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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-27 · Heft 602 (27.9.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 602 (27.9.1920)
Date
1920-09-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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27. Vepr-mver iszo mra etile 2 Men, Montag fe Beratung des Kulturetats im preußischen Ädletenhaus in gleichem Sinne, So scheint es uns kein erstrebenswerteres Mobile -fficium für Deutschösterreich zu geben, als eine Freistatt des Wissens für die strebsamen Jünglinge aller Völker zu sein. Dr. S. Gewürz. Potttifche^undfchcm. Polen und Ungarn. Eine Absage an Ungarn. Ein nach Warschau entsendeter Sonderberichterstatter des „A z E st" hatte vor wenigen Tagen eine Unterredung mit dem Präsidenten des polnischen Landtages Trabczhn» ski, in welcher sich der Marschall des polnischen Seims unrer anderem über bas 'Verhältnis Polens goi Un^»m folgendermaßen äußerte: , Der Gedanke einer engeren Verbindung mit Ungarn findet in Polen zwei fellos Sympathie.* Bei praktischer Ausführung des Gedankens müsien wir uns jedoch fragen, worin eigentlich diese engere Verbindung bestehen werde. Etwa in einem engeren wirtschaftlichen Zusammenschluß, das wäre ohne Zweifel wünschenswert. Zwischen Polen und Ungarn bestehen jedoch keine gemeinsamen Grenzen und wie chic Frage der Volkszugehörigkeit in den rnthernschen Abftim- Mungsgebreten entschieden werden wird, läßt sich in diesem Augenblick nicht sagen. Soll es sich um eine engere politische Verbindung, etwa um eine politische Kooperation, handeln? In Bündnisfragen ist mein Standpunkt der folgende: Jedes Bündnis birgt für jeden cm dem Bündnis beteiligten Staat die Gefahr eines Krieges.in sich. Ist ein Staat, wenn ich mich so ausdrücken soll, isoliert, so kann er Wohl auch in dine Situation geraten, durch die er in einen Krieg hineingezog-en wird. In diesem Falle führt dieser Staat den Krieg ' ausschließlich für die eigenen Interessen. Ein Bündnis hin- Avgen bedeutet jedenfalls die Möglichkeit, daß ein Staat gezwungen wird, für die Jnteressrn eures verbündeten Staates vr den Krieg zu gehen. Diese Eventualität muß meines Erachtens vermieden werden. Wir wünschen nicht, daß etwaige strittige Fragen durch den Krieg entschieden werden. Auf das Verhältnis Polens zur Tschecho-Slowatoi übergehend, sagte Trabczynski: Das Verhältnis zur Tschechoslowakrschen Republik ist ein außerordentlich gescanntes, und Mar hauptsächlich aus Met Gründen. Der .eine Grund liegt in der bekannten Teschener Frage; der zweite in dem Verhalten der Tschechen während des gegenwärtigen polnisch-russischen Krieges. Die Tschechen haben, entgegen de« Bsstimlnungen der Haager Konvention, ihre Grenzen auch für Lebensmittel gesperrt .und all« Arten von Lebenöinitt-l als Konterbande erklärt. Diesem Verhalten kann nur das Motiv zugrunde liegen, daß die Tschechen auf solche Weise Sowjetrußland indirekt in seinem. Kampfe gegen Asien unterstützen wollen. Trotz alldem wünschen wir di» zwischen uns und der Tscheche? Sloioakei bestehenden Gegensätze nicht durch kriegerische Mittel auszutragen. Tatsache ist jedoch, daß die Tschechen die vußenpolinsche Haftung Polens durch ihr Verhalten sehr ksrernfacht haben. Ehedem war die Rede davon, daß die Tschecho-Slowakei außenpolitisch mit Polen zusammengehe, Nach den Geschehnissen der. letzten Zeit ist es völlig ausgeschlossen, baß Polen, in welcher Form immer, mit den Tschechen zusamme narbeite. j Heber die Rigaer Verhandlungen äußerte sich Lrabczynski dahin, daß die Polen entschlossen seien, bis zur äußersten Grenze zu gehen, um den Frieden wre der Herzu fiel len, so daß der Erfolg dex Rigaer Verhandlungen ausschließlich von dem guten Willen der Russen abhänge. Es sei nicht im Interesse Rußlands