Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 595 (19.9.1920)
- Date
- 1920-09-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 665 Wien. Sonntag rangen. Jetzt i ft 03 c Ie ge n I» e} t n e.3 eben, in Ranz Oesterreich die bewußt jüdischen S-trmmen zn zählen und durch sie auch weitere M a n da t c z u erkü m vfen. Wir L-r-eiseln nicht, das; tvir gestärkt an^ dem Wahl' kampf hervorgchen, tvenn unsere Freunde die kurze Frist bi3 zum ,17. -Oktober elfriflft nützen, die jüdischen Männer tactb Frauen, die zur Wahlirrne gehen, müznklären, Iknsiit siejübisch wählen. M! Die jüdischnationaleHoaptwahlk e l t u n g beendet sich: I!., Taborstraße 20 a. Unser AusKunstsburean für den XX. Bezirk Eft: Karl Meißlstraße 5, Tür 1; für den IX. Bezirk: Liechtensteinftraße 11, Tür 13. Für die Bezirke VI bis VIII: Auskünfte in IVahlangeleaerchrilen, VI-, Amerlingstraße 19, Hofstlege. ERglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. Das zionistische Bureau, X.,Favoritenftraße 130„ erteilt Auskünfte m Wsh 1angelegenheiten täglich non 3 bis 6 Uhr Nachmittags. Für die Bezirke XVI und XVII Auskünfte Eg- Elch zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags. XVI., Bcunnenrajse 41._ Telegramme. Die Forderungen der palaftruenftschen Juden. ' Fevsßrlem, l0. September (verspätet). (Jewish Corr.Bur.) Rad; Anhörung des Referats Ussischkins über die Ergebnisse der zionistischen' Iiihr-es'koinerenz in London hat der Waad Hasmani (provisorisch: Repraftn'anz 'der palästinensischen Juden) folgende Resolution angermmmen: 1. Nach Anhörung des Referats »über die infolge des BersageirS der amerikanischen zionistischen Kommission in der Verstellung der finanziellen Mittel fitr die zionistische Arbeit in Palästina neugeschasfene schwierige Lage fordert der Waad Hasmani die oberste zionistische Behörde aus, allen monistischen Landesverbänden Und Föderationen unverhüllt und ohne Verzug die audieser Lage für das gesamte SiedlungStverk in Palästina erwachsenen Gefahren vor Äugen zu führen. Die Exekutive der zionistischen Weltorganisation wird dringend aufgefordert, alle Kräfte der Organisation mobil zu machen, mit der drohenden Vernichtung der gesamten Aufbauarbeit im Lande wirksam zu begegnen. Z. Der Waad Hasmani erklärt, daß die Kürzung ober Auslassung irgendeiner lebenswichtigen Arbeit in Palästina mangels entsprechender Anstrengungen eine ir«vörzeihliche - Stintewäre.: .,Or, spricht sich daher nachdrü.tlichst gegen jeden Verst':ch>. der 'zionistischen Leitung aus, die überaus maßvoll begonnene Einwanderung durch welche Maßnahmen immer zu hemmen. 3. Der W aad Hasmani appelliert an die gesamte Mische Bevölkerung ln Palästina, in dieser kritischen Stunde aps eigenen Mitte ln einen Teil der erforderlichen, Summen anfzubrtngen, damit das gefährdete Siedlungswerk fortgesetzt werde. De« Palästinensern wird zunächst zur Pflicht gemacht, die Einwanderer zu empfangen und sie mit Arbeit und B e schäftigung zu versorgen, t. Der Waad Hasmani erklärt eS als Pflicht der' Zionistischen Kommission in Palästina, die Verantwortung für die Aufbringung der aller« ottvendigst«, minttmrlen Geldmittel zu übernehmen, damit die wirtschaftlichen Arbeiten, das Erzieh un gswerk und feie Einwanderung keinerlqr Unterbreche n g iktleiden. Die Lage in Mesopotamien. London, 18. September. (Funkspruch.) Das Kriegsamt »ckdet auS Mesopotamien, daß die allgemeine Lage sich gebeffett hat, die Unruhen mir Ausnahme von Samarra sich n.chr auS- Gebreitet haben und daß viele der AMandischrn in ihre Heimat zvrülgrkrhrt zu sein scheinen. Generalmajor Sir Pcrcy Cox ist a» h« Spitze der Zivilvrrwaltuug getreten; dies ist der erste Schritt zur Bildung eines Araberstaateßin Mesopotamien. Do« de« Ausstaud der englischen Bergarbeiter. London. 