Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-09-16 · Heft 592 (16.9.1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 592 (16.9.1920)
Date
1920-09-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979670--05247-2991079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

/ / » yti. 592 'Wim. Donnersf^ Kt« Politische Kloake im Anseratenteil. Die famose „Vereinigung vieler gleichgesinnter Keirtschöstetttichtt" betreibt eine besondere Technik ihrer noblen Propaganda. Statt, wie etwa die' Ritter vom Hockenkreuz Und ähnlicher trauriger' Bodensatz an dem klebrigen Hexenkessel der „großen" Zeit, Gaskandelüber und Straßenwände mit den GWesprvdukten ihrer hetze* rischen Tätigkeit zu verunzieren, haben sie sich die »'christliche" Presse auserkoren, um mit seitenfüllenden tznseraten den politischen Kampf zuführen. Neulich regnete es Angriffe gegen Staatssekretär Dr. Renner, die in Wirklichkeit Len Eharäkler einer Propaganda des gsfittttÄNgsverwandten Horthy-Magyürien trugen. Nun fährt die mit landfremdem Gelb inserierende Gesellschaft gegen die „landfremden Ostjudm" auf. Der Hetzkatechismtts dieses lieblichen Frage» und Äntwortspiels sucht NUN Ktt behaupten, daß an allen unseren Nöten, an der Teuerung, -er Lebensmittel und Bedarfsartikel, dis ritt gewanderten Ostjuden schuld sind. Wie also bquen wir die^ Preise ab, wie heben wir unsere Valuta, wie finden wir für die Erzeugnisse unserer nimmerrastenden Notenpresse die fehlende Goldbedeckung? Worüber sich die Kündigen bisher vergebens den Kopf zerbrochen haben,- die „gleichgesinnten Deutschösterreicher" lösen das aatiomlökonomische Problem spielend: Ausweisen der eingewanderten Juden ~ und die Krone wird die Friedtzttspürität sofort wiedererlangen 1 Wieviel Juden find über seit August 1914 eingewandert? Schätzungsweise 860.000 Juden! Also mehr Juden, als es in Oesterreich überhaupt gibt. And nun kommt der eigentliche Zweck der Uebung. An der Duldung der Ostjuden sind nur die «Sszialdeinökraten, diese Judenschutztruppe, schuld,. die nur von Juden und JubenstäMMlingett geführt wird. Die „Gleichgesinnten" ' machen hier, wie man sieht, den Sozialdemokraten sehr unbegründete Vorwürfe, und man muß die Juden, die itt der Sozilademokratie führend find, ernstlich gegen die Beschuldigung in Schutz nehmen, alS würden sie im entferntesten daran denken, ihre jüdischen „Brüder" zu schützen. Die odiosen Ausweisungs- Praktiken sprechen eine allzu beredte Sprache. Jedenfalls aber merkt man, daß die Hetze rege zu werden beginnt Die jüdischen. Wähler werden an solchen Erscheinungen nicht achtlos vorübergehen dürfen und sich ihrer Pflicht, jüdische Vertreter ins neue Dolkshäus zu bringen, um so eindringlicher bewußt werden. An die Mische Wählerschaft. . Die Parteileitung hat beschlössen, in allen iu Betracht. kommenden österreichischen Wahlkreisen, insbesondere aber in alle« Wiener Wahlkreisendie jüdischnationale Einheitsliste „Stricker und Gensffen" aufzustellen. Nach dem neuen Wahlrechte werden alle in den verschiedenen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen einer Liste beim zweiten Skrutinium zusammengezählt und können weitere Mandate durch diese Stimmen erlangt wnvew . ■ * Di» jüdisch» ationale Hauptwahl* l ei tun g befindet sich: II., Taborstraße 20a. Unser Auskunstsbureau für den XX. Bezirk ist: Karl Me iß Ist ratze 5, Tür 1; föt den IX. Bezirk: Liechtenstein, ftraße 11, Tür 13. . Mi dir Bezirke VI