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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-02 · Heft 580 (2.9.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 580 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/2. September 192(7 »Wer nttd selbst, sondern auch mit Rücksicht auf die vllgemeinen europäischen Verhältnisse zu wahren. Unser Verhältnis zur Entente ist klar. Der ent" scheidendste Faktor des Verhältnisses der sogenannten kleinen Entente zur Westenteute besteht darin, daß alle Verhandlungen sich im Kähmen der unterfertigten Verträge bewegen. Wir und unsere Verbündeten können einstweilen zur russischen Frage nur einen übwartenden Standpunkt einnehmen. Wir müssen rasch in wirtschaftliche Beziehungen mik Rußland treten. Auch das Verhältnis zu D e uts ch la pd ist unter diesen Umständen klar: Die korrekte und bohale Forderung der Geltendmachung der Friedensverträge und des Ausbaues wahrhaft friedlicher Beziehungen und normaler Verhältnisse, welche in gleicher Weise für die schließliche Konsolidierung der wirtschaftlichen und politischen Lage' in Europa notwendig sind. Das Verhältnis zu Polen wird sicherlich freundschaftlich, aufrichtig intib offen sein, so wie es im Interesse aller drei Staaten ist, daß dev Friede zwischen Polen und Rußland auf einer solchen Basis zustande komme, daß es zwischen ihm und Rußland keine weiteren Konflikte g,ebe. Bezüglich des Verhältnisses zu Oesterreich können wir feststellen, daß wir alle zu ihm in freundschaftlichem Verhältnis stehen wollen. Wir wollen auch hier die konstruktive Politik fortsetzen und zu diesem Zwecke eine gemeinsame Linie festsetzen, damit. Oesterreichs Existenz ermöglicht werde und damit Oesterreich mit uns so Zusammenarbeiten könne, daß weder seine Interessen Schaden erleiden noch die der drei Staaten. Der Wortlaut des Vertrages Mit Jugoslawien wird in den allernächsten Tagen veröffentlicht werden. Der Vertrag setzt eine gemeinsame Abwehr voraus, wenn irgend jemand den Vertrag von Trianon nicht einhalten würde. Der Vertrag hat einen reinen Abwehrcharakter und wurde dem Völkerbund und damit allen übrigen Verbündeten bekanntgegeben. Eine gleich freundschaftliche und aufrichtige Aufnahme fanden wir bei unseren Verhandlungen auch in Bukarest, wo wahrhaft aufrichtige und sehr enge Beziehungen zwischen uns und Rum än ien vorbereitet wurden. Da die Verhandlungen mit Rumänien ganz neuen Datums sind, werden einige Fragen in ihren Details noch geprüft werden müssen- und in den nächsten Tagen nach dem Eintreffen des rumänischen Gesandten in Prag zum Abschluß gelangen. Es wurde im ganzen auch mit Rumänien ein Einvernehmen in den zukünftigen Beziehungen und in unserer Gesamt- Politik hecgestellt. Das Exposs des Ministers wurde mit Beifall ausgenommen. Hierauf wurde beschlossen, in die Debatte einzugehen, die in der Nachmittagssitzung abgeführt wurde. Die Er« klärung des Ministers Dr. Venesch wurde mit * allen tschechischen Stimmen zur Kenntnis genommen. Die Nationaldemokraten absentierten sich während der Abstimmung. Politische Rundschau. Große zionistische Demonstration in Pretzbnrg. Eine Rede de» Abgeordneten Stricker. Preßburg, 31. August. Anläßlich der Zionistischen Jahreskonferenz der Slowakei, an welcher Delegierte aus der ganzen Slowakei und Karpatho-Rußland tetlnahmen, fand am 30. August im KomitatshaÜS von Ptttzbrrrg eine große Volksversammlung statt, bei welcher Herr Dr. Otlik in Vertretung des bevollmächtigten Ministers für die Slowakei eine herzliche Begrüßung des Ministeriums aussprach. Er erklärte, das Ministerium wünsche den nationalen zionistischen Bestrebungen voll st e n Erfolg und begrüße außerdem auch die ausländischen Gäste der zionistischen Tagung. Nach einer Ansprache des Vertreters des Zionistischen Zentral« komitees für die