Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-09-18 · Heft 594 (18.9.1920) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 594 (18.9.1920)
Date
1920-09-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979672--05266-2991100
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wie««* Msrgenzettmrs 18. September ISÄS Veite 4 Men, samsta- Mitteilungell aus dem Publikum. S RH.l^ANTEN, Perlen, Gold, Silber, Platin n. Uhren kinlt und veilcsnit 776 ETTER Rotenturmatr. 23, Harlahilferatr. 98 n VOSLAU! Kinderu. Mädchen-Erziehungsheim -99 Jägermayerstrasse 19 8 .'91 Telephon 99/8 ji unter Leitung einer staatlich geprüften Lehrkraft. Mütterp liehe Pflege, gewissenhafte Aufsicht, beste Verpflegung! Iff'Neu erfiffnetl'H A. Börensteins Herrenmodehaus ns nur II., Stefaniestrasse 10. Anzüge nach Mass und fertig sowie alle Herrenmode- und Wäscheartikel in tadelloser Ausführung, jesinnungsgenossen eventuell auch gegen Teilzahlungen fDafett.un'jpjfcn in der Frage des Kohlen« und Naphtha» austallfckM eröffnet werden. Bei der Regelung der ^-rage LG Staatsbürgerschaft wird höchstwahrscheinlich - der Ver^:g mit Oesterreich als Muster dienen, der eine Kornprarnißregelung analoger Verhältnisse darstellt. Es ist zu hoffen, daß durch ein^ schnelle Äledigung aller dieser Fragen der Boden für den künftigen Handels«' vertrag vorbereitet wird. Es liegt in den Intentionen' beider Senaten, die diesbezüglichen Verhandlüngeri bald »inzuleiten. Dies wird die erste Etappe für did Annäherung der beiden Staaten bilden, die in gleicher Wesse an item Austausch der heimischen Produktion interessiert sind. Aus diesem Grunde ist die Unter» brechung des Handels nach Polen durch die Lschecho-slow;- - kischen Eisenbahner strengstens zu verurteilen, wodurch in erster Reihe die Interessen der breiten Schichten der Konsumenten gefährdet werden. Ükrainifchs Truppen auf tschechisches Gebiet nbergetreteu. Preßvurg, 17. September. Aus Ungvar meldet die „P. Z. am. Abend", daß in den letzten Tagen immer größere Abteilungen ukrainischer Truppen auf Ifchechoslowakisches Gebiet übertreten und Entwaffnung und Internierung verlangen. Sie geben an, daß sie mit den Molen gegen die Russen nicht weiter kämpfen wollen. Die Vorgänge in der tschechischen sozial, demokratische« Partei. Prag, 17. September. (Tel. der „Wr. Morgenzrg.".) Der Herausgeber des „Pravo Lidu" macht der Behörde die offizielle Mitteilung, das das Blatt von morgen ab in einer anderen- Druckerei erscheinen wird. Ms Herausgeber des nun in der neuen Druckerei erscheinenden „Pravo Lidu" wird weiterhin Abgeordneter Nemec, als Chefredakteur Abgeordneter St'wrn fungieren. Aus der Redaktion -des alten „Pravo Lidu" wurden jene Redakteure-übernommen, welche der offiziellen Richtung' der Partei angehLren. Der am 25. d. M. zusammerrtretcnde Kongreß der.Kommunisten wird von der Rechten nicht als legal bezeichnet, weil die oberste Vertretung' der Partei beschlossen hat, den Kongreß auf Weihnachten zu verschieben. Die Abendausgabe des „Pravo Lidu" veröffentlicht einen Aufruf, unterzeichnet von den. zwei Redakteuren Skala und Ley, die sich zu der Mittelrichtung der Partei melden und welche die Arbeiterschaft zur Einheit und zum Frieden in der Partei mahnen. Sie beantragen, daß der Kongreß, der Partei am 26. September wirklich ftattfinöe, aber nach drei Monaten, und zwar zu Weihnachten. sollte ein zweiter Kongreß der Partei zusammentreten. Das tschecho-slowakische Budget. Prag, 17. September. iTel.