gelegen, von Dolen bewohnte Gebiete zu behalten, andererseits habe Polen ßeine Sehnsucht noch einer neuen polenfeindlichen russischen Nationalität auf ihrem Staatsgebiete; wir wollen die Scheide- ’ Kreuze auf dem strittigen Gebiete durch Re konfessionelle Zugehörigkeit der Bewohner dieser Gebiete tziehen. Auf dem weMchen Teile des strittigen Gebietes wohnen Katholiken, auf dm östlichen orthodoxe Russen; wir beanspruchen die von Katholiken bewohnten Gebietsteile und überlassen ine von Orthodoxen bevölkerten Gebretsstrrche den Russen. Eine Ausnahme bildet bloß das Pripjetgebiet, durch welches wir unsere Grenze nach Osten hin korrigieren Wollen. > Auf die Frage, ob die Ukrainer und Wränge! den Krieg nicht auf eigene Faust werter fortsetzen werden, weinte Trabczynski, dies sei. ausschließlich Sache der Ukrainer und Wrangols. Dre Verbindung zwischen beiden sei bereits hergeitelli und die Russen mögen nun zuseh-en, wie sie mit Wrangel fertig werden. Er habe den Eindruck, daß es ihnen nrcht gelingen werde, die Armee Wrangels niederzubrechen. Im übrigen müsse der Friede auch deshalb schon geschlossen werden, weil der Friedensschluß den Zusammenbruch des bolschewikischen Systems nur beschl-eunigen würde. Es sei offenkundig, daß, solange die Rote Armee durch «inen äußeren Krieg zusammengehalten wird, von einem Sturz des Bolschewismus keine Rede sein könne. Sobald die von außen kommende zuscnnmenhaltende Kraft zu wirken , aufhoren wird, w-eiÄe auch das ^ganze System in sich zu» , sammenbrechen. *S)ie erwachenden Angara sind erwacht"? Budapest, 26. September. (Priv.-Tel.) Nach dem Verein der erwachenden Ungarn hat. sich nunmehr ein Verein der erwachten Ungarn gebildet. Die Führung hat die F r i e d r i cb-G r u p p e. Das Ziel ist, darüber zu wachen, daß die Negierung in ch r i st l i ch e r und Nationaler Beziehung nicht locker iUjf* Wiener Morgenzeikrms Telegramme. „Libertä" über Oesterreich. Paris, 25. September. „Liberty behandelt in einem ausführlichen Artikel dieösterreichischeFrage. Die Brüsseler Konferenz werde sich vor allem mit der besonderen Notlage Oesterreichs zu befassen haben. Die Kr o n e n w ä h r u n g sei auf einem furchtbaren Tiefstand angelangt. Kein Staat außer Rußland sei wirtschaftlich so schwer geprüft wie Oesterreich. Nach eingebender Schilderung des Elends in Oesterreich fährt der Artikel fort: Nach zweijährigem Dulden sind die Oksterreicher zu dem Schlüsse gelaugt, daß es nur drei Lösungen gebe: die Donaukonföderakion, den Anschluß an Deutschland oder den langsamen Tod. ' 5 Da Völker sich nicht leicht entschließen, mit verschränkten Armen dem eigenen Tode zuzusehen; da die Donaukonföderativn eine Schimäre geblieben sei und da weiter Oesterreich bei den Alliierten nicht jene wirksame politische, finanzielle und wirtschaftliche Hilfe gefunden habe. die es erwartete und die Dr. Renner in Paris erbeten habe, sei die zweite Lösung, nämlich der Anschluß an Deutschland, wieder in den Vordergrund gerückt. , '.Der neue Ministerpräsident Leygues habe die Pflicht, .sich ungesäumt der österreichischen Frage zuzuwenden. Christlichsoziale wie Sozialdemokraten sähen jetzt im Anschluß an Deutschland die einzsge Rettung. Oesterreichs, Vz?r dem Völkerbunde werde ' Oesterreich iyr^November die Aushebung ..des Anschlußpertwte? und zugleich Deutschland die Aufnahme in den Völkerbund verlangen. Hier habe Frankreich das Recht und die Pflicht, sich zur Wehr zu setzen. Es sei Frankreich uumögljch, eine Bergrößerung Deutschlands zuzugeben. Die Existenz . chres fei bständigen Oesterreich sei für die Sicherheit Europas unerläßlich. Frankreich werde der ganzen Welt Dienste leisten, indem es den Anschluß verhindere. Mt dem Verbot allem sei aber nichts geleistet. MaumW Oesterrerch einen anderen Weg der Rettung zeigen. . Man müsse ihm