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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-23 · Heft 598 (23.9.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 598 (23.9.1920)
Date
1920-09-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 598 tzvierr» Donnerstag gestatten müsse. Die von ihm gewünschte Verfassungsönberung hübe nicht den'Zweck, die Macht des Präsidenten zu vergrößern, sie suche nur dessen Autorität besser zum Partei! -er Regierung geltend zu machen. Die französische Kandidatenfrage. Paris, 23. September. (HavaS.) Zu dev Nrrfftekkmg eines Gegenkanbidalen gegen Miller and wirb «ych ge-° meKrek: Es ist die Frage aufgetcnrcht, wer der Kandidat der Radikalen fein wirb. Nach dem „Echo de Paris" Lammen nur Bourgeois, Peret und D'onmergue in Betracht. Die' vek den erstereri unternommenen Schritte feien fehlgeschlagen. ES bleibealso nur'DoumerMe oder ein Außenseiter. Me Svzialistifch--Nadi?alen werben wahrscheinlich, falls auch Doumergue ablehnen sollte, einen' Minister des Kabinetts Tlemenceau aufstellen. Marcel H'utin meint, baß der heutige. Dag nhch Ueberraschmrgen bringen ffrttttte, wenn Bourgeois entgegen der allgemeinen Annahme in die Kandidatur einwiMge und eine ziemlich gleich' große Stimmenzahl tvie Mllevanb erhalt«. Es würde dann noch Peret als alleiniger Kandidat übrigbleiben, der aber eine Kandidatur nur annehme, wenn er von allen Parteien gewählt werde. Nach dem „Petit Journal" haben sich' die Aussichten für Milleranb gestern erheblich verschlechtert. Vorgestern war man sich noch' darüber einig, daß ihm '700 Stimmen sicher feien. Gestern habe sich diese Zahl erheblich' vermindert. Um die Kandidatur Millerands zu einern Mißerfolg zu gestalten, suchen die Radikalen noch eisten oder mehrere Kandidaten aufzustellen. Das Blatt meint mdeS, daß doch jür Millerand eine große Mehrheit gesichert sei. Rassisch-chinesische Verhandlungen, Berlin, 22. September. (Tel.-Komp.) In Politischen Kreisen wird die Tatsache vielfach besprochen, daß in Petersburg ein Vertreter der chinesischen Republik eingetroffen ist, um dort über einen rnssisch-chinesischen Handelsvertrag ais verhandeln. Inland. . Die gegenrevolutiorrare Hetze. ' 'Die gestrige „Arbeiter-Zeitung" befaßt sich in einem aufsehenerregenden LettarMet mit der politischen JnseritionStätvgbert - der „Verenigung Tausender gleichgesinnter Dsutschosterreicher", die wir mehr als einmal ins rechte Licht zu stellen Gelegenheit hatten. In der Tat sind die schmutzigen, verhetzenden und verleumderischen Rieth öden, mit denen eine anonyme Gesellschaft in dem Anzeigenteile der reaktionären antisemitischen Presse ihre politische Kloake aufschlägt, charakteristisch für das gefährliche Treiben, das die Ruhe der Republik zu stören sucht. Die Ziele dieser Kreise sind eindeutig genug: Unter dem Deckmantel des Kamfpes gegen die Sogmldemokraten haben'sie begonnen, eine Hetze gegen Staatssekretär Renner zu entfalten) die in Wirklichkeit eine. Hetze gegen die Tschech o-Slowakei und eine offene Propaganda für Horthy - M a g h a r i e n^ bedeutet. Es hieße hier schon Gesagtes wiederholen, wollte man auf die Ordinärheit dieser Hetzorzeugnisse Hinweisen, welche, natürlich und selbstverständlich, auch die Juden nicht in Ruhe lassem Die »Arbeiter-Zeitung" hat nun nähere Daten über die Herkunft der gefährlichen, Hetze bekanrstgeben, die nicht itbel Lust zeigt, Oesterreich m kriegerische Wenteuer zu dsrwickeln oder z>ur Beute depossedierter Kreise werden zu lassen, die ihre Uhr noch immer nicht