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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-08 · Heft 586 (8.9.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 586 (8.9.1920)
Date
1920-09-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seile f•i. Wien, viimtturaj Wiener Morgenzeuurrg 8. September 1920' ^r. 586 Vor der Arterlsfällrrng im Difza-Prozeß. Birdypest, 7. September. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) düs Büdapestei' Divisionsgericht bat das Beweisverit'.brcn -im Tisza-Prozetz beendet. Es werden nur noch )ie Plädoyers folgen, worauf der Gerichtshof zur Urteilsa klung schreiten wird. Dre ersten Prügelstrafen in Ungarn. Aus Budapest, 7. d. MP wird berichtet: Die T-oiiy-i ly. :inc Razzia nach Schulbüchern veranst-altct und bieüer scstgestellt, bau mehrere > Buchhändler mit tanübiidicm Wucher treiben. Auf Verfügung der L < aatsanwaNfchäft wurde gegen diese Buchhändler das l-erfabr?,! iin Sinne des letzten^Preistreibergesetzes einyuei:eu 'Änchhändler buben demnach Mrst die Bor- Hängung-de-- - Prügelstrafe zu gewärtigen./- Mr unsere Palüftinafahrer. Da^ Fürsorgekomitee für jüdische Emigranten ersaß: den folgenden Aufruf: 'Wieder ist ein Jahr in nuferer Geschichte verllofien,-. reich' ätt Blut und Tränen. Noch, leidet die Menschheit für die Sünden ihrer Führer. Die 'Strafe und Sühne .büßen wir ab. da die Völker uns «|3 Sündenbock betrachten. Hofchungsvvll unb stark jedoch duldet das jüdische Volk in den letzten Jahren. Es jieht am -finsterem Fimmel di? Morgenröte eines heiligen, auf gesegneter Arbeit aufgebauten Lebens im Lande unserer Väter. Es si?ht.das.Bl'ste,was es besitzt, in das altneue Land h-mstredem : \ Brüder und Schtvestern'. Bei der Jahreswende -r»ird h't)evm<tim von euch den inbrünstigen Wunsch aussprechen, daß das verfsofsene Jahr das letzte in der schwärzest Kette der Verbannung sei. „Leschanah habaah be Iernschölalim" wird nicht mehr ein frommer Wunsch bleiben. (Sebenfct, ihr alle, die ihr in der Galuth verbleibe^ un-er-7r-starken, sieghaften- Jugend, welche jede Ao-sahr . und. Mühsal überwindet, um den Boden des LeLandes zu betreten. - . b :~yc(fct uns, die Jugend hinüber -51t verpflanzen. Es ist di? heilige Pflicht jedes Juden, in den weihevollen Stunden der hohen Feiertage Erez Israels zu gedenken. Eine Sünde wäre es, den, historischen Moment, zu verkennen und nicht mit aller Leibes- und Seelenkrast an dem Wiederaufbau Palästinas mitZuarbeiten. Kein Jude vergesse, für den Chaluzim- und Für sorgefonds für Palast i n ast Hm ha er ein? b c t x a ch t l {che Sp, c n de zu widmen. -/ - "' - - - - --P Ged?ntot an den Festen der Chaluzim, der, Pioviere erstes ehrenhäfLen, starken, arbeitsfrohen, uuäb-st hangigest Lebens. ." Das Palästina-Amt, Fürforgekomitee für - 'V-. Chaluzimr lLxMlöchr nimmt entgegen:' Dr. Walp >u a n n, Sozial/ BarS. 1. Bezirk, Marc Aurelstraße 5, das JürsorchlkomLtee . des Palästina-Amtes, 2. Bezirk, PraterMaßr 9/4, Palästina-Amt, 2. Bezirk, Zirknsgasfe 33, die Administration der „Wiener Morgen- Leitung".) Offiziere.gäbest'Zeichen einer ganz besonderen inneren Bewegung. Beim Kadd'rsch wurde sein Name als N a s s i erwähnt?.. Am Schluffe des Gebetes spendete Herbert Samuel für die Armen aller Gemeinden und dann begann der Heimweg. Inzwischen hatten sich Tausende von Neugierigen hinter den Reihen von Makkabi- und Zofiin« Wächtern, die Ehrenwache vor der Synagoge hielten, rmgesammelt und von der Straße, den Mauern und den Dächern aus wurde Herbert Samuel mit lautem Jubel ögertz t. Rufe wie „Es lebe unser Nassi", „Hoch Samuel" ..Hör