Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 596 (20.9.1920)
- Date
- 1920-09-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5tt 596 Wen, Montag Ibaß es in sehr vielen Fällen sowohl für baS betreffende Jndividuuin als auch für die Allgemeinheit nützlicher gewesen wäre, wenn der Betreffende nicht übergetreten wäre. Die gegenwärtig verhältnismäßig zahlreichen Uebertritte erfolgen unter dem Drucke -gewisser Stimmungen, die man die öffentliche Stimmung nennen könnte. Aber Stimmungen sind vergänglich und es ist.zu befürchten, daß. der plötzliche Gedanke, der übereilte Entschluß, die unterlegte Handlung später einmal aus dem Urbergewetenen einen schlechteren Chri, ste n machen werden als er als Jude war. Der Zuwachs eines solchen Andersgläubigen bedeutet für das Christentum demnach zumindest keinen unbedingten Gewinn. ' Das DoKkörqt der Wirtschaftstvifienschaften an dev Hochschule für Welthandel. Vor einigen Tagen sprachen dipl. Exp.. Hufs e r für den Verein der dipl. Exportakademiker und die Herren Steinig (von der Bereinigung jüdischer -Hörer an der Hochschule für Welthandel), Doktor Tauzner und.Pfeifer für die Hörerschaft der Hochschule für Welthandel im Staatsämt für Handel Lind Industrie vor und überreichten dem Staatssekretär Heinl ein Memorandum, die erforderlichen Maßnahmen zur Schaffung der Doktorgrades der Wirtschaftswissenschaften in die Wege zu leiten. Der Entwurf sieht als Erfordernisse zur Erlangung des Doktorgrades vor: Mittelschul-(Handelsakademie-)Matura, ordentliche Inskription an der Hochschule für Welthandel, Erlangung des Diploms, Dissertation, frühestens zwei Semester nach der Diplomprüfung, Ablegung einer strengen Prüfung (Rigorosum) aus dem Fachgebiet der Dissertation. Als Wissensgebiete fiir die wissenschaftliche Arbeit kämen in Betracht: Privatwirtschafts-, Volkswirtschaftslehre. Wirtschaftsgeographie, Kaufmännische Rech stehre, Warenkunde, Technologie und Welthandelslehre. Staatssekretär Heinl erklärte, den Bestrebungen sympathisch gegenüberzustehen. Er versprach, nach Stellungnahme des Professorenkollegiums der Hochschule für Welthandel die zur Schärfung des T>okwrgra''es der Wirtschaftswissenschaften erforderlichen Anträge in der kommenden Nationalversammlung einzubringen. Für rmsere Palästina-Fahrer. Das Fürsorgekomitee für jüdische Emigranten erläßt den folgenden Aufruf: Wieder, ist ein Jahr in unserer Geschichte verflossen, reich an Blut und Tränen. Noch leidet die Menschheit für die , Sünden ihrer- Führer,, Die Strafe' und Sühne büßen wir ab, da die Völker unsals Sündenbock betrachten. Hoffnungsvoll und stark jedoch duldet bas jüdische Volk in den letzten Jahren. Es sieht am finsteren Himmel die Morgenröte eines heiligen, auf gesegneter Arbeit aufgebauten Lebens i im Lande unserer Väter. ES'sieht das Beste, was es besitzt, in das altneue Land hiusteeben. -'Brüder und Schwestern!. Bei der Jahreswende wird jedermann von euch den inbrünstigen Wunsch aussprechen. ,daß>, das 'verflossene Jahr' das letzte in der schwarzen Kette der Verbannung sei. >,Leschanah habaah be Je ruf ch olajim"wird: n icht mehr eirr frommer Wunsch bleiben: Gedenkst-: ihr alte, -hie ihr in der Galuth