abgelaufen sehen. Das Blatt behauptet, daß diese Propaganda von' der ungarischen Ategierung bezahlt wird, die außer dem politischen Interesse auch den Zweck verfolgt, her', ge« sinnungsverwandten Wiener Presse mit Geld beizusprsngen, Htu-nr Beweis wird ein angeblichem Brief des Pressechefs her Wiener ungarischen Gesandtschaft mitgeteilt Und ein zweites Schreiben, das die Summe von zw es Millionen Ä r o n e n nennt, die für den edlen Zweck ausgeworfen sein soll. Einer der „Hauptbrganisatorcn dieser Lumperei" soll $eac Oskar Teufel, der ehemalige Abgeordnete und arische Gurkenhändler truarigeir Gedenkens, sein. ' Nun hat sich die ungarische Gesandtschaist beeilt, die Msiteiluargen der ,.Ärbeiter-Zeitung" iw kategorischer Form zu dementieren, was angesichts her ungarischen. Praktiken noch kein Grund wäre, die Sache für erledigt zu halten. Mer ganz abgesehen von der Provenienz, dieser Pamphlete, kann zu der' 'AngeleHHeit - noch 'ettväs. gesagt. werden. Die »vielen Tausende gleichgesinnter Oesterreicher"' hcchen gestern wieder mit einein Hetzsnserat debütiertdas sich zur Mwechstlung wieder die I u d e n auÄwvgt und in der bekannten Weife deren Austreibung fordert. ' Die Reaktion nicht vollständig, wenn her Juden- Punkt fehlte! Mer wer ist mitschuldig an der antsfensttischrn Hetze, wenn nicht die Sosialpemokraten, die den christlichsozialen Koalitionsgertosson zuliebe und um der lieben Popularität, willen, wacker mitgetan halben zu» Enifaltung einer Hetze, die nun den Zweck habestsoll, für Ziels, di« dir Rsthe des Staatss gefährden, als voEreiteudes Mittel die) Wvfpöitfchtmg der autifentitischen Instinkte zu versuchen? Mandl. Dev famose „Präsident" der „Union der auswärtigen Presst", Leopold Mandl, der schon so oft nniiebsan^Z Aussehen erregte, wird nenevlich der Oesf-entlichkeit in einer eigenartigen Tätigkeit vorgestellt. Mandl, der zuerst Alldeutscher, später wieder tvütender Preitßenhasser und in d^- Kriegszeit großer Verfechter der ..eisernen Zeit" war, ist urplötzlich — „Slowake" Wiener Movgenzeitnng 23. Septemver 1920 -- /Teile» Deute Donnerstag um 6 lllbr abends im Restaurant Dsyer. 2. Bezirk. Venedigersu Nr. 4 Grosse jüdische Sprechen »erden: ■ Nbg. Zng. ‘Robert Stricker Frau Anttts Müller Gemeinderst Dr. Leop. iplsscbkes D. «ebenzsbl tnBumKmmmmmummmxmmmtamtmmammmmmmmamm geworden. So wenigstens erzählt es eine Information des „Pravo Lidu". Mandl hat, dem zitierten Blatt zufolge, mit dem Wiener ungarischen Pressechef Reich' ein eigenes. Propag-andabureau für die Slowakei gegründet, das die Werbearbeit für Horthy-Ungarn besorgt. Die Vielseitigkeit, des. Leopold Mandl ist wirklich' staunenswert und dürfte auch bei Hprthy wohlwollende Anerkennung ausgelöst haben. Daß Horthy sich gerade Mandl engagiert hgt, um .ihn für die Agitation in der Mowakei zu verivendeu, ist ja Geschmacksache, mit ‘ der schwer zu rechten ist, aber ' eine anderv Frage wäre zu stellen: Schämen sich die Heeren Korrespondenten der auswärtigen Blätter — selbstverständlch nur diejemgen, die einen Anspruch auf den Titel Journalisten besitzen— nicht, Leopold Mandl an -er Spitze einer journalistischen Vereinigung zu lassen, die eine vornehme Neutralität in allen innerpobitischen Angelegenheiten zu lrahren hat? Es ist - die Pflicht dieser Herren, sofort zu veranlassen, daß Mandl von der Leitung des Vereines verschwinde. Daß sich die Redaktion des „Neuen Wiener Journal" noch immer gefallen lassen muß. daß Mandl als Mitarbeiter dieses Blattes aüftritt, ist Wahl''cheinlich sine der