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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-17 · Heft 593 (17.9.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 593 (17.9.1920)
Date
1920-09-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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teSTgteÖäs. ^-- -------- Me Gesetzgebung und Vollziehung '1'. rm Ernährungsjvesen, 2. hinsichtlich des Elektrizitotswesens und -, der bldustriellen Verwertung der Gewässer. 6. Der zweite Wbsatz des Artikels 3 a soll nutzer dem Verbot von Zwischerizovlrnien auch das aller sonstigen Verkehrs- Beschränkungen festsetzen. \ Bei der Mstimmung wurde eine Anzahl von Anträgen des Referenten einstimmig angenommen. BUdttttg einer ^arischen Einheitsfront". Ja der gestrigen Sitzung der chrisilichsoziaken ReichsvarteijKSmg erstattete der Vorsitzende K u nschak Bericht über die DablvorbereitungSarbeiten. Von seiten der DeutschösterreichisKe» Bauernpartei lag eine Einladung vor zu Beratungen zwecks Bild « n g e i n e r a ri s ch e n Einheitsfront. Die Parteileitung delegierte zu diesen Beratungen Abgeordneten Fmk und Landeshauptmann Rintelen. Du christlrchsoziale und fleirrsche Bauernpartei haben sich gegevseitig verpflichtet: Die WLHlervrrsammlungen der beiden Parteien sind gegenseitig nicht zu belachen, deren Störung, besonders aber Sprengung unmöglich zu machen. Gegenreden sind zu Unterlasten und haben Wahl- Werber bei der Gegenpartei nicht als Redner aufzutreten. Telegramme. Die Engländer bombardieren Ensett. Berlin, 16. September. Ein Funkspruch auS Moskau meldet: Aus englischen Flugzeugen wurden auf Enseli Bomben abgeworfen, von denen einige das Schiff „Kursk" trafen, auf dem sich die persische Delegation befand. Zwei Personen wurden getötet und mehrere verwundet. Es ist den Engländern nicht gelungen, den Kongreß in Baku zu vereiteln. Der Kongreß der Ostvölker in Baku. * DerM, 16. September. (Wolfs.) Ein Funkspruch aus Moskau vom 15. d. M. meldet: Zu dem Kongreß itt Baku sind 1890 Delegierte eingetroffen, darunter 50 kommunistische Frauen. Bon den Delegierten entfallen 273 auf Angehörige von 37 Ostvölkern, die in Baku erschienen sind. 55 muselmanische Frauen legten in ihrer Beg-'isterung ihren Schleier ab mit dem Rufe: „Wir haben den Tod besiegt!" - Rußland wünscht den Friede«. - Moskau,. 16. September. (Funkspruch.) Tschirasche rin telegraphierte an Krassin nach London, daß die russische Armee schlagbererter sei als vor dem Warschauer Rückzug. Das Land, fei vollkommen ruhig, die Nachrichten über Erhebungen gegen die Regierung seien unwahr. Rußland wünsche den Frieden, um sich dem Wiederaufbau widmen zu können/ , Warschau, 16. September. (Wolfs.) Die Polnische T-elegraphen-Agentur meldet: Tschitscherin wird persönlich an die Spitze der russischen Friedens Abordnung, in Riga treten. Der polnische Frontbericht. Warschau, 16. September. (Poln. Tel.-Ag.) Frontbericht vom 18. d. M.: An der Südfront haben unsere Abteilungen zusammen mit der ukrainischen Armee die Dnjestrlinie bei Rzerzawa, Jezupol und Halicz überschritten und in schweren Kämpfen die Anhöhen östlich von Halicz, ferner Michalowka und Bolszowce besetzt. Dabei wurden 300 Gefangene gemacht und 4 Maschinengewehre erbeutet. Weiter nördlich zwischen Gnila Lipa und Swirz erreichten wir die Linie Martynow—Konin— Zagorze—Podkamien. Auf den übrigen Frontteilen in Kleinpolen gewöhnliche Erkundüngstätigkeit.' Oestlich von Wladimir-Wolynsk' rücken unsere Abteilungen siegreich