verbleibet, unserer starken, sieghaften Jugend, welche jede Gefahr und Mühsal überwindet, , um den Boden des > heiligen Landes zu betreten. Helfet uns, die Jugend hinüber zu verpflanzen. Es ist die heilige Pflicht jedes Juden, in den weihevollen Stunden der hohen Feiertage Erez Israels zu gedenken. Eine Sünde wäre es, den historischen Moment zu verkennen und nicht mit aller Leibes- und Seelenkraft an dem Wiederaufbau Palästinas mitznarbeiten. Kein Jude vergesse, für den Chaluzimnnd Fürsorgefonds für Palästina-Fahrer eine beträchtliche Spende zu widmen. Gedenket an den Festen der Chaluzim, der Pioniere eines ehrenhaften, starken, arbeitsfrohen, unabhängigen Lebens. Das Palästina-Amt, Fürsorgekomitee für Chaluzim. (Spenden nimmt entgegen:' Dr. Wald mann, Soziale Bank, 1. Bezirk, Mare Aurelftraße 5, daS Fürsorgekomitee des Palästina-AmteS, 2. Bezirk, Praterstraße 9/4, Palästina-Amt, 2. Bezirk, ZirkuSgasse 33, die Administration der „Wiener Morgenzeitung".) ' Einlösung bet Schecks auf Lebensmitteluakete per 1250 Dollar durch den Wiener Joint. Das Am er ieanIointDistribution Committee ist bereit, die amerikanischen Joint-Auweisungen 'auf Lebensmittelpakete per 12.50 Dollar in der Weise einzulösen, daß die Besitzer der Anweisungen je ein Lebensmittelpaket tut Werte von 10 Dollar und den Gegenwert des Restbetrages von 2.50 Dollar nach dem Kurswert in Kronen ausgezahlt erhalten. Die Besitzer obiger Anweisungen, welche auf eine herartiae Einlöluna reflektieren, werben sinaeladen, lick» spätestens bis längstens 26. d. M. unter Vorlage der bezüglichen Anweisungen bei der Kasse des Lentralbureaus des American I-'i'nt ZZiftribution Committee.!1!. Bez., Seilecstätte 15, zu melden» Mieütr Mo4:genMLL«y Mittcilmigen ans dem Publikum.. Ktt.I.Akl'rLI«. Norton, Geld, SIlTw, Platin n.Uhren kauft and verkauft 77« ETTER Rotenturmsfr. 23, Marlahilferstr. 93 Lesfing am Hakenkreuz. Unter diesem Titel schreibt Georg Walther im „Berliner Tageblatt": Die Geschichte ist nämlich die: Das Schiller-Theater eröffnete unlängst seine Spielzeit mit L e s s i u g 8 „Nathan der Weise" und zog sich damit die allerhöchste Ungnade der antisemitischen „Deutschen Zeitung" zu. Warum? Wieso? Ei, das ist doch ganz einfach: ein Stück hat Lessing geschrieben, „Die Juden"; ein anderes „Miß Sara Sampson" (Sara . . . schon verdächtig!) und endlich „Nathan der Weise". Nathan, wieder ein Jude, nichts als Juden. Zu alledem: Lessings Freundschaft mit Moses Mendelssohn, einem Inden; dessen geistiger Verkehr wieder mit Spinoza, wiederum einem Juden. Juden, Juden, nichts als Juden in und um Lessing. Und er selbst? Gotthold Ephraim . . . Ephraim? Welche Zusammenhänge! Sollte etwa Lessing selbst ebenfalls . . .? Was sagt Chamberlain dazu? Es ist also klar wie die Sonne: Das Schiller-Theater wollte mit seiner Eröffnungsvorstellung der bevorstehenden „jüdischen Weltherrschaft" sein Kompliment machen, zum wenigsten seine „Neutralität" und „Objektivität" zu erkennen geben. Wie anders sollte es wohl sonst auf den ausgefallenen, völlig unbekannten „Nathan" verfallen sein, da wir doch sonst in der klassischen Literatur soviel, wftt bekanntere, Dramen haben, in denen kein Jude vorkommt? Und