unser. Erlöser" ertönten von alten Seiten und Hüte Zwenken und Palmzweigwehen begleiteten den Obe:: mnmssär durch alle Gossen bis zum Tor der allen Staöl.. Dieser Sabbat gab dem jüdischen Volke einen Teil vr verlorenen Herrlichkeit aus vergangenen Zeiten wieder und mild als ewiger Erinnerungstag und nationales Feit verzeichnet bleiben. An diesem Tage vereinigten jü!' Orthodoxe udn Freidenker, Sepharöim und Aschkenaalte und junge Vertreter des Jischub um den ersten jüdUcheu -Landesherrn m inbrünstigem Gebet für das Wobl desjenigen Staates, der die Not des jüdischen Volkes aus der Welt schaffen will und zum Dank an den Gott der Väter, dessen Trostworte an die Propheten jetzt ' in Erfüllung gehen. Während nun diese Ereignisse.im neuen Palästina geschehen, beginntdie Lage, sich auch um uns herum zu klären. Das „Königreich" .in Damaskus, dessen Regierung durch unstete und unzuverlässige Reden und noch weniger -günstige Taten die Unruhen in Syrien- und NordgaliEa. verursacht und indirekt zur -Ursache so vieler Mainrkortz istjeNen Gegeirden wurde, hat nun ausgespielt, die Ruhe'-kehrt auch'm Syrien-allmählich wieder ein und die Lage beginnt sich auch dort zu stabilisieren. Dies wird auf die Besprechung betreffend Grenzfestsetzung für Palästina sicher von einigem Einfluß sein. Und die Hoffnung ist nicht unbegründet, daß die Not und Leiden der letzten Monate für die Palästinenser nur der letzte Akt einer Tragödie waren, die nun für immer zu Ende aeaangen zu sein scheint. Mitteilungcn aus dem Publikum. Möbel 11. Innen- I CDIDA flekoratioß »■«rinn in grösster Answahl. Nur gediegene WlM, 1IH., SißllßilStßlfllJi 1 I). 2 619 Erzeugnisse. (Ecke Karl Schweighofergasse). RILLANTEN, Perlen, Gold,Silber,Platin u.TJhren kauft und verkauft 776 ETTER Rotentnrmstr. 23, Marl&bilferstr. 88 ___ c'fä>etöo‘ß«(te?te&£^i6i?Mdex/(me& Statt jeder besonderen Anzeige Hirsch und Erna Singer ‘ II,, Schdzgasse 9/13 geben hocherfreut ihren Verwandten und Bekannten die glückliche Gehurt eines strammen Sohnes bekannt. 3421 wird nunmehr, um den vielfach geäusserten Wünschen unserer P. T. Kunden zu entsprechen, in den grösseren Delikatessengeschäften Wiens und auch, in kleiner Packung verabfolgt werden. Nähere Auskünfte erteilt das Zentraldepot, VI. Gumpendorferstrasse 76. Telephon Nr. 9651 lind Stelle 6 von 1072. Hochtvafferkatastrophe. Jgut Gebiete der Nebenflüsse der Donau ist infolge des anhaltenden Regenwetters der letzten Tage Hochs- Wasser, eingetpeten,.welches besonders längs dev EnnZ und dex T r a u n, arge Verheerungen zur Folge hatte. Sämtliche niedriger gelegenen Ortschaften an. diesen Flüssen sind überflutet, Brücken weggerissen und der Verkehr auf Straßen und Eisenbahnen lahmgelegt. Eb e n s e e mit den Salinen ist un te r Wasser, ebenso die. niedriger gelegenen Teile von Gmunden, I fchX,•;' G oise.r n, H a I l.st a 11 und anderen Ortschaften. .JmrMiKtz« oberen Trauntal mußte der Eisen- . .bahn- . und'Straßenverkehr eingestellt werden. Der Schaden istHcrall e « o.r m uftd. noch, nicht.abzuschätzeiu In Sülzburst ist das tzochwasser weiter im Steigen, da der wolkenbstuchstrtige-Regen mit kurzen Unterbrechungen anhält. Ausvielen Kellem in der Stadt drang das Wasser auf dir Straße. Ganze Straßenzüge mußten wegen Uetz erschwemmung abgesperrt werden. Die Feuerwehr ist ununterbrochen tätig, um die Geschäftsläden in den bedrohten Straßen . und die Wohnungen-zu räumen. -Die Salzach schleppt Bäume, voltbeladene Fuhrwerke und - Vieh mit sich. * Wie uns mitgeteilt wird, muß der Passagierverkehr zwischen W.i e n Und Linz bis ans weiter.