bis VM- Auskünste In Wahlangelegenheiten, VI., Amerlingstraße 19, Hofstiege, täglich von 9 bis 2 Uhr nachmittags. Das zionistische Bureau, X.,Favotiten- Pratze 130, erteilt Auskünfte m Wahl* angelegenheiten täglich von bis 6 Uhr nachmittags. * Für die Bezirke XVI und XVll. Auskünfte täglich zwischen 2 und 4 Uhr nachmsiwo.s, XVI., Brunnengasse 41. M Heute 8 Uhr abends findet im Cafö Aeißl, II.» Große Sperlgaffe 28, eine Wählers erfammlung statt. Tagesordnung: Die Juden und die kommenden Wahlen. Referent: Abg.Ing. Robert Stricker. Verfügungen der Kärntner Plebiszit- Kommission. Rücktritt her Laibacher LaASesvegievUng. . Lnibach, 18. September. (Laibacher Korr.-Bur.) Lle^PlehMtkommission für die Kärntner Abstimmung hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, baß die jugoslawischen Truppen aus der Zone A zurückzuziehsn sind, ohne daß vorher oder gleichzeitig das italienische Militär aus Kärnten abgezogen wird. Weiters wurde beschlossen, daß auch die gesamW aktive Gendarmerie, die nicht aus gebürtigen Kärntnern besteht, die Zone A zu verlassen habe,, ferner, daß bis zur Beendigung des Plebiszits m ÄaMgufsichtm Über Großgrundbesitze gn suspendieren sind. Die Landesregierung für Slowenien hat im Hinblick darauf in einer außerordentlichen Sitzurrg heute vormittags ihre Demission beschlossen- Wir««» WrorgenMtnng Graz, 15. Septenlber. (Landtag.) In der heutigen Nachmittagssitzung des Landtages . erstattete Landeshauhtmannstellvertreter Dr. Ah rer den Bericht des zur Ausarbeitung eines Gesetzes, betreffend die Durchführung von Landtagsneitwahken eingesetzten Sonderausschusses. Das neue Wahlgesetz und das Gesetz wegen Abkürzung der derzeitigen Landtagsperiöde und Vornahnre der Neuwahlen für den Landtag gleichzeitig mit den Neuwahlen.Kr die Nationalversammlung wurden Mit einigen Abänderungen einstimmig astgenommen. Telegramme. Wladimir - Woltusk und Nohatyn von de« Polen genommen Warschau, 15. September. (Tel. der „Wr. Morgen» zeitung".) Der Gensralstabsbericht meldet: Unsere vorrückenden Divisionen haben. Wladimir»Wolinsk genommen und zahlreiche Gefangene gemacht. Im Gebiet von Breft-Litowsk heftige Kämpfe. IM Gebiet von Sökal haben dis polnischen Truppen den Bug überschritten. Die Stadt Rohatyn wurde erobert. Kowel von den Pole« besetzt. WÄchho«, 15. September. Aus Lublin wich tele» MphierL, baß die polnischen Truppen gestern Köwel besetzt haben. Padsrewski polnischer Gesandter in London? Krakau, 15. September. (Poln. Stimmen.) Der Warschauer Korrespondent M „Kurhtt Cobzienny" erfährt von angeblich gut informiertem Sette, daß P ade rswski zum vvlniMn Gesandten in London ausersehen sei. Die rumänische Gtenzsperre vrrläagrrt Bukarest, 15. September. (Damian.) Die zur Vermeidung der Einfchmuggelung von Nuöeluoten währender Zeit der Einlösung dieser Noten Ungeordnete Grenzsperre ist bis zum 25. d. M. verlängert worden. Die Einfuhr von Waren und die Einreise von Personen find nur in K o n st a n z a und itt T e M e S v a i gestattet, sonst nur mit besonderer Erlaubnis. Die Bolschewiken marschieren gegen Afghanistan. London, 18. September. (Tel.-Komp.) Ans Kalkutta wird dem „Daily Mail" gedrahtet: Bolschewikische Truppen, die in Buchara emgedrungen sind, marschiere« gegen Afghanistan. Afghanische Verstärkungen werde« in Eile gegen sie entsandt. Auruhe« in Petersburg? Paris, 15. September. (Del.