-Komp.) Den „Lidove Noviny" zufolge ist das Budget für das nächste Jahr bereitsfertiggestellt und soll in der ersten Oktobersitzung der Nationalversammlung vorgel-egt werden. In diesem Budget ist es gelungen, das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und 'Einnahmen herzustellen. Erzherzog Friedrich, her Gründer. Lmckon, 17. September..(T«l.-Komp.) Die -englische drahtlose Station Horsea verbreitet eine Nachricht, derzufolge der frühere Erzherzog Fnedich ausschließlich mit englischem Kapital eine Gesellschaft zur Ausbeutung feiner ungeheuren Besitzungen in %ivot, der Tscheche Slowakei, Polen und Südslawien gegründet und sich die Leitung dieser Gesellschaft Vorbehalten habe- Eine neue Ballgesellschaft in Palästina. ßflttbön, 15. September. iJewlsh Corr. Bur.) Mister Ar ch a.w sf h, der Sekretär de« Habvneb. gründete eine Aktiengesellschaft mit emem Kapital von 50/0) Pfund Sterling für die »rüerrmg der S t e t n k r ü ch e in Palästina und Brargde« StemeS für Bauzwecke auf moderner Grundlage. Ein ««tzüfcher Experte begab sich bereits nach Palästina, um die Arbeiten vorzubereiten. Es wird geplant, die ArbeiiM merst m Jmlirlm Haisq \\\ hegtmun. 0KTK» Anitta Müller über die Jüdische Welthilss- Konferenz in Karlsbad. Die Bedeutung der Tagung. — Bo« der sogenannten Iudenprefle totgeschwiegen - Die klassische« LSuder der Judennot. — Das Hilfswerk für die Rettung der jüdischen Waise«. — Errichtung von Adoption-zentralen. Vor einem überaus zahlreichen Auditorium, das sich aus allen jüdischen Gesellschaftskreisen zusammensetzte, erstattete Frau Anitta Müller im Konzerthaussao* ihren Bericht über die Jüdische Welthilsskonfereuz, welche bekanntlich im August dieses Jahres in Karlsbad stattfand. Frau Anitta Müller führte unter anderem aus: Die Bedeutung dieser Tagung lag' vor allem darin, baß sie ein internationaler, von allen Ländern beschickter jüdischer Kongreß war und daß sie eine Prüf- - stelle für die soziale Arbeit wurde, welche für das Judentum in der Kriegs- und- Nachkriegszeit geleistet worden ist. Der praktische Nutzen der Beratungen ist die Gründung - einer in terna t tonale n Zen tra lstelle für das jüdische Hilfswe rk. Die Verhandlungen haben sich aber auch zu einem wichtigen Kampfmittel gegen den Antisemitismus gestaltet,-denn sie haben unwiderleglich erwiesen, wie unbegründet die Fabel von der' maßlosen Bereicherung des Judentums im Kriege und der Nachkriegszeit ist, daß vielmehr die Judenheit die schwersten Opfer an Gut und Leben gebracht hat, daß die Not der Gesamtheit furchtbar ist und nur eine dünne Schichte zu den Abenteurern und Kriegsgewinnern gehört. Die Vertreter der einzelnen Länder .haben zunächst Berichte über die Lage des jüdischen'-Volkes erstattet. lieber die Situation in Galizien und Polen konnte nicht alles ungeschminkt berichtet werden. Entsetzlich war der Bericht über die Ukraine. Dort sind an Pogromopfern 500.000 Tote und eine Millivn schwerverw unbete jüdische Volksgenossen zu beklagen. Man kann diese Zahlen nicht erfassen, sonst müßte man wahnsinnig werden. Bezeichnend ist, daß keines von den sogenannten Judenblättern über,die Jüdische Welthilfskonferenz berichtete, während man für die Tagung der „Schlaraffia" ganze Zeitungsspalten frei hatte. Mit Recht sagte der Wiener Oberrabbiner Dr.