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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-11 · Heft 589 (11.9.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 589 (11.9.1920)
Date
1920-09-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6ettt? Wien, Politische^imdschau. Die Verhandlungen zwischen Polen «nd Litauen. Aus Warschau wird berichtet: Am 7. d. M. erhielt Minister de? Aeugeru Sapieha vom litauischeir rOiinifter des Aeußerp Purieikis di« nachstehende Depesche: „Die li'auische dkegierung bedauert, daß sie ^er Forderung der polnischen Regierung nach Zurückziehung der litauischen Abteilungen hinter die bezeichnexcu Linien nicht' Folge leisten könne. Das Verlassen des litauischen Territoriums, das sich schon im Besitze des li'anischen Staates befindet, käme einer B e r l e tz u n g der N e u t r a l i tat gegenüber R uhl 2 n d gleich. Di.: litauische Regierung erachtet bie Auslassung der Okkupation dieses Gebietes, das sie als zu Litauen gehörig Qusieht, für unmöglich. Die trmuiscke Regierung, die dem Blutvergießen Einhalt - g-.'öielsn und ihrer Friedenspolitik gegenüber Polen Ausdruck gehen will, schlägt nunmehr die Einstellung der Feindseligkeiten und die Entsendung v?n Delegierten zwecks Festsetzung einer Demarkationslinie vor. Die Begegnung der Delegierten könnte in Mary am pol erfolgen. Nach Fst,etzung der Demarkationslinie ist die litauische Regierungbereit, sofort Verhandlungen behufs. Lösung aller strittigen Fragen auzuknüpfen. Als Grundlage dieser strittigen gen nimmt die litauische Negierung die durch dne litauischen und polnischen Delegierten aus der Kon-'' serenz in Riga vereinbarten Punkte an." In Beantwortung dieser Note sandte Minister Sapieha am 9. d. M. das nachstehend« Telegramm zuhanden des litauischer: Charge d'affaires in Berlin ab: „Die polnische Regierung stehlt Mnrit feffc, daß die litauische Regierung die .Neutralit ät «ejxeit* über Polen verletzt bat und weiterhin verletzt:. Die polnische Regieruna nimmt die fttaui'/bm Vorichläae unter den u--Ä>ltebeuden Bedincurnaru aerue an: Die Festsetzung einer neuen Demarkationslinie zwischen Polen und Litauen kann nicht Gegenstand der Verhandlungen sein, da die Grenzen aus dem Territorium des ehemaligen Gouvernements Suwalki durch den Obersten Rat bereits festgesetzt sind. Litauen verpflichtet sich zu unbedingter Neutralität angesichts des Krieges zwischen Polen'und Sowjetrußland. Als Verhandlungsort schlage ich Kalwarya vor. Die polnische Regierung erneuert ihren Protest gegen daS Eindringen li amsch.r Truppen auf polni,cheZ Territorium, weil dadurch alle Bemühungen der polnischen Regierung paralistert werden." Sir Stuart Samuel an die litauische Regierung. Aus Howno wird uns berichtet: Das Mini« sterium für jüdische Angelegenheiten in Litauen dersandte dieser Tage an sämtliche politischen Parteien und Politiker des Landes ein Exemplar des Berichtes Sn Stuart Samuels über die Lage der Juden in Polen. In dem Begleitschreiben des jüdischen Ministeriums wird unter anderem ausgeführt: Sir Stuart Samuel verfolgt mit großer Aufmerksamkeit und tiefem Interesse die Entwicklung des neuentstandenen litauischen Staates im allgemeinen und den wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des jüdischen Lebens, im besonderen. Er steht mit dem Minister für jüdische Angelegenheiten Dr. S. Solowejczik in ständigem Breifwechsel. In einem seiner jüngsten Briefe drückt Sir -Samuel seine Sympathien fiir die Selbständigkeit Litauens und seine Zufriedenheit damit aus, daß dm Juden in diesem Lande die Möglichkeit geboten ist, ein freies nationales Leben zu führen. Er schreibt: „Ich kann Sie versichern, daß