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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-10 · Heft 588 (10.9.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 588 (10.9.1920)
Date
1920-09-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9fr: .M Wien, Wreuer 9fo£$«nge?fttttjf - -_ —rr^^-'-r- --| lir-S .. mm Zionismus überhaupt, hie und da sogar zur G egn e tschaft gegen PaMißa.^«*»tyfMk*£. Dieselben EkeUMe/ die sich' Ölflp Untätigkeit für Palästina auszeichnen, sind auch unfähig geworden, die nationale Aütönockis W den DiasporMudetn?zu verfechten. Man begrünt Mit" dev ^Gleichgültigkeit zu den,, demokratischen jüdischen Gemeinden und man gelangt schließlich zur Ablehnung selbst der jüdischen Ar-, beiterautonomie. Anstatt unsere revolutionären sozialistisch-schöpserischen prüfte in den Aufbau des" jüdischen Lebens hmeinzutragen. will man die Poale-Zion-Bewegung außerhalb des jüdischen Lebens stellen, sowohl in Palästina als auch in den Golus-Ländern. Man hängt' an Politischen Schlagworten, die jedes realen Inhalts bar find. Von dieser Politik nationaler Passivität und Isolierung ist nur noch ein Schritt zur nationalen Liquidation und von dieser zur offenen Asstmila t r o n. Dir Wollen für die Interessen -er jüdischen Arbeiterschaft kämpfen in allen Organen der jüdischen demokratischen Selbstverwaltung. Auf allen Fronten wollen wik den Kampf des Jüdischen Proletariats führen — im Zionistenkongreß, im Jüdischen Weltkongreß, im jüdischen Arbeiter-Weltkongreß. Und überall wollen wir die jüdische Arbeiterschaft organisieren und erziehen, damit sie fähig werbe, die Führung des 'gesamten Volkslebens zu' übernehmen. Die Zeit ist gekommen, da die direkte Arbeit für die Verwirklichung unseres Ideals höhergestellt werden mutz als die organisierte Form der Bewegung. Der russisch-polnische Krieg. Rußland geht nicht nach Riga? Parks, 9. September. (Wolff.) Wie sich der. ,Tenws* telephonisch aus London melden läßt, hätte sich oie Sowjetregierung entschlossen, zu der neuen Friedenskonferenz nach Riga k e i n e D e letz i e r t e n zu schicken. Warschau, 9. September. (Funkspruch.) Nach einer Depesche des polnischen Vertreters in Riga, KamienieeKi, hat die lettische Regierung die von der russischen Regierung verlangten Sicherstellungen gewährleistet und im Hotel Petersburg die Wohnraume für die russische Friedensabordnung bereitgestellt. Die Rückkehr der polnischen Delegation ans Minsk. Warschau, 9. September. (Rvsta.) In Mmst war ein Teil der polnischen Friedensbelegntion unter der, Führung. Dr. Wro olow j kr8 zurückgeblieben, welche wegen"des Austausches der Kriegsgefangenen verhandelte. Diese Delegation ist jetzt nach Warschau heimgekehrt. Die polnische Delegation soll am 12. b. M. nach Riga abreisen. Waffenstillstand binnen einer Woche. — Frieds binnen einem Monat. London, 9. September. (Funkspruch.) Nach aus Warschau eingelangten Meldungen hofft die polnische Regierung, in Riga den Waffenstillstandsvertrag binnen einer Woche und den endgültigen Frieden binnen einem Monat abzuschließen. Der russische Frontbericht. Moskau, 8. September. (Funkspruch.) Frontbericht vom 7. September: Im Gebiet von Grodno, südlich von Sokolow, örtliche Kämpfe. Bei Brest-Litowsk wurde Kamrenec-Litowsk erobert. Im Gebiet von Wladimir- Wotynsk, nördlich und südlich von Grubieszow hartnäckige Kämpfe,- in denen bisher 200 Gefangene eingebracht wurden. Bei Lemberg erfolgreiche Kämpfe. 