Tschecho-SloPakei sprach Herr Leo Herrmann aus London, Mitglied des Großen Aktionskomitees und Generalsekretär des /,Keren Hajassod", über die politischen Erfolge der.zionisti' schen Leitung und die sich hieraus ergebenden Notwendigkeiten iu bezug auf den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas, /insbesondere durch den „Keren Hajassod", den 25 - Millionen-Fonds, auf dessen Aufbringung sich nicht nur die Arbeit der zionistischen Organisation, sondern des gesamten Judentums konzentrieren müsse. Abgeordneter Robert Stricker führte aus, daß die politischen Erfolge der zionistischen Organisation bewiesen haben, daß die politische Methode des nationalen Judentums, seine Rechte zu verlangen, ohne sie durch! irgendwelche Gefälligkeiten erkaufen zu wollen, dis richtige gewesen ist. Der Aufbau des jüdischen Palästina kann nur freien Menschen, freien Juden gelingen, die auch in der Diaspora ihr jüdisches nationales Recht zu wahren wissen. Der Hinweis des Redners, daß nur nationalbewußte Juden, nicht ihr Volkstum preisgebende Assimilanten, ihrem Staate wertvolle Bürger zu sein vermögen, wurde vom Vertreter des Ministers mit demonstrativem Beifall begleitet, dem sich die gonLk». rtzvr-r^nmlung anschloß. . V— Die Lage der Juden in Ostgalizien. Ein Freund unseres Blattes, der soeben aus Ostgalizien in Wien eingetroffen ist, schreibt uns: Ostgalizien, das mit Ausnahme einiger Ortschaften bis unlängst fast der ruhigste Teil Polens war, scheint in den letzten Tagen das andere Polen noch übertroffen zu haben. Abziehönbe Truppen, Rekruten und hauptsächlich die P e t l jura-Armee, die in den letzten Tagen von den Resten der De nlkin-Armee komplettiert wirb, treiben ihr Unwesen, daß man des Lebens nicht sicher ist. Die Truppen rauben und morden, wenn man sich widerfttzt. Rekruten machen das Passieren der Straße unsicher, betrunken ziehen sie von einem Geschäft ins andere und demolieren, was ihnen unter die Hände kommt. Gar oft auch ereignen sich Fälle, daß aus dem fahrenden Zügö Juden herausgeworfen werden und daber den Tod finden. Diesen Exzessen ist man nirgends energisch entgeg-engetreten. Das ärgste ist die Petljura- Armes! — Es wurde dieser letztens ein Abschnitt südlich und nördlich des Dnjestr übergeben und die Besetzung begann mit Morden und Plündern in den besetzten Gebieten. So sollen Stanislau, Kalusz, Delatyn usw. ganz ausgeraubt sein. In Stanislau sind zwölf angesehene Kaufleute (natürlich Juden) ermordet worben, in einer anderen benachbarten Ortschaft sogar zwanzig. Kein Wunder, daß infolge der geschaffenen Lage die. Juden auf verschiedenen. Wegen das Land verlassen, was aber nur unter ungeheuren Schwierigkeiten und oft mit Lebensgefahr geschehen kann. Der französisch-deutsche Konflikt. Die Breslauer Exzesse radaulustiger Elemente, welche in Deutschland immer wieder die mühsam errungene Ruhe stören und deren Hintermänner die Aufwühlung der Volksleidenschaften für ein probates Mittel halten, um der Reaktion zum Triumph zu verhelfen, haben die ohnehin gerade genügend gespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern neuerdings verschärft. Frankreich fordert Sühne und es tut dies in einer Form, welche geeignet ist, das deutsche Selbstbewußtsein wieder empfindlich zu verletzen. In einer vom französischen Botschafter in Berlin der deutschen Regierung überreichten Note wird nicht nur die Wiederinstandsetzung des französischen Konsulats, die Bezahlung einer Entschädigung an die Konsulatsbeamten, die Ermittlung und Bestrafung cher Schuldigen und die feierliche Eröffnung des französischen Konsulats unter Assistenz einer "Kompagnie Reichswehr, welche die Ehrenbezeigung zu leisten hat, gefordert, sondern es heißt weiter, daß die deutsche Negierung dem Botschafter in kürzester Frist durch, den Reichskanzler ihr Bedauern