die Möglichkeit bretep, zu leben, man müsse es politisch wie Wirtschaft--' lich stützen, sonst helfe man den germanischen SBfocf« gegen Frankreich zusammenschweißen. In der gestrigen Vormittagssitzung kamen die Ber-' treter der sechs Lander zu Worte, die während, des Krieges neutral geblieben waren. Ip ihre» Darlegungen über die wirtschaftliche und sipanzielle Lage. ihrer Länder verwiesen sie dem „Temps" zufolge darauf, daß die Krregsjahre für ihre Staaten die Zeit des größten wirtschaftlichen Auff chwunges waren. Mit dem Abschluß des Waffen-i Mstzarrdes; habe sich diese - Lage v o U st ärr d i g g e-... ändert, so daß sie jetzt großen Schwierigkeiten gegenüberstehen. Die Polen in Grodrro. Warschau, 26. September. (Polu. Tel.-AgM.) Rach hartnäckigen Känrpsen trobevten wir G r o d n v, ' wobei tmr ' Gffaugene mnchren und Kriegsmaterial erbeuteten. Im Rantne N - s h a n h-W o l k o w h s k wurde der allmähliche Rückzug d?r Bvlschnvllen hinter den Szc^arafluß sesigesiellt. Nördlich von Woloczyst errrichtrn unsere Abteilungen MedvnundToki und zwangen dm Fend zum Rückzug in nordöstlicher Richtung. Orstlich vom Z b r u c z ttweitcrt di« ukramische Armee rhi« Gruppierung. ' . . Die itairenische Amr^io« GÜdArolS. Das „B. T/ meldet aus Rom: Bei der Erörterung des Vertrages von St. Gerrnain im Senat erklärte Minister des Aegßern Sforza, Italien werde seine neuen Bürger so behandeln, daß kein neuer Jrredentismus möglich sei. Auch Ministerpräsident Giolitti gab dieselbe feierliche Erklärung ab und verhieß der annektierten Bevölkerung eine weise Verwaltung und unparteiische Gerechtigkeit. Darauf wurde der Gesetzentwurf, der zugleich die Annexion der neuerworbenen Gebiete ausspricht, mit allen abgegebenen 200 Stimmen angenommen und die; Sitzung zur Feier des Ereignisses geschlossen. Des rrifsifchc KrieZsminifter irr Riga geftodben. Riga, 26. Septeinber. (Meldung der Tel.-Komp.) Der frühere russische Kriegsminister General" Poliwanow. der bei seiner Ankunft in Riga an einem. Uvterleidsleldeu schwer erlrankt war und dessen Vesinden sich in den letzten Lagen stark verschlimmert hatte, ist , g e st e r n gestorben. Infolgedessen werden die Friebensverhandlungeii, die gestern fortgesetzt werden sollten, einen kurzen Äusickub erfahren. Die nächste Vollsitzung wird wahrscheinlich am Montag den 27. d. M. stattfinden. Mittcilnngcn aus dem Publikum. Verlsu, »old,Silber. Platin nähren kauft nnd verkauft 778 ETT Kotentnmstx. S3, LlurlaLUteLStr. SS Tagesbericht. Demonstration der Schrebergärtner. Der Verband der Schrebergärtnerveveine berief für gestern vormittags vor daneue Rathaus eine DemonstrationSversammlung ein. In geschlossenen Zügen kamen die Teilnehmer unter Vorantragung von Tafeln mit Inschriften. Von den 60.000 Wiener Schrebergartenbesttzeur hatten sich gut 5 0.0 0 0 eingefunden. Auf dem RathauSplatze" wurden Tribünen improvisiert, von denen aus die Referate erstattet wurden. In der Votkshalle nahm die Versammlung teilweise einen sehr stürmischen Verlauf durch die politischen Gegensätze die hier während der Ausführungen von sozialdemokratischen und christlichsozialen Rednern gegeneinander gerieten. Beremsobmanu Z i p f i n g e r hielt die Eröffnungsrede. Es wurde eine Resolution zur Annahme empfohlen, in welcher unter anderem gefordert wird: Enteignung aller nicht rationell bewirtschafteten Anbaugründe. — Ueberführung der enteignet«». Gründe in den Besitz von Staat, Land oder Gemeinde. — Zuweisung in öffentliches Gut übernommenen und befindlichen Bodens an Kleingärtner. — Festsetzung einer Mindestpachtdauer für Kleingärtner in der Dauer von 15 bis 20 Zähren. ^Bürgermeister Reumann versicherte, daß die derzeitige Gemeinderatsmajorität die KleingartenbewrgWg mit dem lebhaftesten Interesse verfolge. Obmann Schulz von der Freien Vereinigung