Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 601 (26.9.1920)
- Date
- 1920-09-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 601 Wien. Sonntag M * _ „Damit Euer HtzchgLborLN iin Glauben aa mein Wd)t bestärkt werden, -erkläre ich schon jetzt/ baß ich bereit bin, in BertrsLiing der Eibemühl-Blätter den im Dezember 1919 abgeschlossenen Vertrag im Falle b^r Einwilligung des Aufjonninisteriums von Seibe der darin erwähnten Elbemülil-Blütter auszuheben mit dem aitSgesprochen-m^Versprechen, das; die erwähnten Blätter selbst nach einer solchen Uvfhe5'.nig.deS.1lebercültonlmens Euer Hochgeboren ebenso zur Verfügung stehen werden, al§ wenn das Nebereinkourmen gültig' geblieben wäre." Der Verlagsdirektor der Elbemühl, Ernst Klebt nd er. übersendet uns eine Erklärung, worin konstatiert wird, daß der seither verstorbene Erdös niernals Direktor des Konzerns, sondern Chef der Jnseratenabteilung war und daß die neue Berlagsdirektisrr mit de» Ungarn keine Abmachungen getroffen habe. Sein Vorgänger Herr KrLnzhvrn solle die Angriffe selbst Widerlegen. * Da ErdÜS, bec außerdem für sich 174.000 Kronen erhalten haben soll, bereits tot ist und Herr' AleLinder noch frisch in seiner Würde ist, wirdalso Herr Prinzhvrn, dessen Persönlichkeit ja noch in >,gutem Gedenken" ist, berichtigen müssen. Hoffentlich weiß er etw-aZ zu sagen und wird sich nicht darauf beschränken, das Ganze auf den toten Erbos zu schieben! Sehr entrüstet tut das fittenstrerlge Hanptorgan von der Steyr erin üh l- Konkurrenz. Das „Neue Wiener Tagblatt" (Abendausgabe), erklärt, „die unabhängige Presse, die endlich ihre publizistische Mission erfüllt" (dazu gehören natürlich in erster Reihe die Sieghardt-Blätter, zum Beispiel das „8-Uhr-Blatt") könne setbstverftärrdlich nicht dulden, daß sie von den Kotspritzern dieser Enthüllüngskampagne getroffen werde!" Jedenfalls aber beginnt'die ganze Affäre recht penetrant zu stinken! Es ist im 'allgemeinen Interesse gelegen, daß diese Dokumenten frage baldigst und restlos geklärt werde. ' lieber die Rolle des Deutschen H. Te u se l berichtet die Parlamentskorrespoirdenz: Gestern wurde Teufel zum Polizeipräsidium vorgeladen, wobei eine Anzahl Wachleute vor der Kanzlei Aufstellung nahm. Teufet wurde vom Polizeipräsidenten Schober verhört, der mit ihm ein Protokoll aufnahm. Teufel bestreitet, daß die Gelder, die er für seine Inseratenpolitik verwende, aus Ungarn stammen, hat aber feine Aufklärung gegeben, wer seine Auftraggeber und Hinternummr sind. Nach der Einvernahme wurde Teufel wieder entlassen. Ahbsrnfrmg des Wiener Jugoslawischen Geschäftsträgers. Der biZbcrige Geschäftsträger des Kommeiches der Serben, Kroate« m:ö Slowenen, Herr Dr. Miroslaw I a n k owitfch, wurde zum Direktor der poliuschen Sektion des königlkchen Mmisteriums des Aeußern in Belgrad ernannt unb begibt sich demnächst auf seinen neuen Drenstpofien. Bis znr Ernennung des neuen Vertreters deS Königreiches wird die Geschäfte der Gesandtschaft der erste Sekretär Herr Konstantin Fotitsch leiten. _ Unsere Wahlagitation. Die j ü d i s ch n a L i o n a 1 c Hauptwahl- 1 eitung befindet sich: II., Taborstrafee 20a. Achtung! AnsdunftsLokale im TI. Bezirk. Casö Weber, Obere Dvnaustrafee 37,'' 6 bis 8 Ahr; Caf« Durst, Untere Augartenflraße la, 6 bis 8 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr; Caf^ 3eifei, Große Sperlgasie 35, 6 bis 8 Uhr, Sonntag a/all bis 12 Uhr; Äestamation Baron, Große