vor. Sie besetzten Berezowce und Chorostow. Ein feindlicher Gegenangriff im Abschnitt von Kowel wurde abgewiesen. Nordöstlich von Kowel haben die Abteilungen des Generals Barlgchowicz Kamien KasyrsIi genommen, hiebei 1000 Gefangene gemacht und eine komplette Gefchützbatterie, 400 Trains und sehr viele Geschosse erbeutet. Oestlich von Kobryn wurde nach Zurückweisung feindlicher Gegenangriffe die Kanallinie Bug— Dnjepr überschritten. Nördlich von Kobryn zersprengten wir den Feind. Wir machten 150 Gefangene und erbeuteten 16 Maschinengewehre. Det Feind, der 600 Verwundete und Tote auf dem Schlachtfeld zurückließ, geht auf Pruschany Zurück. Am Swislocz hat sich der Feind auf das östliche Ufer zurückgezogen. In der Gegend von Suwalki gewöhnliche Kämpfe mit Borhutabteilungen. Russischen Gerverkfchaftsdelegierte« die Einreise nach Deutschland bewilligt. Berlin, i 18. September. Wie der ,vorwärts" mitteilt, ist außer den zwei Mtgliedern der russischen Ge* werkschaftsdelegation, denen die Einreise nach Deutschland bereits gestattet worden war,, durch Kabinetts- Leschluß für weitere Mit g Lieder der Delegation hfe Genehmigung der Einreise erteilt worden.. Bulgarien will der kleinen Entente beitreten. Sofia, 15. September. (Damian.) Die Reise-des Mnisterpräsidenten Stambuliski nach Prag verfolgt nach hiesigen Informationen den Zweck, mit dem Minister des Acußern Dr.Be ne sch über den Eintritt Bulgariens m yeMMln, Wiener Morgenzeitung Mitteilungen aus dem Publikum. ZURVERLOBDHG “ meines Cousins SAMSON NAOLER mit Fräulein BLANKA EINHORN gratuliert herzllchst JAKOB PETRANKER «IUANTEN, Perlen. Gold, Silber, Platt« n.Übren kauft .and'Terkatift 77# ETTER Botentunnstr. 23, Sarlabllferetr. 88 e#£ßeföcdlafen&j3lMfaiMetjMM6&. Die Fraae der Detrrebskontrolle. Rem, 16. September. (Stefanr.) Min'sterpräsident Giolitti hat nach Anhören der von ihm nach Turin berufenen Vertreter der Industriellen und der Arbeiter die Frage der Betriebskontrolle in der Weise gelüst, daß er mittels Dekrets eine aus Industriellen und Arbeitern zusammengesetzte Kommission ernannte und s'.e mit der Aufgabe betraute, einen Gesetzentwurf vorzubereiten, den die Regierung der Kammer bei ihrem Wieder- Zusammentritt unterbreiten wird. DaS Sinke« der Warenpreise in Amerika. New-Aork, -14. September. Die für 96 verschiedene lebenswichtige Artikel aus gearbeitete Preis- Indexziffer beträgt 1797 gegen 1947 im Vormonat. Der fühlbarste Preisrückgang ist bei Textilwaren, insbesondere Baumwollerzeugnisse, eingetreten, geringere Rückgänge bei Leder, Metall, Pflanzenöl. Die Vorgänge in der tschechische« sozialdemokratischen Partei. Prag, 16. September. (Tschecho-slow. Preßbur.) Das Personal der Redaktion, Admiwstratton, Expedition * und'Druckerei des „Pravo Lidu" hat.heute vormittags einen Betriebsra t gebildet, in welchem, auch Vertreter der Prager Fabriksarbeiterschaft ausgenommen wurden. Der Betriebsrat erklärte, er übernehme das ganze Unternehmen des „Pravo Lidu" in feinen Schütz, solange durch den Parteikongreß nicht ein neuer Exekutivausschuß gebildet sei. Der Herausgeber des „Pravo Lidu", - Abgeordneter Anton Nemec, und der Chefredakteur des Blattes, Abgeordneter Josef Stivin. haben zum Protest gegen diesen Akt auf ihre Funktionen resigniert. . Spendet für den WahlfrtffrSlA J Juden und Jüdinnen k Die Wahl l in die Nationalveriammlung bedeutet für uns r Sicherung der e i n z t g e n jüdischen Vertretung im Parlament. Schutz des österreichischen Judentums vor den Angriffen einer