Eigentümlichkeiten des Herrn Lippowitz, der die Vielseitigkeit Mandls hoch öinschätzt. Wie in politischen Kreisen erzählt wird, besitzt die Prager Negierung alle Dokumente, die klipp und klar -ie Tätigkeit des Horthy-Agenten in Wien und in der Lschecho-Slowäkei beweisen. Diese Schriftstücke werden veröffentlicht werden undL auch die Pariser Vötschafterkonferenz wird in diese Akten Ginsicht nehmen. Harchtausschrch. i ( Der Hauptausschuß hielt gestern eine Sitzung ab. Nack Erörterung einiger Fragen der äußeren Politik wurde über 'die Arbeitseinteilung der. Nationalversammlung beraten. , - > - / ' Präsident Seitz berichtete über hie biZherigen Verhandlungen in der Frage der Verfassung, die eS wahrscheinlich erscheinen lassen, daß der Verfassungsansschuß seinen Bericht demnächst fertigstelst. Hach längerer Debatte wurde beschlossen, die Arbeiten des . UmerausschusieS und des Berfassiurgsausschusses derart zu beschleunigen, daß sie noch bis ziyn 26. d. M. zum Abschluß gelangen. Die Nationalversammlung" wird.für Mittwock hon 29. September, 3 Ishr uachnntbags^ einberufen. Ob an diese,u Tage sofort mit der Beratung über die Verfassung begonnen wird oder noch einige andere Gegenstände vorher zur Verhandlung gelangen werden, wird in einer weiteren Sitzung des Haupdaüsschusses 'festgestellt werden. ... Präsident Dr. .DingHofer spricht den Wunsch aus, es möge auch noch der Antrag Schürfst betreffend die Verbindung-einer Volksabstimmung über die. f^.r.age..fyeß Au s.ch tusse.s au das Deutsche Reich und., hie,, Pornahpe der Wähler in die NatioMlv'erfmnmlung, im Verfassungsausschutz verhandelt und : auf die Tagesordnung der NationalversammlMg gesetzt Wrrtzen. ,Hach einer längeren Erörterung, an der sich sauchst.^opHender im Kabinestsrat Dr. Mayr und siLtchrtssekretür des Uaußern Dstn Renner beteiligten, wurde vereinbart, die 'Frage den Parteiverbänden vorzu'legeir. Auch darüber, ..welche, sonstigen Gesetzesvorlagen noch in dieser Session , erledigt Nierhen sollen, wird in Verhandlungen zwischen den Parteien und der Negiw.-nna.entschiede!, werden. Gtzhöhnng der gleitenden Zulage für vie StaaLsbediensteten. Wie gemeldet, wurde die gleitende Zulage der Staaisbedienstettn, die bisher K 215 per Kopf betrug, neuerdings um li 100 e r h 8 h t» so daß die Staatsbedieustelen noch in diesem Monat, und zwar riicswukmd vom t- September, K 315 gleitende Zulage erhalten. Revision des Standes der Finanzwache, des ForsLPersonnLs, der Gendarmerie und Polizei durch einen französischen Oberst. I« Salzburg ist da' sranzöMe Oberst G a u t b i e r eiugctroffep, der beaustragt ist,, gemiiü Art. 128 des Fricd-usvertrageK von St. Germain die Heeresstärke, den Stand der Finanzwache. des bewasfricten Forstschutzpersonals, der Grndamerie, der Sicherheitspolizei usw. za itberpkiifen. welche bewaffneten Körperschaften den Stand vom Jahre 1818 nicht überschreiten dürfen. Oberst G a u 1 h i e r hat bereits bei der LandeSregmung und bei dem LandeSbrsthlshaberamt die bezützltche«Asfpm-tioneu ringeholt. ' — **■ ' Die Wahlen. Wer die Versöhnung von Volk Volk will, Wer die Wiederanfrichtung der südlschnj Würde ersehnt, \ Wem die Errettung und Erlösung de« jüdischen Volkes am Herzen liegt, Wen der Verrat der Wiener jüdische»! Asstmilauten an ihren östliche« Brüde empört, Wer die mannhafte Bekümpfung d antisemitischen Reaktion und die Erringu« der tatsächliche« Gleichberechtigung fordert, , Der wirbt in ganz Oesterreich für dis jüdischnationale Liste ^Stricher und Genossen". Die Kandidatenliste -er Jüdischnationalen. Die Iüdifchnationale Partei hatbeschloffen) in sämtlichen Wiener WahÜ kreisen, ferner in A m st e t t e n, Tulln) Wiener-Neustadt, Graz nndInns-! druck zu kandidieren. Die jüdischnationale Liste lautet: Abgeordneter Robert Stricker, Staats^ bahnrat, Anitta Müller, Private, Adolf V ö h m, Fabrikant. Gemeinderat Dr. L. P l a s ch k e s, Recht-« anwalt, Erna P a t a k, Private, Karl B lume, Obmann des Verbändejüdischer Handslsangestellter, Emanuel Kaufmann. Baumeister, Gemeinderat Dr. Zakob Ehrlich, Rechtsamvalt. 