-Chajes: „Unsere Welt-' hilfskonferenz ist auch eine Kla gekon fereuz, deshalb,. weil mam leider reichlich Anlaß fand, über die Gleichgültigkeit der' Westlüden gegenüber der östlichen Juden not'zu klagen." Ungarn, das neueste Land der klassischen Judennot, . war überhaupt nicht vertreten, denn es wagt kein ungarischer Jude-, über die Vorgänge in dieser Holle zu berichten. Herr Dr. Chajes tibernahm das Amt' der Vertretung des .ungarischen Judentums und es wurde ein flammender — hoffentlich nicht unwirksamer — Protest gegen die Vergewaltigung der ungarischen Judenheit an die 'Kulturwett gerichtet-. Die Vertreter Amerikas überraschten durch ihr soziales Verständnis. Sie wissen, daß das Herz des Judentums nicht in Amerika, sotwern in Europa schlägt und daß das amerikanische Judentum in 'Kulturwerten zurück« erstattet, erhalten wird, was es den jüdischen Kriegs-, opfern Europas an Geldmitteln und Lebensmitteln f< hochherzig spendet. i Anitta Müller selbst hat auf der Welthilss-' konferenz über jüdische Kinderfür sorge referiert. Es!, wurde bereits in diesen Blättern mitgeteilt, welch gwße Wirkung ihr Referat aus die Delegierten ausübte. Sie. entwickelte auch in ihrem Wiener Referat die groß-, zügigen Pläne, welche von der Konferenz angenommen wurden. Viele tausende jüdische Waisenkinder sollen!, in jüdische Familien Nordamerikas und Kanadas der-!, pflanzt werden. Nach dem Grundsatz „Das heimatloses Kind ins kinderlose Heim" wird eine großzügige Organi-> sation unser heiligstes Nationalgut, die jüdischen Waisen,! als Adoptivkinder bei jüdischen Familien unterbringen/ welche kinderlos sind oder den Wunsch haben, noch ein] Kind auszunehmen. Zu diesem Zwecke werden in allen Ländern Adoptionszentralen errichtet werden. Ferner wurden gwße Kindersiedlungen in Palästinabeschlossen. Ussischkin, der aus Kischinew eine größere^ Zahl von Pogromwaisen nach Palästina mitgenommen^ hat, konnte von dem ausgezeichneten Gedeihen seiner] Kindersiedlung berichten. Die Welthilfskonferenz setzte j ein 24gliedriges Perrnanenzkomitee und als oberstes Instanz des Hilfswerkes einen neungliedrigen Arbeits-jausschuß ein. Unter lebhaftem Beifall teilte Frau Anitta] Müller mit, daß sie diesem Arbeitsausschuß angehöre! und daß ihr das Ressort „Kinderfürsorge" Übertrages wurde. - . i? Zum Schluß sprach die Rednerin über den Sinn- und Zweck der sozialen Fürsorge. Die Not hat es mit] sich gebracht, daß sie bis jetzt nur Hilfsarbeit sein konnte,j während sie ei« Erziehungs- und Kulturwerk hätte werdest müssen. Die neun Leute, welchen die soziale Volks^ arbeit in . Karlsbad übertragen wurde, werden alles] daransetzen, daß das Hilfswerk tatsächlich für das Ge-, samtvvlk eine Erziehungsarbeit und' eine Kulturtat be-! deutet.. Sie sind gestärkt durch das Erlebnis der Karls-,. Lader Welthilfskonftrenz, welche bewiesen hat, baß unserup Einigkeit als Volk trotz alledem erhalten geblieben ist und daß in den besten Volksteilen eine wunderbare.! Hingabe und Treue für das Judentum lebt. j Frau Anitta Müller, deren einstündiger Rede die! Zuhörer mit Spannung und Ergriffenheit folgten, wurde' nach Schluß des Referates stürmisch gefeiert. > Tagesbericht. ( Eine Blamage des Rektors Schwind. Keine Bejchräukunq dev Ausländerinskriptiouen n* der Wiener Universität. Amtlich wird gemeldet: Der UnLerstaalssekrstär und Leiter des Unterrichtsamtes hat verfügt, baß auch im kommenden Wintersemester bei der Inskription der Studierenden an der Wiener Universität gleichwie an den übrigen Hochschulen hinsichtlich der Ausländer nach den für das abgelaufene Studienjahr geltenden Borschriften vorzugehen ist. Die in den gestrigen Abendblättern verlantbarte Verfügung des akademischen Sen-atrs der Wiener Universität, welche die Ausländerzahl auf 10 Prozent der inskribierten Inländer