160. Gefangene wurden emgebracht. Im Krim-Gebiet Kämpfe von nur örtlicher Bedeutung. Moskau, 9. September. (Funkspruch.) Frontbericht vom 8. September: Nördlich von Brest-Litowsk erreichten wir den.Fluß Lesna. Südöstlich der Stadt hartnäckige Kämpfe. Im Gebiet von Wladimir-Wolynsk räumten wir unter dem Drucke des Feindes Grubieszow und nahmen am r e ch t e n Bugufer befestigte Stellungen ein. Bei Lemberg dauern hartnäckige Kämpfe an, wobei wir neuerlich 300 Gefangene und drei Geschütze einbrächten. Im Krim-Gebiet örtliche Erkundungstätigkeit. Nach ergänzenden Meldungen aus dem Kaukasus haben sich an der Küste des Asowschen Meeres die' letzten Ueberreste der von uns fast völlig vernichteten Landungstruppen Wrangels unter dem Schutze fremder Kriegsschiffe gerettet. . ■ ■ Der polnische Frontbericht Warschau, 9. September^<Poln. Tel.-Ag.) Kriegsbericht vom 8. September: An beiden litauischen Fronten, abgesehen von unbedeutenden Zusammenstößen unserer Kavallerie mit kleineren litauischen Jnfanterreabteilunßßn,1 ist die Lage unverändert. Die Einwohner der von uns besetzten Stadt, Lipsk beweisen mit zahlreichen Unterschriften das Zusammenarbeiten der Litauer mit den Bolschewiken. Im Gebiet südlich von Groduo haben unsere Abteilungen Krynkr-. besetzt.. v ,, An der Buglinie von Brest-Litowsk bis Grubieszow upd von Krystynopol bis Busk Zusammenstöße mit Er-. kundungSPatroüillen. Oestlich von Przemyslgny würde wiederholter feindlicher Angriff auf unsere Stellungen ahgewiefen. Anbefohlener Gegeruingtiff bei Ehodorow hat Ms zur Besetzung von Knihynicze und zum Ueberi schreiten^ ^WpirzflufseS geführt. Unsere Abteilungen Marschieren in der Richtung gegen Gnila Lipa vor. Längs des Dnjestr Rphe. . , um ' Tarnotv, 8. Lepteinver. (Ufr. Pressedienst.) Naih HercklHiehung vor^ Verstärkungen, in ber-Hauptsache sibiristherTnrpPen, grissetr. die Bolschewiken am 5. und 6. b.M. di« Front der Gruppe des Generals Pawlenko, die sie mit Umzingelung vom Süden her bedrohis. M. RUter bem Drucke des Feindes haben die ukrainischen Truppen an.der. Gn.ila Lipa neue Stellungen bezog «u>,wp.;siL, sich gegen weitere starke Augrifft des Feindes belMpteten. Die dreitägige Schlacht um den Besrh von # Eti'6% MWkB" dein Sköge der nkrnintschen Truppen. - Alle Angriffe des Feindes auf die Dnjesttlinir, loelche gleichzeitig an mehreren Orten bis zur Zbrnezmündung angesetzt waren, wuckeri". Hüter ßkoßen BeMstsn des FeindeS zurückgewiesen. Rach kurzer Rnhepanse vernwchien die ukrainischen Tru.ppen,neuerlich, in der Richtung auf Monasterzyska erfolgreich vvrzüstoßen. ' Die Pvgüvme Lev Petljura-Küutzeu. einem Briefe.) Vor ungefähr 14 Tagen wurde bereits dev erste Teil der Evakuierung Stanislaus' mrbefoPen, und zwar fottteit die Staatsgüter - geborgen werden und die Beirintrn kvu nten Mit dem Lereitgestellten Evakirierungszug ihre Ka«ilte« nach Destgalizien wegschaffen. Es begann der Rückzug von berscht denen Mi'i' Lrirains u d wir durchlebt:« dieselbe SttmnnMtz, wie'in den Letzten Augusttagen 1914, nur waren wir durch die schweren Erlebnisse +bet tarryen- KriegsM schon ziemlich abgestumpft. Wir hatten viel Angst auszustehen, die noch durch die Nachrichten vermehrt wurde, daß die Armee PetljuraS, die aus unserem Abschnitt gegen die Bolschewiken operiert, auf ihren! Rückzug alles plündere und vernichte und mit der größten Grausamkeit gegen die Ortsbewohner vorgehe. Am schlimmsten war es aber am Montag: das war wirklich ein schwarzer Montag und die hier herrschende Stimmung kann ich keinesfalls beschreiben. Die polnischen Behörden wie auch die Polizei verließen die Stadt und es blieben nur die so arg gefürchteten Petljura-Kosaken. Um 9 Uhr hat das Kreis- und Bezirksgericht feine Tätigkeit eingestellt und die Sträflinge — 108 an der Zahl, es waren Lauter Schwerverbrecher — wurden entlassen. Die Ortsbehörben verloren vollständig den Kopf; man organisierte irgendeine Bürgerober Ärbeitermiliz, doch bald wurde sie wieder aufgelassen. Dazu gesellte sich noch'der Umstand, baß die Kosaken sich der Magazine der Spiritusfabrik Liebermann bemächtigten und Branntwein " in vollen Kübeln -- dies buchstäblich —- verkauften. Man raubte M