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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-26 · Heft 601 (26.9.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 601 (26.9.1920)
Date
1920-09-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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28. September 1920 * aiÜTi - «anaac»ü 9tia fefot, Sonntag Pattologne zurückgetreten« Pari», 94. September. (HavaS.) Der Generalsekretär tat Ministerium des Aeußern Paleologue hat seine Demistion gegeben. Die Verhandlungen in 9Nga. Paris, 88. September. (HavaS.) Nach einer französischen Und englischen Blättern aus Riga zugekommenen Depesche verlas Joffe auf der Friedenskonferenz eine wichtige Erklärung der Sowjets, die genaue Vorschläge enthält. Danach verzichten die Sowjets auf die Entwaffnung und Demobilisierung der polnischen Strettkräste sowie auf die Schließung der Waffenfabriken. Des weiteren verzichtet Rußland auf die Benützung der Eisenbahrrlinie WolkowySk—Grajewo und schlägt eme Grenze vo-r, die viel östlicher verläuft als die Curzon-Linie und Ostgalizien einschließt. lieber das Schicksal Weißrußlands und Litauens soll eine Volksabstimmung entscheiden. Di? Polen für die Unterzeichnung des Waffenstillstandes und der Friedenspräliminarien gewährte Frist laust am 5. Oktober ab. ErSffrrungssttznng des Sejm. Warschau, 24. September. (Poln. Tel.-Ag.) Gestern wurde die erste Sitzung der neuen Sejm-Session abgehalten In der Eröffnungsrede erklärte der Sejm-Narschall: Polen hat nicht nur die Angriffe gegen sich selbst abgewehrt, sondern ganz Europa gerettet. Ministerpräsident WitoS hielt eine längere Rede über den Stand der inneren und der äußeren Politik Polens, wobei er auch die Ereignisse der letzten zwei Monate ausführlich besprach. Diepolnisch-fLÄrfchenAusgleichsVerhandlunKen Warschau, 24. September. (Jewish Corr. Bur.) Der von der Regierung versandten Einladung zur Fortsetzung der Ausgleichsvechandlungen zwischen Polen und Juden konnten die jüdischen Parteien keine Folge leisten, da die amtliche Einladung den Verlöhnungstag als Konferenztag bestimmte. Der jüdische Sejmklub wandte sich an die Regierung mit dem Ersuchen, die Besprechung für einen anderen Tag anzuberaumim. Der polnische Frontbericht, Warschau, 26. September. (Tel. der Wr. Morgenztg.) Der Generarstabsbericht meldet: Nördlich vom Pripjet hat sich an der ganzen Fvcmt ein schwerer Kampf entwickelt. Unsere Abteilungen rücken in der Richtung Bereza, Kartuzka und Rozany vor. Die Posener Abteilung-n haben Wo ltowysk besetzt. Der russische Frontberrcht. Moskau, 25. September. (Funkspruch.). Frontbericht vom 24. September. Bei Grodno rückt der Feind weiter vor. Bei Wolkowysk Kampfe mit wechselndem Erfolg. Bei P r u s ch a n i und K o b r y n hartnäckige Kämpfe, in denen wir Gefangene rnachten. Im Raume von Stara-Konstantrnow räumten wir die Stadt Jsjaslawl und kämpften 20 Werst südlich von Schepetowka. Im Gebiet von Proskurow \inb" wir auf die Linie 40 Werst westlich von Proskurow zuruckgegangen. Bei Hujiatyn besetzten wir Gorodok und setzen unseren Vormarsch fort. Deutschlands ErrrLhrungßlage. Berlin 25. September. Der Wirtschaftsausschuß des Reichskabinetts hat heute das Wirtschaftsprogramm weiter beraten. Der E r n ä h r u n g s m i n i st e r erklärte, die öffentliche Bewirtschaftung bleibe für Getreibe, Milch und Zucker unbedingt bestehen. Zur Sicherung der Brotdersorgung bedürfe es einer sehr erheblrchen Einfuhr von ausländischem Brotgetreide. I Ausschreibungen itt HiAvenbrrrZ. j Hindnchrrrg, 24. September. (Wolfs.) Auf der Castellengo-Grube kam es heute ftüh zu w"ften Auf- I rrittcn, rvobei zehn Grubenbeamde erheblich verletzt - wurden. Bar einiger Zeit war ein Häuer wegen Mißhandlung eines Steigers von der Grubenverwaltung entlassen worden. Die Belegschaft forderte die Wieder- Umstellung des Häuers. Die Grubenverwaltung; lehnte dieses Ansinnen zunächst ab, gab jedoch nach. - als zwei Steiger mißhandelt