Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 586 (8.9.1920)
- Date
- 1920-09-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ittt?; WGMM hl Wt 1 OmM. , Ifc ntt t» «tat* feMMMe (SntW): rrner i.. Ihn« Mt- ., oo.- t PyD»»s«l» ffttWltn tt» DifIMt: M«M1ch .. ktron« SO.- . .Stemmt IS.— LoÄÜl-wZischLrs-chnm^ ■ ■ Oat*m' •Oflj Nr. 586 Wien, Mittwoch, den 8. September 1920 WichoWOßmMek'r L»l» K L »« Prännmernttonopreis« ftafot: . j MomNrich . . ffteri SO#« <Olmet)«ftrli(0 ,( oow t»P»l«tkcher Wähn«, DtMfchland: «««ttltch... L'tark IO- _ ftwmlreiaf: ■ Mvmtiltch. . . A.-iute- 0.-« Jtaklm: Mooatttch . . . . t't« 5.—' «0«atliÄ^.^^ra-.reS L.- ffftrbas. üOrlfl»?m<larA:"' vl«teljLhettch ßranin l^S.— Medarito»«.AtzmittiNratko« Wt«,S.V«rt.,Taliorfte^-S ftmtc VtHttaifäMrifa« «ebatttim 4331% advws Kr. 10301 WostsV«r-N-nko«t» 150JW 2. Jahrgang Wetterleuchte«. F. SB t e », 8. September. r Die soziale Brandung, welche, seit das große Wellendlngtzn zum Stillstand gekommen ist, als naüirliche Reaktion gegen Len unnatürlichsten Menschenzwang, der je Versucht wurde, und als Folge der Lösung von Bindungen, welche ewig schienen, Europa durchflutet, wirft gegenwärtig in Italien hohe Wellen. Die Arbeiter in dch großen Metallindustrien haben es verstanden, einer von. den Industriellen beabsichtigten Sperrung der Fabriken, für welche der Mangel an Rohstoffen und an Kohle und die starke Steigerung der Löhne als Grund angeführt wurde, zuvorzukommen und haben darauf die Fabriken kurzerhand besetzt und die Absicht kundgegeben, dje Betriebe in eigener Regie weiterzuführen. In Mailand'und. Turin, in den Werften'von Ancona, in den ausgedehnten Fiatwerken, in Genua und Neapel, hat sich die gleiche Erscheinung wiederholt, welche von dem bisherigen Bilde der Lohnkämpfe des Proletariats erheblich abweicht. Italien wird seit längerer Zeit von erneut tiefgHepden Gärungsprozeß durchwühlt. Der Krieg, aus welchem Italien formell als Sieger hervorgegangen ist, Hat dem Lande einen zweifelhaften Gewinn an territyrialen Erwerbungen gebracht,, er hat aber andererseits, Hr. Italiens Wirtschaft schwerwiegende Folgen gehabt. Die Schuldenlast, des Staates ist groß, die Valuta ist Hftwertet und dieTeuerung hat den Kampf ums Dasein bedeutend erschwert. Der Streik ist in Italien seit Mannest zur stehenden Erscheinung geworden und hat auch chusi, mehrere Kategorien dön! ofstMWen NngestMten ubergegriffen, wie Eisenbahner und.Postler, welche einen zähen und langwierigen Kampf., um bessere Lohnbedindungen vor kurzem erst durchgekämpft haben. Zudem giht es in Italien unter der Arbeiterschaft eine radikale Strömung, welche danach drängt, has Muster des russischen Bolschewismus im eigenen. Lande nüchzucchmen, und die syndikalistische Richtung im Sozialismus, welche den Grundsatz der allntählichen Entwicklung ablehnt und ««ich direkten Aktionen drängt, hatte in Italien schon vor dem Krieg einen nicht unerheblichen Anhang. Die soziale Bewegung und. der Wirtschaftskampf der Nachkriegszeit wird durch den Akt des, italienischen.Proletariats durch ein neues Experiment bereichert. Die Arbeiter haben die Absicht geäußert und teilweise zu verwirklichen begonnen, die'großen'Betriebe'in eigene Regie zu übernehmen, sie wollen die Bcantten und die Fachleute durch