immer übermütiaeren und gewalttätigeren antisemitischen Reaktion, welcher im Parlament niemand in den Weg getreten ist als unsr Vertreter Stricker. Der Ausgang der Wabl ist ausschlaggebend für die Entwicklung des österreichischen Judentums und unserer Bewegung. Anspannung aller Kräfte sichert uns das Mandat und gibt uns die Möglichkeit, weitere Mandate zu erringen. Spendet für den Wahlfonds! Das Jüdisch« atronale Zentralwahlbureau ll Taborstratze 26r. Spenden werden an den Schalter« der „W i e u e r M o r g e n z e i t u n g", II.^Taborstratze 1», und im Zentralwahlbureau gegen Quittung entgegengenommen. Geldsendungen find mit dem Vermerk „Wahlforids" an die „Wiener Morgenzeitung" zu richten. An die jüdische Wählerschaft. Die Parteileitung hat beschlossen, in' allen in Betracht kommenden österreichischen Wahlkreisen, insbesondere aber in a XI e n Wiener Wahlkreisen, die jüdischnationale Einheitsliste „Stricker und Genoffenaufzustellen. Nach dem neuen Wählrechte werden alle in den verschiedenen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen einer Liste beim zweiten Skrutinium zusammengezählt und können weitere Mandate durch diese Stimmen erlangt werden. *, .. . ....... Die jüd i s^h n a t i o n ale Ha u pt wählte i t u n g befindet sich: II., Taborstraße 20 a. Unser Auskunftsbureau für den XX. Bezirk ist: Karl Meißlstraße 5, T ü r 1; für den IX. Bezrrk: Liechtensteinst r aß e 11, Tür 13. Für die Bezirke Vl bis VIH: Auskünfte in Wahlangelegenheiten, VI , Amerlingstrvße 19, Höfstiege, täglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. ' < Das zionistifche Burean, X.,Favoritenstraße 130; erteilt Auskünfte in Wahla n g e l e g e n h e i t e n täglich von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Für die Bezirke XVI und XVll Auskünfte täglich zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags, XVL Brvv«p.i. '17. September 1920 . Slr. Ä98 .... i . ... .i— . i ■ ■ f Tagesbericht. Die Leiden der jüdische« Soldaten in der Horthh-Armee. In der letzten Nummer des „Az Ember" lesen wir: -In unserer Redaktion erschien der 25jährige jüdische Bankbeamte .... . und machte, mit der Bitte, seinen Namen zu verschweigen, um seine. Angehörigen vor Racheakten zu bewahren, folgende Mitteilung: Im Kriege wurde mir, wie aus meinem Abrüstungs* zeugnis und der Jnvalidenlegittmatton hervorgeht, der Knöchel am Fuß durchschossen und ich wurde . Invalide. Nichtsdestoweniger wurde ich jetzt bei. der Musterung geeignet befunden, nur weil ich Jude bin. Mm Einjährigenrecht wurde mir aberkannt und ich wurde als Unverläßlicher in eine Arbeitergruppe eingeveilt, lme* wohl mein gewiesener Bataillonskommandant über mein - Verhalten das nachfolgende Zeugnis ausgestellt hatte: Ich, Endes gefertigter/ Kommandant des Genannten während eineinhalb Jahren, bestätige, das; derselbe' politisch verläßlich ist, an kommunistischen Bewegungen nicht teilgenommen und bei jeder Gelegenheit seinen ' Dienst einwandfrei, den Vorschriften entsprechend, in ehrenhafter Weise versehen hat. 10. Juli 1920. Bela Martonffy de Csikszentgyörgy und Csikszered-: m. P. > Kön. ung. Major, Milit.-Bez.