die litauische Negierung aus eine starke Unterstützung und Hilfe der britischen Inden zuversichtlich rechnen kann." Der Kongretz des französischen Eisenvahnerverdandes Der Kongreß des französischen Eisenbahnerverbandes hat mit 155.478 Stimmen die reformistische Tagesordnung, der Bidegaray zugestimmt hatte, gegen 116.497 Stimmen, die auf die extremistische Tagesordnung entfielen, angenommen. In der angenommenen Tagesordnung wird festgestellt, daß der Äusstarid im Monat Mai die Grundlagen der gewerkschaftlichen Organisation der Eisenbahner nicht verletzt habe, daß jedoch der Streikbeschluß an Wirksamkeit, gewonnen hätte, wenn zwischen der C. G. T. und dem Eisenbahnerverband ein vollständiges wirkliches Uebere'mkommen erfolgt wäre. Ter Kongreß nahm sodann mit 294 , gegen 118 Gewerkschaftsstimmen einen reformistischen Antrag, he« treffend die Richtnngslinien für die Gewerkschaften, an. worin die Gewerkschaftsautonomie unter Ausschluß der Einmengung in die Politik als Leitsatz ausgestellt wird. ' Vom internationalen Standpunkt spricht der Antrag sein Vertrauen ausschließlich einem internationalen gewerkschaftlichen Verband aus, der von allen politischen Intrigen fei ist, entbietet den russischen Arbeitern seinen Gruß, tritt für eine Aktion zur Verhinderung der Verlängerung des Krieges ein, spricht den englischen und italienischen Arbeitern die Sympathie aus und verpflichtet die Eisenbahner, den internationalen Vorstoß der Arbeiter zur Befreiuna der. Arbeit wmvatbsich. zu Verfolgen. Wiener Morgenzeitung Aus Palästina. Zusammentritt der Mischen Konstituante in Palästina. ‘ Jerusalem, 7. September. (Jewish Corr. Bur.) Die Asftifat Han'wcharim (Jüdische Gründungsversanmw lung) wird ihre erste Tagung am 7. Oktober abhalten. Zur Beratung steht die Hauptfrage der Ersetzung der Zionist Comrnifsivü. durch *'dn unabhängiges Ausführungsorgan,. das von der gesamten palästinensischen Judenheit gewählt werden solli ' , > Rücktritt des Gsrwernenrs in Haifa. Jerusalem, 7. September. (Jewish Corr. Bur.) Der Gouverneur von Haifa, Colonel Staunten, der aus ^seiner Abneigung dem Zionismus.gegenüber keinen Hehl machte, hat . seine Demission gegeben. Der Ober--, kommissär Sir Herbert Samuel hat bie Demission angenommen- . Für den Ausbau des Hakens in Jaffa. Jerusalem, 7. 'Septembsx.' (Jewish Corr. Bur.) Eine belgische Gesellschaft beabsichtigt/ den Hafen hon Jaffa äüstzubäuen.' Sie hat Experten entsendet zur Ausarbeitung genauer Pläne. Der Gesellschaft gehören auch palästinensische Jriden an. Die MeLaKarbeiLerheWegung irr Italien. R o tu, 10. September. Wie die „Trlbuna" erführt, ist arrsKeirreud in der wirtschaftlichen Frage eine Einigung erzielt worden. Es bandelt sich nunmehr nur noch darum, eine Formel zu finden, die die beiden Parteien des friedigt. Das Blatt rft der Ansicht, dast der Streik unter Umständen noch heute abends oder morgen früh beendet wird. Inland. Die österreichifcke Delegation für die Brüffeler Finanzkonferenz. Wie bereits bekannt, hat das Generalsekretariat des Völkerbundes die österreichische Regierung eingeladen, De*eg erte zu der am 23. September in Brüssel zusammentretenden internationalen Finanzkonferenz zum Studium der allgemeinen Finanzlage und der Währungskrise zu entsenden. Die österreichische Regierung hat als ihre Delegierten den Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch und den Sekftonschef im Staatsamt für Äeußeres Dr. Schüller nominiert. Die Verhandlungen Aber die neue Verfassung. Die Korrespondenz Austria meldet: Die von der vorwöchigen Konferenz der Ländervertreter und des Verfafsungsunterausschnsses beim Präsidenten Seih eingesetzten Subkomitees haben