hellichtem Tage olles waS nur unter die Hand kam. Gegen 4 Uhr nachmittags erschoß ein ukrainischer Hauptmann vom Balkon des Cafh Union einen raubenden ukrainischen Soldaten oder Leutnavst. Selbstverständlich Watt« alle HauStore und alle Geschäfte geschlossen. In den Häusern wurden Selbstschutzabteilunge« gebildet und turnt schlief während dieser Nacht in keinem Hause. Bei uns verlief die Nacht ganz ruhig. Arg mitgenommen wurden nur die Vorstädte. Im Innern der Stabt wurden einige Geschäfte in der Nacht ousgepündert. Am anderen Tage wurde die Stimmung aber besser. Wie die Panik kam, so verflog sie auch. Man Überzeugte sich, baß bk: Bahnlinie nach Stryj nicht gestört )et. Bald kam He Gendarmerie und am Mittwoch kehrte auch vkttl Militär jltlflUÖ. Die VerfassrlttgsVeehtmdlrMHeu Die JerlMdlungeu zur Bereittigung der GMM frage« in der Versassungsrefornt mttbtn hiebet «ufgrp itmnntCTt. Gestern war das engere Kvmites versammelt^ dent die Frage der Trennung Wiens von Niedetssttt^ reich zur Behandlung Angewiesen ist. Nachmittags traf bas Komitee zusammen, das sich mit dem Ausgleichs der Anschauungsdiffereirzen in der Gchulfmge zu. bfc fassen hat. Heute wird bas engere Komitee, dem Dvrberütuna der Stelluna. der Gemeinden und Bezirk in der D?rfassuttg -ngewiesen ist, Fnsnmmeutvewn,' Der argentinische Kredit für Sefterreich. ‘ ^Die artzenlinische Regiernttst hat bekann'5 lich am 27. August Oesterreich, einen KredM bvn fünf Millionen PesoS 460 MilliyneUi Kronen) für den Ankauf von Lebensmitteln und Kkekbungsstücken bewilligt, rvobei die NiickzahlUnst Kredits zu beliebiger Zeit und in beliebiger Form folgen kann. Diesem großherzigen Beschluß Mg-z irr! bestiuunender Form die Berichterstattung des um' Oesterreich ft» hochverdienten Gesandten der argSntini--- fchen Republik in Wien, Fernando Perez, zu^' gründe. . : Der Präsident der österreichischen Republik,Seih,-' hat nun an den Präsidenten Zer R^.ülik Är^tttinienü H r p o l i t v I r i gv h e n, ein Datrktelegramm ge-s richtet, in dem er im Name» Oesterreichs und feiner!! Bevölkerung dem Präsidenten als Repräsentanten des., argentinischen Volks fc$tt Fllerherzlichsten Dank fürs die Me Hilfe ausspricht. DL. Renners Agitatioustteden. Salzburg, 9. September. Staatssekretär DoKtm Nenner sprach heute in einer Volksversammlung im! Kurhaussaabe über das Thema: Die politische und wirk-! schaftliche Lage Oesterreichs und die kommendenMtivual-> ratswahlen. Der Staatssekretär kritisierte die Haltnngs der christlichsoziaken Partei in den großen Staats fragen. Er warf den Christlichsozialen vor, daß sie?! in allen diesen Fragen kein Programm oder intzhreres Programme hat und daß sie daher nicht die Gigerp-j schast einer wirklichen Staatspartei besitze. Redner ver-l wies im Gegensatz dazu auf die jüngst in Salzburg abgehaltene begründetrbe Tagung derGroßdeutscheuj Partei und bemerkte: In alMn den Fragen, in denech dieAhristlichsozialen zwiespältig sind, in den eigentlichem .Staatsfragen, in der großen Frage der Nation, schein^ sich die Großdeutsche Partei zu einer einheitlichen Auf-s fvssung und Haltung durchzuringen. Diese Auffassung — und das kann für.Oesterreich von der größten Be-s dentungwerden — ist die einer Staatspartei. Wenw wir als.Partei der Arbeiterklasse schon gezwungen sein! sollen, mit bürgerlichen Gnrppen ztl arbeiten, so zöge« wir gewiß jene vor, die wenigstens den nationalen, poliM schert und kulturellen Jnteressetk unseres Volkes gerechv zu werden verstünden, voraitsgesetzt nur, daß sie eiE handlungsfähige Partei darstellt. Die Rede wurde miv stürmischem Beifall aufgetwmnren. und die Polizei zurück und befaßte sich mit der Sänbemu^ der Stadt von den plündernden Elementen. Heute ist vollständige Ruhe. Wie es zu all dem kommen kotmte, ist ein Rätsel; eines steht Nur fest, daß die