18. September. (Fuilfspruch? Dre Besprechung der Vertreter der Bergarbeiter nnt dem Vorstand des britischen HandelSamtes, an' die große Hoffnungen gesetzt worden waten, wmde nach halbstündiger Dauer abgebrochen und die Fortsetzung für Montag anbrraumt. Smillie hält den AaZstand Ar »»vermeidlich. Tak? Ionefe« vor dem Rücktritt. B«karrst, 18. September. (Tel.-Komp.) In hiesigen politischen Kreisen wird die Demission Take Fonescuö als unver- «Mich betrachtet. Die Preffe Biatianus greift Take Jonescu hesttg a« und beschuldigt ihn, die Interessen Rumäniens zu opfern, n» seinen prrsöulichen Kredit in Paris nicht zu gefährden. Auch « den Reihen der Anhänger Averefcus nimmt die Mißstimmung gegen Take Joncscn täglich zn. Gewaltige Einwanderung «ach Amerika. New-B^rlr, 16. September. (Jewish Corr. Bur.) Mit der Ankunft von 18.691 Immigranten auf Ellis Island während der letzten Woche sind alle Bordriegsrekorde übertroffen worden, während die durch die Ueberfüllung auf der Insel hervorgerusenen Bedingungen niemals schlimmer waren. Ein guter Teil dieser Einwanderer sind Juden, für welche so gut, als unter den gegebenen Verhältnissen möglich ist, «orgesorgt wurde. Louis F. Post, der Gehilfe hes Staatssekretärs für Arbeit, soll sich in Washington ^eidckerl..baden, dak der unerwartete Imnngraiionsinner ' '19. Septemver 1920 ström emste Verhältnisse vvraussehen läßt, zumales Tatsache ist, daß Typhus und andere Epidemien hauptsächlich in diesen Gegenden wüten,, aus denen die Majorität der Einwanderer herkommt, und bis irgendwelche Gesetze über die Beschränkung der Einwanderung beschlossen werden, die Beamten aus Ellis Island mit der größten Behuisamkeit umgehen und auf das Quarcmtcinesyslem werden zurückgreisen muffen. Die ausgeschloffenen sozialistischen Abgeordneten in Amerika wiedergewählt. Rem-Dork, 13. September. (Trl.-Komp.) Die fünf sozialistischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die während des Krieges wegen antmativn^len Verhaltens ausgrschloffen worden waren, sind jetzt bei dev Ersatzwahlen im Staate New-Aork wwdergkwählt worden. Der Bombenanschlag gegen die Morgan- Danlr. Washington. 18. September. (Funklpruch.) Das amerikanische Jrrsiizdepüttnncrck erklärt, daß der Bombenanschlag gegen die M 0 r g.a n - B a n k von einer wahrscheinlich inttrnalio'' nalrn Verschwörung ausgegangeu sei. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Warnungsbriese von einem ehemaligen Angestellten der französischen Kommission i» ' Kanada avgckchickt worden seien. Nach der Explosion wurde fest gestellt, daß an der Effektenbörse Effekten im Werte von 300.602 diS 400.000 Dollar fehlten. Amsterdam, 18. September. lWolff.) Nach einer Meldung des „Allgemeen Handelsblad* auS Ncw-Iork sollen die radikalen Elemente in den Bereinigten Staaten die Ausgabe der iranzösischen Anleihe durch daS Bankhaus Morgan als eine Forderung der aggressive» Politik Frankreichs gegen Rußland betrachten, was möglrchnweite die Beranlaffrrng zu dem Bombenanschlag gewesen sei. Der Kampf sn de« tschechische« sozialdemokratische« Partei. Prag, 18. September. Die bürgerliche Preffe, rmd zwar sowohl die agrarische wie die »ationaldemvkratische und klerikale, bringt im Zusammenhang «it der Spaltung m der sozialdemokratischen Partei scharfe a «1 i s e m i t i s ch e A r t i k e I (!) gezendie Mission des russischen Roten Kreuzes in Prag und ihre angebliche Förderung der Kommumstenbewegung in der Tschecho-Slorvaker. Der agrarische „Vecer* meint, daß die tschechischen Kommunisten, die Über Auftrag von Moskau handelten, sobald sie die Diktatur des Proletariats einführrn wurden, den Präsideuten