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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-19 · Heft 595 (19.9.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 595 (19.9.1920)
Date
1920-09-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Brflt « Me«, Somiisg Wiener M-rgenzeit««- rs Veplemder ldw NL war ■—~~—i Mticllungku aus dcm Publdum. Regine lermnnn' Solomon Eeklutns Verlobte Whm, Im September 1980 tK7S Möbel n. Innen- | . dekoratioa «- 4* jrSutcr Auswthl. Nur gediegene 019 Erseocniwe. M«. ÜH., SisbenstErng. 1 a.? (Ecke Karl Schwetghorer^esse). Rl&LANTEN, Perle*, OvlS.SNVtzkPtiM» a. Uhren k a n f k und verkauft 776 ETTTEü?? Eotentarmstj. ÖS, Marlakiliorair. 98 Brsl iahten Perlen, Juwelen, Oold, Platin und Silber kauft und v erkältft Oskar Sacks, Juwelier.!X., Afserbaohstrasse 5. ZM- Eüeu eröffnst! Ä. Borensieins Herren modehans .?v»<S*i«w»,orrwraiß-1K*ä»" fierrenganfafstifiEi, Frleäensslofte, »sch Mass tilgst -1 1V L S C H i C K & C o. 8. m. b. K., I, Kohlmartt 3, KezuMn Tel. J0.C95 } •X'SteaatU^mm W num-IL, Stefanicstrasse 10. •Anzßge nach Mass und fertig sowie alle Kerreftttiode- und Wäschearttkel in tadelloser Ausführung. 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Sie begaben sich in die Leopoldstadt und trafen einen ostgalizijchen Juden, dessen auffallendes Aeußeres sofort seine Nationalität erraten ließ. Manteuffel, der den jüdischen Jargon beherrschte, sprach ihn an: „Friede mit euch, Vetter! Von wo seid ihr? Und welches Geschäft möchtet ihr schließen?" Der halberschrockene Jude erwiderte: „Ich bin aus Vrody und kam nach Wien, um mir eine Nahrungsquelle zu suchen, da ich zu Hause ein Weib und neun flehte Kinder habe. Ich hoffe hier durch Hausieren oder Trödlerei den Lebecksunterhalt für meine Familie zu finden." Manteuffel erkannte an den Gestikulationen des Juden seine Geschäftigkeit und fragte ihn: ,!Und reich werden möchtest du nicht?" Der Jude erwiderte: „Dies kann nur aus eine wunderbare Weise geschehen; bei Gott ist nichts schwer." Manteuffel lud den Mann in seine Wohnung. Ms sie dort anlangten, legte Bkanteuffel 80 Tausendkionen* noten aus den Tisch und sagte: „Du kannst diesen Betrag gleich bekommen, wenn du an drei Dinge glaubst." Der Jude bebte vor Freude: auf einmal würde er dev reichste Mann in seinem Heimatort sein! Und er dachte, der fremde Herr sei kein geringerer, als der Pfobbet Elias. Obne viel Erwägen sagte der gänzlich außer sich geratene Jude: „Ich glaube an eure drei Dinge und bitte um &ic fiinfoifltaufettb Kronen. Ich werde als Reicher in meine Heimat zurückkehren und mich von nun an dem Thorastndium und der Wohltätigkeit widmen? Manteuffel und Rothschild lachten und der erstere sprach: „Ihr sollt zuerst die drei Dinge wissen, an die ihr zu gw"bhabt, dann erst werde ich euch die Summe auszahlen." Ungeduldig und etwas mißtrauisch erwiderte der' Au de: „Gut, dann sagt schnell eure drei Dinge, ich 'muß sonst meines Weges gehen." „Die drei Dinge, die du glauben mußt, um die fünfzig Tairsender zu d-komMen, sind folgende: Erstens daß Zesus Christus der Sohn Gottes war, zweitens Die klMningrlage Oesterreichs. Keine Ernährungskrise. — Bei Maisbrot »yerden täglich 7*5 Millionen Kronen erspart. — Der Zurkermangel. Unter dem Vorsitz des Leiters des «Staatsamtes