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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-01 · Heft 579 (1.9.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 579 (1.9.1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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i; tr. 579 len, Mittwoch Stfette* MorgsrtzeitunA —«igy*1*-** M 'I.Septembtt 1920 '«'ritt»! '. f Der GenerttlMeik in Stnttgart. Berlin, 31. Augnstj/Rach Blätternrekdungdn Ms Muttgart erstreckt sich m streik nur auf die Arbeiterschaft in Groß-Stuttgerti^ Eßlingen und R-eUtlingett. Der Kost- Und EisenbühUveEhr wickelt sich mrmal ab.' In Stuttgart ist die Gas- »mb Stvomzusuhr seit Samstag eingestellt. Heute soll dish Schließung der Geschäfte durchjtzeMrt werden. Die 6ftJ;tte für BreSlan. r Berlin, 31. Anglist. (Wolfs.)' Der ftanzösischtz Botschafter überreichte haute deni Reichsmtnister des Auswckckigen die Note w«tgen der Breslauer Vorgänge. Die Rote stellt eins Reilis von Sühnforderungen, über die heute nachmittags ifi Reichskabinett eingehend beraten worden ist. Vor bilt Veröffentlichung der Note wird der Reichsminister des Auswärtigen noch 'eine Be- Mechmrs nrtt dem! französischen Botschafter haben. Wir die S^ziMper««- der Schule«. Prag, 31. Antzuft. (Lel.-Komp.) Kn Prag und den BorstLdten fanden! Montag eins ganze Reihe von sozialdemokratischen Mrsammlungen statt, die sich für die Ksztattsierung der Schulen aussprachett. Die dort ge-! faßte Resolution fordert die Verstaatlichung aller Mhulen, unent^rlttiche Unterrichtsertettung bis zur Univerfität und/die Erhaltung armer Schüler und Uni« PexWtShörer cmf Staatskosten. Der Dichter Machar — General. «k- OrchL W. Auäuft. Wie die Blätter melden, ist MkNEUusM.Äar Ma char zum General befördert Prügelstrafe k« Angar«. Dl^chM, 31. August. (Ung. Tel..Korr.-Bur.) Die etfammlung setzte heute die Verhandlung des krfes, durch den für gewisse Delikte die fe festgesetzt wird, fort. Das Eingehen in die latte wird in namentlicher Abstimmung mit £1 Stimmen beschlossen. l) Tagesbericht. Auftakt für da» «Lchste Winter- / fe«ester. / vo» Dr.-etmckch M»e. r^Weder ist eine Kundmachung des Rektors erschienen, me in ganz unverfänglicher Form ankündigt, daß infolge Wttch» Und Raummangels im nächsten Jahre nicht mehr ft» Ee Hörer werden ausgenommen werden können. Ansdeiondete macht der Rektor aufmerksam, daß alle die« fttägen« die bloß 'inskribiert und nicht immatrikuliert waren» im nächsten Wintersemester nicht ausgenommen WüLen., In vorsorglicher Weise ermahnt er diese, sich Mchtzeitig die Abgangszeugnisse zu verschaffen. f Diese Fürsorglichkeit des Herrn Regierungsrates WuMaNtt ist rührend. Er scheint plötzlich sein Herz für Me jüdischen Unrversitätshörer, denn nur um solche >elt es sich, entdeckt zu haben und wünscht sie vor Bftt Nachteil zu beschützen. Man muh sich vor Augen halten, was diese Publikg- Kon bedeutet. Sie soll eine Rückendeckung für all das Werden, was nun folgen wird. Den jüdischen'Studenten, Welche die Dekane im vorigen Semester wohlweislich Mt inskribiert haben, und unter diesen sind auch terretcher, werden im Wintersemester bei der Aufdie größten Schwierigkeiten gemacht werden, und man die UnivesitätSbehörden, ihren Geist und Khrtz Gebarung kennt, muß man in Voraussicht des Kommenden auch von uns aus blutenden Herzens, den DM für ein Semester Inskribierten den Rat geben, Dih Möglichst sofort um Aufnahme an anderen Universi- Men zu bewerben. | Das soll nicht heißen, Latz wir uns stillschweigend Mser reaktionären Maßregel der Universitätsbehörden Wen werden, einer Maßregel, die ausschließlich gegen Kuben gerichtet ist, mag sie sich auch noch so allgemein Kebarden. | Sie bedeutet eine tiefe Verbeugung vor der