der Kleingartenvereme entfesselte durch eine scharfe Kritik an der Gemeinderatsmajorität einen stürmischen Widerspruch bei der Mehrheit der Versammlung, der zu einem langanhaltenden Entrüstung s st ur m führte, als.Redner fragte, ob man die Massen hergeführt habe, um für den 17. Oktober Stimmung zu machen. Landesrat Adolf Müller erwiderte auf die Ausführungen des Vorredners unter fortgesetzten L ä r m s z e n e n der christlichsozialen Minderheit. Tr betonte, daß der 17. Oktober auch die Entscheidung darüber bringen werde, ob die Interessen der Schrebergartenbewegung oder die der Großgrundbesitzer und der Hausherren gefördert werden. Nach einem Schlußworte des Referenten wurde die Resolution einstimmig angenommen und die Versammlung geschlossen. Bow Indischen Nationalfonds. WeMywerbe sür den Iüdtschen Nation also«ds. .. Di? außevsrdeytliche Notionalfpnds -KoriferLnz pow ZI. August hat fclwnpltä) beschlossen, Ehrenpreise zu -stifte«, welche Ende 1930 an folgende Personen, beziehungsweise, zionistische Gr»rppe« Oesterreichs zur Verteilung gelangen splsen und aus je einem Kunstgegeslftand und einem. EHpendiplom bestehe« werben: -. 1, Für he« Spender der grüßt«« Einzel spende für den JMscheßj Mtipn-alsonds in Oesterreich im Jahre 1920. 2. Fiir de«' erfolgrÄchsten Sammler km Jahve 1920. - A. Für p«r Besitzer der Nationalfonbs-Sammelbüchse, die »im Jahre 1920 den größten Ertrag brachte. 4. Für die am besten arbeitende 'Wierrer Bezirkssektion. L. Für die am besten arbeitend« Ortsgruppe der Provinz. Rach einem vorläufige« lleberblick komm«rr momentan für die Erlangung disfer Preise in Betracht: ad 1. ätt Spender dev größte« "Mnzelfpefche ei« Anonymus, her St. 190.000.— dem Jüdische« Nationaffopds zuwendete, Da ab« dieser Herr unterdessen nach Palästina üverstedelte, schied er aus dem Wettbetoerb aus. Die.zweitgrößte Spende (§k. B0.000.—) stoß dem. Jüdische« Nationalfschs h«ter aus einer Dexlasseirschaft zu, kommt dadurch! ebenfalls nicht für de» Wettbewerb in'Betracht. Dia «ächstsorgenden Spender find acht Herren au? Wien, Mödling und Klosterneubuvg, die je einen Baustein von K. 80.000.- erworben haben. Dieser Bewerb ist also derzeit noch vollkommen offen. ab 8. D'5e besten Erirägnisse 'haiban bisher fylgenbe Sammelbüchsen: Firma Weinberger und Preis, 1. Bezirk, Werdertorgasse 12, die miteinem Betrag von K. 8692.- an ber Spitze steht. Ihr folgt die Büchse des Herrn Siegmnnd Frisch, ^Dten, L». Bezirk, mit K. 8313.— an zweiter und knapp hinter dieser die Sammelbüchse des Cafd Franz Josefs-Kai» Wie», 1.Bezirk, Franz Josefs-Kai 45, mit einem LeerruigsergebniS von K. 2224.— an dritter Stelle. ad 3, Der Wettbewerb der Wiener Be^rksstMynen 7st derzeit «och ganz offen unb es würde schioer fallen, Len voraussichtlichen Sieger zu bezeichnen. MomLntan führt der 10. mü> 11. Gcmerndebezirk mit einem knappen Porsprung vor den westlichen Bezirken Urrd etwas größerem Vorsprung vor ber Inneren Stadt. Gerade hier aber kann, die Durchführung der Bausteinaktion Las Bild nolh illgllch verändern. äl> 5. In der Provinz liegen 'die Verhaltuisse ähnlich. Die bisher ziemlich unöedeutenden Ortsgruppen Mödling und Klosterneuburg haben durch die eifrige Durchführung ber Propaganda für den 10-Millioncn-Fonds und Erlangung einiger Baustein spenden sich weitaus an dir Spitze , gefetzt. Die Entscheidung dürfte vermMich — /wenn. nicht-, im letzten Moment dt« anderen 'Ortsgruppen eine rntensiv.«. Tätigkeit entfalten' — zugunsten eines dieser Leiden Orte fallen. . Br.. 7 /-e für das Dritte jüdische Reich. Die in Oesterreich am 6. September b. DsijrH.iOMf Aktion zur Üuprmguug der ,-.c onngeiwe >jav;~nr\c Packyrrna unv-^vmtzr noirgen Server,' wea-.)- . .-ne MMoii PsuiU) Sterling bis Jahresende a:win.u^'u u:w r-e

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