wurden. Trotzdem trat die Belegschaft heute früh in den Ausstand. Sie derj griff sich tätlich an allen Beamten, deren sie habhaft! werden konnte. Die Belegschaften der Laura-Grube und der Deutschland-Grube befinden sich wegen Lohnforderungen im Ausstand. Die Gruben sind von Sicherheitspolizei besetzt., Die Anruhen in Irland. London, 25. September. (Funkspruch.) Nach Meldungen aus Dublin wurden gestern nachts die Städte D v o n b e g und B c a l a h a (?) sokm die Ernte auf den Feldern um die Städte angezündet. Die Zahl der in dieser Woche in Irland in Brand gesteckten Städte beträgt somit acht. In Dublin schlugen gestern nachts zwei Bewaffnete den Torhüter des Hauptpostamtes nieder, sprengten die Kassen mit Dynamit und entflohen mit ^er Beute von ungefähr 3000 Pfund. Wiener Mvrgenzeitnng MitteilMM aus dm Publikum. empfehlen sied als Verlobte Wien, II., im September 1920 5L«7 Wien, VII. Raudnitz a. E. Verlobte Wien, km September 1920 mso Molsei ii. Innendekoration in grösster Auswahl. Nur gediegene 619 Erzeugnisse. < J. SPIRA Ute, VH., Sielteisterag. 1 n. Z (Ecke Karl Schweighofcrgassel. mMüNTSN, Perle», Golk,SUber,Platin » Uhren kauft und verkauft 776 ETTEI& Roteatcnnsir. 83, HärlahUferntr. 98 Brillanten Perlen. Juwelen, Oold. 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Die Staatsamvalischa^t hat gegen alle Mitglieder der Peidl- R eg r e/un g dir Anklage wegen Vorfchubleistung z«m Berbrechen erhoben, weil die gMäneten BölkSkommissäre der Rätelegierunz nur infolge Eingreifens der" PerdbRegienmg nach Oesterreich gelangen konnten. Der Akt ist an das Iustinnirnstemirn geleitet worden, bmnU dirscS das Auslieferungs- Verfahren gegen die m Wien befindlichen ehemaligen Volkskommissare Peidl, Payer, Böhm und Garbai anstrengen könne. Kongreß der tschechische« Linken. Prag, 25. September. (Tel-Komp.) Gestern vormittag- 4ourdr im Prager Repräsentantenhaus der Kongreß der tschechischen Linken unter Teilnahme von 310 Dclegürien eröffnet. Aus der Slowakei waren nur 47 Delegierte zugelaffen wordm. Vor dem Koogrev hielte» du jlowalischeu und uuherriscker» Delemnten PMeraUwaL» ab. DieIahreskonferenz der italienischen Zionisten. Rom, 24. September. (Jewish Corr. Bur.) Die Konferenz der Zionisten Italiens wurde endgültig auf den 17. und 18. Oktober festgesetzt und wird in Triest stattfinden. Die Tagesordnung ist ungemein reichhaltig. Man erwartet wichtige Beschlüsse in bezug aus die Beteiligung der italien.ljchen Juden am .Aufbau Palästina Nr. 801 Tagesbericht. Das Fest der Ernte. DaS Laubhüttenfeft, oas heute anhebt, trägt wie letn! anderes der jüdischen Feste frischen Erdgeruch in feinen Bräuchen. ES ist an sich ein einzig dastehendes Phänomen, mit welcher Innigkeit daS jüdische Volk, baS seit Jahrtanjenden von dem nährenden Mütterboden der alten Heimat losgerissen ist, die sinnvolle Feier übt, die nur im Schoße; eines erdverbundenen Bauernvolkes entstehen konnte. Dev Duft der palästinensischen Scholle erfüllt diese acht Tage, für die. der gläubige Jude sich seine leichte Hütte baut und schmückt — wehmütiges Gedenken an ein« längst verwichen« Vergangenheit — Zeder - und Palme segnet und eine Ernte feiert, dir ihm nicht geworden ist, und der Zauber eines reicheren, volkhafteren Lebens umhüllt diese Tage, da sich denk frommen Brauch lustiger Schabernack gesellt, der selbst wieder zur Tradition geworben ist.. Das neuerwachte jüdische Volk Hai auch den verborgenen Sinn 1 einer alten Feste aufgeftischt und sein aktiver Lebenswille macht zu lebendigem Symbol, waS manchem vorher verblaßt erscheinen mochte. In diesen Tagen gilt die Erntefeier des jüdischen SukkothfesteS nicht bloß als frommes Gedenken, sondern auch als kraftvolle Verheißung. Unser Volk, das den Zusammenhang mit Erez Israel und mit seiner dereinstigen Volksexistenz nie aufgegeöen hat, baS bei verschiedenen Gelegenheiten um günstigen stiegen und erfrischenden Tau betet wie in glücklicheren Tagen, belebt der Gedanke, daß ihm ein neuer Erntesegen