Ueberredung und, wo es nicht geht, durch Zwang zu ihrer bisherigen Tätigkeit verhalten und auf diese Weise die Anfänge eines möglichst gewaltlosen Bolschewismus in Italien etabliererr. Zu Kämpfen mrd größeren Blutopfern scheint es bisher nicht gekommen zu'sein,- die Negierung hat das Klügste getan, was sic tpn konnte, und verhält sich abwärteud, um die Möglichkeit zur gütlichen Vermittlung nicht aus der Hand zu gssben und nicht noch neuen Zündstoff aufzuhäufen. ES Pßt sich unmöglich Voraussagen, wie die ganze Angelegenheit verlaufen wird, undman mag billig daran zweifeln, ob es, selbst wenn man den Dingen widerstandslos ihren Lauf lassen sollte, den Arbeitern Italiens gelingen könnte, ihre Absichten zum Erfolg-zu führen. Hchon die Solidarität des internationalen Kapitalismus ^Italiens seit Kriegsende noch vielfach gesteigerte Ahbängigkcit vom Ausland bezüglich der Einfuhr von Eisey und Kohle und der Umstand» daß gerade die großen Betriebe auf Kredit angewiesen sind, müßten sich. dem Belingen eines solchen Beginnens hindernd in den Weg stellen. Auch ist trotz allen: die Staatsgewalt in Italien noch, nicht so autoritätslos, daß sie allzu weitgehenden umstnrzvlänen auf die Dauer ruhig zuzusehen gesonnen v^äre. Bis jetzt ist die ganze Bewegung sozusagen friedlich verlaufen, aber jeder Augenblick kann zu einer Verschärfung der Gegensätze und' zu Gcwaltausbrüchen Ohren. , "' . Die Vorgänge in Italiensfind'syniptomatisch für die allgemeine Unruhe, welche allenthalben die ruhige Entwicklung zu normalen Zuständen behindert, deren die W-lt w sehr bedarf. England wird von einem gewaltigen Ausstand bedroht, welcher die Hauptadern seines Leberts- Prozesses ab-nschnnren beabsichtigt,. und der Bolschewismus in Rußland denkt trotz seiner militärischen Niederlagen, die ihm Polen in den letzten Äogen. beigebracht hat, noch nicht daran, sich endgültig geschlagen zn geben. Wie wenig aber Lenin »qch Trotzki. der Versuch geltrngen ist, mit den Gewalt- Amerika und -er Friede. Amsterdam, 7. September. Nach einer New-Vorker Meldung erklärte Cox l» einer Adreffe zum Arbeitstag, die Vereinigten Staaten mußten den Frieden ratifiziere«. , ■ KriegsvorbereitungeR Polens gegen die Tschecho-SlvWakei? Prag^ 7. September. (Tel.-Kamp.) Die „Narodni Politika" bringt alarmierende Gerüchte von neuen Kriegs Vorbereitungen der Pole» gegtn b t c Tsch e ch o - Slowakei. ImTeschener Gebiet sollen die Polen bereits Schützengraben aufwerfen und gewi'"-' befestigen. ^__ Der 'polnisch-Mm:'' c Konflikt. London, 7. September. (Fuukspruch.) Nach dem „Daily Telegraph" dürften die Zwistigkeiten zwischen Polen und Litauen binnen Wochenfrist ch seift. Rach Warschaus MeldunA^ ''HÄ.-^dE' 'Doliüsche' Regierung 'ihr Altrmatum an die. Manische Regierung, SnwaM binnen zehn Tagen zu räumen, zurückgezogen. . ' »>««!