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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-11 · Heft 589 (11.9.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 589 (11.9.1920)
Date
1920-09-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ät 88S feieit, Samstsff Lbßsreist. — Da die Reise der polnischen FrlebenSvbordnung von Danzig nach Riga Schwierigkeiten begegnet, hat die polnische Regierung um Beistellung eines < britischen Kreuzers ersucht. — Nach der „Prawda" werden die Friedensverträge mit Lettland und Litauen üm 15. September in Kraft treten. Vre Typhusepidemie in Polen- . Loydost, 9. September, (Fnnkspruch.) Dev Rat beS Völkerbundes hat nicht, wie irrtümlich genieldet wurde, zehn, sondern nur zwei Millionen Pfund zur Bsfämpfung dev Typhusepidetiffe in Polen zur Beringung gestellt- Die Gesundtieitsverhältnisse in Polen sinh ci u ß ex ft b 'c f orgniZerrege n d. Nach der 'ZÜsanrmenstellttng dös VölkechtuidWes gab es im Jghre 1917 in' ganz Polen 4-1.000 Typhusfälle, tat Jahve 1919 Z31.OOO unb für 19*20 wird mit insgesamt . 36O.OOO Typhus erkoankungen gerechnet. Die Verhältnisse sind auch weiterhin trostlos. Während'des Krieges sind i|t Polen 325.000, in G a l iz tc U .438.000 Häuser zerstört wort er,. M an g e l a n Reinlichkeit, Wo h it u ngs »»: angel und die Tatsache. daß die ans Rußland Coutmi’nbett Kr ie g sflslch tliuge znnu'ist verseucht sind, erschtvSren die Bekämpfllng der ansteckenden Krankheiten ungemein. Die Ppiu. Völierbundvat bewilligten zwei Mil-' lionen Psulch sind für Kleidung, Nahrung, Einrichtung von Bädern, .für Mchikamente und für die Bezahlung der Aerzte bestintmt. Ern Sohn Trotzkis gefallen. - Paris, IO. September. (Tel.-Komp.l Der „Temps" ntelöet aus Warschau, daß der'Sohn Trotzkis in den jüngsten Gefechten bei Pnltnsk gefallen ist. Birrzew i« Prag. Prag, 10. September. „Narvdni Lilly - melden: B u r z e w besuchte heule den MtUister des Austvartigen Dr. B e u es ch. Morgen wird er vom Präsiden trn Masaryk in Audienz empfangen- Die Kämpfe in Mesopotamien. London, ll.^Septeuwer. (Wolfs.) Des Kriegsamt ver- 6f>Lirtlicht folgenden Bericht: - Am Euphrat, erfolgte ein Angriff der Ichurgenten, »velche. Bo uib e n warfen, dis sie. auseinem Panzerzug entnommen hatten, Dir BMrid- Btzhu iß vis Samara nnsdexvesytzt worden'und die .Züge könn-eil jo >veit tvkröer verkehren. Eilte Abteilung persischer Kosaken, die pou M-mjil kamen und sich in nördlicher Richtiliig pejpegten, hatten ein Gefecht mit Noten Truppen, die äitrüssgeschlageit wltrdeti. ' Die Grenzen des Libanon-Staates. Bryrut, 5. September. (JÄvisb Corr. Bur.) lieber die Grenzen des unter srauzösischem Oberkommissariyt proklamissrten Libanon-Staates verlautet, daß sie im Süden a>t PaMmn und im Westen' an die Hoheit des Aitti- Li b an ö n gezogen sind. ' Ein Stvatzenkampf in Triest München, 10. September. (Tel. der „Wr. Movgen- Zig.".) Die „Münchner Neuesten diachrichten" meldet: aits Lugano: In Trieft kam es während der Beerb igltttg eines Opfers der letzten Zwischenfälle zu einem heftigen Zusammenstoß mit der Polizei. Bisher wurden zwei Tote und dreißig Schwerverletzte festgestellt. Zusammenschluß der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten. Prag, 10. September. (Tel.-Konip.) Die Partei- Vertretungen der tschecho-slowakischen und der deutschen svzsgldMokryatischen Arbeiterparteien traten heute zu einsx gemeinsamen Beratung über die Frage des ZusamMUschlnsses der tschechischen, und deutschen, sozialdemokratischen Arbeiterschaft zwecks Bildung einer gemeinsamen politischen Kampffront zusammen. Dw Konferettz gab ihrem einmütige»: Willen zur Darstellung der politischen Kampfgemeinschaft in den: Boschlutz Ausdruck, daß siedie Führer der beiden Partei- Vertretungen beauftragte, unverzüglich an die Ausarbeitung eines Eiüwm'feL der.programmatischen, organisatorischen tmd taktischen Grundlage:: des Zusammenschlusses zu schreiten und diesen Entwurf ehestens einer neuerlichen gemeinsamen Sitzung der beiden Partei- Vertretungen vorzulegen. Der^ Handelsvertrag zwischen Jugoslawien und Oesterreich. London, lO.September. (Lel.