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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-08 · Heft 586 (8.9.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 586 (8.9.1920)
Date
1920-09-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Men. Mittwoch' « eepremcet rsztr Men^MSrgenzeNMU ^rr. s«d . -».• > * m 7 Äs' Potttische^undschau.! Die Konferenz in Aix°les-Bains Ein Mitarbe'.ter des „Excelsior" richtete an ©iotitii )vr dessen Abfahrt von Ludern nach' Rom die-.Frage, aber welche Ungelegenheiden in Ä:x-§eZ-Bains .in rer Hauptsache beraten wurde. Giolrtti sägte, daß die Verhandlungen von Luzern keine Weltkonferenz barstöllten. Was hier zwischen Llötzb George und mir besprochen wurde, wird in-keiner Weise Milleranö in Lorlegenheit setzen. Wir werden andererseits in Aix- LS-Bains Neve Probleme zu lösen wissen, deren Erörterung unsere beiden Ländern interessieren wird. Indessen wiederhole ich,, daß nichts geschehen wird, was >as Einvernehmen der Alliierten schädigen kann. Lloyd George, der bei der Unterredung zugegen war, gab, ' vie der Mitarbeiter des „Excel fror" berichtet, fcitte' Zustimmung und sprach - sich sehr befriedigt aus; In der Umgebung Willerrnds. spricht man, wie Set „Excclfior" hinzufügt, der bevorstehenden Zusammen- Juiif: im allgemeinen eineu freundschaftlichen und peripniichen Charakter zu, ohne indessen ihre Wichtigkeit zu leugnen, da in ihrem Verlauf M'.llerarü) und Giolitti, -ie sich zum erstenmal begegnen, sich über interessante fragen unterhalten würden. Der Weg nach Aix-les-Bains soll, wie die Narodni Ästy" schreiben, schwierig sein. Die Verhandlungen an , diesem Orte werden meistens den Differenzen zwisaM der französischen und italienischen Regierung gewidmet sein, üe nicht nur auf politischem, sondern auch auf.Wirtschaftächem Gebiet zwischen beiden Staaten vorhanden sind. Zwischen Millerand und Giolitti sind in den letzten Tagen zrotze Differenzen entstanden, die so». id als möglich aus her Welt geschasst werden müssen. Die Rivalität beider Staaten ist keine neue. Die Freundschaft beider Staaten war sogar während des Kriges keine so feste, als es den Anschein hatte. In Italien wird behauptet, daß man in Krankreich auf die W redererrichtung der Habsburgermonarchie hinarbeitet, und da dieser Plan bereits gescheitert sei, will Frankreich wenigstens den Staatenbund errichten, in dem die Tschechen wd Südslawen eine führende Rolle spielen sollen. Die Tendenz ist eine antigermanische, rber auch eine antiitaliemsche. Auch in der 'österreichischen Frage stellt sich Frankreich gegen die Interessen Italiens, da es eine Verbindung Süddeutschlanös mit Oesterreich unterstützt. Dieser Staat würde dann durch seinen Druck nach Süden Trient und Triest gefährden. In Frankreich sei eine systematische Opposition gegen alle italienischen Interessen entstanden. Die Konferenz der baltischen Stäaten. Der „Ternps" meldet, daß die Konferenz der baltischen Staaten, die seit 3. v. M. in der Nahe von Mga tagt und an der Vertreter der finnischen, estn'schm, lettischen. litauischen und polnischen Negierung teilnehmen, ihre Arbeiten demnächst beendet haben wird. DieErgebnisse der Konferenz sind sehr wertvoll. Unter'anderem wurde die Errichtung eines ständigen Schiebsgerichtshofes beschlossen. Die Teilnehmer an der Konferenz nehmen die Verpflichtung auf sich, alle Streitfragen der Entfchewung dieses Gerichtes zu unterbreiten. Außerdem wurde eine Annäherung auf finanziellem Gebiet und in Fragen des Postwesens, der Zölle und der Gesundheitspflege erzielt. ' . Aus der tschecho-slowakischen Republik. Prag. 7. September. - (Korr.