Schiffyafse 19, 7 bis 8 Uhr; Caf6 Reif, Stephaniestrafee; Cafs Ig lauer, Taborstrafee 49, 6 bis 7Uhr, Sonntag 9 bis 11 Uhr; Eafä Blau, Rotensterngaffe 19, 6 bis 8 Uhr; Cafä Bürger, Praterstrafee 11; P r a t e rstrafee 17, 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends; Caf6 Küffner, Stuwerftrafee 13, 4 bis 7 Uhr. » Unser Auskunstsbureau für den XX. Bezirk ist: K a r l M e i fe I st r a fe e 5, T ü r 1; für den III. B e z i r k: Untere Viaduktg a f f e 13, von 5 bis 7 Uhr abends; für den IX. Bezirk: Liechtensteinstrafee 11, Tür 13. Für den IV. bis V. Bezirk täglich von 9 bis 4 Uhr nachmittags, IV., Favoritenstrafee 21, Telephon 58.426; von 4 bis 8 Uhr abends, IV., Favoritenftrafee 42,. I. Stock (Mar Straufe), Tel. 58.699. Für die Bezirke VI bis VIII: Auskünfte in Wahlangelegenheiten, VI., Amerlingstrafee 19, Hofstiege täglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. Das zionistische Bureau, X.,Favoritenstrafee 130, erteilt Auskünfte in Wahlangelegenheiten täglich von 3 bis 6 Ahr nachmittags. Für die Bezirke XVI und XVII Auskünfte täglich zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags, XVI., Brunnenflftffe 41. Das Jüdischnationale Wahlbnreau für das Mertel unter dem Wienerwald (Vorort Wiener-Neustadt) befindet sich in Mödling, Enzersdorsersttafee 6 (Telephon Mödling 223/Vi) und amtiert täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags und von 7 bis 8 Uhr abends. Interurbane Gespräche Zu zeder Tageszeit Telephon Mödling 209/VIJI. — Aus- WiMex - MorgsMettv»^ S-CdÄ/TZly. LfiS-*, Mittwoch den 29. September präzise halb 7 Uhr abends , Vortrag des Herrn Bafcbiner Dr. SeliSnfeld ans London über „MisracM und Aufbau Erez Jisroels“ im Saale des „Hotel Bayrischer Hol“ II. Bezirk, Tabor Strasse ’P'-JT-srtTo '.K' V*.« W «v rr? M ur t. kunftsstelle für die Bezirke Wiener-Neustadt und N e u n k i r ch e n Kanzlei Dr. Leopold Bauer, Wiener -Neustadt, Haupt strafee 36 (Telephon 343), täglich von 3 bis 4 Uhr nachmittags. * Das Iüdischnationale Wahlbureau für das Viertel ober dem MarmbarLsberg (Kultusgemeindesprengel Krems) befindet sich bei Karl R e bh ahn, Krems, Telephon 40. ■*'••' Die für heute halb 10 Uhr VsrmittKHS im Cafs N s m b r a n Ä t angekündigte Wahler- 'Vrrfammlung findet nicht im genarmte» Lokal, fsndern zur selben Zeit i M A« g a r t e xi* Kino, TL, Arttere Auetarrenstraße 28, statt. .. * Die Zionistische B ezirksf ekt io n Favoriten-Simmering veranstaltet morgen, Sonntag, den 26. d. M., Vs 10 Uhr vormittags, in H o f f m a n n s R o f e n f ä l e n, X., Favoriteirstrafee 89, eine öffentliche Generalversammlung, in welcher Abgeordneter Ingenieur Robert Stricker über die politische Lage und die bevorstehenden Wahlen sprechen wird. Jüdische Wahlorgamsatiorr für den TT. Bezirk. Alle 'jugendlichen Genossen werden aufgefordsrt, zwecks der Wahlagitation sich Hm VerbandsloKal, 1!, Arnetzhoferftrafee 5/9, täglich zwischen 4 und 6 Uhr nachmittags zur Mitarbeit zu melden. Obmann: Isidor Wechsler._ ttnitta WiiKsr. An der zweiten Stelle der jüdischnattonalen Kandidatenliste steht der Name Anitta Müller. Wer in sämtlichen Wahlkreisen Wiens, in Amstetten, Tultn, Wiener-Neustadt, Graz und Innsbruck für die jüdischinationalen Wahlwerber stimmt, hat das seinige dazu getan, daß neben, Stricker zunächst diese Frau in das Parlament einzieht. Jedermann weiß, was dieser Name bedeutet. Man kann ruhig sagen, daß diese Frau gegenwärtig zu den