--Komp.) Jugoslawien und Oesterreich haben einen Handelsvertrag auf derselben Grrmdlage wie Italien und Oesterreich abgeschlossen. Die Regierung von Belgrad hat den Vertrag noch nicht bestätigt, trotzdem bereits zwei Ergänznngsabkommeu in Kraft getreten sind. Auf Grund dieser Abkommen hat sie 15.000 Tonnen Getreide und 40.000 Tonnen Mais nach Wien gesendet und wird demnächst weitere 50.0W Tonnen Getre:de und 110.000 Tonnen Mais sowie 10.000 Tonnen Gerste und andere Lebensmittel abschicken. Im Austausch hiefür wird Oesterreich Metall, Fahrzeuge, Papier, gewebte Stoffe, Chemikalien und Farbstoffe sowie Lokomotiven nach Jugoslawien liefern. Kulturarbeit in Eowjetrnßland. Stockholm. 9. September. (Meldung Rosttl Wien.) Aus Moskau wird vom 7. d. M. gemeldet: In Omsk funktioniert eine Ä r b e i t e r f a k u l t ä t mit JO 0 Hörern. In der nächsten Zükunst wir» ebendaselbst eine Schule für Ku n st- > n d n st r i e eröffnet mit 5 Jahreskursen. In mehreren Städlu: Sibiriens ist die Grrichtuna von * '»* « m AnSficht genommen. Wiener Morgenzetturig il!'(Sepi£m§tt Omi Nur noch vier Tage liege« die WShlerlisten zur Einsicht auf. Die Parteileitung hat beschlossen, in alle» in Betracht kommenden österreichischen Wahlkreisen, insbesondere aber in allen Wiener Wahlkreisen, die südischnationale Einheitsliste „Stricker und Genossen" aufznstellen. Nach dem neuen Wahlrechte werden alle in den verschiedenen Wahlkreisen abgegebenen Stimme» einer Liste beim zweiten Skrutinium zusammengezühlt und können weitere Mandate durch diese Stimmen erlangt werden. Jeder jüdische Wähler, in welchem Bezirk er auch wohnt, muß sich unbedingt um sein Wahlrecht kümmern und es reklamieren, wenn sein Name nicht in der tzausliste, respektive Wählerliste vorkommt. Der Verl u st einer jüdischen Stimme kann daher den Verlust eines jüdischen Mandats bedeuten! Neklamiert sofort Euer Wahlrecht selbst oder durch das Unterzeichnete Bureau! Die jüdisch-nationaleHauptwahlleitrmg II. Taborstraße 20a Ausk ü nfte und Durchführung von R e K l a m a t i o n e n H aup tbur e au. II., Taborstratze 20 a, v o n 9 bl 5 12 11 h r vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags. Unser Reklamationsbureau für den XX. Bezirk ist: Karl Meitzl st ratze 5, Tür 1; für den IX. Bezirk: L i e ch t e n st e i nstratze 11, Tür 13. Das zion.istische Bureau, X..Favoritenst r a tz e 13 0, erteilt Auskünfte in Staatsb ü r g e r fch a f ts a ng e l c g enHerten (Option) sowie Wahlangelegenheiten täglich von 3 bis 6 Uhr nachmittags. » Gesinnungsgenossen tut d »g f n offiue»:, die im Wahlsprengel XIII, das ist Taborstratze 8 bis 40, Praterstraße 7 bis 61, Große Mohrengasse 3 bis 29 und 12 bis 44, Zirkusgasse 1 bis 41 und 10 bis 36, ferner Schmelzgafse, Komödiengasse, Weintraubengasse und Schrott-Gießergasse wohnhaft, werden ersucht, heute Samstag den 11. d. M. präzise 1!S Uhr abends im Sitzungssaale des Jüdischen Nationalrates, Taborstraße 20 s zu einer wichtigen Besprechung zu erscheinen. * Im Prater Hai die Sektion XMI ihre Arbeitstätigkeit im ehemaligen Cafe Glaser, Stuwerstraße 13 ausgenommen und erteilt von 3 bis 9 Uhr abends Auskunft in Wahlangelegenheiten. * Option und Wahlrecht. In Ansehung des Wahlrechtes können Optionserklärungen in allen amtlichen Wahlreklamationsstellen