M a s a r p k gewaltsam entfernen könnte». »Starä PrLvo Lid«" entgegnet darauf, daß Weisungen aus Moskau nicht vorliegen und keinesfalls maßgebend' wären. Zugleich macht das Blatt aufmerksam, daß die bürgerliche Preffe derartige Sensationsnachrichten verbreite, um die Oeffentlichkrik^ gegen die Konmmnisten aufzureizen. Prag» 18. September. „Prävo Lidu" berichtet, daß sich außer der organisierten Arbeiterschaft von Pilsen auch jene von Ostrau und Schlesien füx die vfsizielle Parteileitung ansgeprochen habe. Prag. 18. September. (Tschecho-slow. Preßbnr.) Die Vertretung der tschecho-ilowakischen sozialdemokratischen Partei beschloß mit Zweidrittelmehrheit, dm Patteikongreß ans Weihnachten dieses Jahres zu verschieben. Tagesbericht. DeMokrstie und Schule. Die Schulreform ist das notwendige Pendant zur Derfassu ngZre fo rm. Soll diese dem demokratischen Gedanken in den äußerlichen formen unseres staatlichen Lebens Geltung verschaffen, so ist jene der Ausfluß der Notwendigkeit, das innere Denken und Fühlen ehemaliger „Untertanen" zur geistigen Reise mündiger Staatsbürger emporzuführen. Die Verfassung kann nur die Republik feftsetzen, Republikaner zu schassen ist Aufgabe der reforntterten Schule. Gegenwärttg tobt der Kampf um diese gerade arn heftigsten. Auf der einen Seite tönt die schmetternde .Fanfare: „Freie Bahn allen Tüchtigrn!" Auf der anderen erwidert das heisere Krächzen aller Gespenster, für die das Wittern von Morgenluft mit der peinlichen Erkenntnis verbunden ist, daß ihre Zeit abgelausen ist, daß sie — verschwinden müssen. Diesen Geistern der Reaktion ist nun ein ganz unerwarteter Bundesgenosse in einem Faktor erstanden, dessen natürlicher.Platzeeigentlich aus der anderen Seite wäre, nämlich im akademischen Senat. Diese Behörde, die in früheren Zeiten als -der eifersüchtige Wächter über die Freiheit von Forschung und Lehre galt, stellt der Parole: „Frche, Bahn allen Tüchtigen l'f die Gegenlosung gegenüber: „Schutz den Mindertüchtigen!" Es ist das Verdienst Ungarns, die Entdeckung genracht zu haben, daß der akademische Nachwuchs nicht eine Auslese zu bilden habe, von der der menschliche Trieb nach Erkenntnis seiire iveitestgehende Befriedigung zu erruarten hat, sondern eine Clique der goldenen Mittelmäßigkeit, und daß das Minus an Begabung durch ein Plrrs von gesetzlichem Schutz ausgeglichen werden muß. In Ungarn entblödrt man sich auch gar nicht, diese Anschauung offen einzubelennen. Man verhehlt dort nicht, daß sich die Einführung de? Numerus clausus an den Hochschulen nur gegen die Inden richtet und schämt sich nicht, als Grund ausdrücklich deren größere Begabung und a»iivhc. . Regsamkeit anmgehen. FH» 1 BGABßTTH&mPIERE Z 1 - «3 . H Sie BbertFeftea «M«r 3 m dtp hdchawH» tümwmuym £ U 6 SS m Bö <m PS5. w »«•r b »us« ■••«••• •a«PM«CHSn In Men hat der akademische <Aenat einen Vorstoß zur Einführung des Numerus clausus verschämt mit der Notwendigkeit bemäntelt, den beschrankten^ Raumverhältnissen in den Laboratorien und Hörsälen Rechnung trage« z« müssen. Wb« der.Umstand, baß' für die Zulassung zur Inskription nicht PrüfungSzeugnisse, sondern die Heimatschrine maßgebend sei« sollen, erwies zur Genüge, daß die Verordnung des Rektors zwar wirklich auf Be s ch r Sn kt h'ei 1, aber nicht auf räumliche zurückzuführen ist . . . In der Schulfrage ist der demokratische Grundsatz „Freie Bahn' dein Tüchtigen" die einzig mögliche Parole. Die Demokratisierung der Elementarschuben Nlüßte ein Torso bleiben„ wollte man die höhere« Schulen denen Vorbehalten, in deren Wern ,^>beres"- Blut rinnt, sei es das „blaue" Blut der bisherige« Theresianisten oder das schwarz-rot-goldene der' Ritter von Waidhofrn . . . De. H. Sp. Bo» unterrichteter