-Komp.) MS -HelsittSfors wird gemeldet: Man erfährt, daß infolge der Nach-' richten Über die rnfsische Niederlage in Polen, die dis Svwjekkommissäre solange als möglich verheimlicht hatten, in Petersbmg schwere Unruhen ans ge» b rochen sind. Eine ununterbvochewk Kanonade wurde in der Zeit vom 22. bis 26. August uttd Während des ganzen verflossenen SeptembermvnatL in der Umgegend von Kronstadt gehört. Tragische Lage der Juden'in Odessa Konftantinopel, 10. Sepftmber. (Jewish Eorr.Buv.) Eine aus Odessa hier eingetwffene Gruppe von Inden schilderte die Lage der jüdischen Bevölkerung in ObössU als sehr verzweifelt. Sie führen einen Brief beS hebräischen Dichters Bialik mit, in -dem es heißt: Die Not der jüdischen Intellektuellen ist Unbeschreiblich, Nettst uns, machet alle möglichen Anstrengungen, um uns nach Palästina zu bringen, sonst werden wir während beK kommenden Winters zugrunde gehen. Die Kampfe mit de« türkische« NaLWnMfte«. Rom, 1s. September. (Funkspruch.) Nur Kor* stantinopel wird gemeldet, daß alle Bemühungen der britisch-griechischen Truppen, die Stellungen der Nationalisten bei Ksmid zu nehmen, bisher erfolglos geblieben sind. Die englische ArSeiterdelegaLion darf nicht «ach Big«. London, 14. September. (Rostü.) In dem in Portsmouth abgehaltenen Gewerkschaftskongreß machte der Präsident die Mitteilung, daß die Beschaffung der Pässe für die zwei Arbeiterdelegierten, die zwecks Kontrolle der russisch-polnischen Friedensverhandlungen sich nach Riga begeben sollen, unerwarteten Schwierigkeiten begegnet. Es wurde ein Antrag angenommen, dev die Regierung auffordert, den zwei Arbeiterdelegierten bei Beschaffung der Pässe nach Mga alle Erleichterungen zu gewähren. Die dör euMsche« BersarbeiLep. LvNdorr, 18. September.. (Frmksprilch.) Gestern fand die Konferenz des Arbeitrrdreiverbaudes statt. Durch das seinerzeit: ge Bersprechen, die Aktion der Bergarbeiter zu unterstütz-en. sind gewisse SchwisrigksitrN entstanden, an deren Behebung gearbeitet wirb. (58 verlautet Mit Bestimmtheit, daß aus das HollzugSkoMitee der Bergarbeiter der größte Druck ausgeübt werben wird, um fitz von der Forderung der Herobfe^nng dcr Kreilo drrHauS^ .: bründLoblü abLubriNLcn, 16 September 19Ä> Seite 8 Das im Trsffa^Okozeft. # Budapest, 15. September. (Ung. Lel.-Korr.-Bur.^ Düs Kriegsgericht veMndete heute vormittags daS Urteil im Prozeß gegen die Mörder des Grafen Tisza^ Die AngSklögten Stöphüfi Dobo und Wor SztaNy-! ksvfky wurden zum Tode durch den Strangs AwKander Hüttner zu 16 Jahren schweee« Kerkers mb Eugen Vago°WNheirn zu örse Monaten Gefängnis verurteilt, welche Strafe als diWÜ die Untersuchungshaft crbgehützt betrachtet wird. Die Mische« KlüchLttrrge in der Tschech»- Slowasisi Prag 14. Septenlber. (Tel. der „Wr. Morgens zSitung".) Der GeneMsekeetär der zionistischen OkgaB-l satwn in London Herr D. Landmän, .welcher Aesß^ Tage in Prag weilte, wurde vom Minister des Mntzem Dr. Benesch empfangen. Herr Landman ersuchte Sönl- Mnisier, di« Erlaubnis zn erwirken, daß die in allere letzter Zeit auf tschecho-flswakifches Gebiet äuS Polen und insbesondere nutz Ostgalizien geflüchteten Juden/ welche die drohende Ankunft der bolschWikischm Heew oder die Pogrome der Pstljura-Banden aus der Heimat^ vertrieben haben, biS zu ihrer endgültigen Auswandermtg itt andere Länder in der TfchechoMöwakei verbleiben können. Der Minister versprach, einen: speziell gegründeten Komitee?S o h n g 6 l ß g e n h e r t ft!r dtp Flüchtlings in eigenen Boraken zur Verfügung zu stellen. Das Komitee besteht aus der Prager Filialc' des Joint. Vertretern des Jüdischen NMsnalrMtz, des oW bischen Hilfskomitees Und des Prager PülästinaUmtss. .Dw Lebens^ und Geldmittel werden hauptsächlich dom Joint' beigestellt. , Blutige Stratzenkampfe in Kascha« KaWau, 15. Septembsr. (Tel.