für Dolksernährrmg. Sektionschefs Dr. Gr ü n b e r g e r, fand in der vorigen Woche die fünfte Tagung der Wirtschaftskommission statt» in der zunächst vom'Leiter des Staatsamtes ein ausführlicher Bericht über die gegenwärtige Ernährungslage erstattet wurden Was die Me h! versotgung anbetrifft, wurde sestgestellt, daß die in der Vorwoche erfolgte Abänderung / der Verschleitzmehlration keinerlei Anlaß biete, von einer Ernährungskrise zrr sprechen, und daß eine Verkürzung der Brot- oder Meliorationen weder geplant sei noch befürchtet werden müsse. Unmittelbar nachdem' die Vereinigten Staaten im April einen Kredit zürn Bezug von 200.000 Tonnen Weizenmehl bewilligt hatten, seien noch vor Einsetzen der amerikanischen Mehrlieferungen sowohl in Argentinien als auch in Jugoslawien größere Maiskäufe abgeschlossen worden, um-durch eine Beigabe von Maismehl bei der Brotbereitung das Feinmehl ausreichend strecken zu können. Infolge der. herrschenden großen Transportschwierigkeiten habe sich der Großteil dieser Museerst im August realisieren lassen, so daß Mais in namhasten Mengen erst zur Verfügung stand, als ein großer Teil des amerikanischen ' Feinmehls schon verbraucht war. Hieraus.ergibt sich, daß die Bestände an Feinmeh! um vieles, geringer, die an Mais um vieles größer wurden, als dies planmäßig vorgesehen war. . j Für die derzeit unvermeidlich starke Heranziehung von Mais zur Brot- und Mehlversorgung sprechen außerdem zwingende Gründe staatsfinanzieller Natur» was schon ans der Tatsache entnommen werden möge, daß beispielsweise eine Mischung von gleichen Teilen Ehelnichl und Maismehl zur Brotbereitung verwendet, gegenüber den Kosten boi ausschließlicher Verwendung von Edelmeh! eine tägliche Minderausgabe von rund 7.8 Millionen Kronen ergibt. Wenn auch aus Grund abgeschlossener Käufe und der auS der eigenen Aufbringung zu erwartenden Meng.-n an Mahlprodukten die Versorgung mit Mehl bis Ende des Jahres gesichert erscheint, mutz doch schon infolge der unregelmäßigen Ankünfte der Transporte an Edel mehl mit einer fallweisen Ausgabe von Maisgrieß als Ersatz für Kockmebl gerechnet werden. . In der Kartoffi'lversorguug sind zur Deckung einer Jahreskopfquote von 60 Kilogramm neben dem Jnlandskontrgent ausländische Zufuhren im Ausmaße von rund -84,000 Waggons erforderlich. Erfreulicherweise ist ein namhafter Teil dieser Mengen durch nr erster Linie mit Ungarn und Deutschland abgeschlossene Verträge sichergeftcllt. Weitere Verhandlungen mit Dänemark und Holland sind im Zuge. Aus finanziellen Gründen 'werden, wie bekannt, die Fettsarten seit Äugust nur mit Pflanzenfett und Margarine honoriert. Die hiezu notwendigen Nohstoffmengen sind zum größten Teil bereits vus^dem Ausland eingeführt, so daß die Ausgabe der rationierten Fettmenge« bis aus weiteres Vwm Schwierigkeiten begegnet. Durch vom Staatsamt für Volksernührung unterstützte Importe von Schweinefett wird dafür gesorgt, daß genügende Mengen an diesem Attikel bem freitrf Markt zur Verfügung stehen. . .... Nach wie vor macht M Ungünstige Versorgung'^ Wiens mit Frischmilch die'Heranziehung von Kon-., den s m i l ch unentbehrlich; der im. Sommer , mi.t Set ’ Schweizer Negie rung^ ge,chlösiene.Kreditvertrag sichert»,.... derartige Mengen Kondensmilch,' daß die Kinder unh.).. Kranken Wiens