^ s i stiert iverden. -" Die Donau ist bei der Reichsvrücke..ununterbrochen inr Steigen begriffen. Während vorgestern die Fluten das . normale Bett noch nicht verlassen hatten, ist seit gestern bereits das gesamte Jnundationsgebiet bis zum Damm hinunter einige Zentimeter unter Wasser. Straßenbahn ab Donnerstag bis 11 Ahr nachts. Ab Donners! ag den 9. d. M. wird der Straßenbahnverkehr auf einigen der wichtigsten Linien bi§1lUhrnachtS(ab R i n g) a u § g e d e h n t bei gleichzeitiger Herabsetzung der Verkehrsdichte ab 8 Uhr abends. Auf nachfolgenden Linien bleibt der Berkehrsschluß wie bisher um ‘/jlO Uhr abends fab Ring): 6, C4, H2, 4, 10, 15, 16, 17, 24, 32, 31. 39, 40, 47, 50. 51, 60, 65, 72, 73. 80, 117, 158/167. Gleichzeitig tritt ab Donnerstag im Sinne des Gemcinderatsbeschlusies vom 23. Juni 1920 ans allen Liyien und an allen Tagen der erhöhte Abendtarif (ll 4.— stall K 8.— oder K 3.50) ab VjlO ühr abends in Kraft. -Ermäßigte Vorverkauisfcheine weiden für diesen Tarif nicht ausgegeben- Dieser Abendtarif findet Anwendung im Tarifgebiet I und auf den Ausnahmstarisstrecken: Floridsdorf Spitz— Stammersdorf, Aspern—Eßlingen, Lainzcrftraße—BerbindungZ-' bahn—Mauer, gilt aber nicht auf den Sonderlariiitrecken: Flötzersteig, Rolbneufiedl und Freudenau. Die Entführung des MrMoneufchatzes aus der Wiener ungarischen Gesandtschaft. Im „Ui Nemzedell< erzählt der ehemalige Gesandtschaftssekretär: der Wiener ungarischen' Gesandtschaft Eugen Hajos, wie es ihm gelungen ist, nach dem Raube der 140 Millionen Kronen deyr Verfolgungen zu entgehen. Der. Umstand, daß alle Wiener Blättev schon am nächsten Tage detaillierte Berichte über den Raub brachten,- habe seine Pläne sehr erschwert. Er sei mit gefälschten kommunistischen Empfehlungsschreiben ,a.lA kommunistischer Matrose nach Blwapcst geflüchtet, wo man ihn am allerwenigsten. vermutete. Er Hab« von Bern aus durch eineu Bekannten an seine Wiener Freunde, die alle unter Beobachtung standen, Korrespondenzkarten aufgeben lassen, die auch richtig abgefangen. wurden und die Verfolger irre führten, indem diese meinten, es sei ihm gelungen, :pa chderS'chweiz zu entkommen. Als Wien bann wieder sicherer geworden sei, habe sich Hajos dorthin begeben, öfters' seine Wohnung gewechselt und sei in der Maske eines österreichischen Provinzproftssvrs herumgegangen. Einen Detektiv, der ihm dennoch auf die Spur - gekommen; sei, habe er mit einer hohen Summe bestochen..^ Dann habe er sich einen ordnungsmäßigen Paß verschafft und sei in die Schweiz gefluchtet und von dort, über Frankreich. Italien und Jugoslawien in der Unisornr eines rumänischen Hauptmannes nach Szegedin, dem Sitz, der damaligen ungarischen Gegenregterung, gelangt. Miß stände im Rothschild-Spttal. Bon gut unterrichteter Seite wird uns geschrieben» Das Rothschild-Spital biüiLt. wie allgemein bekannt^ kein Ruhmesblatt fiir die Verwaltung der jüdischen' Kultusgemeinde. Das halbe Spital ist unbelegt und; außer Betrieb, draußen aber verkommen Und sberbeni Hunderte armer Juden, denen die Möglichkeit einer; ordentlichen Spitalsbehandluug nicht geboten wird.) Dafür aber wird das Rothschild-Spital unter der Leitung^ des Direktors F l e i s ch m a n n und seines Adlätus Herrn Groß in einer Weise geführt, die für ein jüdisches Spital nicht die angemessene ist. Die überwiegende! Anzahl der Angestellten und des Pflegepersonals sind! Christen, inrr hie und da zeigt sich ein „Pavadcjud^ Juden werden nur äußerst selten ausgenommen, dich beste Empfehlung für eine Austnrhme scheint der Dauß^ schein zu sein. In diesem israelitischen Spital ist etm