Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 580 (2.9.1920)
- Date
- 1920-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979658--05129-2990949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
K ^.••HpiU i« uipiae: ~ K1.90 i>v- '' U O»8tio»»preii«r -lest 8a» te tot tzPOMo«. L Bewirt, Xtfa» 3t i Mp I» bkt tu eint» BHttfcttfe* (XtcjU): RpMrtlldh., Stante» so^- MertrltÄelich 00.— M tyjtMtfiMfc für Men nn» r Lefterrei»: piWdMH .. Kronen »0.- Stzchrcho^lowakei: BMeatliq .. Krone» 10 — ««i-M-Nch. „ -rs.- UESrche-llowDscher DLHrnn, Üngern: ' . .Krone» »0.-. BKKjfitwIt# H 00 — » «ßnrische- «r»na,, l . Argoflawicn: «O»»«tch.. Lw« 0.— Ptaetel|fip»K4 - 18.- G, nt zirreta pttUFt Pm« K. t« PrLrumrerationspVeiser Monatlich Ü^^SR«! vierteljichrlich. - w» in Polnische» Wähnchp ScitfAteik! ' ■ Mmralttch. . . Mark t<Kkkrmrkrttch: , . Monatlich. . . Fr-meV».— Italien: , « Monatlich . . . . Lire . vchweiz: Monatlich. . . FraneP 0^».. Für dar üvriqe SkurlL«!»: vi«trllLhrlich Krone» L»Ov— Kedakttona.Sldmtntstratto« z KSten»S.Bez^raborstrL-0 Kelephoner «»«tnlstvati»» . <H0J8, Redaktion 40811k ab 8 Uhra-e«roorr.l»»0L VoMparlassenronto tSSMO Nr. 580 Wien, Donnerstag, den 2. September 1820 2. Jahrgang Vor neuen UmrvAzmigen. —k 3ß i e n. 2. Cchtcmbrr. Europa und seine Völker, gehen einer sehr kritischen Epoche entgegen, die vielfach an die Aem des Dreißigjährigen Krieges erinnert. Niemand, auch die eingeweihtesten Politiker und sogenannten maßgebendsten Faktoren in Len einzelnen Staaten nicht, kann mit Bestimmtheit Voraussagen, was die nächsten Wochen, beziehungsweise Monate der -ruhebedürftigen Menschheit bringen werden. Nur eines ist sicher: Von einer Epoche des äußeren und inneren Friedens sind wir weiter als je entfernt.- Nichts ist so symptomatisch für die Lage Europas als eine Aeußerung Lenins — auch dann, wenn sie nicht genau' wiedergegeben wurde — daß Europa einem neuen Weltkrieg entgegengeht.. Für den Ernst der Situation ist es äußerst bezeichnend, daß in London und Paris in starkem Maße mildem Sabel gerasselt wird gegen seinen früheren Verbündeten Rußland und daß sogar der französische Ministerpräsident Millerand in einer telegraphischen Note, betreffs des KriegsgefangenenvustauickW .der. Moskauer Regierung drohte, mit einer franzosiichen Flotte -in Südrußland einzuschreiten, „falls ein einziger Franzose gegen seinen Willen aus russischem Bodcst zurückgehalten. wird". Eine andere Frage ist die, ob die Regierungen der anderen Ententestaaten in der Lage und gewillt sind, Frankreich in einem Feldzug gegen Rußland Heeresfolge zu leisten.und ob üicht auch in Frankreich selbst gegen ein solches Unternehmen eure starke Opposition sich geltend machen wird. llcyr'-Hehr^ chedsiUmigstos Gefolgschaft leisten. -Das Aktionskomitee der englischen Arbeiterschaft hat Lloyd George mitteilen lassen, . daß es in seiner jüngsten Stellungnahme zur russisch-polnischen Frage einen Schritt zum Kriege und einen reaktionären Akt erblicke. Die englische Regierung hat daher umsomehr Ursache, der Stimmung /ihrer Arbeiterbevölkerung Rechnung zu tragen, als bei^ der letzten Nachwahl der sozialistische Kandidat mit großer Mehrheit über den Regierungskandidaten siegte. Unter solchen Umständen hat man in England keine besondere Lust, einen Krieg mit Rußland zu führen, der nicht nur der Mehrheit seiner eigenen Bevölkerung entweder unsympathisch ist oder sogar auf schweren Widerstand stößt, sondern überdies schiwere Verwicklungen in Irland, Indien und Aegypten zur Folge haben könnte. Die Zustände in Irland sind bereits auf einem Punkt angelangt, daß man konstatieren muß, Irland stehe am Vorabend der Revolution. Was aber die außereuropäischen Besitzungen Engländ§ betrifft, so ist es ein offenes Geheimnis, daß Entstr Pascha, der bis vor kurzem in Berlin verweilte uud möglicherweise sich noch immer dort aufhält, in engster Verbindung mit der Moskauer Regierung steht mit her unverhüllten Absicht, die mohammedanische Welt in Asten und Afrika gegen den englischen, beziehungsweise französischen und italienischen Entente-Imperialismus zu mobilisieren. Mag auch immerhin die asiatische und afrikanische Bevölkerung nicht die Fähigkeit oder Neigung besitzen, die bolschewikischen Ideen in sich aufzunehmen, so ist sie doch immerhin bereit, aus Unzufriedenheit