wenn nun schon durchaus ein Jude Vorkommen mußte, so wäre es Lessings verfluchte Pflicht und Schuldigkeit gewesen, in der Zeichnung dieser Figur sein völkisch-rassiges Bekenntnis abzulegen, etwa in der Weise, daß er seinen Helden nicht „Nathan der Weise" genannt hätte, sondern „Nathan der Gerissene" oder „Nathan der Schieber" oder „Nathan der Unmoralische" oder „Nathan der Schwindler" oder „Nathan der Betrüger". Ganz ordinäre „jüdische Gerissenheit" nämlich — das mußte von einer beherzten Zeitung endlich einmal gesagt werden — „jüdische Gerissenheit" ist zum Beispiel die berühmte Schieberparabel von den drei Ringen. Oder etwa nicht? Wer das nicht einsieht, der-lese die „Deutsche Zeitung" vom 27. August 1920., Da steht es wörtlich gedruckt. Eine ganz waschechte, jüdisch-gerissene Schiebung! (Eine ähnliche Schiebung leistet sich zwar anch eine christliche Dame namens Porzia, aber-na . . .) Hier also wäre es an Lessing gewesen, tiefe, rassige Zusammenhänge aufzudecken. Was aber tat Lessing? Er, der bekanntlich überhaupt ein großer geistiger Drückeberger. Schwächling und Leisetreter war, er — „zog sich aus der Affäre", und zwar auf die billigste Art, die sich Lenken läßt: „indem er die Nassenfrage nicht einmal andeutungsweise streifte", sondern mir nichts dir nichts einen Juden so aus die Bühne stellte, als wäre das sozusagen auch ein Mensch. ^Aus allen diesen, wie ich hoffe, sehr einleuchtenden Gnrnden ist Lessings „Nathan der Weise" ein „Tendenzstück" geworden, das schon deshalb von der „Deutschen Zeitung" mit Fug und Recht als?.'u „unwahres Tendenzstück" getadelt wird, weil es in bezug auf die einzig wahre Tendenz, die antisemitische, so ganz und gar tendenzlos ist. Denn darin wissen wir, uns doch wohl mit der „Deutschen Zeitung" einig: Antisemitische Tendenzlosigkeit ist unwahre Tendenz oder, schärfer gesagt: Tendenzlosigkeit ist — Tendenz. Was es, nach all dem, mit der sogenannten „künstlerischen" Bedeutung des „Nathan" auf sich hat, wollen wir uns damit überhaupt aufhalten? Ich glaube, wir können über sie hinwcggehen wie unser Kritiker in seiner tiefgründigen Kritik: mit einer Zeile. Künstlerische Bedeutung kommt dem Lessingschen Stück nicht zu, daher besteht auch keinerlei Berechtigung, es hinfürder auszuführen. Nicht wahr, das ist starker Tabak? Aber was ist zu machen, die „Deutsche Zeitung" schreibt es: „Die einzige Berechtigung, e8 aufzuführen, ein künstlerischer Grund, besteht nicht." Und sie,, die „Deutsche Zeitung", fordert und heischt es: Lessings „Nathan" hat in Zukunft von der deutschen Bühne zu verschwinden. Der hulaarrfche Seb eckfälsch er verhaftet. Wie berichtet, hat am 14. d. der Kaufmann Benjamin Almoslrno dem Sicherheitsbureau die Anzeige erstattet, daß er das Opfer zweier Scheckfälscher geworden sei. Zwei junge Leute, die bulgarischen Studenten Anosias Katschuloff und Wladimir S p'a s s o f f, haben ihm zwei Schecks auf 50.000 Mark, beziehungsweise 5000 Franken, verkauft und hierfür eine halbe Million K r,o n e n erhalten. Erft hinterher kam Ämoslino darauf, daß beide Schecks gefälscht waren. Das Sicherheitsbureau hat die telegraphische Verfolgung der beiden Bulgaren, diev indessen ans Wien