-Bur.) „Czas" meldet: Das Parlament werde im September nicht einberufen werden, weil man sich vor dem Kongreß der sozialistischen Parteien beider Nationen sowie der Nationalsozialisten auf keinen bestimmten Plan festlegen könne, zumal nicht sicher sei, wie sich nach diesem Kongreß die Regierungs« Mehrheit zusammensetzen werde.' Ueberdies sei die Mehrzahl der wichtigsten Vorlagen nicht fertiggestellt. — Wie die deutschen Blätter melden, wurde die Gerichtsverhandlung gegen den Iglauer Altbürgermeister JmLerger, der gelegentlich der blutigen Ereignisse in Jglau verhaftet wurde, auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Bürgermeister ist seit dri Monaten in Hast. Neuerliche Enthüllungen über den Tisza- Prozeß. „Az Ember" bringt neuerliche Enthüllungen des ehemaligen Stadtkommandanten von Budapest Huuvtmann Viktor Heltai, der nach seiner Aussage im Tisza-Prozetz nach Wien flüchtete, über den Tisza-Prozeß: Heltai teilt mit, daß er im August dieses Jahres auch als Anstifter an der Ermordung Tiszas beschuldigt wurde, daß jedoch die Klage fallen gelassen wurde. Der damalige Kriegsminister Stephan Friedrrch^der eigentlich «Urheber deS Mordes, ließ Heltai trotz dessen Unschuld weiterhin in Hast und nur mit Hilfe des Grafen Emmerich Karolyi gelang es Heltai, ans dem Arrest zu entkommen. Graf Emmerich Karolyi und dessen Advokat Doktyr Zoltan Lengyel suchten von Heltai kompromittierende Daten für die Schuld mehrerer Personen zu erlangen. Der Reichsverweser Horthy. erfuhr von Karolyi» daß Heltai gegen Friedrich schwer belastende Aussagen machen werde, entsendete den Staatsanwalt im Tisza- Prozetz zu Heltai und ließ ihn seine persönliche Sicherheit garantieren. vie Leiden der Juden in Aigalirien. vS -Hoinbon, 6. September. (Iewish Corr. Bur.) Aus Lemberg und'Staui stau wird berichtet: Seitdem bcks polnische Armeekommando dem ostukrainischen Bandenhäuhtllng Petljur a die Verwaltung Ostgaliziens bis zum Dniostr übertragen hat, hat dort eine system-rische Jagd gegen die jüdische Bevölkerung eingesetzt. Wo immer die Petljura-Banden erscheinen) fallen ihnen die jüdischen Massen der kleinen Flecken zum Opfer. So wird Mls Jozlowice, Jezerziany Wielkie und aus Borszezow gemeldet, daß die gesamte jüdische Bevölkerung dvrt bis aufs Letzte ausgeplündert wurde. .S.ch ändungen und Der-, g e w a l-t iL u n ge n^ jüdischer Frauen und Mädchen ge^ hörest zu best gtzMhnliche^ EkfcherNun^ü.- hat von. de« Petljura-Banden am. schreMchsterr zu leiden. Kein jüdisches Haus ist da der Plünderung entgangen, und wer nichts herzugLbett hatte,, würheuiedergeschossen. So wurden der K8jähtige Greis AbbahAm So nicke r und die Kleinhänblerin H o rm erschossen.