mit den Verhältnissen, unter denen sie lebt und dies gilt besonders von der mohammedanischen Welt — jedermann zu folgen, der ihr Befreiung vom fremdnationalen Joch bringt. Wenn nun noch dazu der Umstand tritt, daß als ihr Befreier gerade Enver Pascha üuftritt, lftzr als Heros der türkischen Welt und gesegnet vom Scheik-ül-Islam alle Gläubigen aufrnst zur Entrollung der grünen Fahne des Propheten gegen jene Machst/ welche den Padischah aus Stambul vertreiben und auf den Mauern der Konstantinopler Moschee an der Stelle des Halbmondes das Doppelkreuz aufpflanzen wollen, dann vermag dieser Gedanke die Mohammedaner dreier Weltteile in die Arme des Bolschewismus zn treiben. Mit diesen Möglichkeiten rechnen alle ernsten, die Situation kühl überlegenden englischen Politiker Und mahnen daher, diesmal in Uebereinstimmung mit ihren französischen Kollegen, die derzeit siegreichen Polen zu Mäßigung. Bei dem Umstand,, daß einerseits angeblich in Ostgalizien ein ukrainischer Aufstand ausgebrochen ist, andererseits auch unter den polnischen Massen, unbeschadet aller nationalen Begeisterung, ein sozialer Zersetzungsprozeß um sich greift, wäre es ein Gebot der politischen Klugheit sowohl auf polnischer wie auf russr- Äscher Seite, ehestens in Friedcnsverh.audlungey emNtreten, und Pflicht der Entente, mit allem Nachdruck vermittelnd zu wirken. ' Niemand kann wissen, welche Komplikationen sich aus einer Fortsetzung des polnisch-russischen Krieges ergeben könnten, insbesondee dann, wenn auch England und Frankreich in diesen Krieg mit Rußland verwickelt würden. Käme es zu einem Kriege zwischen England und Rußland, dann würde er vorwiegend, wenn auch, nicht ausschließlich, in Asien oder Afrika geführt werden. Genau so, wie früher Napoleon und später Kaiser Wilhelm,' will nun auch derzeit Lenin den Kämpf gegen Englanö vorwiegend in Indien und Aegypten (welch letzteres vor seiner Unabhängigkeitserklärung steht) führen. Wenn nun auch Frankreich in die Aktion eingreist, dann ist — besonders nach den jüngsten Vorgängen in Breslau — die eminente Gefahr vorhanden, daß auch Deutschland in den Krieg einbezogen werden könnte und nach und nach das gesamte Mitteleuropa und der Balkan zum Schau- Platz eines neuen Weltkrieges iowie. neuer Renn' *iMotu»ii ’ werden könnte. über A Mgsben ckr kleinen kniente. i-rÄL DsKsmföderattorr. ~ Die kleine Entente soll die Politik AentraleMopos bestimmen. — Hilfe für Oesterreich. Prag, 1. September. (Tschecho-flow. Preßbur.) In f wendig, Wege zu suchen, wie man für die Zukunft zu der heutigen Sitzung des Ständigen Ausschusses ergriff vor Eingehenfn die Tagesordnung Minister des Aeußern Dr. Berresch.das Wort zu einer Erklärung, in. der es heißt:- Ich halte es für nötig, die Oeffentlichkeit eingehend darüber aufzuklären, was in den politischen Zusammenkünften in Belgrad und in Bukarest vereinbart wurde.- . Das Uebereinkommen ^iWwLeLLMhscho-WvWkL^Hug^lawienMdMunm. nstn ist ein'politisch äutzerordentlrch bedeutungsvolles Faktum. Es wird.nicht nur auf die Entfaltung der politischen Situation in. diesen drei Ländern einen weitreich enden Einfluß haben, sondern zum großen Teile Züe Politik in Zentralcuropa bestimmen . und auch auf die politischen Verhältnisse im übrigen Europa einen bedeutenden Einfluß ausüben. Es ist daher notwendig, sich vor Augen zu halten, welche Ideen die- Grundlage bildeten, um um jeden Preis zu dieser Bedingung der Ruhe und Ordnung rm Zweitens: Der einzige Weg zur endgültigen Ordnung ist die schnelle Anknüpfung wirtschaftlicher Beziehungen zu allen Nachbarn. Zum zweiten Punkt führte der Minister aus, daß diese zweite Grundidee dazu geführt habe, eine innige Zusammenarbeit mit Jugoslawien und Rumänien auf. zunehmen und sagte, die Politik der tschecho-slowakischeu .Republik sei überall und immer friedliebend und gegen jede Intervention gerichtet gewesen, und dieselbe Grundidee sei auch der sogenannten kleinen Entente der Tschecho- Slowakei, Rumänien und Jugoslawien inkorporiert worden. Die Taktik, die dabei befolgt werde, bedeute erstens den Frieden nach außen zu sichern, zweitens sofortige innige politische und dabei auch wirtschaftliche Beziehungen anzuknüpfen und drittens auf diese Art die innere Ruhe zu ermöglichen, um ungestört zu den sozialen Reformen übergehen zu können. Als dritten