-Komdt., Budapest. Zunächst wurde ich nach Szekszard gebracht und dort in die Arbeitergruppe eingebeilt. Diese Arbeitergruppe besttht, von ein bis zwei Eisendrehern abgesehen, aus lauter Iuöen, besseren Kaufleuten und kleineren Beamten. Wir wurden aufs Feld umgraben geführt Und mußten von 4 U h r m v r g e n s bis 8 Uh r a b e n ds ununterbrochen arbeiten. Niemand von uns hat jemals Feldarbeiten gemacht und wir waren von der ungewohnten Arbeit bald -erschöpft. Dann folgte die ' P r ü g e l st r a f e. Läßt jemand die Schaufel vor Müdigv feit sinken, wird fein Wort gesprochen, sondern bloß der Name des Betreffendsn notiert, Am Sonntag wird , ' dann die „Summe" ausbezahlt. Es wird unbarmherzig ' geprügelt. Unterleutnant Szücs ist ein sehr feiner Mensch,' < er ließ mit sich reden, ich gab ihm in mehreren Teil- - zahlungen etwa 6500 Kronen,, wofür er mir mehr ' Freiheiten-gewährte. Hanptmann Tipula und-Ober- ' lentnant..Bvhns sind wahre Wilde, sie behandelten . rrns, wie wenn wir verurteilte Sträflinge gewesen wären. - Wir waren etwa 170 Mann, als man uns aus dieser? Stadt fortbrachte. In Tvlna gab es wieder eineu-'gütDN"-''^ Leutnant, einen O e st e r r e i ch er namens H ö n i g, dem * ich 14.000 Kronen gab, wofür er mich in. eine Kanzlei steckte. Dort konnte ich jedoch nicht lange bleiben, da - ein Erlaß des Koposvarer Bezirkskommandos den strengen Befehl, enthielt, Juden-nicht in die Kanzleien zu nehmen, die jüdischen' Soldaten zu den strengsten- - Arbeiten heranzuziehen und jeden Juden, der sich marod oder krank meldet, mit 25 Stockstreichen zu bestrafen. Ich wurde abermals zu Grabungsarbsiten kommandiert und es regnete wieder die unbarmherzigsten Stockhiebe für jede Geringfügigkeit. Zn essen wird kaum gegeben. Will jemand für eigenes Geld etwas einkaufen, begleitet ihn ein Mann nnt aufgepflanztem Bajonett durch die Stadt wie einen , Sträfling. ' Es ist ganz irrelevant, ob jemand während de§ Krieges Unteroffizier oder Wachtmeister gewesen ist.. Auch das ändert nichts an der Situation, daß jemand Besitzer der goldenen Tapferfeitsmedaille ist. Er muß, graben und pflügen vom Tagesanbruch bis in die Nachjt hinein. Fällt der Mann um, dann konmlt der Stock. Sie sagen ganz einfach, wer diese Arbeit nicht erlernt, wird erschlagen, der Schaden werde nicht groß fein. So werden wir behandelt, gegen dje niemals eine Anklage erhoben, kein Verdacht l-aut geworden ist und feinerlei Verfahren eingeleitet wurde, die wir nichts anderes verbrochen haben, als daß wir als Juden geboren lvurden. Meine körperliche Konstitutton ist schwach',' ich wußte, daß ich daran zugrunde gehen muß. Es i)t einerlei, ob ich dort erliege, oder während der Flucht!' erschossenwerde. Ich bin daher geflohen, es ist Gott sei ' Dank, gelungen. Ich hielt in zwei Nachbardörscrn verborgen. Die Schwaben waren mir dabei behilflich. Denn das ganze Landvolk haßt die Horthy-Leute und' wartet schon sehnlichst auf das Ende dieses Regimes. Es wartet'darauf noch sehnsuchtsvoller, als eD das Ende des Kommunismus herbeigesehnt hat. Ueberall im Lände sprechen die Leute'schon davon, daß die Weißen sich nicht einmal zwei Wochen lanA mehr werden halten können. Die Inlandsaktion der Jüdische« Kinderfreunde. Der Verein „Jüdische Kinderfveunde" schreibt/uns; Die eingeleitete Inlandsaktion für Kinder, von der wir jüngst berichtet haben, weist sehr befriedigende Resultate <mf. Wir verzeichnen Gewichtszunahmen bei den einzelnen Kindern bis zu einem Kilogramm Pro. Woche. Leider ist die Zahl der beteilten Kinder eine sehr geringe, weil sich bis jetzt nur wenige Liebesgabenspender gemeldet haben. Das Wiener Kinderelend kann nur durch eine großzügige I n land 3 a ktion erfolgreich bekämpft werden. Die Auslandsaktivn ist verurteilt, Stückwerk zu bleiben, falls sie nicht durch kW -WMlchsH LMMÄtteü krgMs M

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