- Im Hause der. Frau Sommer ha^en sechs andere. Judenteils leichte, teils. . .schwere Schußwunden davongetragen. Heltai gab daraufhin zu Protokoll, daßFriedrich ' schon vor der Revolution die Ermordung des Grasen Tisza geplant habe und daß FriedrichalsKriegSminister mit dem Fdldmarschälleutnant Soos, dem Generalstabschef des Reichsverwesers. und im Verein mit dem Obergespan Albert Kiralyi einen Putsch gegen Horltzy planten. Das Detachement Pwnay suchte darälifhin Hektar zu verhaften, was jedoch verhindert wurde. Friedrich wollte Heltai aus dem Wege schaffen, doch die im Hotel BriLanma untergebrachte Brachialgruppe des. Leutnants Vibos, der auf seiten Horthys steht, nahm Heltai in Schutz und verhaft ihm zur Flucht nach Wien. Der russisch-polnische Krieg. Der polnische Frontbericht. Warschau, 7. September^ "(Pvln. Tel.-Agent.) Fvontbericht vom '6. September: Unsere Mteilungen weisen foriges-Ltzt erfolgreich litauische Truppen ab. Eine litauische Kund sch asterkompag nie, die in unserem Rücken auftauchte, wurde gefangkpgenommen. Oestlich von Gajnowka erbeutete eine Division der Legionäre ein Geschütz und machte Giesangene. Längs des Bug beiderseitiges Artilleriestuer und verstärkte Patrouillentätigkeit. Die gestrige Unternehmung führte zur Eroberung des vom Feinde hartnäckig verteidigten Grnbi-eszow. Auch im Abschnitt Toszdowoe schoben sich unsere Truppen weiter vor und besetzten eine Reihe von Ortschaften im Borfelde. In Galizien griff der Feind, durch neue Ergänzungen verstärkt, mehrmals unsere Stellungen an und versuchte, uns von der Bug- und der Gnila Lipa- Linie zurückzuwerfen. Es entspannen sich hefttge Kämpfe bei Parchaez, Busk, Krasne, Pniatytrze und Knihynicz«. Unsere Abteilungen gingen wiederholt zum Gegenangriff tzber und fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Am südlichen Frontabschnitt Lage mrverändert. Einem anderen Juden wurde das Ohr Mittels Bajonett 1 einfach weggeschnitten. Es wiederholen sich überall dies vlt^n bestialischen Exzesse wie in der Ostukraine. Sehr oft schießen die Soldaten zum „Scherze" blind kn bW jüdischest Häuser hinein, wodurch wiederholt Kinder»: rhr Lebest verloren haben.. , Bvn besonderer SeiO^MG uns mrtgeieilt i" Das Städtchen Ä.o litt lo-w bei :Sckait.i war drei Tage hindurch'MMEchall^H^MnD lichen Pogroms, den die vierte Schwadran>chev^achten Petljilra-Kosakenbrigade unter KomrDgnM'ides' FähnsH ..NckAZ^^a. veranstaltet hat. ..D.ie.K^nBe marschierAvon Kalusz zur Dnj»stre/iy.ie^.und maMe' uMMötzs^m Wojnilow Halt. Disi^AE-i s P evölkerung des StMch.ens^8r.urdS^vgMMWlz-.ausgeplündert. Der Sach,chaden betragt über zwei Millionen polmscher Mark Esr-ivchrden viele Juden verwundet unb getötet. riß man die Kleidungsstücke herunter und trreb ite na dt durch Ibie Straßen des Städtchens. Fünfzehn Mädchen wurde- ^vev-gewaltigt. Jüdische Wähler mV Wählerinnen! Die Parteileitung hat beschlossen, in allen in Betracht kommenden österreichischen Wahlkreisen, insbesondere aber in allen Wiener Wahlkreisen, die jndifchnationale Einheitsliste „Stricker und G.rnosien^ aufzustellen. Nach dem neuen Wahlrechte werde« alle in den ver» schiebellen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen einer Liste beim zweiten Skrutininm zusammengezablt und können weitere Mandate durch diese Stimmen erlangt werden. Jeder jüdische Wähler, in welchem Bezirk er auch wohnt, mutz sich unbedingt um sein Wahlrecht kümmern und es reklamieren, wenn sein Name nicht ln der Hausliste, respektive Wählerliste vorkommt. Der Verlust einer jüdischen Stimme kann daher den Verlust eines jüdische« Mandats