ihr« Arbeiten der Hauptsache nüch beendet. Heute vormittags treten Präsident Seitz, Kabinettsleiter Staatssekretär lHr. Mayr urü» die Abgeordneten Dr. Bauer und Dr. Seipel zusammen, um die Ergebnisse der Partelenverhandlungen dieser Subkomitees ftstzustellen, DaK Plenum der Nationalversammlung wird am 21. d. M. zusammentreten und voraussichtlich bis 2. Oktober lagen. Die Mwderhritsschrrlen. Das gestrige Amtsblatt veröffentlicht die Dienstes anweisung des Unterrichtsamtes betreffend die Durchführung der auf das Schulwesen Bezug.Habenden Bestimmungen des Friedensvertrages. Artikel 67 des Vertrages' bestimmt, daß österreichische Staatsangehörige, die einer Minderheit nach Nasse, Religio n «der Spra che angehören, .in der Republik Oesterreich dieselbe Behandlung und dieselben Garantien, rechtl'chund faktisch, wie die anderen österreichischen'Staatsangehörigen genießen; insbesondere haben si'ö'^in gleiches Recht, auf ihre eigenen Kosten Wohltätigkefts-, religiöse «der soziale Einrichtungen, Schulen und andere Erziehungsanstalten zu errichten, zu verwalten und zu beaufsichtigen mit der Berechtigung, in denselben ihre eigene Sprache nach Belieben zu gebrauchen und ihre Religion frei zu. üben. Artikel 68, Absatz 1, des Staatsvertrages bestimmt, daß die österreichische. Regierung, was das öffentliche Unierrichtswösen anlangt, in den Städten und Bezirken, -wo österreichische Staatsangehörige eine andere als bis deutsche Sprache sprechen und einen verhältnismäßig beträchtlichen Teil der Bevölkerung bilden, angemessene Erleichterungen gewähren wird, um sicherzustellen, daß in den Volksschulen d^n'Kindern diestt österreichischen Staatsangehörigen der Unterricht in ihrer Muttersprache erteilt werde. Diese Bestimmung wird die österreichische Regierung nicht hindern, den Unterricht in der deutschen Sprache in den besagten Schulen zu einem Pflichtgegenstand zu machen. Gemäß Artikel 68, Absatz 2, ist in Städten und Bezirken, wo eine verhältn'smäßig beträchtliche Anzahl österreichischer Staatsangehöriger wohnt, die einer Minderheit nach Nasse, Religion oder Sprache an gehören, diesen Minderheiten von allpn Beträgen, die etwa für Erziehung, Neligionsober Wohltättgkeitszwecke aus öffentlichen Mitteln in Staats-, Gemeinde-oder anderen Budgets ansgeworfen werden, ein angemessener Teil zu Nutzen und Verwendung gesichert. i 11. September 4920 <5tr.'58$7 ---;-—---:-—4 v. Telegramme. Take IoneSe« über die kleine Entente. Paris. 10. September. Take Joireseu erklärt^ in Aix-les Bains in einer Unterredung mit dem Korre-, spomdenteir des „ExcMvr" über die kleineEntonie/ diese sei Nur im Vergleich mit der Entente der West-i machte klein, an sich aber groß. Polen könzre nichÜ' außerhalb einer solchen Entente bleiben. Vorläufig blldv? die.Grundlage des Bündnisses der Tschecho-Slowakeis und Jugoslawiens sowie d«e- Feststellung der Inter-' esisengemeinschaft zwischen Rumänien und der.T^hecho-- Slowakei der Vertrag von Trian,on, der unversehrt bleiben müsse. Man müsse mit der Möglichkeit, rechnen, daß die besiegten Staaten sich wieder untereinander verbinden, voran daZ so folgsame Oesterreich. Dürunr sei auch Rumänien mit der Tschecho-Slowakei und' ' 5^'roslawien übere^naekommen. das Möalickckte aufzu-! bieten, um Oesterreich das Leben erträglich zu gesta lten. Ueber die Donau-Konferenz sagte! Take' Jonescu, Jugoslawen, die Tschecho-Slowaken und! die Rumänen werden sich der Wahl Budapests als Siw der Donau-Kommission w i d e r fe tz e n. Wenn man! sich für eine einzige Kommission entscheide, so.sei Gala tz a"s deren Stz ange^eigt. Wenn man sich für zw er Kommissionen entscheide, so könne für die zweite Preßb urg oder