Krankheitsherd, der' noch ausgernerzt iverden muß. <£§j besteht nämlich im Bereich des Territoriums des Roth-- schild-Spitalsein jüdisches Schwesternheim samt Kranken» pflegerinnenschule (letztere derzeit außer Betrieb), welche? durch Zejn<n speziellen Verein verwaltet werden. (Dasj Schwesternheim ist eine Stiftung der -Baronin Stoff)«, schild.) Ein Häuflein von Absolventinnen dieser. Pflege^ rmnenschule, zwölf an der Zahl, wußte sich noch von; früher her Stellen als, Schwestern im Spitale zusichern. Sie sind aber Jüdinnen und. sind deswegeni ein Dörn im Auge der Spitalsverwaltung, trvtzdsm, die Äerzte einstimmig zugeben, daß diese Schwestern! als - vorzüglich qualifizierte Krankenpflegerinnen ihren? Dienst bei weitem besser versehen, als die durchwegs? un g e s ch u l t e n christlichen Wärterinnen. Bor zwei?' Jahren int Sommer beschloß die Verwaltung, da^ jüdische Schwesternheim auszurotten. Der Verein des! jüdischen Schweste^nhrimes sollte aufgelöst und die! Schwestern der Stütze des Vereines beraubt werden.-! . Als der Versuch mißlang, griff mau zu 'einem alt»; bewährten Kampfmittel. Man beschloß, keine jüdischen! Schwestern mehr ins Heim aufzunehmen und die alten langsam dem Aussterben zu weihen. i Ms im vorige« Mhr Verhandlungen zwischen dem Spital und dem „Joint" gepflogen wurdendies den Bollbetrieb im. Krankenhaus gewährleisten svlltevu gab Direktor Flei schmanndas Wort, daß er jüdisch^ Schwestern aufnehmen werde. Inzwischen zerschlugen' sich die Verhandlungen mit dem und die gfew gelegenheit war nicht mehr akut. 1 Da ereignete sich vor kurzem der Katt, daß' eknv Stelle für eine,Schwester frei wurde, um die sich eine^ sehr gut qualifizierte jüdische Schwester bewarb. Sie! wurde ausgenommen, als sie aber ins jüdische .Schwesternheim einziehen wollte, verrechnete si« sich.? Die Direktion verbot es ihr kategorisch, bei den jüdischen? Schwestern zu wohnen. Sv ist es gelungen» die jüdische; Schwester loszüwcrden. Die Direktion kann nun wt* gestört christliche un ge sch ulte Wärterinnen aufnehnren und geschulte Schwestern können keine An^ stelluttg bekommen. Daß es einen Unterschied zwischen der Krankenpflege durch geschultes uud uugeschultLs Personal gibt, wird auch ein Laie einsehen. Die Direkt tion aber scheint es nicht zu bemerken. Es ist auch nicht verwunderlich, wenn allerlei Zufälle, für die man dann nichts tafln, bei n n g e s ch u l t e m Pflegepersonal' Vorkommen. So zum Beispiel ist eine Patientin durchs Fenster hinausgesprungen und tot auf der Stelle geblieben (eine Jüdin weniger, fünf Waisen mehr) und! ein Patient im Bade ertrunken (ein Jude wein ^-'r, zwölf Waisen mehr). Die Direktion aber ist mit ihrer Verwaltung und mit ihrem Gebaren zufrieden und die Herren Direktor Dr. Fleischmann und Verwalter Groß sind befriedigt,, daß sie im Spital fchalten und walten können, wie es ihnen beliebt. Ein jüdisches Internierten lagcr . Wir erhalten das folgende Protokoll: Soldaten der Kaserne in Jablonna 2 sagen aus: Am 13. August kam der Befehl, aus Jablonna infolge der. Frontnähe abzumarschieren, es wurden aber nur christliche Soldaten und Offiziere weggeschickt. Die jüdischen Soldaten wurden in Jablonna ohne Vorgesetzte zurückgelassen, wo sie noch bis heute als Internierte weilen. Sie haben keine Uniformen, da diese von ihren Leibern heruntergerissen wurden. Ebenso wird ihnen keine Verpflegung zugeschoben, es ist auch verboten, ihnen Nahrung ins Lager zn bringen. Helene Fogelbanm begab sich am 1b. August zu ihrem Mayne, der int Jahlonnaer Lager stationiert war<,

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