während der Dauer der dortigen Amtsftunden (von 3 bis 7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 12 Uhr) bis einschließlich 14. September ' müi:dlich zil Protokoll abgegeben werden. Achtung! N a ch e r so lg ter Option genießt jeder m a tttt das Wahlre ch t! Alle jene, welche optiere» wollen, möge« sich unverzüglich an das Haupttnreau des Jüdischen Nationalrates, XI., Taborstraße 20 a, wenden. ■narnnffinnannnpaMnanaMMHiMi Tagesbericht. Der Herr Bezirksvorsteher. Wir michter: der jüdischen Oefsentlichkeit bereits die merkwürdige Tatsache Mitteilen, datz die sozialistischen Bezirksräte der Leopoldstadt im Bunde mit den Anti« semiten die Behörden dazu veranlassen wollen, eine ganze Bevölkeruugsschichte vom redlichen Erlverb auSzu» schließen imb ihnen die Erlangung von Gewerbescheinen mtd Konzessionen unmöglich, zu machen. In der vorletzten Sitztmg der Leöpoldstädter Bezirksvorstehung stellte nämlich der christlichsozoiale Bezirksrat Jünger beit Antrag, „an maßgebender Stelle darauf hinzuwirken, daß in Hinkunft an Personen, welche nach dem August 1914 nach Wien zugereist find und sich bis jetzt noch nicht als Deutschösterrei'cher erklärt haben, keine Konzessionen n n d G o w e r b e s cb e i n e verliehön werden^'. Daß diesec Antrag eilt Attentat gegen die jüdische Bevölkerung bedeutet, durchaus reaktionär und mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahle»: als antisemitischer Kampfruf zu wertet: ist, muß nicht weiter erklärt werden. Es ereignete sich um: die unglaubliche Tatsache, datz die sozialdemokratische Fraktion der Bozirksvertretnng mit den Chrrstlichsozialen stinnnte und daß nur die vier jüdischnationalen Bezirks rate ein Gegenvotum abgaben. In der BezrkSratssitzung vom 9. September brachte nun der jüdlschnationale Bezirksrat Dr. Abeies einen Antrag ein, in welchem zunächst darauf hingewiesen wurde, daß nur die absolute Gewerbefreiheit das Gei mejnwohl fördert, und „dis matzsshenden Behörden -uK gefordert werden, darauf zu achten, daß kein Bewerber; bei welchem die gesetzlichen Bedingungen vorliegen, vypt der Erteilung neuer Konzessionen und Gewerbescheins ausgeschlossen bleibt". Zur Begründung seines Antrages führte övr Antragsteller a:ls; Wenn die Christlichsozialen^j welche programmatisch auf den: Standpunkt eines mittelalterlichen Zunftzwanges stehen und seit jeher besirehh sind, die Juden ZU Menschen zweiter Klasse herabzni drücken, jüdische Mitbürger vom Gewerbe und konzessivl nierten Handel ansschließen möchten, so ist hgS kein« Ueberraschrmg für uns, Nenn aber hie syzigldempkratische Fraktion Mann für Mann für jenen famose^ Antrag stimmte, der ein Attentat ans die O'-ewerhefreiheil bedeutet uyd ausgesprochen atttisstniffsch ist, so hqt sie damit ihre wichtigsten Parteigrnndsätze pveisgegehen, Der; sozialdemokratische Bezirksvorsteher Berdiezowep hat bei seinem Amtsantritt das Eintreten her Sozial* Demokratie für die ahsolute Gewerhefreiheit M wichtigsten Programmpunkt hervorgehoben. Jedem- Tüchtigen müsse die Bahn frei sein. Wiederholt habe sich der Herr Bezirksvorsteher in konkreten Fällen anläßlich der» Beratungen der BezirkZvertretllng dahin, ausgesprochen^ daß die Erteilung von Kotizessionen und Gewerbescheinen! an Personen, lvefche die Bedingungen erfüllen, im Inter-, esse der Bevölkerung und aus Grundsätzen der Gerechtigkeit nicht beschränkt werden -üpse. Ganz unerwartet hak! sich nun die sozialdemokratische Majorität im Bunde mit! den Christlichsozialen bereitgebunöen, jetten rückschritt-! sichen, judenfeindlichen Antrag zun: Beschluß zu «vj heben. Wir erinnern die Sozialdemokraten an ihr Programn: m:d fordern sie auf, für unseren Antrag ztt stimmen. Es ist bezeichnend, daß Herr Bszirksvorsteher B'e r^ diczower als Wortführer seiner Fraktion gegen den jüdischnationalen Antrag auftrat. Er hatte die Stirn^ Zusagen, daß die ,,bodenstät:d:ge Pevölker>u:g"Pegen bix Zugewänderten, die hier nur ein Gastrecht genießen, fifc-! schützt werden müsse, und erlairbte sich den traurigen Witz'.