Wien in Frage kommen. Die Sowjetregiernng für die «ngarschen Volkskommissare. Br-apest, 9. September. (Rosta.) Tschitscherir^ hat an den ungarischen Minister des Aeußern ein Tele-/ gramm gerichtet, worin er ihm mitteilt, daß bie vom dem Budapestsr Schwurgericht stehenden ein st'gen Volks/ kcmmissäre Agoston, Bajaki, Bokanyi, Dooesak, Haubrich') Kalmar, Kolar, Nyisztor, Szabados und Vantos unduS dem direkten Schutz der russischen SowjetregierunA stehen. In Anbetracht der diesen Polkskvmmissäre^ drohenden Gefahr hat die Sowjetregierung 1000 aun russischem Gebiete befindliche ungarische Offiziere in? einem Sommerlager internieren lassen... Von diesen! werden zehn als unmittelbare Geiseln betrachtet, denen! dasselbe Schicksal bevorsteht, das die ungarische Regie-j rung den erwähnten Volkskommissaren bereitet. Die litauische Regierung in Wilna. Kowuo, 7. September?' (Jewish Corr. Buw) Dis litauische Regierung übersiedelt demnächst nach Wilna) Auch das Ministerium für jüdische Angelegenheiten wird! nach Wilna verlegt werden. ‘ Polen bleibt an der Eurzon-Linie stehen. Paris, 10. September. (Funkspruch.) Meldungen auSs Warschau teilen mit, daß die polnische Offensive beendet' sei und die polnischen Truppen befestigte Stellungen^ längs der Curzon-Linie einnehmen ^werden. Die Führer der russischen FriedensdelsgaLrom Warschau, 10. September. (Tel. der „Wr. Morgens ztg.".) T sch it scher in gibt in seiner Note die Name» der russischen Delegierten für die Friedensverhandlungen ln Riga bekannt. Vorsitzender ist Jo ffe, zweiter Deke/ gierter Dimitri Zacharowitsch Manuilow, Volkskomi missär für Landwirtschaft, dritter Delegierter Leo nid' Leonidowitsch O b o le n s k y, Mitglied des VolkS^! kommisfariats für Finanzen. Aus dieser Note geht her^ vor, daß die Nachricht, die Sowjetregierung werbe keins Delegierten nach Riga entsenden, unbegründet ist. Der polnische Frontbericht. , WMschau, 10. September. (Poln. Tel.-Agentür.)' Kriegsbericht vom 9. d. Gebiet von Suwalki ist dre Lage unverändert. Ein Angriff des Feindes auf Sidca wlcrde abgewiesen. Unsere auf verschiedeneuj Punkten der Front unternommenen Ausfälle führte» zur Besetzung der Stadt Ko Wale Kusnieza der Eisenbahnstation Zabinka sowie der Orte Wilkaryte mtff Malochte. Der Feind führte hartnäckige Angriffe, urn> die verlorenen Ortschaften wieder zu erlangen. Besonders hartnäckig waren seine Angriffe um den Eisenbahnknotenpunkt Zabinka. Me Unternehmungen waren erfolglos. In die Aktion bei Zabinka hatte der Feind sieben Jnsanterievegimenter eingesetzt. In der.^rwühnten Ausfallaktion haben wir über 3300 'Gesangenel gewacht, 93 Maschinengewehre, 4 Geschütze, 1 Waggon Artilleriemunition, 2 Panzerzüge und sehr reidje Lager an Kriegs- und Verpflegsmaterial erbeutet. Längs des Vugflusses beiderseitige Patwouillstttätigkeit. In Gali-, zien ist die Lage unverändert. Der russische Frontbericht. MaSAu, 10. September. (Funkspruch.) Frou:rerichk vom 9. September: Im Gebiet von Grodno Kämpfe östlich von Nowy Dwor und nördlich von Kusnieza: Weiter südlich wurde der Versuch des Feindes, gegen BjelvwiS vorznrücken, abgeschlagen. Bei Brest-Litowsk hartnäckige Kämpfe um die Station Zabinka. Jnr Gebiet von Wladtmir-Wolynsk wurden die Versuche der^ Polen, den Bug zu überschreiten, abLewiesen. Unser! Gegenangriff bei Rohatyn hat dem Feinde schwere! Verluste zugesügt. Viele Maschinengewehre wurden erbeutet, 390 Ge sänge ne eingebracht. Im Krimabschniti: nehmen die Känwse bei Or'echow an Hartnäckigkeit zu^ \ Moskau, 10. September. (Funkspruch.) Die russt^ sche Friedensabordnung ist heule von Moskau nach. Riga 4

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