Seite wird der ,MibwttHvchschulkorrespondenz" über den Standpunkt der Unterrichts Verwaltung mitgeteilt: Die Unterrich tsverwaliuug; ist sich vollständig klar darüber, daß die bedau«lichen'' Raumverhältnisse an unseren Hochschulen eine Einschränkung der Zahl der Studierenden schon mit Rücksicht auf einen geordneten und erfolgverheißenden Studienbetrieb notwendig machen. Das Unterrichts-, amt hat auch jederzeit den Standpunkt vertreten, daß'f die notwendige Einschränkung der Inskribierwtg vor' allein zum Schutze der bodenständigen «nd deutschen- Studierenden erfolgen muß. In diesem Sinne war; auch dev.auf Grund eines Beschlusses des akademischen^ Senats der Wiener Universität am 7. April des Vorjahres hinausgegebene Erlaß gehalten, der für vll^ österreichischen Hochschulen gewisse Einschränkungen bei^ den Inskriptionen anvrdneie. In diesem Erlaß lverden. die Einschränkungen als vorübergehende No'tbestimmungen bezeichnet. H.: Mt einer Verfügung des Unterrichtsamtes öoni] 2. September 1920 wurde nun dieser SinschränkungsD:, erlaß des Vorjahres mit Rücksicht auf die noch immer z' herrschenden traurigen Ranmverhältnisse auch für bie|,; kommenden Inskriptionen an allen, Wiener Hochtzy. schulen erstreckt, so daß die ausgeführten Beschränkungen^, auch heuer Geltunghaben. Nun hat der Rektor der Wiener Universität mif Grund eines Beschlusses des akademische» Senats eine Kundmachung erlassen, nach der „bis auf weiteres vo« Ausländern höchstens zehn Prozent zu Be-' ginn jedes Semesters als ordentliche Hörer ansgenomnren werden". Diese Kundmachung wurde gleichzeitig mit ihr« Veröffentlichung dem Unterrichtsamr milgeteilt, so daß ein bezügliches vorheriges Einvernehmen nicht möglich war. Da nun die Unterrichts-, Verwaltung auf dem Standpunkt steht, daß die Ein-' schränkung von Inskriptionen an allen Wiener Hochschulen gleichartig erfolgen muß und baß nicht Sonderbestrmmungen für eine einzelne Hochschule geschaffen' werden können, wurde die besagte Kundmachung des? Rektors Vom Unterrichtsamt aufgehoben. Diese Maßnahme soll keineswegs einen Eingriff in die Autonomie d« Hochschulen darstelleu, sondern war lediglich mit' Rücksicht auf die praktische Lehrtätigkeit sämtlicher Hochschulen und im allgemeinen Laatlichen .Interesse Le-' boten, welches die Unterrichtsmöglichkeit auch den Auslände r n sichert. Die Kmcknrachung des RekdorZwürde nach ihrem Wortlaut, da sie nur von Ausländern spricht, auch die Reichsdeutschen treffen, während gerade das Deutsche Reich die Deutschösterreicher bei den Einschreibungen arr den Hochschulen als gleichberechtigt mit? den Reichsdeutschen behandelt. Die Unterrichtsverwaltung steht auch auf dem Standpunkt, daß eine Verallgemeinerung der Einschränkungsmaßnahmen nicht Platz greifen darf und-daß sich, die Beschränkungen bei der Einschreibung' nur auf , die Studienfächer beziehen können, bei denen der Mangel an Arbeitsplätzen geltend gemacht werden kann. ' ___ Das Geschäft eiwes pslnische« Juden. *) Von Chajim Bloch. j Baron. Manieuffel- und Baron Rothschild gerieten, einmal in einen eigentümlichen Streit. Manteusfel be.. hanptete, ein Polnischer Jude würde des Goldes wegen sogar seinen Glauben verschachern. Rothschild widersprach und sagte, daß, sogar aus den Unarten des polni!- schen Juden seine Borzüge hervorleuchteu, und möge er auch geldgierig sein, so stehe er, was den Glauben an* betrifft, auf der höchsten Sittlichkeitsstufe. Die beide» Edelleuts beschlossen nun, den erstbeste» polnsche» Juden, *) Unter dein Titel „OstMischer 2pmm»r" erscheint, tui B. Harz-Verlag. Berlin, <me Sammlung ds« sbrekdodea atia Paradsln von Chajim Bloch. W'ir bringe« eine «W ' Verlag uns zur Berjügung geMte.