-Komp.) In der Stadt kam es zu blutigen Zusanrmenstößew zwischen slowakischen SoGaten und sibirischen Legionären. Die slvwüllschsn Soldaten hatwn einen heftig^ Wortwechsel mit ihren Gegnern im Arkus gehallt^ welchem S'Lraßenkämpse folgten. Durch M hiMi gewechselten Revvlvekfchüsse wurden Mi Soldaten Und eim Ara« getötet. ■ Ei« politischer Selbstmord t« Berli« Berlin, 15. September. (Tel. d«t „Wr. Mrgettzeitnng".) Die Tänzerin HiMgard PtüUMäNN, aus deren schwer belastelwe AussaMn hin Prinz unter dsm Bedacht, dm Mord Le fehl gegen Liebknecht undRosÄ Luxemburg mit dev Unterschrift ScheidsmanttL gefälscht zu Haben, Montag vschafter wurde, hat gestern abends! im Kokainrausch Selbstmord begangen. Siö soM heute Prinz gegrnttbergestellt werden'. Die Wafsenabgabe i« Deutschland. Herltn, IS. September. Heute begann an 25 verschiedenen Stellen die WafstNabAbe, die zunächst nur im ALntkMn stärküven-Umfang ünnahm, wo beveits einig^ hundert Getyehre und einige Mschin-sNgrwLhre tb4 gelieftxt wurden. Die Waffen rourdaN in GeMwattz brr Abliefernden unbüruchsar y«nmcht. Im Westen Md! im Norden Berlins wat die Waffsnaögabe sthr gering.! Der ruteruatiouals Gerichtshof London, 15. September. Kunkspruch.) Bei der nächsten Zusammenkunft des Bötterbundrates m Hrüjsol weäen Entscheidungen Über die Aufstellung eines ständigen internationalen GerichlStzosts getrosten Mrd«nZ' dieser Gerichtshof dürfte seinen Sitz im Haag Habens Die Vorgänge 1« Lrisft. LaiSach, 14. September. (Südslaw. Pretzbur.) Ben Blättern zufolge ist die Lage itt Triest fortgesetzt äußerft gespannt. Noch immer WM in den Straßen geschossen. Die Gefängnisse find mtt Derhüfwten überfüllt. Mikärabteilungen pattvnillieven in den Straßen, in denen sich nach 10 Uhr abends niemand zeigen darf- Gestevn Mitternacht sollte dev Generalstreik abermals ousbrechen; »r wuM aber abgesagt. Ramtnm auf der Heimreise. « Rückkchr"närh Englaätz, daß ef uklwöalich ist, Htte’f lagt für die VerhandlaNM zu findm. Et l «»ck lsrtaestUk. . e Grundh4t tzkstem srwr Äeist Eine Wendung Ln der Emigrutionsfeage in Ämerika. New-Aork, 11. September. (Jewish Corr. Bur.) Me American Federation of Labout, die bekanntlich die Migrationsbeschränkungen unterstützte, hat letztens ihre Haltung in der Einwanderungsfrage gründlich geändert, Auf der letzten Konvention hat sie öefchlosien, nn New- Norker Hafen ein spezielles Arbeitsrimmigrationsbureau zu gründen mit der Aufgabe, dis ankommendm Arbeiter . zu orsaNisieren und ihnen ein entsprechendes Arbeitsfeld. SuzuivLifÄt. Auf diese Weise soll einersetts die Konkurrenz! und die Herabdrückung des „Standard os jivina" des amerikanischen Arbeiters, andererseits die Ueberfüllunck gewisser Industrien verhütet werden. Die jüdischL Arbeiterwelt in Amerika, die ihren guten Teil an dem Zustandekömmm dieses Beschlusses chm, begrüßt mst großer GrnuatuMg diese neue Wendung, denn m tm ait wird der jüdische AroetterMgrant bei seiner Ankunft im Hafen nicht Mehr schütz, und rechtlatz daswhen, svnperff sowohl in rechtlicher als auch in wil-tfch^Wchsr Hinsickk' tMsm MttWML ftatey

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.