größten organisatorischen Begabungen gehört und daß insbesondere das jüdische Volk in Anitta Müller eine Persönlichkeit besitzt, bei welcher, wie bei Theodor Herzl, eiserner Fleiß mit genialer Veranlagung, demütige Hingabe an das Werk nrit kraftvoller Zielbewußtheit gepaart find. Als sie zu Beginn des Weltkrieges die spezifisch jüdische Not erkannt hatte, begann sie mit wahrhaft verehrungSwürdiger Opferfreudigkeit für die , Rettung deS Judentums zu. wirken. „Solange die Juden nicht menschenuiürdig leben, gehört meine ganze Kraft titemeiit Volke", wurde ihre Maxime und sie hat ihr von den Tagen, da die Kriegsfurie die Ostjnden nach dem Westen jagte, förmlich viernndzwanzig Stunden irn Tage gedient. Tausende und und abertausende jüdische Familien in Oft und West, denen sie eine menschenwürdige Existenz gab, denen sie ein krankes Kind rettete, die sie arbeiten lehrte, denen sie den Lebensmut wichexgab, lieben und preisen diese Frau. Anitta Müller ist auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge eine schöpftrische Persönlichkeit und ihre Erfahrungen, die sie in wahrhaft heißem Bemühen um das Wohl des Nächsten erworben hat, ihre.Initiative, ioelche imrner-weitere Kreise zu überzeugen weiß, daß di« Befreiung des drebennreirschen aus Schmutz^ Hunger und Arbeitslosigkeit die verfluchte Pflicht des Bessergestellten sei, kommt heute schon den Gleich strebenden aller Völker zugute. . Ganz im Sinne der jüdischen Moderrie ist dieser Frau der NativnalisinuS wahrlich nicht Selbstzweck und sie gehört zu den schärfsten Gegnern des. nationalen Chauvinismus. Der Abgeordnete Stricker hat durch seine Tätigkeit in der.Nationalversammlung bewiesen, daß man gerade als bewußter Jude und auf Grutld unseres Programms am Aufbau des jungen Staates, an der sozialen Neugestaltung, an der Befreiung Oesterreichs von der Nsakfton und an der Völkerversöhnung Mitwirken kann, und mcm weis:, daß sein? rar.'ür:reilrar"che Tätigleit^ ln i.ivih pb.wi>>iiii, g. u iUy r 1,l)tr!:iggcöeaö .Nizu^ 26. September 1926 /Geste sehen ist. Das gkeilho - .gilt.. von.. WiM, Mller. Ihn Name hat bereits west über die Grenzen unseres Staats Wesens hinaus, und nicht nur in alten Kulturzentren des Kontinents, sondenr insbesondere'auch in Englands und Amerika, den besten'Klang. ( Wer Anitta Müller wählt, dient - nicht nur dem jüdischen Volke, sondern dem jungen, schivergcprüsteir Staatsweseu Oesterreich und, da sie xine Führerin ist auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, auch der gesamte«' Zkulturmenschheit. »' Eine frivole Kandidatur. Dr. Schwarz-LiSer kandidiert geqerr dea- WiSle« feiner Partei «ad de» Einspruch Dr. Ofners in der Leopoldstadr. Wir haben bereits berichtet, daß die ArbeitSPrrteß es abgebehnt hat, Dr. G chwarz-Hiller zu Lcuy« didieren und diese Ablehnung mtt dem Hinweis auf ferne Unzuverläsfigk-eii begründet h'at. Nunmehr wird uns aus der Demokratischen Partei nahestehenden Kreisen berichtet, das; auch diese von einer Kandidatar ihres;' Mitgliedes Schwarz-Hiller nichts wissen will. Freitag abends fand dir letzte entscheidende Sitzung der beteiligten Gruppen statt. Die Arbeitspartei erklärte neuerlich, den absolut unzuverlässigen Herrn nicht kandidieren zu. können. Mer nicht nur sie, sondettr auch seine engeren Parteigenossen, vor allem D'r. Julius Ofner und Redakteur Schreier, sprachen sich gegen eine Sonderkandidattcr Schtvarz-HillerS in der Leopoldstadtaus. Es wurde