aussprechen und zugleich die in der Note geforderte Genugtuung in vollem Umfang zusagen soll. Was hier verlangt wird, ist eine bloße Formalität; aber die Forde-, rung, daß der Reichskanzler persönlich die Entschuldigung' vorbringe, ist ein höflich' vorgebrachtes Diktat, das Deutschland wieder einmal zum schmerzlichen Bewußtsein bringt, daß die Zeiten der alten Herrlichkeit vorüber sind. Die französische Politik tut.reichlich das ihrige, um Deutschland nicht zur Ruhe kommen zu lassen, und die Erzesse der deutschen Hetzer tragen dazu bei, den französischen Uebergrifsen alle etwa fehlenden Argumente zu liefern. Inland. Die Derfassnnysberatrtngek. In lw PrösftentschaManM auf dem Ballhausplatz begannen'heute um 10 Uhr vorntittägs unter dem Vorsitze-des Präsiden?«» Seih hie tUtörMteiischtzn Verhandlungen S'ehüfs Abschlusses eines Ueberttnkommens zwischen den Parieren über die Irttiigen Punk'-lS der Vrrfassungsfrage. Zunächst wurde eine allgsmeftis Aussprache Mr di« finanziellen F r'a g e-n> sv* > weit sie das Kapitel der Kompetenzerteilung zwischen Bund und Länder berühren. abgeführt. Mau beschloß, eilt engeres Kvmittze mit der Behandlung dieser Frage zu betrauen., . Hie Zahl der WüßLberechtifitm Dle Zahlung der Wahlbetechiigt-en aus MUird der i'.It mulgeit Monat dmchgesührten WälMaufiiähm« hat filt feien vtue Gesamtzahl Oon 1,100.869 Wahlberechtigten ergeben. Bei der. vorjährigen. Wahl in die konstituierende Nationalversammlung wurden 1,l25i687 Wahlberechtigte gezählt. Das Sinkn der Wählrrzlkfer ist zunächst daraus znrückzusühren, daß heuer die r e ich s d e u t sch e n Staatsbürger nicht wahlberechtigt , sind. Ein Teil des Abganges entfällt ans ausgewanderte Wahlberechtigte, ferner auch auf solch» Personen, die bei der allgemeinen feähleranfirahmL nicht. anwesend waren und deren Wahlberechtigung mcmMS eine« vorliegenden Wohnungsüste auch durch amtliche Behelfs nicht frftgestellt werden konnte. Ungarische HerbftmanLuer att Uv Öfters reichifch?v Grenze Die Korrespondenz Herzog meldet aus WieNer- , N e u st a d t •, Der Kommandant der mit dem Grenzschutz gegen Oesterreich betrauten Division Oberst Lehar hat vor einigen Tagen mit ungefähr 600 Offizieren, darunter einer Reibe von Generalstäblern, eine taktische Reise entlang der österreichischen Grenze begonnen, die dieser Tage zu Ende geführt wurde. Diese Gevewlstabsreise soll die Grundlage für DivisiovSmanöver bilden, die im Herbste längs der österreichischen Grenze angesetzt sind. Ans diesem Anlaß wird von Ungarn eine Setter feien, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng Der ruMch-polnM" Krieg. Der polnische Frontbericht. S&ffrf.fmt, 1. September. (Polnische Telegaphen» Agentur.) Frontbericht vom 81. August: Am nördlichen Flügel rücken Unsere Truppen ohne Widerstand von seiten des Feindes vor. In den Kämpfen, die Mit der' Räumung von Gorodok endeten, nahmen unsere Abteilungen über 100Y ME gefangen und machten bedeutende Beute. Am 30. d. M. besetzten wir Häjnowka (?). Oesilich von Cholm grüppicrte feindliche Abteilungen versuchten, die Kavallerie Bndjennhs zu unterstützen, offensiv ünfzutreten und eine Reihe unserer' SMukHen im Abschnitt von Dubienka bis MoNiatycze anzugreisen. Alle Angriffe wurden mit großen Verlüsten für den Feind zurückg«schlagen. Die Reiterei Vudjennys begegnet weiterhin im Gebiete von Zamvse dem entschlossenen Widerstand unserer Abteilungen. Zamose wurde ganz umzingelt. aber die tapfere Garnison der Stadt verteidigt sich heldenmütig und bringt dem Feinde schwere Verluste bei. Die Kolonne, die auf Grabowiec vorrückte, wurde durch die zweite Division der Legionäre nach blutigem Kampf gegen Süden zurückgedrängt. Die Aktion Budjennys ist bank der ersa^gveichen Tätigkeit unserer Verfolgungsgruppe in seinem Rücken größtenteils mißglückt. Der