wenigstens, im bisherigen Ausmaße .nttF Kondensmilch noch auf längere Zeit. versorgt sind^.' Die.,, auf die Kondensmilch seitens des Staates geleisteten^ Zuschüsse ermöglichen einen Bezug zu halbwegs, schwinglichen Preisen.;,<v Y" Bedauerlicherweise . sind die in Oesterreich ^vor-^,. handelten Zucker Vorräte sp gering, daß die SepkechMquote statt in Zucker in Saccharin ausgegeben werdest^ muß. Die durch diese Verfügung zurückgeh ulte neu Vorräte und aus eimm vor kurzem geschlossenen Ankauf beschaffte Mengen an überseeischem Zucker decken notdürftigerweise den österreichische Süßstoffbedarf bi^«. Ende des Jahres. Derzeit werden mit der tschechischen * Negierung in Prag neue Verhandlungen wegen weiterer Zuckerlieferungen geführt, die jedoch vorläufig noch keinen positiven Ergebnissen geführt haben. ■ 1: An die Darlegungen des Leiters des StaatsamjM > für Volksernährung schloß sich eine lebhafte Wechselred-:" Ministerialrat Dr. Bnresch gab näheren Auf-' schkuß Über die vom Staats amt für Volksernährung eingelcitete Miyn, die bezweckt, den Landwirten dru autz ^dem Auslande eingeführten Mais für ihre Wirtschaft^' zwecke zur>VerfÜgnrrg zu stellen und sie hiedurch in die ' Lage zu versetzen, gewisse Mengen der Eigener.'.eugnng att1 Cdelgetccide außerhalb des Kontigents der allgemeinst^ Versorgung zu überlassen. ' ' » ' w! Die Erklärung über die Ersparullg von tyn ÜÜliP ' liänen Kronen täglich bei dem jetzt an die Bevölkerung verkauften Maisbrot soll nicht unerwidert bleiben. foiP Ernähtungsbehörden mcchen aus ihrer Unfähigkeit einefugend und schämen sich nicht, dies noch in dieser Förrkl" oU ,sagen. Sie peinigen die arme Bevölkerung, die jöi derzeit ln der Hauptsache auf ein halbwegs gutes'- Brot angewiesen wate ^— dä die anderen Lebensmittel ja nicht zu erschwingen sirtd — mit dem unverdaulicheü Maisbrot und wie zum Hohn wird dann noch erklärt, der Staat erspare Millionen. Da loare es ja noch 1-iel, besser, der Bevölkerung Steine als Nahrungsmittel zck verkaufen und die talentierten Herren vom Ernäb ctutßg* amt wülLen noch mehr ersparen. Man muß sich titäs-' über die Geduld der Bevölkerung wundern und sie gleichzeitig bedauern, daß ihre Ernährungsfürsorge voü solchen „Kapazitäten" geleitet wird. z rtiflwMinwii 01 iii ^fii>|i*nrT^ninfiiriTrTrrr^wrriitTTTnTr>griiiriri,(liTB‘riTT#-nii daß die Empfangnts Maria, der heiligen Jungfrau, vom Heiligen Geist kaut, drittens daß. Jesus stürb und nach dem Tode m dön Himmel hittaufstieg. Nun sage: „Ich glaube", und hier swd bte fünfzig Tausend, r." Der Jude wurds totenbleich, schwere Schweißtropfen begannen von seinem Antlitz zu rinnen. Nach einer Weile sagte er: „Etwas Großes wird von mir ver^ langt. Um ein solches Geschäft zu machen, muß ich Be-, denkzeit haben." Rothschild schaute halb triumphierend seinen Freund an. Dem Juden wurde eine dreitägige Bedenkzeit bewilligt. Schon am nächsten Tage erschien dieser zur bestimmten Stunde bei Manteuffel und fragte, ob er zu diesem Geschäft einen Kompagnon nehmen dürfe. Manteuffel wähnte, er werde nun anstatt eines Juden zwei bekommen, und er willigte ein. Nach einigen Augenblicken erschien der Jude in Begleitung eines nichtjüdischen Landsmannes und er sagte: „Der ist mein Kompagnon. Wir haben veeinbart, daß jeder zur Hälfte an die drei Dinge