deutschnationalen. Studentenschaft, deren Wunsch auf Enttirnung der Juden «von Len Universitäten sie nach Mög- Hkeit zu erfüllen trachtet. s Es fei hier nicht das Wort ergriffen für die österreichischen Juden, die davonbetroffen werden sollen. "Dies ist nicht nötig. Das Rektorat wird sich gewaltig .irren, wenn es glaubt, daß es Liese wird üLweisött können, die in dem Staate, dessen Bürger sie sind, die Hochschulen besuchen wollen. So weit reicht die Autonomie der Universität denn doch nicht, daß sie sich über Recht itnd Gesetz hinwegsetzen konnte. > Aber das Rektorat möge, wenn es sich den Gründen der Billigkeit und Gerechtigkeit nicht verschließt, bedenken, daß es auch in den anderen Füllen eine schreiende Ungerechtigkeit ist, diejenigen, welche die Hochschule bereits besucht haben, vom ferneren Besuch derselben auszuschließen.! Meder sollen e8 die Juden sein, welche die Sünden der Deutschen im alten Oesterreich büßen sollen. Man muß sich ihrer Politik in der frühere!: Monarchie erinnern, um zu begreifen, daß neuerlich die Juden ihretwegen zu leiden haben. Von dem Grundsatz ausgehend, „An deutschem Wesen soll die Wett genesen", ging man damit um,, möglichst jvjel in der Monarchie zu verdeutschen. Jüdische Wühler und Wühlerinnen! HenLe de« 1. September Vegimr tyr Reklamationsfrist! Reklamiert euer Wahlrecht! Am Wahltag kann nur wählen, wer in die Liste eingetragen ist! Wer also nicht nachschaut und sich nicht vergewissert, ob er eingetragen ist, gefährdet sein Wahlrecht! Einsicht an jedem Wochentag von 3 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends, an Sonntagen und am Feiertag von 6 Uhr früh bis 12 Uhr mittags. In jedem Haufe muß bereits jetzt ein Verzeichnis der Wähler dieses Hauses angeschlagen sein, in welchem steht, wo die Wählerliste für dieses Haus aufliegt. Dorthin muß man gehen,/um Einsicht zu nehmen, ob man" m die Wählerliste eingetragen. ist. In dieser Hauswählerliste sind die Wähler des Hauses nicht mit Namen verzeichnet. Wohl aber ist ersichtlich, wieviel männliche und weibliche Wähler in jeder Wohnung vorhanden und eingetragen sind. Wahlberechtigt sind alle deutschöslerreichischen männlichen und weiblichen Staatsbürger, die vor dem 1. I ä n n e r 1920 zwanzig Jahre alt geworden sind. Wer erst am 1. Jänner 1900 oder später geboren ist, ist kein Wähler. Staatsbürger ist: I. Wer in einer Gemeinde der Republik Deutschöfterreich heimatberechtigt (zuständig) ist. II. Derjenige, der nach dem Umsturz die Staatsbürgerfchaftserklärung abgegeben hat. Auch die Frauen und Kinder derer, die eine solche Staatsbürgerschaftserklärung abgegeben haben, sind wahlberechtigt. Ferner diejenigen Personen, die nach Deutsch-Westungarn zuständig sind, denn gemäß dem Iriedensvertrag gehört Deutsch-Westungarn zu Deutschösterreich. Als in Deutschösterreich heimatberechtigt kommen für diese Wahlen auch diejenigen Personen in Betracht, die nach Deutschböhmen, Deutschmähren (einschließlich Brünn, Iglau und Olmütz) sowie dem deutschen Teil Schlesiens zuständig sind. Um eingetragen zuwerden, muß man das Alter von zwanzig Jahren (am 1. Jänner 1920), die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft und den Wiener Wohnort Nachweisen. Also braucht man: Meldezettel, Geburtsschein, Heimatschein, eventuell Staatsbürgerschaftserklärung, Reisepaß oder ein altes Arbeits- oder Dienstbotenbuch, wenn man nichts anderes hat, ein Militärzertisikat usiv.; kurz die Dokumente, in denen Alter und Staatsbürgerschaft amtlich angegeben erscheinen. Verheiratete Frauen müssen auch den TrauungsschM bringen. Die Reklamation muß nicht persönlich geschehen. Auch diejenigen können reklamieren, die erst jetzt nach Wieck gekommen sind. Auskünfte u.nb Durchführung von Reklamationen H a u pt