«! iiniiiiHi ui iiiiiii i iiii'iiiiiniiiiniirnii'iiiiiniiii Miiininiiimwnnn Mitteln der Diktatur eilte neue Wettordttung zu begründen, darauf werfen die Enthüllungen der letzten Tage, welche von einer Seite kommen, die in dieser Hinsicht unverdächtig ist, ein charakteristisches Licht. Die unabhängigen Sozialisten Deutschlands, welche vor einiger Zeit j eine Kommission ihrer prominentestetzFührerzunrStudimn j der dortigen Verhältnisse nach Rußland geschickt haben, .j eine Partei, in der starke Kräfte für den Anschluß an.! die Dritte Internationale tätig sind, hähen von den zurückgekehrten Delegierten Berichte erhalten, welche düs Debakel des bölschewikischen Experiments' nunmehr vor aller* Welt ertthüllem Diese Berichte wißen vieles von Not und Elend in Rußland zu erzählen, der große Aufschwung hat sich nicht eingestM, die Arbeitslust läßt vieles zu wünschen übrig, auf allen Gebieten herrschtein Zwang, der durch den bolschewikischen Selbsterhaltungstrieb notwendig geworden ist,, und an die Stelle - der. altrussischen Bureaukratie ist eine gewaltig angewachsme neue SowjetbureaukrMe getreten. Die Berichte radikal links orientierter deutscher Sozialisten lasten eine. Nachahmung des russischen - Exempels nicht gerade als verlockend erscheinen, zumal für Länder nichts deren höherentwickelte Mrtschastsstrtfe die Komplikationen im Gefolge eines solchen Experiments nur-noch erheblich steigern müßte, und zu denen auch Italien gehört. Trotzdem wird der Bolschewismus in Rußland wohl noch etliche Zeit dauern, bi^ er an seinen inneren Unmöglichkeiten zugrunde geht. Dieser Entwicklungsprozeß, an welchem das übrige Europa in verschiedener Hinsicht aufs stärkste interessiert ist, kann nur gefördert werden, wenn man sich in den demokratisch regierten Staaten ehrlich bemüht, alles zu vermeiden, was die soziale Gärung vergrößert, und den Zug der Zeit begreift, die der Gewalt müde ist, nach Ueberbrückung der Gegensätze und nach entschlossenem sozialen Fortschritt verlangt. Mit den bisherigen, den Bolschewiken gegenüber eingeschlagenen Methoden des Stacheldrahtzauns ist einewerkehrte Wirkung erzielt worden. Wenn, wie zu wünschen ist, in Riga zwischen Rußland und Polen ein baldiger Friede zustande kommt, wird der Bolschewismus mit gesftttzten Schwingen heimkehren. Es wäre das Verkehrteste, ihtr. künstlich zu reizen und zu neuer Kraft- I anstrengung zu entfachen. Mit der bisher betriebenen ' Politik der -Isolierung Sowjetrußlonds zu brechen und i dieses schleunigst in den allgemeinen Prozeß der Welt^ I Wirtschaft einzubeziehen, ist der einzige Weg. de,' zur s inneren Beruhigung Europas führen tamu ' Eine Gewifiensfrage vor de« Wahlen. Es. gibt bekanntlich eine Bev ölkerungs s ch ich i in Wien und anderen Städten Oesterreichs, die politisch,' rechtlos ist: Die ostjüdischen Kriegs- und Pogrom flächt-' linge, die seit August 1914 in Wien und anderen' Städten Oesterreichs zugewandert sind. Nur diejenigen, die mit den. breiten Schichten der Wi«n«r vstjüdischen Bevölkerung in Fühlung stehen, kennen ihre. Lage. Es hängt nicht nur das Damoklesschwert der Austreibung über ihnen und läßt sie nicht zur Ruhe kommieu. Das luxuriöse Leben einer dünnen Schicht hinaufgekvmmener jüdischer Spieler, Abenteurer und Kriegsgewtnner wird an ihnen gerächt, während sie selbst einen .furchtbareu Lebenskarnpf zu bestehen haben uud durch Fleiß/Genüg«. samkeit, unsägliche Entbehrungen sich in der feindseligen Umgebung behaupte«. Behaupten müssen! Demt eitle .Heimkehr in ihre frühere Heimat würde für sie den Weg in eine Hölle bedeuten. Dazu kommt,,:das; diel herrschende Situation benützt wird, um. den begreiflichen' Unmut der Bevölkerung auf die in Wien.siedelnden Qstjuden abzulenken, Und