beschteden sein wird in der altneuen Heimat, die nunmehr, da die stärksten Hindevniffe überwunden sind, zu neuem Leben erwachen soll. WaS durch die vorgeschriebenen acht Dage als frommes Gedenken geübt wird, soll reale Wirklichkeit des MtagS werden: DaS Leben eines befreiten Volkes' in der eigenen Hütte, die Freude am Ertrag der Ernte, die mit eigenen Händerr und im Schweiße der schaffenden Arbeit eingeheimst wurde.. In diejen Tagen wendet sich der -Sinn des Juden mit besonderer Wärme den Brüdern in Palästüm zu, denen vergönnt ist, Glück und Leid beS PioniertumS in voller Unmittelbarkett zu erleben und in mühe- und segenvoller Arbeit Bahn zn schassen für jene, die Nachfolgen sollen. . DaS Gukkothsest, ursprünglich eine Feier zur Erinnerung, an die bewegliche Hütte in der Wüstenwariderung, ist später, nachdeni das jüdische Volk sehhaft geivorben war, zum Ernte- , fest gestempelt worden. In späteren Zeiten der freudlosen Galuth-Existeuz mochte sich wieder die frühere Bedeutung des Festes in den Bordergrund beS BervusttjeinS geschoben haben; nunmehr soll «S durch die Anstrengungen eines zur Freiheit erwachenden Volkes die Feier der vollen Erntze; bid'Ulent ■ . / vr > *• f» Der Ncckurfsrscher'koregrsß in Nauheim. AuS Nauheim wird vns berichtet: In der allgenrernen Sitzung des Naturforschertages sprach unter großer Aufmerksamkeit der Versammlung Professor Bosch (Ludwigshafen) über die Stick» stoffw irtf ä)Qft u n b Strckstofftechnik. Er schilderte eingehend die verschiedenen Verfahren zur Bindung des Lnftftickstosfes und tvandte sich im be-. sonderen dem Haber-Verfahren zu, an dessen AtlSarbeitung er selbst stärk beteiligt ist. Der Vortragende gewährte dabei einen Einblick in die Mühseligkeiten der chemischen Erfindertätigkeit. . Ueber die Verwendung dieser Produkte und ihre Notwendigkeit ckiir die Landwirtschaft sprach bmm Professor Paul Ehr e n b e r g (Göttigen). Sein Theinä lautete! „Stickstoffbedarf der Kulturpflanzen und seine Deckung." Der Redner knüpfte dabei bemerkenswerte volkwirtschaftliche Vorschläge an seine Erörterungen. Sodann sprach der Berliner Ernührungßphpsiolog« Professor R n b n e r über die physiologische Bedeuiung de§ Stickstoffes, das heißt in diesem Falle der Eiweitzfftoffe, ft'ir die Ernährung der Tiere und Menschen. ' Zum Ernährungsproblem sprach Profesior-' -von G r u b et (München). Et führte aus: „Nnsdr Weiterbestehen hängt davon ab. ob wir der furchtbaren : Not von heute Herr werden. Es wäre nämlich möglich, daß jetzt Millionen so jäh bah insterben, wie während' ' der Blockade die Lausende. " Früher hat die Sozialhygiene' aus dem Bollen schöpfen können. Es handelte sich nur um die Verteilung eines Nationaleinkommens, das unbegrenzt steigerung^- fa'hig war. Aber heute muß sie fragen: „Was und wie-! viel Hobe ich überharrpt zn verteilen?" Die wichtigste Vorbedingung für iinsep Fortbestehen ist, daß wir unser Volk aus der Heimat ernähren. Unser Schicksal hängt davon ab, ob wir dazu imstande sein werden. Infolge des Mangels'an Düngemitteln kann uns unsere Ernte nur etwa die Hälfte des Verbrauches von 1012 bis 1913 bringen. Wer dies weiß, könnte an der Möglichkeit verzweifeln. Aber sie besteht sicherlich. Mt lebhaftem Beifall nahm die Versammlung diese Ausführungen des bekannten Physiologen auf. Olls. nächster Redner ergriff Professor Paul (München) daS Wort zu einer Reihe programmatischer Forderungen für die künftige Arbeit der LebenSmittelchemie. Von seinem detaillierten Dortrag können wir nur folgende allgemein wichtige Gesichtspunkte herausheben: ' Das Ziel, die Gewinnung. Aufbewabnlng und Zubereitung des Lebensmittel sowie den Handel und Verkehr damit so zu gestalten, daß der größtmögliche Nutzen für die Volksernährung herausgewirtschaftet werden kann, läßt sich nur erreichen, wenn die Wissenschaft auf breitester Grundlage mitwirkt. Es können auch die ver- . schiedenen Zweige des Lebensmittelgewerbes heute dih

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