beschränkte, wird daher nicht gehandhabt werden. Abschied der Chefs der amerikanische» . Kinderhitfsaktion. Schiffsleutnant Stockton verläßt Men, um ln; seine Heimat zurückzrckehren. Ms Chef der amerikanischen Kinderhrlssaktion hat sich Mr. Stockton um die Linderung der Not unserer Jugend unvergängliche Verdienste erworben. In der letzten Zeit war es das eifrigste Bemühen des Direktors Stockton, die Sicherung der' amerikanischen Kinderhilfsattion bis Juni des kommen-! den Jahres zu erwirken.. Er hat dieses Ziel erreicht. Die Amerikanische Kinderhilssaktion wird, und zwar, unter direkter Oberleitung Mr. Herbert Hooders, bestehen bleiben und mit ihr auch die einzelnen Wohlstchrtswerke, die durch sie ins Leben gerufen worden sind, wie die „Dollarpaketaktion", die Ausgabe von Kleidern, Schuhen, Seife usw. __ j Heinrkehrbewegnntz Die Regierung hat sich, wie man sieht, beeilt, r reaktionären Tätigkeit des Herrn Hosrates Schwind, des Rektors der Wiener Universität, einen Riegel vorzuschieben. Herr Schwirl wird schon, zu einer. Landplage und tut sein möglichstes, um den bisherigen guten Ruf der! Wiener Universität in den Kot zu zerren. Es wäre höchste Zeit, daß Rektor Schwind von seinem Platze — verschwindet. Mit solchen Husarenstücken kann man höchstens in alldeutschen Wählerversammlungen Erfolg haben, aber an der Universität macht man sich und die Anstalt selbst nur lächerlich. Einlösung der Schecks auf Lebensmittelpakete' per 1250 Dollar Lurch den Wiener Joint. Das American JoiutDistributivn Committee ist bereit, die amerikanischen Joint-Auweijungen auf. Lebensmittelpakete per 12.50 Dollar in der Weise einzulösen, daß die Besitzer der Anweisungen je ein Lebensmittelpaket im Werte von 10 Dollar und den Gegenwert des Restbetrages von 2.50 Dollar nach dem Kurswert in Kronen ausgezahlt erhalten. Die Besitzer obiger Anweisungen, welche auf eine herartiae Einlömno xeileftieren. werden einaeladen, ttch. spätestens bis längstens 86. d. M. unter Borkte her' bezüglichen, Anwei,ungen bei der Kasse des Zentralbüreaus des American Joint Distribution Gsmmittee, 1-- Ber.. Seilerstätte. 15, zu melden, 1 Der Dämpfer „Präsident Grant" wird mit 700 österreichischen Kriegsgefangenen aus Sibirien zwischen dern 1. unh 8. Oktober l. I. in Triest eintreffen. ,. Der Transport vom Dampfer „Bagdad" mit 127 österreichischen und 600 fremdnationalen Kriegsgefavgenen hat in der Richtung nach Passau Stettin am' 15. d. M. um 11 Uhr nachts verlassen. Der Luftdienst von London »ach Bukarest! über Wien und Belgrad. I Aus London wird uns'berichtet: Dieser Tage verließ der Handlet) Page Aerodrom London mit dem Ziele Bukarest. Die Route geht über Brüssel, Nürnberg, Wien und Belgrad. Die Luftlinie beträgt 1400 Meilen. Damit ist ein neues Glied in das europäische/Lustverkehrsnetz eingeschaltet. Demnächst sollen noch weitere Luftlinien für den Passagier- und Postverkehr einge- 'richtet werden. London hot bereits einen regulären Luftverkehr mit Paris. Brüssel und Amsterdam. Von Paris ist es möglich, auf hem Luftwege nach Straßburg, Genf und Prag zu gelangen und von Anrsterdam gewinnt man via Bremen Anschluß an den deutschen Luftdienst. Das Straßenbahnunglück bei der Oper. Gestern morgens kreigmte sich durch Zusammenstoß zweier, Straßenbahnwagen an. der Kreuzung Ring—Opemgassr ttt schweres Straßenbahnunglück, dem ein Menschenlehen zum Opst» Der Getötete ist der 81jährige Zahikrliner im Hotel Mülle» dem Vrahen Berger. Kaps war gaM/pssttt.-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.