glaubt, und teilen die fünfzigtanscnd Kronen. Ich glaube nun erstens, daß FesnS ein Sohn war — an Gottes»Sohnschaft glaubt er, zweitens glaube ich an die Empfängnis Mariä — daß diese vom Heiligen Geist war, glaubt er, drittens, daß Jesu« Christus gestorben ist — daß er nach dem Tode in den Himmel hinanfstieg. glaubt e r. Und nun bitte ich, uns die fünfzigtausend Kronen auszuzahlen." Bcrüftörtre für da4 bttett fAdlsche Ns?ch. Bekanulich verlangt das Haitptbureau des Jüdischen Nationalfonds im Haag von den Juden der ganzen Welt bis Ende "dieses Jahres eine Million Pfund S t e r l i n g, uin Lanbeinkäufe in Palästina im Ausmaß von chunderttansendeu Dunom Landes abschl'retzen zu können. Die Erlangung ganz besonders großer Summen ist aber ieftt für den Jüdischen NaiionalfandS von dovpeltet Wichtigkeit, weil davon für itzn die Möglichkeit für weit größere Aktionen abbängt, als sie den momentan einlanfenden Svenden Entsprächen. Die englische Recherung dürste nämlich b'öchster Wahrscheinlichkeit nach der Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds di? Bewilligung erteilen.,den erworbenen ' 9 Böden in mehrjährigen Ratenzahlungen zu bezahlen und-;> als Grundlage für die Bemessung dieser Ratenzahlungen■.* wird erwartungsgemäß das Ergebnis der im Jahre 1929.« einlaufenden Spenden dienen. Nimmt man also den Fall an, daß in diesem Jahre für den Jüdischen Nationalfonds eins Million Pfund Sterling gesammelt werden, so kann die Leitung be§ Nationalfonds sofort für fünf MilffEn^ Pfund Boden in Palästina erwerben. Daraus geht het- ' vor, daß ein Mehreingang von 800.000 Pfund Heuer tat-! sächlich für das jüdische Volk ein Plus von 4,800.000 Pfund Sterling bedeuten kann! ' Aus diesem Grunde hat sich die Zentrale des Jüdischeu Nationalfonds für Oesterreich entschlösse^ alles aufzubieten, um die von Oesterreich verlangten 10 Millionen Kronen bis Ende dieses Jahres unter allen Umständen aufzubringen. Diese 10 Millionen Kronen von heute könüen sechzig Millionen Kronen von morgen sein! . Die Schaffung dieses 10 - M i l l i o-n e n - F o n h s' soll in einer Weise geschehen, daß die laufenden Ein- , nahmen des Jüdischen Nationalfonds nicht.beeinträchtigt.» werden, und zwar derart, daß besonders begüterte Jrrden in 500 Teilspenden von je 20.000 Kronen die verlangten 10 Millionen Kronen dem jüdischen Volke zur Verfügung stellen. Diese Teilspenden sollen den Namen < „Bausteine für das dritte iüdischc Reich" Mren. (Den ersten Baustein hat bekanntlich Herr Melech i. Alster gespendet.) Zur Agitation für diese Bausteinspende weilte der Sekretär des Jüdischen Nationalfonds Herr Wolfyang Weis! vor einigen Tagen in L i n z. Krems und Mödling, wo er überall größte Opferwilligkeit der dortigen Jtiden feststellen konnte. Besonders in Mödling war die Werbearbeit für den 10-Millionen-FondS m vor«' bildlicher Weise dnrchgeführt. Die dortigen Zionisten verpffichteten sich, mindestens 10 Bausteine zu je 20.000 Kronen auszubringen, davon Mindestens sechs Vaustein» durch Einzeffpenden. und bereits än de« erste« beide.n Tagen de? Agitation in Mödling wurdttl von den Zerren Mar Klein und Jakob Kaufmann jeeinBausteingefvendet. Dadurch sind die Bausteine Nr 1 und ß gezeichnei Werden: es kehlen noch 497!

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