es sind dantt immer nur die «in Artnüt und verschämter Not lebenden jüdischen Familieit (von deren L^bensverhältnissen nur derjenige eine Ahnung hat, der die Statistik der Frau Anitta Müller kennt), tvelche das Kesseltreiben zu büßen Haben. :j.x; ' Wer schü tzt diese Ostjuden? Wer waht't ihr Recht? Die einzige nichtMische Partei, von der man es erwarten müßte, ist die SvziäLenwkrafte. Sie will.und kann. leine ..Iudenscklnk trubve^ienN Sihii Sie will und. kann - keine jüdischen Führer können.schon deshalb, weil sie darauf bedacht sein müssen, den Judenpunlt nicht n Vordergrund zu rücken,, keine Fürkämpfer des Ostjuder, sein, und die sozialdemokratischen Kartei, hat ja auch die. politische Entrechtung der Ostjuden mitverschuldet. / Die jüdischen assimilatorischen sogenannten „frei> sinnigen" Wahlwerber dürfen es nicht 'einmal lvagen,. den österreichischen Ostjuden den Schutz auch nur zu versprechen, denn ihre Anhänger, die kapitalsstarh.' Wietter jüdische Gentry, hat sich als der'ausgesprochene Feind der Ostjuden erwiesen mch'' wiederholt "Müßte - man aus dem Munde hoher Derwalkungsbeamten. den traurigetr Einwand hörert, daß die Berjaguug der Ost-. jnden von bestimmter Wiener israelitischer Seite ge-' fordert werde. ' ' . ' -V . ' Wir brüsten, uns nicht damit, aber wir'konstatievLu ' -mit der Genugtuung.derjenigen, die. das. Gefühl bs l seelt,' eine teure Pflicht zn erfüllen, daß nur die 'Mischnationale Partei ' insbesondere 'ihre Wortführer' im Parlament und im Gemeinderat Sch ich .und Hott der'! vstjüdischen Brüder sind. Insbesondere-dem Abgeord--! neten Stricker ist es durch mannhaftes Auftretew:' und! seiner wirklich bewunderungswürdigen.' Umsicht! lungen, die Wiener Ostjuden vor krassent Mrecht und!! Vergewaltigung Lisnun zu bewahren:^DK'Mht-<Le,chg,5. einsichtige, gewissenhafte nrtd gerechte Beamte?inchiesem Staate, denen -daru', gelegen.äst, das! AitsHsn, publik nicht durch barbarische! Untaten! zu schände,.nb-cr;! es muß jemand da fein, der d fc s Eur e ch.t'. an^d c dft)>; und> de s sie n Durch führun g wer h üLtzch, .'Das.c kann nur ein bewußt jüdisches.Mamdchta.^. Es liegt bei der jüdischen Wählerschaft die Enw scheidnng darüber, ob sie die vstjüdischen Bri'chG.Einfach preis geben will, und es ist jetzt vom jüdisch>e'nt Wähler ernstlich zu erwägen, ob er sich selbst preisgeben will. Die antisemitischen Forderungen' rtach Entrechtung der Juden, Boykottierung der jüdischen Geschäftswelt.9 Ausschließung der Juden vom Hvchschülstudittm sowie'! nach der famosen „Prozeptnorm" haben ja auch bestanden, als es in Wien noch keine Ostjudenfrage gab.- Sie würde sich nach der Lösung der Wiener - judenftage im Sinne dev Herren Riehl, Knnschal und,., ihrer israelitischen Kombattanten, welche sich als * die s-ogenannteir „Bodenständigen" vereinigt habend selbstverständlich gegen die Wiener Juden zielen.; Es ist eine Frage an das Gewissen der- Mischeri' Wählerschaft, ob sie dadurch, daß sie am 17. Oktober die jüdischuatlonale Liste wählen und Persönlichkeiten wie Stricker und Än'.tta Müller zu Vertretern des" i jüdischen Volkes bestimmen, die' Ostjuden vor einet' traurigen Zukunft schützen oder sie der Willkür Judenhasses preisgeben und sich d a nt i i in - g e tt e ■e i * rft schneiden wo lle u.