verschwunden waren,- angeordnet. Nun hat die Prager Polizeidirektion telegraphisch hieher mitgeteilt, daß die beiden Bulgaren in Prag verhaftet worden sind. In ihrer Gesellschaft befand sich ein dritter junger Vulgare, der stets in \h:w. Bune'itung gewesen sein soll. Daß dieser ftmru- Ä'rnm cm den Scheckfälschungen auch 20. Septemöer 1920' /Sette - 1,—■ -—-__ ' beteiligt gewesen ist, ist bisher nicht uachgewiesen. I«! Besitz der Verhafteten wurden noch 850.000 Kronen qei funden. Die Enzesfelder Schiebereien. Offiziell wird mitgeteilt: Die gestern in mehrerer- Tagesblättern veröffentlichte Nackricht, daß der früher^ Direktor der staatlichen Jndustriewerke Eugen Aub sich! in Hast befinde, ist unrichtig. Ebenso enthalten die betreffenden Mitteilungen eine Reihe unzutreffender An-j gaben. In der Angelegenheit selbst muß jedenfalls das! Ergebnis der eingeleiteten gerichtlichen Untersuchung ab-- gewartet werden. _ * Vom Griverveförderungsarnt des Iüdifchex Nationalrates veranstaltete Kurse. Kurs A: Schlosserei praktisch, Montag und Mtttwoch von 5 bis 8 Uhr abends, E'.ru tritt jederzeit; Kurs B: Schlosserei praktisch, Dienstag undj Donnerstag von 5 bis 8 Utzr abends, Ewtrrtt jederzeit; Kurs 0:! -.Elektrotechnik, DienStaq und, Donnerstag von 6 bis 8 Uhrj .abends, Eintritt jederzeit; . Kuts D| Mechanische Tech-! nologre, Dampf- und Wasieckraftmaschmen, Dienstag und' Donnerstaa von 6 bis 8 Uhr abends. Beginn 5. Oktobers Kurs E: Architektur- und Banpolierkurs, Montag und Mittwoch von 6 bis 8 Ukir abends, Beginn 6. Oktober; Kurs F: Eisen-: bahnerknrs. Montag und Mittwoch von 6 bis 8 Ulir abends.. Eintritt ieberjcit; Kurs G: Motoren-, Automobil- und Chauffenrkurs, Montan und Mittwoch von 6 bis 8 Uhr abends, Eintritt '' jederreit; Kurs H- Ornamentik iutö Technologie des KunstaewerbeS, Dienstag und Donnerstag von 6 bis 8 Uhrj abends. Begmn 5. Oktober; Kurs l: Eiverimentalphystk. Montag und Mittwoch von 6' biS 8 Uhr abends, Beginn 4. Oktober; Kurs : Expernnentalchemie, D'enstag und Donnerstag von 6 bis 8 Udr abends, Beainn 5. Oktober; Kurs L: Englische Spracht. D-ensrag nnd Donnerslag von 6 brs 8 Uhr abends B'giun 5. Oktober; Kurs M: Wasserversorgung von Ortschaften und Häusern, Beginn 4. Oktober. Montag ünd Mrttwoch von 6 bis 8 Uhr abends. Dieser KurS ist insbesondere für die Verhältnisse nt Palästina von großer Bedeutung, da bei der Erschliessung von Neuland dieLösung der Frage der Wasserversorgung von besonderer Wichtigkeit ist. Der Kurs wird sich unter anderem mit der Wassergewilmung. den Hcbewerken, den Leitungen, den Flnier- und Kläranlagen und anch mit dm Hausinstallattonens bcschässiarn. Anmeldungen und Auskünfte im Gewerbckördecungs-' amte des Jüdischen Nationalrates, II., Taborstraße: Nr. 20a, von 9 bis 12 Uhr vor mittags und von 3 bis 6 Uhr! nachmittags (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag! nachmiitags).! * Jüdisches Pädagogium in Wie«. Die Eiuft schreib ung sinder täglich bis 20. d. M. .Samstag und dir jüdischen Feiertage ausgenommen) zwischen 10 und 13 Uhr vor-, mittags im Sekretariat, W-en. II., Obere Donauflraße 91, statt. Der Prospekt erscheint im Laufe dieser Woche und ist gegen Erlag von K 4 tm