Gmppe gelang es am'30. August, bedeutende Mengen feindlichen Trains zu erbeuten, In Kleinpolen ist die Lage unverändert. Unsere Kavallerie hat Chodorotv besetzt und verfolgt den sich auf Rohathn zmrüch ziehenden Feind. . , - ’ Moskauer Frontberlcht. Moskau, 1'. September. (Funkspruch.) Frontbericht vom 31. August: Im- Forst von Bjelowesch wurden feindliche Angriffe blutig abgewiesen. Alle Der-, suche des Feindes, den Bug zu überschreiten, wurden abgeschlagrn. Südlich von Grubieszow Vorrückung gegen Westen. Im Gebiet von Lemberg und Buczacz wurden alle polnischen Angriffe abgewiesen. Die Erklärung Pilsudskis. London, 1'. September. (Funkspruch.) Die (gw klärung Marschall P i l s u d s k i s, der sich gegen bi«. Einnahme einer bloßen Verteidigungsstellung Und für die Vorrückung der Grenzen gegen Osten aussprach,; hat in Londoner Kreisen überaus großes Aufsehenerregt. Die Londoner Presse stellt aus diesem und cmij anderen Anzeichen fest, daß die polnische Militärparttiis trotz der eindringlichen Warnung der Entente, bestrebt ist, die Grenzen Polens zu erweitern. Die mäßigenden Einflüsse in Warschau seien im Schwinden begriffen.^ Nur der Organisator der Freiwilligenarmee, General Halter, erhebe seine warnende Stimme. Die Angriffs-, lust Polens sei umso verwunderlicher, als General! Weygand, dev der eigentliche Retter Polens war,-sich', gegen eine polnische Offensive ausgesprochen habe. Der polnische Minister für Aeußeres sei für Mäßigung unh man hoffe, daß er die Zügel nicht locker lassen werde.. Die Erfolge der Reiterarmee Budjennys, deren Bedeutung den Polen unmöglich entgangen sein könne, lassen es nicht als ausgeschlossen erscheinen, daß die militärische Lag-? Polens eine ungünstige Wenduna! nehmen könnte. Die tttsstsch-polriischer, Friedensverhandlunge« nicht abgebrochen. Warschau, 1. Cevtrmber. (Funkspluck.) Die Vorschende btt pvlniicheN Fcttdcns.ibordnung D o m s k i erklärte gcstem den Wottchauer Pressev>rlrttem, daß d^e Abrcise eines Teiles dcr Abvrdnung von Minsk keineBertagung, sondern n u v eine kurze U n t e r b r, e ch n n g d e r Verhandlungen bcdcnte, die durch die notwendige persönliche Berichterstatimig an die Neuerung brd ngt se>. Die polnische Abv'dnuag habe unter dem geringen Entgegenkommen der russischen Mrt'tärktt se za leiden -ehM. Dre letzten Verhandlungen in- Mmst berechtigen zur Haftung oui Eilcichierung der wenere« WasfcNlilllstandS--und Fnedensverhandlungen. da die russisch« AvttdnikNg erklärie, daß die arnangs aufgestellten 1K' Punkts kelneßsallS endWtig. sondern eine Grundlage iür Gegenvorschläge seien. Die Holtung dtt russischen Abordnung lasse erhoffen, daß der von Polen gewiitrichte dauerhafte Friede bald abgeschlossen sem werde. Vötzkst tzsttse Über den Krieg. Parts.. L. S.?ptLmher. (Tel.-Komp.) „Pstit Parisli'N^ verösseutttcht «invn Artikel, den dev *belannl^ Oberst Ho-u se gestern an amerttanische Blätter ge-- ftirdet hüi. Bezüglich russisch-polmschrn Krieges sagter darin, daß Polmr nach seinen Erfolgen alle möglichen Vorteile für sich herauszuschlagen trachten werdet Das Holschewittichs Rußland ist aber noch lang« nicht besiegt, denn so lange Lrotzki und Lenin Führer sind, werben immer nvne Heevö geschaffen werden und .dei- KsnfüEt wich immer von neuern ausslammen. Gerade jetzt sei ein sinniges Zusainmenwirken der Alliierten-: und eine völlig« HxLereinstlnunung in Fragen der.- äußeren Politik besonders geboten. -j Die pölnische Sotvjeitealernrtg in verhaftet. Warschau. 1. September. (Privat.) Laut' M-eldüng des Warschkljier „Robotnik" wurde in Warschau die p-olnische kommttn-stische Regiernng, die zur Zeit der Belagerung Warschaus gebildet wurde, verhasteft Unter den Verhafteten befindet fict». dm K^minle Poliiiieli?. KoNMMMy LilEl kL._

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