^ der christlichsyziale Antrag sei gar nicht gegen bitj Juden gerichtet, beim das Wort „Jarde" komm« darin gar nicht vor. j In seiner .Antwort sagte der Bezirksrat Dpttorj Abele8 : Es muß festgenagelt werden, daß der s-ozial-i demokratische Bezirksvorstehor Berdirzok>er, der, wie schoU sein Name deutlich zeigt, selbst ein polnischer Jude ist, dessen Familie sich nicht allzu lange in Wien! vushält, von „Bodenständigen" spricht, seine BolkS-i genossen der Reaktion preisgibt und ins chrichlichsozial» Horn stößt. Es sei uns bekannt', daß die sozialdemokra-i tische Partei der Leopoldstadt unter Borfitz des näm-« lichsm'Herrn Berdiczowev beschlossen hat, bei den fymA menden Wahlen mit allen Mitteln die jüdischnationalel Liste zu bekämpfen und mit ganzer Kraft die Er»» Längung einer Bertretnug des jüdischen Volkes im Abge^ ordnetenhans zu verhindern. Wir wissen, daß nur die! jüdischen Herren Genossen und insbesondere Herr Ber^ diezotver selbst diese Taktik fordern. Wir fürchte«! die sozialdenwkratische Gegnerschaft nicht, aber eines Partei, welche derart ihr Programn: verrät und' di« jüdische Bevölkerung in Wien preisgibt wie die Herrerr Berhiezower und Genossen, hat nicht das Recht, um! jüdische Stimmen Zn Nurben. Die Jachenheit WienÄ weiß zu gut, daß der Ausschluß der Inden von Handels und Gewerbe von den Christlichfozialen und Deutschs nationalen schon zur Zeit gefordert wurde, als es im Wien eine Ostjudenftage noch nicht gab nnd daß bi« Sozialdemokratie die ganz« jüdische Bevölkerung -der Reaktion auSsieferi, wenn sie für solche Anträge stimmt^ ~~ Auch die jüdischnationalen Bezirksräte P la s ch ke s, R ap p a p o r t und .Po l l a k griffen in die Debattü ein. Besonders hervvrgehoben muß uoch werden,^ baß auch Bezirksrat Hoff mann von der Schwarz^ Hiller.Par Lei sich gegen den Antrag aussprach')' Der Antrag wurde schließlich mit ollen Stimmew gegen die vier jüdisch nationalen ab ge lehnt, was de« Bezirksvorsteher Berdiezower mit Genugtuung Lonsta-r tierte. Die jüdische Wählerschaft weiß jetzt, was sie zw gewärtigen hat, wenn das jüdische Volk bei den kommen^ den Wahlen die bewußtjitdische Vertretung embüßt un» wes. Geistes diejenige n sind, »uetcfjc sic „mit alkufi Mitteln" harangieren wollet:, nichtjüdisch zu wähken.! Blatternsöll« in Wien. Amtlich wird verlantbart: Am 17. August wurde cir: drei Monate altes Kind aus Schönabrunn - beS Prelleukirchen (Bezirk Bruck an der Leitha) im Rudol-! finerhails aufgenonnnen. Dieses Kind erkrankte in deni nächsten Tagen an Blattern, worauf eS" in dev Blatternbaracke des Kaiser Franz Josef-Spitals mter^ niert wurde. Von diesem Falle'sind zwölf weitere (5*4 krankuugen ausgegangen, die sämtlich Pfleglinge und! Pflegepersonen des Rudolfinerhauses betreffen. Acht! hievon sind Säuglinge, vier Erwachsene. Die Behörden haben alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um eine Peitecverbreitung der Krankheit zu verhindern. Dennoch ist es geboten, daß olle Personen, di« innerhalb der letzten sechs Jahre nicht mit Erfolg geimpft oder wiedergeimpst worden sind, sich der Blatternschutz'' impfung unterziehen. Die öffentliche tiuentgeltlich« Impfung wird in den magistratischen Bezirksämtern von den städtischen BezirkKärzten täglich zwischen 3 und 4 Uhr nachmittäds, an Sonn- und Feiertage»: von 3 bis 10 Uhr vormittags vorgenommen.

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