bedeuten! Reklamiert sofort Euer Wahlrecht selbst oder durch das Unterzeichnete Bureau! Die jüdisch-nationale Hauptwahlleitung XX. Taborstratze 20 a. Option und Wahlrecht. In Ansehung des Wahlrechtes können von heute, Dienstag, den 7. September angefangen; Optionserklärungen in allen amtlichen Wahlreklamationsstellen während der Dauer der dortigen Amtsstunden (von 3 bis 7 Uhr, an Sonn-und Feiertagen von 8 bitz 12 Uhr) bis einschließlich 14. September mündlich zu Protokoll abgegeben werden. Achtung! Der russische Frontbericht. Moskau, .7. September. (Funkspruch.) Frvntbeicht vom 6. September: Südöstlich von Bialystok Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Westlich von Grubieszow dräncen wir die Polen zurück. 200 Gefangene wurden eingebracht- Im Gebiet von Rohatyn haben di« Rottruppen di>^ feindliche Front' durchstoßen und Podkamien besetzt, wobei Gefangene uüd vier Geschütze eingebracht wurden. Im Krimabschnitt erfolgreiche Gegenangriffe, die dem Feinde schwere Verluste beibrachten. Drei sttndliche Danks wnrdeü durch Geschühstuer beschädigt, zwei erbeutet. : Umgruppierung der rajsikchen Strertkräfte. Warschau, 7. September.. (Havas.) Aus verschiedenen. Nachrichten geht hervor, daß die Bolschewiken im Begriffe sind, ihre Slreitkräfte im Norden wieder zu ordnen. ,Die Angriffe, die die Nüssen im Süden unternommen hatten, verfolgten lediglich den Zweck, die Ausnierksainkeit der polnischen Heeresleitung von der russischen Reugrn pp ie run g im Norden abzulenken. Die russisch-ukrarnLsche FrieLLttSkb.-r'Luttng. Moskau, 7. September. (Funkspruch.) Die t-ussisch» ukrainische Friedensabordnung für Riga wird bestehen aus Joffe als Vorsitzendem und dem ukrainischen Volkskommissar Manuilfky, dem russischen Finanzkommissär Obolensky und dem russischen Gesandten in Georgien Kirow als Mitgliedern. Die Abreise der Abordnung wird sogleich nach Einlängen der Bürgschaft der lettischen Regierung erfolgen.' Bisher hat die lettische Negierung lediglich die Freizügigkeit und Unversehrbarkeit der Mitglieder der Abordnung, nicht aber des Hilfspersonals ge- ^faleijten ^vollen. Nach erfvlgter Option genietzi jedermann das Wahlrecht! Alle jene, welche optieren wollen, mögen sich unverzüglich an das Hauptburean des Jüdischen Nationalrates, XL, Taborstraße 20 a, wenden. _____ Spendet für den Wahl- V Juden nnv Jüdinnen! Die Wahl IUIIII7 l in die Nationalversammlung bedeutet für uns: Sicherung der einzigen jüdischen Vertretung int Parlament. Schutz des österreichischen Judentums vor den Angriffen einer immer übermütigeren und gewalttätigeren antisemitischen Reaktion, welcher im Parlament niemand in den Weg getreten ist als «ns^r Vertreter Stricker. Der Ausgang der Wahl ist ausschlaggebend für die Entwicklung detz österreichischen Judentums und unserer Bewegung. Anspannung aller Kräfte sichert uns das Mandat und gibt uns die Möglichkeit, weiters Mandate zn erringen. Spendet für den Wahlfo^nds! Das Iüdifchnationale ZentralwahZbsrreau 11. Taborstratze 20 a. Spenden «erden an den Schaltern der „W ienerMorgenzeitun g", II., Taborftratze 1a, und im Z e n t r a l w a h l b rr r e a N gegen Quittung entgegengenommen. Geldsendungen sind mit dem Vermerk ^Wa^ifonds^ au die „Wiener Morgenzeitung" zu richtem

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