Punkt der Tagesordnung legte der Minister dar: Wir wollen Frieden und Ruhe mit Magyarien. Naturgemäß fällt es auf, daß wir alle drei Nachbarn Magyariens sind, wo immer noch ein Regime herrscht, das für uns alle eine Gefahr bedeutet. Es wäre jedoch sicher ein bedeutungsvoller politischer Fehler, wenn man diesen dritten Punkt, das heißt den politischen Faktor Magyarien, mit Rücksicht auf uns drei überschätzen wollte. Es besteht kein Zweifel, daß diese drei Staaten ein Interesse daran haben, daß der von Magyarien Unterzeichnete Friede von Trianon kon sequent eingehalten werde. Wenn auch zwischen uns ein Abkommen bezüglich der Durchführung des Friedensvon Trianon abgeschlossen worden ist, handelt-es sich doch nicht darum, dem heutigen Magyarien auf irgend welche Weise nahezutreten. Es handelt sich vielmehr darum, für eine endgültige neue Situation in unserer Umgebung den Boden zu ebnen. Der Minister gibt sodann eine Uebersicht über die politischen und sozialen Verhältnisse in Magyarien und erklärt: Es genügt uns nicht, gegenüber den Magyaren unserer! Widerwillen kundzugehen, sondern es ist not'. gegenseitigen freundschaftlichen .Beziehungen gelangen könnte. * Als vierten Grundgedanken führt der Minister an, daß man ' gegen jede Rekonstruktion der ehemaligen Monarchie und.gegen jede neue Föderation. austreten Wisse. Estauchen Projekte über eine Donaukonföderation oderstemgstens über eine Zollunion der ehemaligen Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie. auf. Ich,, glaube, sagte der Minister, es wäre durchaus überflüssig, heute diese Tendenzen zu befürchten, da sie niemals so' viel' Macht besitzen werden) um für uns, Jugoslawien und Rumänien, die Wiederholung der Geschichte burchzusetzen, die für uns so verhängnisvoll war. Wir Zweifeln nicht daran, daß die Rekonstruktion eines ähnlichen Gebildes, sei es in politfchem oder in wirtschaftlichem Sinne, für uns verhängnisvoll wäre. Man muß die politischen und die wirtschaftlichen Interessen genau PoMk zu gelangen. Dik^Grundideen«: Erstens: Me ^eren und das vereinigen, was am besten und leich. Srcherhert und dre Gefahrlosigkert von außen st dre ^st^n zu vereinigen ist. Unser Bund bedeutet den ersten ^nnern. schritt zur Bildung eines neuen politischen und wirtschaftlichen Systems in Zentraleuropa. , Es ist ein System, wobei die einzelnen St-aabeu eist wirtschaftlick-es und politisches Bündnis in der Form von verschiedenen kurzfristigen und wieder zu estkreuKrnden Verträgen bilden würden, welche der; sich Werden internationalen Situation und auch den politifmest, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen dieser dre§ Staaten entsprechen würden. Bezüglich der fiinften Grundidee äußerte sich' Dr. B e n e s ch folgendermaßen: . Die allgemeine politische Situation m Europa ist Heute schwierig und wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben, daß binnen kurzem eine völlige Äenderung eintreten wird. Die Situaüon. Europas wird einesteils durch das gegenseitige Verhältnis dieser Blocks, andernteils durch tzie Beziehungen jener 'Staaten, die zwischen diesen Blocks liegen, zu einander und zu diesen großen politischen Blocks bestimmt werden. Man kann voraussetzen, daß trotz aller politischen Schwierigkeiten die Einigbeit zwischen den Westmächten auch weiterhin aufrechterhaltrn wird, was wir vom Herzen wünschen müssen. Heben - dem Enteirleblock besteht der deutsche Bloch, der heute namentlich eine Konsolidierung im Innerst und die Heilung der Wunden anstrebt, die ihm der Krieg versetzt hat, der jedoch die Ereignisse in Europa aufmerksam verfolgt, um zu geeigneter Stunde mit seiner ganzen Kraft in die internationalen Verhältnisse ein-' zugreifen und ,in der Politik' Europas jerre Nölle zu spielen, die seiner Stärke angemessen' ist. D'en d.r.i.kte n Block bilden die Russen und der Osten, der''sich? heute in Revolution-und Anarchie befindet. Soll mun Zentraleuropa vor der Zerrüttung bewahrt werden, die jetzt Polen und Rußland durchwachen, müssen! wir, gleichwie-Rumänien und Jugoslawien, trachten, em< gemeinsam« Linie, eine. gemeinsame' Jnterefsensphärrs und gemeinsame politische Tendenzen -herzustellen. Aufgabe ..dieses Bündnisses ist daher, unsere wirllich:ii Interessen und die aemeitt/rmeu Bedürfniff.' nicht nur;’/4, - 1 ■! :i'U 'Xi ■ % :■ / - ch