b u r e a u, U., Tabor st raße20o, von 9bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 5 U h r n a ch m i t 1 a g s. Achtung! Gesinnungsgenoffen und -Genossinnen, die in der Taborstraße 1 dis 23, Obere Donaustrafte 91 bis 111, Stephaniestraße (gerade Nummern), Leopoldsgaffe 51, Tandelmarktgaffe (gerade Nummern), Karmelitergaffe und -plag. Krummbaumgaffe, Lilienbrunngaffe, Gredlerftratze. Hammer Pürgstallgaffe, Kleine und Große Spevlgaffe und Schöllerhofgaffe wohnen, werden dringend ersucht, sich heute oder an einem der folgenden Wochentage zwischen 6 und 7 Ahr abends im Verein Nordost- R., Taborstraße 21k, zwecks einer äußerst wichtigen Besprechung einfinden. 'Für die VI. Sektion Leopoldstadt: Singer Oeger Schriftführer. Obmünn. all l iinliilmi iiiiii i'ffm ' An einzelnen Arvnländerrt, in denen die Deutschen nicht «einmal eine beträchtliche Mnvrität bildeten, ich greife die Bukowina heraus, hütest Mit sich wohl, Gymnasien in der Sprache der Bevölkerung — in diesem Falle Rumänisch und Rnthenisch — zu errichten, sondern es wuchsen wie die .Pilze in «allen möglichen kleinen Städten deutsche GhnlMsien hervor. Und wurde irgendwohin anderssprachiges Gymnasium gegründet, so mußten doch mindestens deutsche Parallelklasseri errichtet werden. ES hätte stzlbstv-erständlich die nötige 'Gchüleranzahl gefehlt, um die Klassen Zck füllen, wenn sie nur Deutsche besucht hätten. Aber hier mußten nun die Juden die Nötige Watte bilden und zu Pionieren deutscher Kultur werden. Und sie. wurden.es auch. Weckn man heute von deutschen Oasen fox diesen Gegenden spricht, so sind es die Inden, die sie bilden und welche durch ihre tägliche sUmganssprache, Theastr und dergleichen helfen, den deutschsprachlichen Charakter zu wahren. Nün sind die Nationalstaaten gebildet und allmählich werben die deutsche,! Schulen von den diversen Negieruuge» aufgelassen. »Wohin nun sollen sich alle diese, die acht Jahr-r hindurch i.n deutscher Svrache von deutschen Lehrern unterrichtet wurden, wenden, da mit' einem Schlage bst! früheren deutschen Miversitäten in den NativnalstaMni verschwanden? - Und noch eines ist in Erwägung zu ziehen. Altewelche die Wiener Universität besucht haben, kehren Nr ihre Heimatländer zurück, wenn sie ihre Studien absolviert haben, sie bilden keine Konkurrenz für die anderen Hörer; in den Nationalstaaten helfen sie den Ruf der Wiener Schulen heben und bilden eine nicht zu unterschätzende Propaganda für Wien. - Aber das kümmert, wie e§ schrillt, die kompetenten Stellen nicht, die alles tun, um die Ausländer'von der Wiener Universität abzulenken. Diese unterscheidet sich hiedurch ,in.gar unvorteilhafter Weise von den anderen Hochschulen Europas, wie zum Beispiel Frankreichs, Englands, wo alles getan wird, unr Ausländer an die eigenen Universitäten zu fesseln. In Paris zeigt man den Fremden ein ungeheures Entgegenkommen und in Würdigung desselben unterstützt zum Beispiel die .rnmamsche Regierung auch ihre i.n Paris studierenden Staatsbürger, indeui sic ihnen durch ihre Gesandschaft für jGOO Lei 400 französische Franken auszahlen läßt, mit welchem Betrage' die Studenten dort mrsbommen können. Dst Universitätsbehörden mögen sicher sejn/ VW die jüdischen Studeuteu sofort ab strömen würden, wem« ihnen nicht, wie oben erwähnt, sprachlich? Hinderuisie iin Wege stündeit. In ganz kurzer Zeir wird mttv unsere Universität in Jernsatein viele Studenten abziehen. Es gilt also nur, eine kurze Zeit Geduld zu Haben, bis der Uebergang geschassen ist, und so möge die Universität, die die freie Lehrstätte der Wissenschaft sein soll, nicht den Makel auf sich laben, mit der Universität in Budapest, gegen welche bereits die ganze englische akademische Welt protestiert, in einem Ateinznge genannt zu werden; denn davor würde sie bann eine auch noch' so fürsorglich scheinende Kundmachung nicht schützen. . - Levi Bianchmi- Z» seinem tragischen Tod. Auf die Nachricht vo»l dein tragischen Tode Levt Biauchinis wandten wir uns an Herrn Oberrabbinel.