbs und die Gericht bezirke Amstetten, Azzenbrugg, Gaming, Haag, Hain-' selb, Herzogenburg, Kirchberg an der Pielach, Lilien^ selb, Mank, Mautem, Melk, Neulengvach, St. Peter in der Att, St. Pölten. Scheibbs» Tulln, Waihhofen an der 2)bbs, Dbbs.) . / *’ 2. MederSfterreich, Viertel «nter dee^ Wienermald, Vorort Wiener-Neustadt (umfaßt: die. Stadt Wiener-Neustadt und die Genchtsbezirke: Aspang, Bruck an her Leitha, Baden, Ebreichsdorf,. Gloggnitz, Guttenstein, Hginburg, Kirchschlag, Klosters neuburg, Liesing, Mödling, Neunktrchen. Pottensteich Purkersdorf, Schwechat, Wiener-Neustadt.) / 3. NiederSsterreich, Viertel ober dem Mannhartsberg, Vorort Krems (umfaßt: die-Gerichtsbezirke Allentsteig, Dobersberg, Eggenburg. Geras,j Gföhl, Gmügd in Niederösterreich, Großgerungs,! Horn, Krems, Langenlois, Litfchau, Oltenfchlagä Persenbeug, Pöggstall/ Raabs, Schrems, SpiL Waidhoten an der Thaya, Weitra, Zwettl). : 1 4. RiederSsterreich. Viertel «uter dem Mannhartsberg, Vorort Kvrneuburg (umfaßt: die Gerichtsbezirke Feldsberg, Großenzersdorf, Haugsdorff Kirchberg am Wagram, Korneubmg, Laa, Warchegä, Matzen, Mistelbach, Oberhollabrunn, Poisdorst Ravelsbach, Retz, Stockerau, Wölkersdorf, Zistersdorfs 5. Oberösterreich, Linz und Amgebnng, Vorort Linz (umfaßt: die Stadt Linz und die Gericht«^ bezirke Linz, Ottensheim, Urfahr). ,A;V 6. Steiermark, Graz nud Umgebung, Vrws ort Graz (umfaßt: die Stadt Graz und de« Gerichts- . bezirk Graz und Umgebung). AgttatlouSleitungen für die Provinzwahlßukeise( Viertel ober dem Wienerwaldr Wozasek, Amstetten, Telephon NN 14. j Viertel unter dem Wienermald^ Mödling, Enzersdorsersttaße 6, Telephon 223/VH intemrban 209/VIII; für, die Bezirke Wiener-, Neustadt und N e u n k i r ch e n Dr. LeopM Bauer, Wiener-Neustadt, Hauptstraße 30,. Telephon Nr. 343. , Viertel ober dem Mannharts-, b e r g: Kultusgemeiydrsprengel' Krems bei Karr Rephahn, Krems, Telephon Nr. 40, Kuttuszemeindesprenge! Waidhofen an der Thaya bei Karl Löwy,'. Gmünd, Niederösterreich. , Viertel unter dem Mannharts-, b erg: Für Stockerau Dr. Erwin Gwß, Stockerau für Kvrneuburg, Fritz Lederer, Kocueuburg, Telephon. Nr. 21; für Großenzersdorf und Umgebung: Juli«« Fleischmmn, Großenzersdorf. ' ' Linz, Paul Stein, Franz Josefs-Platz 29.' Graz, Jüdischer Nationalyerband, Graz. Griesplatz 11. / «»»»wuMWivaB iwwauMiaüBaima Pvonay-Detachew-eniS, der nrlt einer wichtigen Vetvmmrig in Men eingetroffen war. Der ungarische Offizier hatte unter \ anderen auch englische Legitimationen bei sich, um seine [ Aufgabe leichter und sicherer au-gusAhven. j Erneuern Sie rechtzeitig das Abonnement anf die „Wiener Morgenzettnng" Mrainffcher Bericht. Wien, 88. Sepismlber. Der Ukrainische Pressedienst, meGet aus Stamslau vom 87. d. M.: Ukrainische Nviterei hat nördlich von Profturow die wichtige VisewbHnsLatio« Stava-Konftanchnow besetze. Vorbereitungen zu einer neue« rnsfische« Offensive. Lrntzoir, SS. Dsptember. (T.-K.) Me.^Daill- Expreß-, meldet, find an dem nordlichrn Abschnitt der russischen Front Vorbereitungen für eine große Offensive gegen die Polen tpr Telegramme. Der polnisch-litauische Konflikt. Lchchsn, 28. September. (Funkspruch.) Neber das neuerliche Einschreiten der litauischen Regierung wird der Völkerbund eine-Abordnung, bestehend aus englischen, französischen und italienischen Vertretern, an Ort und Stelle entsenden, um dii polnisch-litauische •' Frage zu lösen. Gr Polen wurde ein Telearamm abgesendeb, in dem dM Erstaunen über das an Litauen gerichtete Ultimatum ausgesprochen wird und das die ' Aufforderung enthältsich der Entscheidung des Völberbundes MznWietzen. Mkwlt. 28. September. Laut -ei,per Meldung her liranischeil Telegrapheuagentur sandte der polnische Minister des Aeußern au beit litauischen Minister des Aeußern eine Note, wonach eine Konferenz zwischen litauischen und polnischen Vertretern in Suwalki für den 29. d. M. etnberusen werden soll. Das litauische Ministerium erklärt sich bereit, den Abgeordneten und Direktor des politischen D/Parlaments Neluti nach Suwalki. Lri Lenden. Trohky für einen Winterseldznz Helsingfor-, 88. September. (T.-K.) Die ..Jsweslija" enthAt einen Aufruf Trotzkys zur» weiteren unerHifter« kichen Acmrpf gegen Men. Trotzky erklärt darin., daß dl«' Polen den Frieden nicht wollen. Man werde mit c&ti Energie de» Winterfeldzug führen müssen. Trotzt schließt seinen Aufruf mit drn Worten: „Die Diplomatie geht; nach Riga. Die-Armeen marschieren nach Warschau." ' * Die Grnahmngsrage Rußlands. WMan, 88. September. (Funkspruch.) Der Ver-, treter des Ernährnngsbvlkskommissärs, Brinchanvw) HNsi dem Zentralexekutivkomitee einen Bericht über die Ersi nährungslage Rußlands erstattet, ans dern hervorgeht) daß hie Getreideaufbringung 454 Millionen ssvrd tt*\ geben bade. Dem Lande steht zwar ein schwere- Jahr»! bevor, doch werden die Verhältnisse nicht schlimmer sein« als im vel-gangenen. , - Das Ende des Fabriksstreites in Itakirrr. 1 . Rom, 87. September. (Stefarü.) In dem vam A g t t a*i tionSkomitee veröffentlichten Kommunique, bdTeffon&l da- Referendum über die in Noru /bgoschlossere x-verciu/ bS8VK MjiKtiliK MemAtviufftxiö, Heißt es: ^Da '

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