Sekretariat erhältlich. Beginn der Vorlesungen! nach allen jüdischen Feiertagen. Das nähere Datum wird noch' bekanntgegeben.! * Gottesdienst. Di« Delegation deSJüdischeu Na t i onalrateS für Ostgali 8 ien, H., Praierstraße 9, veranstaltet am 21. und 22. d. M. (Jom Kipur)! einen feierlichen Gottesdienst. Die kantorale Funktiou bat der bestbekannte jüdische. Konzerrsänger ^Herr I. Deutsch übernommen. Karten find dortselbst täglich zu haben. * Eine Massenkundgebung für den Anschluß veranstalten gestern die Wiener Deulschnationalcn« Eine Resolution: der Manifestanten erklärt.^ daß das deutsche Volk den St. Ger-! mainer Friedensvertrag nie anerkennm wird, und verlangt den! Zmamm nschlrrfr all-r Dnnschm in einem eniiacn Gro'idruischland.! * PclzhanS O. I. PiperSberg, 2. Bez., Praterstratz« st? Die rühnrlichst bekannte und während ihres langjährigen Bestandes in den feinsten Kundenkreisen besteingeführte Firma bringt Heuer wieder zahlreiche, in eigener Werkstätte, erzeugte Modelle m unerreichter Vollendung. Durch rrcht»^ zeitigen Einkauf ist die Firma trotz enormer Steigerung der Pelzware am Weltmarkt in der Lage, verhältnismäßig preiswerte Ware herzustellen. Große Auswahl in Blau-, Silber- und Polarfüchsen, ferner Sealbisam-, Nutrta- und Perfianermänteln. 'Retchhalttges Lager von Herrenpelzen und Pelzsakkos. Der Besuch der reichhalttgen Ausstellung wird als überaus lohnend wärmstenS empfohlen. Der Hausarzt. Redigiert tzsu Dr. Gans! Beer. Ueber Dl'mddarmentzündung. Noch vor dreißig Jahren bezog man alle in der rechten Unterbauchgegend sich abfprelenden entzündlichen Prozesse auf den Blinddarmden AnfangSteil des Dickdarms. Bald brach sich aber die Erkenntnis Bahn, daß ditz Entzündungserscheinungen nicht den Blinddarm betreffen, sondern von seinem wurntfömigen Ansatz, dem Appendix, ausgehen. Das große Verdienst an dem völligen Umsturz aller bisherigen Anschauungengebührt vor allem amerikanischen Aerzten, die zuerst auf^ die Notwendigkeit der operativen Behandlung hingewiesen haben. - Noch heute ist man sich darüber nicht klar, was die eigentliche Ursache der Entzündung des Wurmfortsatzes ist. Manche Mutter beschuldigt noch immer den Kirschen¬ oder Zwetschkenkern, den das Kind geschluckt hat, andere sehen in der Kotstauung ein ursächliches Moment — man spricht auch von einer Infektion durch Eitererreger. Sicherlich handelt es sich oft um vollständigen Verschluß der Oeffnung des Wurmfortsatzes — sei es durch Kotstein oder Kern — bisweilen um eine Strangülation des langen, vorgelagerten Appendix, der statt 8 Zenstmeter an 16 bis 20 Zentimeter Lange aufweist. Die akute Blinddarmentzündungbeginnt gewöhnlich mit heftigen umschriebenen Schmerzen' in der rechtön Unterbauchgegend, Kopfschmerz, Erbrechen und Fieber. Die geschilderten Erscheinungen sind nicht ganz typisch, weil auch andere Krankheitszustände, wie Gallenblasenentzündungen, bei Frauen geplatzte Bauchschwangerschaften, ähnliche Bilder Hervorrufen. .In der Folge kommt es gewöhnlich zu einem Durchbruch der Wand des Wilrmfortsatzes und Bildung eines Exsudats (abgekapselten Eiterherdes). Den Kampf um die geeignete Behandlung, der zwischen Chirurgen und Internisten noch immer geführt