Behörden vollständig den Kopf verloren und gänzlich versagt haben. Das ttanrigste an der Sach« ist bas Verhalten der P etljura-Armee. Haliez ist volkstänbig a«SgeplünbetL. (Rafael P . . . und fer»^ Schwiegersohn K . . . ermordet.) Die Leute rauben a^ll« avS, sogar bei den Bauern nehmen sie altes weg und die Juden ermorden sie. Wenn dies eine Weile noch so fortgeht, werden wir hier den fürchter Nchste« Hanger haben und die Ernte war so reich und eS war ein so wundem bares gesegnetes Jahr. Die Kosaken und ihr Berhalteir im Freundesland sind eine Schande des Jahrhunderts. Man kann sich nicht erstellen, daß noch ärger gehattst werden tarnt. Mraugsls „Generäle" als Beutemacher. Warschin, 9. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg.".) Der „Kurjer Polski" schreibt: Wrangel hat fetne augenblicklichen Erfolge etwa nicht dem Umstand zu verdanken, daß ihm große Teile Rußlands vder gar die Massen sich angeschlvssen haben, sottdern Wränget ist eS gelungm, die'-ersprengten. Ueberreste der Denikinschetr Artnee zu santmeln, mit deiten er von Zett. zu Zeit in daS Innere Sübrußlands Musfälle macht. Der eigentliche Zweck dies« Kriegszüge für die Generäle Wrangels ist gewöhnlich ihre Beuteln st. Sv hat der General Mamontoff von einem Zuge drei Prtd Gold, sechs Pud Silber und zehn Millkotten Zarenmbel, der General Sch kurv 40.000 Pud Tabak mitgebracht. Diese BÄtte schaffen ' die Generäle ata ihren Prrva tbs sitz nach Koüstantinopet oder Pa tum. Und von hier gewöhnlich weiter nach Alexandrien. Petepsvurg ohne . Rotteridtnt, 9. SeptembLA (Tel^KvMp.) Der neue B-orsitzendo der Petersburger Sowjets erstattete einer; Bericht üocr die jämin^rlich^ Ertlährung der rufsischett Hauptstadt. Dis Zufuhr von LebensmitLelii st o ck t Volta ständig, wnl die Wenbatznen augenblicklich für die Durchführung der Bodlirfnr.'fe der Truppen au der Front gegen Polen tu Anspruch genommen werde«. Mau lacht. Anläßlich des St. Pöltener Katholikentages hielt, der Abgeordnete K u n f ch a k eine Rede, in der er imistz! anderem sagte: . 4 . . ’t „Es ist das Unglück unserer Tage, daß jeder! nur an sich allein denkt. Und es ist so schwer, Verständnis dafür zu ftnden, daß wir nicht für allein, sondern für alle arbeiten rnüssen. Dazu ist alseinziger Beweggrund eine hohe sittliche Auf-> fafsung nötig. Und diese holt sich der Mensch nicht aus sich selbst heraus, sondern sie ist eine Ausströmung der göttlichen Majestät und Liebe; sie fließt nicht aus' dem menschlichen Verstand, sondern aus dem Quell der Religion. Das ist die große Aufgabe der Katholikentage, die Menschheit wieder hinzuführen zu dev großen sittlichen Kraft, die die Menschen begeistert zur Arbeit füreinander und nicht gegenE einander. Durch Gesetze und philosophische Sy^ steme hat und wird man umsonst versuchen, die Menschen gut und glücklich zu machen. In dem kind« lichen Wort: „Wo ich bin und was ich tu', siehst mi^ Gottvater zu", liegt mehr soziale Weisheit, als iw allen Werken der sozialen Wissenschaft. Wenn sich die Menschheit nur das, was Glaube und Kirche lehrt, wenn sie sich nur das einfache Wort tief einprägt und befolgt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" —*; dann wird die Zeit wiederkommen, in der die Menschen mit- und füreinander arbeiten werden, iw der die Arbeit sie glücklich und frei machen wird imßi -ihnen ein zufriedenes Leben fichem wird.^ So spricht der Chef der chrrstlrchsozialen Paktes welche die Juden zu Menschen zweiter Klaffe herabdrücken will, welche das Luegersche „Rtsch, rtsch, obi-i draht!- zum Parteiprogramm erhoben hat und derew Führer gleichwohl wagen, das biblische Wort von den Nächstenliebe autzzusprechem Man lacht bitter ühey diesen Wolf im Schafspelz und man!qnn die fc&M geführte MM nur bedauern.

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