erklärt, daß diese Kandidatur, geigen die Jüdifchnativ na len, auch nach dem wiederholten Zugeständnis Doktor Schwarz-Hi.llers völlig aussichtslos, daher eine Frivolität sondergleichen sei/ Sie könnte höchstens dazu führen, daß das' jüdische Mandat an die Tschechen oder au' die großdeutjchen Anti s emiten verloren-: gehe. Nach diesen Erklärungen ftanb Dr. Sch war Hiller auf und sagte, sein Mandat als Obmanns der Demokraten niederzulsgen, aber trotzdem auß der Kandidatur zu beharren. Schon einmal hat Dr. Schwarz-Hiller dem Judeuhm «in Mandat geraubt, dadurch, daß er ohne jedes Aussicht kandidierte. Bei der letzten Landtagswahl hat er in der Brigittenau im ganzen 180 Stimmen er-: halten, während der jüdischnationale Kandidat Doktors Sch altt über '9000 erhielt, das. heißt,>um etwa >70^ Stimmen zu wenig. Nun will Dr. Schwarz-Hiller, M von eigenen Leuten Mgelehnte, neuerlich den Anti?- semiten in die Hände arbeiien und die Juden um ein! Mandat bringen, derselbe Dr. 'Schwarz-Hiller, der an-! läßlich der Gemeircheratswahleu sich erbot, jüdisch-: national zu kmrdidieren, falls man ihn an die Spitz^ der Liste fetze. Dr. Schwarz-Hiller wird kläglich durchs fallen, die jüdischen Wähler perden seinen frivolere Anschlag gegen das Judentum zurückweisen, aber er WM für immer gekennzeichnet bleiben:.! v, ' •; Telegramme. Die Brüsseler Finanzkonferenz. Berlin, 25. September. (Tel. d. „Wr. Morgenztg/.j Die erste Sitzung der Finanzkonferenz in Brüssej wurde durch den Vorsitzenden A d o r eröffnet. Ist einer längeren Rede erörterte er die schwierige Lage Europas. Nach ihm sprach der belgische Ministerpräsident Delacroix, der von den Hoffnungen sprach, die die breiten Massen Europas auf die Konferenz setzen. Abends fand im Ministerium deq Aeufeern ein Empfang der Delegierten statt. Me der Brüsseler Berichterstatter des .Nieuwe Rotterdamsche Courant* schreibt, ist es unleugbar, datz die Brüsseler Konferenz mit einer argen Dersttmnnmg beginnt. Beim Empsang durch de« belgischen Ministerpräsidenten konnte man sich ein Bild von der Stimmung der Delegierten schaffen. Männe? der Praxis fühlen sich den Beschränkungen gegenüber^ die die PoliÜk ihnen auferlegt, hilflos. Angesichts de? ungeheuren Menge und der Größe der Probleme sowie der großen Anzahl der Ver- Handlungsmitglieder ist man sich nicht Klar darüber^ wie man in k u r - e r Z e i t greifbare Resultate erzielen soll. Durch den Wegsall, der Genfer Konferenz blieben eine Menge Fragen, die beretts hätten entschieden werden nckssen, unerledigt. Trotzdem, wollen Eingeweihte gewisse günstige Symptome erkennen, so daß vielleicht doch mit einem günstigen Ergebnis der Konferenz gerechnet werden kann, Programm-Erklärung des neuen französischen Ministerpräsidenten. / Paris, 25. September. (Funkspruch.) Dir Botschaft des Präsidenten der Republik und die Programm- Erkläruna des »e u e n K a b i » e t t s find heute nachmittags in den gesetzgebenden Körperschaften verlesen worden, und zwar in der Kammer vom Mimsterpräfidmten L e y g u e < und im Senat vom Justimiinifier L'H o p i t e a u. : Mnnsterpräsident Leygues erklärte, daß er sich bemühen werde, das Programm und das Werk Millerands forljii* setzen. Die Grundsätze, von denen sich daS Kabinett leite» lassen werde, nürdm dieselben sem, die dm beiden Kammern aus 22. Jänner d. I. dargelrgt worden feie». Kl] D-s Juinttiuc hat mit £07 gkg^p' 80 Stimmen der , Pü^ieru'.'.A Las Verträum LvsErvchey. .