1 Die gleiche Liste wurde auch als Reichs»! liste angemeldet. Die j ü d i s ch n a t i o n a l e Hauptwah l»s leitung befindet sich: II., Taktstraße 20a. 'i Unser Auskunftsbureau für den XX. Bezirk ist: Karl M e i ß l ft r a ß e 5, T ü r 1; i für den IX. Bezirk: Liechtensteinstraße 11, Tür 13. Für den IV. bis V. Bezirk täglich von 9 bis 'j 4 Uhr nachmittags, IV., Favontenftraße 21, Te< lephon 53.426; von 4 bis 8 Uhr abends, IV., Favo> ritenftraße 42, I. Stock <Max Strauß), Tel. 58.699-j Für die Bezirke VI b i s VUl: Auskünfte in Wahlangelegenheiten, VI, Amerlingstraße 19, Hofssiege.j täglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. 4 Das zionistische Bureau, X., Favoriten^ st r aß e ISO. erteilt 'Lluskünste in . Wah langelegenh eite n. täglich von S bis 6 Uhr. nachmittags. J Für die Bezirke XVI und XVII Auskünfte täg-> sich zwischtz 2 und 4 Uhr nachmittags, XVI., Brunnen-? gaffe 41. Das Züdischnatiouale Wahlburean füri das Bieptel unter dem Wienerwald (Bororti Wener-Neustadt) befindet sich in M ö d l i « cd Enzersdorferstraße 6 ($el. Mödling 22S5/VQ und amtiert täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags und von 7 bis 8 Uhr abends. Vlußerdem telephonische! Auskünfte den gairzen Tag bei Seiden. Telephon' Nr. 209/VIII (Mödfing). Samstag den 25. d. M. um li& Uhr findet im Re st a ur an t G o l d st ei n, H., Z ir.ku gasse 3, eine Wählerversammlung statt. Rtz ferenten: Die Kandidaten Abgeordneter IngmieM Robert Stricker, Ariitta Müll it Aus Messer geliefert Folgender Vorfall wird uns bekannt: Ein Mische^ Handwerker, Vater einer kinderreichen Fanrilie, d e nt s öfte rreich is cher Staatsbür ger, überdies NriegÄ invalider, sucht um die Aufnahme in die- Genossen^ schaft an, damit er sein' Handwerk «rdnunasnläßig be^ treiben 'könne. Er' wird vorn Geirossenschastsvisrsteh^V vor: der Aufnahrne ausgeschlossen — weil er nach Wiznitz! in der Bukowina zuständig ist. jv Man sieht, der v-on den Sozialdemokraten unt er<e stützte antisemitische Antrag der Leopoldstädter ChrW lichsozi-aleir, alle diejenigen, ivelche nach Kriegsbegimv nach Wien verschlagen wurden, vom redlichen Erwep^ ausznschließen und ihnen künftig keinen Gewerbeschein! und keine Konzession inehr zn geben, hat bei den Juden-s Hassern bereits Schule gemacht. Dieser Demows strationsantvag, der ualiirlich von den Behörden nicht zrch- Kenntnis genommen werden kann, weil er ungesttzlsm! ist, nnd diejenigen, die ihn befolgen, einen Bruch best' Frieoensvertrages begehen würden, bezog sich bekannt^ lich auf diejenigen, die dank des judenfeindlichen iDtaaM bürgergesatzes die Staatsbürgerschaftserklärung' nicht a&t geben konnten, weil sie galizische Inden sind. Der Herr Genossenschastsvorstcher macht sich' abtzH die judenstindlichen und reaktionären Allträge der Christi lichsozialei^ im Juden bezirk und die famose Haltung der Sozialdelnokrateir in dieser Frage zunutze nnd dr «r siehch HM sogar AoLialdMWMM Et di«, MM

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