- Dc. Chajes um nähere Angabe«! über die Bedeirtung dieser Persörrlichkeit fiir die zionistische Bewegung. Herr-Oberrabbiner D'r. Chajes teilt'«ns mit: „Mit aufrichtigem Schinerz erfuhr ich ans der, „Wiener-Morgenzeitung" vo«r der Erinordmtg des italienischen Konnn andante« Levi Bianchint. Ich habe in Sau-Remo GeleMi» heit gehabt, diesen für unsere Bewegnrtg so ivartvollen Menschen kenne,« zu lernen. Als ich mit dern von Inge,«dkraft strotzenden Mam«e dort und in Rorn über die Zukurift Palästinas und über feine Mitarbeit an dein Aufbau des Landes lauge Unterredungen gepflogen. hatte, konnte ich nicht ahne««, daß uns der überaus kostbare Mensch so bald durch eiu tragisches Geschick entrissen trmden würde. Levt Biaitchint war ein heldenhafter itaUciiijd)ci" Marineoffizier, der sich während des Tripoliskricges besonders anszeichnete Und den höchsten italienischen ÄiiUtär-. lorbett erwarb. Zur Zeit des Weltkrieges hat ihn dir italienische Regierung wegen seiner großen Erfahrungen und seinc^Tältrs zu. diplomatischen Missionen im Orient verwendet. Unter dem Einfluß Professor Weizmanns wurde Bianchmi, der einer bekannten jüdischen Familie in Padua entstammt, ein begeisterter Anhänger des Zionlsmits und stellte, in den letzte« Jahren feines Lebens seine ga«,ze aitsterordentliche Arbeitskraft und Organisationsfahr'gfeit in tien Dienst der Sache. Bor ztvei Jahren kam Bianchiirl als Pertreber des italienischen Gemeindebundes in die ziouisttsthe Stouimiffioii und wurde der berufene Mittelsmaim zwischen der ita-lieni-- fcheu Regierung ttird der zionistischeu Organisation. Bor etwa eiiiem Jährr k-ehrte er nach Jlalien zrtrück und wurde von der itülienisch-en Regierung ins Marineittinistertlrin berufen, um auch da gewifstrutaßen als -Beriraitünsinantr der italienischen Regierüngsstellen in de«« jildifchrn Orieuia««gel-egenheitüt zu wirken. MS in San R<Mv die Entscheidung fallen sollte, eilte tt dorthin, um in« C'inverrtehmÄr mit den zionistischen Führern bei bönt datirnligen Ministtrpräsibcuten Rltti Und seinen Beratern für ML UnserenMiutsche«, cut sprechende Lösrurg der Palästina-Fküge zu arbeiten. Dort und in Rom habe ich mit ihm des ausführlichen «ein z««- künstigeS Arbeitsprogranrm besprochen und ihn« «rahegelegt, er nröchte als Chef der jüdischen CmigratioUsstell^ in Trie st bis in diefern für' uns so tsichtigev HkftN uotwendigc Organisation deS AuSwanderungSwesenS ttbernehrnen. Cr ttklärte sich dazu bereit, indem er hinzu fügte, er fit Hw sich als Soldat des jüdischen Volkes und werde bertitivilltgst jede Aufgabe itbernehmen, die ihm die Leitirng im Iick-tresse des Volkes stellen werbe. Was ihn jetzt nach Damaskus geführt hat — vb ein Auftrag setner Regierung oder der palüsttnensifchen Regierung — ist mir unbekannt. Ich gebe noch ümüer' die Hoffnung uicht uns, daß die traurige Nachricht.sich «l8 unbegründet erweisen witck». Sollte sie aber doch Bestätigung fiirden, so wird ba§ jüdische Volk diesem seinem trauen Sohn, ein <ljr^'„des Andertkerr unter urrferer« Märtyrern bewahren." Der Iofttt für die Kries-gefangene«. Budapest, 31. August. (Ung. Tll.-K»>rr.-Bur.) Wie der Präsident des Joint Distribntiort Committee iit5to* Vvrk in einer Zuschrift an den „Pester Hlvyd" ntii> ftilt, hat das amerikanische Rote Kreuz für die tesörderung der in Sibirien befindlichen Henen 250.000 Dollar eingeznhlt. Das oben Kymitec hat für den gleichen Ztveck ebANialls 25.0.006 t'

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